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Full text of "Die Kreideablagerungen zwischen Elbe und Jeschken, Teil 3"

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Abhandlungen  der  PreoBlschen  Geologischen  Landesanstalt 

Nene  Folge.  Heft  159 


Die  Kreideablasrerunsren 
zwischen  Qbe  und  Jeschken 


Teil  QI: 

Die  Fauna  der  obersten  Kreide  in  Sachsen, 
Böhmen  und  Schlesien 


Von 

Hermann  Ändert 

in  Ebersbach  i.Sa. 


Mit  19  Tafeln,  6 Tabellen  und  102  Textabbildungen 


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Herausgegeben 
von  der 


Preußischen  Geologischen  Landesanstalt 


BERLIN 

Im  Vertrieb  bei  der  Preußischen  Geologischen  Landesanstalt 
Berlin  N 4,  Invalidenstraße  44 

19  3 4 


Abhandlungen 

der 

Preußischen 

Geologischen  Landesanstalt 


Neue  Folge 

Heft  159 


BERLIN 

Im  Vertrieb  bei  der  Preußischen  Geologischen  Landesanstalt 
Berlin  N 4,  Invalidenstraße  44 


Die  Kreideablagerungen 
zwischen  Elbe  und  Jeschken 

Teil  III: 

Die  Fauna  der  obersten  Kreide  in  Sachsen 
Böhmen  und  Schlesien 

Von 

Hermann  Ändert 

in  Ebersbach  i.  Sa. 


Mit  19  Tafeln,  6 Tabellen  und  102  Textabbildungen 


Herausgegeben 
von  der 

Preußischen  Geologischen  Landesanstalt 


BERLIN 

Im  Vertrieb  bei  der  Preußischen  Geologischen  Landesanstalt 
Berlin  N 4,  Invalidenstraße  44 


Inhaltsverzeichnis 


Beite 

Einleitung 7 

Benützte  Privatsammlungen 11 


Stratigraphischer  Teil 

Das  Cenoman 14 

Das  Unterturon 14 

Das  Mittelturon 15 

Das  Oberluron  aß 18 

Das  Oberturon? 21 

Der  Emscher 24 

Das  Untersenon? 32 

Kreide  außerhalb  der  Sudeten 34 

Die  Bedeutung  der  Inoceramen  für  die  Stratigraphie  der  sudetischen  Kreide  ...  36 

Nachtrag  zu  Teil  I und  II: 

1.  Die  Therme  hei  Schreckenstein  im  Böhmischen  Mittelgebirge 38 

2.  Bohrung  an  der  Balzhütte  1930  39 

3.  Brausnitzbach  Abt.  23  NO  von  Lohmen 39 

4.  Ziegeleigrube  N unweit  Kaum  bei  Schweizermühle  40 

Tabellarische  Übersicht  der  strati graphischen  Verhältnisse 41 

Die  bisherigen  Ansichten  über  die  Stratigraphie 42 

Übersichtstabelle  über  die  Verbreitung  der  hier  behandelten  Arten 43 


Paläontologischer  Teil 

Protozoa 68 

Spongiae 68 

Anthozoa 70 

Asteroidea 71 

Echinoidea 72 

Vermes 78 

Bryozoa 79 

Brachiopoda 79 

Lamellibranchiata 84 

Scaphopoda 346 

Gastropoda 348 

Cephalopoda 389 

Crustacea 408 

Pisces 411 

Verzeichnis  der  Fundorte  mit  Erläuterungen 417 

Cenoman 419 

Unterturon 419 

Mittelturon 420 

Obertu ron  aß 436 

Oberturon  ? 441 

Emscher 443 

Untersenon  (?) 451 

Pal  hont  ologisches  Name  ns  Verzeichnis 452 

Literaturverzeichnis 468 


Abh,  preuß.  geol.  L.-A.,  Neue  Folge,  Heft  150 


Abkürzungen 

E = Einscher 
OT7  =•  Oberturon  7 
OT  a ß = Oberturon  a ß 
MT  = Mitte!  turon 
U T = Untert  uro  n 
C = Cenoman 
(A)  = Sammlung  Andhrt 


Die  tschechischen  Schriftzeichen 


Ortsnamen  sind  auf  den  böhmischen  Landkarten  entweder  in  deutscher^)  der 
in  tschechischer  Sprache  aufgeführt.  Zur  Orientierung  seien  die  tschechischen 
Schriftzeichen,  wie  sie  in  der  deutschen  Sprache  meist  ausgedrückt  sind,  hier 
wiedergegeben. 


tschechisch 

c 

e 

n 

f 

§ 

v 

i 


deutsch 

tsch 

je 

nj 

rsch 

sch 

w 

sch  (weich) 


Einleitung* 


Als  vor  25  Jahren  mit  dem  Aufsammeln  und  Bearbeiten  der  sächsisch- 
böhmischen Kreidefossilien  begonnen  wurde,  lagen  die  stratigraphischen  Ver- 
hältnisse in  der  südetischen  Kreide  noch  sehr  im  Dunkeln.  Wohl  war  eine 
Anzahl  fossilreicher  Punkte  ausgebeutet  und  bearbeitet  worden,  ihr  gegen- 
seitiges Verhältnis  war  aber  meist  noch  unbekannt.  Geinitz  hatte  in  teils 
umfangreichen  Arbeiten  das  sächsische  Elbtalgebirge  behandelt,  hier  aber 
nur  cenomane,  unterturone  und  mittelturone  Schichten,  die  durch  ihren  Fossil- 
reichtum anregten,  eingehender  bearbeitet.  Der  Zusammenhang  der  höheren 
Horizonte  blieb  ihm  verborgen.  In  letzteren  versuchte  sich  Petrascheck  kurz 
vor  Beginn  meiner  Tätigkeit  durch  einige  kleinere,  aber  tiefgründige  Arbeiten. 
Das  wichtigste  älteste  Werk  über  die  böhmische  Kreidefauna  stammt  von 
Reuss.  Die  Stratigraphie  ist  den  damaligen  Verhältnissen  entsprechend  noch 
wenig  gegliedert.  Durch  die  späteren  zahlreichen  Arbeiten  von  Fric  war  in 
der  böhmischen  Kreide  reiches  Tatsachenmaterial  zusammengetragen  worden, 
jedoch  dessen  Verwertung  für  die  Stratigraphie  bei  der  Ausdehnung  des 
böhmischen  Kreidegebietes  zum  großen  Teil  noch  nicht  möglich.  In  der 
Glatzer  Kreide  war  der  fossilreiche  Kieslingswalder  Sandstein  von  Geinitz, 
Langeniian  & Grundey  und  Sturm  bearbeitet  worden,  in  der  Löwenberger 
Kreide  lag  die  Fossilbearbeitung  von  Drescher  vor.  Außerdem  gab  es  noch 
eine  Anzahl  kleinerer  Arbeiten.  Bei  den  unklaren  Darstellungen  in  der 
Literatur  konnte  der  ernsthafte  Versuch  von  Scupin,  1907,  stratigraphische 
Vergleiche  in  der  südetischen  Kreide  zu  ziehen,  zunächst  auch  nur  geringen 
Erfolg  haben. 

Meine  Arbeiten  begann  ich  im  Gebiet  von  Kreibitz.  Mit  Ausnahme  des 
beim  Bau  der  Böhmischen  Nordbahn  im  Jahre  1868  an  der  E.-St.  Tannenberg 
(jetzt  Tannendorf)  gesammelten  Materials  war  in  Sammlungen  und  Museen 
wenig  Fossilmaterial  vorhanden.  Meist  waren  es  Steinkerne  ohne  Hohldruck, 
so  daß  die  Außenskulptur  der  Schale  nicht  einwandfrei  festzustellen  war. 
Durch  das  Aufsammeln  von  Hohlabdrücken  neben  Steinkernen  gelang  mir 
in  vielen  Fällen  ein  sicherer  Vergleich  mit  den  Kalkschalenexemplaren  aus 
anderen  Gebieten.  An  einzelnen  Stellen  war  das  Material  so  günstig,  daß  ich 
von  verschiedenen  Arten  auch  das  Schloß  freilegen  konnte.  Durch  unmittel- 
baren Vergleich  der  gesammelten  Stücke  mit  denen  aus  anderen  Horizonten 
und  anderen  Gebieten  konnten  so  viele  Irrtümer  beseitigt  werden. 

Durch  die  Beschäftigung  mit  den  Fossilien  der  Oberen  Kreide  während 
vieler  Jahre  war  es  möglich,  auch  kleinere  Bruchstücke,  die  man  im  allgemeinen 
als  wertlos  beiseite  zu  legen  pflegt,  oft  mit  Sicherheit  zu  erkennen  und  zu 
bestimmen.  Auch  derartige  Stücke  möchte  ich  als  Belege  und  Urkunden  an- 
gesehen wissen. 

Den  Hauptanteil  an  der  Bearbeitung  nehmen  bei  weitem  die  Lamelli- 
branchiaten  ein.  Von  ihnen  konnte  ich  tausende  von  Exemplaren  sammeln. 
Aus  der  böhmischen  Kreide  sind  über  diese  Zweischaler  nur  die  sehr  dürftigen 
Arbeiten  von  Fric  vorhanden.  Reuss,  1845/1846,  hat  von  ihnen  teilweise  gute 


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Abh.  preuß.  geol.  L.-A.,  Neue  Folge,  Heft  156 


Beschreibungen  geliefert,  aber  wie  Geinitz  meist  von  Arten  aus  tieferen 
Schichten.  Hier  fand  sich  ein  dankbares  Arbeitsfeld.  Durch  Messen  zahl- 
reicher Exemplare  konnte  die  Variationsbreite  einer  ganzen  Anzahl  Arten 
festgestellt  werden.  So  manche  Art,  die  als  vereinzeltes  Vorkommnis  neu 
aufgestellt  worden  war,  verschwand  in  den  Variationsreihen  einer  anderen. 
Deshalb  sind  auch  wenig  neue  Arten  aufgestellt,  hingegen  eine  Anzahl  älterer 
Arten  eingezogen  worden.  Ganz  besonders  lehrreich  und  ergiebig  war  in 
dieser  Beziehung  das  Studium  der  Panopaeen.  Die  anderen  Tiergruppen  treten 
gegenüber  den  Lamellibranchiaten  bedeutend  zurück.  Teilweise  sind  von  ihnen 
die  einzelnen  Arten  nur  in  wenig  Exemplaren  vorhanden,  teilweise  ist  das 
Material  zum  Studium  der  feineren  Skulptur,  wie  z.  B.  bei  den  Gastropoden, 
wozu  bei  Steinkernen  auch  noch  oft  das  Fehlen  der  Mündung  tritt,  wenig 
geeignet.  Vergleiche,  die  nur  auf  Literatur  hin  aufzubauen  sind,  wurden 
möglichst  vermieden,  da  sie  erfahrungsgemäß  keinen  Fortschritt  bedeuten. 
Denn  die  angezogene  Literatur  ist,  wie  das  in  der  Paläontologie  nicht  anders 
sein  kann,  leider  manchmal  auch  nicht  ganz  einwandfrei. 

In  der  Einleitung  zu  Teil  1 (1928)  wurde  geschildert,  wie  sich  die  anfangs 
beabsichtigte  Bearbeitung  der  Kreibitzer  Fossilien  allmählich  zur  Bearbeitung 
der  ganzen  sudetischen  Kreide  auswuchs.  Wenn  hiermit  der  letzte  Teil  dieser 
Arbeiten  abgeschlossen  wird,  so  schaue  ich  mit  Befriedigung  auf  Zeit  und 
Opfer,  die  die  Arbeiten  verursacht  haben.  Die  Klärung  der  sudetischen  Kreide- 
stratigraphie dürfte  einen  großen  Teil  vorwärts  gekommen  sein.  Die  Schwierig- 
keiten, die  die  früheren  Bearbeiter  einzelner  Teilgebiete  trotz  größter  Be- 
mühungen nicht  bewältigen  konnten,  sind  überwunden. 

In  entgegenkommendster  Weise  stand  mir  das  Fossilmaterial  der  Museen 
zu  Dresden  und  Prag,  der  Deutschen  Universität  zu  Prag,  des  Sächsischen 
Geologischen  Landesamtes  zu  Leipzig,  des  Museums  für  Naturkunde  zu  Berlin, 
des  Geologischen  Institutes  der  Universität  Breslau,  des  Realgymnasiums  zu 
Löwenberg,  des  Stadtmuseums  zu  Aussig,  des  Stadtmuseums  zu  Zittau,  des 
Humboldtvereins  zu  Ebersbach  und  besonders  des  Geologischen  Landesmuseums 
zu  Berlin  zu  vergleichenden  Studien  zur  Verfügung.  Teilweise  erhielt  ich  auch 
Vergleichsmaterial  von  der  Technischen  Hochschule  zu  Aachen.  Allen  Herren 
dieser  Institute,  die  mich  im  Laufe  der  Jahre  in  bester  Weise  unterstützt 
haben,  bin  ich  zu  größtem  Danke  verpflichtet.  Weiter  danke  ich  Herrn  Pro- 
fessor Dr.  Müller  in  Reichenberg  und  Herrn  Obersteiger  Erich  Donath  aus 
Zittau  für  geschenkweise  Überlassung  von  Fossilmaterial,  sowie  Herrn 
Bürgerschullehrer  Souicup  in  Jicin  für  Erlaubnis  zum  Studium  seiner  reich- 
haltigen, peinlich  geordneten  Sammlung  und  Herrn  Dr.  W.  Voutisch  in  Prag 
für  Genehmigung  zur  Benützung  seines  wertvollen,  selbst  gesammelten 
Materiales.  Dauernd  hat  mir  während  der  langen  Jahre  mit  Rat  und  Tat  Herr 
Professor  D«r.  Wanderer,  stellvertretender  Direktor  am  Museum  für  Minera- 
logie, Geologie  und  Vorgeschichte  in  Dresden,  zur  Seite  gestanden.  Auch 
sonst  bin  ich  bei  meinen  Arbeiten  diesseits  und  jenseits  der  Grenze  in 
reichem  Maße  unterstützt  worden,  daß  ich  Dank  nach  allen  Seiten  schulde. 

Im  Geologischen  Landesmuseum  stand  mir  insbesondere  auch  das  in  den 
letzten  beiden  Jahrzehnten  eingegangene  reiche  Material  zur  Verfügung,  das 
von  Herrn  Bankier  Zimmer  aus  Löwenberg,  der  vor  einigen  Jahren  einen 
tragischen  Tod  fand,  gesammelt  worden  ist.  Herr  Zimmer  hat  in  jahrelanger 
uneigennütziger  Tätigkeit  und  Aufopferung  dem  Landesmuseum  bedeutende 
Sammlungsschätze  aus  der  Löwenberger  Kreide  zugeführt. 


Einleitung' 


9 


Der  größte  Dank  gilt  aber  der  Preußischen  Geologischen  Landesanstalt, 
die  auch  den  Druck  des  III.  Teiles  übernommen  hat.  Persönlich  schulde  ich 
Dank  vor  allem  den  Herren  Professoren  Dienst,  Seitz,  Böhm  und  Schmierer 
sowie  Herrn  Geheimrat  Zimmermann.  Für  die  Drucklegung  wurden  von  der  Not- 
gemfeinschaft  der  Deutschen  Wissenschaft,  vom  Bankhaus  Petschek  in  Prag 
durch  Vermittlung  der  Herren  Professoren  Dr.  Spengler  und  Dr.  Liebus 
in  Prag,  sowie  vom  Humboldtverein  Ebersbach  i.  Sa.  in  hochherziger  Weise 
Geldmittel  zur  Verfügung  gestellt,  wofür  ebenfalls  herzlichst  gedankt  sei. 

Ferner  gilt  mein  besonderer  Dank  den  Herren  Zeichnern  von  der  Geo- 
logischen Landesanstalt  in  Berlin  sowie  dem  leider  mitten  in  der  Arbeit  durch 
den  Tod  abberufenen  Herrn  Professor  Dr.  Beyer  in  Biedenkopf  an  der 
Lahn  für  die  hervorragend  gelungenen  Abbildungen. 

Meine  Aufgabe  lag  in  der  Bearbeitung  der  Fossilien  und  ihrer  strati- 
graphischen Einstufung.  Unter  diesem  Gesichtspunkte  wurden  auch  in  erster 
Linie  die  Geländearbeiten  durchgeführt.  Die  vollständige  Unklarheit  der 
stratigraphischen  Verhältnisse  in  einem  großen  Teile  des  bearbeiteten  Gebietes 
veranlaßte  mich  zu  den  in  Teil  I und  II  geschilderten  Arbeiten.  Wie  not- 
wendig sie  waren,  zeigen  die  Ergebnisse. 

Im  Hinblick  auf  die  große  Ausdehnung  des  Arbeitsgebietes,  das  sich  von 
Jahr  zu  Jahr  erweiterte,  und  zuletzt  die  ganze  sudetische  Kreide  umfaßte, 
konnte  nicht  jede  geringe  Einzelheit  berücksichtigt  werden.  Beim  Ab  wandern 
des  Geländes  und  bei  Felsklettereien  wurde  der  Schwerpunkt  auf  die  Ge- 
winnung einer  Menge  von  genauen  Einzelprofilen  von  den  verschiedensten 
Stellen  gelegt,  aus  deren  Zusammenfassung  sich  das  stratigraphische  Bild 
schließlich  herauslesen  ließ.  Gerade  durch  das  Studium  des  ganzen  weiten 
Gebietes  unter  einem  Gesichtspunkte  war  es  möglich,  verschiedene  im 
einzelnen  vollständig  unklare  stratigraphische  Probleme  erst  zu  lösen.  Trotz 
der  großen  Zahl  gesammelter  Fossilien  sind  diese  in  einigen  mächtigen 
Schichtenstößen  sehr  selten,  Leitfossilien  infolgedessen  noch  viel  seltener. 
Für  die  Abgrenzung  der  großen  stratigraphischen  Horizonte  mußten  deshalb 
unter  gerechter  Würdigung  der  Fauna  die  faciellen  Verhältnisse,  Wechsel 
von  Ton  und  Sand,  hervorragend  mit  herangezogen  werden.  Eine  weitere 
Aufteilung  der  sudetischen  Kreide  als  hier  vorgenommen  erscheint  für  größere 
Gebiete  Undurchführbar. 

Lamprecht  hat  in  mehrjähriger  Felskletterei  im  fossilarmen  Elbsandstein- 
gebirge Schichtlinien  verfolgt  und  sagt,  daß  seine  Aufnahmen  -im  allgemeinen 
nur  um  etwa  10  m von  den  meinen  differieren.  Dieses  Ergebnis  ist  sehr 
befriedigend,  habe  ich  doch  eine  Schichtenfolge  von  ungefähr  700  m neu 
durchgegliedert.  Zur  Frage  der  Tektonik  sei  noch  einmal  wiederholt,  was 
1928,  1,  S.  7 hierüber  gesagt  wurde: 

„Nach  jahrelanger  Ungewißheit  konnte  so  trotz  der  Spärlichkeit  von  Leit- 
fossilien der  stratigraphische  Aufbau  der  Schichten  über  das  ganze  Gebiet 
klargestellt  werden,  wobei  sich  Störungslinien  meist  zwangsläufig  ergaben. 
Späteren  Untersuchungen  sei  es  Vorbehalten,  den  Verlauf  dieser  Linien  im 
einzelnen  genauer  festzulegen Vorläufig  mag  dahingestellt  sein,  in- 

wieweit der  Höhenunterschied  stratigraphisch  gleichartiger  Schichten  durch 
eine  einzige  vertikale  oder  eine  aus  kleinen  Staffelbrüchen  zusammengesetzte 
Bruchlinie  oder  durch  schiefgestellte,  oben  und  unten  abgebrochene  schmälere 


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Abh.  preuß.  geol.  L,-A.,  Neue  Folge,  Heft  159 


Streifen  oder  schließlich  nur  durch  eine  Zerrungszone  ausgeglichen  wird. 
Für  diese  Arbeit  kann  es  genügen,  daß  die  verschiedene  Höhenlage  gewisser 
Schichten  festgestellt  und  endlich  eine  Grundlage  für  weitere  Arbeiten  auf 
geologischem  Gebiete  geschaffen  ist.  Ist  es  doch  der  erste  Versuch,  um  in 
dem  fossilarmen  Östlichen  Elbsandsteingebirge  gewisse  Schichtengruppen  für 
stratigraphische  Zwecke  voneinander  zu  trennen.“ 


Abb.  1.  Tektonik  zwischen  Elbe  und  leer 
' I Das  nördliche  Tafelland.  II  Die  Mittelgebirgssenke.  III  Das  Einbruchsgebiet 
von  Pirna.  IV  Die  Piänerplatte.  V Das  Jeschken  gebiet.  1-4  Hauptstörungslinien. 

Nähere  Erläuterungen  hierzu  s.  Teil  I und  II 

Die  Aufteilung  in  Schollen  war  unbedingt  notwendig,  um  für  meine  Zwecke 
vorwärts  zu  kommen.  Ob  horizontal,  ob  1°  oder  3°  geneigt,  das  sind  Auf- 
gaben, die  der  Kleinarbeit  Vorbehalten  bleiben. 

Die  für  die  Tektonik  des  in  Teil  I und  II  bearbeiteten  Gebietes  wichtigen 
Linien  sind  aus  beifolgender  Skizze  ersichtlich  (Abb.  1).  Wenn  auch  entlang 
dieser  Linien  nicht  überall  ein  scharfes  vertikales  Abbrechen  der  Schollen 
gegenseitig  wahrzunehmen  ist,  so  sind  doch  diese  Linien  richtige  Grenzlinien, 
von  denen  aus  sich  ein  stärkeres  Einfallen  der  Schichten  beobachten  läßt. 
Daraus  ergibt  sich  auf  kürzere  Entfernung  ein  größerer  Höhenunterschied 
in  der  stratigraphischen  Höhenlage  der  Schichten. 


Benützte  Privatsammlungen 

Donatii,  E, : Obersteiger,  früher  Zittau.  Das  gesammelte  Material  ist  in  meinem 
Besitz. 

Donath,  Dipl.-Ing.  Dr.  M.,  Zittau  i.  Sa.  Das  gesammelte  Material  ist  teils  dm 
Besitze  des  Stadtmuseums  Zittau,  teils  in  dem  des  Geologischen  Institutes 
der  Bergakademie  Freiberg. 

Kogler,  Karl  f , früher  Schönbüchel  bei  Schönlinde  in  Böhmen,  Sammlung  jetzt 
im  Stadtmuseum  Aussig  a.  d.  Elbe. 

Privz,  Karl,  Fachlehrer  in  Tetschen  a.  d.  Elbe,  alte  Falkendorfer  Straße  928, 
früher  in  Böhm.  Kamnitz.  Einige  der  unter  seinem  Namen  aufgeführten 
Arten  befinden  sich  in  der  Sammlung  der  Bürgerschule  zu  Böhm.  Kamnitz, 
die  anderen  in  seiner  Privatsammlung. 

Seifert,  Dr.,  Dresden.  Sammlung  im  Museum  für  Mineralogie,  Geologie  und  Vor- 
geschichte in  Dresden  leihweise. 

Sitte,  Josl,  Markscheider  in  Zittau  i.  Sa. 

Soukup,  Josef,  Bürgerschullehrer  in  Jicin,  Fügerova  332.  (Originale  zu  Soukup, 
1929,  im  Narodni  museum  in  Prag.) 

Vortisch,  Dr.  W.,  Assistent  am  Geologischen  Institut  der  deutschen  Universität  Prag. 
Prag,  ViniCnä  3. 


Stratigraphischer  Teil 


Die  Stratigraphie  der  sächsisch-böhmischen  Kreide  ist  bereits  in  den 
vorangehenden  Arbeiten  eingehend  behandelt  worden  (Andeut,  1927;  1928,  1; 
1929,  2;  1931;  1932;  1933a — c;  1934).  Was  darin  über  die  Stratigraphie 
gesagt  ist,  wird  als  gegeben  angesehen  und  kann  hier  nicht  wiederholt  werden. 
Hier  handelt  es  sich  in  erster  Linie  um  die  Auswertung  der  Fossilien  für 
die  Stratigraphie.  Nur  wo  es  notwendig  erschien,  frühere  Ergebnisse  noch 
einmal  zu  bekräftigen  oder  sie  in  einer  strafferen  Zusammenfassung  zu 
bieten,  wurde  auf  die  bisherigen  Veröffentlichungen  zurückgegriffen. 

Seit  1927  haben  die  Sandsteine  von  Hohnstein,  Waltersdorf  i.  Sa., 
der  Heuscheuer  und  von  Hockenau,  die  früher  für  Emscher  angesehen 
wurden  und  jetzt  ins  Oberturon  gestellt  werden  müssen,  eine  Umdeutung 
erfahren.  Diese  ist  nachstehend  noch  einmal  eingehend  begründet  worden. 

Uber  die  Iserkreide  im  nordöstlichen  Böhmen,  die  für  die  sudetische 
Kreide  ebenfalls  sehr  wichtig  ist,  ist  eine  besondere  Arbeit  erschienen 
(Ändert,  1934). 

In  der  Löwenberger,  Heuscheuer-  und  Kieslingswalder 
Kreide,  die  1927  nur  flüchtig  behandelt  wurden,  hat  sich  durch  Untersuchungen 
an  Ort  und  Stelle  ein  klareres  stratigraphisches  Bild  herausarbeiten  lassen. 
Die  Löwenberger  Kreide  wurde  in  den  letzten  Jahren  wiederholt  aufgesucht, 
um  im  Gelände  verschiedene  unklare  Punkte  zu  klären.  Herr  Geheimrat 
Professor  Dr.  Zimmermann  hatte  in  dankenswerter  Weise  die  Freundlichkeit, 
mich  zu  den  Stellen  zu  führen,  die  ihm  während  seiner  langjährigen  Arbeiten 
in  diesem  Gebiete  als  besonders  wichtig  erschienen  waren.  Im  Sommer  1929 
untersuchte  ich  mehrere  Wochen  lang  die  Verhältnisse  an  der  Heuscheuer 
und  sammelte  besonders  in  den  mittelturonen  Plänern  von  Carlsberg,  im 
Sommer  1908  besuchte  ich  Kieslingswalde  und  sammelte  ebenfalls  zahlreiche 
Fossilien.  Leider  steht  hier  nicht  der  Raum  zur  Verfügung,  um  in  der  Glatzer 
und  Löwenberger  Kreide  über  die  Ergebnisse  der  Fossilbearbeitung  hinaus- 
zugehen und  ähnlich  wie  in  1928,  1,  und  1929,  2,  Gesteins-  und  Lagerungs- 
verhältnisse zu  behandeln. 

Die  Arbeit  hat  eine  vollständige  Klärung  des  Turons  und  Emschers  in 
der  sudetischen  Kreide  gebracht.  Bei  Beginn  meiner  Arbeiten  waren  die  Ver- 
hältnisse noch  sehr  verworren.  Am  besten  zeigt  sich  der  Fortschritt  in  der 
Erkenntnis  der  sudetischen  Kreide  beim  Vergleich  der  Übersichten  von  Sturm, 
1901,  S.  52,  Feegel,  1905,  S.  7 und  Scufin,  1912/1913,  S.  81,  mit  der  diesem 
Teile  beigegebenen  Übersicht  (S.  41),  sowie  bei  Betrachtung  der  Übersicht 
im  Abschnitt:  Die  bisherigen  Anschauungen  über  die  Stratigraphie  (S.  42). 

Veränderungen  von  Bedeutung  dürften  in  der  vergleichenden  Horizon- 
tierung innerhalb  der  sudetischen  Kreide  kaum  mehr  zu  erwarten  sein. 
Weiterer  Untersuchungen  und  vielleicht  Ergänzungen  wert  erscheint  noch  das 
Verhältnis  zwischen  Pläner  und  Sandstein  der  tieferen  Schichten  im  Heu- 


Sfcrtatigfraphischer  Teil 


13 


scheuergebiet.  Ich  konnte  mich  damit  nur  wenig  befassen.  Die  Zuteilung 
der  festgestellten  Schichten  zu  den  Altershorizonten  wird  natürlich  auch  weiter 
Abänderungen  unterworfen  sein,  da  hier  nur  relative  Verhältnisse  in  Frage 
kommen  und  auch  in  den  Ausgangsgebieten  der  Kreidestratigraphie  noch  vieles 
anscheinend  einer  besseren  Klärung  harrt. 

Die  sudetische  Kreide  ist  durch  die  Eigenart  des 
Wechsels  von  größeren  Komplexen  wasserdurchlässiger 
und  wasserhaltender  Schichten  ziemlich  schwer  ver- 
ständlich. Das  Studium  eines  kleinen  Gebietes  ohne  Berücksichtigung 
der  gesamten  sudetischen  Kreide  hat  bisher  meist  zu  falschen  Auf- 
fassungen geführt.  Die  mittelturonen  plänerigen  Schichten  mit  aufgelagerten 
oberturonem  Sandstein  a ß wurden  oft  verwechselt  mit  oberstturonen  Ton- 
mergeln und  Emschersandstein  im  Hangenden  in  der  Weise,  daß  man  entweder 
die  mittelturonen  Pläner  und  die  oberstturonen  Tonmergel  oder  die  ober- 
turonen  Sandsteine  und  die  Emschersandsteine  als  altersgleich  ansah.  Daraus 
folgert  sich  auch  das  wichtigste  Ergebnis  meiner  Arbeiten  in  der 
sudetischen  Kreide.  Es  ist  die  einwandfreie  Ausscheidung 
des  Oberturons  und  zwar  einer  etwa  200  m mächtigen  Sand- 
stein serie  (M  ergel  im  Böhmischen  Mittelgebirge)  als  Ober- 
turon  aß  und  einer  etwa  30  m mächtigen  Tonmergel-Sand- 
stein-Schichtenfolge  als  Obertu  ron  y in  der  ganzen  sude- 
tischen Kreide.  Die  Sandsteine  a ß liegen  zwischen  den  mittelturonen 
Plänern  mit  Spondylus  spinosus,  Terebratula  semiglobosa , Inoceramus 
lamarcki  var.  cuvieri  und  den  oberstturonen  Tonmergeln  y,  die  diese  Fossilien 
nicht  führen,  aber  in  großen  Mengen  Inoceramus  inconstans  Woods  em.  Ändert 
und  in  der  übrigen  Fauna  einen  starken  Einschlag  nach  dem  Emscher  hin 
haben.  Das  Verhältnis  der  oberturonen  Tonmergel  zu  den  Sandsteinen  im 
Liegenden,  wie  z.  B.  der  Zatzschker  Tonmergel  zum  Herrenleitesandstein, 
wird  erst  recht  verständlich,  wenn  man  sich  über  das  wiederholte  Auftreten 
von  mittelturonem  Pläner,  oberturonem  Sandstein  aß,  oberstturonem  Ton- 
mergel und  Emschersandstein  in  ihrer  fast  gleichartigen  faciellen  Ausbildung 
in  der  ganzen  sudetischen  Kreide  klargeworden  ist.  Eine  facielle 
gegenseitige  Vertretung  dieser  Horizonte  ist  ganz  aus- 
geschlossen (vgl.  a.  Ändert,  1933  c). 

Die  fast  vollständige  Übereinstimmung  der  schlesischen 
Kreidefauna  mit  der  sächsisch-böhmischen  zeigt  einwandfrei, 
daß  die  Lebensbedingungen  in  den  Teilgebieten  der  sudetischen  Kreide  zu 
gleicher  Zeit  fast  immer  dieselben  gewesen  sein  müssen.  Zu  beachten  ist 
dabei  nur,  daß  in  sandigen  Ablagerungen  die  Fauna  in  der  Regel  bedeutend 
ärmer  an  Arten  ist,  als  in  kalkigen,  so  daß  sich,  wenn  derartige  facielle  Über- 
gänge vorhanden  sind,  die  Fauna  entsprechend  ändern  kann.  Ein  schönes  Bei- 
spiel bieten  die  fossilreichen  Strehlener  Kalkmergel  bei  Dresden  gegenüber 
den  äquivalenten,  fast  fossilleeren  tonigen  Sandsteinen  des  oberen  Mittel- 
turons  in  der  Sächsischen  Schweiz. 

Auch  die  Facies-  und  Mächtigkeitsverhältnisse  unterliegen,  soweit  Fest- 
stellungen möglich  waren,  keinesfalls  so  zahlreichen  und  plötzlichen  Schwan- 
kungen, wie  es  unter  Verkennung  der  großen  Zusammenhänge  immer  wieder  be- 
hauptet worden  ist.  Man  wird,  wie  Pietzsch,  1932,  S.  74,  in  der  Besprechung  der 
ÜAMPRECHrschen  Arbeit  mit  Recht  hervorhebt,  gerade  in  sandigen  Ablagerungen 
mit  Meeresströmungen  rechnen  müssen,  wodurch  eine  Schicht  plötzlich  ab- 


14  Abh.  preuß.  geol.  L.-A.,  Neue  Folge,  Heft  159 

bricht  und  horizontal  durch  eine  andersartige  Sandmasse  ersetzt  wird,  die 
vielleicht  Jahre  später  in  die  Schichtlücke  hineingetragen  wurde.  Es  ist  ferner 
zu  berücksichtigen,  daß  unser  sudetisches  Kreidegebiet  für  Meeresverhält- 
nisse doch  verhältnismäßig  klein  ist  und  die  wirklichen  Ufergebilde  fast 
überall  verschwunden  sein  dürften.  Aus  diesem  Grunde  ist  auch  vermieden 
worden,  an  die  Facies  allerhand  Hypothesen  zu  knüpfen.  Unser  Kreidegebiet 
ist  sehr  einfach  zusammengesetzt.  Wie  oben  schon  ausgeführt,  besteht  es 
aus  einem  mehrmaligen  Wechsel  von  größeren  Komplexen  sandiger  und 
tonig-kalkiger  Sedimente,  die  in  der  ganzen  sudetisehen  Kreide  fast  gleich- 
artig auftreten,  mit  der  Einschränkung,  daß  regional  im  Mittel-  und  Unter- 
turon  die  kalkigen  und  tonigen  Sedimente  an  einigen  Stellen  von  sandigen 
abgelöst  werden  und  der  oberturone  Sandstein  im  Böhmischen  Mittelgebirge 
in  Mergel  übergeht. 


Das  Cenoman 

1923  Ändert,  1,  S.  111,  131;  Ändert,  1929,  2,  S.  191,  210,  211;  Ändert, 
1931,  S.  43;  Ändert,  1934,  S.  160,  S.  172  (Übersicht). 

Das  Cenoman  ist,  da  es  nur  an  den  Rändern  des  engeren  Arbeitsgebietes 
an  die  Oberfläche  tritt,  nur  flüchtig  behandelt  worden.  Die  Fauna  besteht 
meist  aus  Arten,  die  in  jüngeren  Schichten  nicht  Vorkommen.  Über  das 
sudetischc  Cenoman  ist  eine  Arbeit  von  Herrn  Dr.  W.  Häntzsciiel,  Dresden  x)) 
zu  erwarten.  Von  älteren  Arbeiten,  die  das  sudetische  Cenoman  behandeln, 
seien  erwähnt  Geinitz,  1,  1872;  Michael,  1393;  Fric,  1911;  Scupin,  1912/13. 

Die  Zone  des  Actinocamax  plcnus  wurde  dem  Cenoman  zugercchnet.  We- 
gen ihrer  zweifelhaften  Stellung,  ob  Cenoman  oder  Unterluron,  habe  ich  mich, 
Ändert,  1934,  S.  162,  kurz  ausgesprochen.  Weitere  Arbeiten  über  diese  Zone 
s.  Petrasciieck,  1905,  Scupin,  1912/13,  S.  26/30,  Zazvorka,  1929. 

Das  Unter!  urou 

Zone  des  Inoceramus  labiaius  Schlotheim 

1927  Ändert,  S.  10,  17,  18,  37  und  Tafelbeilage;  Ändert,  1928,  1,  S.  111 
bis  113,  131;  Ändert,  1929,  2,  S.  191,  192,  210,  211;  Ändert,  1931, 
S.  37,  43;  Ändert,  1934,  S.  162,  S.  172  (Übersicht). 

Auch  über  diese  Zone,  da  im  engeren  Arbeitsgebiet  fast  nicht  vertreten, 
ist  nur  wenig  zu  berichten.  Von  der  Fauna  sind  außer  den  auch  in  höheren 
Schichten  vorkommenden  Arten  (s.  Fossilzusammenstellung  S.  44  ff.)  nur  Ino - 
ceramus  labiaius  Sciilotii.  und  Inoceramus  hercvnicus  Petrasciieck,  die  als 
Leitfossilien  für  diese  Zone  gelten,  aufgeführt  worden.  Als  Leitfossilien 
werden  auch  einige  Cephalopoden  betrachtet,  die  jedoch,  da  sie  nur  auf  ein 
paar  Fundorte  beschränkt  sind,  hier  fortgelassen  wurden.  Die  Liste  enthält 
immerhin  68  Arten.  Sie  stammen  meist  aus  dem  Unterturon  von  Jicin,  wo  sie 
von  Herrn  Bürgerschullehrer  Josef  Soukup,  fast  nur  bei  Brunnen-  und  Kanal- 
grabungen, gesammelt  wurden  (Soukup,  1929,  Ziegelei  Marecek,  S.  21 ; Jung- 
mannova-Straße,  Kanal,  S.  16).  Über  das  sudetische  Unterturon  s.  a.  bei 
Geinitz,  1875,  2;  Michael,  1893;  Fric,  1877;  Scupin,  1912/13. 

Eine  Übersicht  über  das  sudetische  Untarturon  gibt  Tabelle  S.  41. 


1)  Während  des  Druckes  erschienen:  HXntzschel  1933. 


15 


$ tra tigra  ph  isc her  'Feil 

Das  Mittelturon 

b)  Zone  des  Spondvlus  spinosus  Sowerby  sp.  und 
Heteroceras  reussianum  d’Orbigny  sp. 

a)  Zone  des  lnoceramus  lamarcki  Parkinson. 

Die  Begründung  für  die  Zone  des  Spondylus  spinosus  Sow.  sp.  und  Hetero- 
ceras reussianum  d’Orb.  sp.  ist  Ändert,  1927,  S.  28,  29  gegeben. 

lnoceramus  lamarcki  var.  cavieri,  Spondvlns  spinosus , Heteroceras  reussia- 
num,  Terebratula  semiglobosa  u.  a.  charakteristische  Fossilien  treten  gemein- 
sam nur  in  dieser  Zone  auf.  Die  Bezeichnung  „S  caphitenzone“  ist  abzu- 
lehnen, da  immer  wieder  zwei  ganz  verschiedene  Horizonte  in  der  sudetischen 
Kreide,  zwischen  denen  die  Schichten  liegen,  die  den  lnoceramus  schloenbachi 
führen,  damit  bezeichnet  werden  (Ändert,  1933  c,  S.  340,  341).  Da  Hetero - 
ceras  reussianum  in  letzter  Zeit  auch  im  sudetischen  Emscher  gefunden  worden 
ist,  möchte  dieser  Name  besser  durch  Terebratula  semiglobosa  ersetzt  werden. 

Von  der  älteren  wichtigen  Literatur  über  die  sudctische  miltelturone 
Fauna  seien  aufgeführt  Reuss,  1845/43;  Geinitz,  2,  1375;  Eric,  1877,  1883, 
1889;  Scupin,  1912/13;  Leoniivrd,  1897. 

Tabelle,  S.  41,  gibt  eine  Übersicht  über  das  sudetische  Mittelturon. 

Sachsen  und  Böhmen 

1927  Ändert,  S.  11—20,  37;  Ändert,  1923,  1,  S.  113—116,  129,  131; 

Ändert,  1929,  2,  S.  192—197,  210,  211;  Ändert,  1931,  S.  37,  38,  43; 
Ändert,  1933  c;  Ändert,  1934,  S.  162 — 166. 

Das  Mittelturon  konnte  erst  bei  den  ausgedehnten  Geländeaufnahmen 
der  letzten  Jahre  eingehender  untersucht  werden.  Infolgedessen  war  auch  die 
Fossilausbcute  nicht  so  ergiebig  wie  in  den  jüngeren  Ablagerungen,  in  denen 
viele  Jahre  hindurch  eifrig  gesammelt  wurde.  Zahlreiche  der  im  paläon  to- 
logischcn  Teile  genannten  Fundorte  würden  bei  nachhaltigerem  Sammeln  sicher 
viel  mehr  Arten  als  aufgeführt  liefern,  immerhin  ist  die  Gesamtzahl  der  auf- 
gefundenen Arten  entsprechend  der  hier  zu  erwartenden  Fauna. 

Die  im  Jahre  1927  erfolgte  Klarstellung  des  sächsischen  Mittelturons 
ist  zweifellos  richtig  und  hat  sich  durch  die  ganze  sudetische  Kreide  hindurch 
einwandfrei  bestätigt  gefunden.  Die  Strehlener  und  Krietzschwitzer 
Pläner  haben  ihre  Äquivalente  in  der  mittelturonen  Plänerdecke,  die  sich  süd- 
lich des  Mittelgebirgsbruehes  (Ändert,  1929,  2,  S.  6,  XLV)  weit  hinein 
nach  Böhmen  erstreckt.  In  den  tief  eingeschnittenen  Schluchten  kann  man  das 
tiefere  Mittelturon  studieren,  während  darüber  an  zahlreichen  Stellen  des 
nördlicheren  Teiles  Sandsteine  des  Oberturons  aß  aufgelagert  sind.  Nicht 
die  geringste  Spur  sieht  man  von  den  Äquivalenten  der  Zatzschker  Ton- 
mergel, die  neuerdings  von  Heinz,  1932  a,  S.  31,  wieder  als  etwa  alters- 
gleich angesetzt  werden.  Heinz  stellt  die  Strehlener  Pläner  in  seine  oberen 
Seaphiten-  bzw.  unteren  Schloenbachi-Schichten.  Nach  ihm,  1928  a,  Tabelle, 
scheint  seine  Obergrenze  der  Scaphitenzone  ein  höherer  Horizont  zu  sein,  als 
sie  bisher  in  Deutschland,  Frankreich  und  England  auf  gef  aßt  wurde  und 
hier  Spondplus  spinosus  und  Terebratula  semiglobosa  enthält  (s.  a.  Ändert, 
1933b,  1933  c). 


16 


Abh.  preuß.  geol.  L.-A.,  Neue  Folge,  Heft  159 


Einen  schönen  Einblick  in  das  böhmische  Mittelturon  gewährten  u.  a. 
die  in  den  Jahren  1930  und  1931  erfolgten  Untersuchungen  der  Iserkreide 
'(Ändert,  1934). 

Im  Isergebiet  kann  man  von  oben  nach  unten  im  Mittelturon  folgende 
Dreiteilung  feststellen : 

1.  Weicher,  dunkler  Mergel  im  Wechsel  mit  kaolinischem  und  tonigem 
Sandstein, 

2.  lichter  Ouadersandstein  mit  kalkigen  Bänken  oder  Partien,  weiter  nach  O 
bald  in  dunklen  Mergel  übergehend, 

3.  dunkler  Mergel  mit  Bänken  eines  dunklen  harten  knolligen  Kalksand- 
steines. Die  in  dieser  Arbeit  aufgeführten  Fossilien  entstammen  meist 
dieser  tiefsten  Stufe  3 und  sind  unter  den  Ortsbezeichnungen  „Jicin“ 
und  „Turnau“  zusammengefaßt. 

Aus  Böhmen  sind  nach  der  Fossilzusammenstellung  (S.  44  ff.)  142  mittel- 
turone  Arten  aufgeführt,  aus  Sachsen  97  Arten,  von  der  Heuscheuer  59 
Arten,  aus  der  Löwenberger  Kreide  66  Arten.  Die  selteneren,  in  Museen 
aufbewahrten  Arten  aus  den  Strehlener  und  Teplitzer  Plänern,  die  für  die 
Horizontierung  oder  für  den  Vergleich  mit  jüngeren  Faunen  nicht  in  Frage 
kommen,  wurden  meist  unberücksichtigt  gelassen.  Es  sei  hierfür  auf  Reuss, 
1845/46,  Geinitz,  1875  und  die  verschiedenen  Spezialarbeiten  von  Fiuc,  Pocta 
usw.  verwiesen.  Zu  den  aufgeführten  Arten  ist  folgendes  zu  bemerken: 

Slellasler  albensis  Gein.  ist  bisher  nur  aus  dem  sächsischen  Mittelturon 
bekannt.  Die  anderen  aus  dem  sächsischen  Mittelturon  aufgeführten  Arten 
finden  sich  mit  Ausnahme  von  Cidaris  reussi  Gein.  und  Cyclabacia  fromenleli 
Bölsciie,  die  man  bisher  nur  noch  als  Seltenheit  aus  dem  Oberturon  y von 
Zatzschke,  und  Stellaster  schulzei  Cotta  & Reich  sp.,  den  man  aus  dem  Ober- 
turon aß  von  Löwenberg  kennt,  auch  in  der  böhmischen  und  Heuscheuer- 
kreide. 

Aporrhais  coarctaia  Gein.  sp.  und  Tudicla  subcarinata  Sturm  kenne  ich 
bis  jetzt  nicht  aus  dem  böhmischen  Mittelturon,  jedoch  aus  dem  böhmischen 
Oberturon  y,  Delphinula  tricarinata  A.  Roem.  und  Keilostoma  winkleri  Müll. 
sp.  aus  dem  böhmischen  Emscher.  Bei  nachhaltigerem  Sammeln  im  böh- 
mischen Mittelturon  dürften  auch  diese  selteneren,  im  sächsischen  Mittelturon 
vorhandenen  Gastropoden  darin  noch  festzustellen  sein. 

Für  die  Horizontierung  der  sudetischen  Kreide  ist  von  Bedeutung,  daß 
Inoceramus  lamarcki  var.  cuvieri  Sow.,  lnoceramus  costellatns  Woods,  Lima 
elongata  Gein.,  Spondvlus  spinosus  Sow.  sp.  und  Terebratula  semiglobosa  Sow. 
in  jüngeren  als  mittelturonen  Schichten  noch  nicht  angetroffen  worden  sind. 

Löwenberg 

1927  Ändert,  S.  27—30;  1931,  S.  38  und  43. 

Die  Gliederung  des  Mittelturons  der  Löwenberger  Kreide  hat  gegenüber 
der  Auffassung  von  Scupin,  1912/13,  S.  30—40,  ebenfalls  Veränderungen 
erfahren.  Eine  Gegenüberstellung  der  beiderseitigen  Auffassungen  ist  S.  42 
und  Ändert,  1927,  S.  30,  gegeben.  Der  Großrackwitzer  Mergel  gehört  dem- 
nach nicht  in  die  Scaphitenzone  (unsere  Spinosuszone),  sondern  in  die  oberste 
Cuvierizone  (unsere  Zone  des  Inoceramus  schloenbachi).  Der  Löwenberger 
Mergelsandstein  umfaßt  das  gesamte  Mittelturon,  also  auch  vollständig  die 
Spinosuszone.  Der  Hermsdorfer  Mergelsandstein  ist  entgegen  der  Tabelle 


Stratigraphischer  Teil 


17 


1927,  S.  30  wohl  richtiger  vollständig  in  die  oberste  Spinosuszone,  also  in 
das  Mittelturon  zu  stellen. 

Selbst  gesammelt  habe  ich  im  Löwenberger  Mittelturon  in  eingehender 
Weise  nur  im  Hermsdorf  er  Mergelsandstein  und  im  Sockel  des  Kynberges  und 
Grunauer  Spitzberges,  da  diese  Punkte  besonders  wichtig  erschienen.  Das 
sonstige  bearbeitete  Material  entstammt  größtenteils  den  Sammlungen  des 
Geologischen  Landesmuseums. 

Die  von  Scupin,  S.  33—36,  aufgeführten  Fossillisten  konnten  durch  neues 
Material  noch  um  eine  Anzahl  Arten  erweitert  werden  (s.  Fossilzusainmcnstel- 
lung  S.  44  ff.). 

Gegenüber  den  Fossillisten  von  Scupin  werden  folgende  Arten  unter 
anderen  Namen  aufgeführt: 


Scupin 


Andeut 


Venus  goldfussi  Gein. 

Pinna  decussata  Goldf. 

Modiola  siliqua  Math. 

Inoceramus  brongniarti  Sow. 
Inoceramus  latus  Sow. 

Pecten  decemcostatas  Münst. 

Vola  quinquecostata  Sow. 

Vola  quadricostata  Sow.  mut.  jaujasi 
Oslrea  hippopodium  Nilss. 

Exogpra  lateralis  Nilss. 

T erebratula  phaseolina  Lam, 
Holaster  suborbicularis  Ag. 


Cptherea  lumida  J.  Müll.  sp. 
Pinna  cretacea  Sciilotii. 

Modiola  tppica  Forbes 
Inoceramus  lamarcki  Pauk.  var. 
Inoceramus  inconstans  Woods  ein. 
Ändert 

? Pecten  dujardini  A.  Roem. 

Neiihea  grppheata  Sciilotii.  sp. 

Oslrea  vesicularis  Lam. 

Exogpra  cornu  arietis  Nilss.  ein. 
Griep. 

Magas  geinilzi  Sciiloenb. 

? Cardiaster  ananchvtis  Leske. 


Zu  den  von  Scupin  aufgeführten  Fossilien  ist  folgendes  zu  bemerken : 

Im  Geologischen  Landesmuseum  liegen  einige  Bruchstücke  von  den  Mittel- 
bergen, die  Scupin  zu  Pholadomva  esmarchi  Nilss.  gestellt  hat.  Ähnliche 
Stücke  finden  sich  auch  im  böhmischen  Mittelturon  (FriC,  1883,  Abb.  75  u.  76). 
Von  Pecten  spatulaius  A.  Roem.  führt  Scupin  ein  einziges  unsicheres  Stück  auf. 

Lima  hoperi  var.  sowerbpi  Gein.  von  den  Mittelbergen  ist  ein  kleines 
Exemplar.  Die  Art  kommt  auch  im  böhmischen  Mittelturon  vor  (Fnic,  1877, 
Abb.  120). 

Biradioliles  fasciger  Scupin  ist  nur  aus  dem  Mittelturon  des  Hospital- 
berges bei  Löwenberg  in  ein  paar  Bruchstücken  bekannt. 

Wie  vorstehende  Nachprüfung  ergibt,  stimmt  das  Löwenberger  Mittel- 
turon mit  dem  sächsisch-böhmischen  vollständig  überein. 

Die  Coelenterata  sind  im  allgemeinen  hier  nicht  behandelt  worden.  In- 
folgedessen kann  zwischen  den  von  Scupin  aufgeführten  Formen  und  den 
böhmisch-sächsischen  kein  Vergleich  gezogen  werden. 


Heuscheuer  und  Oppeln 

1927  Ändert,  S.  31;  Ändert,  1929,  2,  S.  57;  Ändert,  1931,  S.  38,  43. 

Der  Sandstein  der  Heuscheuer  war  durch  die  Arbeiten  von  Flegel' 
'(1904,  1905,  1905  a)  in  den  Emscher  gestellt  worden.  Die  Anschauung  Pe- 
trascheck’s  (1903  a,  1904  a),  der  damals  Flegel  entgegentrat,  den  Carls- 

Andert  2 


18 


Abh.  preuß.  geol.  L.-A.,  Neue  Folge,  Heft  159 


berger  Pläner  als  Brongniartipläner  zu  betrachten  und  den  Heuscheuerquader 
dem  Quader  des  Elbsandsteingebirges  gleichzustellen,  vermochte  sich  zunächst 
nicht  durchzusetzen,  obwohl  sie  richtig  war.  Im  allgemeinen  galt  der  Heu- 
scheuerquader bis  in  die  letzte  Zeit  noch  als  Emscher.  Gelegentlich  einer 
Aussprache  im  Juni  1928  blieb  ich  mit  meiner  Ansicht,  daß  der  Sandstein 
der  Heuscheuer,  von  Hockenau  und  vom  Sonnenberge  im  Zittauer  Gebirge 
nichts  anderes  als  Oberturon  a ß und  keinesfalls  Emscher  sein  könne,  allein. 
Im  Jahre  1929  sammelte  ich  mehrere  Wochen  im  Pläner  von  Carlsberg  in 
einem  alten  Steinbruche  unweit  der  Basis  der  Heuscheuersaridsteinmauern 
und  erbeutete  59  Arten  (s.  Fossilzusammenstellung  S.  44 ff.).  Unter  ihnen  be- 
finden sich  einwandfreie  Stücke  von  Inoceramus  lamarchi  var.  cavieri,  Ino - 
ceranms  cos  teil  atus  Woods  und  Lima  elongata  Gein.,  3 Arten,  die  nicht  über 
das  obere  Mittelturon  hinausgehen.  Es  war  nun  jeder  Zweifel  behoben,  daß 
die  unmittelbar  überlagernden  Sandsteine  nichts  anderes  als  Oberturon  aß, 
keinesfalls  aber  Emscher  sein  konnten. 

Die  im  Carlsberger  Pläner  gesammelten  Arten  sind  auch  im  böhmischen 
Mittelturon  vorhanden  mit  Ausnahme  von  V olutilithes  elongalum  d’Ouh.  sp., 
die  ich  bisher  nur  aus  dem  böhmischen  Oberturon  y kenne. 

Über  die  Kreide  von  Oppeln  habe  ich  mich  (Ändert,  1927,  S.  31) 
ausgesprochen.  Das  Gebiet  wurde  nicht  selbst  besucht,  nach  der  Literatur 
ist  dort  der  übliche  mittelturone  Pläner  mit  der  charakteristischen  mittel- 
turonen  Fauna  vorhanden.  In  die  Fossilzusammenstellung  S.  44ff.  wurden  nur  die 
Arten  aufgenommen,  an  deren  richtiger  Bestimmung  durch  Leonhard  kaum 
ein,  Zweifel  sein  dürfte. 

Aus  Vorstehendem  ergibt  sich  mit  wenig  Ausnahmen 
die  Übereinstimmung  der  Löwenberger,  Heuscheuer-  und 
Oppelner  mittelturonen  Fauna  mit  der  böhmischen  und 
sächsischen.  Das  sudetische  Mittelturon  stellt  somit  ein 
einheitliches  Faunengebiet  dar  (vgl.  a.  Übersicht  S.  41). 

Das  Oberturon  (a,  ß,  -,) 

Das  Oberturon  ist  im  Anschluß  an  die  frühere  deutsche  Zoncncinteilung 
als  Zone  des  Inoceramus  schloenbachi  bezeichnet  worden.  Es  sei  jedoch  aus- 
drücklich darauf  hingewiesen,  daß  der  Inoceramus  schloenbachi  in  der  sude- 
tischen  Kreide  außerordentlich  selten  und  etwa  auf  die  obersten  190  m der 
Unterzonc  ß beschränkt  ist. 

Oberturon  a,  ß 

Sachsen  und  Böhmen 

1927  Ändert,  S.  21—27;  Ändert,  1928,  1,  S.  117—124;  Ändert,  1929,  2, 
S.  197—202,  210,  211,  S.  57—80  (Waltersdorf er  Scholle);  Ändert, 
1931,  S.  38,  39,  43;  Ändert,  1932,  S.  240—242;  Ändert,  1933a,  b,  c; 
1934,  S.  166. 

Der  Charakter  des  Oberturons  a ß ist  fast  in  der  gesamten  sudetischen 
Kreide,  soweit  eine  Feststellung  möglich  war,  ein  fossilarmer,  nur  in  den 
oberen  Schichten  fossilreicherer  lichter  Sandstein.  Wds  über  diesen  Horizont 
in  vorstehender  Literatur  aufgeführt  ist,  kann  auch  jetzt  nach  Durcharbeitung 
'der  sudetischen  Kreide  und  besonders  deren  Fossilinhaltes  unumschränkt  auf- 
recht erhalten  werden. 


Stratigjraphiscber  Teil 


19 


Der  Sandstein  a ß ist  auf  einzelne  Gebiete  beschränkt,  die  sich  aber 
über  die  ganze  sudetische  Kreide  verteilen.  Er  tritt  auf  im  Elbsandstein- 
gebirge zusammenhängend,  weiter  nach  O bis  gegen  Niemes  in  einzelnen 
Restpartien,  im  Isergebiet  zwischen  Bakov  — Jicin  — Klein-Skal,  bei  Aders- 
bach — Weckelsdorf,  an  der  Heuscheuer,  am  Kynberg  und  Grunauer  Spitz- 
berg in  der  Lähner  Kreide  und  in  der  Löwenberger  Kreide  bei  Hockenau, 
weiter  westlich  als  Ludwigsdorfer  Sandstein  sowie  an  den  Mittelbergen. 
Überall  beträgt  die  noch  feststellbare  Mächtigkeit  10-0—200  m.  Es  ist  des- 
halb vollständig  ausgeschlossen,  daß  die  mittelturonen 
Pläner  (Strehlen)  sowie  die  Tonmergel  Obertu  ron  y,  die 
ebenfalls  in  Einzelpartien  durch  die  ganze  sudetische 
Kreide  zu  verfolgen  sind,  nur  eine  fazielle  Abänderung 
der  oberturonen  Sandsteine  aß  seien  (vcrgl.  a.  Ändert,  1927, 
S.  21—27),  wie  dies  immer  wieder  behauptet  wird. 

Die  früher  zum  Emscher  gezogenen  Sandsteine  der  Waltcrsdorfer  Scholle 
(Ändert,  1929,  2,  S.  57 — 60,  und  diese  Arbeit  S.  25),  die  Fauna  von 
Hohnstein  i.  Sa.  (Ändert,  1928,  1,  S.  68,  sowie  1932),  der  Heuscheuersandstein 
und  der  Hockenauer  Sandstein  mußten,  nachdem  ich  durch  Fossilfunde  einwand- 
frei das  mittelturone  Alter  der  die  Basis  bildenden  Pläner  des  gleichalterigen 
Heuscheuersandsteins  festgestellt  hatte,  dem  Oberturon  a ß zugeteilt  werden  (vgl. 
auch  Mittelturon  Heuscheuer,  S.  17,  sowie  Oberturon  aß  Löwenberg  S.  20  und 
Heuscheuer  S.  20).  Der  Hohnsteiner  Sandstein  wurde  zum  ersten  Mal  als  Ober- 
turon aß  in  der  Übersicht  Ändert,  1929,  2,  S.  211,  Spalte  Pirna,  aufgeführt. 
Ändert,  1932,  behandelt  eine  Auseinandersetzung  mit  Heinz  wegen  der  in 
ihm  vorkommenden  Inoceramen.  So  ist  endlich  die  Altersstellung  der  Walters- 
dorfer  Scholle,  deren  Sandstein  zu  dem  ihn  umgebenden  Emscher  gar  nicht 
passen  wollte,  zur  Zufriedenheit  gelöst.  Heinz,  1929,  erklärte  auf  Grund 
der  in  ihnen  vorhandenen  Inoceramen  die  Sandsteine  der  Waltcrsdorfer 
Scholle  ebenfalls  für  Oberturon  (s.  a.  Ändert,  1933  b,  S.  234,  235). 

Nachträglich  möchte  ich  die  SW-Grenze  der  Waltersdorfer  Scholle  noch 
um  ein  geringes  weiter  nach  S ziehen,  wodurch  ein  paar  Fossilfundstätten, 
die  1929  dem  Emscher  zugeteilt  wurden,  zum  Oberturon  aß  zu  stellen  sind.  Es 
betrifft  Ändert,  1929,  2,  S.  43,  Dachsensteinrücken  — Inoceramus  weisei 
Ändert  2)  sowie  S.  168,  Profil  Dachsensteinrücken. 

Der  sächsische  Überquader  wurde  im  gezeichneten  Profil  aus  be- 
sonderen Gründen  (Ändert,  1927,  S.  38,  Abb.  2)  mit  ? noch  in  den  Emscher 
gestellt,  während  ich  im  Text  damals  S.  35*,  36  und  38  klipp  und  klar  er- 
klärte: „die  Überquader  der  Herrenleite  und  der  Alten  Poste  bei  Pirna  und 
deren  nächsten  Umgebung,  die  bisher  über  die  Tonmergel  gestellt  wurden, 
dürften  wohl  richtiger  unter  letzteren  ihren  Platz  finden“.  Dieses  ist  bereits 
im  nächsten  Jahre  (Ändert,  1928,  1,  S.  70—75,  S.  130,  Spalte  Pirna,  S.  133, 
Abb.  12  usw.)  konsequent  durchgeführt  worden  (vgl.  Ändert,  1933  b,  S.  232). 

In  der  Iserkreide  (Ändert,  1934,  S.  166)  besitzt  zwischen  Bakov  — 
Jicin  und  Klein-Skal  der  oberturone  Sandstein  a ß dieselbe  felsige  Ausbildung 
wie  im  Elbsandsteingebirge  und  steht  in  einer  Mächtigkeit  bis  zu  150  m zutage 
an.  Die  bedeutendsten  Felsgebiete  sind  die  Prachover  und  Groß  Skaler  Felsen. 

In  der  sächsischen  und  böhmischen  Kreide  habe  ich  in  dieser  Zone  106 
Arten  festgestellt,  in  der  Löweriberger  Kreide  26,  in  der  Heuscheuerkreide 

2* 


20 


Abh.  preuß.  geol.  L.-A.,  Neue  Folge,  Heft  159 


nur  6 Arten.  In  dieser  ruhte  während  meines  Besuches  der  Steinbruchbetrieb 
vollständig.  Neben  lnoceramus  schloenbachi  J.  Böhm,  der  in  der  sächsisch- 
böhmischen und  schlesischen  Kreide  (Hockenau)  in  der  oberen  Abteilung  die- 
ser Zone  als  Seltenheit  auftritt,  finden  sich  in  ihnen  weiter  in  größerer  Anzahl 
lnoceramus  frechi  Flegel,  lnoceramus  glatziae  Flegel,  lnoceramus  walters- 
dorfensis  Ändert  und  lnoceramus  lusatiae  Ändert  als  charakteristische  Fos- 
silien. Ferner  ist  die  Zone  durch  schöne  große  Exemplare  des  lnoceramus 
drassus  Petrascheck  und  lnoceramus  weisei  Ändert  ausgezeichnet.  Aus 
dem  sächsischen  Oberturon  aß  (oberste  Abtlg.)  ist  bemerkenswert  das 
Vorkommen  von  Nautilus  leiotropis  Schlüter,  der  von  Schlüter  als  ein 
Emscherfossil  bezeichnet  wird,  dessen  vertikale  Verbreitung  jedoch,  wie  sich 
hier  ergibt,  weiter  zu  ziehen  ist. 

Vom  faunistischen  Standpunkte  ist  darauf  hinzuweisen,  daß  die  untere 
Hälfte  dieser  Sandsteinzone  in  einer  Mächtigkeit  von  rund  100  m 
fast  fossilleer  ist.  Diese  unteren  Sandsteine  sind  in  das  Oberturon,  Zone  des 
lnoceramus  schloenbachi,  deshalb  mit  eingereiht  worden,  da  das  Liegende 
dieser  Sandsteine  die  durch  Fossilien  einwandfrei  belegte  Zone  des  Spondvlus 
spinosus  ist,  die  überall  in  enger  Verbundenheit  mit  dem  Mittelturon  auftritt. 
Die  Spinosuszone  möchte  auf  alle  Fälle  auch  weiterhin  nach  oben  scharf  ab- 
getrennt bleiben.  Heinz  (1928  a,  Taf.  3)  geht  mit  seiner  Scaphitenzone, 
als  die  zunächst  auch  meine  Spinosuszone  anzusehen  ist,  über  letztere  hinaus 
und  zieht  wohl  diese  unteren  100  m meiner  oberturonen  Sandsteine  a ß mit  zur 
Scaphitenzone  sowie  ferner  die  über  den  Schichten  mit  lnoceramus  schloen- 
bachi liegenden  Tonmergel  von  Zatzschke,  Hinterjessen  usw.  Weder  an 
der  Basis  der  IlEiNz’schen  Scaphitenzone,  noch  an  deren  Hangendgrenze 
läßt  sich  in  der  sudetischen  Kreide  eine  bestimmte  Grenzlinie  ziehen.  Die 
Grenzziehung  ist  in  der  sudetischen  Kreide  nur  so  möglich,  wie  sie  von  mir 
vorgenommen  worden  ist,  und  wenn  sich  auch  dabei  im  Sinne  von  Heinz  die 
Trennung  der  Horizonte  nach  Inoceramengruppen  nicht  so  scharf  durchführen 
lassen  sollte.  Die  Inoceramen,  die  oft  garnicht  so  überaus  häufig  sind,  können 
hier  nicht  allein  ausschlaggebend  sein,  sondern  es  müssen  praktische  Erwägun- 
gen im  Vordergründe  stehen. 


Heuscheuer 

Über  den  Heuscheuersandstein  wurde  bei  dem  Mittelturon  der  Heuscheuer 
schon  das  wichtigste  gesagt  (S.  17).  Er  zeigt  dieselben  romantischen  Fels- 
bildungen wie  im  Elbsandsteingebirge  und  im  Isergebiet.  Die  kleine  Fauna 
ist  aus  der  Fossilzusammenstellung  (S.  44  ff.)  ersichtlich. 

Löwenberg 

1931  Ändert,  S.  39,  43,  Spalte  Löwenberg  und  Lahn. 

Der  Sandstein  von  Hockenau  in  der  Löwenberger  Kreide  gehört  nach 
seinem  Fossilinhalt  dem  Oberturon  a ß an.  Scupin,  1907,  S.  691—693  und 
1912/13,  S.  48  stellt  den  Sandstein  nach  verschiedenen  Erwägungen  für  und 
wider  in  den  schlesischen  Oberquader.  Nachdem  jedoch  nun  außer  Zweifel 
steht,  daß  das  hier  am  häufigsten  vorkommende  Fossil  lnoceramus  frechi  Flegel 
an  der  Heuscheuer  nicht  in  Emscherschichten,  sondern  im  oberturonen  Sand- 
stein liegt,  daß  ferner  ganz  unzweifelhaft  lnoceramus  schloenbachi  J.  Böhm 


Stratigraphischer  Teil 


21 


ebenfalls  im  Hockenauer  Sandstein  vorkommt,  halte  ich  den  Hockenauer 
Sandstein  für  Oberturon  a ß.  Der  Sandstein  Oberturon  a ß,  der  von  mir  über- 
haupt erst  in  der  sudetischen  Kreide  als  selbständiges  Glied  ausgeschieden 
worden  ist,  wird  hier  im  S von  nach  N einfallenden  mittelturonen  Schichten 
begrenzt,  ist  demnach  in  der  stratigraphischen  Altersfolge  hier  zu  erwarten. 
Das  Randprofil  von  Zimmermann  auf  der  geologischen  Karte  von  Preußen, 
Blatt  GrÖditzberg,  ist  nur  insoweit  abzuändern,  daß  „Hockenau-Hockenberg“ 
statt  co  4 (Emscher)  = Mittelturon  und  statt  co  5 (Emscher)  = Oberturon 
a ß zu  setzen  und  die  Grenze  zwischen  beiden  tiefer  zu  ziehen  ist*.  Scupin 
schildert,  1907,  S.  693,  1.  Absatz,  die  Schichtenfolge  ebenso  wie  Zimmer- 
mann. Ins  Oberturon  aß  gehört  auch  der  Ludwigsdorfer  Sandstein  (Cuvieri- 
zone  nach  Scupin  1912/13,  S.  40)  sowie  der  über  dem  mittelturonen  Pläner 
am  Nordrande  der  Mittelberge  liegende  Sandstein. 

Ein  weiterer  Beweis  für  das  Vorkommen  der  oberturonen  aß -Schichten 
in  der  Löwenberg-Lähner  Kreide  und  zwar  als  Sandstein  findet  sich  am 
Kynberg  und  Grunauer  Spitzberg  bei  Lahn.  Die  Sandsteinmasse  der  beiden 
Berge  erhebt  sich  unmittelbar  auf  einem  mittelturonen  Plänermergelsockel,  so 
daß  sie  nur  dem  Oberturon  aß  angehören  kann.  Kunth  (Scupin,  1912/13, 
S.  41)  hat  dieses  Verhältnis  ebenfalls  schon  als  richtig  erkannt  und  den 
Sandstein  des  Kynberges  und  Grunauer  Spitzbexges  dem  Hockenauer  Sand- 
stein gleich  ins  Turon  gestellt.  Scupin  rechnet  den  Sandstein  der  beiden 
Berge  zu  seinem  Ludwigsdorfer  Sandstein  (Scupin  1912/13,  S.  40—43). 

Die  kleine  Fossilliste  von  Scupin,  die  unter  „schlesischer  Oberquader* 
H“  S.  ,50/51  aufgeführt  ist,  konnte  durch  neues  Material  im  Geologischen 
Landesmuseum  um  18  Arten,  die  sich  alle  auch  im  sächsisch-böhmischen  Ober- 
turon aß  finden  (s.  Fossilzusammensteilung  S.  44  ff.),  erweitert  werden.  Das 
von  Scupin  aufgeführte  Peroniößras  tricarinatum  d’Orb.  ist  in  Sachsen  und 
Böhmen  im  Emscher,  Oberturon  y und  Mittelturon,  jedoch  noch  nicht  im  Ober- 
turon aß  gefunden  worden.  Stellaster  tubercalifor  Drescher  wird  von  Fiuc 
aus  dem  böhmischen  Mittelturon  abgebildet.  Drescher  führt  von  Hockenau 
außerdem  Avicula  pectinoides  Reuss  auf;  Material  zur  Prüfung  liegt  jedoch 
nicht  vor. 

Pinna  dccussata  Goldf.  bei  Scupin  = Pinna  cretacea  Sciilotii. 

Der  Fossilinhalt  des  Hockenauer  Sandsteines  stimmt 
demnach  mit  dem  des  sächsisch - böhmischen  Oberturons  aß 
gut  überein.  Dasselbe  gilt  von  der  kleinen  Heuscheuer- 
fauna. 


Oberturon  y 

Sachsen  und  Böhmen 

1927  Ändert,  S.  21—27,  35—37;  Ändert,  1928,  1,  S.  117,  118,  124—129, 
130;  Ändert,  1929,  2,  S.  197—199,  202—205,  210,  211;  Ändert, 
1931,  S.  39,  43;  Ändert,  1933a,  b,  c;  1934,  S.  166,  167. 

Die  in  vorstehender  Literatur  über  das  Oberturon  y in  Sachsen  und 
Böhmen  geschilderten  Untersuchungsergebnisse  werden  durch  die  in  diesem 
Teile  erfolgte  Durcharbeitung  der  Fossilien  bestens  bestätigt.  Die  strati- 
graphische Stellung  dieser  Schichten,  die  gewöhnlich  an  der  Erdoberfläche 
eine  wenig  eingeschnittene  Fläche  oder  einen  sanften,  ihit  Grün  bewachsenen 


22 


Abh.  preuß.  ge ol.  L.-A.,  Neue  Folge,  Heft  159 


Hang  bilden,  fast  nirgends  aber  die  Basis  erkennen  lassen,  ist  außerordent- 
lich schwer  zu  ergründen  und  hat  immer  wieder,  wie  kürzlich  durch  Heinz, 
1932  a,  X,  S.  25—33  und  Seifert,  1932,  Fehldeutungen  erfahren.  Die  Brun- 
nenbohrung der  Pickelsteiner  Zwirnerei  in  Niederkrei- 
bitz  (Ändert,  1929,  2,  S.  26,  27),  die  ich  ununterbrochen  nach'* 
prüfen  konnte,  hat  einwandfrei  ergeben,  daß  der  etwa  30  m 
messenden  Tonmergelserie  des  Oberturons  { die  mächtige 
Sandsteinmasse  des  Oberturons  aß  als  Liegendes  folgt, 
während  an  der  Erdoberfläche  am  Talhange  die  Mergel- 
sandsteine des  Emschers  hoch  emporsteigen.  Weder  über 
noch  unter  den  Tonmergeln  zeigten  sich  Spuren  mittelturoner  Pläner,  wie 
z.  B.  die  von  Strehlen,  die  Heinz,  1932  a,  X,  S.  32^  gleichalterig  mit  den 
Zatzschker  Tonmergeln  stellen  will,  öberstturone  Tonmergel  und 
mittelturone  Pläner  finden  sich  durch  die  ganze  sudetische 
Kreide  in  gleicher  morphologischer  Ausbildung,  entweder 
als  Basis  des  Emschers  die  ersteren,  oder  als  oberste  Ab- 
teilung des  M itteltu  rons  und  Basis  der  oberturonen  Sand- 
steine aß  die  letzteren,  nie  aber  beide  in  einem  ursprüng- 
lichen Zusammenhänge.  Die  Verhältnisse  zwischen  Pirna  und  Dresden 
sind  freilich  an  der  Erdoberfläche  so  unklar,  daß,  wer  die  beiden  Horizonte 
nicht  an  anderen  Stellen  gründlich  studiert  hat,  leicht  wieder  auf  den  alten, 
jetzt  von  Heinz  und  Seifert  neu  aufgegriffenen  Fehler  verfallen  wird  (s.  a. 
Ändert,  1933  b,  1933  c). 

Das  häufigste  Fossil  dieser  Zone  ist  Inoceramus  inconstans  Woods  em. 
Ändert.  Es  findet  sich  vom  Tonmergel  des  Oberturons  y durch  den  Sandstein 
Oberturon  aß  bis  in  das  oberste  Mittelturon  hindurch.  Heinz  teilt  den  ino- 
ceramus  dieser  Tonmergel  in  15  me'st  neue  Arten  mit  9 Gattungen  auf. 
Bei  gewissenhafter  Prüfung  kann  man  kaum  eine  Art  richtig  daraus  rekon- 
struieren, und  in  der  Tat  dürfte  auch  alles  bloß  eine  Art  in  unzähligen  Ver- 
drückungen und  Verzerrungen  sein.  Inoceramenarten  müssen,  solange  sie  für 
stratigraphische  Zwecke  Bedeutung  haben  sollen,  so  Umrissen  sein,  daß  sie  auch 
in  Bruchstücken  oder  in  deformiertem  Zustande  noch  leidlich  bestimmbar 
sind.  Ferner  besteht  kaum  eine  Möglichkeit,  sich  auf  Grund  der  Inoceramen 
allein  ein  Urteil  darüber  zu  bilden,  ob  die  Tonmergel  y über  oder  unter 
dem  Sandstein  aß,  der  im  sächsischen  Elbgebiet  bis  jetzt  nur  ganz  wenig 
Inoceramen  geliefert  hat,  liegen  oder  ob  letztere  nur  facielle  Veränderungen 
der  ersteren  sind. 

Heinz  (1932  a,  S.  39)  sagt,  „daß  für  den  Horizont  von  Zatzschke  für  höhere 
Schloenbachischichten  bisher,  da  Inoceramus  schloenbachi  J.  Böiim  noch  nicht  ge- 
funden wurde  entgegen  der  Ansicht  Andert’s  — , kein  Anhalt  vorlicge“. 
Dabei  ist  Inoceramus  schloenbachi  ein  höchst  seltenes  Fossil  in  der  ganzen 
sudetischen  Kreide,  so  daß  dessen  Fehlen  an  einer  ganz  bestimmten  Stelle 
für  deren  Horizontierung  gar  keine  Bedeutung  haben  kann.  Andererseits  ist 
in  den  obersten  Schichten  der  Mergelserie,  zu  der  der  Zatzschker  Horizont 
gehört,  an  anderer  Stelle  Inoceramus  koeneni,  ein  Leitfossil  des  untersten 
Emschers  gefunden  worden. 

In  der  Iserkreide  bilden  die  Tonmergel  des  Oberturons  y den  Sockel 
des  Chlomekrückens  zwischen  Jungbunzlau  und  Jicin  (Ändert,  1934,  S.  167). 


Stratigiraphi scher  Teil 


23 


In  Sachsen  und  Böhmen  sind  im  Oberturon  y bis  jetzt  159  Arten  von  mir 
festgestellt  worden,  davon  56  auch  in  Sachsen.  Von  den  sächsischen  Arten 
sind  folgende  noch  nicht  im  böhmischen  Oberturon  y gefunden  worden : 

Reste  von  Hypsodon  lewesiensis  Ag.,  die  auch  im  sächsischen  und  böh- 
mischen Mittelturon  vorhanden  sind;  Cyclabacia  fromenteli  Bölsche  ist  ein 
seltenes  Stück  und  nur  noch  einmal  aus  dem  sächsischen  Mittelturon  bekannt. 

Cidaris  reussi  Gein.,  unsichere  Seeigelstacheln,  kommen  in  ähnlicher 
Ausbildung  auch  im  sächsischen  Mittelturon  vor. 

Cardiaster  planus  Mant.  sp.  ist  aus  dem  sächsischen  und  böhmischen  Mittel- 
turon bekannt,  außerhalb  des  Gebietes  aber  auch  aus  jüngeren  Schichten. 
Der  Haifischzahn  Corax  heterodon  Reuss  ist  im  sächsischen  und  böhmischen 
Mittelturon,  aber  auch  im  Emscher  von  Kieslingswalde,  Gastrochaena  am- 
phisbaena  Goldf.  sp.,  Hemiaster  rcgulusanus  d’Orb.  und  Magas  geinitzi 
Schloenb.  sind  im  böhmischen  Mittelturon  und  Emscher,  Patella  inconstans 
Gein.  und  Avicula  nepfuni  Goldf.  sp.  im  böhmischen  Emscher  angetroffen 
worden.  Pecten  pexatus  Woods  ist  in  der  sudetischen  Kreide  bisher  nur 
aus  Sachsen  bekannt,  Plicalula  barroisi  Peron  findet  sich  auch  im  Löwen- 
berger Oberturon  y. 

Obwohl  bei  dem  großen  Fossilreichtum  gewisser  Schichten  dieser  Zone 
159  Arten  in  Böhmen  gesammelt  werden  konnten,  so  sind  die  tatsächlich  in 
Wasserrissen  usw.  durchgearbeiteten  Materialmcngen  außerordentlich  gering. 
Bei  weiterem  emsigen  Sammeln  dürfte  der  Vergleich  mit  Sachsen  sicher 
noch  viel  günstiger  als  bisher  ausfallen.  Jedenfalls  enthält  die  Fossilliste 
der  sächsischen  und  böhmischen  Tonmergel  kein  einziges  Fossil,  das  als  Leit- 
fossil des  Mittelturons  anzusehen  wäre,  wie  es  nach  der  Einreihung  der 
Schichten  durch  Heinz  als  Äquivalent  der  Strehlener  Pläner  erwartet  werden 
müßte.  Die  Schichten  haben  vielmehr,  wie  die  Fossilzusammcnstellung  noch 
besser  zeigt,  einen  starken  Einschlag  nach  dem  Emscher.  Aus  der  Robitzer 
Ziegelei  und  aus  dem  Kaltenbachtale  im  Kreibitzer  Gebiet  liegt  aus  den 
oberen  Schichten  dieser  Zone  je  ein  Exemplar  von  Inoceramas  hoeneni 
G.  Müll.,  vom  Kleinen  Debus  bei  Aussig  an  der  Elbe  ein  Exemplar  von 
Mortoniceras  pseudo-texanum  Gross,  vor.  Beides  sind  Fossilien  des  Emschers, 
so  daß  die  obersten  5 -10  m dieser  Zone  rein  stratigraphisch  vielleicht  noch 
zum  Emscher  zu  zählen  wären.  'Und.  das  ist  dieselbe  Schichtenserie,  der 
auch  der  Tonmergel  von  Zatzschke  angehört.  Dar  aufnehmende  Feldgeologe 
kann  natürlich  nur  die  Tonmergelserie  als  Oberturon  y von  den  über- 
lagernden Emschersandsteinen  trennen,  da  die  Tonmergel  meist  nicht  auf- 
geschlossen, sondern  nur  auf  Grund  von  Rutschungen  und  der  Flora  fest- 
zustellen sind. 

Der  altberühmte  Fundort  Priesen  an  der  Eger,  nach  dem  Fnic  seine 
Priesener  Schichten  benannt  hat,  mußte  nach  Prüfung  der  Verhältnisse  an 
Ort  und  Stelle  auf  Grund  des  Fossilinhaltes  der  Tonmergel  in  Oberturon  y 
(zu  unterst  Stufe  0—2  nach  Fnic)  und  in  Emscher  (zu  oberst  Stufe  3—5 
nach  Fnic)  aufgeteilt  werden.  Für  die  unteren  Schichten  ist  das  massenweise 
Vorkommen  von  Inoceramus  inconstans  Woods  em.  Ändert,  wie  auch  ander- 
weit  in  dieser  Zone,  charakteristisch.  Priesen  ist  deshalb  in  der  Fossil- 
zusammenstellung (S.  44  ff.)  im  Oberturon  y und  Emscher  besonders  aufgeführt 
worden  (vgl.  a.  Ändert,  1929,  2,  S.  204  und  Jahn,  1895,  S.  141). 


24 


Abh.  preuß.  geol.  L.-A.,  Neue  Folge,  Heft  159 


Löwenberg  und  Kieslingswalde 

1927  Ändert,  S.  27—31;  1931,  S.  43. 

Aus  der  Löwenberger  Kreide  ist  Oberturon  y mit  Fossilien  bis  jetzt 
nur  von  Großrackwitz  bekannt  u).  Die  von  Scupin,  1912/1913,  S.  38,  auf- 
geführte Fossilliste  konnte  durch  neues  Material  des  Geologischen  Landes- 
museums  noch  um  eine  Anzahl  Arten  bis  auf  48  vermehrt  werden.  Zu  der 
Liste  sei  folgendes  bemerkt: 

Vohilci  canalijera  wurde  zu  Voluta  roemeri  gestellt. 

Aporrhais  schlotheimi,  einige  von  Scupin  so  bezeichnete  Exemplare,  sind, 
da  ohne  Flügel,  bei  der  Mannigfaltigkeit  der  Aporrhaisarten  nicht  sicher 
bestimmbar. 

Die  im  Geologischen  Landesmuseum  von  Großrackwitz  vorhandenen  Exem- 
plare der  Gattung  Naiica  habe  ich  zu  Natica  vulgaris  gestellt.  Eine  einwand- 
freie Natica  geinitzi,  wie  Scupin  Stücke  von  hier  bezeichnet,  konnte  unter 
dem  vorliegenden  Material  nicht  festgestellt  werden.  Pleurotomaria  reussi 
nach  S -cupin  = Trochus  amatus  d’Orb. 

Das  von  Scupin  als  Eriphyla  lenticularis  benannte  Bruchstück  war  im 
Geologischen  Landesmuseum  nicht  aufzufinden. 

Die  zu  Nucula  productoides  gestellten  Exemplare  gehören,  soweit  ich 
mich  überzeugen  konnte,  zu  Leda  semilunaris . 

? Inoceramus  brongniarti  kann  nur  ein  Inoceramus  inconstans  Woods 
em.  Ändert  sein.  In  den  gleichaltrigen  Schichten  ist  Inoceramus  brongniarti 
= lamarchi  noch  nirgends  gefunden  worden. 

Die  Originale  zu  Pecten  conf.  dujardini  und  Serpula  conf.  ampullacea 
habe  ich  nicht  gesehen.  Sie  sind,  da  als  „conf.“  bezeichnet,  für  weitere  strati- 
graphische Vergleiche  nicht  von  Bedeutung. 

Die  übrigen,  von  Scupin  aufgezählten  Fossilien  wurden  auch  von  mir 
festgestellt. 

Über  die  Kieslings  walder  Tone,  die  ebenfalls  den  Emscher  unter- 
lagern, ist  mir  nicht  viel  neues  bekannt  geworden.  Heinz,  1932  a,  X,  S.  34, 
führt  aus  diesen  Schichten  Inoceramus  inconstans  auf.  Ich  würde  dem  Ober- 
turon y noch  die  tonigen  glimmerreichen  Sandsteine  mit  zahlreichen  Blatt- 
abdrücken zuteilen,  die  sich  am  Nordrande  von  Kieslingswalde  hinziehen, 
da  diese  so  recht  den  Übergang  von  den  dunklen  Tonmergeln  in  den  lichten 
Emschersandstein  charakterisieren.  Die  Flora  ist  von  Fric  (1897)  und  Langen- 
ii an  & Giujndey  (1891)  beschrieben  und  abgebildet  worden. 

Der  Emscher 

Böhmen 

1928  Ändert,  1,  S.  129;  Ändert,  1929,  2,  S.  205 — 212;  Ändert,  1931, 
S.  39,  40,  43;  Ändert,  1934,  S.  167,  168. 

Der  größte  Teil  meiner  paläontologischen  Arbeiten  bezieht  sich  auf 
den  Emscher.  Da  Kreibitz  von  meinem  Wohnorte  in  einer  Stunde  mit  der 
Eisenbahn  zu  erreichen  ist,  konnte  ich  den  Fossilreichtum  der  Fundorte 
dieses  Emschergebietes  jahrelang  regelmäßig  ausbeuten.  Wenn  auch  meist 

la)  Wahrscheinlich  gehört  der  Rm-cher  üehnsdorf  Löw.  2 und  3 aach  schon  hierher. 


Stratigira phischer  Teil 


25 


keine  Steinbrüche  vorhanden  waren,  so  wurden  durch  Grabungen  in  Ein- 
schnitten und  Wasserrissen  fossilführende  Schichten  bloßgelegt  und  in  ihnen 
gesammelt.  Die  Emscherfossilien  des  Kreibitztales  bilden  demnach  den  Grund- 
stock für  die  gesamte  paläontologische  Bearbeitung. 

In  Sachsen  ist  Emscher  nicht  vorhanden.  Der  sächsische 
Überquader  oder  Herrenleitesandstein,  der  früher  zum  Emscher  gestellt 
wurde,  gehört  in  das  Oberturon  ß.  Bei  Ändert,  1927,  S.  38  und  Tafelbeilage, 
wurde  aus  gewissen,  hier  nicht  zu  erörternden  Gründen  der  Emscher  noch 
mit  ? dargestellt,  während  im  nächsten  Jahre  Ändert,  1923,  1,  S.  70—75 
und  S.  130,  Spalte  Pirna,  dieser  Sandstein  einwandfrei  in  die  obere  Ab- 
teilung des  Oberturons  a ß eingereiht  wurde,  wohin  er  auch  zweifellos  gehört. 
Vom  Lilienstein,  wo  die  oberturonen  Sandsteine  noch  hoch  oben  über  der  Eben- 
heit thronen,  sinken  sie  nach  Norden  immer  tiefer,  stehen  an  der  Bastei  mit 
dem  Sockel  fast  im  Elbtale,  sinken  weiter  gen  Westen,  so  daß  in  der  Herren- 
leite der  sogenannte  Überquader  als  oberstes  Glied  der  oberturonen  Sand- 
steine ß zutage  ansteht,  der  dann  weiter  nach  Westen  bald  unter  den  jüngeren 
Zatzschker  Tonmergeln  (Oberturon  y)  verschwindet.  Nördlich  von  Birkwitz 
folgt  an  einer  Bruchlinie  der  besonders  bei  Dresden  aufgeschlossene  ober- 
mittelturone  Pläner,  dessen  Oberfläche  morphologisch  fast  das  gleiche  Land- 
schaftsbild ergibt,  wie  der  oberturone  Tonmergel. 

Weiter  wurde,  Ändert,  1928,  1,  S«.  68,  69,  129,  bei  Hohnstein  in 
Sachsen  eine  kleine  Scholle  Sandstein  an  der  Lausitzer  Hauptverwerfung  in 
den  Emscher  gestellt  auf  Grund  des  in  ihm  vorkommenden  Inoccramns  frechi 
Flegel.  Nachdem  ich  mich  kurz  darauf  an  der  Heuscheuer  überzeugt  hatte, 
daß  der  lnoceramus  frechi  dort  nicht  in  Emscherschichten,  sondern  im  ober- 
turonen Sandstein  liegt,  wurde  Ändert,  1929,  2,  S.  211,  Spalte  Pirna,  der 
Sandstein  von  Hohnstein  mit  lnoceramus  frechi  an  die  ihm  gebührende  Stelle 
ins  Oberturon  3 eingereiht.  Später  hat  Häntzschel  (1931)  über  die  strati- 
graphische Stellung  dieser  Schichten  eine  neue  Arbeit  geschrieben,  die  aber 
auf  Grund  der  Bestimmung  der  Inoceramen  durch  Heinz  die  Schichten 
ins  Mittelturon  verweist.  Hierzu  habe  ich  mich,  Ändert,  1932,  geäußert 
und  die  Schichten  wieder  richtig  gestellt. 

Wie  die  Scholle  von  Hohnstein  ist  aus  denselben  Grün- 
den die  Waltersdorfer  Scholle  im  Zittauer  Gebirge  vom 
Emscher  in  das  Oberturon  gestellt  worden  (Ändert,  1929, 
2,  S.  57). 

Das  Hauptgebiet  des  böhmischen  Emschers  ist  in  Teil  II  eingehend  be- 
handelt worden.  Es  liegt  in  der  Mittelgebirgssenke  östlich  der  Elbe.  Dem 
vorliegenden  Teile  war  die  gründliche  Fossilbearbeitung,  die  sich  in  erster 
Linie  auf  der  Bearbeitung  des  überaus  reichen  Materials  der  Emscherfauna 
aufbaut,  Vorbehalten.  Ohne  Berücksichtigung  der  Mikrofauna  konnte  hier 
die  stattliche  Anzahl  von  227  Arten  festgestellt  werden.  Ferner  gehört  zum 
Emscher  der  Sandstein  des  Chlomekrückens  bei  Jungbunzlau  im  Isergebiet, 
der  von  Eric,  1897,  S.  17  und  18,  sowie  von  mir,  Ändert,  1934,  S.  167  be- 
schrieben ist.  Aus  dem  Material  des  Böhmischen  Landesmuseums  in  Prag 
konnte  ich  von  hier  54  Arten  bestimmen.  Nur  eine  Art,  und  zwar  Mutiella 
coarctata  Zitt.  ist  im  übrigen  böhmischen  Emscher  noch  nicht,  jedoch  im 
Löwenberger  Emscher  gefunden  worden. 


26 


Abh.  preuß.  geol.  L.-A.,  Neue  Folge,  Heft  159 


Sehr  wichtig  als  Fossilfundstätte  des  untersten  Emschers  ist  auch  der 
Steilhang  der  Eger  bei  Priesen  geworden.  Fric,  1893,  S.  12—25,  gibt  ein 
Profil  dieses  Fundortes  nebst  einer  Beschreibung  der  petrographischen  Zu- 
sammensetzung der  Sedimente  und  eine  Fossilliste.  Ich  selbst  hatte  vor 
einigen  Jahren  an  Ort  und  Stelle  nur  geringe  Ausbeute.  Infolge  des  fein- 
körnigen Sedimentes  findet  sich  in  Priesen  eine  Anzahl  seltenerer  kleiner 
Fossilien,  die  ich  leider,  da  Material  aus  dem  Böhmischen  Landesmuseum 
in  Prag  nichl  versandt  wird,  nicht  untersuchen  konnte  und  fortlassen  mußte. 
In  der  Schicht  0,  unmittelbar  im  Egerbette,  sammelte  ich  Exemplare  von 
Inoceramus  inconstans  Woods  em.  Ändert.  Ich  reihe  die  Schicht  deshalb 
in  das  Oberturon  y ein.  Schicht  1 und  2 zeigen  nach  der  Fossilliste  von  Fiuc 
keine  für  den  Emscher  charakteristischen  Fossilien.  Ich  weise  deshalb  auch 
diese  Schichten  von  dunkelgrauer  Farbe  dem  Oberturon  y zu.  In  der  nächst- 
folgenden Schicht  3,  einem  hellen  Mergel,  finden  sich  zahlreich  Inoceramus 
kleini  G.  Müli..,  sowie  andere  charakteristische  Fossilien  des  Emschers. 
Infolgedessen  stelle  ich  Schicht  3—5  in  den  Emscher  (ebenso  auch  Jahn, 
1895,  S.  137-141). 

Aus  dem  Emscher  von  Priesen  sind  nur  43  Arten  aufgeführt,  eine 
geringe  Zahl  gegenüber  der  großen  Fossilliste  von  Fric,  die  ich  aus  den 
oben  erwähnten  Gründen,  ob  Oberturon  y oder  Emscher,  nur  vorsichtig  benützt 
habe.  Meist  habe  ich  nur  die  selbstgesammelten  Exemplare  aufgeführt. 

An  der  Basis  des  Emschers  fand  sich  im  Gebiet  von  Kreibitz-Böhm. 
Kamnitz  das  Leitfossil  für  den  untersten  Emscher  Inoceramus  koeneni  G.  Müll., 
von  dem  bis  jetzt  fünf  Exemplare  vorliegen,  zwei  davon  in  den  obersten 
Schichten  der  80  m mächtigen  Tonmergelserie,  die  im  allgemeinen  dem  Ober- 
turon y zuzurechnen  ist.  Wie  schon  oben  erwähnt,  könnte  man  vielleicht 
rein  stratigraphisch  die  obersten  5—10  m für  den  Emscher  abtrennen.  Heinz, 
1929,  S.  29,  Anm.,  möchte  deshalb  die  ganze  Tonmergelmasse  in  den  Emscher 
stellen.  Dieser  den  tatsächlichen  Verhältnissen  widersprechenden  Anschauung 
bin  ich  bereits  entgegengetreten  (Ändert,  1929,  2,  S.  205,  Anm.  2). 

Weiter  ist  ebenfalls  aus  diesen  obersten  Schichten  der  Tonmergel  be- 
kannt Morloniceras  pseudo-texanum  Gross.,  Mortoniceras  margae  Schlüt.  sp., 
sowie  aus  dem  untersten  Emschersandstein  von  Chlomek  Mortoniceras  serrato- 
marginaluni  Redtenb.  sp.  und  aus  dem  untersten  Emscher  von  Priesen 
Barroisiceras  haberfelltwri  F.  v.  Hauer  sp.,  die  alle  vier  als  Leitfossilien  des 
Emschers  gelten. 

Ferner  fand  sich  im  Emscher  von  Kreibitz  Inoceramus  kleini  G.  Müll., 
charakteristisch  für  den  Emscher  des  Harzrandes,  der  früher  hier  nur  mangel- 
haft vertreten  war,  in  zahlreichen  Exemplaren,  an  zwei  Stellen  sogar  bank- 
weise. An  der  E.-St.  Tannendorf  konnten  beim  Bau  der  Drehscheibe  eben- 
falls mehrere  schöne  Exemplare  dieser  Art  gesammelt  werden.  Auch  im 
Emscher  von  Priesen  ist  die  Art  ein  häufiges  Fossil. 

Schließlich  haben  sich  noch  Scaphites  lamberti  Gross,  und  Scaphites 
kieslingswaldensis  Lang.  & Grund,  (letzterer  auch  in  Priesen)  im  böhmischen 
Emscher  in  einwandfreien  Exemplaren  gefunden.  Die  Cephalopoden,  besonders 
auch  die  im  Böhmischen  Landesmuseum,  wurden  eingehend  nachgeprüft. 

Wenn  man  ferner  berücksichtigt,  daß  die  Emscherfauna  der  Löwen- 
berger Kreide,  130  Arten,  die  Emscherfauna  von  Kieslingswalde,  121  Arten, 


Stratigraphischer  Teil 


27 


mit  einigen  ganz  unwesentlichen  Ausnahmen,  auch  im  böhmischen  Emscher 
vorhanden  ist,  so  ist  aller  Zweifel  ausgeschlossen,  daß  die  böhmischen 
Schichten  nicht  auch  dem  Emscher  angehören.  Heinz,  1932,  X,  S.  42  bis 
46,  will  auf  Grund  eines  einzigen  lnoceramenbruchstückes  in  dem  fossil- 
reichen Gebiet  von  Kreibitz-Tannenberg  an  Stelle  des  Emschers  Oberturon 
setzen.  Hierzu  liegt  keine  Veranlassung  vor  (s.  a.  Ändert,  1933  b,  S.  235,  236). 

Die  von  mir  bisher  in  Böhmen  zum  Emscher  gestellten 
Schichten  haben  auch  weiterhin  als  Emscher  zu  gelten 
und  zwar  nach  dem  Fossilinhalt  als  Unteremscher. 


Löwenberg 

1931  Ändert,  S.  40  und  43. 

In  der  Löwenberger  Kreide  wird  der  Emscher  in  Neuwarthauer  Schichten 
und  Schlesischen  Oberquader  gegliedert.  Im  böhmischen  und  Glatzer  Emscher 
ist  diese  Teilung  weder  petrographisch,  noch  faunistisch  möglich.  Infolge- 
dessen mußten  in  dieser  Arbeit  die  beiden  Löwenberger  Emscherhorizonte 
auch  nur  unter  „Emscher“  zusammengefaßt  werden.  Jedoch  ist  die  Be- 
sprechung der  Fossillisten  von  Scupin  im  folgenden  getrennt  durchgeführt 
worden.  Scupin,  1912/1913,  führt  die  Fossilliste  der  Neuwarthauer  Schichten 
S.  44—46,  die  des  Schlesischen  Oberquaders  S.  50  51  auf. 


Die  Neuwarthauer  Schichten 


von  Scupin  wurden  folgende  Arten  unter 


Gegenüber  der  Fossilliste 
anderen  Namen  aufgeführt. 

Scupin 

Baculiies  incurvcitiis  Duj. 

Volula  canalijera  Favre? 

Panopciea  plana  n.  sp. 

Panopaea  depressa  n.  sp. 

Panopaea  muelleri  n.  nom. 

Venus  goldfussi  Gein. 

Cptherea  conf.  polpmorpha  Zitt. 
Cppricardia  irapczoidalis  A.  Roem. 
Cppricardia  tricarinala  A.  Roem. 

Granocardium  aff.  drescheri  J.  Böhm 

/ 

Crassafella  bohemica  n.  nom.  1 

Crassalella  gregaria  n.  sp.  j 

Cucullaea  cardiiformis  n.  sp. 
Cucullaea  n.  sp. 

Mptilus  concinnus  n.  sp. 

Modiola  siliqua  Math. 

Avicula  kieslingswaldensis  Sturm 
Vola  quadricostata  Sow.  1 

Vola  propinqua  Hlzpfl.  J 

Lima  pseudocardium  Reuss 
Ostrea  hippopodium  Nilss. 
lnoceramus  latus  Sow. 


Ändert 

Baculites  bohcmicus  Eric 
Volula  roemeri  Gein. 

Panopaea  regularis  d’Oris. 

Cptherea  tuniida  J.  Müee.  sp. 

Cp  liier  ea  kr  uschi  n.  sp. 

Trapezium  trapezoidale  A.  Roem.  sp. 
Tmpezium  trapezoidale  A.  Roem.  sp.  ? 
Cardium  nöggeralhi  Mijee.  (der  Form 
nach) 

Crassalella  arcacea  A.  Roem. 

Cucullaea  mülleri  Hlzpfe. 

Cucullaea  subglabra  d’Oril 
Septifer  scalaris  J.  Müll.  sp. 
Modiola  tppica  Foiibes 
Gervillia  kieslingswaldensis  Sturm  sp. 

Neithea  grppheata  Sciilotii.  sp. 

Lima  granulata  Nilss.  sp. 

Ostrea  vesicularis  Lam. 

Bruchstücke  anderer  Arten 


28 


Abh.  preuß.  geol.  L.-A.,  Neue  Folge,  Heft  150 


ScUPLN 


Ändert 


Cerompu  cretacea  J.  Müll,  sp., 
wahrscheinlich 

Cardiaster  jugatus  Schlüter 
Schizaster  sturmi  Scupin 
Bryozoc.  Da  in  der  jüngeren  böhmi- 
schen Kreide  selten  und  schlecht 
erhalten,  sind  die  Bryozocn  nicht 
besonders  bearbeitet  worden,  so  daß 
ein  Vergleich  nicht  möglich  ist. 

Zu  den  von  Scupin  aufgeführten  Fossilien  ist  folgendes  zu  bemerken. 

Scalpellum  maximum  Sow.  ist  selten  und  in  Sachsen  und  Böhmen  nur 
aus  mittelturonen  Schichten  bekannt. 

Von  Aporrhais  schlotheimi  A.  Roem.  habe  ich  das  Original  nicht  ge- 
sehen. Pect.en  decemcostatus  Münst.,  dessen  Original  im  Museum  für  Natur- 
kunde zu  Berlin  besichtigt  werden  konnte,  gehört  wahrscheinlich  zu  Pecten 
septemplicatus  Nilss. 

Inoceramus  n.  sp.  (Scupin,  Taf.  11,  Fig.  9)  — Inooeramus  protraclus 

Scup.  Die  Art  ist  in  den  Neuwarthauer  Schichten  wie  auch  im  böhmischen 
Oberturon  aJ3  nur  in  je  einein  Bruchstück  gefunden  worden.  Unsichere 
Arten  sind  ferner  Natica  hulbiformis  Sow.?  und  Natica  hulbiformis  var. 
borealis  Frech. 

Anderweit  nicht  bekannt  sind  nur  Mpoconcha  gracilis  Drescher  und 
Crenella  striatula  n.  sp.,  von  denen  auch  von  hier  nur  je  ein  Exemplar 
genannt  wird.  Vielleicht  gehört  letztere  Art  zu  Crenella  inflata  Müll,  sp., 
die  im  böhmischen  Emscher  ebenfalls,  aber  bedeutend  kleiner,  vorkommt,  im 
Untersenon  von  Aachen  jedoch  die  Größe  des  Löwenberger  Exemplars  hat. 

Turritella  iniqueornata  Drescii.  ist  eine  Lokalform  der  Neuwarthauer 
Schichten  und  von  mir  als  Varietät  an  die  im  böhmischen  Emscher  vorhandene 
ähnliche  Turritella  acanthophora  J.  Müll,  angeschlossen  worden.  Dasselbe 
gilt  für  Turritella  drescheri  Scup.,  die  ich  als  Varietät  an  die  im  böhmischen 
Emscher  vorkommende  Turritella  nodosa  A.  Roem.  angegliedert  habe,  sowie 
für  Ceriihium  willigen  Scup.,  das  Cerithium  chlomekense  Weinz.  aus  dem 
böhmischen  Emscher  sehr  ähnlich  ist. 

Cardiaster  jugatus  Schlüter  und  Schizaster  sturmi  Scup.,  die  in  den 
Neuwarthauer  Schichten  selten  sind,  fehlen  vorläufig  noch  im  böhmischen 
Emscher,  sind  aber  im  Emscher  von  Kieslingswalde  gefunden  worden.  Den- 
talium  cidaris  Gein.  ist  in  den  Neuwarthauer  Schichten,  ferner  im  Mittel- 
turon  von  Böhmen  und  Sachsen  vorhanden.  Ein  wahrscheinlich  zu  Tritonium 
cretaceum  Müll,  gehöriges  Bruchstück  konnte  ich  aus  den  Neuwarthauer 
Schichten  als  einziges  sudetisches  Vorkommen  bestimmen. 

Alle  hier  nicht  besonders  erwähnten  Arten  der  Fossilliste  von  Scupin 
sind  von  mir  im  böhmischen  Emscher  gefunden  und  unter  der  gleichen  Be- 
zeichnung aufgeführt. 

Der  Fossilinhalt  der  Neuwarthauer  Schichten  ent- 
spricht demnach  mit  einigen  unbedeutenden  Ausnahmen 
vollständig  dem  des  bömischen  Emscher  s. 


Inoceramus  involutus  Sow. 

Cardiaster  n.  sp. 

Micraster  sturmi  n.  nom. 
Sparsicavea  dichotoma  Golde.? 


Stratigraphischer  Teil 


29 


Der  Schlesische  Oberquader 

Gegenüber  der  Fossilliste  von  Scupin  wurden  folgende  Arten  unter 
anderen  Namen  aufgeführt. 


Scupin 

Nautilus  rugatus  Fritsch  & 

SCHLOENB. 

Mactra  n.  sp. 

Panopaea  geinitzi  Hlzpfl. 

Venus  goldfussi  Gein. 

Cptherea  n.  sp.  aff.  plana  Sow. 
Cardium  conf.  ottonis  Gein. 
Cucullaea  abscisa  n.  sp. 

Cucullaea  matheroniana  d’Orb.? 

Inoceramus  jrechi  Flegel,  v.  Gehns- 
dorf 

Inoceramus  lusatiae  Ändert 
Inoceramus  lobatus  Münst. 

Perna  zimmermanni  n.  sp.? 


Ändert 

Nautilus  leiotropis  Schlüter 

Mactra  porrecta  Gein. 

Panopaea  regularis  d’Orb. 

Cptherea  tumida  J.  Müll.  sp. 
Cptherea  kr uschi  n.  sp. 

Cardium  ottoi  Gein. 

Cucullaea  matheroniana  d’Orb. 
Cucullaea  matheroniana  d’Orb.  (wahr- 
scheinlich, schlechtes  Exemplar) 
Inoceramus  kleini  G.  Müll.,  wahrsch. 

Inoceramus  percostatus  G.  Müll. 
Inoceramus  sub percostatus  Ändert, 
wahrscheinlich 
Gervillia  ovalis  Fric. 


Von  Natica  bulbiformis  Sow.  und  Scalaria  sp.  bei  A.  Roem.  kenne  ich  die 
Originale  nicht. 

Glauconia  ventricosa  Drescher  sp.  ist  bis  jetzt  nur  im  Schlesischen  Ober- 
quader von  Giersdorf  gefunden  worden.  Glauconia  ornata  Duiescii.  sp.  wird 
nach  Scupin  von  Williger  aus  dem  Oberquader  angeführt. 

Nerinca  incavata  Bronn?  ist  ein  sehr  unsicheres  Stück. 

Der  breitovale  Pectunculus  senoniensis  Scup.  ist  im  böhmischen  Emscher 
noch  nicht  gefunden  worden,  jedoch  besitze  ich  ähnliche  Stücke  aus  dem 
böhmischen  Oberturon  aß. 

Inoceramus  snbpercostatus  Ändert,  im  Oberquader  von  Herzogswaldau 
häufig,  ist  in  Böhmen  nur  in  einem  Stück  aus  dem  Oberturon  aß  vorhanden. 
Tplostoma  stoliczkai  Scup.,  eine  verhältnismäßig  große  Gastropodenform,  ist 
anscheinend  sehr  selten  und  bis  jetzt  nur  im  Oberquader  in  einem  Stück 
gefunden  worden. 

Lima  haidingeri  Zitt.,  im  Ober-  und  Überquader  bei  Löwenberg  häufig, 
ist  bis  jetzt  nur  noch  aus  der  Gosaukreide  bekannt. 

Die  in  der  Fossilliste  von  Scupin  mit  dem  Fundort  „H“  bezeichneten 
Arten  stammen  aus  dem  Sandstein  von  Hockenau,  der  dem  Oberturon  a ß an- 
gehört. 

Die  übrigen  Arten  der  Fossilliste,  die  hier  nicht,  besonders  genannt  sind, 
sind  unter  der  gleichen  Bezeichnung  auch  im  böhmischen  Emscher  vorhanden. 

So  stimmt  auch  der  Fossilinhalt  des  schlesischen  Ober- 
quaders fast  ausnahmslos  mit  dem  des  böhmischen 
Ems  chers  überein. 


30 


Abh.  preuß.  geol.  L.-A.,  Neue  Folge,  Heft  150 

Kieslingswalde 
1931  Ändert,  S.  40  und  43. 

Der  fossilreiche  Kieslingswalder  Sandstein  in  der  Grafschaft  Glatz  ist 
schon  wiederholt  bearbeitet  worden  und  zwar  Geinitz,  4,  1843;  Langenhan  & 
Grundey,  1891  und  Fric,  1897.  Die  letzte  Arbeit  stammt  von  Sturm,  1991. 
Über  Gesteinscharakter  und  Lagerungsverhältnisse  ist  in  diesen  Arbeiten  das 
Wichtigste  gesagt. 

An  der  Zugehörigkeit  dieses  Sandsteins  zum  Emscher  besteht  wohl  zurzeit 
kein  Zweifel.  Für  den  Nachweis  des  Emschers  in  Böhmen  ist  deshalb  der 
Vergleich  der  beiden  Faunen  von  großer  Bedeutung.  Fric  hat  in  seiner  Studie 
über  die  C'hlomeker  Schichten  (1897)  den  Kieslingswalder  Sandstein  ge- 
meinsam mit  dem  von  Chlomek  und  Kreibitz-Tannenberg  behandelt.  Leider 
ist  die  Fossilbeschreibung  sehr  dürftig. 

Für  künftige  Sammler  wäre  zu  empfehlen,  die  Fossilien  aus  den  Hohl- 
wegen unmittelbar  nördlich  von  Kieslingswalde  und  die  aus  den  Steinbrüchen 
von  Neuwaltersdorf  getrennt  zu  sammeln.  Anscheinend  ist  das  Neuwalters- 
dorfer  Gestein  der  höhere  Horizont.  Die  tiefsten  Sandsteine  bei  Kieslings- 
walde mit  zahlreichen  Blattabdrücken  gehören  wahrscheinlich  noch  zum  Ober- 
turon  y. 

Gegenüber  der  Fossilliste  von  Sturm  (S.  48 — 51)  wurden  folgende  Arten 


Ändert 

Callianassa  antiqua  Otto 

Linuparus  dülmenensis  Gein.  sp. 
Peroniceras  tricarinatum  d’Orb.  sp. 
Baculites  bohemicus  Fric 
Pprula  costata  A.  Roem. 

Aporrhais  vespertilio  Golde,  sp. 
Turritella  acanthophora  J.  Müll. 

(wahrscheinlich) 

Turritella  sexlineala  A.  Roem. 
Turritella  acanthophora  J.  Müll. 

(wahrscheinlich) 

Natica  geinitzi  Hlzpel. 

Corbula  siibslriaLula  d’Orb. 
Pholadomya  nodulifera  Münst. 

Panopaea  regularis  d’Orb. 

Goniomva  designata  Gein.  var.  n.  sturmi 

Cerompa  cretacea  J.  Müll.  sp. 
Mactra  porrecta  Gein. 

Venus  (Tapes)  royana  d’Orb., 
wahrscheinlich 


unter  anderen  Namen  aufgeführt. 
Sturm 

Calianassa  faufasi  Desm. 
Calianassa  elongata  Fritsch 
Podocrates  dülmenensis  Becks 
Peroniceras  subtricarinatum  d’Orb. 
Baculites  incurvatus  Duj. 

Pprula  subcostata  d’Orb. 

Aporrhais  hiriindo  n.  sp. 

Turritella  nerinea  A.  Roem. 

Turritella  sexcincta  Golde. 
Turritella  nodosa  A.  Roem. 

Natica  acatimargo  A.  Roem. 
Corbulamella  striatula  Golde. 
Pholadompa  elliptica  Münst. 
Panopaea  gurgitis  Brongn. 
Panopaea  rustica  Zitt. 

Panopaea  claviformis  n.  sp. 
Goniompa  vogti  n.  sp. 

Goniompa  gallischi  n.  sp. 

Ceromya  isocardioides  n.  sp. 

Mactra  angulata  Gein. 

Tapes  fragilis  d’Orb. 

Tapes  ex  affin,  fragilis  d’Orb. 


Stratigraphischer  Teil 


31 


Sturm 


Ändert 


Venus  (Tapes)  faba  Sow. 
Cptherea  matheroni  Zitt. 

Venus  goldfussi  Gein. 

Venus  sudetica  n.  sp. 

Cpprimeria  geinitzi  J.  Müll. 
Cpprina  altissima  Fric 
Cpprina  trapezoidalis  Roem. 
Protocardia  alla  Stol. 
Crassalella  regularis  d’Oub. 
Cucullaea  deichmuelleri  n.  sp. 
Cucullaea  subglabra  d’Orb. 

Area  orbignpana  Math. 

Modiola  flagellifera  Forbes 
Ostrea  curvulorsata  Gein. 
Ostrea  cf.  goldfussi  FIlzpfl. 
Anomia  serniglobosa  Gein. 
Anomia  undulata  Gein.  sp. 

Vola  quadricostata  Sow. 
Inoceramus  cuvieri  Sow. 
Inoceramus  latus  Mant. 

Avicula  hieslingswaldensis  n.  sp. 
Pinna  compressa  Goldf. 
Cardiaster  cotteauanus  d’Orb. 


Tapes  subfaba  d’Orb.  sp. 

Cptherea  kruschi  n.  sp.  (wahrsch.) 
Cptherea  tumida  J.  Müll.  sp. 

Cpprimeria  discus  Math.  sp. 

Venilicardia  van  revi  Bosou.  sp. 
Trapezium  trapezoidale  A.  Roem.  sp. 
Protocardia  hillana  Sow.  sp. 
Crassatella  arcacea  A.  Roem. 
Cucullaea  subglabra  d’Orb. 

Cucullaea  zimmermanni  n.  sp. 
Cucullaea  zimmermanni  n.  sp.  (wahr- 
scheinlich) 

Modiola  typica  Forbes 
Ostrea  vesicularis  Lam. 

Ostrea  sudetica  S cupin 

Anomia  lamellosa  A.  Roem. 

Neithea  grppheala  Sciilotii.  sp. 

Inoceramus  sturmi  Ändert 

Gervillia  kieslingswaldensis  Sturm  sp. 
Pinna  cretacea  Sciiloth. 

Cardiaster  cotteanus  Lang.  & Grund. 


Außer  den  in  der  Fossilliste  von  Sturm  aufgeführten  Arten  wurden 
von  mir  noch  weitere  42  Arten  bei  Kieslingswalde  festgestellt  (s.  Fossil- 
zusammenstellung S.  44  ff.). 

Zu  der  Fossilliste  von  Sturm  ist  folgendes  zu  bemerken: 

Nur  von  Kieslingswalde  sind  bis  jetzt  folgende  Arten  bekannt: 

Palaeocorpstes  calianassarum  Fritscii 

Pachp discus  cf.  carezi  Gross. 

Desmoceras  langenhani  n.  sp. 

Nautilus  sinuatoplicatus  Gein. 

Nerita  sp.  n.  sp. 

Ostrea  limae  Gein. 

Inoceramus  involutus  Sow. 

Hamiies  trinodosus  Gein.  (4  mangelhafte  Stücke) 

Natica  sudetica  n.  sp.  (2  Stück) 

Pscudomelania  gigantea  Stol.  = Chemnitzia  hieslingswaldensis  Weinz. 
(einige  Exemplare). 

Die  ersten  6 Arten  liegen  nur  in  je  einem  Stück  vor,  sind  demnach  sehr 
selten.  Bei  den  übrigen  Arten  ist  die  Anzahl  der  Stücke  vermerkt.  Ein  Ver- 
gleich kommt  infolgedessen  weder  für  die  Löwenberger  noch  für  die  böhmische 
Kreide  in  Frage. 

Turrilites  varians  Sciilüt.  1 

Lispodesthes  cf.  schlotheimi  A.  Roem.  > sind  sehr  unsichere  Bruchstücke. 

Volutilithes  roemeri  Gein.  ] 


32 


Abh.  preuß.  geol.  L.-A.,  Neue  Folge,  Heft  159 


Von  Natica  bulbiformis  Sow.  und  Tudicla  cf.  audacior  Gein.  habe  ich  die 
Originale  nicht  gesehen.  Nach  den  Abbildungen  allein  ist  eine  Entscheidung 
nicht  möglich.  Sie  werden  wahrscheinlich  in  Arten,  die  auch  von  mir  genannt 
sind,  einzureihen  sein. 

Von  Gervillia  Solenoides  konnten  die  Exemplare  ebenfalls  nicht  verglichen 
werden.  Sicher  gehören  sie  zu  einer  der  von  mir  aus  dem  böhmischen  Emscher 
aufgeführten  Arten. 

Das  Original  des  lnoceramus  cf.  lobalus  Münst.  ist  nicht  bestimmbar. 
lnoceramus  undabundus  Meek  & Hayden  ist  wahrscheinlich  ein  Bruchstück 
eines  viel  größeren  lnoceramus  (?  lnoceramus  crassus  Petkascii.). 

lnoceramus  involutus  Sow.  ist  bei  Kieslingswalde  als  Seltenheit  in  eini- 
gen Exemplaren  gefunden  worden,  jedoch  noch  nicht  im  böhmischen  und 
schlesischen  Emscher. 

Ilemiasler  cf.  lacunosus  Goldf.  = Schizaster  sturmi,  sowie  Cardiaster  ju~ 
gatus  Sciilüt.  sind  sehr  selten  und  als  Seltenheit  auch  im  Löwenberger 
Emscher  gefunden  worden. 

Die  3 von  Sturm  aufgeführten  Arten  von  Fischzähnen  kommen  nicht 
im  böhmischen  Emscher,  jedoch  in  tieferen  Schichten  Böhmens  vor. 

Unter  Ausschluß  der  zweifelhaften  und  als  Seltenheit 
bisher  überhaupt  nur  bei  Kieslings  w aide  gefundenen  Ar- 
ten ergibt  sich  eine  fast  vollständige  Übereinstimmung 
der  Kieslings  walder  Fauna  mit  der  des  Löwenberger  und 
böhmischen  E m scher  s. 


Das  Untersenon? 

Der  schlesische  Überquader 

Der  schlesische  Überquader  konnte  im  Gelände  nur  ganz  gering  studiert 
werden-  Das  hier  bearbeitete  Fossilmaterial  stammt  aus  den  reichen  Samm- 
lungen des  Geologischen  Landesmuseums,  zum  kleinen  Teil  aus  der  Sammlung 
des  Löwenberger  Realgymnasiums.  Scupin,  1912/13,  S.  53—67,  hat  den  Über- 
quader eingehend  behandelt.  Es  sei  hierauf  verwiesen. 

Gegenüber  der  Fossilliste  von  Scupin  wurden  folgende  Arten  unter  an- 
deren Namen  aufgeführt: 

Scupin  Ändert 

Hamites  bohemicus  Fric 
? Cerithium  willigeri  Scup.,  das  mit 
Cerithium  chlomekense  Weinz.  nahe 
verwandt  ist 

Scalaria  philippi  Reuss 

Clauagella  elegans  J.  Müll. 

Goniomva  designata  Gein.  var.  n.  sturmi 
Panopaea  regularis  d’Orb. 

Trapezium  trapezoidale  A.  Roem.  sp. 
V enilicardia  van  repi  Bosqu.  sp. 
Isocardia  zitteli  Hlzpfl. 


Hamites  roemeri  Gein. 

Cerithium  dresleri  n.  sp. 

Mesostoma  charlottae  n.  sp.  1 

Scalaria  conf.  brancoi  Hlzpfl.  j 

Clavagella  n.  sp.  (cf.  elegans  J.  Müll.) 
Goniompa  designata  Goldf. 

Panopaea  geinitzi  Hlzpfl. 

Cppricardia  trapezoidalis  A.  Roem. 

V enilicardia  steinvorthi  n.  sp. 
Isocardia  sudetica  n.  sp. 


Stratigra  plnscher  Teil 


33 


ScUPIN 

Cprena  n.  sp. 

Cucullaea  matheroniana  d’Orb.  var. 

Cucullaea  matheroniana  var.  perversa 
Sturm 

Macrodon  boehmi  n.  sp. 

Pinna  decussata  Goldf. 

Modiola  siliqua  Math. 

Perna  zimmermanni  n.  sp. 

Avicula  kieslingswaldensis  Sturm 
Peclen  ropanus  d’Orb. 

Ostrea  hippopodiam  Nilss. 


Ändert 
Cp  re  na  lischkei  n.  sp. 

Cucullaea  zimmermanni  n.  sp.  var.  n. 
alta 

Cucullaea  zimmermanni  n.  sp. 

Area  carteroni  d’Orb. 

Pinna  cretacea  Schloth. 

Modiola  tppica  Forbes 
Gervillia  ovalis  FriC 
Gervillia  kieslingswaldensis  Sturm  sp. 
Pecten  faujasi  Defr. 

Ostrea  vesicularis  Lam. 


Aporrhais  schlotheimi  A.  Roem.  ist  flügellos  und  infolgedessen  unbe- 
stimmbar. 


Nerinea  bicincta  Bronn?  wird  von  Niederbielau  durch  Williger  aus 
Schichten  erwähnt,  die  vielleicht  zum  Untersenon  gehören. 

Von  Naiica  bulbiformis  Sow.  habe  ich  sicher  bestimmbare  Exemplare  nicht 
gesehen. 

Außer  der  Fossilliste  von  Scupin  konnten  aus  dem  Material  des  Geolo- 
gischen Landesmuseums  noch  folgende  Arten  bestimmt  werden : 

Avicula  pectinoides  Reuss 

Lima  cretacea  Woods  var.  bohemica  n.  var. 

Pecten  virgatus  Nilss. 

Ostrea  fallax  Scupin 
Septifer  scalaris  J.  Müll.  sp. 

Modiola  fabacea  Hlzpfl. 

Cucullaea  subglabra  d’Orb. 

Cucullaea  striatula  Reuss 
Crassatella  arcacea  A.  Roem. 

Mutiella  coarctata  Zitt. 

Cptherea  tumida  J.  Müll.  sp. 

Cptherea  kr uschi  n.  sp. 

Tellina  concentrica  Reuss 

Pholadompa  nodulijera  Mnstr.  var.  n.  salzbergensis 
Dentalium  glabrum  Gein. 

Turritella  nodosa  A.  Roem.  var.  drescheri  Scupin 
Glauconia  ornata  Drescii.  sp. 

Voluta  roemeri  Gein. 

Upogebia  böhmi  Glaessner 

Die  in  der  Fossilliste  von  Scupin  sowie  in  vorstehender  Liste  aufge- 
führten Arten  sind  mit  folgenden  geringen  Ausnahmen  auch  im  böhmischen 
bzw.  Löwenberger  Emscher  vertreten. 

Cardium  pectiniforme  J.  Müll. 

Mptilus  rackwitzensis  Scup. 

Plicatula  drescheri  Scup. 

Upogebia  böhmi  Glaessner 


/Udert  3 


34 


Abh.  preuß.  geol.  L.-A.,  Neue  Folge,  Heft  159 


Upogebia  böhmi  ist  bis  jetzt  nur  in  einem  Exemplar  bekannt. 

Plicatula  drescheri  und  Mvtilus  rackwitzensis  müssen  vorläufig  als  Lo- 
kalformen  von  Wenig  Rackwitz  angesehen  werden.  Letzterer  könnte  vielleicht 
mit  Seplifer  linealas  Sow.  zusammenfallen,  der  nach  Woods,  1904/13,  2, 
S.  106  in  der  gesamten  Kreide  gefunden  wird. 

Es  bleibt  nur  eine  Art  übrig,  die  bis  jetzt  auch  anderweit  bloß  aus  dem 
Unterscnon  bekannt  ist  und  zwar  Cardiilm  pectiniforme  J.  Müll.  Man  kennt 
sie  aus  dem  Untersenon  von  Aachen,  Suderode  und  Löwenberg.  Wenn  der 
untersenone  Charakter  der  Fauna  nur  auf  dieses  einzige  Fossil  begründet 
werden  kann,  so  ist  die  Stütze  sehr  schwach.  Es  sei  deshalb  noch  folgendes 
kurz  erörtert.  Nach  Scupin  beträgt  die  Mächtigkeit  der  Neuwarthauer  Schich- 
ten und  des  schlesischen  Oberquaders  zusammen  150  m.  In  der  böhmischen 
Kreide  ist  der  Emschcr  250— 3Ö0  m,  in  der  westfälischen  nach  Heine,  1929, 
S.  27,  reichlich  200  m mächtig.  Zur  weiteren  Klärung  der  Frage  kann 
nur  ein  Vergleich  der  schlesischen  Originalstücke  mit  den  sicheren  unter- 
senonen  Faunen  des  Harzrandes  und  von  Aachen  dienen.  Her  größere 
Einschlag  des  schlesischen  Überquaders  kann,  soweit  er 
Fossilien  geliefert  hat,  nur  nach  dem  Emscher  hin  sein. 

Kreide  außerhalb  der  Sudeten 

Regional  am  nächsten  liegt  der  sudetischen  Kreide  die  Kreide  des  nörd- 
lichen Harzrandes.  Aus  dem  Emscher  wurden  von  hier  nur  einig© 
leitende  Inoceramen  wie  Inoccramtis  kleini , percostalus , subquadralas  und 
koeneni  in  die  Zusammenstellung  aufgenommen,  da  mir  die  Lagerungsverhält- 
nisse an  den  einzelnen  Fundorten  nicht  so  bekannt  sind,  daß  mit  Sicherheit 
Emscher  oder  Untersenon  angegeben  werden  kann.  Am  Salzberg  bei  Quedlin- 
burg konnte  eine  kleine  Kollektion  von  52  Arten  gesammelt  werden,  die  mit 
Ausnahme  des  Inoceramus  cardissoides  Goldf.  auch  im  sudetischen  Emscher 
Vorkommen.  Die  Salzbergschichten  sind  von  einigen  Autoren  in  den  Emscher, 
von  anderen  in  das  Untersenon  gestellt  worden.  Mir  scheint,  daß  die  neue 
Einteilung  von  Heine,  1929,  S.  21,  der  die  Schichten  dem  Untersenon  zu- 
weist, das  richtige  getroffen  hat.  In  der  Fossilbeschreibung  mag  jedoch  der 
Salzberg,  wie  vorher  schon  eingearbeitet,  vorläufig  als  Emscher  wcitergelten. 
Aus  dem  Untersenon  des  Harzrandes  wurden  47  Arten  aufgeführt.  Besonders 
die  Darstellung  von  G.  MüLLEn,  1898,  über  Ilsede  läßt  sichere  Vergleiche 
zu.  Aus  dem  Untersenon  von  Aachen,  über  das  von  Holzapfel,  1887/88, 
eine  mit  ausgezeichneten  Abbildungen  versehene  Monographie  erschienen  ist, 
sind  59  Arten  in  die  Zusammenstellung  aufgenommen  worden.  Die  aus  dein 
Untersenon  des  Harzrandes  wie  auch  die  von  Aachen  hier  erwähnten  Arten 
sind  fast  alle  auch  im  sudetischen  Emscher  vertreten. 

Mit  dem  Oberturon  und  Emscher  von  Westfalen  waren  durch  einige 
charakteristische  Inoceramen  (Heine,  Fiege)  gute  Vergleiche  möglich. 

Über  das  Verhältnis  zur  französischen  und  englischen  Kreide 
ist  Ändert,  1927,  S.  36  und  37,  das  für  unsere  Stratigraphie  Wichtigste 
ausgeführt. 

Nachdem  stratigraphisch  einwandfrei  gesammeltes  Material  aus  der  ge- 
samten sudetischen  Kreide  vorliegt,  ist  es  möglich,  durch  Vergleich  von  Ori- 


Stratigraphischer  Teil 


35 


ginalstücken,  was  besonders  zwischen  Schalenexemplaren  und  Steinkernen 
notwendig  ist,  die  sudetische  Kreide  mit  anderen  Kreidegebieten  genau  zu  ver- 
gleichen. Zu  diesem  Zwecke  muß  auch  außerhalb  der  Sudeten  zunächst  ein- 
gehend und  gewissenhaft  gesammelt  werden,  wie  es  z.  B.  von  Heine,  1929,  und 
Fiege,  1930,  in  der  westfälischen  Kreide  und  von  Heinz,  1928,  1929,  in  der 
Lüneburger  Kreide  in  bezug  auf  Inoceramen  erfolgt  ist.  Heinz  geht  in 
der  Auswertung  jedoch  sicher  zu  weit,  wenn  er  die  vertikale  Verbreitung 
der  einzelnen  Arten  vollständig  von  der  einen  Stelle  Lüneburg  abhängig  macht. 
Da  sind  die  Lebensbedingungen  für  die  Tierwelt  im  Kreidemeere  an  den 
verschiedenen  Stellen  doch  zu  verschieden  gewesen.  Formen,  die  an  einer 
Stelle  häufig  sind,  können  an  anderen  gleichalterigen  fehlen.  Bei  Bearbeitung 
der  Gesamtl'auna  zeigt  es  sich  so  recht,  daß  viele  Arten  wiederholt  auftreten, 
wenn  die  entsprechenden  Lebensbedingungen  wieder  vorhanden  sind,  sie  sind 
faciesgebunden.  Damit  ist,  wenn  auch  anscheinend  nicht  in  dem  Maße,  wie 
bei  zahlreichen  anderen  Tierfarrilien,  auch  zunächst  bei  Inoceramen  zu  rechnen. 
Die  sichersten  Erfolge  sind  zu  erzielen,  wenn  man  die  an  einer  Stelle  tatsäch- 
lich vorkommenden  Arten  mit  anderen  Stellen,  wo  sie  ebenfalls  Vorkommen, 
in  scharfen  Vergleich  zieht.  Das  Fehlen  von  Arten  an  einer  Stelle  ist  für  Be- 
weisführungen in  der  Stratigraphie  immer  bedeutend  geringwertiger  einzu- 
schätzen. 


Die  Bedeutung*  der  Inoeeramen  fttr  die  Stratigraphie 
der  sudetisehen  Kreide 


Die  in  meinen  Arbeiten  aufgefiihrten  Inoeeramen  des  sudetisehen  Emschers 
und  Turons  sind  für  die  Stratigraphie  nicht  gleichartig  zu  bewerten.  Neben 
Formen,  die  als  Leitfossilien  bereits  weit  bekannt  sind,  hat  sich  auch  eine 
Anzahl  neuer  Arten  in  meist  nur  wenig  Exemplaren  gefunden,  die,  da  für 
weitere  Vergleiche  vorläufig  unbrauchbar,  zunächst  für  die  Stratigraphie  auch 
nur  wenig  nützen  können  (s.  a.  Ändert,  1933  b). 

Der  E m s c h e r ist  durch  Inoceramus  kleini  in  einer  Anzahl  annähernd 
guter  Stücke  charakterisiert.  Beim  Bau  der  Drehscheibe  an  der  E,-St.  Tannen- 
dorf wurde  eine  ganze  Menge  bessere  Stücke  als  die  früheren  gefunden.  In 
Tannendörfel  und  beim  Bau  der  Oberkreibitzer  Talsperre  wurde  ferner  das 
Vorkommen  der  Art  durch  bankweises  Auftreten  vollständig  sichergestellt. 
Inoceramus  koeneni,  ein  wichtiges  Leitfossil  des  untersten  Emschers,  liegt  aus 
unserem  Gebiet  nur  in  wenigen  Exemplaren  von  der  Basis  des  Emschers  vor. 
Unser  böhmisches  Material  von  Inoceramus  percostatus  ist  sehr  mangelhaft. 
Einige  bessere  Stücke  sind  von  Herzogswaldau  in  der  Löwenberger  Kreide 
vorhanden.  Inoceramus  sturmi  ist  in  Kieslingswalde  außerordentlich  zahlreich, 
jedoch  im  Löwenberger  und  böhmischen  Emscher  selten.  Inoceramus  involulus 
ist  von  Kieslingswalde  in  einigen  Exemplaren  bekannt.  Im  Kreibitzer  Gebiet 
wäre  er,  da  er  in  einem  etwas  höheren  Horizont  als  Inoceramus  kleini  Vorkom- 
men soll,  in  den  leicht  zerfallenden  Sandsteinen  über  der  E.nSt.  Tannendorf 
zu  erwarten,  aus  denen  es  bisher  nur  möglich  war,  gelegentlich  einige 
Fossilien  zu  sammeln. 

Oberturon  y hat  keinen  eigenen  Inoceramus.  Sehr  zahlreich  ist  in 
diesen  Schichten  Inoceramus  inconslans  Woods  em.  Ändert  vertreten,  der 
mit  dieser  Zone  nach  oben  abschließt,  nach  unten  aber  bis  in  das  obere» 
Mittelturon.  zu  finden  ist.  Ob  die  Exemplare  des  obersten  Oberturons  y,  die- 
jenigen des  untersten  Oberturons  y,  die  des  Oberturons  a,3  und  die  des  oberen 
Mittel  turons  alle  tatsächlich  nur  zu  einer  Art  gehören  oder  je  nach  dem 
Altershorizont  in  2 oder  3 Arten  aufzuteilen  sind,  ist  an  dem  Material  der 
sudetisehen  Kreide  nicht  festzustellen.  Soweit  sie  nicht  zerbrochen  und  ver- 
quetscht sind,  zeigen  sie  alle  den  Charakter  der  Gruppe  des  Inoceramus  in - 
constans  mit  Umbiegen  der  Schale  im  höheren  Alter  nach  innen  und  an- 
scheinend eine  mehr  oder  weniger  voneinander  abweichende  Skulptur.  Auf  alle 
Fälle  ist  die  Aufteilung  der  Inoeeramen  aus  den  Tonmergeln  von  Zatzschke 
und  Umgebung  durch  Heinz  in  15  neue  Arten  und  9 neue  Gattungen  nicht 
verwendbar. 

Das  Oberturon  oep  hat  in  unserem  Gebiet  u.  a.  in  zahlreichen  Exem- 
plaren Inoceramus  lusaliae,  frechi  und  waltersdorfensis  sowie  als  Seltenheit 
einige  große  Stücke  des  Inoceramus  schloenbachi  geliefert.  Ferner  liegt 
aus  diesem  Horizont  eine  Anzahl  schöner  Exemplare  von  Inoceramus  inconsfans , 
crassus,  weisei  und  glatziae  vor. 


Die  Bedeutung  der  Inoceramen  für  die  Stratigraphie  der  sudetischen  Kreide  37 


Das  Mittelturon  ist  charakterisiert  durch  Inoceramus  lamarcki  var., 
insbesondere  var.  cuvieri,  sowie  durch  Inoceramus  costellatus. 

Im  Unterturon  finden  sich  die  Leitfossilien  Inoceramus  labiatus  und 
hercpnicus . 

Inoceramus  crassus  und  weisei  gehen,  wie  sich  durch  zahlreiche  Exemplare 
nachweisen  läßt,  vom  Oberturon  a ß durch  das  Oberturon  y hindurch  bis  in 
den  Emscher  des  Alters  der  Schichten  der  E.-St.  Tannendorf. 

Auch  Inoceramus  protractus,  koegleri,  subpercostatus , glatziae,  schroederi, 
siibquadralus , winkholdioides  und  wandereri  finden  sich  merkwürdigerweise  im 
Emscher  und  Oberturon  aß.  Leider  sind  es  meist  Formen,  die  weniger  häufig 
und  als  Steinkerne  oft  auch  mangelhaft  erhalten  sind,  so  daß  die  unbedingte 
Sicherheit  der  Übereinstimmung  aller  zu  diesen  Arten  gestellten  Stücke  nicht 
gewährleistet  werden  kann.  Verschiedene  der  hier  aufgeführten  Arten  sind 
noch  viel  zu  wenig  bekannt.  Es  ist  deshalb  davor  zu  warnen,  einzelne  Stücke 
herauszugreifen  und  bei  anderen  ebenfalls  nicht  genügend  bekannten  Arten 
unterzubringen.  Auf  diese  Weise  häufen  sich  nur  die  Irrtümer.  Die  Kennt- 
nis der  Inoceramen  des  Oberturons  und  Emschers  ist  noch 
nicht  soweit  fortgeschritten,  da  ß jedes  beliebig  e Stück, 
meist  aucli  noch  unvollständig,  ohne  weiteres  richtig  be- 
stimmt werden  kann.  Ganz  besonders  sei  auch  an  die  Deformierung 
durch  Druck,  wie  es  Abb.  1-0 — 12  zeigen,  erinnert.  Nur  neues,  besseres  Ma- 
terial kann  uns  wieder  einen  Schritt  vorwärts  bringen. 

Inoceramus  inconstans  var.  planus  und  Inoceramus  schloenbachi  var.  crip- 
sioides  sind  2 sehr  seltene  Formen  jmd  stratigraphisch  ohne  Bedeutung. 

Die  unter  „Oberturon  aß  Innozenzidorf  6“  aulgeführten  Inoceramen  und 
anderen  Bivalven  sind  in  Teil  II  (S.  180—189,  Ziffer  16)  als  „Emscher 
Dachsenstein  1“  bezeichnet.  Obwohl  die  Emschergrenze  sicher  unweit  der  Fund- 
stelle vorbeiführt,  möchte  ich  den  Steinbruch,  der  im  Sockel  der  Walters- 
dorfer  Scholle  (Oberturon  a ß)  angelegt  ist,  nach  weiteren  Erwägungen  auch 
dem  Oberturon  a ß zuteilen. 

Ferner  sind  unter  „Emscher  E.-St.  Neuhütte  5“  drei  Inoceramenarten 
Inoceramus  weisei,  winkholdioides  und  wandereri  aufgeführt.  Sie  liegen  im 
Museum  des  Humboldtvereins  zu  Ebersbach  und  stammen  aus  der  WEisn’schen 
Sammlung.  Der  Fundort  ist  von  Weise  als  „Bettlerloch  am  Großen  Fried- 
richsberge“ bezeichnet.  Soweit  ich  mich  der  Aussprache  mit  Herrn  Weise 
darüber  erinnern  kann,  soll  die  Stelle  identisch  mit  dem  alten  Steinbruch 
„E.-St.  Neuhütte  5“  sein,  in  dem  ich  selbst  eine  Anzahl  Versteinerungen 
gesammelt  habe,  die  ich  für  Emscherfossilien  halte.  Die  drei  Inoceramen- 
arten kommen  jedoch  vorwiegend  im  Oberturon  a ß,  vereinzelt  nur  im  Emscher 
vor.  Würden  die  Inoceramen  dem  Oberturon  aß  angehören,  so  müßte  die 
Fundstelle  weiter  nördlich  und  zwar  statt  am  S-Hange  mindestens  am  N- 
Hange  des  Großen  Friedrichsberges  liegen. 


38 


Abh.  preuß.  g>eoI.  L.-A.,  Neue  Folge,  Heft  159 


Nachtrag  zu  Teil  I und  II 

1.  Die  Therme  bei  Schreckenstein  im  Böhmischen  Mittel- 
gebirge, Bohrung  1930. 

Im  Innern  des  Böhmischen  Mittelgebirges  ist  die  Schichtenfolge  der 
Kreide  in  Teil  I und  II  noch  nicht  behandelt  worden.  Wohl  sind  früher 
in  Aussig  einige  Tiefbohrungen  erfolgt,  jedoch  war  die  Deutung  der  Schichten 
so  unklar,  daß  ich  mich,  bevor  ich  nicht  eine  derartige  Bohrung  selbst  kennen 
lernte,  nicht  darüber  äußern  konnte.  Erst  im  Jahre  1930  wurde  mir  Gelegen- 
heit, in  der  Gemeinde  Schreckenstein  (südlich  der  Burgruine)  eine  Bohrung 
und  das  Material  zu  Besichtigen.  Durch  Entgegenkommen  der  Bohrleitung 
erhielt  ich  aus  den  verschiedenen  Tiefen  Bohrproben  und  auch  das  Bohrprofil. 
Die  von  der  Bohrung  durchteuften  Schichten  wurden  von  mir  stratigraphisch 
wie  folgt  gegliedert: 

Meereshöhe  des  Tagkranzes  der  Bohrung  150,15  m. 

0,00  bis  24,70  m Sand  und  Lehm  mit  Basaltfindlingen 

„ 30,00  „ blauer  Tuffelsen  mit  Tongestein 

„ 46,00  „ Tonmergel  blau  (bis  hierher  Schacht)  >1 

Beginn  der  Bohrung  l Oberturon  j 

„ 103,50  „ Tonmergel  blau  J 

„ 176,75  „ Tonmergel  graubraun  1 Oberturon  aß 

n 280,00  „ Kalkmergel  J (angenommen) 

„ 310,10  „ Kalkmergel,  Mittel turon,  klingender  Pläner  usw. 

„ 310,60  „ Übergang  Kalkmergel  — Sandstein 

„ 322,50  „ grobkörniger  Quarzsandstein,  weißgrau 

„ 327,53  „ Übergang  in  immermehr  feinkörnigen  grauen  Sandstein 

Ende  der  Bohrung. 

In  den  Tonmergeln  zwischen  30,0  und  46,0  m fand  ich  mehrere  Bruch- 
stücke von  Inoceramen,  die  wahrscheinlich  dem  Inoceramus  inconstans  Woods 
em.  Ändert  angehören,  ferner  Baculites  bohemicus  FriC,  Pectunculus  sp.,  un- 
bestimmbare Gastropoden  und  Fischreste. 

Das  wichtigste  stratigraphische  Ergebnis  ist  die  Feststellung,  daß  im 
Böhmischen  Mittelgebirge  das  Oberturon  ac  ß,  das  in  der  ganzen  sudetischen 
Kreide  sonst  überall  als  Sandstein  entwickelt  ist,  als  dunkler  Mergel  auftritt. 
Die  mittelturonen  Kalkmergel  des  Bohrloches  stehen  am  Südrande  des  Mittel- 
gebirges, bei  Leitmeritz  usw.,  zutage  an,  der  mittelturone  Sandstein  in  der 
Nähe  der  Ruine  Kamaik,  nördlich  von  Leitmeritz. 

In  vorstehendes  Profil  lassen  sich  auch  die  anderen  bisherigen  Bohrungen 
in  der  Umgebung  von  Aussig  eingliedern.  Es  zeigt  sich  hieraus,  daß  in  Aussig, 
also  westlich  der  Elbe,  in  der  Richtung  nach  dem  Braunkohlenbecken  hin, 
die  Kreidescholle  um  etwa  30  m tiefer  liegt  als  östlich  der  Elbe. 


Nachtrag  zu  Teil  I und  II 


39 


B.  Müller,  1930,  hat  die  Verhältnisse  der  neuen  Therme  in  Schrecken- 
stein eingehend  beschrieben.  Seine  Bemerkung  (S.  146,  151),  daß  die  Mäch- 
tigkeit der  Mergel  gegen  das  Beckeninnere  bedeutend  zunehmen  solle,  und 
zwar  deshalb,  weil  ihre  Mächtigkeit  bei  Außig  305  m,  T>ei  Milleschau  180  m 
und  bei  Leitmeritz  140  m nach  Hibsch  betrage,  möchte  ich  dahin  berichtigen, 
daß  bei  Leitmeritz  zwischen  den  mittelturonen  Kalkmergeln  und  den  obers t- 
turonen  Tonmergeln  eine  Bruchlinie  verläuft,  die  Hibsch  nicht  bekannt  war 
(Ändert,  1929,  2,  S.  219—221)  und  bei  Milleschau  die  oberstturonen  Tonmergel 
anscheinend  abgetragen  sind.  Es  ist  zurzeit  kein  Nachweis  dafür  bekannt, 
daß  das  Oberturon,  um  das  es  sich  hier  handelt,  im  Mittelgebirge  in  der  Mäch- 
tigkeit bedeutend  schwanken  könnte. 

2.  Bohrung  an  der  Balzhütte  im  Jahre  1930. 

(Ergänzung  zu  Ändert,  1928,  1,  S.  38). 

Meereshöhe  des  Tagkranzes  der  Bohrung:  407  m 

0,00  bis  9,00  m Sand  mit  Limonit 
„ 73,00  „ Basalt 

„ 77,60  „ Sandmergel  mit  dunkelgrauem  Ton 

„ 96,70  „ Schiefer 

„ 98.20  „ Kalkstein,  sandig 

„ 101,80  „ Schiefer  mit  Sandschichten 
„ 102,00  „ Sandstein 

„ 107,30  „ Sandstein  mit  schwachen  Schiefereinlagerungen 

Ich  möchte  annehmen,  daß  sich  die  Bezeichnung  „Schiefer“  im  Bohr- 
profil auf  Tonlagen  bezieht. 

3.  Brausnitzbach  Abt.  23  (265  m). 

NO  von  Lohmen,  bei  Pirna  in  Sachsen  (MT  Lohmen) 

Mittelturoner  schwarzgrauer  Plänermergel.  Fossilinhalt: 

Parasmilia  centralis  Mant.  sp. 

Inoceramus  inconstans  Woods  em.  Ändert 
Itioceramus  costellatas  Woods 
Anornia  subtruncata  d’Orb. 

Ostrea  semiplana  Sow. 

Nucula  striatula  A.  Roem. 

Leda  semilunaris  v.  Buch  sp. 

Area  undulata  Reuss 
Cardita  geinitzi  d’Orb. 

Dentalium  medium  Sow. 

Natica  vulgaris  Reuss 
Turbo  bnchi  Golde,  sp. 

Aporrhais  substenoptera  G.  Müll. 

IJamites  bohemicus  Eric 
Baculiies  sp. 

Scaphites  geinitzi  d’Orb. 

Fischzahn 

Fischschuppen 


Wftsser- 

horizont 


> Mittel  tu ron 


40 


Abh.  preuß.  geol.  L.-A.,  Neue  Folge,  Heft  159 


4.  Ziegeleigrube  N unweit  Raum  bei  Schweizermühlc 

(MT  Schandau  2). 

Mittelturoner  schwarzgrauer  Planermergel.  Fossilinhalt: 

Spongites  saxonica  Gein. 

Inoceramus  lamarcki  Park.  (Woods,  Taf.  52,  Fig.  4—6)  50  Exemplare 
Lima  elongata  Gein. 

Pecten  nilssoni  Goldf. 

Pecten  membranaceus  Nilss. 

Anomia  subtruncata  d’Orb. 

Ostrea  vesicularis  Lam. 

Ostrea  semiplana  Sovv. 

Nucula  striatula  A.  Roem. 

Cucullaea  striatula  Reuss 
Collier ea  lumida  J.  Müll.  sp. 

Siliqua  concentristriata  G.  Müll. 

Liopisiha  aequivalvis  Goldf.  sp. 

Emarginula  carinata  Reuss 
Natica  vulgaris  Reuss 
Turritella  acanthophora  J.  Müll. 

Turr Hella  multistriata  Reuss 
Cephalopod. 


Tabellarische  Übersicht  <le  rstratigraphisclien  Verhältnisse  41 


Normale 

Mächtigkeit 

Sachsen 

B ö h m e n 

Schlesien 

Dresden  ! Pirna 

i 

Elbsandstein- 

gebirge 

Zwischen  Elbsandstein- 
gebirge  und  Jcschken 

Böhmisches 

Mittelgebirge 

Südlich  vom  Mittel gebirgsbrucli  j Isertal  — Jicin 

1 

G 1 a t z 

Oppeln 

Lahn  'Löwenberg 

Ems  eher 

250—300  m 

Sandstein 

meist  mergelig,  mit 
vereinzelten  Bänken 
von  Ton,  Tonmergel, 
dunklem  Kalksandstein 
uud  Kalkquarzit 

Sandstein 

mit  konglomerati sehen 
Einlagerungen 

dunkle  Tonmergel 

. 

Tonmergel  von  Priesen 

Mergel,  grau  und  gelblich 
(?  teils  verwitterter,  merge- 
liger Sandstein)  10 — 20  m 

Wechsel  v.  licht.  Quadersandst., 
tonigem  Sandstein  und  merge- 
ligem Sandstein,  10—20  m 

Sandstein  mit  Knollen 
von  Kalksandstein 
bei  Kieslings walde 
und  Neu waltersdorf 

Sandstein  m.  zahlreichen 
Blattabdrücken, 
Tone  von 
Niederlangenau — 
Kieslings  walde 

Überquader 
(die  oberen  Schichten 
Untersenon?) 

Oberquader 

Mergelsnil  dsl  ein 

Stufe  { 

80  m 

Tonmergel  im  Wechsel 
mit  Sandstein 

Tonmergel  im  Wechsel 
mit  Sandmergel, 
Sandstein 

und  Kalksandstein 

Ton-  und  Sandmergel 
(mit  Sandsteinlagen?) 

Tonmergel  von  Priesen 
untere  Abteilung 

dunkelgrauer  Tonmergel 
im  Wechsel  mit  hartem 
grauem  Kalksandstein 
und  sandigem  Sandstein 

Tonmergel 

und 

Sandmergel 

o 

u 

+2 

CD 

X> 

C Stufe  ß und  v. 

200  m 

1 Herrenleitesand  stein 

: ß2 

Sandstein,  senk  rech 

| ei 

i 

■ Sandstein,  Böse 

Sandstein,  meist 
;e  Felsmauern 

hungen  a 

feinkörnig,  wenig  Felsen 

ß 2 

östlich  Haida: 
i Weicher  Sandstein 
mit  Bänken 
von  hartem 
Kalksandstein 

Mergel 

(Bohrloch 

Schreckenstein 

1930) 

im  O. 

im  W.  Saudstein, 

abgetragen  meist 

abgetragen 

Sandstein, 
lichtgrau  und  gelb, 
meist  feinkörnig, 
bis  150  m festgestellt, 
vielleicht  ursprünglich 
bis  200  m 
mächtig 

Sandstein 
der  Heuscheuer, 
Spiegelsberge ; 
Adersbach — 
Weckelsdorfer  Felsen 
in  Ostböhmen 

Sandstein 

des  Kynberges  und 
Grunauer  Spitzberges 
mit  harter  Grünsand- 
steinbank 

Sandstein  / 

von  / 

Hocken  au  / 

/ Sandstein 

/ in  Resten 
/ (Ludwigsdorfer 
/ Sandstein) 

./Mittelberge-Sandstein 

Zone  des 

Spondylus  spinosus 

c Sow.  und  Heteroceras 
o 

reussianum  Schl. 

35  m 

Plänermergel 

und 

Plänerkalk 

Glaukoniti scher  Mergel 
und  Pläner, 
Sandstein 

Weicher  Sand- 
stein mit  dünnen 
Tonlagen 

Sandstein 
mit  Bänken  von 
hartem  Kalk- 
sandstein 

o 

p 

>— *■ 
o 
o 

Plänermergel 
und  Plänerkalk 

Plänerkalk  und  Plänermergel, 
Sandstein  mit  Bänken  von  hartem 
Kalksandstein 

3.  Wechsel  von  weiche- 
rem u.  härterem  dunk- 
lem Mergel  (Pläner)  so- 
wie von  Sandstein 
| 2.  Sandstein,  hell,  im 
Wechsel  mit  dünnen 
Bänken  v.  Kalks  an  dsfc. 
1.  dun  kl.,  knollig.  Kalk- 
sandstein im  Wechsel 
mit  Plänermergel 

Pläner  von  Carlsberg, 
Weckelsdorf 
usw. 

! 

Pläner 

mit 

T onbänken 

Pläner 

und 

sandiger  Mergel 

Mergel  sands  tein 
u.  Pläner  von 
Löwenberg 
u.  Herrn s- 

-jj 

CU 

2 Zone  des 
^ Inoceramus  lamarcki 
^ Park  . 

65 — 75  m 

Pläner 

Glaukonitischer 
Sandstein  mit  Tonlagen 
und  Kalkbänken 

Mergel 

Sandstein, 
mittel  bis  grob, 
mit  Konglomerat- 
bänken, Felsen 

j Plänermergel 

und  Plänersandstein 

Sandstein  mit 
Rhynchonella  plicaf ilis 

Sandstein  mit  Bänken 
von  Kalksandstein  und  Kalkstein, 
weiter  nach  SW  (Melnik — Egertal) 
Wechsel  von  Plänermergel 
mit  hartem  Kalksandstein 

Pläner 

Sandstein 

dorf  / 

/ Raben  docken - 
/ Sandstein 

| Zone  des 
'S  Inoceramus  labiatus 

<D 

a Schloth. 

bis  60  m 

1 

Pläner 

Sandstein 

i 

Sandstein 

Felswände 

roter  Sand 
und  Sandstein 

Plänersandstein 
und  sandiger  Mergel 

Mergel  Sandstein  und  Mergel 
mit  Glaukonit  im  Wechsel  mit 
hartem  Kalksandstein; 
bei  Prag  Sandstein 

dunkler  Plänermergel 

Sandstein 

Plänersandstein 

Ton 

Mergelsand  s tei  n 
mit 

Glaukonit 

Sandstein 

Cenoman 

bis  85  m 

Pläner,  Ton,  Sandstein,  Konglomerate 
Siiß  wasserton 

Toniger 

Sandstein, 

Konglomerate 

TrÖgelsberg: 
Sandstein 
und  Konglomerate 

Kalksandstein, 

Kalkmergel, 

Letten, 

Konglomerate 

am  Masch witzberge 
toniger  Sandstein; 
zwischen  Raudnitz  und  Prag: 
Sandstein 

2.  dunkler  Plänermergel 
1.  Sandstein  u.  Konglo- 
merate 

lokal  Tonschiefer 

Plänersandstein 

Sandstein 

Sandstein 

Pläner, 

Sandstein, 

Konglomerate 

Plänermergel, 

Sandstein, 

Konglomerate 

Die  bisherigen  Ansichten  Über  die  Stratigraphie,  In  Teil  I (1928)  und  II  (1929)  sind  die  bisherigen  Ansichten  über  die  Stratigraphie  der  sächsisch-böhmischen  Kreide  eingehend  besprochen  worden. 
Über  die  Glatzer  und  Löwenberger  Kreide  ist  im  Abschnitt  „Stratigraphie“  dieses  Teiles  das  wichtigste  ausgeführt.  Folgende  Tabelle  gibt  eine  Gegenüberstellung. 


42 


Ändert 

Sudetische  Kreide 


1933 


Petrascheck 


Kalkige  Fazies 


Dresden  1899/1904 


Übergangsgebiet 


Sandige  Fazies 


Pirna  1899/1904 


Hoher  Schnceberg  1899 


Schandau  1904 


Pietzsch 
Ü be  rgangsgeb  iet 


Pirna  1916 


Kalkige  Fazies 


Zahalka,  C. 
Übergangsgebiet 


Dresden  1924 


Pirna  1924 


Sandige  Fazies 


Schandau  1924 


Fric 

1877—1897 


Böhmen  l) 


Flegel 

1905 


Adersbach— Weckelsdorf 


Heuscheuer 


Sturm 

1901 


Siidl.  Grafschaft  Glalz 


Leonhard 

1897 


Oppeln 


S CUPIN 

1912/13 


Löwcnbcrg/Liihn 


Kühn  und 
Zimmermann 

1918 


Blatt  Gröditzbcrg 


Zimmermann 

1919 


Blatt  Lahn 


Ems  olier 


250 

bis 

300  m 


Chlomeker  Schichten 


Emscher: 

Kieslingswalder 

Sandstein 


S 

H 

t-i 

01 

Td 

Ul 

p 

p 


Überquader  3) 


Oberquader 


Neu  warthauer 
Schichten 


P 

P 


Schlesischer 

Überquader2) 


a 

P 


Oberquader 


rP 

o 

Ul 

s 

P 


Mergelsandstein 


80  m 


01 

XI 

O 


Scaphitenton 

von 

Zatzschke 


ho  £ Mergel  u.  Tone  | 


3 - 
4J  O 

p mm 


g*  von  Zatzschke  § 


über  5 m 


200  m 


<x> 

XX 

o 

ui 

B 

P 


Überquader  g 


rO 


Brongniartiquader 


bfl 

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m -2 

Xi 

« 01 

5 o 

6 XI 

g o 


oi  sr  o 

£ lüg 

* 


Überquader 
50  m 


Quadersandstein 


Zone  des 

p.  Spondylus  spinosus 
° Sow.  und  Heterocer as 
0 reussianum  Schl. 


35  m 


bC  ■ ■ b J? 

d 2 ^ h i -* 

oi  P B P -5 

O rfi  s_i  (ü  -O 

. Ol’X,  O 0}  r~^  X 

£ £ £ Ö P P 


Cuvieri- 
stufe 
Mergel  d 


cO^  '^-3  g ^5  jTeplitzer 


r ^ j-ii—  ri  **  — 

^ CO  ^ Straße 


^ Zone  des 
g Inoceramus  lamarcki 
Park. 


65  bis 
75  m 


Tj 


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ob.  Brongn.-Merge'  [ 
ob.  Grünsandstein 


01 

4-> 

PI 

0 

0 bß 


-g  — unter.  Brongniarti- 
3 Mergel  und  Plänei 

| ^ 

53  Grünsandstein 
p 


PQ 


Mergel 


S bß 
PI 
0 

Ul  r~2 

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p 

0 


Pläner 

und 

Mergel 


Grünsand- 

stein 


nd 

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P 

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01 

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O 

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5 S 


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CO 


Quadersandstein 
80  m 


Mergel  v.  KrietzachwiU 
ob.  Gi  ünsandsteir. 
Brongniartiplänei 


Ul  Co 
0 *: 
TJ  ^ 

01  - 


*1 


H u ’N 
° « 
P ^ 

o ■■■ 


Plänerkalk 

von 

Strehlen 


unterer 

glaukonitischer 

Sandstein 


Zone  des 
Inoceramus  brongniarti 


Zone  des 

Inoceramus  labiatus 


Mergel 


Cenoman 


P 

£ Zone  des 
^ Inoceramus  labiatus 

CD 

Ö SüHLOTH. 

P 


bis 
60  m 


Labiatuspläner 


Lsbiatusquader 


Sandstein  mit 
Inoceramus  labiatus 
Schloth. 

M ergel 


Inoceramus 


obere 
Kieslings- 
wald. Tone 


Priesener  Schichten 


ö S 

O Td 


.S 


2 Mergel  und 
§ Tone  von 
| Zatzschke 


cs]  Scaphites 
geinitzi 


obere 
Abteilung 
d.  unteren 
Kieslingsw. 
Tone 


rP 

a, 

a 

o 

CO 

x> 

o 


Mergel 

von 

Großrackwitz 


CO 


^ Überquader 


Zone  des 

Inoceramus  brongniarti 


Iser- 

ßchichten 


Zone  des 

Inoceramus  labiatus 


Quadersandscein 


05  S 

CD 

Td  £ 


o 

ESI  h 


Brongniarti- 
quader 
ca.  80  m 


, Chlo-  | 
meker 

o 

Schichter  ^ 
(b.Turnau)  2 


Oberer  Quader 
der 

Heuscheuer 


Sandstein 
als  Zone  des 
Inoceramus  brongniarti 
bezeichnet 


u ® 

0 Td 

£ s 

S 0 
M O 


Sandstein 

von 

Hocken  au 


CD 

0 Td 
rP  2 
O 0 
Ul  ct1 

P 0 
P X 
O 


Sandstein 

von 

Hocken  au 


Ludwigsdorfer 
Sandstein 
einschl.  Kynberg 
und  Grunauer 
Spitzberg 


CD 

A 

Sandstein 

O 

Ul 

B 

w 

des 

Kynberges 

Mergel  von 
Krietzschwitz 


Priesener  Sch.  § 


Zone  d.  lnoc.  labiatus 


Teplitzer  Schichten 


Cenoman 


Cenoman 


Mal-  ! 

Iser- 

: Weißen-', 
nitzer  : , 

schich- 

: berger 

ten 

Schich- : Schichten  \ 

ten 

i 01 

I c 
o 

I cs! 


Inoc.  cuv. 

Scaphites 

geinitzi 


Tone  und 
Pläner  v. 
Carlsberg 


untere  Abteilung  der 
g unteren  Kieslings- 
walder Tone 


Sa 


Harte  blaue 
Plänerkalke 


'-S  harte  blaue  Plä- 
: ^ nerkalke 
; S 

§\. 

, o 
I k» 


harte 


Gault 


Weißenberger 

Schichten 


p 

o 

N 


Pläner- 

sandstein 


2 I 


Quader  der 
Wiiaschelburger 
Lehne 


S harte  blaue 
? Plänerkalke 


blaue 

Plänerkalke 


Quader- 

sand- 


tsl 


£ 

S1 


P & 
P ee 
* O 


Kalkmergel 


Hermsdorfer 

Mergel- 

sandstein 


^ Hermsdorfer 

g Mergelsandstein 

P 


Mergel  an  der 
Waltersdorfer  Mühle 
usw. 


stein 


Pläner- 
sandstein und 
Grenzquader 


O ö 


harte 

blaue 

Plänerkalke 


<u 

bfi 


CG  bß  . 


S 55 


Ton 


01 

X 

p 

01 

* 

:o 

P 


Uaben- 

dockon- 

sandstein 

(unt.  Mittelquader) 
zu  unterst  mit 
■ Inoceramus 
\ labiatus 


s .« 

e s» 


8 b 

Kh  ^ 


Mittlerer 

Quader- 

sandstein 


Mergel 


g 2 

5 4S 

S .« 
0 -S 

O Ö 
£ 


Mittlerer 

Quader- 

sandstein 


£ £ 
o 

o « 

g — 


Mergel  (?) 
und 

Sandstein 


1)  Böhmen  von  ZahÄlka,  c.  (ähnlich  wie  Sachsen)  s.  Ändert,  1929,  2,  S.  215—219. 
Böhmen  von  Hirsch,  s.  Ändert,  1929,  2,  S.  219—2  21. 

Böhmen  von  MÜLLER.  B.,  s.  Ändert,  1929,  2,  9.  222. 

2)  Die  oberen  Schichten  Untersenon? 


43 


j 

Die  Verbreitung  der  hier  behandelten  Arten 

Fremde  Fundorte  und  Fundgebiete 
sind  durch  folgende  Buchstaben!  bezeichnet: 


A 

= 

Aachen,  Oberserion 

C 

Cenoman,  aügeniein 

E 

England  ; • 

F 

Frankreich  j 

G | 

Galizien 

Go 

=i 

Gosau 

H 1 

=| 

Harz 

Ha; 

= 1 

Haldem,  Senon  j 

i 

I : 

=j 

Indien 

i ; 

M 

Mastridht,  Senoii 

Mö 

Möen 

N 

— 

Norddeütschland 

Ns 

= 

Neuseeland 

NW 

Nordwestdeutschland 

Os 

= 

Oberschlesien 

R 

= 

Rügen 

S 

= 

Schweden,  Senon 

Sch 

= 

Schildberg  in  Mähren 

U 

=• 

Unterturon,  allgemein 

w 

= 

Westfalen 

Wo 

=• 

Wollin 

44 


Abh.  preuß.  geol.  L.-A.,  Neue  Folge,  Heft  159 


Cenoman  Unterturon  Mittelturon 


Coelenterata 

Spongiae 

Spongites  saxonica  Gein 

V entriculites  cribrosus  Phill.  sp.  . 
V entriculites  angustatus  var.  distorta 
Quenst 

Anthozoa 

Cyclabacia  fromenteli  Bölsciie  . . 
Parasmilia  centralis  Mant.  sp.  . . 

Echinodermata 

Stellaster  schulzei  Cotta  & Reich,  sp. 

Ste\llaster  albensis  Gein 

Stellaster  iuberculifer  Drescher  sp. 
Astropecten  scupini  n.  sp. 

Cidaris  subvesiculosa  d'Orb. 

Cidaris  reussi  Gein 

Gauthieria  radiata  Sor.  sp 

Catopygus  cf.  pyriformis  Goldf.  sp. 
Catopygus  n.  sp.  . . 

Catopygus  albensis  Gein 

Cardiaster  ananchytis  Leske  sp.  . 
Cardiaster  planus  Mant.  sp.  . . . 
Cardiaster  cotteanus  Lang.  & Grund. 
Cardiaster  jugatus  Schlüter  . . 
Micraster  cor  testudinarium  GoLDF.sp. 
Hemiaster  regulusanus  d'Orb.  . . 
Schizaster  slurmi  Soup. 

Vermes 

Serpula  socialis  Goldf 

Serpula  gordialis  Schloth. 

Serpula  ampullacea  Sow.  . . 


+ 

+ 


+ 

+ 

+ 

+ 


+ 

+ 

+ 

+ 

+ 

+ 

+ 


+ 

+ 


+ + 
+ 

+ 


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Sachsen 

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Sachsen 

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Priesen 

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Löwenberg 

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Die  Verbreitung  der  hier  behandelten  Arten 


46 


Abh.  preuß.  geol.  L.-A.,  Neue  Folge,  Heft  159 


Molluscoidea 

Bvyozoa 

Bryozoenbank  

Brachiopoda 

Rhynchonella  plicatilis  Sow.  sp. 

Rhynchonella  compressa  Lam.  sp.  . + C 

Terebratula  semiglobosa  Sow.  . . 

Terebratulina  gracilis  Schloth.  sp. 

T enebratulina  striatula  Mant.  sp.  . -f  -f-  + 

Magas  geinitzi  Schloenb C 

Mollusca 

Lam  ellihranchiata 
Avicula  caiuligera  Zitt.  var.  . . . 

Avicula  pectinoides  Reuss 

Avicula  geinitzi  Reuss 

Avicula  cf.  coerulescens  Nilss.  . . 

Avicula  neptuni  Goldf.  sp -j-  + p 

Avicula  n.  sp 

Pinna  cretacea  Schloth 

Gervillia  elongata  n.  sp.  . . ! | 

Gervillia  compressa  n.  sp 

Gervillia  sulcata  n.  sp.  ... 

Gervillia  holzapf eli  FriC I 

Gervillia  solenoides  Hlzpfl.  ...  \ 

Gervillia  ovalis  Fric 

Gervillia  kieslingswaldensis  Sturm 

SP 

Perna  cretacea  Reuss + 

Inoceramus  inconstans  Woods  em. 

Adt j 

Inoceramus  inconstans  Woods  em. 

Ändert  var.  planus  Elb.  . . 


Unterturon 


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Sachsen 

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Chlomek-Jicin 

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Priesen 

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Die  Verbreitung  der  hier  behandelten  Arten 


48 


Abh.  preuß.  geol.  L.-A.,  Neue  Folge,  Heft  159 


Inoceramus  schloenbachi  J.  Böhm 
Inoceramus  schloenbachi  J.  Böhm 
var.  cripsioides  Elb.  . . . 

Inoceramus  crassus  Petrasciieck 
Inoceramus  weisei  Ändert  . . . 
Inoceramus  waltersdorfensis  Ändert 
Inoceramus  protractus  Scup. 
Inoceramus  kleini  G.  Müller  . . 
Inoceramus  koegleri  Ändert 
Inoceramus  subpercostatus  Ändert 
Inoceramus  percostatus  G.  Müller 
Inoceramus  frechi  Flegel 
Inoceramus  glatziae  Flegel 
Inoceramus  seitzi  n.  sp. 

Inoceramus  subquadralus  Schlüt.  . 
Inoceramus  sturmi  Ändert 
Inoceramus  schroederi  G.  Müller 
Inoceramus  lusatiae  Ändert 
Inoceramus  dachslochensis  Ändert 
Inoceramus  winkholdioides  Ändert 
Inoceramus  wandereri  Ändert  . . 

Inoceramus  koeneni  G.  Müller 
Inoceramus  involutus  Sow. 
Inoceramus  costellatus  Woods 
Inoceramus  lamarcki  Park.  var. 
Inoceramus  labiatus  Schloth.  sp.  . 

Inoceramus  hercynicus  Petrascheck 
Lima  cretacea  Woods  var.  n.  bohe - 
mica  . . 

Lima  hoperi  Mant. 

Lima  canalifera  Goldf 

Lima  elongata  Gein.  (non  Sow.)  . . 

Lima  granulata  Nilss.  sp 


1)  Upper  Chalk  2)  Neuhütte 


Unterturon  Mittelturon 


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Priesen 

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Die  Verbreitung  der  hier  behandelten  Arten 


50 


Abh.  preuß.  gieol.  L.-A.,  Neue  Folge,  Heft  159 


Lima  semisulcata  Nilss.  sp 

Lima  divaricata  Duj.  (var.  ?) 

Lima  laevigata  n.  sp. 

Lima  haidingeri  Zitt. 

Pecten  virgatus  Nilss.  + 

Pecten  faujasi  Defr.  . . 

Pecten  pexatus  Woods 
Pecten  septemplicatus  Nilss. 

Pecten  dujardini  A.  Roem. 

Pecten  nilss oni  Goldf. 

Pecten  laevis  Nilss.  ...  -j-  Hh 

Pecten  memhranaceus  Nilss. 

Neithea  grypheata  Schloth.  sp.  . 

Plicalula  barroisi  Peron 
Spondylus  spinosus  Sow.  sp. 

Spondylus  latus  Sow.  sp.  . 

Spondylus  lamellatus  Nilss.  sp.  . 

Anomia  lamellosa  A.  Roem. 

Anomia  subtruncala  d’Orb. 

i 

Anomia  pseudoradiala  d'Ord. 

Ostrea  vesicularis  Lam.  . . + + 

Ostrea  canaliculata  Sow.  sp.  + + 

Ostrea  incurva  Nilss.  . . 

Ostrea  fallax  Scup. 

Ostrea  sudetica  Scup. 

Ostrea  semiplana  Sow 

Exogyra  cornu  arietis  Nilss.  em. 

Griep 

Exogyra  columba  Lam.  sp.  • + + + 

Septifer  scalaris  J.  Müller  sp. 

Septifer  lineatus  Sow.  sp 

Modiola  typica  Fordes 


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Di©  Verbreitung  der  hier  behandelten  Arten 


52 


Abh.  preuß.  gieol.  L.-A.,  Neue  Folge,  Heft  159 


Modiola  böJimi  n.  sp. 

Modiola  radiaia  Mnstr.  sp. 
Modiola  fabacea  HLZPFL. 

Modiola  flagellifera  Fordes 
Crenella  inflata  J.  Müller  sp. 
Lithodomus  spatulatus  Gein.  sp. 
Dreissensia  tegulata  J.  Müller  sp. 
Nucula  pietzschi  n.  sp. 

Nucula  striatula  A.  Roem. 

Leda  siliqua  Golde,  sp. 

Leda  carinata  n.  sp.  . 

Leda  semilunaris  v.  Buch  sp. 

Leda  pappracea  Frech 

Leda  transiens  Fric  sp.  . . 

Cucullaea  zimmermanni  n.  sp.  und 

var.  alta 

Cucullaea  subglabra  d’Orb. 
Cucullaea  mülleri  Hlzpfl. 

Cucullaea  striatula  Reuss 

Area  ( Cucullaea ?)  propinqua  Reuss 
Area  undulata  Reuss  . . 

Area  hilleri  n.  sp. 

Area  geinitzi  Reuss 
Area  subhercpnica  Frech 
Area  bifida  Reuss 
Area  truncata  Reuss 
Area  carteroni  d’Orb.  . . 

Pectunculus  geinitzi  d’Orb. 
Pectunculus  senoniensis  Scup. 
Pectunculus  insculptus  Reuss 
Limopsis  mülleri  Hlzpfl.  . 

Limopsis  höninghausi  J.  Müll,  sp  ? 


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Mittelturon 


Die  Verbreitung  der  hier  behandelten  Arten 


53 


54 


Abh.  preuß.  gieol.  L.-A.,  Neue  Folge,  Heft  159 


Trigonia  glacicina  Sturm 
Cardita  geinitzi  d’Orb. 

Astarte  similis  Mnstr.  . . 

Astarte  nana  Reuss 

Eriphyla  lenticularis  Golde,  sp. 
Crassatella  arcacea  A.  Roem. 
Crassatella  regularis  d’Orb.  . . 

Isocardia  zitteli  IIlzpfl. 

Mutiella  coarctata  Zitt.  . . 

Lucina  laminosa  Reuss  sp. 

Lucina  aqnensis  IIlzpfl 

Granocardium  produclum  Sow.  sp. 
Granocardium  beyschlagi  Scup. 
Granocardium  k ossmali  n.  sp. 
Granocardium  mar quarti  J.  MüLLERsp. 

Cardium  ottoi  Gein 

Cardium  nöggerathi  J.  Müller  . . 
Cardium  semipapillatum  Reuss 
Protocardia  hillana  Sow.  sp. 

Cyrena  cretacea  Drescher  . . . 

Cyrena  lischkei  n.  sp 

Cyrena  subhercynica  Frech  . . 
Trapeziuni  trapezoidale  A.  Roem.  sp. 
Venilicardia  van  reyi  Bosou.  sp. 
Cyprimeria  discus  Math.  sp.  . . 
Cytherea  tumida  J.  Müller  sp. 

Cytherea  ovalis  Goldf.  sp 

Cytherea  hruschi  n.  sp 

Cytherea  kruschi  n.sp.  var.n.  elongata 
Tapes  nucijormis  Müll.  sp.  ... 
Tapes  subjaba  d’Orb.  sp.  . . 

Venus  (Tapes?)  royana  d’Orb.  . . 


Heuscheuer 


55 


Die  Verbreitung  der  hier  behandelten  Äxten 


56 


Abh.  preuß.  geol.  L.-A.,  Neue  Folge,  Heft  159 


Tellina  renauxii  Math. 

Tellina  concentrica  Reuss 
Tellina  hibschi  n.  sp. 

Tellina  longiscata  n.  sp. 

Tellina  strigata  Golde. 

Tellina  mülleri  n.  sp. 

Tellina  sein icos lala  A.  Roem.  sp. 
Tellina  subdecussata  A.  Roem.  . 
Tellina  beushauseni  G.  Müller 
Tellina  costulata  Goldf. 

Solecurtus  klöberi  Frech 
Solecurtus  abbreviatus  FnECH  . - 

Solen  guerangeri  d’Orb 

Pharella  compressa  Golde,  sp.  (?) 
Siliqua  concentristriata  G.  Müller 
Siliqua  truncalula  Reuss  . - ■ 

Mactra  porrecla  Gein.  . • 

Mactra  debeyana  J.  Müller  sp. 

Solemya  heinkei  n.  sp 

Ceromya  crelacea  J.  Müller  sp. 
Goniomya  tlesignala  Geinitz  var.  n. 
slurmi 

Goniomya  perlonga  FuiC  sp. 
Panopaea  regularis  d’Orb. 
Panopaea  mandibula  Sow.  sp. 
Pholadomya  nodulifera  Mnstr.  . . 
Pholadomya  nodulifera  Mnstr.  var. 

n.  fritschi  

Pholadomya  nodulifera  Mnstr.  var. 

n.  salzbergensis  ... 

Analina  lanceolaia  Gein.  sp. 
Liopistha  aequivalvis  Golde,  sp.  . . 


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I 


Die  Verbreitung  der  hier  behandelten  Arten 


57 


58 


Abh.  preuß.  gjeol.  L.-A.,  Neue  Folge,  Heft  159 


Lyonsia  germari  Gein.  . - 

Corbula  substrialula  d’Orb 

Corbula  substrialula  d’Orb.  var. 

n.  nana  

Corbula  lineala  J.  Müller  .... 
Gastrochaena  americana  Gabb 
Gastrochacna  amphisbaena  Goldf,  sp. 
Clavagella  elegans  J.  Müller  . - . 
Pholas  sp.  bei  IIlzpfl. 

Scaphopoda 

Dentalium  glabrum  Gein. 

Dentalium  medium  Gein. 

Dentalium  polygonum  Reuss 
Dentalium  cidaris  Gein. 

Gastropoda 
Patella  inconstans  Gein. 

Patella  striatissima  G.  Müller 

Patella  conica  n.  sp 

Emarginula  carinala  Reuss 
Acmaea  depressa  Gein.  sp. 
Pleurotomaria  perspectiva  Gein.  . . 
Pleurotomaria  subgigantea  d’Orb.  . 
Pleurotomaria  (?)  baculitarum  Gein. 

Turbo  buchi  Golde,  sp 

Delphinula  tricarinata  A.  Roem.  . . 

Trochus  engelhardti  Gein 

Trochus  amatus  d'Orb 

Margarita  radiatula  Forbes  sp. 
Xenophora  onusta  Nilss.  sp.  . . 

Natica  roemeri  Gein 

Natica  dichotoma  Gein 

Natica  bulbiformis  Sow.  var.  bo- 
realis  Frech 


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Sachsen 

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Sachsen 

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Die  Verbreitung  der  hier  behandelten  Arten 


60 


Abh.  preuß.  geol.  L.-A.,  Neue  Folge,  Heft  159 


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Natica  vulgaris  Reuss 

Nalica  hlipslcini  J.  MüLLEn 
Natica  cretacea  Goldf.  . . 

Natica  geinitzi  Hlzpfl.  . . . 

Natica  acutimargo  A.  Roem. 
Tylostoma  stoliczkai  Scup. 

Rissoa  reussi  Gein.  ... 

Scalaria  philippi  Reijss 
Scataria  decorata  A.  Roem.  sp.  . . 
Turritella  acanthophora  J.  Müller 
Turritella  acanthophora  J.  Müll. 

var.  iniqueornaia  Drescher  . . 
Turritella  sexlineata  A.  Roem.  . . 
Turritella  nodosa  A.  Roem. 

Turritella  nodosa  A.  Roem.  var. 

drescheri  Scup 

Turritella  nerinea  A.  Roem.  (?) 
Turritella  multistriata  Reuss  . . 
Glauconia  undulata  Drescher  sp.  . 
Glauconia  ornata  Drescher  sp.  . . 
Glauconia  ventricosa  Drescher  sp. 

Vermetus  sp 

Keilostoma  winkleri  Müll.  sp.  . . 

Nerinea  bicincta  Bronn 

Cerithium  chloinekense  Weinz.  . . 

Cerithium  willigeri  Scup 

Cerithium  dresleri  Scup 

Cerithium  multinodosum  n.  sp.  . . . 
Cerithium  pseudoclathratum  d’Orb. 
Aporrhais  vesperlilio  Goldf.  sp.  . 

Aporrhais  longispina  n.  sp 

Aporrhais  substenoptera  G.  Müller 


Cenoman 


Unterturon 


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Kreibitz-Jeschken 

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Chlomek-Jicin 

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Priesen 

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Kieslingswalde 

+ + + + ++  ++++++  ++++ 

Löwenberg 

Harzrand 

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Harzrand 

+ + + + + + + 

Aachen 

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N X O 

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3 1 3 

rt  7'  ß 

Die  Verbreitung  der  hier  behandelten  Arten 


62 


Abh.  preuß.  gieol.  L.-A.,  Neue  Folge,  Heft  159 


Cenoman 

Mittelturon 

Sachsen 

Böhmen 

Schlesien 

Sachsen 

Böhmen 

Schlesien 

Sachsen 

Böhmen 

Heuscheuer 

Löwenberg 

Oppeln 

Aporrhais  granulata  Sow.  sp.  . . . 
Aporrhais  reussi  Gein.  sp.  var.  . 
Aporrhais  tannenbergica  FniC  . . 
Aporrhais  coarctata  Gein.  sp.  . . . 
Aporrhais  ienuistriata  Reuss  sp.  . 
Aporrhais  papilionacea  Golde,  sp. 
Aporrhais  megaloptera  Reuss  sp.  . 
Aporrhais  arachnoides  Müll.  . . . 
Plcrocera  ovaia  Mnstr.  sp. 

Tritonium  cretaceum  Müll 

Fusus  glaberrimus  J.  Müll.  . 

Fusus  nereidis  Mnstr 

Fusus  coronatus  A.  Roem.  sp.  . . 
Fusus  buchi  Müll. 

Lalyrus  elongatus  Sow.  sp.  . 1 

Tudicla  subcarinata  Sturm  . . 

Pyrula  costata  A.  Roem.  . . 

V olutilithes  subsemiplicatus  d'Orb.  sp. 
Volutilithes  elongatum  d'Orb.  sp.  . 

Voluta  roemeri  Gein 

Cancellaria  thiemeana  Gein.  . . 
Actaeonella  beyrichi  Drescher  . . 

Actaeonella  briarli  Gein 

Actaeonella  acuminata  FriC  . 

Actaeon  elongatus  FriC 

Actaeon  ovum  Duj.  . 

Cinulia  humboldti  Müll.  sp. 

Cylichna  cylindracea  Loven  . . . 
Cylichna  expansa  FriC 

Cephalopoda 

Nautilus  sablaevigatus  d’Orb.  . . 
Nautilus  leiotropis  Schlüt.  . . . 

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1 

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Sachsen 

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Sachsen 

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Priesen 

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Löwenberg 

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Kreibitz-Jeschken 

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Chlomek-Jicin 

4 

Priesen 

4 4 4 

Kieslingswalde 

4 4 4 

Löwenberg 

Harzrand 

Salzberg 

Löwenberg 

4 

Harzrand 

4 

Aachen 

1 

N K O 

2 ° ET 

a .-5  s 

7 ■ (t> 


Die  Verbreitung  der  hier  behandelten  Arten 


64 


Abh.  preuß.  gieol.  L.-A.,  Neue  Folge,  Heft  159 


Nautilus  rugalus  Fric  & Schloenb. 
Nautilus  reussi  Fric 
Hamites  bohemicus  Fric 
Hamites  strangulatus  d’Orb. 
Hamites  geinitzi  d’Orb. 

Hamites  striatus  Fric  . 

Heteroceras  reussianum  d’Orb.  sp. 
Baculites  bohemicus  Fric 
Pachydiscus  peramplus  Mant.  sp. 
Pachydiscus  tannenbergicus  FriC  . 
Placenticeras  orbignyanum  Gein.  sp. 
Scaphites  geinitzi  d'Orb.  . . . 

Scaphites  geinitzi  d’Orb.  var.  inter- 
media  Scup.  ... 

Scaphites  auritus  Schlüt 

Scaphites  kieslingswaldensis  Lang. 

& Grund 

Scaphites  lamberti  Gross. 
Schloenbachia  germari  Reuss  sp.  . 
Barroisiceras  haberfellneri  v.  Hauer 


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Unterturon 


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SP 

Morloniceras  pseudo-lexanum  Gross. 
Mortoniceras  serrato-marginatum 

Redtenb.  sp 

Mortoniceras  margae  Schlüt.  sp.  . 
Peroniceras  tricarinatum  d’Orb.  sp. 
Peroniceras  westphalicum  Schlüt. 

SP-  

Cosmoceras  schloenbachi  Fric 
Lytoceras  alexandri  Fric 
Phylloceras  bizonatus  Fric 


Mittelturon 


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Die  Verbreitung  der  hier  behandelten  Arten 


66 


Abh.  preuß.  gieol.  L.-A.,  Neue  Folge,  lieft  159 


Arthropoda 

Scalpellum  angustatum  Gein. 
Scalpellum  mciximum  Sow. 

Linuparus  cf.  dülmenensis  Gein.  sp. 
Enoploclytia  leachi  Mant.  sp. 
Schlüteria  tetracheles  Fmc 
Callianassa  antiqua  Otto 
Upogebia  böhmi  Glaessner 

Pisces 

Otodus  appendiculatus  Ag. 

Corax  heterodon  Reuss 
Oxyrhina  mantelli  Ag.  . 

Oxyrhina  angustidens  Reuss 
Enchodus  halocyon  Ag. 

Cyclolepis  agassizi  Gein. 

Aspidolepis  steinlai  Gein.  . . . 
Osmeroides  lewesiensis  Ag.  sp. 
Hypsodon  lewesiensis  Ag. 
Cladocyclus  strehlensis  Gein. 
Operculum  radialuin  Fric 


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+ + + ! 

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Sachsen 


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4 

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— 

- 

Sachsen 


Böhmen 


Priesen 

Löwenberg 


4-  Kreibitz-Jeschken| 
Chlomek-Jicin 
Priesen 

Kieslingswalde 

Löwenberg 

Harzrand 


Os 


Die  Verbreitung  der  hier  behandelten  Arten 


Paläontologischer  Teil 


In  der  Fossilbeschreibung  beziehen  sich  die  Literaturhinweisc  auf  die 
Beurteilung  der  Art  durch  den  angeführten  Autor.  Die  von  diesem  angezogene 
Literatur  ist,  wenn  sie  von  mir  nicht  besonders  erwähnt  ist,  nicht  mit  ein- 
geschlossen. Ferner  sind  bei  der  Beschreibung  der  Fossilien  oft  die  Wörter 
„etwa“  und  „ungefähr“  angewendet  worden,  da  bei  Steinkernen,  um  die  es 
sich  vorwiegend  handelt,  die  genaue  Feststellung  der  Charaktere  meist  zu 
wünschen  übrig  läßt. 

Die  Artnamen  sind  überall,  auch  in  den  Literatürhinweisen,  mit  kleinen 
Anfangsbuchstaben  geschrieben. 

Die  Exemplare,  bei  denen  hinter  dem  Fundort  keine  Aufbewahrungsstelle 
genannt  ist,  befinden  sich  in  meiner  Sammlung. 

Die  Originale  sowie  das  übrige  Belegmaterial  meiner  Sammlung  wurden 
dem  Geologischen  Landesmuseum  zu  Berlin  überwiesen. 

In  verleb  rata 
Protozoa 

In  den  tonig  mergeligen  Ablagerungen  sind  in  zahlreichen  Arten  mikro- 
skopisch kleine  Foraminiferen  und  Radiolarien  vorhanden. 

Sie  sind  insbesondere  von  Reuss  1845/1846  beschrieben  und  abgebildet 
worden.  Spätere  Nachprüfungen  erfolgten  von  Fmc  1877,  1889,  1893,  Ma- 
touschek  1895,  Perner  1892  und  1897,  Liebus  1902,  Storm  1929,  sowie  im 
Sammelwerk  von  Franke  1930. 

Die  für  Teil  I und  II  notwendigen  Bestimmungen  der  mikroskopischen 
Fauna  sind  von  Herrn  Richard  Hiller  in  Ebersbach  in  dankenswerter  Weise 
vorgenommen  worden.  Vollständige  Neubearbeitung  wäre  über  den  Rahmen 
dieser  Arbeit  hinausgegangen. 


Coeleiiterata 

Vom  Stamme  der  Coelenterata  konnte  nur  sehr  wenig  brauchbares  Material 
gesammelt  werden,  das,  soweit  bestimmbar,  hier  aufgeführt  worden  ist.  Im 
übrigen  sei  auf  die  Literatur  von  Reuss,  Geinitz,  Eric,  Pocta  und  Scupin 
hingewiesen. 


Spongiae 

Tctractinellida  Marshall ? 

Spongites  saxonica  Gei\. 

1842  Spongites  saxonicus  Geinitz,  3,  S.  96,  Taf.  23,  Fig.  1,  2. 

1872  Spongia  saxonica  Geinitz,  1,  S.  21,  Taf.  1,  Fig.  1 — 6. 

1877  Spongia  saxonica  FriC,  S.  149. 

1883  Spongites  saxonicus  FriC,  S.  135,  Abb.  123. 

1889  Spongites  saxonicus  FriC,  S.  109. 

1897  Cplindrites  spongioides  FriC,  S.  72. 


Paläontologischer  Teil 


69 


In  der  sächsisch-böhmischen  Kreide  findet  sich  überall  das  merkwürdige 
ästig  knotige  Fossil.  In  den  Jahren  1912/1913  hat  zwischen  Dettmer  und 
Felix  eine  Auseinandersetzung  über  das  Wesen  dieses  Gebildes  stattgefunden, 
ohne  daß  darüber  vollständige  Klärung  erfolgt  wäre  (Dettmer  1912,  1913, 
Felix  1912).  An  den  unten  angeführten  Orten  wurden  Stücke  dieser  Art 
gesammelt,  an  weit  mehr  Plätzen  wurde  ihr  Vorhandensein  ohne  Aufsammlung 
festgestellt. 

Vorkommen: 

Unterturon:  Lilienstein; 

Mittelturon:  Schandau  2,  Windischkamnitz  2,  Klemensdorf  2,  Kickeisberg  1, 

Oberkriesdorf  1,  2,  Budine  5,  Skalken  1,  Brenn  3,  4,  Voits- 
dorf  1,  Schwarzwald  1,  Sabert  1,  Liebenau  1,  2,  Jungbunzlau  3, 
Schwabitz  4,  6,  Teschen  2,  Neuland  1,  Bösig  2,  8,  Hirschberg  2, 
Zimor,  Sackschen  2,  Sterndorf  7,  Jicin  29,  Turnau  10,  13, 
Hermsdorf  Löw.  1,  3 (Geol.  Landesmus.),  Langenau  Löw.  3, 4 
(beide  Geol.  Landesmus.),  Heuscheuer  7; 

Oberturon  aß:  Waltersdorf  2,  Iiohnstein  1,  2,  3 (alle  3 Mus.  Dresden),  In- 
nozenzidorf  4,  Lückendorf  5,  Lodenberg,  Grunauer  Spitzberg 
Löw.,  Hockenau  Löw.  (Geol.  Landesmus.); 

Emscher:  E.-St.  Tannendorf  1,  Oberlichtenwalde  1,  Böhm.  Kamnitz  1,  3,  7, 

Markersdorf  3,  Kreibitz  1,  6,  11,  24,  26,  Oberkreibitzer  Tal- 
sperre 5,  Tannenberg  4,  Kieslingswalde,  Salzberg. 

Auch  im  Cenoman  vorhanden. 

Hexactin  ellida  0.  Schmidt 
Ycntriculitidae  Toll  min  Smitii 
Ventriculites  Mant. 

Ventriculites  cribrosus  Piiile.  sp. 

1883  Ventriculites  radiatus  var.  subcylindrica  PoCta,  1,  S.  33. 

1885  Ventriculites  cribrosus  PoCta,  3,  S.  34. 

1889  Ventriculites  cribrosus  Fmc,  S.  105,  Abb.  143. 

Bei  Drum  konnte  ein  Bruchstück  dieser  mit  unregelmäßigen  Längsgruben 
bedeckten  Art  gesammelt  werden. 

Vorkommen: 

Mittelturon:  Drum  1,  Hundorf  (nach  Fric). 

Ventriculites  angustatus  A.  ßOEM.  sp.  var.  distorta  QüENSTEDT 

1841  Scyphia  anguslala  A.  Roemer,  S.  8,  Taf.  3,  Fig.  5. 

1842  Scyphia  angustata  Geinitz,  3,  S.  95,  Taf.  23,  Fig.  9. 

1845  Scyphia  angustata  Reuss,  1,  S.  74,  Taf.  17,  Fig.  11. 

1875  Cribrospongia  angustata  Geinitz,  2,  S.  1,  Taf.  1,  Fig.  3. 

1878  Ventriculites  angustatus  distorlus  Ouenstedt,  S.  444,  Taf.  136,  Fig. 

15—19. 

1889  Ventriculites  angustatus  Fric,  S.  104,  Abb.  141. 

1905  Ventriculites  angustatus  Roem.  var.  zippei  Stille,  26,  S.  155,  Taf.  3, 

Fig.  1,  1 a. 

1912 — 13  Ventriculites  conf.  angustatus  var.  distorta  Scupin,  S.  263. 


70 


Abh.  preuß.  gieol.  L.-A.,  Neue  Folge,  Heft  159 


Die  Art  ist  von  verkehrt  schief  konischer  Form  und  weist  auf  der  Ober- 
fläche zahlreiche  rundliche  oder  eckige,  mehr  oder  weniger  regelmäßige  Ver- 
tiefungen auf. 

Vorkommen: 

Mitielturon:  Hundorf,  Leitmeritz  8,  Löwenberg  3 (Geol.  Landesmus.),  ln 

den  mittelturonen  Plänern  von  Sachsen,  Böhmen,  Schlesien 
und  Westfalen  weit  verbreitet. 

Anthozoa 

Hcxacoralla  Haeckkl 
F n n g i <1  a e Dana  (einend.) 

Cychibacia  Kölsche 
Cyclabacia  fromenteli  Kölsche 

1866  Cyclabacia  fromenteli  Bölsciie,  S.  474,  Taf.  9,  Fig.  4. 

1875  Cyclabacia  fromenteli  Geinitz,  2,  S.  6. 

Von  Zatzschke  befindet  sich  im  Museum  zu  Dresden  ein  schönes  Exemplar, 
das  mit  der  Darstellung  von  Bölsciie  übereinstimmt. 

Vorkommen: 

Mittelturon:  Krietzschwitz  (nach  Bölsciie); 

Oberturon  y : Zatzschke  (Mus.  Dresden). 

Turbiuolidac  E.  H.  (einend.  Ogilvie) 
rar  asm  Ui  a 1%  H. 

Parasmilia  centralis  Mant.  sp. 

Taf.  19,  Fig.  23 

1822  Madrepora  centralis  Mantell,  S.  159,  Taf.  16,  Fig.  2,  4. 

1842  Turbinolia  centralis  Geinitz,  3,  S.  92. 

1846  Turbinolia  centralis  Reuss,  2,  S.  62. 

1875  Parasmilia  centralis  Geinitz,  2,  S.  4,  Taf.  1,  Fig.  10 — 12. 

1887  Parasmilia  centralis  PoCta,  S.  43,  Abb.  19,  20. 

1889  Parasmilia  centralis  FriC,  S.  102,  Abb.  135. 

1893  Parasmilia  centralis  FriC,  S.  114. 

1909  Parasmilia  centralis  Wanderer,  Taf.  1,  Fig.  15. 

1912 — 13  Parasmilia  centralis  Scupin,  S.  259. 

Es  konnten  nur  einige  Steinkerne  dieser  schwach  gekrümmten  kegel- 
förmigen Koralle  gesammelt  werden.  Über  die  Oberfläche  laufen  gespaltene 
Längsrippen.  Die  feinere  Struktur  ist  leider  nicht  erkennbar. 

Vorkommen: 

Mittelturon:  Strehlen  (Mus.  Dresden),  Lohmen,  Drum  1,  3,  Kl.  Kahn  1 

(Mus.  Aussig) ; 

Oberturon  y*  Zatzschke  (Mus.  Dresden),  Böhm.  Kamnitz  2,  Großrackwitz 
Löw.  2,  3,  4 (alle  3 Geol.  Landesmus.). 

Findet  sich  im  Mittel-  und  Oberturon  der  sudetischen  Kreide,  sowie  in 
Frankreich  und  England. 


71 


Paläontologischer  Teil 

Echinodermata 

Asteroidea 

Phanerozonia  Sladen 
Stellaster  M.  T. 

Stellaster  schützet  Cotta  & Reich,  sp. 

1849  Asterias  schulzi  Geinitz,  Taf.  12,  Fig.  5. 

1875  Siellaster  schulzei  Geinitz,  S.  15,  Taf.  5,  Fig.  3,  4. 

1912 — 13  Stellaster  schulzei  Scupin,  S.  255,  Abb.  47. 

Geinitz  gibt  1875  eine  ausführliche  Beschreibung  der  Art. 
Vorkommen: 

Mittelturon:  Posteiwitz,  Rietzschgrund  bei  Schandau,  Schmilka  bei  Schandau 

(alle  3 Mus.  Dresden),  Hermsdorf  Löw.  6 oder  Umgebung 
(Geol.  Landesmus.) ; 

Oberturon  aß:  Posta  bei  Pirna  (Mus.  Dresden),  Hockenau  Löw.  (Geol. 
Landesmus.) ; 

Emscher:  Waldau  Löw.  (Geol.  Landesmus.). 

Stellaster  albensis  Geik. 

1875  Stellaster  albensis  Geinitz,  S.  16,  Taf.  6,  Fig.  3. 

Der  Beschreibung  der  Art  durch  Geinitz  ist  nichts  hinzuzufügen. 
Vorkommen: 

Mittelturon:  Posteiwitz  (Mus.  Dresden).  Der  Abdruck  im  Sandstein  ist 

schön  erhalten. 

Stellaster  tubercalifer  Drescher  sp. 

1863  Asterias  tuberculifera  Drescher,  S.  360,  Taf.  8,  Fig.  5. 

1912 — 13  Slellaster  tuberculifer  Scupin,  S.  255,  Abb.  48. 

Neueres  Material  dieser  Art  steht  nicht  zur  Verfügung. 

Vorkommen: 

Mittelturon:  Böhm.  Trübau  (Fric  1883,  Abb.  125); 

Oberturon  aß:  Hockenau  Löw.  (Geol.  Landesmus.). 

Astropecten  Linck 
Astropecten  scupini  n.  sp. 

Taf.  19,  Fig.  24 

1912 — 13  Astropecten  nov.  sp.  Scupin,  S.  256,  Taf.  15,  Fig.  5. 

Zu  dem  von  Scupin  abgebildeten  Abdruck  der  Unterseite  dieser  neuen 
Art  liegt  mir  aus  dem  Museum  zu  Zittau  ein  weiterer  Abdruck  dieser  Seite 
vor.  Die  Art  ist  flach.  Die  Arme  sind  sehr  lang  und  schmal,  ähnlich  wie 
bei  Stellaster  albensis,  und  grenzen  in  einer  Spitze  oder  in  einem  Spitzbogen 
aneinander.  An  dem  vorliegenden  Exemplar  mißt  der  kleine  Radius  etwa 
7 mm,  der  große  Radius  etwa  35  mm.  Dieser  ist  um  das  fünffache  größer 
als  ersterer.  An  einer  Seite  jedes  Armes  kann  man  etwa  45  schmale  Rand- 
platten zählen,  von  Spitze  zu  Spitze  demnach  etwa  90  Platten.  Hierdurch 


72 


Abh.  preuß.  gieol.  L.-A.,  Neue  Folge,  Heft  159 


unterscheidet  sich  unsere  Art  gut  von  dem  in  der  Form  ähnlichen  Stellaster 
albensiSy  der  von  Spitze  zu  Spitze  nur  die  Hälfte  der  Platten  zählt. 

Nach  dem  Abdruck  sind  die  Randplatten  kräftig  gewölbt  und  schmal, 
die  Zwischenräume  mindestens  ebenso  breit.  Hier  könnte  aber  auch  durch 
die  mangelhafte  Erhaltung  des  Abdruckes  eine  Täuschung  vorliegen.  Die 
Abbildung  des  Ausgusses  des  ScuriN’schen  Exemplares  zeigt  die  Zwischen- 
räume sehr  schmal  im  Verhältnis  zum  Abdruck  der  Platten. 

Ich  benenne  die  Art  zu  Ehren  des  Herrn  Professor  Dr.  H.  Scupin  in  Halle. 
Vorkommen: 

Oberturon  a ß : Waltersdorf  2 (Mus.  Zittau),  Hockenau  Löw.  (Geol.  Landesmus.). 

Echinoidea 
Reguläres  Desob 
Cidaridac  Wriciht 

Cidaris  Lkske 

Cidaris  subvesiculosa  n’Oum 
Taf.  19,  Fig.  13 

1846  Cidaris  armata  Reuss,  2,  S.  57,  Taf.  20,  Fig.  23,  24,  25. 

1850  Cidaris  subvesiculosa  d’Orbigny,  2,  S.  274. 

1875  Cidaris  subvesiculosa  Geinitz,  2,  S.  6,  Taf.  2,  Fig.  1 — 4. 

1883  Cidaris  subvesiculosa  Fric,  S.  129. 

1889  Cidaris  subvesiculosa  FriC,  S.  98,  Abb.  124. 

1893  Cidaris  subvesiculosa  FniC,  S.  109. 

1897  Cidaris  subvesiculosa  FriC,  S.  71. 

1929  Cidaris  vesiculosa  Ändert,  2,  S.  180. 

Aus  dem  Sandstein  vom  Sonnenberge  bei  Waltersdorf  liegen  mehrere 
Hohlabdrücke  von  Seeigelstacheln  vor.  Die  Form  ist  zylindrisch  bis  spindel- 
förmig, die  Oberfläche  scharf  längs  gerieft.  Auf  den  schmalen  Rippen  sitzen 
zahlreiche  spitze  Höcker. 

Geinitz  weist  auf  den  geringen  Unterschied  zwischen  Cidaris  vesiculosa 
Golde,  und  Cidaris  subvesiculosa  d’Orb.  hin,  so  daß  fast  nur  der  Horizont 
entscheidend  ist,  indem  die  Stacheln  in  der  genannten  Ausbildung  aus  dem 
Cenoman  der  Cidaris  vesiculosa  Goldf.,  die  aus  jüngeren  Schichten  der 
Cidaris  subvesiculosa  d’Orb.  zugeschrieben  werden.  Infolgedessen  dürfte  auch 
bei  Reuss,  2,  S.  57,  unter  den  bei  Cidaris  vesiculosa  aufgeführten  Fundstellen 
der  größte  Teil  für  Cidaris  subvesiculosa  in  Anspruch  zu  nehmen  sein. 

Vorkommen: 

Mittelturon : Strehlen  (Mus.  Dresden),  Posteiwitz  (Mus.  Dresden),  Hun- 

dorf  (Bergakademie  Freiberg),  Vsetat  1; 

Oberturon  aß:  Hohnstein  1,  2,  3 (alle  drei  Mus.  Dresden),  Waltersdorf  2; 
Emscher:  Kreibitz  6,  26,  Chlomek  (nach  Fric). 

Im  Turon  und  Emscher  von  Sachsen  und  Böhmen  verbreitet.  Das  von 
Fric  angeführte  Material  konnte  nicht  nachgeprüft  werden. 

Cidaris  reussi  Gei>. 

1846  Cidaris  papillata  Reuss,  2,  S.  57,  Taf.  20,  Fig.  22. 

1849 — 50  Cidaris  reussi  Geinitz,  S.  220. 

1875  Cidaris  reussi  Geinitz,  2,  S.  7,  Taf.  2,  Fig.  5,  6. 


73 


Paläontologischer  Teil 

Im  Museum  zu  Dresden  liegen  einige  Stacheln  von  Strehlen  sowie  ein 
Bruchstück  eines  Stachels  von  Birkwitz,  die  mit  dieser  Art  übereinstimmen. 
Die  Stacheln  sind  dünn  und  lang  und  mit  feinen  aufgerauhten  Längslinien 
versehen. 

Vorkommen: 

Mittelturon:  Strehlen  (Mus.  Dresden); 

Oberturon  y:  Birkwitz  (Mus.  Dresden). 

I)  i a d e in  a t i <1  a c Wrigiit 
Gauthieria  La  MB. 

Gauthieria  radiata  Soiiigket  sp. 

1375  Cyphosoma  radiatum  Geinitz,  2,  S.  3,  Taf.  2,  Fig.  7 — 10. 

1377  Cyphosoma  radialum  FniC.  S.  147.  Abb.  151. 

1883  Cyphosoma  radialum  Firn';,  S.  129. 

1889  Phymosoma  radiatum  Fnic,  S.  98,  Abb.  125. 

1892  Gauthieria  radiata  Schlüter,  2,  S.  201  (273),  Taf.  19,  Fig.  10. 

1912 — 13  Gauthieria  radiata  Scupin,  S.  250. 

Die  halbkugelig  eingedrückte  Art  ist  auch  in  weniger  gut  erhaltenen 
Exemplaren  zu  erkennen.  Außer  ganzen  Exemplaren  besitze  ich  Bruchstücke 
der  glatten  langen  Stacheln  von  der  Heuscheuer  und  aus  der  Umgebung 
von  Jicin. 

Im  Museum  zu  Dresden  liegen  von  Strehlen  zusammen  mit  den  charakte- 
ristischen Platten  dieser  Art  lange,  fein  längsgerippte  Stacheln.  An  anderen 
Stacheln  von  Strehlen,  die  sicher  auch  zu  dieser  Art  gehören,  scheint  die 
Außenrinde  etwas  aufgelöst  zu  sein.  Diese  Stacheln  sind  glatt. 
Vorkommen: 

Unterturon:  Jicin  4,  7 (beide  Soukup)  ; 

Mittelturon:  Strehlen  (Mus.  Dresden),  Dresden  (Mus.  Dresden),  Hundorf, 

Leitmeritz  10,  Lobositz  1 (Mus.  Aussig),  Jicin  2,  7,  8,  17,  26, 
28,  31,  43,  44,  45,  46,  51  (alle  12  Soukup),  29,  38,  Heuscheuer 
2,  3,  Grunauer  Spitzberg  Löw.  2 (Geol.  Landesmus.),  Löwen- 
berg 2,  3 (beide  Geol.  Landesmus.). 

Außerdem  im  böhmischen  Mittelturon  noch  an  verschiedenen  Stellen. 

Irreguläres  Desor 
C a s s i d u 1 i (1  a e Ag. 

Catopygus  AG. 

Catopygus  cf.  pyriformis  Golde,  sp. 

Taf.  18,  Fig.  23  a u.  b 

1826 — 33  Nucleolites  pyriformis  Goldfuss,  1,  S.  141,  Taf.  43,  Fig.  7. 

1853 — 55  Catopygus  pyriformis  d’Orbigny,  6,  Taf.  973,  Fig.  1 — 6. 

1912—13  Catopygus  cf.  pyriformis  Scupin,  S.  250,  Taf.  15,  Fig.  11. 

Aus  der  böhmischen  und  Löwenberger  Kreide  liegen  einige  Steinkerne 
dieser  Art  vor.  Der  Schilderung  von  Scupin  ist  nichts  hinzuzufügen.  Die 
Stücke  unterscheiden  sich  von  den  Steinkernen  des  Catopygus  albensis  Gein. 
durch  die  mehr  hochovale  Form,  während  letztere  Art  ziemlich  kreisrund  ist. 


74 


Abh.  preuß.  geol.  L.-A.,  Neue  Folge,  Heft  159 


Vorkommen: 

Oberturon  aß:  Daubitz  8,  Hinterhermsdorf  1 (Mus.  Dresden),  Hockenau  Löw. 

(20  Stück  Geol.  Landesmuseum) ; 

Emscher:  Kreibitz  25,  26,  Schwoika,  E.-St.  Tannendorf  3. 

Catopygus  n.  sp. 

Taf.  18,  Fig.  24  a u.  b 

Der  Steinkern  eines  kleinen  flachgewölbten,  vierseitig  gerundeten  See- 
igels gleicht  keiner  mir  bekannten  Emscherform,  so  daß  dessen  Abbildung 
angebracht  sein  dürfte.  Der  Scheitel  liegt  etwas  hinter  der  Mitte,  der  After 
in  einer  verhältnismäßig  großen  Einsenkung  hinter  dem  Scheitel.  Der  Mund 
befindet  sich  in  einer  flachen  Einmuldung  ungefähr  auf  der  Mitte  der  Unterseite. 
Vorkommen: 

Emscher:  Kreibitz  25. 

Catopygus  alben  sis  Gkix. 

1875  Catopygus  albensis  Geinitz,  2,  S.  9,  Taf.  3,  Fig.  1. 

1883  Catopygus  albensis  FniC,  S.  131,  Abb.  121. 

1909  Catopygus  albensis  Wanderer,  S.  13,  Taf.  2,  Fig.  9. 

Von  dieser  ziemlich  halbkugeligen  Form  liegt  fast  das  ganze  Material 
im  Museum  zu  Dresden.  Von  dort  ist  es  schon  früher  beschrieben  worden. 
Die  Steinkerne  sind  im  allgemeinen  größer  als  die  von  Catopygus  cf.  pyrijormis. 
Vorkommen: 

Mittelturon:  Neuland  2,  Posteiwitz  (Mus.  Dresden); 

Oberturon  aß:  Herrenleite  (Mus.  Dresden),  ^Zeichen  1 (Seifert). 

Außerdem  im  Museum  zu  Dresden  aus  dem  Mittelturon  von  Rathen,  Nieder- 
kirchleiten  und  südöstlich  von  Hohnstein. 

H o 1 a s t c r i <1  a c Lor. 

Car  Master  FORBES 
Car  Master  ananchytis  Lkske  sp. 

Taf.  18,  Fig.  22;  Taf.  19,  Fig.  12 

1826 — 33  Spalangus  granulosus  und  saborbicularis  Goldfuss,  1,  S.  148,  Taf.  45, 
Fig.  3,  5. 

1853 — 55  Cardiasler  ananchytis  Leske  bei  d’Oiibigny,  6,  S.  131,  Taf.  826. 

1875  Cardiaster  ananchytis  Geinitz,  2,  S.  10,  Taf.  3,  Fig.  4;  Taf.  4,  Fig.  7. 

1883  Cardiasler  ananchytis  FuiC,  S.  130,  Abb.  118. 

1897  Cardiaster  ananchytis  FmC,  S.  71,  Abb.  91. 

1909  Cardiasler  ananchytis  Wanderer.  Taf.  2,  Fig.  11. 

1912 — 13  Cardiasler  ananchytis  Scupin,  S.  251,  Taf.  15,  Fig.  7. 

? 1912 — 13  Cardiaster  nov.  spec.  Scupin,  S.  252,  Taf.  15,  Fig.  12. 

? 1921  Cardiaster  granulosus  Nietscii,  S.  11,  Taf.  11,  Fig.  3 — 10. 

Die  Art  ist  aus  unserem  Gebiet  seit  langer  Zeit  und  zwar  aus  dem  Dachs- 
loch bei  Innozcnzidorf  bekannt.  Sie  ist  von  hier  auch  durch  Eric  abgebildet 
worden  und  liegt  aus  der  Sammlung  des  Humboldtvereins  Ebersbach  in 
15  Steinkernen  vor.  Leider  läßt  sich  an  diesen  nicht  viel  feststellen.  Die 


Paläontologischer  Teil 


75 


gewöhnlich  schief  verdrückten,  mittelmäßig  gewölbten  Exemplare  sind  in 
normalem  Zustande  hochoval  herzförmig.  Das  größte  Exemplar  hat  eine  Höhe 
von  65  mm.  Auch  in  Steinkernen  gut  kenntlich  ist  die  Art  durch  die  tiefe, 
beiderseits  von  Kanten  begrenzte  Furche,  in  der  das  vordere  Ambulacrum  liegt. 
Die  Furche  bildet  im  vorderen  Schalenrande  einen  tiefen  Einschnitt  und  ist, 
wenn  auch  weniger  kräftig,  bis  zu  dem  auf  der  Unterseite  befindlichen 
Peristom  zu  verfolgen.  Der  After  liegt  an  der  oberen  Ecke  des  abgestutzten 
Hinterrandes.  Vom  Scheitel  verläuft  nach  hinten  eine  mehr  oder  weniger 
deutliche  stumpfe  Kante. 

Das  von  Scupin  als  nov.  sp.  aufgeführte  Exemplar  ist  mehrmals  zer- 
brochen und  gehört  der  Form  nach  auch  nur  zu  unserer  Art.  Nietscii  führt 
die  Bezeichnung  von  Goldfuss  „granulosus“  wieder  ein.  Hier  wurde  jedoch 
die  bisherige  Bezeichnung  beibehalten,  da  die  Stücke  von  Nietscii  aus  dem 
Obersenon  stammen  und  ein  genauer  Vergleich  mit  unseren  Steinkernen 
nicht  möglich  ist. 

Vorkommen: 

Mittelturon : Postei witz  (Mus.  Dresden),  Porschdorf  (Mus.  Dresden),  Leit- 

meritz  8,  Jicin  26,  32  (beide  Soukup),  Löwenberg  3 (Scupin); 
Oberturon  aß:  Hohnstein  1 (Mus.  Dresden),  Herrenleite  (Mus.  Dresden), 
Zeichen  5 (Seifert),  Innozenzidorf  6 (Humboldtver.  Ebers- 
bach), Khaa  6,  Heuscheuer  (Flegel),  Hoekenau  Löw.  (Geol. 
Landesmus.) ; 

Emscher:  E.-St.  Tannendorf  1,  Böhm.  Kamnitz  7,  Herzogswaldau  Löw. 

(Geol.  Landesmus.),  Großhartmannsdorf  Löw.  (Geol.  Landes- 
museum). 

Außerdem  an  weiteren  Plätzen  des  Mittelturons  von  Sachsen  (Mus. 
Dresden)  und  Böhmen  (Mus.  Prag). 

Cardiaster  planus  Mant.  sp. 

1822  Spalangus  planus  Mantell,  S.  192,  Taf.  17,  Fig.  9,  21. 

1875  Holasler  planus  Geinitz,  2,  S.  9,  Taf.  3,  Fig.  2,  3. 

1889  Holasler  planus  FiuC,  S.  99,  Abb.  128, 

1921  Cardiaster  planus  Nietscii,  S.  10,  Taf.  2,  Fig.  1 — 8. 

Im  Museum  zu  Dresden  liegen  einige  verdrückte  Exemplare,  die  mit 
dieser  Art  vereinigt  werden  könnten.  Nietsch  stellt  die  bisher  zu  Holaster 
gerechnete  Art  auf  Grund  der  Fasciole  und  des  Plastrons  zu  Cardiaster . 

Vorkommen: 

Mittelturon:  Strehlen  (Mus.  Dresden),  Dresden  (Mus.  Dresden); 

Oberturon  y : Zatzschke  (Mus.  Dresden). 

Außerdem  im  Mittelturon  von  Böhmen,  Wollin  und  England. 

Cardiaster  cotteanus  Langenhax  & Gründet 
Taf.  18,  Fig.  21 

1891  Cardiaster  cotteanus  Langenhan  & Grundey,  Taf.  1,  Fig.  17. 

1897  Cardiaster  cotteanus  FriC,  S.  72. 

1901  Cardiaster  cotteauanus  Sturm,  S.  97,  Taf.  11,  Fig.  8. 

1929  Cardiaster  cotteauanus  Ändert,  2,  S.  165,  Schicht  18;  S.  180,  Nr.  12. 


76 


Abh.  preuß.  geol.  L.-A.,  Neue  Folge,  Heft  159 


Von  diesem  Cardiaster  wurden  einige  meist  zerbrochene  Steinkerne  ge- 
sammelt. Teilweise  sind  an  ihnen  die  gejochten  Porenreihen  sichtbar.  Wie 
Cardiaster  ananchptis  besitzt  unsere  Art  eine  tiefe,  beiderseits  von  Kanten 
begrenzte  Furche,  in  der  das  vordere  Ambulacrum  liegt.  Jedoch  fehlt  ihr  die 
nach  hinten  verlaufende  stumpfe  Kante  der  ersteren  vollständig. 

Gegenüber  Cardiaster  cotteauanas  d’Orbigny  1853/1855,  6,  Taf.  830,  S.  140, 
mit  der  unsere  Art  von  Sturm  vereinigt  worden  ist,  ist  diese  mehr  kreis- 
rund, herzförmig  und  niedriger.  Nach  den  Abbildungen  von  d’Orbigny  halte 
ich  eine  Übereinstimmung  für  ausgeschlossen. 

Lanceniian  & Grundey  bezeichnen  die  Art  als  Cardiaster  cotteanus  Otto. 
Dieser  Name  ist  in  der  Literatur  sonst  nicht  aufzufinden. 

Vorkommen: 

Emscher:  Kreibitz  25,  Falkenau  6,  Kieslingswalde. 

Cardiaster  jugatiis  Schlüter 

1901  Cardiaster  jugalus  Sturm,  S.  97,  Taf.  11,  Fig.  7. 

1912 — 13  Cardiaster  sp.  Scupin,  S.  252,  Taf.  15,  Fig.  12. 

Nach  der  Abbildung  von  Sturm  könnte  das  von  Scupin  als  Cardiaster  sp. 
bezeichnete  Stück,  das  demselben  Horizont  angehört  und  im  Original  vor- 
liegt, hierher  gehören.  Auch  Scupin  hebt  die  Ähnlichkeit  der  beiden  hervor. 

Vorkommen: 

Emscher:  Großrackwitz  Löw.  (Geol.  Landesmus.),  Kieslingswalde  (Geol. 

Institut  Breslau). 

Spatangidac  Ac. 

Micraster  AG. 

Micraster  cor  testudinarium  Goldf.  sp. 

Taf.  18,  Fig.  19,  20  a u.  b 

1826 — 33  Spatangus  cor  testudinarium  Goldfuss,  1,  S.  156,  Taf.  48,  Fig.  5. 

1875  Micraster  cor  testudinarium  Geinitz,  2,  S.  11,  Taf.  4,  Fig.  1 — 4. 

1889  Micraster  cf.  cor  tesiudinai  ium  FriC,  S.  98,  Abb.  126. 

1909  Micraster  cor  testudinarium  Wanderer,  Taf.  2,  Fig.  12. 

1912 — 13  Micraster  cor  testudinarium  Scupin,  S.  253. 

An  einigen  mehr  oder  weniger  verdrückten  Exemplaren  konnten  die  Eigen- 
tümlichkeiten dieser  Art  leidlich  festgestellt  werden,  so  daß  die  Stücke 
mit  ihr  vereinigt  wurden. 

Vorkommen: 

Mittelturon:  Strehlen  (Mus.  Dresden),  Hundorf,  Vsetat  1,  Löwenberg  1, 

Waltersdorfer  Mühle  Löw.  (Geol.  Landesmus.) ; 

Oberturon  y : Birkwitz  (Mus.  Dresden),  Kreibitz  3; 

Emscher:  Oberkreibitzer  Talsperre  3,  8,  Kreibitz  25,  E.-St.  Tannen- 

dorf 1 (Humboldtver.  Ebersbach). 

Außerdem  findet  sich  die  Art  auch  anderweit  im  Mittelturon  von  Sachsen 
und  Böhmen,  ferner  im  Oberturon  von  Schlesien,  Nordwestdeutschland  und 
im  Emscher  von  Frankreich  und  England. 


77 


Paläontologischer  Teil 

Hemiaster  Des  OK 
Hemiaster  regtilusanus  d’Okk. 

1853 — 55  Hemiaster  regulusanus  d’Orbigny,  6,  S.  248,  Taf.  884. 

1875  Hemiaster  regulusanus  Geinitz,  2,  S.  15,  Taf.  5,  Fig.  2. 

1893  Hemiaster  regulusanus  Fiue,  S.  112,  Abb.  147. 

1912 — 13  Epiasler  sp.  Scupin,  S.  253,  Taf.  15,  Fig.  9. 

Einige  etwas  verdrückte  Steinkerne,  deren  Vorderseite  voll  gerundet 
ist  und  keine  Ausrandung  besitzt,  passen  gut  zu  dieser  von  Fmc  aus  den 
Emscher  - Schichten  von  Priesen  gut  dargestellten  Art.  Das  hintere 
paarige  Fühlerfeld  ist  gegenüber  dem  vorderen  außerordentlich  kurz.  Das 
Stück  aus  der  Sammlung  des  Humboldtvereins  Ebersbach  ist  nach  der  per- 
sönlichen Handschrift  von  Geinitz  bereits  von  diesem  zu  dieser  Art  gestellt 
worden. 

Das  von  Scupin  als  Epiaster  sp.  bezeichnete'  Exemplar,  das  im  Original 

vorliegt,  gehört  mit  unseren  Stücken  zu  ein  und  derselben  Art. 

Vorkommen: 

Unterturon:  Jicin  4,  7 (beide  Soukup)  ; 

Mittelturon:  Jicin  8 (Soukup); 

Oberturon  y:  Zatzschke  (Mus.  Dresden); 

Emscher:  Kreibitz  25  (selbst  gesammelt  und  Humboldtver.  Ebersbach), 

Priesen  (Mus.  Prag),  Neuwarthau  Löw.  2 (Geol.  Landesmus.). 

Schizaster  Xu. 

Schi zaster  sturmi  Sn  p. 

? 1875  Hemiaster  sublacunosus  Geinitz,  2,  S.  14,  Taf.  4,  Fig.  5,  6. 

1901  Hemiaster  conf.  lacunosus  Sturm,  S.  98,  Taf.  11,  Fig.  9. 

1912 — 13  Schizaster  sturmi  Scupin,  S.  254,  Taf.  15,  Fig.  2. 

Zu  dem  von  Scupin  dargestellten  zerbrochenen  Exemplar,  das  im  Original 
vorliegt,  ist  nichts  zu  bemerken.  Es  ist  nicht  unmöglich,  daß  einige  der 
von  mir  zu  Micrasler  cor  lestudinarium  gestellten  kleineren  Steinkerne  mit 
diesem  Exemplar  übereinstimmen. 

Die  von  Geinitz  im  Museum  zu  Dresden  aus  dem  Elbsandsteingebirge 
(Mittelturon  von  Rathen,  Ober-  und  Niederkirchleiten  bei  Königstein)  als 
Hemiaster  sublacunosus  bezeichnten  Steinkerne  gleichen  in  der  Form  voll- 
ständig dem  Micrasler  cor  tesludinarium.  Da  bekanntlich  eine  einwandfreie 
Bestimmung  von  Seeigelsteinkernen  kaum  möglich  ist,  sei  die  Vereinigung  offen 
gelassen.  Das  dort  ebenso  bezeichnete  Stück  von  Zatzschke  (Oberturon  7) 
ist  zerbrochen  und  ebenfalls  nicht  mit  Sicherheit  zu  bestimmen. 
Vorkommen: 

Emscher:  Neuwarthau  Löw.  2 (Geol.  Landesmus.),  Kieslingswalde  (Mus. 

Dresden). 

In  der  Umgebung  von  Jicin  in  Böhmen  wurde  im  Mittelturon  eine  Anzahl 
Steinkerne  von  Echinodermen  gesammelt,  die  leider  eine  annähernd  einwand- 
freie Bestimmung  nicht  zulassen.  Es  dürfte  sich  meist  um  Exemplare  der  Arten 
handeln,  die  von  FaiC  1883,  S.  130/132  aufgeführt  sind.  Insbesondere  scheint 
Hemiaster  plebeius  Nov.  darunter  vertreten  zu  sein. 

Dasselbe  gilt  von  den  im  Geologischen  Landesmuseum  aus  dem  Mittel- 
turon der  Lähner  Mulde  (Löwenberger  Kreide)  vorhandenen  Steinkernen. 


78 


Abh.  preuß.  geol.  L.-A.,  Neue  Folge,  Heft  159 

Vermes 

Serpula  Lin. 

Serpula  socialis  Goldf. 

Taf.  19,  Fig.  11 

1826 — 33  Serpula  socialis  Goldfuss,  1,  S.  235,  Taf.  69,  Fig.  12. 

1837  Serpula  filijormis  Sowerdy,  S.  340,  Taf.  16,  Fig.  2. 

1842  Serpula  filijormis  Geinitz,  3,  S.  65. 

1845  Serpula  filijormis  Reuss,  1,  S.  20,  Taf.  5,  Fig.  26. 

1875  Serpula  socialis  Geinitz,  2,  S.  200,  Taf.  37,  Fig.  2. 

1912 — 13  Serpula  socialis  Scupin,  S.  257. 

Die  meist  zu  lang  ausgezogenen  Bündeln  vereinigten  dünnen  Röhrchen 
finden  sich  in  allen  Horizonten  der  sächsischen  und  böhmischen  Kreide.  In 
Teil  II  wurden  diese  Stücke  als  Serpula  filiformis  Sow.  bezeichnet,  wofür 
jetzt  der  ältere  GoLDFUss’sche  Name  gesetzt  ist. 

Vorkommen: 

Mittelturon:  Lindenau  3,  6 (Vortiscii),  Antonienthal  2,  Brenn  4,  Bösig  7, 

Jungbunzlau  5,  Chorousek  4,  Jicln  28  (Soukup),  38,  Turnau  1, 
3,  11,  12,  13,  Löwenberg  1 (Geol.  Landesmus.),  Hermsdorf 

Löw.  5 (Geol.  Landesmus.),  Waltersdorfer  Mühle  Löw.  (Geol. 
Landesmus.) ; 

Oberturon  a ß : Lückendorf  1 ; 

Oberturon  y : Kreibitz  7 ; 

Emscher:  E.-St.  Tannendorf  1,  Kreibitz  6,  Großhartmannsdorf  Löw.  (Geol. 

Landesmus.),  Neuwarthau  Löw.  2 (Geol.  Landesmus.),  Hohl- 
stein Löw.  (Geol.  Landesmus.),  Kieslingswalde,  Salzberg. 
Derartige  Röhrenbündcl  finden  sich  vom  Dogger  bis  ins  Senon,  ohne 
daß  es,  wie  Scupin  mit  Recht  hervorhebt,  bei  derartigen,  äußerlich  wenig 

differenzierten  Formen  sicher  ist,  ob  die  Röhren  ein  und  demselben  Tiere 
angehören. 

Serpula  gordialis  Schloth. 

Taf.  19,  Fig.  26 

1820  Serpulites  gordialis  Sciilotii.,  S.  96. 

1826 — 33  Serpula  gordialis  Goldfuss,  1,  S.  234,  Taf.  69,  Fig.  8. 

1842  Serpula  gordialis  Geinitz,  3,  S.  65,  Taf.  22,  Fig.  11. 

1845  Serpula  gordialis  Reuss,  1,  S.  19  ? z.  'Feil. 

1846  Serpula  planorbis  Reuss,  2,  S.  103,  Taf.  42,  Fig.  19 — 23. 

1372  Serpula  gordialis  Geinitz,  1,  S.  282,  Tal.  63,  Fig.  2,  3. 

1875  Serpula  gordialis  Geinitz,  2,  Taf.  37,  Fig.  3,  4. 

1883  Serpula  gordialis  FriC,  S.  129. 

1889  Serpula  gordialis  FriC,  S.  96,  Abb.  122. 

1909  Serpula  gordialis  Wanderer,  Taf.  3,  Fig.  13. 

1912 — 13  Serpula  gordialis  Scupin,  S.  257. 

Im  schlesischen  Mittelturon  konnten  einige  Steinkerne  und  Skulpturstein- 
kerne dieser  gewundenen  Röhrchen  von  kleiner  bis  mittlerer  Größe  gesammelt 
werden.  Ferner  fand  ich  die  Art  im  Turon  von  Jicin. 


Paläontologischer  Teil 


79 


Vorkommen: 

Unterturon:  Jiein  9; 

Mittelturon : Strehlen  (Mus.  Dresden),  Jiein  29,  Hermsdorf  Löw.  2,  Kynberg 

Lövv.,  Grunauer  Spitzberg  Löw.  1,  Löwenberg  2,  Waltersdorfer 
Mühle  Löw.  (Geol.  Landesmus.),  Kesselsdorf  Löw.  (Geol. 
Landesmus.),  Heuscheuer  1,  2,  3. 

Serpula  ampullacea  Sow. 

Taf.  19,  Fig.  25 

1023  Serpula  ampullacea  Sowerby,  Taf.  597,  Fig.  1 — 5. 

1845  Serpula  ampullacea  Reuss,  1,  S.  20,  Taf.  5,  Fig.  22. 

1846  Serpula  ampullacea  Reuss,  2,  Taf.  24,  Fig.  6—7. 

1872  Serpula  ampullacea  Geinitz,  1,  S.  284,  Taf.  63,  Fig.  10 — 12. 

1875  Serpula  ampullacea  Geinitz,  2,  Taf.  37,  Fig.  6 — 9. 

1883  Serpula  ampulacea  FillC,  S.  128,  Abb.  114. 

1912 — 13  Serpula  ampullacea  Scupin,  S.  257. 

Die  gebogene  Wurmröhre  hat  einen  rundlichen  Querschnitt  und  zeichnet 
sich  insbesondere  durch  ringförmige  stumpfe  Ouerwülste  aus. 
Vorkommen: 

Unterturon:  Jiein  6 (Soukup)  ; 

Mittelturon:  Strehlen  (Mus.  Dresden),  Heuscheuer  2,  3,  Turnau  2,  13, 

Löwenberg  3 (Geol.  Landesmus.),  Jiein  3,  41,  44,  48  (alle  vier 
SouKur),  28. 

Im  Cenoman  und  Turon  von  Sachsen,  Böhmen  und  Schlesien  verbreitet. 

Molluscoidea 

Hryozoa 

Zu  den  von  Scupin  1912/1913  S.  249  aus  den  Neuwarthauer  Schichten 
(Emscher)  aufgeführten  Bryozoen,  als  Sparsicavea  dichotoma  Goldf.?,  Nodelea 
geinitzi  Reuss?  und  Biflustra  sp.  ist  nichts  zu  bemerken. 

Auch  aus  dem  Sandstein  der  böhmischen  Kreide  sammelte  ich  einige 
Abdrücke,  die  zu  diesen  Arten  gehören  könnten.  Das  Material  ist  jedoch  so 
mangelhaft,  daß  es  eine  Beschreibung  nicht  lohnt. 

Die  für  das  obere  Mittelturon  charakteristische  Bryozoenbank  von  Kanina 
(Fiuc  1883,  S.  25)  fand  sich  auch  im  Mittelturon  von  Lindenau  4,  Leitmeritz  5, 
22,  Rohatetz  3 und  Jungbunzlau  3 (Arten  Fnie,  1883,  S.  124—127). 

ßrachiopoda 
A r t i c u 1 a t a Huxlky 
Rhyuchonellidae  Gray 
Hhyn chonella  Fisch. 

Rhynchonella  plicatilis  Sow.  sp. 

Taf.  19,  Fig.  15,  16 

1814  Tercbralula  plicatilis  und  Ter.  ocloplicala  Soyverby,  Taf.  118,  Fig.  1 — 5. 

1839  Terebratula  plicatilis , ocloplicala , pisum  und  mantelliana  Geinitz, 

1,  S.  15. 


80 


Abh.  preuß.  geol.  L.-A.,  Neue  Folge,  Heft  159 


1842  desgleichen,  3,  S.  XVII,  XVIII,  Taf,  16,  Fig.  16 — 18  (mit  Ausschluß 
des  Vorkommens  im  unteren  Quader  und  unteren  Pläner). 

1846  Terjebratuta  plicatilis,  oclopJicata , pisum  und  manlelliana  Reuss,  2, 

S.  47,  48,  Taf.  25,  Fig.  10—22. 

1875  Rhvnchonella  plicatilis  Geinitz,  2,  S.  26,  Taf.  7,  Fig.  5 — 15. 

1877  Rhpnchonella  plicatilis  Fuic,  S.  144,  Abb.  147. 

1883  Ilhvnchonella  plicatilis , cuvieri  und  manlelliana  FriC,  S.  123,  Abb.  100 
und  101. 

1889  Rhpnchonella  plicatilis,  FriC,  S.  88,  Abb.  91. 

1909  Rhpnchonella  plicatilis  Wanderer,  S.  19,  Taf.  3,  Fig.  6. 

1912 — 13  Rhvnchonella  plicatilis  und  var.  bohemica  Scupin,  S.  245,  Taf.  14, 

Fig.  2-6. 

Rhvnchonella  plicatilis  ist  eine  sehr  veränderliche  Form.  Das  Verhältnis 
von  Länge  zu  Höhe,  die  Dicke  der  beiden  Klappen  und  die  Zahl  der  Rippen 
variieren  ganz  bedeutend,  so  daß  mehrere  Arten  und  Varietäten  entstanden 
sind,  die  aber,  wenn  man  sie  genauer  betrachtet,  ineinander  übergehen. 

Vorstehend  wurde  nur  die  für  die  sudetische  Kreide  wichtigste  Literatur 
aufgeführt. 

Vorkommen: 

Mittelturon:  Strehlen  (Mus.  Dresden),  Dürröhrsdorf,  Posteiwitz,  Rosen- 

berg 2,  Lilienstein  1,  Pirna,  Schneeberg,  Budine  3,  Sterndorf 
4,  5,  8,  Schwarzwald  1,  Sabert  2,  Schwabitz  1,  6,  7,  Böhm. 
Neuland  1,  Kessel  1,  Wobrok  2,  Kroh,  Bleiswedel,  Hundorf, 
Kystra,  Leitmeritz  3,  10;  12,  14,  15  (alle  drei  Mus.  Aussig), 
Lobositz  1,  2 (beide  Mus.  Aussig),  Bilin  1,  2 (beide  Mus. 
Aussig),  Teplitz  2 (Mus.  Aussig),  Laun  1,  3,  4 (alle  drei 
Mus.  Aussig),  Lenesehitz  (Mus.  Aussig),  Liboch,  Zimor,  Kocho- 
witz  2,  Soviceberg  4,  8,  9,  Rohatetz  6,  Kl.  Kahn  1 (Mus.  Aussig), 
Hostin  4,  5,  Hled’seb,  Chorousek  2,  Kanina  1,  2,  Vsetat  1, 
Brezinka  1,  Turnau  2,  Kynberg  Löw.,  Grunauer  Spitzberg  Löw.  1, 
3 (Geol.  Landesmus.),  Kesselsdorf  Löw.  (Geol.  Landesmus.), 
Langenau  Löw.  1,  2 (beide  Geol.  Landesmus.),  Waltersdorfer 
Mühle  Löw.  (Geol.  Landesmus.),  Löwenberg  1,  2,  3 (alle  drei 
Geol.  Landesmus.),  Plagwitz  Löw.  1 (Geol.  Landesmus.),  Heu- 
scheuer  2?,  3. 

Im  Museum  zu  Prag  liegt  Rhvnchonella  plicatilis  aus  dem  böhmischen 
Mittelturon  von  der  Podhrazmühle  bei  Laun,  von  Krtenov  bei  Laun,  Poplsy 
bei  Laun,  Koschtitz,  Cizkovice  und  Sullowitz  bei  Lobositz,  Leitmeritz  12, 
Rosental  am  Hohen  Schneeberg,  Vtelno  östlich  von  Melnik,  Kosätek  bei 
Bischitz,  Jungbunzlau  und  Wlachai  bei  Oschitz. 

Die  Art  ist  in  mittelturonen  Schichten  weit  verbreitet  und  findet  sich 
auch  bereits  im  Unterturon. 

lihynchonella  compressa  Lam.  sp. 

Taf.  19,  Fig.  14 

Terebratula  alata  Geinitz,  4,  S.  17,  Taf.  3,  Fig.  17. 

Rhpnchonella  compressa  d'Orbigny,  4,  S.  35,  Taf.  497,  Fig.  1 — 6. 


1843 

1847 


Paläontologischer  Teil 


81 


1891  Rhynchonella  alata  Langenhan  & Grundey,  Taf.  2,  Fig.  38. 

1897  Rhynchonella  alata  FriC,  S.  68. 

1901  Rhpnchonella  compressa  Sturm,  Taf.  11,  Fig.  6. 

1909  Rhvnchonella  compressa  Wanderer.  S.  19,  Taf.  3,  Fig.  9. 

Die  Art  ist  im  sächsisch-böhmischen  Turon  und  Emscher  sehr  selten. 
Sie  ist  mir  nur  von  den  unten  angeführten  Plätzen  bekannt.  Ferner  be- 
finden sich  im  Geologischen  Landesmuseum  einige  Exemplare  aus  dem 
Emscher  von  Hohlstein.  Die  Art  zeichnet  sich  durch  geraden  Stirnrand  und 
kräftige  Rippen  aus. 

Vorkommen: 

Oberturon  aß:  Waltersdorf  2; 

Emscher:  Markersdorf  3,  Jidn  2,  3 (alle  zwei  Soukup),  1,  Kieslings- 

walde (Mus.  Dresden),  Hohlstein  Löw.  (Geol.  Landesmus.). 

Die  Art  wird  von  d’Orbigny  insbesondere  aus  dem  Cenoman  aufgeführt 
und  ist  im  sächsischen  Cenoman  (Mus.  Dresden)  häufig.  In  seiner  Auf- 
zählung der  Fundorte  befindet  sich  aber  auch  der  Name  Kieslingswalde. 

Tcrcbratulidac  Kin g 
Terehraiula  Klein 
Terehratula  semiglobosa  Sow. 

Taf.  19,  Fig.  19  a u.  b 

1814  Terehraiula  subumlata  und  Ter.  semiglobosa  Sowerby,  Taf.  15, 

Fig.  7,  9. 

1839  Terehratula  semiglobosa  und  Ter.  carnea  Geinitz,  1,  S.  16. 

1846  Terehratula  semiglobosa  und  Ter.  carnea  Reüss,  2,  S.  50,  51,  Taf.  26, 

Fig.  5 — 11. 

1847  Terehratula  semiglobosa  d’Orbigny,  4,  S.  105,  Taf.  514,  Fig.  1 — 4. 

1870  Terehratula  semiglobosa  F.  Römer,  S.  313,  Taf.  34,  Fig.  9. 

1875  Terehratula  semiglobosa  Geinitz,  2,  S.  23,  Taf.  7,  Fig.  1 — 4. 

1889  Terehratula  semiglobosa  FriC,  S.  87,  Abb.  38. 

1909  Terehratula  semiglobosa  Wanderer,  S.  17,  Taf.  3,  Fig.  1. 

Die  Art  konnte  besonders  zahlreich  als  Steinkern  in  der  Umgebung  von 
Drum  gesammelt  werden.  Von  anderen  Plätzen  besitze  ich  nur  wenig  Material. 
Die  glatten  doppelklappigen  Steinkerne  sind  mäßig  dick  und  unterscheiden 
sich  dadurch  von  den  Schalenexemplaren  von  Hundorf  und  Strehlen,  die  im 
allgemeinen  bedeutend  dicker  sind.  Jedoch  finden  sich  auch  an  diesen  Stellen 
dünnere  Exemplare,  die  sich  als  Schalenexemplare  kaum  von  den  anderen 
unterscheiden  dürften. 

Bei  der  Nachprüfung  der  Fossilien  von  Aschendorf  im  Museum  zu  Prag 
am  24.  September  1930  fand  Herr  Dr.  Zäzvorka  unter  dem  Material  von  FriC 
auch  von  dieser  Fundstelle  einen  Steinkern  heraus,  der  zu  dieser  Art  ge- 
hören dürfte. 

Vorkommen: 

Mittelturon:  Strehlen  (Mus.  Dresden),  Sterndorf  2 (Reuss),  Drum  1 zahl- 

reich, 2 zahlreich,  3,  4,  Aschendorf  2 (Mus.  Prag),  Sovice- 
berg  1,  2,  3,  Hundorf,  Hostin  2,  Nebuzel,  Nuenicek,  Rohatetz  1, 
ftepin,  Slap,  Straschnitz,  Strem,  Leitmeritz  8 (Mus.  Aussig  u. 
Deutsches  Geol.  Institut  Prag),  9 (Mus.  Aussig),  10,  Teplitz  1 


Ändert  0 


82 


Abh.  preuß,  gteol.  L.-A.,  Neue  Folge,  Heft  159 


(Mus.  Aussig),  Bilin  T,  2,  3 (alle  drei  Mus.  Aussig),  Lobositz 
1,  2 (beide  Mus.  Aussig). 

Außerdem  im  Museum  zu  Prag  aus  dem  böhmischen  Mittelturon  von  Sullo- 
witz  bei  Lobositz,  Zidovice  bei  Raudnitz,  Kystra  und  Koschtitz. 

Die  Art  ist  charakteristisch  für  die  Zone  des  Spondvlus  spinosus  und 
findet  sich  in  dieser  Zone  in  Sachsen,  Böhmen,  Oberschlesien,  am  Harz,  in 
Nordwestdeutschland,  Frankreich  und  England. 

Terebratulina  D'Olut. 

Terebratulina  gracilis  Schlotii.  sp. 

1813  Terebratulites  gracilis  Schlotheim,  7,  S.  113,  Taf.  3,  Fig.  3. 

1829  Terebratula  rigida  Sowerby,  Taf.  536,  Fig.  3,  4. 

1839  Terebratula  gracilis  und  Ter.  ornaLa  Geinitz,  1,  S.  16. 

1840  Terebratula  gracilis  und  Ter.  ornala  Geinitz,  2,  S.  59,  Taf.  16,  Fig.  13. 

1846  Terebratula  gracilis  Reuss,  2,  S.  49,  Taf.  26,  Fig.  1;  Taf.  42}  Fig.  24. 

1866  Terebratulina  gracilis  Schlönbach,  S.  287,  Taf.  38,  Fig.  18 — 20. 

1870  Terebratula  gracilis  F.  Roemer,  S.  314,  Taf.  37,  Fig.  8,  9. 

1875  Terebratulina  gracilis  Geinitz,  2,  S.  24,  Taf.  7,  Fig.  18. 

1877  Terebratulina  gracilis  FriC,  S.  143,  Abb.  146. 

1889  Terebratulina  gracilis  FriC,  S.  88,  Abb.  89. 

1909  Terebratulina  gracilis  und  rigida  Wanderer,  S.  18,  Taf.  3,  Fig.  4. 

Die  kleine,  nur  etwa  5 mm  messende,  scharf  gerippte,  leicht  kenntliche 
Art  ist  charakteristisch  für  den  mittelturonen  Pläner.  Mit  Ausnahme  der 
Schnabelspitze  ist  sie  fast  gleichmäßig  gerundet. 

Vorkommen: 

Mittelturon:  Strehlen  (Mus.  Dresden),  Dresden  (Mus.  Dresden),  Hundorf 

(selbst  ges.  und  Mus.  Prag),  Kystra,  Vsetat,  Leitmeritz  10, 
Leneschitz  (Mus.  Aussig),  Rohatetz  6,  Lysa  2. 

Die  Art  findet  sich  im  Mittelturon  von  Sachsen,  Böhmen,  Oberschlesien, 
vom  Harzrande,  von  Nordwestdeutschland,  Frankreich  und  England. 

Terebratulina  striatula  Mast.  sp. 

1822  Terebratula  striatula  Mantell,  S.  131,  Taf.  25,  Fig.  7,  8,  12. 

1839  Terebratula  chrysalis  Geinitz,  1,  S.  15. 

1840  Terebratula  striatula  Geinitz,  2,  S.  59,  Taf.  16,  Fig.  12.  • 

1846  Terebratula  striatula  und  Ter.  chrpsalis  R.EUSS,  2,  S.  49,  Taf.  26, 

Fig.  2,  3. 

1870  Terebratulina  striata  F.  Roemer,  S.  314,  Taf.  34,  Fig.  8. 

1872  Terebratulina  striatula  Geinitz,  1,  S.  155,  Taf.  36,  Fig.  39 — 41. 

1875  Terebratulina  striatula  Geinitz,  2,  Taf.  7,  Fig.  16,  17. 

1877  Terebratulina  striatula  FriC,  S.  143,  Abb.  145. 

1889  Terebratulina  chrysalis  FriC,  S.  88,  Abb.  90. 

1893  Terebratulina  chrysalis  FriC,  S.  103. 

1909  Terebratulina  striatula  Wanderer,  S.  18,  Taf.  3,  Fig.  5. 

Von  dieser  Art  wurde  nur  ein  Steinkern  mit  Schalenresten  gesammelt. 
Das  Stück  ist  flach  gewölbt  und  mit  zahlreichen  dichotomierenden  Rippen, 
die  schwach  gekörnt  erscheinen,  verziert.  Die  Höhe  beträgt^  ! 2 mm,  die  Breite 


Paläontoiogischer  Teil 


83 


9 mm.  Der  Stirnrand  ist  breit  gerundet,  gegen  den  Schnabel  hin  verlaufen 
die  Ränder  fast  gerade  und  treffen  in  einem  spitzen  Winkel  zusammen.  Im 
Museum  zu  Dresden  liegt  ein  Stück  von  Zatzschke  unter  dieser  Bezeichnung. 
Es  zeigt  jedoch  nicht  die  konzentrischen  Ringe,  durch  die  in  den  radialen  Rippen 
die  charakteristischen  Absätze  entstehen.  Der  Steinkern  ist  nicht  gut  erhalten 
und  kaum  bestimmbar. 

Vorkommen: 

Mittelturon:  Strehlen  (Mus.  Dresden),  Vsetat  1,  Kl.  Kahn  1 (Mus.  Aussig); 

Emscher:  E.-St.  Tannendorf  1?,  Salzberg  (nach  Brauns),  Priesen  (Mus. 

Prag  u.  Aussig). 

Vom  Cenoman  bis  ins  Mittelturon  in  der  sächsischen  und  böhmischen 
Kreide  verbreitet,  in  jüngeren  Schichten  seltener.  Ferner  soll  die  Art  auch 
in  der  oberen  weißen  Kreide  von  Rügen  und  Möen  Vorkommen. 

Magas  S<W. 


[Magas  geinitzi  Schloexb. 

Taf.  19,  Fig.  17,  13,  21,  22  a u.  b 


1842 

Terebratula  pumila  Geinitz,  3,  S.  87. 

1846 

Terebratula  hippopus  Reuss,  2,  S.  52,  Taf.  26, 

Fig.  14. 

1866 

Magas  geinitzi  Schloenbach,  S.  298,  Taf.  39, 

Fig.  4 — 0. 

1872 

Magas  geinitzi  Geinitz,  1,  S.  158. 

1877 

Magas  geinitzii  FriC,  S.  145,  Abb.  148. 

1883 

Magas  geinitzii  FriC,  S.  122. 

1891 

Terebratula  wallersdorjensis  Langenhan  & Grundey,  Taf.  2,  Fig.  41 

1893 

Magas  geinitzi  FriC,  S.  108. 

1397 

Magas  geinitzi  FriC,  S.  69. 

1912—13 

Terebratula  phaseolina  Scupin,  S.  248,  Taf.  14, 

Fig.  8. 

Die  rötliche  gerundete,  gegen  den  Schnabel  mäßig  zugespitzte  Schale 
erscheint  fast  glatt;  mit  der  Lupe  kann  man  schwache  konzentrische  Linien 
wahrnehmen.  Die  große  Klappe  ist  kräftig,  die  kleine  fast  kreisrunde  Klappe 
schwächer  gewölbt.  Die  große  Klappe  ist  am  Stirnrande  schwach  eingebogen, 
an  der  kleinen  Klappe  zeigt  sich  von  der  Schalenmitte  bis  zum  Stirnrande 
eine  flache  Mulde.  Die  aus  dem  böhmischen  Mittelturon  vorliegenden  Exemplare 
erreichen  eine  Größe  von  5—10  mm.  Sie  sind  von  den  von  Scupin  als 
Terebratula  phaseolina  bezeichneten  nicht  zu  unterscheiden.  Scupin  hat 
für  seine  Bestimmung  die  Abbildungen  von  Geinitz,  1,  1872,  Fig.  20—24,  die 
von  Geinitz  als  Jugendexemplare  der  Terebratula  phaseolina  angesehen  werden, 
herangezogen.  Sie  stimmen  mit  den  unseren  überein;  doch  bleiben  alle  mittel- 
turonen  Formen  klein  gegenüber  der  ausgewachsenen  Terebratula  phaseolina , 
so  daß  sie  richtiger  zu  Magas  geinitzi,  die  nirgends  viel  größer  vorkommt, 
gestellt  werden. 

Die  aus  dem  Emscher  des  Kreibitztales  vorliegenden  Steinkerne  haben 
eine  ziemlich  flache  kleine  Klappe.  Bei  dem  Erhaltungszustände  ist  eine 
genaue  Nachprüfung  leider  nicht  möglich.  Sicher  sind  wie  bei  Terebratula 
semiglobosa  (s.  d.)  Steinkerne  dünner  als  Kalkschalenexemplare.  Die  von 
Langenhan  & Grundey,  Taf.  2,  Fig.  41  abgebildete  Terebratula  Walters - 
dorfensis  dürfte  ebenfalls  hierher  gehören. 


84 


Abh.  preuß.  geol.  L.-A.,  Neue  Folge,  Heft  159 


Vorkommen: 

Mittelturon:  Budine  5,  Liebeschitz  1 zahlreich,  Soviceberg  10,  Kanina  1, 

Laun  1 (Mus.  Aussig),  Chotzen  1,  Kesselsdorf  Löw.  (Geol. 
Landesmus.),  Löwenberg  3 (Geol.  Landesmus.),  Langenau  Löw. 
1,  3 (beide  Geol.  Landesmus.),  Waltersdorfer  Mühle  Löw. 
(GeoL  Landesmus.) ; 

Oberturon  a ß ; Hohnstein  1 (Mus.  Dresden),  Waltersdorf  2,  Plissen  1; 
Oberturon  y : Zatzschke  (Mus.  Dresden)  ; 

Emscher:  E.-St.  Tannendorf  1,  Kreibitz  17,  24,  Jicin  4 (Soukup),  Kies- 

lingswalde. 

Vom  Cenoman  bis  ins  Mittelturon  in  der  sudetischen  Kreide,  in  Nordwest- 
deutschland und  Frankreich,  seltener  im  Oberturon  und  Emscher. 

Mollusca 

Lamellibranchiata 
Anisomyaria 
Avlculidac  Lam. 

Avicula  Brug. 

Avicula  caudigera  Zitt.  var. 

Abb.  2. 

1863  Avicula  pectiniformis  Drescher,  S.  351  z.  Teil. 

1866  Avicula  caudigera  Zittel,  2,  S.  13,  Taf.  12,  Fig.  12. 

1889  Avicula  caudigera  Holzapfel,  2,  S.  226,  Taf.  27,  Fig.  19. 

1912 — 13  Avicula  caudigera  var.  Scupin,  S.  216,  Taf.  12,  Fig.  1,  10,  11. 

Von  dieser  Art  liegen  aus  Böhmen  nur  einige  ungünstig  erhaltene  Stein- 
kerne vor.  Ohne  Flügel  bildet  die  Muschel  ein  Drei-,  mit  Flügel  ein  schiefes 


Abb.  2.  Avicula  caudigera  Zitt.  var.,  rechte  Klappe,  Steinkern. 

Emscher,  Kreibitz  26.  Orig.  Geol.  Landesmus.  (A  No.  1.) 

Viereck;  Vorder-,  Unter-  und  Hinterrand  ergeben  zusammen  einen  nach 
hinten  verdrückten  Bogen.  Die  breit  gewölbte  Muschel  geht  unmittelbar  in 
den  dreieckigen  hinteren  Flügel  über.  Dieser  endet  in  einem  mit  der 
Spitze  nach  außen  gerichteten  kleinen  Dreieck.  Wenig  größer  als  dieses 
ist  der  scharf  abgesetzte  dreieckige  vordere  Flügel.  Sein  Vorderrand 
bildet  einen  nach  außen  gerichteten  Bogen.  Der  Oberrand  der  beiden  Flügel, 


Paläontologischer  Teil 


85 


zugleich  Schloßrand,  verläuft  in  gerader  Linie.  Der  breite,  etwas  dicke 
Wirbel  ragt  wenig  über  den  Schloßrand  empor  und  liegt  am  vorderen  Ende 
der  Muschel.  Steinkerne  und  Hohlabdrücke  sind  glatt. 


Maße : 

1 

2 

Länge  des  Schloßrandes: 

35 

31 

Höhe: 

31 

29 

Länge  : Höhe  = 100: 

88 

93 

Fundort:  1)  E Kreibitz  26,  2)  E E.nSt.  Tannendorf  1 (Mus.  Prag). 

Unsere  Steinkerne  stimmen  mit  denen  aus  der  Löwenberger  Kreide  überein. 
Der  Schilderung  von  S cupin  ist  nichts  hinzuzufügen.  Da  nur  Steinkerne 
vorliegen,  läßt  sich  die  Übereinstimmung  mit  der  ZiTTEi/schen  Form  nur  im 
allgemeinen  feststellen. 

Vorkommen: 

Emscher:  E.-St.  Tannendorf  1 (Mus.  Prag,  2 Stück),  Kreibitz  1,  9,  26, 

Hermsdorf  Löw.  (Geol.  Landesmus.),  Bergwarthau  Löw.  zahl- 
reich (Geol.  Landesmus.),  Gehnsdorf  Löw.  (Geol.  Landesmus.) ; 
Untersenon:  Wenig  Rackwitz  Löw.  1 (Realgymn.  Löwenberg,  Geol.  Landes- 

mus.), Niederbielau  Löw.  (Geol.  Landesmus.). 

Außerdem  im  Untersenon  von  Aachen. 

Avicula  pectinoides  Re  iss 
Taf.  1,  Fig.  1 

1842  .4i?/cu/a  pectiniformis  Geinitz,  3,  S.  79,  Taf.  20,  Fig.  37. 

1846  Avicula  pectinoides  Reuss,  2,  S.  23,  Taf.  32,  Fig.  8. 

1887  Avicula  pectinoides  Frech,  S.  156,  Taf.  14,  Fig.  6 — 9. 

1889  Avicula  pectinoides  Holzapfel,  2,  S.  226,  Taf.  25,  Fig.  20. 

1893  Avicula  pectinoides  FriC,  S.  93,  Abb.  121. 

1912 — 13  Avicula  pectinoides  Scupin,  S.  216,  Taf.  12,  Fig.  6. 

Die  Art  ist  im  Umriß  der  Avicula  caudigera  sehr  ähnlich,  jedoch  bedeutend 
kleiner,  breit  eiförmig,  mäßig  schief.  Der  breit  gewölbte  Rücken  fällt 
zu  den  beiden  Ohren  schnell  ab.  Das  vordere  Ohr  bildet  ein  scharf  ab- 
gesetztes kleines  Dreieck  mit  gerundeter  Spitze,  das  hintere,  ebenfalls  drei- 
eckig, ist  weniger  scharf  abgesetzt  und  hinten  schwach  ausgeschweift.  Vorder-, 
Unter-  und  Hinterrand  bilden  zusammen  einen  Bogen,  unter  dem  vorderen  Ohr 
befindet  sich  eine  Einbuchtung.  Der  Oberrand  verläuft  in  gerader  Linie.  Der 
breite,  mit  einer  kleinen  Spitze  wenig  über  den  Schloßrand  ragende  Wirbel 
ist  schief  nach  vorn  gerichtet  und  liegt  etwas  vor  der  Mitte.  Die  Verzierung 
der  Schale  besteht  aus  einigen  unregelmäßigen  konzentrischen  Linien  und 
Falten,  Steinkerne  sind  glatt. 

Maße 

Länge  des  Schloßrandes:  9,5mm 

Höhe:  9,5  „ 

Länge  : Hohe  = 100:  100 

Geinitz,  Reuss  und  FriC  schildern  die  Art  aus  den  Priesener  Schichten 
Böhmens  (Zone  des  Inoderamus  schloenbachi) . Das  auf  Tafel  32  in  Figur  9 
bei  Reuss  dargestellte  Stück  mit  seinem  verhältnismäßig  langen  und  schmalen 
Rüdken  rechne  ich  zu  Avicula  geinitzi  Reuss.  Es  liegen  nur  wenig  Stücke  vor. 


| Fundort:  E Kreibitz  6 


86 


Abh.  preuß.  gieol.  L.-A.,  Neue  Folge,  Heft  159 


Vorkommen: 

Mittelturon : Kl.  Kahn  2 (Mus.  Aussig) ; 

Oberturon  aß:  Daubitz  7; 

Oberturon  y:  Zatzschke  (Geol.  Landesamt  Leipzig),  Kreibitz  14,  Robitz, 

Priesen; 

Emscher:  Kreibitz  6,  12,  Kieslingswalde,  Giersdorf  Löw.  (Realgymn. 

Löwenberg,  Geol.  Landesmus.) ; 

Untersenon:  Sirgwitz  Löw.  (Geol.  Landesmus.). 

Außerdem  im  Untersenon  von  Suderode  (Frech)  und  von  Aachen 
(Holzapfel). 


Avicula  geinitzi  ÜEUSS 
Taf.  1,  Fig.  2 

1846  Avicula  geinitzi  Reuss,  2,  S.  23,  Taf.  32,  Fig.  6. 

1893  Avicula  geinitzi  Fric,  S.  98,  Abb.  120. 

1912 — 13  Avicula  nov.  spcc.  (aff.  geinitzi  Reuss)  Scupin,  S.  219,  Taf.  12,  Fig.  12. 

1929  Avicula  n.  sp.  Ändert,  2,  S.  180,  Fossiltabelle. 

Von  dieser  Art  liegen  nur  zwei  Steinkerne  vor.  Die  Muschel  ist  sehr 
schief,  schmal  und  lang  eiförmig,  wenig  gewölbt.  Der  vordere  Flügel  ist  im 
Verhältnis  zu  der  ganzen  Muschel  groß  und  spitzwinkelig,  der  Vorderrand  nach 
außen  gebogen.  Der  hintere  Flügel  ist  klein  und  sehr  stumpfwinkelig.  Der 
Wirbel  ragt  nur  wenig  über  den  geraden  Schloßrand  hervor.  Die  Oberfläche 
des  Steinkernes  ist  glatt. 

Maße: 

Länge  des  Schloßrandes:  13  mm  'j 

Hohe:  12  „ > Fundort:  E Toi  lenstein 

Länge:  Höhe  = 100:  92  J 

Vorkommen: 

Emscher:  Tollenstein,  E.-St.  Tannendorf  1. 

Außerdem  nach  Reuss  und  Fric  in  den  Priesener  Schichten  von  Priesen, 
Luschitz  und  Dneboh  in  Böhmen. 

Avicula  cf.  coerulescens  Nilks. 

I'af.  1,  Fig.  3 

? 1827  Avicula  coerulescens  Nilsson,  S.  18,  I'af.  3,  Fig.  19. 

? 1897  Avicula  coerulescens  Hennig,  S.  54,  Taf.  3,  Fig.  25 — 27. 

1912 — 13  Avicula  coerulescens  Scupin,  S.  217,  Taf.  12,  Fig.  5. 

Ein  unvollständiger  Steinkern  mit  Flohlabdruck  könnte  mit  dem  von  Scupin 
abgebildeten  Bruchstück  übereinstimmen,  ob  dieses  auch  mit  den  schwedischen 
Stücken  der  Fall  ist,  möchte  ich  dahingestellt  sein  lassen.  Die  Muschel  bildeL 
eine  stark  schief  nach  hinten  gerichtete  spitze  Pyramide,  an  die  sich  nach  vorn 
ein  kleines  spitzwinkeliges,  nach  hinten  ein  etwas  größeres  stumpfwinkeliges 
Ohr  anschließen.  Auf  dem  Hohlabdruck  sind  die  Eindrücke  scharfer  Radial- 
linien Vzu  beobachten,  die  sich  gegen  den  Vorderrand  hin  häufen  und  daselbst 
besonders  deutlich  auftreten. 


Paläontol ogischer  Teil 


87 


Maße: 

Länge  des  Schloßrandes:  11  mm 

Länge  von  der  Wirbelspitze  in  der  Richtung  der  größten  Ausdehnung: 
26  mm. 

Vorkommen: 

Mittelturon:  Löwenberg  3 (Geol.  Landesmus.); 

Oberturon  aß:  Jonsberg  2. 


Avicula  neptuni  Goldf.  sp. 

Taf.  1,  Fig.  4 

1834 — 40  Cardium  nepluni  Goldfuss,  2,  S.  221,  Taf.  144,  Fig.  9 a u.  b. 

1841  Cardium  neptuni  A.  Roemer,  S.  71. 

1844  Pinna  neptuni  d’Orbigny,  3,  S.  255,  Taf.  333,  Fig.  1—3. 

1846  Pinna  nodulosa  Reuss,  2,  S.  14. 

1872  Mytilus  neptuni  Geinitz,  1,  S.  213,  Taf.  47,  Fig.  1,  2. 

1893  Pinna  nodulosa  Fric,  S.  95,  Abb.  111. 

1897  Pinna  nodulosa  FriC,  S.  57. 

1898  Avicula  neptuni  G.  Müller,  S.  40,  Taf.  6,  Fig.  4,  5. 

Die  gleichklappige,  hoch  gewölbte  schinkenförmige  Muschel  hat  rhombischen 
bis  dreieckigen  Umriß.  Der  Vorderrand  ist  eingedrückt.  Der  Unterrand  bildet 
eine  mehr  oder  weniger  nach  außen  gebogene  Linie  und  geht  entweder 
unmittelbar  in  den  Hinterrand  über  oder  ist  mit  diesem  durch  eine  abgerundete 
Ecke  verbunden.  Der  Schloßrand  ist  lang  und  gerade  und  anscheinend  im 
hinteren  Teile,  der  an  allen  Stücken  nur  unvollständig  erhalten  ist,  schwach 
gebogen.  Der  Wirbel  ist  weit  nach  vorn  gerichtet;  seine  vorderste  Spitze 
und  auch  der  vordere  Flügel,  der  nach  anderen  Autoren  vorhanden  Sein  soll, 
sind  bei  allen  vorliegenden  Stücken  abgebrochen.  Die  Muschel  ist  stark 
ungleichseitig.  Schloßzähne  und  Bandgrube  sind  nicht  wahrzunehmen.  Der 
scharf  abgesetzte  Flügel  ist  breit  und  zusammengedrückt;  eine  prismatische 
Schalenschicht  ist  vorhanden,  so  daß  die  Art  den  Eindruck  einer  großen 
Avicula  macht,  wohin  sie  auch  zuletzt  gestellt  worden  ist.  Vom  Wirbel  läuft 
über  den  Rücken  in  einem  nach  vorn  offenen  Bogen  eine  dicke,  sich  gegen 
den  Unterrand  ausgleichende  und  verbreiternde  Wulst.  Die  Muschel  erscheint 
deshalb  stark  aufgebläht. 

Vor  der  Schalenhöhe  ziehen  vom  Wirbel  nach  vorn  unten  im  flachen 
Bogen  8—10  kräftige  gerundete  Radialrippen.  Die  hintere  Schalenhälfte  ist 
von  zahlreichen  feinen,  vom  Wirbel  ausstrahlenden  Radialrippchen  bedeckt, 
die  gegen  die  Schalenmitte  hin  verschwinden.  Auf  dem  Flügel,  wie  auch  auf 
dem  großen  herzförmigen  Möndchen  unter  dem  Wirbel,  fehlen  sie  vollständig. 
Diese  Teile  sind  nur  mit  feinen,  die  ganze  Schale  überziehenden  Anwachslinien 
uncl  unregelmäßigen,  schwach  entwickelten  Wellen  bedeckt.  An  den  Kreuzungs- 
stellen mit  den  Radialrippen  sind  mehr  oder  weniger  deutliche  Knoten  sichtbar. 


Maße:  12  3 

Länge:  9 cm?  9 cm  9,5  cm 

Höhe:  8 „ 7,25  „ 6,75  „ 

Lange  : Höhe  = 100:  89  80  71 


Fundort: 

E E.-St.  Tannendorf  1 


Ein  Unterschied  unserer  Exemplare  von  den  Cen-omanformen  läßt  sich 
nicht  feststellen. 


88 


Abh.  preuß.  g-eol.  L.-A.,  Neue  Folge,  Heit  159 


Vorkommen: 

Mittelturon:  Löwenberg  3 (Geol.  Landesmus.); 

Oberturon  y:  Zatzschke; 

Emscher : E.-St.  Tannendorf  1 (selbst  ges.,  Mus.  Dresden  und  Prag), 

Kreibitz  24,  Oberkreibitzer  Talsperre  3,  Kieslingswalde. 
Außerdem  im  Cenoman  von  Sachsen,  Schlesien  und  Frankreich,  sowie 
im  Untersenon  von  Braunschweig. 

Avicula  n.  sp. 

Taf.  1,  Fig.  5 

Von  der  linken  Klappe  einer  Avicula  mit  scharf  abgesetztem,  sehr  langem 
flachem  Vorder-  und  Hinterflügel  und  hochgewölbtem,  verhältnismäßig  kurzem 
Rücken  gebe  ich  eine  Abbildung.  Der  Rücken  ist  nach  unten  abgebrochen, 
scheint  aber  ursprünglich  nicht  viel  länger  gewesen  zu  sein.  Die  rechte  Klappe 
ist  an  dieser  Stelle  in  die  linke  hineingedrückt.  Der  Steinkern  ist  glatt,  nach 
dem  Hohlabdruck  besteht  die  Schalenverzierung  in  ganz  schwachen  konzen- 
trischen Streifen  und  Runzeln. 

Das  Stück  ist  von  allen  mir  bekannten  Formen  verschieden.  Von  der 
E.-St.  Tannendorf,  wo  ich  das  Exemplar  gefunden  habe,  liegt  ferner  noch  der 
Hohlabdruck  eines  ähnlichen,  jedoch  bedeutend  kleineren  Stückes  von  9 mm 
Schloßrandlänge  vor. 

Vorkommen: 

Emscher:  E.-St.  Tannendorf  1. 

P i n n i d a o Gray 
Pinna  Lix. 

Pinna  cretacea  Schloth.  sp. 

1813  Pinniles  cretaceus  Schlotheim,  7,  S.  113. 

1834 — 40  Pinna  quadr angularis  Goldfuss,  2,  Taf.  127,  Fig.  8. 

1834 — 40  Pinna  compressa  Goldfuss,  2,  Taf.  128,  Fig.  4. 

1834 — 40  Pinna  restituta  Goldfuss,  2,  Taf.  138,  Fig.  3 a,  b. 

1846  Pinna  decnssata  Reuss,  2,  S.  14  z.  Teil,  Taf.  37,  Fig.  2. 

1866  Pinna  cretacea  Zittel,  2,  S.  07,  Taf.  13,  Fig.  1. 

1875  Pinna  diluviana  Brauns,  S.  376. 

1875  Pinna  cretacea  Geinitz,  2,  S.  54,  Taf.  14,  Fig.  2,  3. 

1089  Pinna  cretacea  Holzapfel,  2,  S.  214. 

1891  Pinna  conf.  restituta , conf.  compressa,  decussata  Langeniian  Sc 

Grundey,  Taf.  3,  Fig.  5,  6;  Taf.  4,  Fig.  1,  2. 

1897  Pinna  cretacea  Petrascheck,  S.  30. 

1897  Pinna  cretacea  FriC,  S.  57. 

1898  Pinna  decussata  G.  Müller,  S.  49,  Taf.  7,  Fig.  9. 

1901  Pinna  cretacea  Sturm,  S.  93. 

1901  Pinna  compressa  Sturm,  S.  94,  Taf.  11,  Fig.  1. 

1912 — 13  Pinna  cretacea  Scupin,  S.  195. 

Die  Festlegung  vorstehender  Art  und  ihre  Unterscheidung  von  Pinna 
decussata  Goldf.  ist  schwierig  und  praktisch  von  wenig  Wert.  Nur  selten 
und  nur  in  im  Betriebe  befindlichen  Steinbrüchen  werden  dem  Geologen  voll- 


Paläontologischer  Teil 


89 


ständig  erhaltene  Exemplare  dieser  weit  verbreiteten  Art  zu  Händen  kommen. 
Gewöhnlich  werden  es  nur  Bruchstücke  sein,  an  denen  das  Unterscheidungs- 
zeichen, die  schlankere  Form  der  Pinna  cretacea,  schwer  nachzuweisen  ist. 
Oft  sind  die  Stücke  auch  etwas  breit  gedrückt  und  können  täuschen.  Man 
kommt  kaum  anders  zum  Ziele,  als  die  Stücke  aus  den  jüngeren  Kreide- 
schichten, aus  denen  schlankere  Formen  mit  Sicherheit  bekannt  und  über- 
wiegend sind,  mit  Pinna  cretacea  zu  bezeichnen  und  ein  zufällig  etwas  breiter 
scheinendes  Stück  aus  den  gleichen  Schichten  nicht  als  Pinna  decussata  ab- 
zutrennen. In  den  älteren  Schichten  wäre  demnach  die  Grundform  breiter 
und  in  den  jüngeren  schmäler.  Wahrscheinlich  sind  auch  Übergänge  vor- 
handen. Wie  schon  Scupin  ausgeführt  hat,  sind  in  der  Schalenverzierung  feste 
Unterscheidungsmerkmale  ebenfalls  nicht  nachzuweisen. 

Die  Art  bildet  eine  hohe  spitze  Pyramide  mit  quadratischem  bis  linsen- 
förmigem Durchschnitt.  Die  Steinkerne  zeigen  10—12  radiale  Rippen,  von 
denen  2—4  unterhalb  der  Rückenkante  liegen.  An  einigen  Stücken  schiebt 
sich  etwa  in  der  Schalenmitte  zwischen  je  ein  Rippenpaar  noch  eine  weitere 
Rippe  ein.  Die  Rippen  sind  schmal  und  scharf  und  werden  durch  flache 
breitere  Zwischenräume  getrennt.  Die  Anwachsstreifen  treffen  in  einem  sehr 
spitzen  Winkel  auf  die  Radialrippen  und  durchkreuzen  sie  rechtwinklig. 
Gröbere  Querskulptur  ist  auf  dem  mit  Radialrippen  versehenen  Schalenteile 
nur  selten  entwickelt;  jedoch  treten,  wie  Abdrücke  zeigen,  daselbst  die  ziemlich 
engen  Anwachslinien  und  -streifen  scharf  hervor. 

Maße: 1 2 3 4 5 6 7 8 

Lange:  8 cm  5 cm  6 cm  7 cm  4,5  cm  5,5  cm  6 cm  7,5  cm 

Höhe:  23  „ 14  „ 16  „ 20  „ 14  „ 16  „ 23  „ 20  „ 

Dicke:  2,8  „ 3,8  „ 3,5  „ 4 „ 2 3 2,5  „ 4 „ 

Fundort : 

1)  2)  OT  aß  Waltersdorf  2,  3)  desgl.  Sammlg.  Dr.  ing.  M.  Donath,  Zittau, 
4)  5)  6)  OT  aß  Innozenzidorf  6 Sammlg.  Humboldtver.  Ebersbach,  7)  OT 
aß  Fuß  der  Lausche  (?  Waltersdorf  2)  Sammlg.  Humboldtver.  Ebersbach, 
8)  E E.-St.  Tannendorf  1. 

Vorkommen: 

Unterturon : Löwenberg  2 (Geol.  Landesmus.)  ; 

Mittelturon:  Posteiwitz,  Wendischfähre,  Dittersbach,  Bonnewilz,  Rosenberg 

1,  Piessnig  2,  Klemensdorf  2,  Jungbunzlau  6,  Wobrok  2, 

Gründenmühltal,  Kallwitz  5,  Bleiswedel,  Neuland  1,  Chorousek  4, 
Libowis,  Bakov  2,  Vsetat  1,  Jicin  1,  2,  28,  30,  42,  46  (alle 

sechs  Soukup),  29,  36,  38,  41,  Hermsdorf  Löw.  4,  6 (beide 

Geol.  Landesmus.,  Realgymn.  Löwenberg),  Ludwigsdorf  Low.  2 
(Geol.  Landesmus.) ; 

Oberturon  aß:  Hohnstein  1,  2 (beide  Mus.  Dresden),  Niederkreibitz  3,  Khaa7, 
Daubitz  7,  8,  Herrenleite,  Mocketal  (Seifert),  Zeichen  5 
(Seifert),  Innozenzidorf  6 (Humboldtver.  Ebersbach),  Lücken- 
dorf 5,  6,  8,  Hermsdorf  8,  Krombach,  Jonsberg  2,  Großmergthal 
1,  Altschiedel,  Waltersdorf  2,  Hockenau  Löw.  (Geol.  Landes- 
museum) ; 

Oberturon  y : Kreibitz  4,  6,  7,  13,  Großrackwitz  Löw.  1 (Geol.  Landesmus.); 


90 


Abh.  preuß.  gieol.  L.-A.,  Neue  Folge,  Heft  159 


Emscher:  Limbach  2,  E.-St.  Tannendorf  1,  Kreibitz  24,  26,  Falkenau  4, 

Tollenstein,  Oberkreibitzer  Talsperre  2,  3,  Niedersteinschönau, 
Kunnersdorf  2,  Böhm.  Kamnitz  11,  Langenau,  Hermsdorf  8,  9, 
Petersdorf,  Neuwarthau  Löw.  1,  3,  4 (Realgymn.  Löwenberg, 
Geol.  Landesmus.),  Hohlstein  Löw.  (Realgymn.  Löwenberg), 
Großhartmannsdorf  Löw.  (Geol.  Landesmus.),  Herzogswaldau 
Löw.  (Geol.  Landesmus.),  Deutmannsdorf  Löw.  (Geol.  Landes- 
mus.), Waldau  Löw.  (Geol.  Landesmus.),  Kieslingswalde; 
Untersenon:  Sirgwitz  Löw.  (Geol.  Landesmus.),  Wenig  Rackwitz  Löw.  1 

(Realgymn.  Löwenberg,  Geol.  Landesmus.). 

Außerdem  im  Untersenon  des  nördlichen  Harzrandes  (G.  Müller). 

Pernidac  Zettel 
Gervillia  Reer. 

Unter  den  zahlreichen  Stücken  dieser  Gattung  befinden  sich  nur  wenige, 
an  denen  Ligament  und  Zähne  deutlich  erkennbar  sind.  Infolgedessen  konnten 
die  neu  aufgestellten  Arten  nur  auf  wenige  Exemplare  begründet  werden. 
Trotzdem  ist  deren  Aufstellung  erfolgt,  damit  auch  unter  diesen  einander  im 
Äußeren  so  ähnlichen  Formen  durch  weitere  Vergleiche  mit  neuen  Funden 
die  Erkenntnis  fortschreitet. 

Gervillia,  elongata  n.  sp. 

Taf.  1,  Fig.  6 a,  b,  7;  Abb.  3 

1912 — 13  Gervillia  Solenoides  Scupin,  Taf.  12,  Fig.  4. 

Die  Muschel  ist  flach  zusammengedrückt,  schmal,  nach  hinten  säbelförmig 
verlängert.  Der  Oberrand  ist  schwach  nach  innen,  der  Unterrand  etwas  stärker 
nach  außen  gebogen.  Letzterer  geht  in  einer  Rundung  in  den  mehr  oder  weniger 
schräg  aufsteigenden  Vorderrand  und  Hinterrand  über.  Vorder-  und  Hinter- 
rand sind  kurz  abgestutzt.  Die  Schale  fällt  zum  Oberrande  und  Flügel  steil, 
zum  Unterrande,  besonders  bei  jüngeren  Exemplaren,  allmählich  ab.  Der  Ober- 
rand des  langen  dreiseitigen  und  deutlich  abgesetzten  Flügels  ist  gerade.  Er 
biegt  in  einer  scharfen  Ecke  zum  Flügelhinterrande  um.  Dieser  bildet  einen 
nach  innen  gerichteten  Bogen  und  verläuft  allmählich  in  den  Muscheloberrand. 
Der  scharf  abgesetzte  kleine  vordere  Flügel  bildet  einen  spitzen  Winkel.  An 
einer  linken  Klappe  ist  unter  dem  Vorderflügel  der  Ausschnitt  für  den 
Austritt  des  Byssus  sichtbar  (Taf.  1,  Fig.  7).  Der  Wirbel  liegt  am  vorderen 
Ende  der  Muschel.  Er  ist  bei  Schalenexemplaren  stumpf,  bei  Steinkernen 
mehr  spitz. 


Abb.  3.  Gervillia  elongata  n.  sp., 

Wirbelpartie  der  rechten  Klappe,  Ausguß  des  Hohldruckes. 
Emscher,  E.-St.  Tannendorf  1.  Orig.  Geol.  Landesmus.  (A  No.  12.) 


Paläontologischer  Teil 


91 


Das  Ligament  liegt  entlang  des  oberen  Flügelrandes  in  fünf  Gruben.  Die 
Zwischenräume  und  auch  zum  Teil  die  Gruben  werden  horizontal  von  vier 
schmalen  Querrippen  mit  schmalen  Zwischenräumen  durchzogen,  die  sich  in 
ebenso  viel  ganz  ähnliche  Zahnleisten  nach  hinten  fortsetzen.  Unter  dem 
Wirbel  befindet  sich  ebenfalls  eine  Anzahl  schmaler  leistenförmiger  Zähne 
(Taf.  1,  Fig.  6 a,  b,  7).  Die  Schale  ist  ziemlich  glatt  und  nur  mit  wenig 
zarten  Anwachsstreifen  versehen.  Der  Hinterteil  des  Flügels  ist  mit  dichten, 
dem  Flügelrande  parallel  laufenden  Linien  bedeckt  (Abb.  3). 


Maße: 

l1) 

2 

3 

Fundort: 

Länge  der  Schale: 

55  mm 

71  mm 

124  mm 

E E St 

Lange  des  hinteren  Flügels: 

27  „ 

30  „ 

36  „ 

Tannendorf  1. 

Höhe  von  Schale  und  Flügel 

an  der  höchsten  Stelle: 

17  „ 

15  „ 

22  „ * 

1 1)  Taf.  1,  Fig.  6a. 

An  etwa  ein  Dutzend  Exemplaren  konnte  der  Schloßapparat  und  infolge- 
dessen die  Zugehörigkeit  zu  vorstehender  Art  einwandfrei  festgestcllt  w'erdcn. 

Gervillia  Solenoides  Defr.  bei  Holzapfel  1839,  2,  Taf.  24,  Fig.  11 — 12, 
und  Gervillia  forbesiana  d’Orb.  bei  Woods  1904—13,  2,  Taf.  11,  Fig.  26,  27, 
Taf.  12,  Fig.  1 — 5,  sowie  die  weiter  unten  außerdem  aufgeführten  Arten 
Gervillia  compressa,  sulcata  und  holzapf eli,  die  nach  dem  Äußeren  von  unserer 
Art  nur  wenig  verschieden  sind,  unterscheiden  sich  scharf  durch  die  Anordnung 
der  Zähne.  Mit  ziemlicher  Sicherheit  ist  zu  unserer  Art  nur  Gervillia  Sole- 
noides Scupin  1912/1913,  Taf.  12,  Fig.  4 zu  stellen. 

Vorkommen: 

Emscher:  Sicher  bestimmbar:  E.-St.  Tannendorf  1 (mehrere  Exemplare), 

der  Form  nach:  Kreibitz  1,  17,  26,  Neuwarthau  Löw.  2 (Geol. 
Landesmus.). 

Da  der  Schloßapparat  ähnlich  geformter  Gervillien  aus  anderen  Kreide- 
gebieten meist  nicht  bekannt  ist,  ist  ein  Vergleich  nicht  möglich. 

Gervillia  compressa  n.  sp. 

Taf.  1,  Fig.  8 

Die  Art  gleicht  in  ihrem  Äußeren  der  Gervillia  elongata  n.  sp.  Der 
Unterschied  besteht  lediglich  in  der  Ausbildung  des  Schlosses.  In  den 
Zwischenräumen  zwischen  den  vier  (oder  fünf  ?)  Ligamentgruben  sind  drei 
schmale  horizontale  Querrippen  zu  beobachten.  An  die  Ligamentgruben  schließt 
sich  nach  hinten  zunächst  eine  horizontale  Zahnleiste,  von  dieser  verlaufen  nach 
rückwärts  zwei  kurze  Zahnleisten  schräg  nach  oben  und  eine  schräg  nach 
unten.  Weiter  finden  sich  auf  dem  Hinterteil  des  Flügels  entlang  des  Ober- 
randes sechs  schräge  kurze  Zähne. 


MaPe: 

Länge  der  Schale: 

85  mm 

Länge  des  hinteren  Flügels: 

27  „ 

Höhe  von  Schale  und  Flügel 

an  der  höchsten  Stelle: 

12  „ 

Das  einzige,  sicher  bestimmbare  Stück  stammt  aus  dem  Emscher, 
Kreibitz  24. 


92 


Abh.  preuß.  gieol.  L.-A.,  Neue  Folge,  Heit  159 


Gervillia  sulcata  n.  sp. 

Taf.  1,  Fig.  9 

Gervillia  sulcata  ist  dicker  und  kräftiger  als  Gervillia  elongata  und 
oompressa  gebaut.  Der  Querdurchschnitt  ist  rechteckig.  Unter  dem  Vorder- 
flügel ist  am  Original  die  Öffnung  für  den  Austritt  des  Byssus  sichtbar.  Das 
eigentliche  Unterscheidungsmerkmal  bildet  auch  hier  die  Ausbildung  von 
Ligament  und  Schloß.  Die  Ligamentgruben  sind  bedeutend  tiefer  und  schärfer 
ausgeprägt  als  bei  den  beiden  schon  beschriebenen  Arten.  Es  sind  sechs 
Gruben  vorhanden.  Die  Zwischenräume  sind  wie  bei  Gervillia  elongata  von 
vier  horizontalen  schmalen  Querrippen  durchzogen,  die  aber  samt  den  gleich- 
breiten Zwischenfurchen  viel  kräftiger  herausgearbeitet  sind  als  bei  dieser 
Art.  Hinter  der  letzten  Ouei’furchung  sind  sieben  kleine,  halbkreisförmig 
angeordnete  Zähnchen  vorhanden.  Außerdem  befindet  sich  unter  dem  Wirbel 
ein  Büschel  von  etwa  zwölf  radial  gestellten  schmalen  gebogenen  leisten- 
förmigen Zähnen. 


Maße : 

1 

2 

3 

Länge  der  Schale: 

66  mm 

70  mm 

87  mm 

Fundort : 

Lange  des  hinteren  Flügels: 

35  „ 

37  „ 

40  „ 

y E E.-St. 

Hohe  von  Schale  und  Flügel 
an  der  höchsten  Stelle: 

18  „ 

18  „ 

20  „ . 

Tannen  dorf  1. 

Gervillia  sulcata  unterscheidet  sich  von  Gervillia  holzapfeli  durch  die  An- 
ordnung der  hinteren  Schloßzähne.  Die  Ausbildung  der  vorderen  ist  bei 
der  zweiten  Art  nicht  bekannt. 

Gervillia  sulaata  besitze  ick  nur  in  einigen  Stücken  von  der  E.-St.  Tannen- 
dorf 1 (Emscher). 

Ein  ähnliches  Stück  mit  einigen  Ligamentgruben  habe  ich  am  Salzberg 
bei  Quedlinburg  gefunden  (Emscher). 

Gervillia  holzapfeli  Fiuc 

1897  Gervillia  holzapfeli  FriC,  S.  65,  Abb.  84. 

Das  von  Eric  abgebildete  Exemplar  liegt  im  Museum  zu  Prag.  Vorder- 
flügel und  hintere  Spitze  der  Muschel  sind  frei  ergänzt.  Die  Formen  der 
Muschel  sind  rund,  nicht  kantig.  Es  sind  sechs  Bandgruben  vorhanden,  über 
die  vier  schmale  Rippen  mit  ebenso  schmalen  Zwischenräumen  horizontal 
verlaufen.  Der  Flügel  ist  nicht  scharf  abgesetzt.  Einige  gerundete  Bruchstücke 
der  säbelförmigen  Muschel,  die  ich  selbst  gesammelt  habe,  könnten  ebenfalls 
zu  dieser  Art  gehören. 

Vorkommen: 

Emscher:  E.-St.  Tannendorf  1. 

Gervillia  solenoides  Holzapfel 
Taf.  1,  Fig.  10;  Abb.  4 

1889  Gervillia  solenoides  Holzapfel,  2,  S.  223,  Taf.  24,  Fig.  11,  12,  aus- 

schließlich Syn. 

Einige  zarte  dünne  Steinkerne  und  Hohlabdrücke  stimmen  mit  den  Ab- 
bildungen bei  Holzapfel  überein.  Im  Äußeren  unterscheiden  sie  sich  von  den 


Paläontologischer  Teil 


93 


Abb.  4.  Geroülia  solenoides  Hlzpfl.,  linke  Klappe,  Steinkern. 

Ernscher,  Oberkreibitzer  Talsperre  5.  Orig.  G-eol.  Landesmus.  (A  No.  18.) 

bereits  beschriebenen  Arten  Gervillia  elongcita,  compressa  und  sulcata  durch 
ihre  flach  zusammengedrückte  Gesamtform,  durch  die  bei  ausgewachsenen 
Exemplaren  bedeutendere  Höhe,  durch  die  mehr  gerade  abgestutzte  Vorderseite 
und  die  in  die  Höhe  gerichtete  hintere  Flügelspitze.  An  mehreren  Exemplaren 
sieht  man  auch  die  für  die  Art  charakteristischen  nach  dem  hinteren  Teile 


des  Flügels  ausstrahlenden 

Zahnleisten. 

Maße: 

1 

2 

3 

4 

5 

6 

7 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

Länge  der  Schale: 

40 

38 

34 

66 

70 

72 

75 

Länge  des  hinteren  Flügels: 
Höhe  von  Schale  und  Flügel  an 

13 

15 

10 

21 

21 

35 

30 

der  höchsten  Stelle: 

12 

10 

9 

20 

ca.  20 

29 

ca.  20 

Fundort : 

1)  E Kreibitz  7,  2)  desgl.,  3)  E Kreibitz  12,  4)  OT  y Kreibitz  6,  5)  OT  y 
Kreibitz  10,  6)  OT  y Kreibitz  10  (Taf.  1,  Fig.  10),  7)  E Oberkreibitzer  Tal- 
sperre 5 (Abb.  4). 

Da  die  Darstellung  bei  Defrance2)  eine  sichere  Feststellung  der  Art  nicht 
ermöglicht,  ist  dessen  Name  durch  Holzapfel  ersetzt  worden,  der  gute  Ab- 
bildungen der  von  ihm  beschriebenen  Stücke  gibt. 

Vorkommen: 

Unterturon:  Jicin  4 (Soukup)  ; 

Mittelturon:  Neuland  1,  Hirschberg  2,  Jicin  2,  3,  6,  29,  30,  31,  43,  44 

(alle  acht  Soukup); 

Oberturon  a ß : Hochwald  1 ; 

Oberturon  y:  Zatzsc’hke,  Kreibitz  3,  6,  10,  14; 

Ernscher:  Kreibitz  7,  12,  Oberkreibitzer  Talsperre  5,  9,  Priesen  (Land- 

wirtsch.  Hochschule  Tetschen-Liebwerd,  Mus.  Aussig  u.  Prag), 
Großhartmannsdorf  Löw.  (Geol.  Landesmus.). 

Außerdem  im  Untersenon  von  Aachen  (Grünsand). 

Gervillia  ovalis  Fiuc 
Taf.  1,  Fig.  11,  12,  13 

1897  Gervillia  ovalis  FriC,  S.  66,  Abb.  85. 

1912 — 13  Perna  zimmermanni  Scupin,  S.  214,  Taf.  12,  Fig.  17. 

2)  1820..  18,  S.  503;  1824,  3 2,  9.  316,  Taf.  86,  Fig,  6. 


94 


Abh.  preuß.  geol.  L.-A.,  Neue  Folge,  Heft  159 


Die  Muschel  ist  flach  zusammengedrückt,  stark  ungleichseitig,  nach  hinten 
schmal  zungenförmig  verlängert.  Der  Unterschied  beider  Klappen  in  der 
Wölbung  ist  verschwindend  gering.  Die  Schale  fällt  zum  Ober-  und  Unter- 
rande allmählich  und  gleichmäßig  ab.  Der  den  schmalen  Flügel  bildende 
Oberrand  ist  gerade.  An  ihn  stößt  im  rechten  bis  wenig  spitzen  Winkel  der 
kurze,  mit  Bj'ssusausschnitt  versehene  Vorderrand.  Ober-  und  Unterrand  ver- 
laufen in  der  Schalenverlängerung  ungefähr  parallel,  gegen  den  Hinterrand 
sich  meist  einander  ein  wenig  nähernd.  Der  Hinterrand  bildet  einen  engen 
spitzen  Bogen  oder  ist  schwach  abgestutzt.  Nach  vorliegenden  Hohlabdrücken 
ist  der  Flügel  schwach  abgesetzt.  Entlang  des  Schloßrandes  verlaufen  drei 
bis  vier  ungleich  große  schräge  Ligamentgruben.  Zwischen  diesen  befinden 
sich,  wie  einige  Steinkerne  andeuten,  horizontale  Querrippen  und  Furchen 
ähnlich  wie  bei  Gervillia  elongata . Unter  dem  Wirbel  liegen  an  der  vorderen 
Spitze  einige  kurze,  nach  vorn  gerichtete  Schloßzähne.  Die  blättrige  Schale 
zeigt  vom  Wirbel  bis  gegen  die  Mitte  annähernd  regelmäßige  schmale 
konzentrische  Falten  mit  breiteren  Zwischenräumen  (Taf.  1,  Fig.  13).  Gegen 
den  Hinterrand  werden  sie  unregelmäßiger  und  verlieren  sich  schließlich 
gänzlich.  Außerdem  ist  die  Schale  mit  einer  Menge  unregelmäßiger  Linien 
bedeckt. 


M.iße : 

1 

2 

3 

4 

5 

Länge  vom  Wirbel  zum  Hinterrande: 
Senkrechte  Höhe  zum  Hinterrand  des  Flügels: 

mm 

45 

25 

mm 

41 

19 

mm 

37 

17 

mm 

35 

20 

mm 

31 

15 

Fundort:  E E.-St.  Tannendorf  1. 

Perna  acuminata  Zittel  1866,  2,  S.  16,  Taf.  13,  Fig.  3 a— e,  unterscheidet 
sich  durch  die  größere  Breite  des  hinteren  Schalenteiles.  Perna  zimmermanni 
S cupin  besitzt  nach  der  Schilderung  des  Autors  fünf  bis  sechs  Ligamentgruben. 
Ein  von  mir  im  Emscher  von  Gehnsdorf  bei  Lüvvenberg  gesammeltes  Stück 
weist  jedoch  auch  nur  drei  Ligamentgruben  auf,  so  daß  an  der  Überein- 
stimmung der  Stücke  mit  den  unseren  kein  Zweifel  ist.  Aus  der  Löwenberger 
Kreide  liegt  ferner  eine  Anzahl  Exemplare  im  Geologischen  Landesmuseum. 
Nach  der  Anordnung  und  Form  der  Ligamentgruben,  die  der  bei  Gervillia 
elongata  usw.  ähnlich  sind,  möchte  ich  die  von  Fric  angewandte  Gattungs- 
bezeichnung Gervillia  beibehalten. 

Vorkommen: 

Oberturon  y:  Böhm.  Kamnitz  1 ?,  Kreibitz  3; 

Emscher:  E.-St.  Tannendorf  1 (25  Stück),  Kreibitz  4,  6,  Böhm.  Kamnitz 

14,  Chlomek  (Mus.  Prag),  Kieslingswalde  (selbst  gesammelt), 
Neuwarthau  Löw.  2,  3 (Geol.  Landesmus.),  Gehnsdorf  Löw.  1 
(selbst  gesammelt),  Hohlstein  Löw.  (Geol.  Landesmus.),  Groß- 
hartmannsdorf Löw.  (Geol.  Landesmus.) ; 

Untersenon:  Sirgwitz  Löw.  (Geol.  Landesinus.),  Wenig  Rackwitz  Löw.  1 

(Realgymn.  Löwenberg,  Geol.  Landesmus.). 

Gervillia  kieslinrjswaldensis  Sturm  sp. 

Taf.  1,  Fig.  14,  15 

1843  Gervillia  anomala  Geinitz,  4,  S.  15,  Taf.  3,  Fig.  8. 

1863  Avicula  triloba  Drescher,  S.  352. 


Pal ä ontologischer  Teil 


95 


1891  Avicula  triloba  Langenhan  & Grundey,  Taf.  3,  Fig.  23. 

1897  Avicula  triloba  Fric,  S.  64,  Fig.  32. 

1901  Avicula  kieslingswaldensis  Sturm,  S.  89,  Tal.  9,  Fig.  3. 

1912 — 13  Avicula  kieslingswaldensis  Scupin,  S.  218,  Taf.  12/  Fig.  8. 

Die  Muschel  ist  fünfseitig  im  Umriß  und  stark  ungleichklappig.  Die  linke 
Klappe  ist  gewölbt,  die  rechte  flach.  Vorn  ist  ein  kurzer,  hinten  ein  langer 
breiter  Flügel  vorhanden.  Ohne  Flügel  stellt  die  linke  Klappe  ein  hohes 
spitzes  Dreieck  dar.  Es  wird  gebildet  durch  zwei  vom  Wirbel  nach  vorn 
unten  und  nach  der  Mitte  des  Hinterrandes  verlaufende  gerundete  wulst- 
artige Kanten.  Eine  dritte  ebensolche  Kante  zieht  zwischen  beiden  vom  Wirbel 
zum  hinteren  Unterrande.  Am  schärfsten  tritt  die  vordere  Kante  hervor.  Vor 
ihr  fällt  die  Schale  steil  zum  Vorderrande  ab.  Die  mittlere  Kante  ist  sehr 
schwach  und  an  Steinkernen  oft  kaum  wahrnehmbar.  Die  hintere,  ein  wenig 
schärfere  und  schwach  nach  innen  gebogene  Kante  bildet  die  Abgrenzung 
gegen  den  hinteren  Flügel.  Vorder-  und  Unterrand  ergeben  einen  ungleich- 
seitigen konvexen  Bogen.  Der  Unterrand  geht  in  einer  gerundeten  Kante  in 
den  schwach  einwärts  gebogenen  Hinterrand  über.  An  ihn  schließt  sich  der 
ausgeschweifte  Hinterrand  des  breiten  Flügels.  Der  Oberrand  bildet  eine 
gerade  Linie.  Der  hintere  Flügel  legt  sich  als  breite,  fast  ebene  Dreiecks- 
fläche an  die  hintere  Kante.  Der  dreieckige  Vorderflügel  ist  sehr  schmal 
und  kurz  und  verläuft  allmählich  in  den  steil  abfallenden  Vorderrand.  Die 
rechte  Klappe,  von  der  nur  Bruchstücke  vorliegen,  bildet  eine  von  geringen 
Unebenheiten  durchwellte  Fläche. 

Der  spitze,  kaum  über  den  Schloßrand  hervorragende  Wirbel  liegt  ganz 
am  vorderen  Ende  der  Muschel.  Infolgedessen  ist  diese  auch  stark  ungleich- 
seitig. Der  lange  Schloßrand  zeigt  sechs  Bandgruben.  Unter  dem  Wirbel 
schmal  und  senkrecht,  werden  sie  nach  hinten  zu  breiter,  kürzer  und  schiefer. 
Die  Verzierung  der  Schale  besteht  nach  Hohlabdrücken  und  Schalenbruch- 
stücken aus  ganz  feinen,  kaum  sichtbaren  Radiallinien  (Taf.  1,  Fig.  14),  die 
jedoch  auf  den  Flügeln  zu  fehlen  scheinen.  Auf  dem  steil  abfallenden  vorderen 
Schalenteile  gewahrt  man  außerdem  eine  Anzahl  undeutlicher  Radialrippen. 
Radiallinien  und  -Rippen  werden  von  unregelmäßigen  konzentrischen  Falten 
und  dichten  feinen  Linien  gekreuzt.  Die  Steinkerne  zeigen  nur  verschwommene 
konzentrische  Falten. 


Maße: 

1 

2 

3 

4 5 

Länge  vom  Wirbel  nach 

hinten  unten: 

82  mm 

80  mm 

75  mm 

56  mm  45  mm 

Länge  des  Schloßrandes: 
Fundort : 

48  „ 

43  „ 

53  „ 

40  „ 24  „ 

1)  2)  3)  E E.-St.  Tannendorf  1,  4)  E Kreibitz  1,  5)  OT  aß  Waltersdorf,  2. 


Das  Original  zu  Fric,  Chlomeker  Schichten,  von  E Tannendorf  1,  konnte 
im  Museum  zu  Prag  verglichen  und  die  Übereinstimmung  mit  unseren  Stücken 
festgestellt  werden.  Auch  von  Chlomek  ist  daselbst  ein  hierzu  gehöriges  Stück 
vorhanden.  Mit  dem  im  Museum  zu  Dresden  befindlichen  Original  zu  Sturm, 
Kieslingswalde,  stimmen  unsere  Stücke  ebenfalls  überein;  auch  habe  ich  selbst 
in  Kieslingswalde  einige  gesammelt.  Leider  zeigen  sie  den  Schloßapparat 


96 


Abh.  preuß.  gteol.  L.-A.,  Neue  Folge,  Heft  159 


nicht,  so  daß  die  Art  bisher  als  eine  Avicula  gedeutet  wurde.  Einige  Stein- 
kerne  meiner  Sammlung  geben  die  Bandgrubenreihe  gut  wieder,  wodurch  die 
bereits  von  Geinitz  angewandte  Bezeichnung  Gervillia  gerechtfertigt  ist. 
Auch  hat  man.  die  Schalenverzierung  bisher  noch  nicht  richtig  festzustellen 
vermocht.  Geinitz  „Kieslingswalde“  sagt,  daß  die  Längslinien  meistens  fehlen. 
Darunter  scheint  er  wohl  die  kräftigen  Längslinien  der  Avicula  anomala  Sow. 
zu  verstehen.  Während  Brauns  1875,  S.  377  vom  Salzberg  nur  eine  kleine, 
als  Gervillia  triloba  bezeichnete  Form  erwähnt,  habe  ich  an  dieser  Stelle 
einige  Bruchstücke  von  Exemplaren  in  der  Größe  von  1—3  (vgl.  oben  Maße) 
gesammelt,  die  wohl  unzweifelhaft  hierher  gehören.  Nachdem  unsere  Art 
somit  am  nördlichen  Harzrande  festgestellt  ist,  ist  es  auch  nicht  ausgeschlossen 
daß  die  von  A.  Roemer  1841,  S.  64,  Taf.  8,  Fig.  13,  von  Blankenburg  be- 
schriebene Gervillia  triloba  dasselbe  darstellt.  Ein  sicherer  Vergleich  ist 
nicht  möglich. 

Auch  die  von  Drescher  und  Scupin  aus  der  Löwenberger  Kreide  dar- 
gestellten Stücke  gehören  hierher.  Ich  besitze  selbst  einen  Steinkern  von 
Neuwarthau.  Avicula  anomala  Sow. 3)  und  die  ebenso  benannten  Formen  aus 
dem  sächsischen  und  böhmischen  Cenoman  und  den  Labiatusschichten  zeigen 
nach  den  Abbildungen  eine  viel  schärfere,  über  die  ganze  Oberfläche  verteilte 
Radialskulptur  als  unsere  Art. 

Vorkommen: 

Unterturon : Jidn  4,  7 (beide  Soukup)  ; 

Mittelturon:  Jicin  2,  8,  41,  42,  43,  48,  51  (alle  sieben  Soukup),  29,  36, 

38,  Löwenberg  2 (Geol.  Landesmus.),  Ludwigsdorf  Löw.  2 
(Geol.  Landesmus.),  Heuscheuer  1; 

Oberturon  aß:  Hochwald  8,  Großmergthal  3,  Niederlcreibitz  1,  Waltersdorf  2 ; 
Oberturon  y:  Kreibitz  11  (Samml.  Humboldtver.  Ebersbach); 

Emscher:  E,-St.  Tannendorf  1,  Oberkreibitzer  Talsperre  5,  Kreibitz  1, 

6,  24,  E.-St.  Neuhütte  2,  3,  Hermsdorf  9,  Chlomek  (Mus.  Prag), 
Neuwarthau  Löw.  2 (selbst  gesammelt,  Geol.  Landesmus.,  Real- 
gymn.  Löwenberg),  Neuwarthau  Löw.  4 (Geol.  Landesmus.), 
Gehnsdorf  Löw.  1,  Kieslingswalde,  Salzberg  bei  Quedlinburg; 
Untersenon:  Wenig  Rackwitz  Löw.  1 (Realgvmn.  Löwenberg). 

Ferna  Bkug. 

Ferna  cretacea  Reess 
Taf.  2,  Fig.  1;  Abb.  5 

1846  Perna  cretacea  Reuss,  2,  S.  24,  Taf.  32,  Fig.  18 — 20;  Taf.  33,  Fig.  1. 

1877  Perna  cretacea  FriC,  S.  129,  Abb.  110. 

? 1912 — 13  Perna  cretacea  Scupin,  S.  215,  Taf.  12,  Fig.  9. 

Von  der  Gattung  Perna  liegen  mehrere  Hohlabdrücke  und  Steinkerne, 
meist  unvollständig,  vor. 

Die  flach  zusammengedrückte  Muschel  hat  einen  halbmondförmigen  Um- 
riß mit  stark  konvexem  vorderen  und  stark  konkavem  hinteren  Rande.  Der 
kleine  flache  Wirbel  liegt  fast  am  vorderen  Schalenende.  Unter  dem  Wirbel 
ist  eine  kurze  Einbuchtung  vorhanden.  Der  lange  gerade  Schloßrand  ist  mit 

3)  Woods,  2,  S.  64,  Taf.  9,  Fig.  2,  3,  4. 


Paläontologiscber  Teil 


97 


elf  2—4  mm  breiten  und  verschieden  weit  voneinander  entfernten  senkrechten 
Bandgruben  besetzt.  Die  Bandgruben  haben  eine  Länge  von  6—9  mm.  Die 
Schalenverzierung  besteht  aus  schwachen  konzentrischen  Linien.  Entlang  des 
Vorder-  und  Hinterrandes  treten  einige  kräftige  Anwachsstreifen  hervor. 
Die  blättrige  Schale  ist  flach  gewölbt  und  geht  allmählich  in  die  flügelförmige 
Verlängerung  über. 

Maße: 


Höhe  der  Schale: 

Länge  des  Schloßrandes: 


71  mm  1 
63  mm  J 


Fundort:  E Oberkreibitzer  Talsperre  9 


Der  Schloßrand  bildet  mit  der  Längsachse  der  Schale  einen  Winkel 
von  etwa  45°. 


Abb.  5.  Verna  crelacea  ItiiüSB,  linke  Klappe,  Stein  kern. 

Emscher,  Oberkreibitzer  Talsperre  9.  Orig.  Geol.  Landesmus.  (A  No.  27.) 


Vorkommen: 


Mittelturon : 
Oberturon  7: 
Emscher : 


Lntersenon  : 


Jicin  29 ; 

Kreibitz  4,  6,  11,  14; 

E.-St.  Neuhütte  5,  Oberkreibitzer  Talsperre  9,  Hohlstein  Löw. 
(Geol.  Landesmus.,  Realgymn.  Löwenberg),  Großhartmannsdorf 
Löw.  häufig  (Geol.  Landesmus.),  Neuwarthau  Löw.  1,  4 (Geol. 
Landesmus.) ; 

Wenig  Rackwitz  Löw.  1 (Geol.  Landesmus.). 


Nach  Eric  und  Reuss  hinab  bis  ins  Cenoman. 


Inocerainus  Sow. 

Die  Inoceramen  des  Kreibitz-Zittauer  Sandsteingebirges  wurden  bereits 
in  der  Festschrift  des  Humboldtvereins  zu  Ebersbach  vom  Jahre  1911  einer 
Bearbeitung  unterzogen.  Von  den  bisher  unbekannten  oder  falsch  gedeuteten 

Aüdert  7 


98  Abh.  prcuß.  ;geol.  L.-A.,  Neue  Folge,  lieft  159 

Formen  konnte  die  Übereinstimmung  einer  Anzahl  mit  Arten  anderer  Kreide- 
gebiete festgestellt  werden.  Die  übrigen  wurden  mit  neuen  Namen  belegt 
und  insgesamt  21  Arten  aufgezählt.  Wenn  die  Artenzahl  auch  etwas  groß 
erscheinen  mag,  so  bestand  die  Hauptaufgabe  jener  Arbeit  darin,  die  vor- 
handenen eigenartigen  Formen  für  weitere  stratigraphische  und  Vergleichs- 
studien so  gut  wie  möglich  darzustellen.  Seitdem  ist  mehrfach  weitere  Klärung 
erfolgt.  Besonders  durch  die  Arbeit  von  Woods  hat  die  Inoceramenliteratur 
eine  wertvolle  Bereicherung  erfahren.  Der  Autor  hat  u.  a.  die  alten  englischen 
Originale  und  ihre  zahlreichen  Mißdeutungen  einer  eingehenden  Nachprüfung 
unterzogen.  Dabei  haben  auch  stratigraphisch  wichtige  Inoceramen,  die  in 
der  Literatur  unzählige  Mal  verwandt  worden  sind,  neue  Benennungen  über 
sich  ergehen  lassen  müssen.  Das  Vorrecht  der  Priorität  ist  zweifellos 
unangebracht,  wenn  mangelhaft  dargestellte  Fossilien  oder  deren  Bruchstücke 
jahrzehntelang  irrtümliche  Auffassungen  der  Arten  veranlaßt  haben  und, 
endlich  richtiggestellt,  auf  Grund  des  Prioritätsrechts  beanspruchen,  in  ihre 
Erstgeburtswürde  wieder  voll  eingesetzt  zu  werden.  Es  wäre  zu  begrüßen, 
wenn  von  einem  praktischeren  Gesichtspunkte  aus  vorgegangen  würde.  Woods 
hat  möglichst  große  Gruppen  von  Inoceramen  in  eine  Art  zusammengefaßt. 
Die  sehr  schwierige  Bearbeitung  unserer  Gattung  ist  auf  diese  Weise,  jedoch 
zum  Nachteile  der  Stratigraphie,  sehr  erleichtert  worden.  Diese  kann  die 
Inoceramen  für  die  Altersbestimmung  der  Kreideschichten  schwer  missen, 
so  daß  dort,  wo  gute  Unterscheidungsmerkmale  vorhanden  sind,  auch  innerhalb 
der  WooDs’schen  Zusammenfassungen  eine  engere  Abgrenzung  der  Arten  und 
Varietäten  durchgeführt  werden  muß. 

Im  Centralblatt  1913,  S.  278  ff.  habe  ich  hierzu  bereits  Stellung  ge- 
rummen und  einen  Teil  der  in  der  Gruppe  des  Inocercimus  inconstans  Woods 
vereinigten  Formen  einer  Sichtung  unterzogen.  Fiege  1930  beschäftigt  sich 
ebenfalls  eingehend  mit  einigen  Arten  aus  dieser  Gruppe,  scheint  aber,  da 
er  von  mir  bereits  beseitigte  Irrtümer  wieder  übernommen  hat,  meine  damalige 
Arbeit  nicht  gekannt  zu  haben.  Die  von  ihm  vorgenommene  Aufteilung  meiner 
unter  Inocercimus  inconstans  em.  Ändert  aufgeführten  Arten  in  Varietäten  ist 
unhaltbar,  da  die  Unterschiede  nicht  scharf  genug  und  Übergänge  nach  allen 
Seiten  vorhanden  sind. 

Für  die  übrigen,  aus  dem  Arbeitsgebiet  vorliegenden  Inoceramen  wurden 
auf  Grund  der  WooDs’schen  Arbeit  ebenfalls  neue  Gesichtspunkte  gefunden, 
die  in  der  nachfolgenden  Bearbeitung  berücksichtigt  wurden. 

Ferner  sei  auf  die  neuen  Arbeiten  von  Heinz  (Heinz,  R.,  1926,  1928  a, 
b,  c,  d,  e,  f,  g,  h)  hingewiesen.  Er  hat  es  unternommen,  für  die  Inoceramen- 
skulptur  eigene  Bezeichnungen  anzuwenden.  Im  Nachstehenden  habe  ich  ver- 
sucht, ihm  zu  folgen,  soweit  dies  bei  Steinkernen  möglich  ist.  Es  wurden  nur 
die  einfachsten  Bezeichnungen  von  Heinz  verwandt.  Fast  überall  ist  „An- 
wachsring“ und  nicht  „Anwachsstreifen“  gesetzt,  da  diese  kleinsten  Bänder 
fast  stets  ein  von  zwei  kleinen  Furchen  abgegrenztes  ringleinartiges  Band 
bilden. 

Heine,»  der  vor  kurzem  eine  ausgezeichnete  Arbeit  über  die  Inoceramen 
des  Emschers  und  Untersenons  geliefert  hat,  lehnt  die  Bezeichnungsweise 
nach  Heinz,  da  für  Steinkerne  untauglich,  ab.  Neben  vorzüglicher  Schilderung 


Paläontologisclier  Teil 


99 


der  Arten  ist  es  besonders  die  scharfe,  durch  Belege  nachgevviesene  Ab- 
grenzung zwischen  Emscher  und  Untersenon  und  deren  Unterteilung,  wodurch 
Heine  mit  der  deutschen  Kreidestratigraphie  wieder  den  Anschluß  an  andere 
Kreidegebiete  Europas  gefunden  hat,  nachdem  Heinz  durch  ein  neues  Normal- 
profil versucht  hatte,  die  bisherigen  Grenzen  zu  verschieben.  Von  besonderer 
Wichtigkeit  ist  auch  die  Feststellung  von  Heine,  daß  der  Emscher  in  West- 
falen eine  Mächtigkeit  von  2-00—220  m und  zwar  als  Mergel  ausgebildet 
besitzt.  Diese  Mächtigkeit  entspricht  auch  etwa  der  bei  uns  festgestellten, 
die  wir  im  Durchschnitt  mit  rund  250  m annehmen  müssen.  Nach  Heine 
stimmen  mit  den  Inoceramen  des  westfälischen  Emschers  folgende  aus  unserem 
Emschergebiete  überein  (unterer  Emscher):  1 

Inoceramus  kleini  G.  Müller, 

Inoceramus  percostatus  G.  Müller, 

Inoceramus  sturmi  Ändert, 

Inoceramus  koeneni  G.  Müller. 

Von  einem  Teile  der  bereits  früher  behandelten  Arten  konnte  neues 
Material  erlangt  werden;  im  übrigen  wurden  die  alten  Originale  wieder 
herangezogen.  Von  besonderer  Wichtigkeit  ist  das  Auffinden  eines  guten 
Vertreters  der  Involutusgruppe,  des  echten  Inoceramus  koeneni.  Nach  der 
Einteilung  von  Woods  wurden  zunächst  die  Arten  aus  der  Gruppe  des 
Inoceramus  inconstans  abgetrennt;  die  übrigen  Arten  wurden  nach  dem  Vor- 
handensein oder  Fehlen  der  Anwac'hskämme,  eines  guten  Unterscheidungs- 
mittels, in  zwei  Gruppen  geteilt.  Die  Arten  aus  dem  Mittel-  und  Unterturon 
sind  besonders  aufgeführt. 

Emscher  und  Oberturon 
Gruppe  des  Inoceramus  inconstans  W oods 

Inoceramus  inconstans  einend.  Ändert, 

Inoceramus  inconstans  var.  planus  Elbeiit, 

Inoceramus  schloenbachi  J.  Böiim, 

Inoceramus  schloenbachi  var.  cripsioides  Elbert, 
Inoceramus  crassus  Petrascheck, 

Inoceramus  weisei  Ändert, 

Inoceramus  waltersdorfensis  Ändert. 

Ohne  das  scharfe  Umbiegen  der  Schale  im  späteren  Wachstum  schließt 
sich  als  entfernteres  Glied  dieser  Reihe  an: 

Inoceramus  protr actus  Sei  pi n. 

Inoceramen  mit  Anwachskämmen 

Inoceramus  kleini  G.  Müller, 

Inoceramus  koegleri  Ändert, 

Inoceramus  subpercostatus  Ändert, 

Inoceramus  percostatus  G.  Müller, 

Inoceramus  frechi  Flegel, 

Inoceramus  glatziae  Flegel, 

Inoceramus  subquadratus  Schlüter? 


100 


Abh.  preuß.  gieol.  L.-A.,  Neue  Folge,  Heft  159 


Sonstige  Arten 

Inoceramus  sturmi  Ändert, 

Inoceramus  schroederi  G.  Müller  ?, 

Inoceramus  lusatiae  Ändert, 

Inoceramus  dachslochensis  Ändert, 

Inoceramus  winkhol dioides  Ändert, 

Inoceramus  wandereri  Ändert, 

Inoceramus  koeneni  G.  Müller. 

Mittel-  und  Unterturon 

Inoceramus  costellatus  Woods, 

Inoceramus  lamarcki  Park,  var., 

Inoceramus  labiatus  Schloth., 

Inoceramus  hercpnicus  Petrascheck. 

In  den  Tabellen  S.  138  ff.  sind  die  ausgeprägtesten  Unterscheidungsmerk- 
male der  hier  auftretenden  Inoceramen  einander  gegenübergestellt.  Dabei  ist 
zu  berücksichtigen,  daß  die  Inoceramen  des  Gebietes  innerhalb  der  Arten 
mehr  oder  weniger  variieren  und  deren  scharfe  Umgrenzung  in  Tabellenform 
nur  ganz  allgemein  durchgeführt  werden  kann. 

Gegenüber  der  Festschriftarbeit  1911  mußten  verschiedene  Abänderungen 
in  der  Bezeichnung  der  Arten  erfolgen.  Die  für  uns  wichtige  Gruppe  des 
Inoceramus  inconstans  ist  bereits  eingehend  im  Centralblatt  behandelt  worden. 
Die  aus  unserem  Gebiet  als  Inoceramus  sturmi  bezeichneten  Stücke  sind  mit 
Ausnahme  einiger  weniger  zu  Inoceramus  wallersdorfensis  gestellt  und  Ino- 
ceramus sturmi  ist  nur  für  die  Kieslingswalder  Form  und  für  einige  Exemplare 
aus  der  Löwenberger  Kreide  beibehalten  worden.  Inoceramus  cf.  koeneni  wurde 
mit  Inoceramus  wandereri  vereinigt.  Dafür  ist  aber  der  echte  Inoceramus 
koeneni  in  mehreren  Exemplaren  aufgefunden  worden.  Neu  hinzu  sind  ferner 
gekommen : 

Inoceramus  schroederi  (?),  zwei  mittelturone  und  zwei  unterturone  Formen. 
Reicheres  Material  von  den  selteneren  Arten  wird  auch  über  diese  in  Zukunft 
noch  manches  Neue  bringen. 

Die  Versteinerungen  des  Sonnenberges  bei  Waltersdorf,  OT  aß  Walters- 
dorf 2,  enthalten  außer  den  Inoceramen  wenige  für  die  Altersbestimmung 
wertvolle  Formen.  Da  bei  Waltersdorf  weder  das  Hangende  noch  das  Liegende 
dieser  Schichten  nachzuweisen  ist,  blieb  nur  der  Rückschluß  auf  die  Friedrichs- 
grunder  Lehne  an  der  Heuscheuer,  die  dieselben  Inoceramen  enthält.  Im 
Sommer  1929  konnte  ich  an  der  Friedrichsgrunder  Lehne  an  Ort  und  Stelle 
einwandfrei  feststellen,  daß  diese  Sandsteine  keinesfalls,  wie  bisher  an- 
genommen, dem  Emscher,  sondern  dem  Oberturon  a ß angehören.  Die  unter 
den  Sandsteinen  lagernden  Schichten  enthalten  die  charakteristische  Mittel- 
turonfauna. 

Unabhängig  hiervon  hat  Heinz  1929  auf  Grund  der  Inoceramen  diese 
Schichten  ebenfalls  in  das  Oberturon  gestellt  und  die  meisten  Inoceramen 
neu  benannt.  Die  Umbenennung  muß  jedoch  abgelehnt  werden,  wie  folgender 
Gegenüberstellung  ergibt : 


Paläontologischer  Teil 


101 


Ändert 

1.  Inoceramus  glatziae  Flegel 

2.  Inoceramus  frechi  Flegel 

3.  Inoceramus  lusatiae  Ändert 

4.  Inoceramus  sturmi  Ändert 

5.  Inoceramus  protractus  Scup. 

6.  Inoceramus  waltersdorfensis  Adt. 

7.  Inoceramus  subquadratus  Schlüter 


Heinz 

? zu  Inoceramus  transilvanicus  Sim. 
1 Inoceramus  stillei  Heinz 
l Inoceramus  stillei  var.  scupini  Heinz 
Taf.  8,  Fig.  5 = Inoceramus  annulatus 
Goldf. 

Inoceramus  sturmi  Ändert 
Inoceramus  globosus  Sim. 

Inoceramus  transilvanicus  Sim.  und 
fällt  wahrscheinlich  in  die  Synonymie 
der  Varietät  inconstans  Woods 
Inoceramus  striato-concentricus  Gümb. 
var.  carpathica  Sim. 


Zu  1.:  Umbenennung  nicht  zu  empfehlen  (vgl.  Inoceramus  glatziae  S.  122). 

Zu  2. : Inoceramus  frechi  vom  Sonnenberge,  von  der  Heuscheuer  und  von 
Hockenau  ist  ein  und  dieselbe  Art  und  hat  diese  Bezeichnung  zu 
führen  (vgl.  Inoceramus  frechi  S.  121). 

Zu  3. : Inoceramus  lusatiae:  Die  Umbenennung  ist  falsch  (vgl.  Inoceramus 
lusatiae  S.  128). 

Zu  4. : Inoceramus  sturmi:  Neuerdings  konnte  ich  feststellen,  daß  die  Exem- 
plare vom  Sonnenberge  nicht  zu  dem  Kieslingswalder  Inoceramus 
sturmi,  sondern  zu  Inoceramus  glatziae  gehören. 

Zu  5. : Inoceramus  protractus:  Vereinigung  mit  Inoceramus  globosus  ist  bei 
dem  geringen  Material  auf  beiden  Seiten  sehr  gewagt  (vgl.  Inoceramus 
protractus  S.  114). 

Zu  6. : Inoceramus  waltersdorfensis:  Die  beiden  Abbildungen  des  Inoceramus 
transilvanicus  genügen  nicht,  um  die  Identität  mit  unserer  viel- 
gestaltigen Form  nachzuweisen.  In  die  Synonymie  des  Inoceramus 
inconstans  Woods  ist  die  Art  bereits  von  mir  1913  gestellt  worden 
vgl.  Inoceramus  waltersdorfensis  S.  114). 

Zu  7. : Inoceramus  subquadratus:  Das  beste  Stück  ist  zerbrochen  und  könnte 
eventuell  breit  gedrückt  sein.  Dann  ist  es  aber  nur  der  im  gleichen 
Niveau  vorkommende  Inoceramus  frechi  und  keine  andere  Art  (vgl. 
Inoceramus  subquadratus  S.  124). 

Heinz,  sagt,  daß  auf  Grund  von  Inoceramus  frechi  und  subquadratus  die 
ganze,  aus  Sandstein  bestehende  Schichtenfolge  von  mir  in  den  Emscher  gestellt 
wird.  Dies  trifft  nicht  zu. 

Über  die  Sonnenbergschichten  fehlte  vor  1911  jeder  Vergleich.  Als  ich 
Anfang  1911  kurz  vor  Abschluß  meiner  Inoceramenarbeit  an  das  Geologische 
Institut  der  Universität  Breslau  kam,  fand  ich  von  der  Friedrichsgrunder 
Lehne  an  der  Heuscheuer  fast  alle  Formen  wieder,  die  ich  am  Sonnenberge 
gesammelt  hatte,  und  zwar  Inoceramus  frechi,  glatziae,  lusatiae  und  sturmi. 
Inoceramus  sturmi  vom  Sonnenberge  und  von  der  Heuscheuer  hat  sich  später 
(siehe  gegenwärtige  Arbeit)  als  Inoceramus  waltersdorfensis  entpuppt.  Es 
ist  also  fast  die  ganze  Inoceramenfauna  an  beiden  Stellen  die  gleiche,  während 


102 


Äbh.  preuß.  gieol.  L.-A.,  Neue  rolge,  lieft  159 


andere  Leitfossilien  vollständig  fehlen.  Nachdem  die  Sandsteine  der  Heu- 
scheuer  ganz  allgemein  bisher  in  den  Emscher  gestellt  wurden,  blieb  mir 
nichts  anderes  übrig  als  die  an  unzweifelhafte  Emscherschichten  angrenzende 
Waltersdorfer  Scholle  auch  in  den  Emscher  zu  stellen  (vgl.  Ändert  1933  b 
S.  234,  235). 

Inoceraraen  des  Emschers  und  0 b e r t n r o n s 
Inoceramus  in consta ns  Woods  einend.  Ändert 
Taf.  2,  Fig.  2 a,  b,  3,  4,  5 a,  b,  6,  7;  Taf.  3,  Fig.  1;  Abb.  6,  7a,  b,  e 

1075  Inoceramus  brongniarii  Geinitz,  2,  Taf.  11,  Fig.  6. 

1875  Inoceramus  strialus  Geinitz,  2,  Taf.  13,  Fig.  2?,  9?. 

1875  Inoceramus  cuvieri  Geinitz,  2,  Taf.  13,  Fig.  6,  7. 

1889  Inoceramus  cripsi  Fric,  S.  82,  Abb.  73. 

1893  Inoceramus  latus  FriC,  S.  99  zum  Teil. 

1901  Inoceramus  latus  Sturm,  Taf.  10,  Fig.  2. 

1903  Inoceramus  latus  Petras  check,  53,  S.  165  zum  Teil. 

1911  Inoceramus  latus  Ändert.  S.  43  (11),  Taf.  4,  Fig.  4. 

1911  Inoceramus  cuvieri  var.  planus  Ändert,  S.  45  (13)  zum  Teil,  Taf.  1, 

Fig.  5. 

1912—13  Inoceramus  latus  Scupin,  S.  204,  Taf.  11,  Fig.  5,  6 (ausschl.  Syn.). 

1904 — 13  Inoceramus  inconstans  Woods,  2,  S.  285  zum  Teil,  Abb.  39  (S.  288, 
Anm.  1),  Abb.  43,  46;  Taf.  51,  Fig.  2. 

1904 — 13  Inoceramus  inconstans  var.  striatus  Woods,  2,  Taf.  52,  Fig.  1. 

1913  Inoceramus  inconstans  Ändert,  S.  282. 

1930  Inoceramus  latus  Fiege,  S.  37  z.  Teil,  Taf.  5,  Fig.  12,  13,  14,  15. 

1930  Inoceramus  inconstans  inconstans  Fiege,  S.  38,  Taf.  5,  Fig.  16,  17; 

Taf.  6,  Fig.  18,  19. 

1930  Inoceramus  inconstans  i voodsi  Fiege,  S.  39,  Taf.  6,  Fig.  20 — 24. 

1930  Inoceramus  inconstans  rolundatus  Fiege,  S.  42,  Taf.  7,  Fig.  32;  Taf.  8, 

Fig.  31,  33. 

Die  Muschel  ist  wenig  ungleichklappig.  Im  ersten  Wachstumsalter  ist 
die  Schale  schwach  gewölbt  oder  fast  flach.  Spater  biegt  sie  stumpfwinkelig 
nach  innen  um  und  wächst  in  der  neuen  Richtung  weiter,  so  daß  ältere 
Stücke  aufgebläht  erscheinen  (Abb.  6).  Mit  seltenen  Ausnahmen  ist  der 
erste  Wachstumsabschnitt  bedeutend  größer  als  der  spätere.  Das  Umbiegen 
der  Schale  ist  allen  der  Gruppe  des  Inoceramus  inconstans  Woods  an- 
gehörenden Formen  mehr  oder  weniger  eigen.  In  Mergeln  oder  Tonen  sind 
jedoch  die  Stücke  fast  immer  flach  gedrückt,  und  das  Umbiegen  ist  schwer 
nachzuweisen  (Taf.  2,  Fig.  4,  Abb.  7 a—  c).  Andere  Stücke  sind  an  der  Biege- 
stelle abgebrochen. 

Der  Umriß  unserer  Art  ist  fünfseitig  kreisförmig.  Vorder-,  Unter-  und 
Hinterrand  bilden  einen  mehr  oder  weniger  nach  hinten  verschobenen  Bogen, 
der  vorn  und  hinten  flacher,  unten  spitzer  zugerundet  ist.  Der  Schloßrand  4) 
ist  lang  und  gerade  und  bildet  mit  dem  zuerst  ebenfalls  fast  gerade  ver- 
laufenden Vorderrande  einen  stumpfen  Winkel.  Der  spitze,  den  Schloßrand 
wenig  überragende,  gering  hervortretende  kleine  Wirbel  liegt  am  vorderen 

4)  Bei  den  Iaoceramen  ist  das  Schloß  nur  ein  Ligamentapparat. 


Paläontologischer  Teil 


103 


Schalenende.  Infolgedessen  ist  die  Muschel  stark  ungleichseitig.  Bandgruben 
sind  selten  sichtbar.  Das  Original  zu  Taf.  1,  Fig.  5 in  Ändert  1911  zeigt 
13  kurze,  1 mm  breite  Bandgruben  mit  ebenso  breiten  Zwischenräumen.  Ein 
hinterer  Flügel  ist  gut  entwickelt,  jedoch  nicht  scharf  abgesetzt. 


Abb,  6.  Inoceramus  inconstans  Woods  ein.  Ändert,  Steiiikern 
Taf.  2,  Eig.  3,  von  vorn.  V; 


Abb.  7 a u.  b.  Inoceramus  inconstans  Woods  em.  Ändert,  flach  gedrückt 
a)  Sleinkern,  b)  Innenseite  der  Kalkschale.  Oberes  Mittelturon 
(klingender  Inoceramenpläner),  Hostin  1.  Orig.  Geol.  Landesmus.  (A  No.  30.) 

Die  Verzierung  der  Schale  besteht  in  flachen,  annähernd  regelmäßigen 
konzentrischen  Anwachswellen  und  scharf  gezeichneten  Anwachsringen  im 
ersten  Wachstumsstadium.  Exemplare,  an  denen  die  Anwachsringe  ausgerundet 
sind,  kommen  neben  solchen,  an  denen  die  Anwachsringe  mehr  oder  weniger 
eckig  umbiegen,  im  gleichen  Niveau  vor.  Zuweilen  fehlen  in  der  Nähe  des 
Wirbels  die  Wellen;  dann  treten  die  Anwachsringe  besonders  gut  hervor. 
Nach  dem  Umbiegen  der  Schale  nach  innen  werden  die  Anwachsringe  undeut- 
licher, die  W'ellen  unregelmäßiger  und  meist  schärfer,  so  daß  dieser  Teil 
ein  treppenartiges  Aussehen  erhält.  Selten  fehlen  auf  dem  umgebogenen 
Teile  die  Wellen  vollständig.  Unter  dem  Wirbel  und  auf  dem  Flügel  sind 
sie  ebenfalls  weniger  deutlich  ausgeprägt.  Die  Muschel  erreicht  ansehnliche 
Größe,  bis  15  cm  Höhe  (Robitz) ; doch  werden  von  den  größeren  Exemplaren 
fast  immer  nur  Bruchstücke  gefunden. 


104 


Abh.  preuß.  g'eol.  L.-A.,  Neue  Folge,  Heft  159 


MaPe:  12  3 

Länge:  45  mm  60  mm  90  mm 

Höhe:  50  H 65  „ 105  „ 

Länge  : Hohe  = 100:  111  108  117 

Fundort: 

1)  OT  aß  Khaa  3,  Ändert  1911,  Taf.  1,  Fig.  5;  2)  OT  r Kreibitz  14; 
3)  OT  a ß Hochwald  4. 


W/m  7c 

Abb.  7 c.  Inoceramus  inconstans  Woods  em.  Ändert,  flach  gedrückt,  Steinkern. 

Oberturon  7,  Zatzschke.  Orig.  G-eol.  Landesamt  Leipzig. 

Inoceramus  inconstans  ist  unter  dem  Namen  Inoceramus  latus  Mantell 
aus  deutschen  und  böhmischen  mergelig-tonigen  turonen  Ablagerungen  in  der 
Literatur  keine  Seltenheit.  Woods  hat  durch  Nachprüfung  der  Originale 
festgestellt,  daß  der  Name  latus  einer  anderen  Art  zukommt  und  die  deutsche 
Form  in  die  Gruppe  des  Inoceramus  inconstans  Woods  eingereiht.  Im  Central- 
blatt  1913  habe  ich  sodann  die  Herauslösung  der  für  unser  Gebiet  wichtigen 
Formen  versucht  und  für  die  hier  benannte  als  Grundform  der  Gruppe  den 
Namen  Inoceramus  inconstans  Woods  beibehalten.  Da  die  Art  durch  ihr  Vor- 
kommen in  vorwiegend  tonig-mergeligen  Schichten  meist  deformiert  ist,  konnte 
trotz  des  nicht  gerade  geringen  Materials  ein  klares  Bild  über  die  Zusammen- 
gehörigkeit oder  Trennung  in  mehrere  Arten  oder  Varietäten  noch  nicht  ge- 
wonnen werden.  Die  Eigenart  unserer  Stücke  ist  sehr  schön  durch  Abb.  39 
bei  Woods  wiedergegeben.  Die  Abbildungen  des  Inoceramus  cuvieri  von 


Paläontologischer  Teil 


105 


Strehlen  bei  Geinitz  1875,  2,  Taf.  13,  Fig.  6 und  7 sind,  wie  ein  Vergleich 
der  Originale  ergeben  hat,  hier  einzureihen.  Hingegen  besitzt  Fig.  8 scharfe 
Anwachskämme  und  gehört  zu  Inoceramus  costellatus  Woods.  Letzterer  Art 
gleichen  auch  die  Originale  zu  Inoceramus  latus  von  Strehlen  in  demselben 
Werke  Taf.  13,  Fig.  4,  5.  Inoceramus  striatus  Geinitz,  Taf.  13,  Fig.  9 ist 
im  Original  verdrückt  und  könnte  Inoceramus  inconstans  ergeben.  Heinz 
bezeichnet  es  als  Cremnoceramus  strehlensis  n.  g.  n.  sp.  Weiter  gehört  zu 
unserer  Art  Inoceramus  brongniarti  von  Strehlen  bei  Geinitz  Taf.  11,  Fig.  6. 
Inoceramus  cripsi  bei  Geinitz  Taf.  13,  Fig.  11,  12,  von  Brießnitz  und  Groß- 
cotta, die  ein  ähnliches  Aussehen  haben,  sind  bei  Inoceramus  hercvnicus 
Petrascheck  einzureihen.  Fric  vereinigt  in  Priesener  Schichten,  S.  99,  unter 
Inoceramus  latus  Mantell  flachwellige  Formen  des  Inoceramus  inconstans 
mit  solchen,  die  scharfe  Anwachskämme  besitzen  und  auf  Inoceramus  kleini 
G.  Müller  hinzeigen.  Die  von  Petrascheck  als  Inoceramus  latus  aus  unserem 
Gebiet  erwähnten  Stücke  ohne  scharfe  Anwachskämme  gehören  zu  Ino- 
ceramus inconstans.  Die  darunter  aufgeführten  Formen  mit  scharfen  Anwachs- 
kämmen sind  zu  Inoceramus  kleini  G.  Müller  zu  stellen. 

Inoceramus  latus  in  meiner  Arbeit  1911  bezieht  sich  ebenfalls  auf  die 
neue  Art  unter  Wegfall  der  jetzt  nicht  wieder  aufgeführten  Synonymen  wie 
Mantell  1822,  Taf.  27,  Fig.  10,  Sowerby  1837,  Taf.  582,  Fig.  1,  F.  Roemer 
und  Elbert.  Das  bei  F.  Roemer  1870,  S.  316,  Taf.  34,  Fig.  12  abgebildete 
Stück  scheint  dem  Inoceramus  labiatus  var.  latus  Sow.  anzugehören.  Bei  der 
Abbildung  von  Elbert  1901,  Taf.  3,  Fig.  4 reicht  die  Darstellung  für  die 
Bestimmung,  ob  zu  unserer  Art  gehörig,  nicht  aus. 

Liege  vereinigt  unter  Inoceramus  latus  Mant.  Formen  unserer  Art  wie 
auch  solche  des  echten  Inoceramus  latus  Mant.  aus  der  Gruppe  des  Ino- 
ceramus lamarcki.  Die  hier  wiederholten  Irrtümer  sind  von  mir  bereits  in 
meiner  Arbeit  1913  aufgeklärt  worden.  Ferner  gehören  zu  unserer  Art  die 
von  Liege  als  Inoceramus  inconstans  inconstans , Inoceramus  inconstans  woodsi 
und  Inoceramus  inconstans  rotundatus  bezeichneten  Exemplare.  Eine  Trennung 
der  genannten,  von  Fiege  besonders  aufgeführten  Formen  ist  in  der  Praxis, 
wo  man  meist  nur  verdrückte  Bruchstücke  vor  sich  hat,  unmöglich. 

Deshalb  halte  ich  auch  die  Aufteilung  der  Art  durch  Heinz  für  verfehlt 
und  unbrauchbar.  Heinz  spaltet  z.  B.  Inoceramus  inconstans  Woods  aus  den 
Tonmergeln  von  Zatzschke,  vollständig  zusammen-  und  breitgequetschte  Stein- 
kerne, in  sieben  Arten,  aus  den  benachbarten  Tonmergeln  von  Hinterjessen 
und  Birkwitz  in  weitere  acht  Arten,  zusammen  demnach  in  fünfzehn  Arten, 
während  man  bei  gewissenhafter  Durcharbeitung  des  Materials  kaum  mehr 
als  eine  einzige  Art  daraus  rekonstruieren  kann.  Düe  Exemplare  zeigen  alle 
ein-  und  denselben  Grundcharakter.  Für  die  teilweise  außerordentliche  Ver- 
änderung der  Inoceramen  durch  Deformierung  ist  dies  ein  charakteristisches 
Beispiel. 

Es  ist  mir  leider  nicht  möglich,  zu  den  zahlreichen  neuen  Bezeichnungen, 
die  Heinz  eingeführt  hat,  hier  Stellung  zu  nehmen,  da  Abbildungen  meist  noch 
fehlen  (Ändert  1933b,  S.  229—231;  1933c,  S.  341;  Jaworski  1933). 

Das  Verhältnis  unserer  Form  zu  ähnlichen  Arten  ist  in  der  Tabelle  S.  140ff. 
dargestellt. 


106 


Abh.  preuß.  gieol.  L.-A.,  Neue  Folge,  lieft  159 


Vorkommen: 

Mittelturon:  Bonnewitz  (Mus.  Dresden),  Dresden  1 (Mus.  Dresden),  Lohmen, 

Strehlen  (Mus.  Dresden),  Biela  (Mus.  Aussig),  Skalken  1 
zahlreich,  2,  3,  Tetschendorf  1,  Olhotta,  Sackschen  3,  5,  Sovice- 
berg  1,  Rohatetz  2,  Hostin  1,  Hundorf  (selbst  gesammelt, 
Humboldtver.  Ebersbach,  Mus.  Aussig  und  Dresden),  Bilin  3 
(Mus.  Aussig),  Kl.  Kahn  2 (Mus.  Aussig),  Leitmeritz  2,  4,  6, 
8,  12,  22  (selbst  gesammelt  und  Mus.  Aussig),  1,  7,  16,  17  (alle 
vier  Mus.  Aussig),  13  (Deutsche  Univ.  Prag),  Jidn  8,  9,  10, 
11,  12,  13,  14,  15,  20  a?,  24,  25,  52  (alle  12  Soukup),  41  a,  Lysa  1, 
2,  Krasikov  (Soukup),  Chotzen,  Triebitz  1,  Löwenberg  1 (Geol. 
Landesmus.),  Ludwigsdorf  Löw.  2 (Geol.  Landesmus.),  Plagwitz 
Löw.  1 ? (Geol.  Landesmus.),  Hermsdorf  Löw.  4 (Geol.  Landes- 
mus.), Waltersdorfer  Mühle  Löw.  (Geol.  Landesmus.),  Kynberg 
Löw.,  Grunauer  Spitzberg  Löw.,  Heuscheuer  1; 

Oberturon  aß:  Daubitz  8,  Zeichen  1,  Herrenleite  (Mus.  Dresden),  Hermsdorf 
7,  Plissen  2,  4,  Oberlichtenwalde  1,  2,  Hochwald  1,  3,  4,  Nieder- 
kreibitz  1,  Khaa  3,  Jicin  1,  2,  4 (alle  3 Soukup),  Turnau 
(Soukup),  Hockenau  Löw.  (Geol.  Landesmus.); 

Oberturon  y:  Zatzschke  (Mus.  Dresden,  Geol.  Landesamt  Leipzig),  Birk- 

witz (Mus.  Dresden),  Hinterjessen,  Böhm.  Kamnitz  2,  Kreibitz 
2,  3,  6,  7,  10,  11,  12,  14,  Robitz,  Waldeck,  Schreckenstein,  Böhm. 
Zwickau  (Vortisch  u.  selbst  gesammelt),  Limbach,  Röhrs- 
dorf, Kriesdorf,  Priesen  (unterste  Schichten  im  Bett  der  Eger), 
Jicin  3 (Soukup),  Großrackwitz  1 (Geol.  Landesmus.,  Realgymn. 
Löwenberg),  3,  4 (beide  Geol.  Landesmus.). 

Die  von  mir  1911,  S.  39  (7)  aus  dem  Emscher  (Kreibitz  Teichstadt 
480  m und  unter  dem  Pickelstein  458  m)  zu  dieser  Art  gestellten  Stücke 
sind  sehr  mangelhaft  erhalten  und,  da  zweifelhaft,  nicht  wieder  aufgeführt. 

Ferner  im  Ober-  und  Mittelturon  von  Westfalen  und  England  sowie  am 
Marterberg  bei  Passau  (Mus.  Dresden). 


Inoceramus  inconstans  Woods  ein.  Ändert  rar.  planus  Ludert 

1903  Inoceramus  cuvieri  var.  planus  Petrascheck,  53,  Heft  1,  S.  163. 

1911  Inoceramus  cuvieri  var.  planus  Ändert,  S.  45  (13)  zum  Teil,  Taf.  1, 

Fig.  2;  Taf.  7,  Fig.  8. 

1904 — 13  Inoceramus  inconstans  Woods,  2,  Abb.  44. 

1913  Inoceramus  inconstans  var.  planus  Ändert,  S.  284. 

Auch  diese  Varietät  zeigt  zwei  deutlich  unterschiedene  Wachstumsalter. 
In  der  Jugend  ist  die  Schale  mäßig  gewölbt  und  hat  schief  querovalen  Umriß. 
Später  biegt  sie  im  stumpfen  Winkel  um  und  wächst  nach  innen  weiter. 
Ältere  Stücke  sind  deshalb  stark  aufgebläht.  Die  Gesamtform  ist  fünfseitig 
gerundet.  Der  Vorderrand  verläuft  unter  dem  Wirbel  zunächst  gerade  und 
biegt  dann  in  schräger  Richtung  nach  unten  um.  Ein  flacher,  in  eine  gerade 
Linie  auslaufender  Bogen  bildet  den  Unterrand.  Letzterer  stößt  in  einer 
stumpfen  Ecke  an  den  fast  gerade  aufsteigenden  Hinterrand.  Der  Schloß- 
rand ist  lang  und  gerade  und  bildet  mit  dem  Vorderrand  einen  rechten 


’PaläontoIogischer  Teil 


107 


Winkel.  Der  kleine  spitze,  nicht  über  den  Schloßrand  -hervorragende  Wirbel 
liegt  am  vorderen  Schalenende.  Die  Muschel  ist  stark  ungleichseitig.  Band- 
gruben sind  nicht  sichtbar.  Ein  Flügel  scheint  zu  fehlen  oder  ist,  wenn  vor- 
handen, sehr  schmal.  Auf  letzteres  deutet  ein  Stück  von  Leitmeritz  im  Stadt- 
museum zu  Aussig,  das  an  der  Flügelpartie  ein  Bruchstück  seiner  dicken 
Schale  aufweist  und  im  übrigen  gut  miß  unserer  Varietät  übereinstimmt. 

Im  ersten  Wachstumsalter  ist  die  Schale  mit  ziemlich  engen,  regel- 
mäßigen und  nach  hinten  ausgezogenen  konzentrischen,  stark  herausmodellierten 
Anwachsringen  versehen,  während  die  zweite  Wachstumshälfte  nur  einige 
flache  konzentrische  Anwachswellen  zeigt. 

Maße: 

Fundort:  OT  aß  Ivhaa  3,  Ändert  1911,  Taf.  1,  Fig.  2. 

Die  Tabelle  S.  140  zeigt  in  übersichtlicher  Darstellung  die  Hauptunter- 
schiede unserer  Varietät  von  anderen  Formen. 

Aus  dem  Kreibitzer  Gebiet  können  auf  Grund  weiterer  Untersuchungen 
nur  das  Original  Ändert  Taf.  1,  Fig.  2 = Taf.  7,  Fig.  8 von  Nassendorf 
(OT  aß  Khaa  3),  sowie  Bruchstücke  von  E Kreibitz  4 und  27  hierher  gestellt 
werden.  Unter  dem  Material  der  Geologischen  Bundesanstalt  Wien,  das 
Petrasciieck  Vorgelegen  hat,  befinden  sich  ebenfalls  ein  paar  Stücke  dieser 
Varietät  von  Kreibitz.  Die  von  mir  mit  der  Varietät  früher  außerdem  ver- 
einigten Stücke  sind  abzutrennen. 

So  sind  Taf.  1,  Fig.  5 von  Nassendorf,  Ändert  1911,  als  Inoceramus 
inconstans  Woods  emend.  Ändert  und  die  Stücke  aus  der  Schlucht  unter 
dem  Pickelstein  in  445  m Höhe,  sowie  das  Original  zu  Inoceramas  cripsi  bei 
Geinitz  1875,  2,  Taf.  13,  Fig.  14  als  Inoceramas  hleini  zu  bezeichnen. 

Abb.  44  bei  Woods  sieht  unserer  Varietät  sehr  ähnlich,  und  ich  stehe 
nicht  an,  beide  zu  vereinigen.  Ferner  würde  das  oben  erwähnte  Stück  von 
Leitmeritz  in  Böhmen  hierher  zu  stellen  sein  sowie  auch  das  im  Geologischen 
Landesmuseum  Berlin  vorhandene  Material  aus  dem  Bahneinschnitt  östlich 
von  Burgdorf  bei  Börßum  und  vom  Windmühlenberge  bei  Salzgitter. 

Das  Original  von  Goldfuss  1834—40,  2,  Taf.  113,  Fig.  1 b,  auf  das 
Elbert  1901,  S.  112  seine  Varietät  begründet  hat,  ist  eine  große  flache  Form, 
die  nach  der  nunmehrigen  Erkenntnis  des  Umbiegens  der  Inoceramenschale 
zu  einem  Dickenwachstum  von  unserer  Varietät  abzutrennen  ist.  Auch  die 
übrigen  von  Elbert  erwähnten  westfälischen  Stücke  gehören  der  Goldfuss’- 
schen  Form  an.  Da  die  Artbezeichnung  jedoch  eine  andere  geworden  ist,  ist 
der  frühere  Varietätsname  beibehalten  worden. 

Vorkommen: 

Oberturon  aß:  Khaa  3; 

Emscher:  Kreibitz  4?,  27?. 


Höhe:  58  mm 

Länge:  58  mm 


Inoceramus  schloenhachi  J.  Böhm 
Taf.  3,  Fig.  2;  Abb.  8 

1834 — 40  Inoceramus  cuvieri  Goldfuss,  2,  S.  114,  Taf.  111,  Fig.  1 a — c. 

1863  Inoceramus  cuvieri  v.  Strombeck,  S.  124. 

1877  Inoceramus  cuvieri  Schlüter,  24,  S.  18  (ausschl.  Syn.). 

1911  Inoceramus  cuvieri  Ändert,  S.  44  (12),  Taf.  2,  Fig.  2. 


108 


Abh.  preuß.  gjeol.  L.-A.,  Neue  Folge,  Heft  159 


1911  Inoceramus  schloenbachi  J.  Böhm,  63,  Heft  12,  S.  569. 

1912  Inoceramus  schloenbachi  J.  Böhm,  64,  S.  403. 

1913  Inoceramus  schloenbachi  Ändert,  S.  295. 

1912 — 13  Inoceramus  nov.  sp.  Scupin,  S.  212,  Taf.  9,  Fig.  14. 

1928  a Inoceramus  schloenbachi  Heinz,  Taf.  3. 

1928  cl  Inoceramus  schloenbachi  Heinz,  S.  35,  Taf.  2,  Fig.  2. 

1930  Inoceramus  inconstans  schloenbachi  Fiege,  S.  40,  Taf.  6, 

Taf.  7,  Fig.  26,  27,  29;  Taf.  8,  Fig.  28,  30;  Abb.  2. 


Fig.  25; 


Inoceramus  schloenbachi  ist  von  ebenmäßiger  Wölbung,  größere  Exem- 
plare sind  in  der  Mitte  abgeflacht.  Auch  hier  lassen  sich  zwei  Wachstums- 
zeiten gut  unterscheiden.  Im  ersten  Wachstumsalter  ist  die  Schale  mäßig 
gewölbt  und  mit  groben  kräftigen,  entfernt  stehenden  konzentrischen  Anwachs- 
wellen bedeckt,  zwischen  denen  gewöhnlich  zwei  bis  drei  schwächere  ein- 
geschoben sind  (Taf.  3,  Fig.  2).  Die  Anwachsringe  sind  sehr  undeutlich. 


«*/m  8 


Abb.  8.  Inoceramus  schloenbachi  J.  Böhm,  unverdrückter  Steinkern  von  vom 
auf  ca.  1/2  verkleinert.  Oberturon  c<8,  Hochwald  2. 

Orig.  Bergakademie  Freiberg  (ges.  v.  Dr.  ing.  M.  Donath).  (No.  38a.) 

Eine  in  der  Regel  kräftiger  hervortretende  konzentrische  kammartige  Anwachs- 
welle trennt  den  ersten  Teil  von  dem  späteren  Wachstumsalter.  Die  Schale 
biegt  an  dieser  Stelle  in  sehr  stumpfem  Winkel  nach  innen  um  und  ist 
nun  mit:  ziemlich  gleichmäßigen,  gut  hervortretenden  Anwachsringen  be- 

deckt- Der  Umriß  ist  gerundet  fünfseitig,  bei  größeren  Stücken  etwas 
in  die  Breite  gezogen.  Unter  dem  Wirbel  ist  der  Vorderrand  schwach  ein- 
gebogen. Der  am  vorderen  Schalenende  gelegene  Wirbel  ist  klein  und  spitz. 
Die  Muschel  ist  stark  ungleichseitig.  Der  Flügel  ist  schmal  und  im  Steinkern 
scharf  abgesetzt. 

Maße: 1 2 3 

Länge:  6 cm  19  cm  17  cm 

Höhe:  6 „ 17  „ 17  „ 

Fundort : 

1)  OT  aß  Khaa  3,  Ändert  1911,  Taf.  2,  Fig.  2;  2)  OT  aß  Hochwald  2; 
3)  OT  aß  Hochwald  2,  Abb.  8,  Bergakademie  Freiberg. 

In  der  Tabelle  S.  14*0  sind  die  Unterscheidungsmerkmale  unserer  Art 
von  ähnlichen  Formen  einander  gegenübergestellt. 


109 


Paläontologischer  Teil 

Zu  den  Literaturbemerkungen  in  meinen  beiden  Arbeiten  1911  u.  1913 
haben  sich  neue  Gesichtspunkte  nicht  gefunden.  Herr  Dipl. -Ing.  Dr.  Donatii  in 
Freiberg  hat  vor  mehreren  Jahren  am  Hochwald  wieder  einige  große  Stücke 
dieser  Art  gesammelt,  von  denen  das  eine  AJbb.  8 abgebildet  ist.  Die  Ab- 
bildung Taf.  3,  Fig.  2 ist  nach  einem  von  mir  gesammelten  Hohlabdruck 
hergestellt.  Das  Vorkommen  des  Inoceramus  schloenbachi  im  Arbeitsgebiet 
ist  somit  außer  Zweifel. 

Die  in  Norddeutschland  für  die  Zone  des  Inoceramus  schloenbachi  leitende 
Art  verweist  auch  in  unserem  Gebiet  auf  dasselbe  Alter. 

Vorkommen: 

Oberturon  aß:  Hochwald  2,  Khaa  3,  Waltersdorf  oder  Hochwald  2?  (Mus. 

Humboldtver.  Ebersbach),  Jicin  2 (Soukup),  Hockenau  Löw. 
(drei  Stück  Geol.  Landesmus.,  das  größte  Stück,  19  cm  hoch 
und  lang,  ist  flach  zusammengedrückt,  Geol.  Institut  Breslau). 

Inoceramus  schloenbachi  J.  BÖIIM  rar.  cripsioides  Elbkiit 

1901  Inoceramus  cuvieri  var.  cripsioides  Elbeiit,  511,  S.  111. 

1911  Inoceramus  cuvieri  var.  cripsioides  Ändert,  S.  46  (14). 

1913  Inoceramus  schloenbachi  var.  cripsioides  Ändert,  S.  296,  Abb.  1,  2. 

non  1903  Inoceramus  cuvieri  var.  cripsioides  Petrasciieck,  53,  Heft  1,  S.  163. 

Ein  weiteres  Stück  als  das  von  mir  in  der  Festschrift  1911  erwähnte 
ist  nicht  gefunden  worden.  Das  Original  von  Elbert  konnte  nachträglich  in 
meiner  Abhandlung  1913  bildlich  dargestellt  werden. 

Die  Muschel  ist  mäßig  aufgebläht.  Der  Umriß  ist  rechteckig  gerundet. 
Unter  dem  Wirbel  befindet  sich  eine  schwache  Einbiegung;  Vorder-,  Unter- 
und  Hinterrand  sind  schwach  nach  außen  gebogen.  Der  Oberrand  ist  lang 
und  gerade.  Der  Wirbel  liegt  am  vorderen  Schalenende.  Die  Muschel  ist 
stark  ungleichseitig.  Im  ersten  Wachstumsalter  besteht  die  Schalenverzierung 
aus  kräftigen  Anwachsringen,  die  fast  alle  durch  eine  Mittelfurche  geteilt 
sind.  Sie  biegen  vom  Unter-  zum  Hinterrande  in  einer  deutlichen  Ecke  um. 
Später  ändert  die  Schale  ihre  Wachstumsrichtung  und  wächst  nach  innen 
weiter.  Die  Anwachsringe  sind  nun  etwas  weniger  kräftig,  jedoch  von  gleicher 
Ausbildung.  Der  Steinkern  zeigt  an  dieser  Stelle  nur  schwache  Anwachswellen. 
Am  Gipsabdruck  des  ELBERT’schen  Originals  ist  die  Beobachtung  des  Flügel- 
ansatzes unmöglich.  Nur  an  meinem  Steinkern  vom  Hochwald  ist  der  Flügel 
sichtbar  und  zwar  schmal  und  scharf  abgesetzt. 

Zur  Gegenüberstellung  mit  ähnlichen  Formen  vergleiche  Tabelle  S.  140 
Vorkommen: 

Oberturon  aß:  Hochwald  2. 

Das  Original  von  Elbert  fand  sich  in  der  Zone  des  Breviporuspläners 
von  Halle  i.  W. 

Inoceramus  crassus  Petrascheck 
Taf.  3,  Fig.  3 a u.  b;  Abb.  9 
Inoceramus  cripsi  Geinitz,  2,  Taf.  13,  Fig.  13. 

Inoceramus  cuvieri  FriC,  S.  67  z.  Teil. 


1875 

1897 


110 


Abh.  preuß.  g<eol.  L.-A.,  Neue  Folge,  lieft  159 


? 1899 
1903 
1911 

1904—13 

1913 

1912—13 


Inoceramus  kiliani  Simionescu,  Taf.  2,  Fig.  5. 

Inoceramus  crassus  Pethascheck,  53,  Heft  1,  S.  164,  Taf.  3,  Fig.  4a— c. 
Inoceramus  crassus  Ändert,  S.  46  (14),  Taf.  3,  Fig.  4;  Taf.  6, 

Fig.  1 u.  2. 

Inoceramus  inconstans  Woods,  2,  Abb.  45. 

Inoceramus  crassus  Ändert,  S.  297. 

Inoceramus  conf.  crassus  Scupin,  S.  212,  Taf.  11,  Fig.  7. 


Die  Muschel  ist  gleichklappig,  mehr  oder  weniger  stark  aufgebläht,  im 
Umriß  rhomboidal-queroval  und  stark  nach  hinten  ausgezogen.  Der  Vorderrand 
ist  kurz,  gerade  oder  schwach  nach  außen  gebogen  und  geht  in  den  langen, 
ebenso  gebogenen  und  zur  stumpfen  hinteren  Ecke  abwärts  führenden  Unter- 
rand über.  Der  Hinterrand  zieht  im  flachen  Bogen  weit  gegen  den  Wirbel 
hin,  der  Schloßrand  ist  gerade.  Bandgruben  sind  am  Steinkern  nicht  wahr- 
nehmbar. Der  spitze  Wirbel  liegt  am  vorderen  Schalenende.  Der  Flügel  ist 
schmal,  bei  der  verschiedenartigen  Wölbung  der  Stücke  teils  wenig,  teils 
schärfer  abgesetzt. 

Das  erste  Wachstumsalter  ist  vom  späteren  scharf  unterschieden.  In 
der  Jugend  bedecken  gut  ausgeprägte,  annähernd  regelmäßige  Anwachswellen 
mit  Anwachsringen  die  Oberfläche.  Später  treten  sie  immer  kräftiger  und 
entfernter  voneinander  auf  und  bilden  sogar  scharfe  Kämme.  Sie  sind  stark 


Abb.  9.  Inoceramus  crassus  PütrabchhcK,  linke  Klappe,  Steinkern, 

Orig,  zu  Ändert  1911,  Taf.  3,  Fig.  4. 

Oberluron  Innozenzidorf  6.  Orig.  Slg.  Humboldtvereiu  Ebersbach  Sa.  (No.  39). 


Paläontologischer  Teil 


111 


nach  hinten  ausgezogen  und  biegen  vom  Unter-  zum  Hinterrande  erst  gerundet 
und  zuletzt  eckig  um  (Abb.9).  Schließlich  biegt  die  Schale  fast  rechtwinklig 
nach  innen  ein.  Anwachswellen  fehlen  nun  fast  vollständig  und  sind  dort,  wo 
sie  auftreten,  nur  schwach  angedeutet  (Taf.  3,  Fig.  3 a,  b). 


Maße: 

1 

2 

Länge: 

14  cm 

16  cm 

Höhe: 

10  „ 

10 

Dicke: 

6 „ 

8.„ 

Winkel  Schloßrand-Vorderrand : 

95° 

115° 

Winkel  Scliloßrand-Achse: 

O 

O 

40° 

Fundort : 

Beide  OT  aß  Innozenzidorf  6 (Sammlung  Humboldtver.  Ebersbach); 
1)  Ändert  1911,  Taf.  3,  Fig.  4;  Taf.  6,  Fig.  2;  2)  Ändert  1911,  Taf.  6, 

Fig.  1. 

Seit  dem  Jahre  1911  sind  besonders  die  Funde  bei  der  Kellergrabung 
von  Lischke  (OT  y Kreibitz  12)  bemerkenswert.  Zur  Unterscheidung  von 
anderen  Arten  vgl.  Tabelle  S.  149.  Eine  ähnliche  Art  bildet  Simionescu  von 
Ürmös  in  Siebenbürgen  ab.  Ohne  nähere  Kenntnis  der  Verhältnisse  ist  eine 
Übereinstimmung  keinesfalls  auszusprechen. 

Vorkommen: 

Oberturon  a ß : Khaa  3,  Innozenzidorf  2,  6 (Siammlg.  Humboldtver.  Ebersbach 
und  Deutsche  Univ.  Prag) ; 

Oberturon  y:  Kreibitz  4,  12,  Jicin  1 (S'oukup)  ; 

Emseher : E.-St.  Tannendorf  1 (Sammlg.  Humboldtver.  Ebersbach,  Mus. 

Prag),  Kreibitz  4,  9 (Stämmig.  Humboldtver.  Ebersbach  und 
selbst  gesammelt),  13,  Priesen  (Mus.  Prag),  Neuwarthau  Löw.  2 
(Scupin),  Groß:hartmannsdorf  Löw.  (Geol.  Landesmus.); 
Upper  Chalk  von  S.ussex  in  England. 

Eine  kürzere  Form  mit  weniger  nach  hinten  ausgezogenen  Anwachswellen 
fand  sich:  Emseher:  Kreibitz  6,  27,  Oberkreibitzer  Talsperre  3,  5 (selbst 
gesammelt,  Stadtmus.  Aussig).  Sie  kann  als  Varietät  gelten. 

Inoceramus  weiset  Ändert 
Taf.  4,  Fig.  1 a u.  b 

1911  Inoceramus  weisei  Ändert,  S.  47  (15),  Taf.  4,  Fig.  2,  3;  Taf.  6, 

Fig.  3. 

1913  Inoceramus  weisei  Ändert,  S.  293. 

Die  Muschel  ist  queroval,  unregelmäßig  vier-  bis  fünfeckig,  ungefähr 
gleichklappig  und  sehr  stark  aufgebläht.  Eine  schnauzenförmige  Verlängerung 
nach  vorn  unterscheidet  die  Art  von  allen  anderen  dieser  Gruppe.  Länge, 
Höhe  und  Dicke  beider  Klappen  sind  etwa  gleich;  bei  einigen  Stücken  über- 
wiegt die  erste,  bei  einigen  die  zweite  oder  auch  die  dritte  Ausdehnung.  Die 
höchste  Schalenwölbung  liegt  ungefähr  in  der  Mitte  oder  etwas  nach  hinten. 
Der  Vorderrand  verläuft  in  langer  gerader  Linie  schräg  nach  vorn,  biegt 
scharf  um,  zieht  noch  eine  kurze  Strecke  schräg  nach  unten  und  geht  dann 
in  den  schwach  gebogenen,  fast  horizontalen  Unterrand  über.  Dieser  biegt 
in  stumpfem  Winkel  zum  Hinterrande  auf  und  endet  in  einer  scharfen  Ecke. 
Der  letzte  kurze  Teil  des  Hinterrandes  ist  an  allen  vorliegenden  Stücken 


112 


Abh.  preuß.  geol.  L.-A.,  Neue  Folge,  Heft  159 


nur  mangelhaft  erhalten,  scheint  aber  ungefähr  rechtwinkelig  zum  Schloß- 
rande zu  stehen.  Der  Schloßrand  ist  gerade  und  kurz.  Der  Winkel  Schloß- 
rand: Vorderrand  beträgt  etwa  135u,  der  Achsenwinkel  70°  :j).  Die  spitzen, 
stark  gegeneinander  eingebogenen  und  sich  berührenden  Wirbel  liegen  ungefähr 
in  der  Schalenmitte.  Die  Muschel  ist  viel  weniger  ungleichseitig  als  die  bisher 
aufgeführten  Arten  dieser  Gruppe.  Der  Flügel  ist  klein,  scharf  abgesetzt 
und  nach  hinten  stets  abgebrochen.  In  der  Schalenausbildung  läßt  sich  ein 
erstes  und  ein  späteres  Wachstumsalter  gut  unterscheiden.  Die  Achse  des 
Jugendwachstums  ist  nach  hinten  gerichtet,  die  des  späteren  ungefähr  mittel- 
ständig. Im  Jugendalter  besteht  die  Schalenverzierung  aus  engen  kräftigen 
und  regelmäßigen  Anwachswellen  bzw.  Anwachsringen.  Später  biegt  die  Schale 
etwa  rechtwinkelig  nach  innen  um  und  ist  von  unregelmäßigen,  teils  kräftigen 
bis  kammförmigen  Anwachswellen  und  -Ringen  bedeckt.  Entlang  des  Unter- 
randes verläuft  eine  kielförmige  Einschnürung.  Die  Fläche  des  ersten  Wachs- 
tumsalters ist  bedeutend  kleiner  als  die  des  späteren. 


Maße: 

1 

2 

3 

4 

5 

Länge: 

10  cm 

14  cm 

13  cm 

1 1 cm 

9 cm 

Höhe: 

11  „ 

10  „ 

9 „ 

9,5  „ 

9,5  „ 

Dicke  einer  Klappe: 

- 4 . „ 

5,5  „ 

4,5  „ 

4,5  „ 

4,»  „ 

Winkel  Scliloßrand-Vorderrand : 

125° 

130° 

140° 

125° 

135° 

Winkel  Schloßrand- Achse: 

80  0 

60° 

65° 

65  0 

70° 

Fundort : 

1,  2,  4,  5)  OT  aß  Innozenzidorf  6;  3)  E E.-St.  Neuhütte  5;  2)  Ändert  1911, 
Taf.  4,  Fig.  2;  3)  Ändert  1911,  Taf.  4,  Fig.  3;  Taf.  6,  Fig.  3.  Sämtliche 
Stücke  in  der  Sammlung  des  Humboldtvereins  Ebersbach. 

Tabelle  S.  141  gibt  eine  Gegenüberstellung  mit  ähnlichen  Arten. 

Auf  die  Auseinandersetzung  wegen  dieser  Art  mit  Heinz  1929,  S.  28, 
Anm.  2 und  Ändert  1929,  2,  S.  202,  Anm.  1 sei  hier  nur  hingewiesen.  Heinz 
bezeichnet  unsere  Art  als  Inoceramas  schloenbachi  var.  rostrata.  Zur  Um- 
benennung liegt  gar  keine  Veranlassung  vor,  nach  dem  Prioritätsrecht  hat  der 
Name  weisei  zu  gelten. 

Vorkommen: 

Oberturon  aß:  Khaa  3 (Sammlg.  Kogler-Mus.  Aussig),  Hochwald  Nordabhang 
(Geol.  Landesamt  Leipzig),  Waltersdorf  2,  Innozenzidorf  1 
(Vortisch),  2,  6 (Sammlg.  Humboldtver.  Ebersbach,  Mus. 

Dresden,  Deutsche  Universität  Prag) ; 

Emscher:  E.-St.  Tannendorf  1 (Deutsche  Universität  und  Böhmisches 

Landesmus.  Prag),  E.-St.  Neuhütte  5 (Sammlg.  Humboldtver. 
Ebersbach). 

Inoceramus  waltersdorfensis  Ändert 
Taf.  4,  Fig.  2 a,  b,  3 a,  b,  4 — 7 

1911  Inoceramus  waltersdorfensis  Ändert,  S.  53  (21),  Taf.  5,  Fig.  2,  5. 

1911  Inoceramus  sturmi  Ändert,  S.  58  (26)  z.  Teil,  Taf.  2,  Fig.  5 a,  b. 

? 1904 — 13  Inoceramus  inconstans  var.  striatus  Woods,  2,  Taf.  52,  Fig.  1. 

1913  Inoceramus  waltersdorfensis  Ändert,  S.  29Ö. 

non  1929  Inoceramus  waltersdorfensis  Ändert,  2,  S.  168,  Schicht  7. 

5)  Als  Achse  ist  eine  vom  Wirbel  über  die  höchste  Schalenwölbung  gegen  den  Unterrand  verlaufende 
Linie  angenommen. 


Paläontologisch-er  Teil 


113 


Die  Art  ist  im  Umriß  quadratisch  bis  rhombisch.  Vorder-,  Unter-  und 
Hinterrand  sind  unregelmäßig  zugerundet.  Der  Schloßrand  ist  gerade.  Der 
flach  gewölbte  Rücken  dacht  sich  allmählich  zu  dem  kleinen  Flügel  ab, 
während  die  Vorderseite  gewöhnlich  in  einer  scharfen  Biegung  steil  abfällt. 
Der  kleine  spitze  angedrückte  Wirbel  liegt  fast  in  der  Schalenmitte.  Die  im 
ersten  Wachstumsalter  fast  flache,  bis  mäßig  gewölbte  Schale  biegt  später 
nahezu  rechtwinkelig  zur  früheren  Wachstumsrichtung  um,  so  daß  die 
Form  ein  aufgeblähtes  Aussehen  erhält  (Taf.  4,  Fig.  2 b).  Es  finden  sich 
jedoch  auch  Stücke,  bei  denen  das  Umbiegen  nur  schwach  zum  Ausdruck 
kommt.  Im  Jugendalter  ist  die  Muschel  mit  schwach  rippenartigen  Anwachs- 
ringen verziert,  zwischen  denen  zuweilen  einige  tiefere  Furchen  auf  zu  treten 
pflegen.  Im  späteren  Alter,  nach  dem  Umbiegen  der  Schale  nach  innen,  ver- 
schwinden die  Anwachsringe  und  man  gewahrt  auf  dem  Steinkern  höchstens 
ein  paar  unregelmäßige  flache  Anwachswellen.  Bei  einigen  Stücken  ist  dieser 
Teil  vollständig  glatt.  An  solchen  Stücken,  wo  die  Schale  im  höheren  Alter 
ihre  Wachstumsrichtung  nur  wenig  verändert,  besteht  die  Verzierung  auf 
dem  letzten  Schalenteile  oft  aus  zahlreichen  mittelkräftigen  Anwachswellen 
bzw.  -Kämmen.  Teile  der  Bandgrubenreihe  sind  nur  selten  sichtbar. 


Maße: 

1 

2 

3 

4 

Länge: 

40  mm 

40  mm 

38  mm 

45  mm 

Höhe: 

40  „ 

40  „ 

41  „ 

40  „ 

Winkel  Schloßrand-Vorderrand : 

120° 

125° 

115° 

125° 

Winkel  Schloßrand- Achse: 

70° 

75° 

00 

o 

o 

00 

o 

o 

Fundort: 

1,  2,  3):  OT  aß  Waltersdorf  2,  1)  Ändert  1911,  Taf.  5,  Fig.  2;  2)  ebenda, 
Taf.  5,  Fig.  5;  4)  E Innozenzidorf  3. 

Inoceramus  waltersdor fensis  ist  die  Zwergform  in  der  Gruppe  des  Ino - 
ceramus  inconstans . Nicht  selten  finden  sich  sehr  kleine,  verkrüppelte,  aber 
gut  in  zwei  Wachstumsrichtungen  ausgebildete  Stücke.  In  verschiedener  Rich- 
tung zeigt  sich  der  Ausdruck  der  Entartung.  Zur  Unterscheidung  von  ähnlichen 
Formen  vgl.  Tabelle  S.  141. 

Nachdem  durch  weitere  Funde  am  Sonnenberge  größeres  Vergleichs- 
material vorliegt,  stehe  ich  nicht  an,  die  von  diesem  Fundorte  als  Inoceramus 
sturmi  beschriebenen  Bruchstücke  mit  Inoceramus  waltersdorfensis  zu  ver- 
einigen. Wie  zahlreiche  Beobachtungen  ergeben  haben,  ist  bei  den  Formen 
der  Gruppe  des  Inoceramus  inconstans  die  Schale  an  der  Umbiegestelle  von 
der  früheren  zur  späteren  Wachstumsrichtung  häufig  abgebrochen.  Solche 
zerbrochenen  Stücke  waren  von  mir  als  Inoceramus  sturmi  bezeichnet  worden. 
Für  Taf.  2,  Fig.  5,  schlägt  Heinz,  1932  a,  S.  23,  wohl  unnötigerweise  einen 
neuen  Namen,  Alloceramus  medius  vor.  Für  die  Stücke  von  Kieslings- 
walde hat  die  Bezeichnung  sturmi  jedoch  weiter  zu  gelten.  Sie  sind 
ganz  bestimmt  verschieden  von  Inoceramus  waltersdorfensis  und  stellen  nach 
den  bisherigen  Funden  eine  in  Kieslingswalde  besonders  häufige  Form  dar, 
die  in  Inoceramus  sublabiatus  G.  Müller  1387,  S.  411,  Taf.  16,  Fig.  2, 
ihren  nächsten  Verwandten  haben  dürfte.  Inoceramus  sturmi  ist  hochoval  bis 
breit  flächenhaft,  ohne  scharfes  Umbiegen  innerhalb  der  Wachstumsmitte, 
mäßig  gewölbt,  die  höchste  Schalenwölbung  verläuft  etwa  in  der  Mitte. 


Ändert  8 


114 


Abh.  preuß.  gieol.  L.-A.,  Neue  Folge,  Heft  159 


Heinz  1929,  S.  26,  stellt  unsere  Art  auch  zu  lnoceramus  transilvanicus  Sim. 
Die  Abbildung  von  Simionescu  1899,  Taf.  2,  Fig.  7,  ist  vollständig  verschieden, 
Fig.  6 einzelnen  Exemplaren  unserer  Art  etwas  ähnlich,  doch  keinesfalls 
genügend  zu  einer  Vereinigung. 

Die  dort  aufgeführten  Inoceramen  entstammen  einem  Mergel,  der  nur 
5 m mächtig  sein  und  darin  den  lnoceramus  lahiatus  sowie  auch  senone  Formen 
enthalten  soll.  Zunächst  wäre  eine  Nachprüfung  des  gesamten  dortigen  Fossil- 
materials vorzunehmen;  die  sicher  vorhandenen  Unstimmigkeiten  sind  zu  klären. 
Solange  wir  gezwungen  sind,  die  Inoceramen  als  Leitfossilien  zu  benützen, 
ist  größte  Vorsicht  bei  Umbenennungen  nach  Formen  unsicherer  Herkunft 
geboten. 

Bei  dem  Aufsammeln  dieser  Art  haben  die  Herren  Erich  und  Dr.  Martin 
Donath  aus  Zittau  besonders  gute  Erfolge  gehabt  und  wertvolles  Material 
herangebracht. 

lnoceramus  inconstans  var.  striatus  bei  Woods,  Taf.  52,  Fig.  1 a und  b, 
besitzt  große  Ähnlichkeit  mit  unserer  Art. 

Vorkommen: 

Oberturon  aß:  Waltersdorf  2 (etwa  70  Stück),  Innozenzidorf  2 (zwei  Stück). 

lnoceramus  protractüs  Scijpin 
Taf.  4,  Fig.  8 a u.  b 

1911  lnoceramus  protractüs  Ändert,  S.  61  (29),  Taf.  3,  Fig.  2. 

1912 — 13  lnoceramus  n.  sp.  Scupin,  S.  206,  Taf.  11,  Fig.  9. 

? 1899  lnoceramus  globosus  Simionescu,  Taf.  3,  Fig.  3. 

Von  dieser  Art  hat  Herr  Obersteiger  Erich  Donath  aus  Zittau  am  Sonnen- 
berge einen  weiteren  Hohlabdruck  gefunden.  Leider  zeigt  auch  dieser  nur 
einen  Teil  der  Muschel.  Infolgedessen  läßt  sich  nur  feststellen,  daß  hier 
anscheinend  eine  gleichmäßig  gerundete  dicke  kugelige  Form  vorliegt  (Taf.  4, 
Fig.  8 b).  Der  Vorderrand  ist  nach  vorn  gerichtet.  Schloßrand  und  Vorderrand 
bilden  einen  Winkel  von  etwa  150°.  Der  Rücken  der  Muschel  geht  fast 

unmittelbar  in  den  Flügel  über.  Die  Verzierung  besteht  aus  schwachen  An- 

wachsringen und  unregelmäßigen  konzentrischen  Anwachswellen. 

lnoceramus  weisei  und  waltersdorfensis  unterscheiden  sich  durch  das 
eigenartige  Umbiegen  der  Schale  im  späteren  Wachstumsalter  rechtwinkelig 
zum  früheren.  Trotzdem  ist  nicht  ausgeschlossen,  daß  lnoceramus  walters- 
dorfensis seine  Variationsgrenze  bis  zu  lnoceramus  protractüs  ausdehnt. 
Weitere  Funde  sind  abzuwarten.  Übrigens  vgl.  auch  Tabelle  S.  141. 

Heinz  1929,  S.  26  erklärt  unsere  Art  mit  lnoceramus  globosus  Sim. 
identisch.  Ich  halte  es  für  sehr  gewagt,  bei  dem  geringen  vorliegenden  unvoll- 
ständigen Material  unsere  Form  mit  einer  bisher  ebenfalls  wenig  bekannten 

aus  einem  fremden  Gebiet  zu  vereinigen.  Die  Erfahrungen,  die  ich  bei  der  Be- 
arbeitung von  Inoceramen  während  drei  Jahrzehnten  gesammelt  habe,  haben 
mich  gelehrt,  daß  vorwiegend  durch  diese  Methode  früher  die 
ungeheueren  Verwirrungen  in  die  Inoceramen  und  dadurch 
in  die  Stratigraphie  hineingetragen  worden  sind. 
Vorkommen: 

Oberturon  aß:  Waltersdorf  2; 

Emscher:  Hohlstein  Löw.  (Realgymn.  Löwenberg,  Geol.  Landesmus.). 


Paläontologisclier  Teil  1 1 5 

Inoceramus  kleini  G-  Müller 

Taf.  4,  Fig.  9,  10;  Taf.  5,  Fig.  1,  2;  Abb.  10,  11,  12.  var.  Taf.  4,  Fig.  11 

1875  Inoceramus  cripsi  Geinitz,  2,  Taf.  13,  Fig.  14. 

1888  Inoceramus  kleini  G.  Müller,  S.  415,  Taf.  18,  Fig.  la  u.  1 b. 

1903  Inoceramus  latus  Petrascheck,  53,  Fleft  1,  S.  165  z.  Teil. 

1911  Inoceramus  kleini  Ändert,  S.  48  (16),  Taf.  2,  Fig.  3,  6,  7,  8. 

1912 — 13  Inoceramus  kleini  var.  Scupin,  S.  209,  Taf.  11,  Fig.  4,  8. 

1928  a Inoceramus  kleini  Heinz,  Taf.  3. 

1929  Inoceramus  kleini  Heine,  S.  44,  Taf.  2,  Fig.  10,  11;  Taf.  3,  Fig.  12,  13. 

1929  Inoceramus  cf.  sturmi  Heine,  S.  59,  Taf.  6,  Fig.  30. 

? 1929  Inoceramus  cf.  glatziae  Heine,  S.  60,  Taf.  6,  Fig.  31. 

Seit  der  Bearbeitung  der  InoCeramen  im  Jahre  1911  konnte  neues  Material 
von  Inoceramus  kleini  gesammelt  und  erworben  werden.  Das  mannigfaltige 
Gesteinsmaterial  und  Verdrückungen  haben  das  Aussehen  der  Stücke  sehr 
verschieden  beeinflußt.  Die  Exemplare,  die  der  Harzer  Form  am  nächsten 
stehen,  sind  annähernd  gleichklappig,  hochgewölbt,  hochoval  bis  gerundet 
dreieckig  und  kugelig,  mit  einem  scharf  abgesetzten,  kleinen  bis  mäßig 


Abb.  10 — 12.  Inoceramus  kleini  Gh  Müller, 

3 rechte  Klappen,  stark  deformiert  (Nähe  der  Lausitzer  Hauptverwerfung). 

Fmscher,  Tarmenberg  1.  Orig.  GeoJ.  Landesmus. 

(Abb.  10  = A No.  54,  Abb.  11  = 55,  Abb  12  = 56). 

großen  dünnen  dreieckigen  Flügelansatz.  Besonders  in  den  tieferen  Schichten 
finden  sich  jedoch  auch  bedeutend  flachere  Formen,  bei  denen  sich  der  Rücken 
unmittelbar  zum  Flügel  abdacht  (Taf.  4,  Fig.  11).  Der  Abfall  von  der 
Schalenhöhe  zum  Vorderrande  verläuft  auch  bei  den  hochgewölbten  Stücken 
allmählich  und  ohne  Zwischenkante.  Hierdurch  unterscheidet  sich  die  Art 
gut  von  Inoceramus  koegleri.  Unter  dem  Wirbel  befindet  sich  eine  kurze 
flache  Einbiegung.  Sodann  verläuft  der  Vorderrand  in  einem  sanften,  nach 
außen  gerichteten  Bogen  zu  dem  scharf  gebogenen  Unterrande.  Der  Hinter- 
rand steigt,  wie  an  den  Stücken  mit  erhaltenem  Flügel  zu  erkennen  ist,  in 
einer  meist  nur  schwach  nach  außen  gerichteten  Linie  zum  horizontalen  Schloß- 
rande auf.  Der  kleine,  nach  innen  eingebogene  und  nach  vorn  gedrehte  Wirbel 
liegt  am  vorderen  Schalenende.  Die  Muschel  ist  ungleichseitig.  Nur  ein 
einziges  Stück  zeigt  eine  Reihe  wenig  kräftiger  Bandgruben. 


8* 


116 


Abh.  preuß.  geoL.  L.-A.,  Neue  Folge,  Heft  159 


Die  Verzierung  der  Schale  besteht  aus  regelmäßigen  scharfen  schmalen,  in 
der  Richtung  der  Längsachse  hinabgezogenen  konzentrischen  Anwachskämmen, 
zwischen  denen  sich  flache  Zwischenräume  befinden.  Hinter  der  höchsten 
Schalenwölbung  verläuft  eine  flache,  oft  kaum  wahrnehmbare  Furche.  Be- 
sonders gut  ausgeprägt  ist  sie  an  den  Stücken  vom  Löhof  bei  Quedlinburg. 
Die  im  allgemeinen  kleineren  Stücke  des  Kreibitzer  Gebietes  zeigen  an  dieser 
Steile  oft  nur  eine  scharfe  Knickung  der  Rippen.  Bei  den  Formen  aus  tieferen 
Schichten  fehlt  häufig  auch  die  Knickung.  Ich  betrachte  diese  Formen  als 
Varietät  (Taf.  4,  Fig.  11).  Das  von  Heine  als  cf.  sturmi  bezeichnete  und  ab- 
gebildete Exemplar,  das  ebenfalls  aus  dem  untersten  Emscher  stammt, 
könnte  mit  der  genannten  Varietät  übereinstimmen.  Die  am  Wege  west- 
lich von  Tannendörfel  (E  Tannenberg  1)  gesammelten  Exemplare  zeigen 
so  recht,  wie  Fossilien  durch  Deformierung  verunstaltet  werden  können  und 
ein  ganz  verschiedenes  Aussehen  erhalten  (Abb.  10—12).  Die  unweit  der  Fund- 
stelle vorüberziehende  Lausitzer  Hauptverwerfung  ist  die  Ursache  der  star- 
ken Beanspruchung  des  Gesteins. 


Maße: 

1 

2 

3 

4 

5 

Länge: 

34  mm 

30  mm 

22  mm 

20  mm 

24  mm 

Höhe: 

36  „ 

40  „ 

31  „ 

25  „ 

32  „ 

Winkel  Schloßrand-Vorderrand: 

110° 

115° 

100° 

95° 

100° 

Winkel  Schloßrand- Achse: 

65° 

65° 

55° 

50° 

60° 

Fundort : 

1)  E E.-St.  Tannendorf  1 (Sammlg.  Kogler),  Ändert  1911,  Taf.  2,  Fig.  6; 
2)  E Kreibitz  4,  Ändert  1911,  Taf.  2,  Fig.  7 ; 3)  E Kreibitz  6;  4)  Varietät 
E Kreibitz  21;  5)  Varietät  E Kreibitz  21,  Ändert  1911,  Taf.  2,  Fig.  3. 

Von  E Tannenberg  1 hat  ein  zerbrochenes  Exemplar  eine  Höhe  von 
ungefähr  80  mm,  von  E E.-St.  Tannendorf  1 besitze  ich  mehrere  Stücke  von 
50—60  mm  Höhe. 

Zu  der  in  der  Festschrift  1911  gegebenen  Darstellung  über  die  Beziehungen 
unserer  Exemplare  zu  denen  anderer  Autoren  ist  hinzuzufügen,  daß  auch  das 
Original  des  Inoceramus  cripsi  in  Geinitz  1875,  2,  Taf.  13,  Fig.  14  hierher 
zu  stellen  ist.  Ferner  gehört  wahrscheinlich  auch  Inoceramus  cf.  glatziae  Heine 
1929,  Taf.  6,  Fig.  31  zu  Inoceramus  kleini.  Heine  weist  auf  die  nahen  Be- 
ziehungen zu  dieser  Art  hin.  Heinz  1932,  X,  S.  43  zweifelt  die  Richtigkeit 
meiner  Bestimmung  an.  Zu  den  Originalstücken  meiner  Arbeit  1911  ist  neues 
besseres  Material  gekommen,  so  daß  kein  Zweifel  besteht. 

Der  ebenfalls  mit  scharfen  Anwachskämmen  bedeckte  Inoceramus  frechi 
unterscheidet  sich  vorwiegend  durch  größere  Ungleichklappigkeit  und  durch 
das  Fehlen  einer  Vertiefung  oder  Verflachung  hinter  der  höchsten  Schalen- 
wölbung und  der  damit  verbundenen  eigenartigen  Knickung  der  konzentrischen 
Rippen.  Inoceramus  costellatus  weist  ebenfalls  keine  Knickung  der  Rippen 
auf.  Übrigens  vgl.  zur  Unterscheidung  von  ähnlichen  Arten  Tabelle  S.  142. 

Vorkommen: 

Emscher:  E.-St.  Tannendorf  1 (Sammlg.  Kogler,  selbst  ges.),  Ober- 

kreibitzer  Talsperre  2 (Bank),  3,  5,  Kreibitz  7,  8 (Bank),  9 
(Sammlg.  Humboldtver.  Ebersbach),  10,  11,  12,  20  (var.),  21 
(var.),  24,  25,  26,  46,  Falkenau  4,  Tollenstein,  E.-St.  Neuhütte  5 


PalaontoLogischer  Teil 


117 


(Sammlg.  Humboldtver.  Ebersbach),  Hermsdorf  2 (var.),  Peters- 
dorf (var.),  Großgrünau  (var.),  Silberstein,  Tannenberg  1 
(Bank),  Priesen  (Stadtmus.  Aussig,  selbst  ges.),  Gehnsdorf 
Lövv.  1,  2 (Geol.  Landesmus.,  Realgvmn.  Löwenberg),  Groß- 
hartmannsdorf Löw.  (Geol.  Landesmus.),  Herzogswaldau  Löw. 
(Geol.  Landesmus.),  Neuwarthau  Löw.  3,  4 (Geol.  Landesmus.), 
Deutmannsdorf  Löw.  (Geol.  Landesmus.),  Wenig  Rackwitz 
(Geol.  Landesmus.),  Kieslingswalde  ? (Mus.  Dresden);  außer- 
dem am  nördlichen  Harzrande:  Löhof  bei  Quedlinburg  (Geol. 
Landesmus.),  Timmenrode  (Geol.  Landesmus.),  Spiegelsberge 
bei  Halberstadt  (Geol.  Landesmus.),  Winterberg  bei  Halber- 
stadt (Mus.  Dresden);  ferner  im  Emscher  Westfalens  (Berg- 
schule Essen). 

Inoceramus  koegleri  Ändert 
Abb.  13. 

1822  Inoceramus  brongniarti  Mantell,  S.  214,  Taf.  27,  Fig.  8. 

1911  Inoceramus  koegleri  Ändert,  S.  57  (25),  Taf.  1,  Fig.  6;  Taf.  5, 

Fig.  6;  Taf.  7,  Fig.  4. 

1904 — 13  Inoceramus  lamarcki  Woods,  2,  Abb.  68. 


Abb.  13.  Inoceramus  koegleri  Ändert,  rechte  Klappe,  Stein  kern, 

Orig,  zu  Ändert  1911,  Taf.  1,  Fig.  6. 

Emscher,  E.-St.  Tannendorf  1.  Orig.  Stadtmus.  Aussig  (Slg.  Korgler). 

Seit  Feststellung  der  Art  im  Jahre  1911  ist  darüber  nicht  viel  neues 
bekannt  geworden.  Der  Umriß  der  Muschel  ist  ein  aufrecht  stehendes  Recht- 
eck, dessen  untere  hintere  Ecke  durch  einen  Bogen  abgestumpft  ist.  Der 
Hinterrand  besitzt  in  der  Mitte  eine  sanfte  Einbuchtung.  Fast  in  Höhe  der 
höchsten  Schalenwölbung  verläuft  vom  Wirbel  zur  vorderen  unteren  Ecke 


118 


Abh.  preuß.  geol.  L.-A.,  Neue  Folge,  Heft  159 


eine  scharfe  Kante.  Sie  grenzt  ein  flaches,  zum  Vorderrande  steil  abfallendes 
Feld  ab.  Hierin  unterscheidet  sich  die  Art  besonders  gut  von  dem  kanten- 
losen Inoceramas  kleini.  An  dem  schwach  gebogenen  kurzen  Schloßrande 
zählt  man  auf  einen  Zentimeter  acht  Bandgruben.  Der  kleine  Flügel  ist 
scharf  abgesetzt.  Der  kleine  spitze  Wirbel  überragt  nur  wenig  den  Schloß- 
rand und  liegt  ganz  vorn.  Die  Oberfläche  ist  mit  scharfen  kräftigen  konzen- 
trischen Anwachskämmen  verziert,  zwischen  denen  breite  flache  Furchen  vor- 
handen sind.  Außerdem  sind  über  die  ganze  Schale  regelmäßige  matte 
Anwachsringe  verteilt.  An  dem  Stück  OT  aß  Khaa  3 sind  auch  einige  flache 
Anwachswellen  vorhanden.  Die  konzentrischen  Anwachskämme  bilden  einen 
breiten  runden  Bogen  auf  dem  gleichmäßig  gewölbten  Rücken  und  ziehen 
gegen  den  hinteren  Schloßrand  hin  ein.  Wie  sich  der  Verlauf  der  Rippen  bei 
Inoceramus  koegleri  von  dem  des  Inoceramus  kleini  var.  G),  der  ebenfalls  eine 
ununterbrochene  Rundung  bildet,  unterscheidet,  zeigt  ein  Vergleich  der  Ab- 
bildungen Taf.  1,  Fig.  6 mit  Taf.  2,  Fig.  3 in  der  Festschrift  1911.  Große 
Ähnlichkeit  mit  unserer  Art  besitzt  auch  Inoceramus  lamarcki  Park.  (Original 
des  Inoceramus  brongniarli  Mant.)  7).  Diese  Form  ist  von  Inoceramus 
lamarcki  zu  trennen  und  hier  anzugliedern.  Ich  halte  die  Beibehaltung  des 
von  mir  gewählten  Namens  für  richtiger*  um  nicht  durch  Wiedereinführung 
der  Bezeichnung  „brongniarli“  neue  Verwirrung  in  die  Kreidestratigraphie 
zu  tragen.  Zum  Vergleich  mit  anderen  Arten  dient  ferner  Tabelle  S.  142. 

Maße:  1_ 2_  3 

Länge:  37  mm?  34  mm 

Höhe:  J 58  „ ? 48  „ 

Winkel  Sehloßrand- Vorderrand:  10.5°  110° 

Winkel  Schloßrand- Achse:  '65°  65° 

Fundort : 

1)  E E.-St.  Tannendorf  1 (Sammlg.  Humboldtver.  Ebersbach),  Ändert 
1911,  Taf.  1,  Fig.  6;  Taf.  7,  Fig.  4;  2)  OT  aß  Khaa  3 (Sammlg.  Humboldtver. 
Ebersbach),  Ändert  1911,  Taf.  5,  Fig.  6;  3)  E Kreibitz  24. 

Vorkommen: 

Oberturon  aß:  Khaa  3,  Innozenzidorf  6; 

Emscher:  E.-St.  Tannendorf  1,  Oberkreibitzer  Talsperre  5?,  Kreibitz  24. 

Der  englische  Fundort  ist  unsicher. 

Inoceramus  subpercostatus  Ändert 
Taf.  5,  Fig.  3;  Taf.  16,  Fig.  1 

1911  Inoceramus  subpercostatus  Ändert,  S.  57  (25),  Taf.  2,  Fig.  4;  Taf.  7,. 

Fig.  3. 

1912 — 13  Inoceramus  lobatus  Scupin,  S.  211,  Abb.  35. 

Die  Muschel  ist  höher  als  breit.  Vorder-  und  Hinterrand  verlaufen  fast 
parallel.  Unter  dem  Wirbel  biegt  die  Schale  schwach  ein.  Der  Unterrand 
bildet  einen  spitz  zulaufenden  Bogen.  Der  Schloßrand  ist  kurz  und  gerade, 
Bandgruben  sind  nicht  sichtbar.  Die  Schale  ist  hochgewölbt.  Die  höchste 
Wölbung  verläuft  über  die  Mitte  des  Rückens  in  einem  schwach  nach  vom 

6)  vergl.  unter  Inoceramus  klexni,  S.  116,  . __:.5 

7)  Gipaabgaß  liegt  vor. 


20  mm 
23  „ 
105° 
65° 


Paläontologischer  Teil 


H9 


geöffneten  Bogen.  Der  Flügel  ist  klein  und  scharf  abgesetzt.  Der  spitze, 
über  den  Schloßrand  weit  hervorragende  Wirbel  liegt  ganz  vorn.  Das  Original, 
Ändert  1911,  Taf.  2,  Fig.  4,  rechte  Klappe,  zeigt  folgende  Maße:  Schloßrand 
und  Vorderrand  bilden  einen  Winkel  von  95°,  Schloßrand  und  Achse  einen 
solchen  von  55°,  die  Höhe  beträgt  75  mm,  die  Länge  40  mm. 

Die  scharfen  konzentrischen  Anwachskämme  sind  kräftiger  ausgeprägt 
als  bei  Inoceramus  kleini  und  hoegleri.  Außerdem  bildet  ein  gutes  Unter- 
scheidungsmerkmal die  vom  Wirbel  nach  vorn  unten  vor  der  höchsten  Schalen- 
wölbung hinziehende  Abflachung,  wodurch  an  dieser  Stelle  ein  geradliniger 
Verlauf  der  Anwachskämme  hervorgerufen  wird.  Die  flachen  Zwischenräume 
zwischen  den  Kämmen  nehmen  gegen  den  Unterrand  an  Breite  zu.  Zwischen 
den  gröberen  Kämmen  sind  auch  einige  schwächere  vorhanden.  In  Tabelle 
S.  142  ist  die  Art  ähnlichen  Formen  gegenübergestellt. 

Heinz  1928  d,  S.  27,  glaubt,  daß  der  Eindruck  der  Abflachung  nur  durch 
einen  Bruch  verursacht  worden  ist,  doch  ist  am  Original  von  einem  Bruche 
nichts  zu  sehen. 

Die  Geologische  Landesanstalt  Berlin  hat  in  den  letzten  Jahren  durch 
Herrn  Bankier  Zimmer  f in  Löw^enberg  aus  dem  Emscher  von  Herzogswaldau 
eine  Reihe  Inoceramen  erhalten,  die  mit  unserer  Art  gut  vereinigt  werden 
können.  Ich  erhielt  ebenfalls  einige  Stücke  durch  Herrn  Jäiine  in  Bunzlau. 
An  manchen  dieser  Exemplare  ziehen  die  Kämme  auf  der  vorderen  Schalen- 
hälfte jedoch  nicht  so  tief  hinab  wie  an  dem  Original.  Teils  sind  auch  diese 
Stücke  bedeutend  größer  als  unseres.  Eine  hintere  Furche  wie  bei  Inoceramus 
lobatus , zu  welcher  Art  Scupin  ein  Exemplar  von  Herzogsw'aldau  stellt,  ist 
an  diesen  Stücken  nicht  vorhanden. 

Inoceramus  subpercostatus  liegt  vor  unter  der  Bezeichnung  „Lausche“ 
aus  der  WEisn’schen  Sammlung  (Humboldtver.  Ebersbach).  Wahrscheinlich 
stammt  das  Stück  nach  dem  Gesteinsmaterial  von  dem  unweit  westlich  davon 
gelegenen  Inoceramenfundort  Dachsloch. 

Vorkommen: 

Oberturon  a J3 : Innozenzidorf  6 (Humboldtver.  Ebersbach); 

Emscher:  Herzogswaldau  Löw.  (Geol.  Landesmus.). 


Inoceramus  percostatus  G.  Miller 
Taf.  5,  Fig.  4 

1888  Inoceramus  percostatus  G.  Müller,  S.  413,  Taf.  17,  Fig.  3 a — c. 

1911  Inoceramus  percostatus  Ändert,  S.  56  (24),  Taf.  5,  Fig.  4. 

1928  a Inoceramus  jlaccidus  White  var.  percostata  Heinz,  Taf.  3. 

1929  Inoceramus  percostatus  Heine,  S.  46,  Taf.  3,  Fig.  14 — 17. 

Besseres  Material,  als  von  dieser  Art  im  Jahre  1911  Vorgelegen  hat, 

ist  noch  nicht  aufgefunden  worden.  Es  erübrigt  sich  deshalb  an  dieser  Stelle 
eine  eingehendere  Schilderung.  Das  aus  dem  Besitz  von  Koegler  1911  von  mir 
erwähnte  Stück  ist  in  meine  Sammlung  übergegangen.  Die  konzentrischen 
Kämme  sind  ebenso  kräftig  wie  bei  Inoceramus  subpercostatus ; jedoch  ver- 
läuft bei  Inoceramus  percostatus  die  Furche  nicht  vor,  sondern  hinter  der 
höchsten  Schalenwölbung. 

Die  Tabelle  S.  143  stellt  die  Art  in  den  Vergleich  zu  ähnlichen  Formen. 
Inoceramus  lamarcki  Park,  bei  Woods  1904—13,  S.  312,  Abb.  63,  steht  unserem 


120 


Abh.  preuß.  g-eol.  L.-A.,  Neue  Folge,  Heft  159 


Inoceramus  percostatus  sehr  nahe,  wie  bereits  von  mir  1913,  S.  279  aus- 
geführt worden  ist.  Von  den  Normalformen  des  Inoceramus  lamarcki  ist 
das  erwähnte  Stück  ganz  entschieden  abzutrennen  (vgl.  auch  Heinz  1926, 
S.  98  und  1928  d,  S.  27).  Heinz  sagt  an  dieser  Stelle,  daß  das  englische 
Stück  aus  dem  oberen  Unterturon  stammen  soll;  nach  Woods  gehört 
es  wahrscheinlich  der  Zone  des  Micraster  cor  anguinum  an,  wo  es  seiner 
Form  nach  auch  ungefähr  hingehören  könnte.  Hiermit  ist  aber  auch  die 
Bezeichnung  der  von  Woods  auf  gestellten  Art  „Inoceramus  lamarcki  Park.“ 
als  mittelturone  Form,  wie  wir  sie  anzusehen  gewöhnt  sind,  hinfällig.  Die 
im  sudetischen  Mittelturon  vorkommenden  Formen  dieser  Gruppe  bezeichne 
ich  als  Inoceramus  lamarcki  var.  und  überlasse  es  anderen,  den  Knoten  zu 
entwirren. 

Bei  Durchsicht  des  Materials  im  Geologischen  Landesmuseum  zu  Berlin 
fand  ich  ferner  von  Herzogswaldau  einige  Stücke,  die  die  charakteristischen 
Furchen  des  lnocemmus  percostatus  gut  zeigen. 

Vorkommen: 

Emscher:  E.-St.  Tannendorf  1,  Herzogswaldau  Löw.  (Geol.  Landesmus.). 

Die  Art  ist  vorwiegend  vom  nördlichen  Harzrande  und  aus 
Westfalen  (Emscher)  bekannt,  England  (?). 

Inoceramus  frechi  Flegel 
Taf.  5,  Fig.  5 — 8,  9 a,  b,  c;  Taf.  6,  Fig.  1 

1905  Inoceramus  frechi  Flegel,  S.  25. 

1907  Inoceramus  frechi  Scupin,  24,  S.  693. 

1911  Inoceramus  frechi  Ändert,  S.  51  (19),  Taf.  1,  Fig.  8 a,  b;  Taf.  7, 

Fig.  6. 

1912—13  Inoceramus  frechi  Scupin,  S.  208,  Taf.  11,  Fig.  10;  Taf.  12,  Fig.  2. 

Durch  weitere  Aufsammlungen  hat  sich  das  mir  für  die  Bearbeitung  im 
Jahre  1911  vorliegende  Material  verdreifacht.  Leider  sind  fast  alle  Stücke 
mehr  oder  weniger  zerbrochen.  Die  Form  ist  veränderlich  und  zeigt  ein  auf- 
rechtes verschobenes  Viereck  mit  abgerundeter  Unterseite.  Größere  Stücke 
sind  flacher  als  kleine.  Die  linke  Klappe  ist  höher  gewölbt  als  die  rechte, 
letztere  bei  größeren  Stücken  fast  flach.  Infolgedessen  ist  auch  der  Flügel 
an  der  linken  Klappe  schärfer  abgesetzt  als  an  der  rechten.  Bei  der  rechten 
Klappe  geht  der  Rücken  meist  unmittelbar  in  den  Flügel  über.  Der  Vorder- 
randverläuft bis  etwa  zur  Schalenmitte  in  einer  geraden,  senkrecht  oder  etwas 
nach  vorn  abwärts  strebenden  Linie  und  bildet  dann  mit  dem  Unterrande  und  dem 
unteren  Teile  des  Hinterrandes  einen  meist  etwas  verschobenen  Bogen.  Der 
Flinterrand  des  Flügels  biegt  mehr  oder  weniger  nach  außen  (Taf.  6,  Fig.  1). 
Unter  dem  Wirbel  befindet  sich  entlang  des  Schalenrandes  ein  flacher  Ein- 
druck. Der  fast  regelmäßig  hinten  abgebrochene  Schloßrand  ist  gerade  und 
verhältnismäßig  lang.  Die  Wirbel  liegen  ganz  am  vorderen  Schalenende  und 
ragen  über  den  Schloßrand  hervor,  sind  spitz  und  schwach  nach  vorn  gedreht. 
Ihre  Ausbildung  ist  bei  den  beiden  Klappen  verschieden.  Der  Wirbel  der 
linken  Klappe  ist  in  Verfolg  deren  kräftigeren  Wölbung  stärker  und  höher 
herausgehoben;  der  Wirbel  der  flacheren  rechten  Klappe  ist  schwächer  und 
liegt  bei  größeren  Stücken  als  schmale  Wulst  über  der  Schalenfläche.  Die 
Muschel  ist  stark  ungleichseitig  (Taf.  5,  Fig.  9 c).  Die  Bandgruben  sind 
klein  und  nur  selten  an  den  Steinkernen  sichtbar. 


Paläontologischer  Teil 


121 


Die  Oberfläche  ist  mit  schürfen,  fast  regelmäßigen  Anwachskämmen  be- 
deckt, die  durch  flache,  gegen  den  Unterrand  an  Breite  zunehmende  Zwischen- 
räume voneinander  getrennt  sind  und  in  gleicher  Deutlichkeit  auch  auf  den 
Flügel  übergehen.  Gegen  den  Schloßrand  hin  biegen  die  äußeren  Rippen 
schwach  nach  außen  um.  Die  inneren  ziehen  gewöhnlich  in  gerader  Linie  zum 
Schloßrande  auf,  so  daß  bei  kleineren  oder  abgebrochenen  Stücken  die  Außen- 
biegung der  Rippen  oft  nicht  hervortritt.  Durch  Aufsammeln  einer  Anzahl 
von  Hohlabdrücken  ist  mit  Sicherheit  festgestellt,  daß  Anwachsstreifen  nur 
ganz  schwach  entwickelt  sind.  Häufig  ist  jedoch  zwischen  den  großen  scharfen 
Anwachskämmen  eine  einzelne  scharfe  feine  Linie  sichtbar. 

Maße:  1 2 Sa')  3 b)  4 5 

Winkel  Schloßrand-Vorderrand : 110°  105°  110°  105°  120°  110° 

Winkel  Schloßrand- Achse:  70°  75°  75°  75°  80°  80° 

Fundort:  OT  aß  Waltersdorf  2: 

1),  2)  linke  Klappe;  3a)  Ändert  1911,  linke  Klappe,  Taf.  1,  Fig.  8a; 
3b)  Ändert  1911,  rechte  Klappe,  Taf.  1,  Fig.  8 b;  4),  5)  rechte  Klappe. 

Das  größte  Stück  besitzt  eine  Höhe  von  10,5  und  eine  Breite  von  8,5  cm; 
kleinere  Stücke  zeigen  bei  einer  Höhe  von  3,6  cm  eine  Breite  von  2,8  cm. 

Jüngere  Exemplare  können  mit  Inoceramus  kleini  und  Inoceramus  costel- 
latus  verwechselt  werden;  jedoch  ist  bei  ausgewachsenen  Stücken  die  Unter- 
scheidung nicht  schwer.  Der  Verlauf  der  Rippen,  die  Wölbung  des  Rückens, 
die  Heraushebung  des  Wirbels  ist  von  den  beiden  Arten  verschieden.  Auch 
ist  Inoceramus  frechi  mehr  ungleichklappig  als  die  anderen  beiden  Arten.  Das 
Fehlen  einer  Furche  unterscheidet  die  Art  scharf  von  Inoceramus  percostatus 
und  subpercostatus,  das  Fehlen  der  vorderen  Kante  von  Inoceramus  koegleri. 
Der  Unterschied  von  Inoceramus  glatziae  ist  bei  diesem  geschildert.  Die 
Unterscheidungsmerkmale  sind  außerdem  noch  in  Tabelle  S.  143  zusammen- 
gestellt. 

Heinz  1928  a,  S.  73  und  Anm.  2,  sowie  Taf.  2,  Fig.  2,  ferner  1929,  S.  26, 
stellt  unseren  Inoceramus  frechi  zu  seinem  Inoceramus  stillei  aus  dem  mittleren 
Oberturon.  Die  Wirbelpartie  ist  jedoch  bei  unserer  Art  ganz  anders  aus- 
gebildet; auch  die  Anwachskämme  sind  auf  dem  Rücken  unserer  Art  viel 
tiefer  herabgezogen  (vgl.  die  abgebildete  rechte  Klappe,  Taf.  5,  Fig.  8,  die 
etwa  gleiche  Größe  wie  das  abgebildete  Stück  des  Inoceramus  stillei  besitzt). 
Die  nach  einem  Hohlabdruck  hergestellte  Fig.  1 auf  Taf.  6 zeigt  auch  das 
Fliehen  der  Anwachskämme  auf  dem  Flügel  vom  Wirbel  weg,  was  bei  Stein- 
kernen, da  der  Flügel  fast  immer  teilweise  abgebrochen  ist,  weniger  gut 
zum  Ausdruck  kommt.  Nach  Heinz  besitzt  Inoceramus  stillei  Anwachsstreifen, 
An  wachsringe,  Anwachsmarken  und  An  wachs  wellen,  jedoch  keine 
scharfen  Anwachskämme,  wie  an  den  Hohlabdrücken  zu  unserer  Art 
ersichtlich  ist.  Flügelausbildung  und  Wirbel  unserer  Exemplare  stimmen 
vollständig  mit  dem  von  Scupin  1912/13,  Taf.  11,  Fig.  10  dargestellten  überein. 
Übrigens  habe  ich  1911  die  Identität  der  Art,  die  wohl  beschrieben,  aber 
nicht  abgebildet  war,  in  der  Sammlung  des  Geologischen  Institutes  der 
Universität  Breslau  mit  meinem  Material  festgestellt.  Dann  suchte  ich  Herrn 
Professor  Dr.  Scupin  in  Halle  auf  und  hier  bestätigte  sich  die  Überein- 
stimmung seiner  Form  von  Hockenau  mit  meinen  Exemplaren.  Das  neue 
umfangreichere  Material  im  Geologischen  Landesmuseum  zeigt  unsere  Art 


122 


Abh.  preuß.  g>eol.  L.-A.,  Neue  Folge,  Heft  159 


von  Hockenau  in  derselben  Variabilität  wie  vom  Sonnenberge.  Ich  möchte 
ganz  besonders  darauf  hinweisen,  daß  man  bei  den  variablen  Formen  Ino - 
ceramus  frechi,  lusaticie,  waltersdorfensis  usw.  mit  einem  typischen  Stück, 
wie  dies  bei  den  Inoceramen  aus  älteren  Schichten  möglich  ist,  wenig  anfangen 
kann,  um  den  Formenkreis  der  Art  zu  erfassen. 

Vorkommen: 

Oberturon  aß:  Hohnstein  1 (Mus.  Dresden),  Waltersdorf  2 (70  Stück),  Hoch- 
wald 2 a (ges.  d.  Sitte),  Hockenau  Löw.  (Geol.  Landesmus., 
etwa  20  Stück),  Heuscheuer  1 (Univ.  Breslau). 


Inoceramus  glatziae  Flegel 
Taf.  6,  Fig.  2,  3,  4 a,  b,  c,  5 


1905 

Inoceramus 

glatziae 

Flegel,  S.  26. 

1905 

Inoceramus 

cuvieri 

var.  geinitzianus 

Flegel,  S. 

24. 

1905  a 

Inoceramus 

cuvieri 

var.  geinitzianus 

Flegel,  S. 

230. 

1911 

Inoceramus 

glatziae 

Ändert,  S.  52 

(20),  Taf.  1, 

, Fig.  1,  3,  4 a 

Taf.  7,  Fig. 

1,  2. 

1923  a 

Inoceramus 

glatziae 

Heinz.  Taf.  3. 

? 1923  e 

Inoceramus 

glatziae 

Heinz,  S.  126. 

lnoceramus  glatziae  gleicht  im  Umriß  dem  Inoceramus  frechi ; die  Wölbung 
ist  gleichmäßig,  der  Wirbel  dick.  Er  überragt  den  Schloßrand;  der  der  linken 
Klappe  ist  meist  höher  als  der  der  rechten.  Die  Muschel  ist  infolgedessen 
etwas  ungleichklappig.  Die  Vorderseite  fällt  ziemlich  steil  ab  und  ist  unter 
dem  Wirbel  eingedrückt.  Der  Unterrand  bildet  einen  gut  gerundeten  Bogen, 
der  Hinterrand  steigt  fast  senkrecht  auf  und  ist  kurz  vor  dem  Schloßrande 
etwas  eingeschnürt.  Der  fast  gerade  Schloßrand  ist  mäßig  lang  und  auf  1 cm 
mit  etwa  elf  Bandgruben  besetzt.  Schloßrand  und  Vorderrand  bilden  einen 
Winkel  von  etwa  120°.  Der  Winkel  Schloßrand : Achse  beträgt  ungefähr 
80°.  Der  kleine  Flügel  ist  durch  eine  gerundete  Einsenkung  vom  Rücken  der 
Schale  getrennt;  bei  kleineren  Exemplaren  gehen  Rücken  und  Flügel  auch 
unmittelbar  ineinander  über. 

Bei  Inoceramus  glatziae  besteht  die  Schalenverzierung  aus  Anwachs- 
kämmen, Anwachswellen  und  Anwachsringen.  Da  fast  nur  Steinkerne  vor- 
liegen, lassen  sich  Kämme  und  Wellen  meist  nicht  scharf  unterscheiden. 
Gegenüber  Inoceramus  frechi  verlaufen  die  konzentrischen  Verzierungen 
weniger  schief  und  bilden  einen  breiteren  runden  Bogen.  Ferner  sind  Anwachs- 
wellen bzw.  -Kämme  bei  Inoceramus  glatziae  im  allgemeinen  bedeutend  enger 
und  unregelmäßiger  angeordnet  als  die  Anwachskämme  bei  Inoceramus  frechi. 

Nahe  steht  Inoceramus  glatziae  dem  von  Woods  1904—13,  2,  Abb.  71,  72 
geschilderten  Inoceramus  lamarcki  var.  websteri.  Die  auf  Taf.  53  in  Fig.  1 
und  2 8)  von  Woods  dargestellten  Stücke  passen  jedoch  weniger  hierher. 
Heinz  1928  a,  S.  74  bezeichnet  Fig.  72  als  Typus  seines  Inoceramus  stolleyi. 
Wenn  Heinz,  1929,  weiter  vermutet,  daß  die  von  mir  zu  Inoceramus  glatziae 
gestellten  Exemplare  vom  Sonnenberge  zu  Inoceramus  transilvanicus  Sim. 
gehören,  so  möchte  ich  hiermit  feststellen,  daß  sie  mit  dieser  Art  gar  nicht 
übereinstimmen.  Sie  sind  jedoch  vollständig  identisch  mit  den  Originalstücken 
des  Inoceramus  glatziae  Flegel  von  der  Heuscheuer.  Heinz  führt  unsere 


8)  Gipsabgnß  Hegt  vor. 


Paläontologischer  Teil 


123 


Art  auch  von  Neuseeland  an.  Nachdem  bekannt  ist,  daß  einander  ähnliche 
Inoceramenformen  in  älteren  und  jüngeren  Schichten  auftreten,  obwohl  sie  bei 
Vorlage  größeren  Materials  nicht  als  ein  und  dieselbe  Art  angesprochen 
werden  können,  ist,  solange  nur  geringes  Material  aus  außereuropäischen 
Kreidegebieten  vorliegt  und  die  Horizonte  nicht  durch  andere  Fossilien  eben- 
falls ziemlich  sicher  belegt  sind,  die  Identifizierung  von  Formen  aus  so  weit 
voneinander  entfernten  Gebieten  mit  Vorsicht  aufzunehmen.  Auch  die  schnelle 
zeitliche  Aufeinanderfolge  der  Arten  der  Inoceramengattung  muß  bei  der- 
artigen Vergleichen  ganz  besonders  in  die  Wagschale  geworfen  werden. 

Übrigens  ist  die  Schilderung  der  Art  von  Heinz  1928,  S.  126  zum  Teil 
abweichend  von  der  Mehrzahl  meiner  Exemplare.  Heinz  1932,  X,  S.  43, 
bestimmt  das  Stück  vom  Dachsloch,  Ändert  1911,  Taf.  1,  Fig.  1,  als  Ino- 
ceramus  germano-bohemicus  n.  sp.  Es  ist  ein  verhältnismäßig  großes  Exemplar, 
das  aber  keinen  neuen  Namen  benötigt.  Vollständig  ist  das  Exemplar  auch 
nicht  erhalten.  Heine  1929,  S.  60?  glaubt,  daß  nahe  Beziehungen  zwischen 
Inoceramus  glatziae  und  Inoceramus  kleini  bestehen.  Am  nächsten  steht 
Inoceramus  glatziae  dem  Inoceramus  frechi,  während  sich  beide  von  Ino- 
ceramus kleini  unterscheiden  (siehe  Tabelle  S.  143).  Kleinere  Steinkerne 
von  Inoceramus  glatzi/ae,  wie  z.  B.  Ändert  191 1,  Taf.  1,  Fig.  3 und  4 
haben  mit  einzelnen  Exemplaren  von  Inoceramus  kleini,  wenn  unvermittelt 
nebeneinander  gestellt,  immerhin  Ähnlichkeit.  Ich  halte  die  von  Heine  Taf.  6, 
Fig.  31  als  Inoceramus  cf.  glatziae  dargestellten  Exemplare  für  Inoceramus 
kleini. 

Vorkommen: 

Oberturon  aß:  Waltersdorf  2,  Innozenzidorf  2,  6 (Sammlg.  Humboldtver. 

Ebersbach),  Hockenau  Löw.  (Geol.  Landesmus.),  Heuscheuer  1 
(Geol.  Institut  Breslau) ; 

Emscher:  E.-St.  Tannendorf  1,  Lüneburg  (Heinz)?,  Amuri  Bluff  auf 

Neuseeland  (Heinz)?. 

Inoceramus  seitzi  v.  sp. 

Taf.  16,  Fig.  2 a,  b 

Im  Geologischen  Landesmuseum  liegt  aus  dem  Oberturon  a ß von  Hockenau 
bei  Löwenberg  ein  schöner  Steinkern  mit  Hohlabdruck.  Die  Art  bildet  mit  dem 
scharf  abgesetzten  Flügel  zusammen  im  Umriß  ein  aufrecht  stehendes  Rechteck, 
ohne  den  Flügel  eine  hohe  Pyramide.  Sie  ist  hoch  gewölbt.  Schloßrand  und 
Vorderrand  sind  gerade  und  stoßen  in  ungefähr  einem  rechten  Winkel  an- 
einander. Der  Vorderrand  grenzt  in  einem  scharfen  Bogen  an  den  kurz 
bogenförmigen  Unterrand.  Unterrand  und  Hinterrand  gehen  in  einem  flachen 
Bogen  ineinander  über.  Der  Hinterrand  des  Flügels  biegt  schwach  nach  außen. 
Besonders  charakteristisch  ist  das  plötzliche  Umbiegen  des  flach  gewölbten 
Rückens  in  die  dazu  senkrecht  stehende,  fast  ebene  Vorderseite.  Gegen  den 
Hinterrand  ist  der  Abfall  des  Rückens  mehr  allmählich  und  gerundet.  Der 
dicke,  nach  innen  gebogene  Wirbel  überragt  den  Schloßrand. 

Die  Verzierung  der  Schale  besteht  nach  dem  Hohlabdruck  aus  scharfen 
konzentrischen  Anwachskämmen,  die  fast  in  der  gleichen  Schärfe  auch  auf 
den  Flügel  übergehen.  Auf  dem  Steinkern  gewahrt  man  an  deren  Stelle 
dicke  gerundete  konzentrische  Ringe.  Siehe  auch  Tabelle  S.  143. 


124 


Abh.  preuß.  geol.  L.-A.,  Neue  Folge,  Heit  150 


Herr  Professor  Dr.  Böiim  hat  schon  seit  längerer  Zeit  diese  Form  als 
neue  Art  erkannt  und  benannt.  Mit  seinem  Einverständnis  erfolgt  hier  die 
Veröffentlichung.  Die  Art  ist  Herrn  Professor  Dr.  O.  Seitz  in  Berlin 
gewidmet.  ; 

Vorkommen: 

Oberturon  aß:  Hockenau  (Geol.  Landesmus.). 

lnoceramus  subquadratus  Schlüter? 

1887  lnoceramus  subquadratus  Schlüter,  44,  S.  43. 

1909  lnoceramus  subquadratus  Sciiroeder  & Böiim,  S.  62,  Tat.  16, 

Fig.  1-3. 

1911  lnoceramus  subquadratus  Ändert,  S.  60  (28),  Taf.  5,  Fig.  7. 

1929  lnoceramus  subquadratus  Heine,  S.  34,  Taf.  1,  Fig.  1,  2. 

Seit  Veröffentlichung  der  Festschrift  im  Jahre  1911  ist  über  diese  Art 
im  Arbeitsgebiet  nichts  Neues  bekannt  geworden.  Mein  Material  ist  nicht 
derart,  daß  man  eine  eingehende  Schilderung  geben  könnte.  Die  Steinkerne 
sind  mäßig  gewölbt  und  mit  regelmäßigen  scharfen  Anwachskämmen  bedeckt, 
die  durch  etwa  ebenso  breite  flache  Furchen  getrennt  sind.  Das  winkelige 
Umbiegen  der  Anwachskämme,  das  nach  den  ScHROEDEnschen  Abbildungen 
und  nach  dem  Vergleich  mit  den  Originalen  im  Geologischen  Landesmuseum 
Berlin  eine  besondere  Eigenart  dieser  Form  ist,  zeigt  sich  auch  an  unseren 
Stücken.  Der  Flügel  ist  klein.  Wenn  die  vorhandenen  wenigen  Exemplare  tat- 
sächlich nicht  zu  lnoceramus  subquadratus  gehören  sollten,  so  könnten  es  nur 
breitgedrückte  Formen  des  lnoceramus  frecfii  sein,  der  im  gleichen  Niveau 
(Oberturon  ß)  vorkommt.  Siehe  auch  Tabelle  S.  143. 

Nach  Heine  ist  lnoceramus  subquadratus  charakteristisch  für  den  mittleren 
und  oberen  Emscher  Westfalens. 

Heinz  1929,  S.  26  stellt  unsere  Stücke  zu  lnoceramus  striato-concentricas 
Gümb.  var.  carpathica  Sim.  Diese  Art  hat  ebenfalls  scharfe  konzentrische 
Kämme,  besitzt  aber  eine  andere  Form  und  gehört  in  einen  anderen  Horizont. 
Vorkommen: 

Oberturon  aß:  Waltersdorf  2,  Innozenzidorf  2. 

Unzweifelhaft  im  Emscher  von  Timmenrode  am  nördlichen  Harzrande 
(Geol.  Landesmus.)  und  von  Westfalen  (Univ.  Münster). 

lnoceramus  sturmi  Ändert 
Taf.  6,  Fig.  6 

1843  lnoceramus  concentricus  Geinitz,  4,  S.  15,  Taf.  3,  Fig.  12. 

1891  lnoceramus  simplex  Langenhan  & Grundey,.  Taf.  5,  Fig.  5—7. 

1901  lnoceramus  cuvieri  Stürm,  Taf.  10,  Fig.  1. 

1911  lnoceramus  sturmi  Ändert,  S.  58  (26)  z.  Teil. 

1929  lnoceramus  circularis  u.  var.  oblonga  u.  undala  Heine,  S.  52,  Taf.  4, 

Fig.  23;  Taf.  5,  Fig.  25. 

? 1929  lnoceramus  labiatus  Heine,  Taf.  5,  Fig.  25,  26. 

1929  lnoceramus  sublabiatus  Heine,  S.  57,  Taf.  5,  Fig.  27,  28;  Taf.  6,  fig.  29. 

1929  lnoceramus  waltersdorf ensis  Ändert,  2,  S.  168,  Schicht  7. 


Paläon  tologischer  Teil 


125 


Durch  Aufsammeln  von  reichlicherem  Material  am  Sonnenberge  bei 
Waltersdorf  hat  sich  ergeben,  daß  die  von  mir  zu  Inoceramus  sturmi  ge- 
stellten Stücke  dieses  Fundortes  zu  Inoceramus  waltersdorf ensis  gehören. 
Die  Exemplare  von  Inoceramus  sturmi  sind  höher  als  lang,  erreichen 
bis  6 cm  Länge  und  10  cm  Höhe.  Im  Umriß  sind  sie  gerundet  vierseitig, 
mit  vorn  liegendem  spitzem,  etwas  niedergedrücktem  Wirbel.  Es  gibt  kleinere 
und  größere,  schmälere  und  breitere  Exemplare. 

Die  Verzierung  der  Schale  besteht  aus  engen  Konzentrischen  Anwachsringen 
und  unregelmäßigen  flachen  Anwachswellen,  die  meist  in  die  Höhe  heraus- 
gezogen sind  und  in  voller  Rundung  über  die  Schale  verlaufen,  im  Gegensatz 
zu  Inoceramus  inoonslans  em.  Ändert,  wo  sie  meist  in  stumpfen  Ecken  um- 
biegen. Die  Wölbung  der  Schale  ist  mäßig.  Die  für  Inoceramus  inconslans 
charakteristischen  stufenförmigen  Absätze  treten  an  den  mir  vorliegenden 
Stücken  des  Inoceramus  sturmi  nur  gering  hervor.  Sehr  ähnlich  ist  unserer 
Art  Inoceramus  sublabiatus  G.  Mülcer  1888,  Taf.  16,  Fig.  2.  Die  Darstellung 
bei  Müller  ist  jedoch  so  mangelhaft,  daß  sich  danach  keine  Bestimmung  vor- 
nehmen läßt.  Eine  ausgezeichnete  Schilderung  unserer  Art  gibt  Heine  unter 
Inoceramus  circularis  nebst  Varietäten,  worauf  ganz  besonders  verwiesen 
sei.  Weiter  möchte  ich  hierzu  stellen  Heine,  Inoceramus  sublabiatus,  Taf.  5, 
Fig.  27,  28;  Taf.  6,  Fig.  29  und  Inoceramus  labiatus  Taf.  5,  Fig.  25,  26. 
Meine  1927,  S.  30,  Anm.  1 ausgesprochene  Vermutung,  daß  alle  Stücke  des 
Inoceramus  sturmi  wahrscheinlich  zu  Inoceramus  inconslans  gehören,  möchte 
ich  nach  nochmaliger  Durcharbeitung  des  Materials  nicht  aufrechterhalten. 
Allen  Exemplaren  des  Inoceramus  sturmi  fehlt  das  für  Inoceramus  inconstans 
charakteristische  Umbiegen  der  Schale  in  einem  gewissen  Alter  nach  innen. 
Siehe  auch  Tabelle  S.  138. 

Vorkommen: 

Emscher:  Kreibitz  4,  E.-St.  Tannendorf  2,  Schildberg  (Soukuf),  Hohl- 

stein Low.  (Geol.  Landesmus.),  Großhartmannsdorf  Löw.  (Geol. 
Landesmus.),  Neuwarthau  Löw.  1 (Geol.  Landesmus.),  Kies- 
lingswalde. 

Außerdem  im  Emscher  Westfalens. 

Inoceramus  schroederi  G.  Müller? 

Taf.  6,  Fig.  7 

1898  Inoceramus  schroederi  G.  Müller,  S.  42,  Taf.  6,  Fig.  3. 

1928  a Inoceramus  schroederi  Heinz,  Taf.  3. 

Die  Muschel  besitzt  viereckig  gerundeten  Umriß  und  ist  höher  als  lang. 
Sic  ist  gleichmäßig  gewölbt.  Der  spitze,  ziemlich  vorn  gelegene  Wirbel  ragt 
etwas  über  den  Schloßrand  empor.  Der  Rücken  der  Schale  verläuft  un- 
mittelbar in  den  Flügel.  Die  Verzierung  der  Schale  besteht  nur  aus  regel- 
mäßigen Anwachsringen,  deren  Stärke  etwas  ungleich  ist.  Gegen  den  Unter- 
rand zeigen  sich  einige  kleine  Falten.  Am  Schloßrand  sind  an  einem  Exemplar 


kleine  Bandgruben  sichtbar. 

Maße: 

1 

2 

Länge : 

50  mm 

40  mm 

Höhe: 

etwa  60  „ 

etwa  50  „ 

126 


Abh.  preuß.  gieol.  L.-A.,  Neue  Folge,  Heft  159 


Da  die  MüLLEn’schen  Originalstücke  aus  dem  Untersenon  stammen,  er- 
scheint mir  trotz  der  großen  Ähnlichkeit  die  Zusammengehörigkeit  mit  unseren 
Stücken  noch  fraglich.  Siehe  auch  Tabelle  S.  138. 

Vorkommen: 

Oberturonaß:  Innozenzidorf  2 (zwei  Exemplare). 

Das  Original  Müller’s  stammt  aus  dem  Untersenon  des  nördlichen  Harz- 
randes bei  Ilsede  (Geol.  Landesmus). 

Inoceramus  lusatiae  Am>ert 
Taf.  7,  Fig.  la,  b,  2,  3;  Abb.  14  a,  b 

1905  Inoceramus  percostatus  Flegel,  S.  24,  25. 

1905  a Inoceramus  percostatus  Flegel,  S.  230. 

1911  Inoceramus  lusatiae  Ändert,  S.  54  (22),  Taf.  2,  Fig.  1 a,  b;  Taf.  3, 

Fig.  3;  Taf.  8,  Fig.  3,  4,  5. 

non  1912 — 13  Inoceramus  lusatiae  Scupin,  S.  209,  Abb.  34. 

Seit  1911  ist  eine  ganze  Menge  neuer  Funde  von  dieser  Art  gemacht 
worden.  Leider  sind  auch  diese  Stücke  meist  mehr  oder  weniger  zerbrochen 
und  verdrückt.  Die  Muschel  ist  aufgebläht  und  ungefähr  gleichklappig.  Die 
Grundform  ergibt  ein  aufrechtes  Rechteck  oder  Quadrat,  dessen  vordere  untere 
Kante  schräg  abgeschnitten  ist.  Oft  ist  die  größere  Hälfte  des  Vorderrandes 
in  dieser  Weise  kupiert.  Der  Unterrand  ist  gerundet  und  geht  im  Bogen  in 
den  Hinterrand  über.  Dieser  biegt  erst  einwärts  und  beim  Flügelansatz 
nach  außen.  Unter  dem  Wirbel  findet  sich  ein  flaches  oder  etwas  eingesenktes 
Möndchen.  Außer  dieser  vorherrschenden  Form  finden  sich  mancherlei 
Variationen.  So  verläuft  zuweilen  der  Vorderrand  senkrecht  oder  etwas 
nach  vorn  gerichtet  in  gerader  Linie  bis  zum  Unterrande  (Taf.  7,  Fig.  la,  b); 
auch  wird  der  hochgewölbte,  sich  gegen  den  Flügel  kräftig  abdachende  Rücken 
oft  breiter  und  flacher  und  geht  allmählich  in  den  Flügel  über.  Der  im 
allgemeinen  große  Flügel  scheint  sehr  dünn  gewesen  zu  sein,  denn  er  ist  fast 
immer  abgebrochen.  Der  Schloßrand  ist  lang  und  gerade.  An  einem  aus- 
gewachsenen Stücke  konnten  auf  einen  Zentimeter  zehn  kleine  Bandgruben 
gezählt  werden.  Bei  den  normalen  Stücken  bilden  Schloßrand  und  Vorder- 
rand einen  Winkel  von  ungefähr  120n.  Die  extremsten  Formen  variieren  von 
105  -140°.  Der  Winkel  von  Schloßrand : Achse  beträgt  75°.  Die  spitzen  Wirbel 
überragen  den  Schloßrand.  Die  Muschel  ist  stark  ungleichseitig. 

Die  Oberfläche  ist  mit  kräftigen  abgerundeten  konzentrischen  Anwachs- 
wellen bzw.  -Wülsten  bedeckt,  die  besonders  stark  an  der  schräg  abgestutzten 
Vorderseite  auftreten  und  sich  gegen  den  Flügel  hin  allmählich  verlieren. 
Auf  diesen  gehen  sie  in  der  Regel  nicht  oder  nur  schwach  über;  ausnahms- 
weise sind  sie  auch  dort  noch  kräftig  vorhanden.  Anwachsringe  sind  ge- 
wöhnlich sehr  gut  sichtbar.  Auf  der  höchsten  Wölbung  zeigen  die  Steinkerne 
öfters  einige  radiale  Linien. 

Maße:  __1 2 

Länge:  70  mm  80  mm 

Höhe:  70  „ 88  ,, 

Dicke  (beide  Klappen):  55  „ 61  „ 

Fundort:  OT  aß  Waltersdorf  2. 

1)  Ändert  1911,  Taf.  2,  Fig.  1 a,  b;  2)  Ändert  1911,  Taf.  3,  Fig.  3. 


128 


Abh.  preuß.  gieol.  L.-A.,  Neue  Folge,  Heft  159 


Von  den  im  Arbeitsgebiet  vorkommenden  Inoceramen  unterscheidet  sich 
Inoceramus  lusatiae  durch  die  kräftigen  gerundeten  Anwachswellen  mit 
ungefähr  ebenso  großen  Zwischenräumen  und  durch  das  Fliehen  des  unteren 
Teiles  des  Vorderrandes.  Radiale  Furchen,  wie  sie  z.  B.  Inoceramus  percostalus 
G.  Müller  besitzt,  hat  Inoceramus  lusatiae  nicht.  Unsere  Art  hat  sich  aus 
Inoceramus  lamarcki  Park,  entwickelt,  und  zwar  aus  Formen,  wie  sie  von 
Woods  1904—13,  2,  in  Abb.  65  und  67  dargestellt  werden.  Eine  Vereinigung 
mit  dieser  Art  halte  ich  jedoch  zunächst  für  unstatthaft,  denn  aus  der  Menge 
der  vorliegenden  Stücke  ist  die  Zahl  derer,  die  mit  den  angeführten  Formen 
des  Inoceramus  lamarcki  ungefähr  übereinstimmen,  sehr  gering.  Siehe  auch 
Tabelle  S.  139. 

Heinz  1928  a,  Taf.  3,  stellt  unseren  Inoceramus  lusatiae  in  seine  an- 
scheinend untere  Scaphitenzone.  Ändert  1911,  Taf.  8,  Fig.  5 bezeichnet 
er  1929,  S.  26  als  Inoceramus  anniilatus  Goldf.  Diese  Bestimmung  ist  be- 
zeichnend dafür,  wohin  es  führt,  wenn  einzelne  Stucke  derartiger  variabler 
Inoceramenarten  herausgegriffen  und  losgelöst  bestimmt  werden.  Die  von  mir 
zu  Inoceramus  lusatiae  gestellten  Stücke  sind  durch  Übergänge  verbunden  und 
finden  sich  in  einer  nur  wenige  Meter  mächtigen  Schicht.  Das  Verhältnis 
zwischen  Inoceramus  lusatiae  und  Inoceramus  biloba tus  G.  Müller  1888, 
S.  414,  Taf.  18,  Fig.  2 ist  bereits  in  der  Festschrift  1911  erörtert  worden.  Nach 
neuem,  im  Geologischen  Landesmuseum  vorliegendem  Material  gehört  das 
von  Scupin  in  Abb.  34  dargestellte  Stück  nicht  hierher,  sondern  zu  Inoceramus 
percostalus  G.  Müller. 

Vorkommen: 

Oberturonaß:  Waltersdorf  2 (etwa  100  Stück),  Lausche  (selbst  ges.,  Hum- 
boldtver.  Ebersbach,  Mus.  Dresden,  Geol.  Landesamt  Leipzig), 
Innozenzidorf  2,  3,  6 (Humboldtver.  Ebersbach),  Morgenthau 
(Vortisch),  Heuscheuer  1 (Universität  Breslau). 

Das  von  mir  aus  meiner  Sammlung  von  Kreibitz  9 (E),  Ändert  1929,  2, 
S.  181,  zu  dieser  Art  gestellte  verdrückte  Stück  habe  ich  jetzt  als  ? mit 
Inoceramus  winkholdioides  vereinigt,  das  Exemplar  aus  der  Humboldtvereins- 
sammlung von  diesem  Fundort  muß  als  „unbestimmbar“  bezeichnet  werden. 

Inoceramtis  dachslochensis  Ändert 
Taf.  7,  Fig.  4 a u.  b 

1911  Inoceramus  dachslochensis  Ändert,  S.  53  (21),  Taf.  1,  Fig.  9;  Taf.  7, 

Fig.  7. 

Die  dicke  kugelige  Muschel  ist  etwas  höher  als  lang,  im  Umriß  rechteckig 
gerundet  und  gleichklappig.  Der  Vorderrand  bildet  eine  fast  gerade,  nur 
wenig  nach  außen  gebogene  Linie,  der  Unterrand  einen  halbkreisförmigen 
Bogen.  Der  Hinterrand  steigt  ziemlich  gerade  auf  und  biegt  gegen  den  Flügel 
hin  erst  ein-  und  dann  auswärts.  Der  gerade  Schloßrand  ist  mäßig  lang. 
Schloßrand  und  Vorderrand  treffen  in  einem  Winkel  von  125°,  Schloßrand  und 
Achse  in  einem  solchen  von  80—85°  zusammen.  Der  Flügel  ist  scharf  vom 
Rücken  abgesetzt.  Die  Wirbel  sind  etwas  nach  vorn  eingekrümmt  und  ragen 
über  den  Schloßrand  hinweg.  Die  Muschel  ist  stark  und  regelmäßig  ge- 
wölbt; Kanten  sind  nicht  vorhanden. 


Palä ontologischer  Teil 


129 


Die  Oberfläche  ist  mit  dicken  niedrigen  entfernten  konzentrischen  An- 
wachswellen bedeckt,  die  in  rundem  Bogen  über  den  Rücken  ziehen  und  auch 
in  unverminderter  Deutlichkeit  auf  den  Flügel  übergehen.  Die  Furchen  zwischen 
den  Anwachswellen  sind  sehr  flach.  Der  Gesamteindruck  der  Art  ist  plump. 

MaPe:  1 2 

Lange : 45  cm  60  cm 

Höhe:  60  „ 66  „ 

Dicke  (doppelk’appig):  50  „ 60  „ 

1)  Ändert  1911,  Taf.  1,  Fig.  9;  Taf.  7,  Fig.  7.  2)  Sammlung  Kogler 

(Mus.  Aussig). 

Inocercimus  dachslochensis  unterscheidet  sich  durch  eine  dicke  klobige 
Form  von  dem  flacheren  Inoceramus  frechi.  Dieser  wie  auch  Inoceramus  kleini 
zeigen  im  Gegensatz  zu  den  dicken  Amvachswellen  des  Inoceramus  dachs- 
lochensis scharfe  Kämme,  die  bei  Inoceramus  kleini  auch  noch  eckig  umbiegen. 
Siehe  auch  Tabelle  S.  139. 

Zu  den  in  der  WEisE’schen  und  KöcLEiPschen  Sammlung  von  OTaß  Inno- 
zenzidorf  6 vorhandenen  Stücken  ist,  da  an  dieser  Stelle  der  Steinbruchbetrieb 
längst  eingestellt  ist,  nichts  Neues  gefunden  worden. 

Vorkommen: 

Oberturon  aß:  Innozenzidorf  6 (Humboldtver.  Ebersbach). 

Inoceramus  tvinkholdioides  Ändert 
Taf.  8,  Fig.  1 a u.  b 

1911  Inoceramus  winkholdioides  Ändert,  S.  59  (27),  Taf.  3,  Fig.  1;  Taf.  4, 

Fig.  1;  Taf.  7,  Fig.  5. 

Über  diese  Art  ist  nichts  Neues  bekannt  geworden.  Sie  ist  im  Umriß 
dreiseitig  eiförmig.  Die  beiden  Klappen  sind  verschieden  ausgebildet.  Die 
rechte  Klappe  ist  mäßig  gewölbt,  die  linke  fast  flach.  Die  größte  Wölbung 
der  rechten  Klappe  liegt  etwa  in  einer  im  vorderen  Drittel  der  Schale  vom 
Wirbel  gegen  den  Unterrand  gezogenen  Linie,  die  der  linken  mehr  in  der  Mitte. 
Die  Höhe  übertrifft  die  Länge  um  die  Hälfte.  Der  Steinkern  ist  unter  dem 
Wirbel  schwach  eingedrückt.  Der  Vorderrand  verläuft  mäßig  nach  vorn 
gerichtet  in  fast  gerader  Linie  gegen  den  Unterrand,  zu  dem  er  ziemlich 
scharf  umbiegt.  Der  Unterrand  bildet  mit  dem  Hinterrande  einen  flachen 
Bogen.  Der  Schloßrand  ist  kurz  und  an  einem  65  mm  hohen  Exemplar  auf 
eine  Länge  von  5 mm  mit  fünf  kleinen  Gruben  besetzt.  Schloßrand  und  Vorder- 
rand bilden  einen  Winkel  von  120—135°,  der  Achsenwinkel  beträgt  80°. 
Der  Flügel  ist  sehr  klein  und  wenig  abgesetzt.  Der  hohe  und  spitze  Wirbel 
der  rechten  Klappe  überragt  den  der  linken,  der  sich  kaum  über  den  Schloß- 
rand erhebt.  Die  rechte  Klappe  (Tal.  8,  Fig.  1 a)  ist  mit  gleichmäßigen  und 
scharfen,  bei  ausgewachsenen  Stücken  auf  dem  Rücken  fast  horizontal  ver- 
laufenden, eckig  umbiegenden  Anwachswellen  und  Anwachskämmen,  zwischen 
denen  breite,  flache  Zwischenräume  vorhanden  sind,  bedeckt.  Die  Anwachs- 
wellen der  linken  Klappe  (Taf.  8,  Fig.  1 b)  sind  bedeutend  enger,  ziehen 
sich  ziemlich  weit  hinunter  und  führen  über  den  Schalenrücken  eine  gut 


Ändert  0 


130 


Abh.  preuß.  geol.  L.-A.,  Neue  Folge,  Heft  159 


gerundete  Einkreisung  aus.  In  den  breiten  Zwischenräumen  der  rechten  Klappe 
sind  auch  einzelne  feinere  Anwachsringe  sichtbar. 

Die  starke  Ungleichklappigkeit  unterscheidet  die  Art  gut  von  den  übrigen 
in  der  Umgebung  von  Innozenzidorf  vorkommenden  Formen.  S.  a.  Tabelle  S.  139. 

Mit  der  rechten  Klappe  stimmen  Stücke  von  Timmenrode  am  nördlichen 
Harzrande  (Emscher)  im  Geologischen  Landesmuseum  Berlin  überein,  jedoch 
ist  bei  ihnen  die  Ausbildung  der  linken  Klappe  nicht  bekannt. 

Vorkommen: 

Oberturonaß:  Innozenzidorf  2,  6 (Humboldtver.  Ebersbach); 

Emscher:  E.-St.  Neuhütte  5 (Humboldtver.  Ebersbach),  Kreibitz  9 (?). 

Inoceramus  wandereri  Andeut 

Abb.  15  a,  b 

1911  Inoceramus  wandereri  Ändert,  S.  60  (28),  Taf.  5,  Fig.  1 a,  b;  Taf.  8, 

Fig.  1 a,  b. 

1911  Inoceramus  cf.  koeneni  Ändert,  S.  60  (28),  Taf.  5,  Fig.  3;  Taf.  8, 
Fig.  2. 

Die  Muschel  ist  hochgewölbt,  im  Umriß  hochoval  bis  eiförmig,  im  Quer- 
schnitt herzförmig.  Der  flach  gebogene  Vorderrand  geht  unmittelbar  in  den 
ungefähr  halbkreisförmigen  Unterrand  über.  Der  Hinterrand  steigt  ziemlich 
gerade  mit  einer  mäßigen  Ausbiegung  nach  außen  zum  kurzen  Schloßrande 
auf.  Schloßrand  und  Flügel  sind  sehr  kurz.  Beide  Klappen  sind  sehr  hoch 
gewölbt;  die  rechte  hat  einen  breiteren  Rücken  als  die  linke.  Anscheinend 
besitzt  die  Art  im  ersten  Jugendstadium  ein  Wachstum  rechtwinklig  zum 
Schloßrande,  vielleicht  in  der  Größe  einer  Mark,  um  dann  fast  rechtwinklig 
umzubiegen.  Von  dem  sich  hoch  hinaushebenden  schlanken  Wirbel  der  linken 
Klappe  verläuft  eine  diesem  entsprechende  Wulst  über  den  Schalenrücken 
bis  an  den  Unterrand.  Der  Wirbel  steigt  senkrecht  über  dem  Schloßrande 
empor  und  dreht  sich  schließlich  nach  innen  und  etwas  nach  vorn.  Der 
breitere  niedrigere  Wirbel  der  rechten  Klappe  rollt  sich  nach  vorn  ein.  Von 
der  Innenseite  des  Wirbels  zieht  sich  eine  scharfe  Falte  schräg  nach  hinten 
zum  Schloßrande. 

Die  Oberfläche  ist  mit  groben  Anwachswellen  bzw.  -wülsten  bedeckt. 
Die  in  der  Festschrift  1911  erwähnten  beiden  über  den  Rücken  der  rechten 
Klappe  ziehenden  flachen  Furchen  erscheinen  mir  unsicher  und  könnten  auf 
Verdrückung  zurückzuführen  sein,  trotzdem  sollen  sie  auch  hier  erwähnt 


werden. 

Maße: 

1 

2 

3 4 

Länge: 

65  mm 

75  mm 

50  mm  140  mm 

Höhe : 

130  „ 

115  „ 

CD 

O 

1— ' ■ 

o 

3 

Fundort: 

Dicke: 

45  „ 

60  „ 

45  „ ? 

1)  2)  3)  Oberturon  aß,  Innozenzidorf  6 (1,  2?). 

1)  Ändert  1911,  Taf.  5,  Fig.  1 a;  2)  Ändert  1911,  Taf.  5,  Fig.  1 b; 
3)  Ändert  1911,  Taf.  5,  Fig.  3;  4)  E Oberkreibitzer  Talsperre  10,  Mus. 
Zittau  in  Sachsen. 

Weitere  Vergleiche  haben  mich  überzeugt,  daß  Inoceramus  wandereri  und 
cf.  koeneni  ein  und  derselben  Art  angehören  und  von  Inoceramus  koeneni 


Paläontologischer  Teil  131 

G.  Müller  zu  trennen  sind.  Inoceramus  koeneni  ist  bedeutend  breiter  als 
Inoceramus  wandereri.  Während  bei  Inoceramus  koeneni  der  Wirbel  der 
rechten  Klappe  in  der  Gesamtform  eine  mehr  untergeordnete  Rolle  spielt, 
beherrscht  er  bei  Inoceramus  wandereri  die  beiden  Klappen  derart,  daß  man 
fast  versucht  ist,  eine  solche  Klappe  als  ein  riesiges  Wirbelstück  einer  viel 
größeren  Muschel  anzusehen,  wie  dies  in  noch  bezeichnenderer  Weise  bei 
der  linken  Klappe  des  Inoceramus  koeneni  der  Fall  ist.  Übrigens  erinnert 
Inoceramus  wandereri  sehr  an  die  Übergangsform  von  Inoceramus  lamarcki 
Park,  zu  Inoceramus  involutus  Sow.  Er  unterscheidet  sich  aber  von  diesen 
beiden  Arten  so  sehr,  daß  die  besondere  Benennung  angebracht  ist.  Woods 
1903—14,  2,  S.  332,  hat  auf  diese  Zwischenformen  ebenfalls  hingewiesen. 


Abb.  15  a u.  b.  Inoceramus  wandereri  Ändert,  Steinkerne, 
a)  rechte  Klappe,  b)  linke  Klappe. 

Orig,  zu  Ändert  1911,  Taf.  5,  Fig.  1 a und  1 b. 

Oberturon  a'j,  Innozenzidorf  6.  Orig.  Slg.  Humboldtverein  Ebersbach  Sa. 
(Abb.  15  a = No.  78  a,  Abb.  15  b = 78  b.) 


9* 


132 


Abh.  preuß.  gieol.  L.-A.,  Neue  Folge,  Heit  159 


Die  hohen  Wirbel  beider  Klappen  unterscheiden  unsere  Art  gut  von  allen 
anderen  im  Arbeitsgebiet  vorkommenden  Formen.  Siehe  auch  Tabelle  S.  139. 

Die  mit  „Dachsloch“  bezeichneten  Stücke  a und  b entstammen  wahr- 
scheinlich dem  Steinbruch  am  Südhang  des  großen  Friedrichsberges  (E  E.-St. 
Neuhütte  5).  Außerdem  liegen  aber  auch  Stücke  vom  Dachsloch  (E  Innozenzi- 
dorf  1)  mit  Sicherheit  vor. 

Außer  in  der  WEisE’schen  Sammlung  (Humboldtver.  Ebersbach)  befindet 
sich  ein  zweiklappiges  Stück  vom  Dachsloch  in  der  Sammlung  der  Deutschen 
Universität  zu  Prag.  Ferner  fand  Herr  Dr.  Heinke,  Zittau,  ein  schönes 
Exemplar,  14  cm  breit,  17  cm  hoch,  an  der  Oberkreibitzer  Talsperre. 
Vorkommen: 

Oberturon  aß:  Innozenzidorf  6 (Mus.  Humboldtver.  Ebersbach); 

Emscher:  E.-St.  Tannendorf  1 (Mus.  Prag),  Oberkreibitzer  Talsperre  10 

(Mus.  Zittau,  eigene  Sammlung),  E.-St.  Neuhütte  5. 

Inoceramus  koeneni  G.  Miller 
Taf.  8,  Fig.  2 a,  b,  c,  3;  Abb.  16  a,  b,  c 

1888  Inoceramus  koeneni  G.  Müller,  S.  412,  Taf.  17,  Fig.  1 

1928  a Inoceramus  koeneni  Heinz,  Taf.  3. 

1928  d Inoceramus  koeneni  Heinz,  S.  37,  Taf.  3,  Fig.  2. 

1929  Inoceramus  koeneni  Heine,  S.  98,  Taf.  10,  Fig.  47,  43;  Taf.  15,  Fig.  63; 

Taf.  17,  Fig.  66;  Taf.  18,  Fig.  67. 

Die  Muschel  ist  sehr  stark  ungleichklappig,  die  linke  Klappe  hoch  ge- 
wölbt, kugelig,  in  den  hornartig  eingerollten  Wirbel  übergehend,  unter  dem 


Abb.  16  a n.  b.  Inoceramus  koeneni  G.  AIüllbr,  Steinkern,  große  Klappe,  a)  von  hinten, 
b)  von  vom.  Oberturon  7,  Kobitz.  Orig.  Geol.  Landesmus.  (A  No.  79). 
Gesammelt  von  Herrn  Oberiehl  er  a.  D.  Sknger  in  Sandau. 


Paläontologischer  Teil 


133 


Wt>/VV 


Abb.  16  e.  Inocrramiis  Jcoencni  GL  Müller,  kleine  Klappe,  Steinkern. 

Emseber,  Kaltenbach.  Orig.  Geol.  Landesmus.  (A  No.  82). 

Wirbel  auf  der  vorderen  Seite  tief  eingedrückt  (Taf.  8,  Fig.  2 a,  b,  c, 
Abb.  16a,  b).  Die  rechte  Klappe  ist  mäßig  gewölbt,  mit  hervorragendem  und  mit 
der  Spitze  nach  vorn  niedergebogenem  Wirbel  (Taf.  8,  Fig.  3,  Abb.  16  c). 
Der  flügelartige  Fortsatz  ist  an  den  vorliegenden  Exemplaren  abgebrochen. 
Die  Oberfläche  der  linken  Klappe  ist  fast  glatt  mit  wenigen  ganz  schwachen 
konzentrischen  Anwachswellen,  die  rechte  Klappe  über  und  über  mit  kon- 
zentrischen kammartigen  Anwachswellen  bedeckt,  die  erst  gegen  den  Unter- 
rand entfernter  und  unregelmäßiger  werden.  Zwischen  ihnen  liegen  tiefe, 
halbkreisförmig  ausgekehlte  Rillen.  Diese  wichtige  Art  konnte  erst  in  den 
letzten  Jahren  im  Gebiet  festgestellt  werden.  Siehe  auch  Tabelle  S.  139. 
Vorkommen: 

Emscher : Markersdorf  3,  Kaltenbach,  Robitz. 

Außerdem  im  Emscher  des  nördlichen  Harzrandes : Löhofsberg  bei  Quedlin- 
burg (G.  Müller),  Spiegclsberge  bei  Halberstadt  (G.  Müller),  Steinholz 
nordwestlich  von  Quedlinburg  (G.  Müller,  Mus.  Braunschweig),  Winterberg 
bei  Halberstadt  (Mus.  Dresden),  sowie  im  Emscher  Westfalens  (Geol.  Landes- 
mus., Bergschule  Essen)  und  von  Lüneburg  (Min. -Geol.  Staatsinst.  Hamburg). 


134 


A'bh.  preuß.  gieol.  L.-A.,  Neue  Folge,  Heft  159 


Inoceramen  des  Mittel-  und  Unterturons 

Inoceramus  costellatus  Woods 
Taf.  16,  Fig.  3 

1875  Inoceramus  brongniarti  Geinitz,  2,  Taf.  11,  Fig.  5. 

1875  Inoceramus  striatus  Geinitz,  2,  Taf.  13,  Fig.  1,  2,  10. 

1875  Inoceramus  latus  Geinitz,  2,  Taf.  13,  Fig.  4,  5. 

1875  Inoceramus  cuvieri  Geinitz,  2f  Taf.  13,  Fig.  8. 

1889  Inoceramus  cuvieri  FniC,  Abb.  74. 

1904 — 13  Inoceramus  costellatus  Woods,  2,  S.  336,  Taf.  54,  Fig.  5 — 7. 

1911  Inoceramus  undulptus  Rogala,  Taf.  4,  Fig.  7. 

? 1928  c Inoceramus  striato-concentricus  Gümb.  var.  aff.  carpathica  Heinz, 
S.  34,  Taf.  1,  Fig.  3. 

1929  Inoceramus  striato-concentricus  Gümb.,  var.  aff.  carpathica  Ändert, 
2,  S.  95,  S.  140,  S.  143,  S.  144. 

1930  Inoceramus  costellatus  Fiege,  S.  35,  Taf.  5,  Fig.  3 — 9,  10  u.  11  (?), 
Syn.? 

Die  Muschel  ist  schwach  bis  mäßig  gewölbt  und  bildet  ein  aufrecht 
stehendes,  unten  zugerundetes  Rechteck.  Der  kleine  niedergedrückte  Wirbel 
liegt  vorn.  Der  Flügel  ist  klein  und  anscheinend  nicht  abgesetzt.  Die  Ver- 
zierung besteht  aus  regelmäßigen  Anwachskämmen  mit  flachen  Zwischen- 
räumen. 

Gegenüber  Inoceramus  kleini  sind  bei  vorstehender  Art  die  Anwachs- 
kämme bedeutend  enger,  bilden  einen  breiteren  Bogen  auf  dem  Rücken  der 
Muschel  und  sind  auf  dem  Flügel  gegen  den  Wirbel  hin  gerichtet.  Das  von 
Heinz  abgebildete  Exemplar  stammt  aus  dem  Kalk  von  Kent,  die  von  Geinitz 
nach  obigem  Literaturverzeichnis  hierzu  zu  stellenden  Stücke  aus  dem  Kalk- 
mergel von  Strehlen. 

Fiege  gibt  mehrere  gute  Abbildungen  dieser  Art.  Bei  Fig.  10  u.  11 
möchte  ich  jedoch  an  der  Zugehörigkeit  zweifeln.  Während  an  den  übrigen 
Exemplaren  die  Rippen  auf  dem  Flügel  gegen  den  Wirbel  hin  eingebogen  sind, 
sind  sie  an  den  genannten  beiden  Exemplaren  nach  auswärts  gerichtet.  Ich 
halte  die  Art  und  Weise,  wie  konzentrische  Rippen  an  den  Flügel  ansetzen, 
für  ein  charakteristisches  Unterscheidungsmerkmal  bei  den  Inoceramen.  Ent- 
lang des  Schloßrandes  hat  die  Inoceramenschale  bei  ihrem  sonstigen  Formen- 
reichtum ihren  einzigen  als  solide  zu  bezeichnenden  Ausgangspunkt.  An  dieser 
Stelle  müßte  nach  meiner  Meinung  die  Artzugehörigkeit  am  besten  durch 
gemeinsame  Merkmale  zum  Ausdruck  kommen. 

Inoceramus  striato-concentricus  Gümb.  var.  aff.  carpathica  Sim.  (Heinz) 
gehört,  soweit  ich  dies  von  meinem  Material  und  der  Abbildung  von  Heinz 
aus  beurteilen  kann,  ebenfalls  zu  Inoceramus  costellatus. 

Anderseits  stellt  Heinz  1928  b,  S.  33,  Inoceramus  costellatus  Woods 
Taf.  54,  Fig.  5 zu  Inoceramus  vancouverensis  Shum.,  einer  Art,  die  An- 


Paläontologischer  Teil 


135 


wachswellen  besitzen  soll,  während  nach  den  Abbildungen  von  Woods 
die  Verzierung  des  Inoceramus  costellatus  aus  Anwachskämmen  besteht 
(Text:  „concentric  ribs  narrow,  sharp“).  Hingegen  gehört  das  Original  des 
Inoceramus  striato-concentricus  Gümb.,  Gümbel  1868  Regensburg,  Taf.  2, 
Fig.  4,  mit  seiner  labiatus-ä hnlichen  Form  wohl  nicht  zu  unserer  Art. 

Heinz  1932,  X,  S.  31,  bezeichnet  Geinitz  1875,  2,  Taf.  13,  Fig.  4,  als 
Striatoceramus  striato-concentricus y Fig.  5 als  Striatoceramus  carpathicus  Sim. 
und  Fig.  8 als  Sphaeroceramus  geinitzi  n.  g.  n.  sp.,  alle  drei  aus  dem  Mittelturon 
von  Strehlen  und  sicher  nur  eine  einzige  Art  und  zwar  Inoceramus  costel- 
latus Woods  darstellend. 

Vorkommen: 

Mittelturon:  Strehlen  (Mus.  Dresden),  Lohmen,  Pießnig  2,  Bösig  7, 

Aschendorf  1,  Drum  1,  Hundorf  (selbst  ges.  u.  Mus.  Aussig), 
Leitmeritz  9 (Mus.  Aussig),  10,  Rohatetz  2,  Jicin  5,  8,  16, 
26,  31,  43  (alle  sechs  Soukup),  28,  36,  Chotzen  (Mus.  Prag), 
Kynberg  Löw.,  Löwenberg  1,  2 (beide  Geol.  Landesmus.), 
Ludwigsdorf  Löw.  2 (Geol.  Landesmus.),  Heuscheuer  2.  Im 
Mittelturon  von  Galizien  und  Westfalen. 

Außerdem  in  England:  Kalk  von  Kent  (Zone  ?). 

Inoceramus  lamarcki  Park.  var. 

1875  Inoceramus  brongmprti  Geinitz,  2,  S.  43,  Taf.  11,  Fig.  3 — 5,  7 — 10; 
Taf.  13,  Fig.  3. 

1904 — 13  Inoceramus  lamarcki  var.  cuvieri 9)  Woods,  2,  Abb.  76 — 82;  Taf.  53, 
Fig.  7. 

1904 — 13  Inoceramus  lamarcki  Woods  2,  Taf.  525  Fig.  4 a — c,  5,6;  Abb.  66,  85. 

1904 — 13  Inoceramus  lamarcki  var.  apicalis  Woods,  2,  Taf.  53,  Fig.  4 — 6. 

Die  von  mir  in  der  sächsisch-böhmischen  mittelturonen  Kreide  gesammelten 
Exemplare  aus  der  Gruppe  des  Inoceramus  lamarcki  gehören,  soweit  dies 
festzustellen  ist,  vorwiegend  der  Varietät  cuvieri  an.  Da  meist  nur  Bruch- 
stücke erbeutet  werden  konnten,  soll  eine  Beschreibung  dieser  noch  wenig 
geklärten  Formengruppe  unterbleiben.  Die  Aufteilung  der  Gruppe  des  Ino- 
ceramus lamarcki  kann  nur  mit  Hilfe  von  reichlichem  Originalmaterial  unter 
Berücksichtigung  der  Horizonte  nutzbringend  erfolgen.  Wegen  der  Bezeich- 
nung ,,lamarckiu  habe  ich  mich  bei  Inoceramus  percostatus  (S.  120)  aus- 
gesprochen. Das  Geologische  Landesmuseum,  die  Museen  zu  Dresden  und 
Prag  verwahren  aus  dem  Mittelturon  eine  Reihe  schöner  charakteristischer 
Exemplare.  Im  Löwenberger  Mittelturon  finden  sich  vorwiegend  Exemplare 
wie  Woods,  2,  Taf.  52,  Fig.  4.  Souicup  besitzt  von  Hrdonovice  (OT  aß  Jicin  3) 
zwei  Exemplare,  die  Woods  2,  Abb.  78,  gleichen,  ferner  von  Prachov  (OT  aß 
Jicin  2)  mehrere  schöne  Exemplare,  die  Woods  2,  Abb.  66  und  85  gleichen. 
Mit  Abb.  66  stimmen  auch  Stücke  überein  aus  dem  Oberturon  von  Zeichen 
(Museum  Dresden)  und  vom  Gipfel  des  Pfaffensteines  in  Sachsen  (Aus- 
stellung Berggasthaus).  Ähnliche  Exemplare  befinden  sich  im  Geologischen 
Landesmuseum  aus  dem  grobkörnigen  Sandstein  des  Steinbruches  von  Zeidler 

9)  ÄNDERT  1928,  S.  117,  muß  es  bei  Inoceramus  cuvieri  statt  .Cenoman“  „ToroD“  heißen. 


136 


Abh.  preuß.  gieol.  L.-A.,  Neue  Folge,  Heft  159 


& Wimmel  bei  Plagwitz  (Löwenberg).  Es  sind  dies  eigenartige  Formen  des 
Oberturons,  die  erst  in  neuester  Zeit  bekannt  geworden  sind  und  deshalb 
hier  nur  kurz  erwähnt  sein  mögen.  Im  graugelben  Sandstein  des  Popelberges 
bei  Löwenberg  (Unterturon)  sind  auch  Formen  der  Varietät  apicalis  vor- 
handen (Woods,  Taf.  53,  Fig.  4—6). 

Vorkommen: 

Unterturon:  Löwenberg  1,  2,  3 (alle  drei  Geol.  Landesmus.); 

Mittelturon : Strehlen  (Mus.  Dresden),  Räcknitz  (Mus.  Dresden),  Schandau 

1,2,  Wendischfähre  (Mus.  Dresden),  Bonnewitz  (Mus.  Dresden), 
Posteiwitz  (Mus.  Dresden),  Hinterhermsdorf  2,  Pießnig  2, 
Großhirndorf,  Auscha,  Liebeschitz  3,  Sterndorf  1,  Wobrok  1, 
Sackschen  2,  Bösig  7,  Sabert  3,  Zimor,  Kochowitz  1,  Sovice- 
berg  4,  7,  Lobositz  1 (Mus.  Aussig),  Leitmeritz  20  (Mus. 
Aussig),  Hostin  4,  Vsetat  2,  Liebenau  1,  Turnau  2,  14,  15, 
Jicin  6,  8,  15  a,  16,  17,  21,  27,  28,  29,  30,  31,  39,  44  (alle  13 
Soukup),  Lysa  2,  3,  Hermsdorf  Löw.  4 (Geol.  Landesmus.), 
Löwenberg  1,  2,  3 (alle  drei  Geol.  Landesmus.),  Waltersdorfer 
Mühle  Löw.  (Geol.  Landesmus.),  Kesselsdorf  Löw.  (Geol. 
Landesmus.),  Grunauer  Spitzberg  Löw.  3 (Geol.  Landesmus.), 
Kynberg  Löw.  ?,  Heuscheuer  2,  3,  8,  Plagwitz  Löw.  2,  3,  4 
(alle  drei  Geol.  Landesmus.),  Ludwigsdorf  Löw.  1,  2 (beide 
Geol.  Landesmus.). 

Das  Museum  zu  Prag  enthält  aus  dem  böhmischen  Mittelturon  Exemplare 
dieser  Art  von: 

Malnitz,  Laun  a.  d.  Eger,  Patek  östlich  von  Laun,  Jinoves  bei 
Melnik,  Wehlowitz  bei  Melnik,  Wegstädtel  a.  d.  Elbe,  Gastorf, 
Lipkovice  und  Bezdekov  bei  Raudnitz,  Soviceberg,  Mariaschein 
bei  Teplitz,  Hundorf,  Radvanice  nördlich  von  Münchengrätz, 
Vselisy  bei  Jungbunzlau,  Bischitz,  Kosätek  bei  Bischitz,  Be- 
natky  a.  d.  Iser,  Susno  nordwestlich  von  Benatky,  2eleznice 
bei  Jicin,  Lysa  a.  d.  Elbe,  Pferover  und  Semitzer  Berg  süd- 
lich von  Lysa,  Sadskä  südöstlich  von  Lysa,  sowie  aus  Ost- 
böhmen von  Chotzen,  Brandeis  a.  d.  Adler  und  Studenec  südlich 
von  Hlinsko. 

Oberturon  aß:  Jicin  2,  3,  5 (alle  drei  Souicup),  Zeichen  3 (Mus.  Dresden), 
Plagwitz  Löw.  (Geol.  Landesmus.),  besondere  Varietäten  s.  o. 

Außerdem  im  Mittelturon  von  Nordwestdeutschland  und  England. 

Inoceramus  labiatus  Sciilotii.  sp. 

1813  Ostracites  labiatus  Sciilotheim,  7,  S.  93. 

1834 — 40  Inoceramus  mptiloides  Goldfuss,  2,  S.  118,  Taf.  113,  Fig.  4. 

1846  Inoceramus  mptiloides  Reuss,  2,  S.  26,  Taf.  37,  Fig.  16. 

1875  Inoceramus  labiatus  Geinitz,  2,  S.  46,  Taf.  12,  Fig.  1 — 3. 

1877  Inoceramus  labiatus  Fme,  S.  130,  Abb.  112. 

1909  Inoceramus  labiatus  Wanderer,  S.  27,  Taf.  4,  Fig.  7. 


Paläontologischer  Teil 


137 


Die  bekannte  Muschel  charakterisiert  die  sandigen  und  plänerigen  Ab- 
lagerungen des  Unterturons  in  Sachsen,  Böhmen,  Schlesien,  Nordwestdeutsch- 
land, England  usw.  In  den  mergeligen  unterturonen  Schichten  des  mittleren 
böhmischen  Kreidegebietes  sind  sicher  bestimmbare  Exemplare  selten.  Viel- 
leicht stellen  einige  sehr  kleine  Inoceramen  aus  diesen  Schichten  eine  ver- 
krüppelte Form  dieser  Art  dar,  wie  z.  B.  aus  dem  Steinbruche  west- 
lich der  Ruine  Kamaik,  wo  ich  zwei  derartige  Exemplare  sammeln  konnte. 
Heine  1929,  S.  56,  Taf.  5,  Fig.  25  und  26,  führt  die  Art  auch  aus  dem  Emscher 
und  Oberturon  Westfalens  auf.  Das  abgebildete  Emscherstück  könnte  viel- 
leicht an  Inoceramus  sublabiatus  G.  Müller,  eine  echte  Emscherform,  die 
nach  Heine  an  derselben  Fundstelle  und  in  ungefähr  derselben  Schicht  vor- 
kommt, anzuschließen  sein.  Über  das  von  ihm  aus  dem  Oberturon  auf- 
geführte Exemplar  dieser  Art  kann  ich  mir,  da  ich  es  nicht  kenne,  kein 
Urteil  erlauben.  Die  von  ihm  weiter  erwähnten  Literaturhinweise,  wonach 
Inoceramus  labiatus  wiederholt  auch  außerhalb  des  Unterturons  auftreten 
soll,  möchte  ich  anzweifeln.  Ich  habe  noch  kein  einwandfreies  Stück  dieser 
Art  gesehen,  das  aus  anderen  Schichten  als  dem  Unterturon  stammt. 

Vorkommen: 

Unterturon:  Schöna  a.  d.  Elbe,  Windisch  Kamnitz,  Rottwerndorf,  Klein- 

naundorf, Kamaik  ?,  Königswald  (Mus.  Aussig),  Niedergrund 
(Mus.  Aussig),  Arnsdorf  (Mus.  Aussig),  Jicin  5 ?,  6 (beide 
Soukup),  Semitz  (selbst  ges.  u.  Mus.  Prag),  sowie  im  Museum 
zu  Dresden  von  Brießnitz  a.  d.  Elbe,  Cotta,  Leutewitz  usw., 
ferner  von  Lückendorf,  Spitzstein  bei  Pankratz  (beide  Sitte), 
Löwenberg  3 (Geol.  Landesmus.),  Plagwitz  Löw.  (Geol.  Landes- 
mus.), Pilgramsdorf  Löw.  (Geol.  Landesmus.),  Wolfsdorf  Löw. 
(Geol.  Landesmus.). 

Im  Museum  zu  Prag  liegt  die  Art  ferner  vom  Weißen  Berge  bei  Prag, 
von  Schlan,  von  der  Wand  bei  Teilnitz,  von  2danice  bei  Kourime  und  von 
Kutna  horä  (Kuttenberg)  vor. 

Inoceramus  hercynicus  Fktrasciieck 

1875  Inoceramus  cripsi  Geinitz,  2,  Taf.  13,  Fig.  11,  12. 

1903  Inoceramus  hercynicus  Petrasciieck,  53,  S.  156,  Taf.  3,  Fig.  1 — 3. 

Einige  Exemplare  dieser  breit  gerundeten,  flach  gewölbten,  mit  regel- 
mäßigen stumpfen  konzentrischen  Runzeln  bedeckten  Art  fand  ich  in  der 
Sammlung  des  Herrn  Soukup  in  Jicin.  Die  Art  ist  charakteristisch  für  das 
Unterturon.  Die  von  Heinz  1928  e,  S.  65,  aus  anderen  Horizonten  zu 
dieser  Art  gestellten  Exemplare  dürften  kaum  hierher  gehören  und  nur 
zusammengedrückte  oder  abgebrochene  Stücke  anderer  Arten  darstellen,  wie 
z.  B.  auch  Abb.  41  bei  Woods  1904—13. 

Vorkommen: 

Unterturon:  Kemnitz,  Brießnitz  und  Großcotta  bei  Dresden  (alle  drei  Mus. 

Dresden),  Teilnitz  (Geol.  Landesamt  Leipzig),  Weißer  Berg 
bei  Prag  (Deutsche  Universität  Prag),  Jicin  4,  6 (beide  Soukup), 
Wolfsdorf  Löw.  (S cupin). 


Hilfstafel  für  die  Bestimmung  der  im  Emscher  und  Oberturon  der  sudetischen  Kreide  vorkommenden  Inoceramen 


Seite 

Name 

Umbiegen  der  Schale 

Form 

Flügel 

Verzierung 

Typus 

99 

Gruppe  des 
Inoccramus  incon- 
stans  Woods 

Scharfes  Umbiegen 
der  Schale  in  der  Wachs- 
tu msrichtg.  im  höheren 
Alter. 

Verzierung  der  Schale 
zwischen  früherem  und 
später.  Wachstum  meist 
verschieden 

meist  länger  als  hoch , 
aufgebläht, 

ungefähr  gleicliklappig 

| klein, 

: meist  wenig 
abgesetzt 

im  Jugendalter  gerundete  kon- 
zentrische An  wachswellen. 
Ausnahme  J.  inconstans  var.  planus 
(scharf  herausmodellierte  Anwachs- 
ringe). 

Oberfläche  ohne  radiale  Furchen 

vgl. 

Hilfstafel  Seite  140 
Gruppe  &.I.  incon- 
stans Woods 

114 

Inoceramas 
protractus  ScüPlN 

kein  scharfes  Umbiegen 
der  Schale,  jedoch  sonst 
der  Charakter  d.  Gruppe 
des  I.  inconstcins 

aufgebläht 

klein,  wenig 
abgesetzt 

unregelmäßige  konzentr.  Anwachs- 
wellen und  schwache  Anwachsringe 
Oberfläche  ohne  radiale  Furchen 

Ändert  1911, 
Taf.  3,  Fig  2 

99 

Inoceramen 
mit  Anwachs- 
kämmen 

meist  höher  als  lang 

meist  scharf 
abgesetzt 

scharfe  konzentrische  Kämme, 
teils  radiale  Furchen  vor- 
handen 

vgl. 

Hilfstafel  Seite  142 

124 

Inoceramus 
sturmi  Ändert 

! 

meist  höher  als  lang, 
vierseitig  gerundet, 
schwach  gewölbt 

klein,  schwach 
abgesetzt 

enge  Anwachsringe  und  unregel- 
mäßige flache  Anwachswellen,  in 
der  Höhenrichtung  meist  gerundet 
herabgezogen 

Stürm  1901, 
Taf.  10,  Fig.  1; 
Langenhan  & 
Grundey  1891, 
Taf.  5,  Fig.  5 

125  ■ 

Inocer.  schroederi 
G.  Müller 

kein  scharfes  Um- 
biegen der  Schale  in 
> der  Wachstumsrich- 
tung im  höheren 
Alter 

höher  als  lang,  vierseitig 
gerundet,  gleichmäßig 
gewölbt 

n i ch  t 
abgesetzt, 
mäßig  laDg 

regelmäßige,  etwas  ungleich  starke 
Anwachsringe,  gegen  den  Unterrand 
einige  kleine  Falten 

G.  Müller  1898, 
Taf.  6,  Fig.  3 

126 

Inoceramus 
lusatiae  Ändert 

meist  hoher  als  lang, 
meist  vorn  unten  schief 
abgeschnitten 

meist  scharf  ab- 
gesetzt,  kon- 
zentr.  Anwachs- 
wellen auf  den 
Flügel  meistnicht 
übergehend 

kräftige  abgerundete  konzen- 
trische Anwachswellen  u. 
Wülste,  besonders  stark  an  der 
schief  abgestutzten  Vorderseite  her- 
vortretend, Anwachsringe  meist  gut 
sichtbar 

Ändert  1911, 

Taf.  2,  Fig.  1 a,  b; 
Taf.  8,  Fig.  3 

128 

Inoceramus  dachs- 
lochensis  Ändert 

höher  als  lang,  dick, 
k u g e 1 i g 

scharf 
abgesetzt,  kon- 
zentr.  Anwachs- 
wellen  auf  dem 
Flügel  deutlich 

dicke  niedrige  entfernte  konzentrische 
Anwachs  wellen 

Ändert  1911, 
Taf.  1,  Fig.  9; 
Taf.  7,  Fig.  7 

129 

Inoceramus  wink- 
holdioides  Ändert 

höher  als  lang,  stark 
ungleichklappig 

1 

klein,  wenig 
abgesetzt 

rechte  Klappe:  gleichmäßige 

scharfe,  auf  dem  Kücken  fast  hori- 
zontal verlaufende, eckig  umbiegende 
Anwachswellen  und  Kämme; 
linke  Klappe:  An  wachswellen 
bedeutend  enger,  weit  herunter- 
; ziehend,  über  den  Kücken  gut 
gerundete  Einkreisung  bildend 

Ändert  1911, — 
Taf.  3,  Fig.  1; 
Taf.  4,  Fig.  1; 
Taf.  7,  Fig.  5 

130 

Inoceramus 
icandereri  Ändert 

| Wirbel  lieben 
| höher  uls  lang,  j si  ch  hoch  hi  n- 
; 'aas,  besonders 

! ungleich-  an  der  linken 
k 1 a p p i g , Klappe,  und  te- 
1 herrschen  dieQe- 

hochgewölbt  samtform  d.  Mu- 
schel i 

klein 

. ; 
1 

grobe  konzentrische  Anwachs- 
wellen und  Wülste 

Ändert  1911, 

Taf.  5,  Fig  la,b,  c; 
Taf.  8,  Fig.  1 a,  b 

132 

Inoceramus 
koeneni  GT.  Müller 

! 

stark  ungleich- 
klappig; 

; linke  Klappe  horn- 
artig eingerollt; 
rechte  Klappe  mäßig 
gewölbt,  Wirbel  hervor- 
ragend, Spitze  nach  vorn 
medergebogen 

anscheinend  klein 

linke  Klappe:  fast  glatt  mit 
wenigen  ganz  schwachen  konzentr. 
Anwachswellen; 

rechte  Klappe:  regelmäßige  kon- 
zentrische kammartige  Anwachs- 
wellen, gegen  den  Unterrand  ent- 
, fernter  und  unregelmäßiger 

1 Gr.  Müller  1888, 
| Taf.  17,  Fig.  1 

Gruppe  des  Inoceramus  inconstans  WOODS 


1 

1 

Name 

Form 

Flügel 

erste  Wachstumsrichtung  (Jugend) 

spätere  Wachstumsrichtung 

Typus 

102 

Inoceramus 
inconstans  Woods 
emencL.  Ändert 

fünfseitig  kreisförmig,  im 

allgemeinen  länger  als  lioch. 

vorhanden, 
nicht  abge- 

setzt 

schwach  gewölbt  oder  fast  flach; 
annähernd  regeln)  äß.  flache  Wellen, 
deutliche  An  wachsringe 

stumpfwinkelig  umbiegend; 
An  wachs  wellen  unregelmäßig 
bis  fehlend,  Anwachsringe  bei 
älter.  Exempl.  wenig  deutlich^ 

Woodb  1904-13, 
Abb.  39,  46 ; 
Taf.  51, 

Fig._2  a,b 

106 

Inoceramus 
inconstans  var. 
planus  Elbert 

fünfseitig  kreisförmig 

fehlend  (?)  od. 
schmaler  Rand 

mäßig  gewölbt; 

regelmäßige,  genähert  bis  enge, 
scharfe,  nach  hinten  ausgezo- 
gene Anwachsringe 

stumpfwinkelig  umbiegend; 
einige  u »regelmäßige  schwache 
Anwach  s wellen 

Ändert  1911, 
Taf.  1,  Fig.  2; 
Taf  7,  Fig.  8; 
Woods  1904-13, 
Abb.  44 

107 

Inoceram . schloen- 
bachi  J.  Bon  hm 

fün  Iseitig  kreisförmig  bis 

etwas  in  die  Lange  gezogen 

schmal, 
am  Steinkern 
scharf  abge- 
setzt 

ebenmäßig  gewölbt,  größere  Stücke 
in  der  Mitte  abgeflacht;  grobe  kräf- 
tige, entfernt  stehende  Anwachs- 
wellen, zwischen  denen  gewöhnlich 
! 2 — 3 schwächere  sichtbar  sind;  An- 
wachsstreifen sehr  undeutlich 

sehr  stumpfwinklig  umbie- 
gend; gleichmaß.  schwächere 
bis  schwache  Anwaclisrippen 

| 

GoiiPPues,  2, 
1834—40, 

Taf.  111,  Fig.  1 

109 

Inoceram.  scliloen- 
bachi  var.  cripsi- 
oides  Elbert 

rechteckig,  U nter-  und 
Hinterrand  schwach  konvex 

schmal  (abge- 
setzt?) 

mäßig  gewölbt; 

schmale  kräftige  Anwachsringe, 
meist  durch  eine  Mittelfurche  geteilt 

biegt  fast  rechtwink1  ig  um; 
Verzierung  wie  in  der  Jugend, 
aber  weniger  kräftig 

Ändert  1913, 
Abb.  1,  2 

! 

109 

Inoceram.  crassus 
Petrascheck 

sch  ief , rhomboidal  - queroval, 
stark  nach  hinten  aus- 
gezogen,  Vorder-  u.  Un- 
terrand schwach  konvex, 
Hinterrand  gegen  den  Flügel 
stark  ein  gezogen 

schmal,  teils 
weniger,  teils 
schärfer  abge-  ; 
setzt 

| 

^ schwach  gewölbt,  größere  Stücke 

fast  flach;  An  wachswellen  deutlich,  ! 

: 

zuerst  eng  und  regelmäßig,  später 
immer  kräftiger  bis  kämm  förmig 
, und  entfernter  von  einander,  auf 
1 dem  Flügel  fast  verschwindend,  vom 
Unter-  zum  Hinterrande  eckig 
i umbiegend,  An  wachsringe  sichtbar 

fast  rechtwinkelig  umbiegend; 
An  wachsw  eilen  fehlen  fast 
ganz,  höchstens  vereinzelt  und 
schwach  ausgebildet,  ziemlich 
glatt 

j 

Ändert  1911, 
Taf.  3,  Fig.  4; 

( Taf.  6,  Fig.  1,  2 

T 


111 

Inoceramua  weiset 
Ändert 

queroval,  unregelmäßiges 
Vier-  bis  Fünfeck,  nach  vorn 
sch  na  uzen  förmig  ver- 
längert 

schmal,  ab  ge- 
setzt 

kleinere  Stücke  mehr,  größere 
weniger  gewölbt.  Anwachswellen 
deutlich,  eng,  regelmäßig,  Anwachs- 
ringe. Jugend  wachstu  m s - 

fläche  kleiner  als  die  des 
späteren  Wachstums 

fast  rechtwinkelig  umbiegend; 
Anwachswellen  zahlreich  vor- 
handen, unregelmäßig,  teils 
kräftig  bis  kammförmig,  An- 
waclisringe;  gegen  den  Unter- 
rand  eine  Einschnürung 
der  Schale  vorhanden 

Ändert  1911, 
Taf.  4.  Fig.  2,3; 
Tuf.  6,  Fig.  3 

112 

Inoceram.  ivalters - 
dorfensis  Ändert 

q u a d r a t i s c h bis  rhom- 
bisch, Vorder-,  Unter-  und 
Hinterrand  gerundet 

vorhanden, 
nicht  abgesetzt 

flach,  aber  aufgebläht,  meist  mit 
scharfer  Biegung  zwischen  Rücken 
und  Vorderrand;  An  wachsringe 
schwach  rippen  artig,  An  wachs- 

wellen fehlend  oder  nur  eine  oder 
zwei  schwach  angedeutet 

stumpfwinkelig  bis  recht  win- 
kelig umbiegend;  unregelmä- 
ßige An  wachs  wellen  vorhan- 
den oder  fehlend 

Ändert  1911, 
Taf.  5,  Fig.  5* 
diese  Abh., 

Taf.  4,  Fig.  2 a,  b 

zum  Vergleich  aus 
dem  Senon: 
Inoceramus 
balticus  J.  Böhm 

rechteckig  gerundet,  stark 
nach  hinten  a u s ge- 
zogen 

fehlend  od. 
nur  schwach 
' angedeutet 

i 

starke  kraft.  An  wachs  wellen  , 
bis  an  die  Bandgruben- 
leiste reichend; 
vom  Unter-  zum  Hinterrande  im 
| runden  Bogen  umbiegend 

Anwachswellen  fehlen  fast 
vollständig,  meist  glatt 

i 

SCHROEDER  & 

Böhm  1909; 
Taf.  11,  Fig.  2; 
Taf.  12.  Fig.  1 

114 

anschließend  a d. 
Gruppe  des  Inoc. 
inconstans  Woods  : 
Inoc.  protractus 
SCUP1N 

dick, 

gleichmäßig  kugelig,  i 
Vorderrand  nach  vorn  gerichtet 

i 

vorhanden, 

; nicht  oder 
schwach  ab- 
gesetzt 

unregelmäßige  konzentrische  An- 
wachswellen und  Anwachsringe 

Eine  Unterbrechg.  der  Wachs- 
tumsrichtung findet  nicht 
statt;  die  Form  ist  kugelig 

Ändert  1911, 
Taf.  3,  Fig.  2 

Inoceramen  mit  Anwachskämmea ') 


i 

Name 

Form 

Flügel 

[ 

Kanten 

Furchen 

Verzierung 

Typus 

115 

Inoceramus  kleini 
G.  Müller 

hoch-  bis  mäßig  gewölbt,  hoch- 
oval bis  gerundet  dreiseitig 
und  kugelig 

mäßig  groß, 
meist  abge- 
brochen, mehr 
oder  weniger 
j scharf  abge- 
setzt 

i 

keine 

| 

hinter  d.  höch- 
sten Schalen- 
wölbung fla- 
che, oft  kaum 
wahrnehmbare 
Furche  (meist 
Abflachung) 

regelmäßige  scharfe  und  schmale,  in 
der  Richtung  der  Längsachse  hinab- 
gezogene konzentrische  Anwachs- 
kämme m.  flachen  breit  eren  Zwischen- 
räumen. Hinter  der  höchsten  Schalen- 
wölbung Abflachung  und  Kämme 
winkelig  umbiegend 

G.  Müller  1888, 
Taf.  18, 

Fig.  1 a,  b 

116 

Inoceramus  kleini 
var.  Ändert 

mäßig  u.  gleichmäßig  gewölbt 

klein, 

oft  undeutlich 
abgesetzt 

keine 

keine 

regelmäßige  scharfe  und  schmale,  in 
der  Längsrichtung  Lin  abgezogene 
konzentrische  Anwachskämme  mit 
flachen  bi  eiteren  Zwischenräumen. 
Kämme  Uber  d.  ganze  Schale  gerundet 
und  ohne  Winkelbildung  verlaufend 

Ändert  1911, 
Taf.  2,  Fig.  3 

117 

Inoceramus 
koegleri  Ändert 

aufrecht  stehendes  Rechteck, 
u n tere  liintereEeke  abgerun  det, 
Rücken  mäßig  und  gleichmäßig 
gewölbt 

klein,  imSlein- 
kern  scharf  ab- 
gesetzt, in 
Schale  weniger 
ab  gesetzt 

vom  W i i b e 1 
zur  vorderen 
unteren 
Ecke  schar- 
fe Kante,  vor 
der  Kante  ein 
flaches  Feld 

keine 

regelmäßige  scharfe  und  kräftige 
konzentrische  Anwacliskämme,  da- 
zwischen breite  flache  Furchen. 
Kämme  im  breiten  runden  Bogen 
über  den  Rücken  verlaufend.  Regel- 
mäßige matte  Anwachsringe,  manch- 
mal auch  einige  flache  Anwachs- 
wellen vorhanden 

1 Ändert  1911, 
Taf.  1,  Fig.  6; 
Taf.  5,  Fig.  6; 
Taf.  7,  Fig.  4 

118 

Inoceramus 

subpercostatus 

Ändert 

hochgewölbt,  höher  als  breit, 
ohne  Flügel  oval  dreiseitig. 
Vorder-  und  Hinterrand  fast  ; 
parallel,  Unterrand  im  spitzen 
Bogen  1 

klein,  scharf 
abgesetzt 

vom  Wirbel 
entlang  des 
V order- 
r a n d e s eine 
Kante 

flache  Furche 
vor  der  Scha- 
lenhöhe vom 
Wirbel  nach 
! vorn  unten 
1 (Abflachung) 

scharfe  konzentr.  Anwacliskämme, 
kräftiger  als  bei  I. kleini  u.  I. koegleri, 
mitflachen  Zwischenräumen.  Kämme 
an  der  Grenze  der  Abflachung  eckig 
umbiegend 

Ändert  1911, 
Taf.  2,  Fig.  4; 
Taf.  7,  Fig.  3 

1 

i 

' 1 

119 

Inoceramus  per- 
costatus  G.  Müller 

hochgewölbt,  hoher  als  breit, 
ohne  Flügel  oval  dreiseitig 

kurz,  scharf 
abgesetzt 

vom  Wirbel 
entlang  des 
Vorder- 
r a n d e s eine 
Kante 

Furche,  meist 
stark  vertieft, 
vom  Wirbel 
hinter  der 
Schalenmitte 
herab  zum  Un- 
terrande 

scharfe  konzentr.  Anwachskämme, 
die  meist  in  starke  unregelmäßige 
Wülste  übergehen 

G.  Müller  1888, 
Taf.  17, 

Fig.  3 a,  b,  c 

120 

Inoceramus  fr  echt 
Flegel 

Aufrecht,  verschobenes  Beeht- 
eck  mit  abgerundetem  Unter- 
rand. Müßig  gewölbt,  linke 
Klappe  höher  gewölbt  als 
rechte,  bei  größeren  Stücken 
letztere  flach.  Wirbelpartie 
meist  über  die  Schalen- 
fläche besonders  heraus- 
gehoben 

verhältnis- 
mäßig groß,  an 
der  linken 
Klappe  schar- 
fer abgesetzt 
als  an  der 
rechten 

keine 

keine 

scharfe,  fast  regelmäßige  An- 
wachs kam  me  mit  flachen,  gegen 
den  Unterran  d an  Breite  zunehmenden 
Zwischenräumen,  gegen  den  Flügel - 
rand  vom  Wirbel  fliehend 

Ändert  1911, 
Taf.  1, 

Fig.  8 a,  b; 

Taf.  7,  Fig.  6; 
Scupin  1912/13, 
Taf.  11, 

Fig.  10  a,  b 

122 

Inoceram . glatziae 
Flegel 

Aufrecht,  verschobenes  Recht- 
eck mit  abgerundetem  Unter- 
rand;  gewölbt,  linke  Klappe 
höher  gewölbt  als  rechte 

mäßig  lang 

keine 

keine 

mehr  oder  weniger  scharfe  konzentr. 
Anwachskämme  und  Anwachs- 
wellen, Zwischenräume  verschieden 
weit,  Anwachsringe.  Konzentr. 
Verzierung  weniger  schief 
und  einen  breiteren  runden 
Bogen  bildend  als  bei  I.  frechi 

Ändert  1911, 
Taf.  1,  Fig.  1; 
Taf.  7,  Fig.  1,  2 

123 

Inoceramus  seitzi 
n.  sp. 

Wie  I.  frechi , jedoch  hoch- 
gewölbt 

wie  I.  frechi 

, 

Eine  Kante 
grenzt  den  fast 
ebenen  breiten 
Vorderrand 
vom  Schalen- 
rücken ab 

ähnlich  wie  bei  L frechi 

1 

Diese  Abh., 
Taf.  16,  |Fig.  2 
a,  b 

124 

Inoceramus 

subquadratus 

Schlüter 

quadratisch,  sehr  mäßig 
gewölbt  bis  fast  flach 

klein,  schwach 
abgesetzt 

keine 

keine 

regelmäßige  scharfe  konzentrische 
Anwachskämme  in  Winkelbiegungen 
mit  flachen  Zwisclienväumen 

SCHROKDER  & 

Böhm  1909, 

Taf.  16,  Fig.  1-3 

1)  Inoceramus  inconstans  var.  planus  siehe  Gruppe  des  Inoceramus  inconstans  S.  140. 


144  AfcJi.  prcuß.  geol.  L.-A.,  Neue  Folge,  Heft  159 

L i m i d a c n’Oiut. 

Lima  Brug. 

Lima  cretacea  WOODS  rar.  n.  bohemica 
Taf.  8,  Fig.  4 u.  5 
1897  Lima  hoperi  FriC,  S.  67. 

? 1898  Lima  hoperi  G.  Müller,  S.  24,  z.  Teil. 

? 1904 — 13  Lima  cretacea  var.  Woods,  2,  Taf.  5,  Fig.  5. 

Die  Schale  ist  sehr  flach  gewölbt,  schief  oval,  sehr  ungleichseitig  und 
höher  als  lang.  Vorder-  und  Hinterrand  sind  fast  gerade,  der  vordere  ist 
ungefähr  doppelt  so  lang  wie  der  hintere;  der  untere  Teil  der  Schale  bildet 
einen  schiefen  Bogen.  Die  kleinen  spitzen  Wirbel  sind  flach  niedergedrückt 
und  stehen  nahe  gegeneinander.  Der  Schloßkantenwinkel  beträgt  90— 95°.  Die 
Ohren  sind  klein,  das  hintere  ist  größer  als  das  vordere  und  bildet  nach 
außen  einen  etwas  stumpfen  Winkel.  Auf  den  Ohren  sind  radiale  Rippen 
sichtbar  (Taf.  8,  Fig.  5).  Vor  dem  Wirbel  liegt  ein  längliches,  tief  ein- 
gesenktes Möndchen,  das  mit  dem  Vorderrande  in  einem  spitzen  Winkel 
verbunden  und  mit  radialen  Rippen  bedeckt  ist. 

Die  Schale  ist  mit  etwa  30  scharf  gezeichneten  annähernd  geraden 
radialen  Furchen  verziert  (Taf.  8,  Fig.  4),  in  denen,  nahe  aneinandergereiht, 
punktartige  Grübchen  sichtbar  sind  (Taf.  8,  Fig.  5).  Die  Furchen  sind 
über  die  ganze  Oberfläche  der  Schale  verteilt,  die  Zwischenräume  ungleich, 
im  allgemeinen  in  der  Mitte  am  weitesten  und  gegen  Vorder-  und  Hinterrand 
schmäler.  Nur  selten  schieben  sich  gegen  den  Unterrand  einige  neue  Furchen 
ein.  An  ein  paar  Stücken  sind  auch  Andeutungen  von  feinen  konzentrischen 
Furchen  sichtbar;  regelmäßig  treten  einige  kräftigere  Anwachsringe  auf. 


Maße: 

1 

2 

3 

4 

5 

6 

7 

Länge : 10) 

45  mm 

4L  mm 

40  mm 

40  mm 

25  min 

25  mm 

20  mm 

Höhe: 

65  „ 

52  „ 

60  „ 

54  „ 

CO 

<x> 

35  „ 

24  „ 

Fundort : 

E E.-St.  Tannendorf  1. 

Unsere  Art  gleicht  in  Form,  Wölbung  und  Art  der  Verzierung  voll- 
ständig der  Lima  cretacea  Woods11),  jedoch  ist  die  Zahl  der  Furchen  auf 
der  Schale  bedeutend  geringer.  Das  von  Woods  bei  Lima  cretacea  unter 
Fig.  5 auf  Taf.  5 als  Varietät  auf  geführte  Stück  stimmt  mit  den  unserigen 
ungefähr  überein.  Ein  Unterschied  von  letzteren  besteht  anscheinend  nur 
darin,  daß  bei  der  englischen  Abbildung  eine  breitere  furchenfreie  Partie 
vorhanden  ist,  während  an  unseren  Stücken  die  Furchen  die  ganze  Schale 
ohne  Unterbrechung  einnehmen.  Da  bei  sämtlichen  mir  vorliegenden  25  Exem- 
plaren die  Radialfurchen  geringer  an  Zahl,  weiter  voneinander  entfernt  und 
über  die  ganze  Schale  verteilt  sind,  halte  ich  die  Aufstellung  der  Varietät 
für  berechtigt.  Im  allgemeinen  sind  unsere  Stücke  sehr  mangelhaft  erhalten. 
Die  Steinkerne  sind  fast  glatt  und  nur  an  den  Hohlabdrücken  haften  häufig 
Schalenbruchstücke,  so  daß  die  feinere  Verzierung  der  Schalenobcrfläche 
nur  selten  erkennbar  ist. 

10)  Als  Höhe  ist  die  größte  Höhenausdehnung  vom  Wirbel  ab  und  als  Lange  die  größte  Längenans- 
dehnnng  rechtwinklig  hierzu  angenommen. 

11)  Woods  1904—13,  2,  S.  22,  Taf.  4,  Fig.  13—15;  Taf.  5,  Fig.  1—4. 


Paläontol ogischer  Teil 


145 


Lima  hoperi  Mantell32)  unterscheidet  sich  von  unserer  Varietät  wie 
auch  von  Lima  cretacea  hauptsächlich  durch  den  weiteren  Schloßkanten- 
winkel, die  geringere  Schalenhöhe  gegenüber  der  Länge  und  das  teilweise  oder 
gänzliche  Fehlen  der  Furchen  auf  der  Schalenobcrfläche. 

Die  von  Geinitz  aus  dem  sächsischen  Elbtale  unter  Lima  hoperi  auf- 
geführten Stücke  gehören,  wie  ein  Vergleich  der  Originale  im  Museum  zu 
Dresden  ergab,  zu  dieser  Art  und  nicht  zu  unserer. 

Vorkommen: 

OberturonY:  Zatzschke  (Mus.  Dresden),  Kreibitz  7; 

Emscher:  E.-St.  Tannendorf  1 (Hauptfundstelle),  Kreibitz  26,  27; 

Untersenon:  Wenig  Rackwitz  Löw.  1 (Geol.  Landesmus.),  Sirgwitz  Löw. 

(Geol.  Landesmus.). 

Lim  a hoperi  HI  AKT. 

1889  Lima  hoperi  FriC,  S.  84,  Abb.  78. 

1904 — 13  Lima  hoperi  Woods,  2,  S.  17,  Taf.  4,  Fig.  7 — 12. 

Die  flache  und  fast  glatte  Art  findet  sich  nur  in  turonen  Schichten.  Der 
Unterschied  von  der  ähnlichen  und  früher  mit  ihr  verwechselten  Lima  cretacea 
var.  b ohemica  ist  bei  dieser  Art  auf  geführt  (S.  144). 

Vorkommen: 

Unterturon:  Jicin  6 (Soukup)  ; 

Mittelturon : Strehlen  (Mus.  Dresden,  Humboldtver.  Ebersbach),  Leitmeritz 

8,  10,  12  (Mus.  Aussig),  Hundorf  (Mus.  Aussig),  Teplitz  8 
(Mus.  Aussig),  Bilin  2 (Mus.  Aussig),  Jicin  2,  3,  6,  31,  42, 
44,  50  (alle  sieben  Soukup),  29. 


1834 — 40 

1839 

1839 

1841 

1841 

1843 

1846 

1846 

1875 

1875 

1877 

1883 

1888 

1897 

1897 

1898 
1901 


Lima  canalifera  Goldf. 

Taf.  8,  Fig.  6 

Lima  canalifera  Goldfuss,  2,  S.  89,  Taf.  104,  Fig.  1 a — d. 

Lima  canalifera  Geinitz,  1,  S.  24. 

Lima  multicoslata  Geinitz,  1,  S.  24,  Taf.  8,  Fig.  3 a u.  b. 

Lima  canalifera  A.  Roemer,  S.  56. 

Lima  laticostata  A.  Roemer,  S.  57,  Taf.  8,  Fig.  9. 

Lima  multicoslata  Geinitz,  4,  Taf.  6,  Fig.  10. 

Lima  laticostata  Reuss,  2,  S.  34. 

Lima  multicostata  Reuss,  2,  S.  34  z.  Teil,  Taf.  38,  Fig.  7,  8 (?),  18. 
Lima  canalifera  Geinitz,  2,  S.  38,  Taf.  9,  Fig.  6 — 8. 

Lima  canalifera  Brauns,  S.  386. 

Lima  canalifera  FriC,  S.  132  z.  Teil,  Abb.  117. 

Lima  multicostata  FriC,  S.  113,  Abb.  82  a — d (non  Abb.  83). 

Lima  canalifera  G.  Müller,  S.  404. 

Lima  canalifera  Petrasciieck,  S.  32. 

Lima  multicostata  FriC,  S.  67. 

Lima  canalifera  G.  Müller,  S.  23. 

Lima  canalifera  Sturm,  S.  90. 


12)  WOODS,  1904—13,  2.  S.  17,  Taf.  Fig.  7—12. 


Ändert  10 


146 


Abh.  preuß.  geol.  L.-A.,  Neue  Folge,  Heft  159 


1904 — 13  Lima  canalifera  Woods,  2,  S.  1,  Taf.  1. 

1909  Lima  canalifera  Wanderer,  S.  28,  Taf.  5,  Fig.  1. 

1912 — 13  Pecten  (Chlamys)  sp.  (conf.  saxonicus)  Scupin,  S.  223,  Abb.  37. 

1912 — 13  Lima  canalifera  Scupin,  S.  234. 

Die  Muschel  ist  gleichmäßig  flach  gewölbt,  im  Umriß  schief  oval  bis 
gerundet  dreieckig,  ungleichseitig  und  höher  als  lang.  Vorder-  und  Hinter- 
rand sind  fast  gerade,  der  vordere  bedeutend  länger  als  der  hintere;  der 
Unterrand  ist  gerundet.  Der  Schloßkantenwinkel  beträgt  nach  den  vorliegenden 
Steinkernen  90 — 100°.  Die  Wirbel  sind  niedergedrückt  und  ziemlich  klein. 
Vor  dem  Wirbel  befindet  sich  ein  lanzettförmiges  Möndchen.  Es  ist  fast 
so  lang  wie  der  vordere  Schalenrand,  scharfwinklig  einspringend,  tief  ein- 
gedrückt und  mit  schwachen  bogenförmigen  radialen  Linien  bedeckt.  Das 
vordere  Ohr  ist  klein,  das  hintere  größer,  mit  stumpfem  Außenwinkel.  An- 
wachslinien und  feine  radiale  Rippen  bedecken  die  Öhren. 

Die  Verzierung  der  Schale  besteht  in  16—24  radialen,  leistenartig  hohen, 
oben  flach  gerundeten  und  geraden,  gegen  die  Ränder  leicht  gebogenen  Rippen, 
die  durch  tiefe,  etwas  hohlkehlenartig  ausgebildete  Zwischenräume  voneinander 
getrennt  sind.  Diese  sind  an  den  größeren  Exemplaren,  besonders  gegen  den 
Unterrand  hin,  ebenso  breit  oder  breiter  als  die  Rippen,  an  kleineren  Stücken 
sowie  an  größeren  in  der  Nähe  des  Wirbels  fast  immer  schmäler.  An 
einigen  gut  erhaltenen  Schalenbruchstücken  und  Hohlabdrücken  kann  man 
über  Rippen  und  Furchen  hinweglaufende  feine  dichte  konzentrische  Linien 
wahrnehmen.  Die  Steinkerne  zeigen  ein  ganz  verändertes  Bild.  Die  Radial- 
rippen sind  bedeutend  schwächer  und  schmäler,  die  Zwischenräume  hingegen 
breiter  und  flacher  (Taf.  8,  Fig.  6). 

Maße: 1 2 3 4 6 6 

Lange:  65  mm  50  mm  48  mm  43  mm  41mm  20  mm 

Höhe:  80  „ 60  „ 55  B 45  „ 45  . 22  „ 

Fundort : 

1)  MT  Jonsdorf  Sa.  (Mus.  Zittau),  2),  3)  OT  y Kreibitz  4,  4)  OTy  Kreibitz 
11  (Humboldtver.  Ebersbach),  5)  MT  Jonsdorf  Sa.,  6)  OT  a J3  Großmergthal  2. 

Das  vorliegende  Material  ist  trotz  seiner  Reichhaltigkeit  mangelhaft. 
Annähernd  vollständig  erhalten  sind  nur  einige  Stücke;  sonst  sind  nur  Bruch- 
stücke von  Steinkernen,  Hohlabdrücken  oder  Schalen,  deren  Oberseite  ge- 
wöhnlich fest  am  Gestein  haftet,  vorhanden.  In  den  kalkigen  Ablagerungen 
sind  die  Exemplare  meist  verhältnismäßig  klein  (Maße  Nr.  6) ; sie  stimmen 
aber  in  Form,  Rippenzahl  und  Verzierung  vollständig  mit  den  größeren  überein. 

Zum  Vergleich  liegen  mir  u.  a.  auch  einige  am  Salzberg  bei  Quedlinburg 
selbst  gesammelte  Stücke  vor. 

Lima  canalifera  und  multicostata,  anfangs  von  Geinitz  getrennt,  sind 
von  ihm  später,  1875,  wieder  vereinigt  worden.  Das  Material  im  Museum 
zu  Dresden,  insbesondere  die  Funde  aus  dem  sächsischen  Elbtale,  konnte  nach- 
geprüft und  die  Übereinstimmung  mit  unserer  Art  festgestellt  werden.  Meist 
sind  nur  Steinkerne  in  dem  oben  geschilderten  Erhaltungszustände  oder  wie 
unten  von  Jonsdorf  erwähnt  vorhanden.  Jedoch  auch  die  wenigen  Hohlabdrücke 
zeigen  ein  den  unserigen  gleiches  Bild.  Es  wurden  im  allgemeinen  18  24 


Paläontologisch-er  Teil 


147 


Radialrippen  gezählt;  nur  selten  ging  die  Zahl  darüber  hinaus  bis  gegen  30. 
Ein  schlechtes  Stück  von  Strehlen  ließ  20  Rippen  erkennen.  Bei  dem  Original 
zu  Geinitz  1843,  Taf.  6,  Fig.  10,  von  Posteiberg  in  Böhmen  (?  OT  y)  konnten 
24  Rippen  festgestellt  werden.  Das  Hauptlager  der  Art  befindet  sich  in 
Sachsen  in  der  Zone  des  Inoceramus  lamarcki;  doch  sind  im  Museum  zu 
Dresden  auch  Stücke  aus  dem  Überquader  von  Wehlen  mit  24  Rippen 
(OT  ol  ß)  sowie  in  der  Sammlung  des  Geologischen  Landesamtes  zu  Leipzig 
aus  dem  Überquader  der  Herrenleite  (OT  a ß)  mit  26  Rippen  vorhanden.  Auch 
von  Ilsenburg  am  Harz  liegt  ein  Stück  mit  21  Rippen  im  Museum  zu  Dresden. 

Die  von  Reuss  und  FriC  unter  Lima  multicostata  von  Hrädeck,  Trziblitz, 
Schelkowitz  und  Studenec  (Fig.  8 bei  Reuss)  mit  30—45  hohen  schmalen  Rippen 
aufgeführten  Stücke  dürften  wohl  einer  anderen  Art  angehören. 

Scupin  hat  aus  dem  Rabendockensandstein  von  Hermsdorf  eine  neu- 
benannte Art  als  conf.  saxonicus  abgetrennt.  Die  Unterscheidungsmerkmale 
lassen  sich  aber  kaum  aufrecht  erhalten.  Die  Mannigfaltigkeit  in  der  Ab- 
flachung der  Rippen  sowie  bei  deren  verschiedener  Stärke  auch  die  Weite 
der  Zwischenräume  sind  nur  auf  den  verschiedenartigen  Erhaltungszustand 
der  Stücke  zurückzuführen. 

Lima  canalifera  findet  sich  in  allen  hier  vorhandenen  Zonen,  besonders 
häufig  im  Turon.  Im  Mühlsteingebiet  von  Jonsdorf  i.  Sa.  ist  Lima  canalifera 
fast  die  einzige  Versteinerung,  die  sich  besonders  im  sogenannten  „Schwarzen 
Loch“  in  550  m Höhe  gefunden  hat.  Ausgebeutet  wurde  dieser  Fundort  von 
Herrn  Oberlehrer  Bauer  in  Jonsdorf.  Im  Mühlsandstein  zeigen  die  Hohl- 
abdrücke und  Steinkerne  nur  eine  seichte  radiale  Rippung.  Wahrscheinlich 
sind  die  tiefen  radialen  Rinnen  der  verschwundenen  dicken  Schale  durch  den 
Niederschlag  der  bei  der  Umbildung  zu  Mühlsandstein  frei  gewordenen  Kiesel- 
säure ausgefüllt  worden.  Ebenso  habe  ich  die  Art  als  fast  einzige  seltene 
Versteinerung  im  grobkörnigen  Sandstein  des  oberen  Khaatales  gesammelt 
(OT  aß  Khaa  5). 

Vorkommen: 

Lima  canalifera  ist  weit  verbreitet  im  sächsischen,  böhmischen  und 
schlesischen  Emscher  und  Turon.  In  England  findet  sie  sich  im  Cenoman  in 
der  Zone  des  Pecten  asper,  in  Norddeutschland  auch  im  Untersenon. 
Unterturon:  Schmilka,  Jicin  9,  Hermsdorf  Löw.  (Scupin),  Heuscheuer; 

Mittelturon:  Postelwitz,  Wendischfähre,  Dittersbach,  Arnsdorf  3,  Dobern, 

Lindenau  3,  5,  6 (Vo-itiscii),  Klemensdorf  1,  2,  Jonsdorf  Sa., 
Antonienthal  2,  Petersdorf  2,  Großhirndorf,  Lämberg,  Felden, 
Kriesdorf,  Budine  2,  Auscha,  Skalken  1,  Brenn  5,  Krassa  1, 
Sabert  1,  2,  Kessel  2,  Jungbunzlau  7,  Schwabitz  2,  4,  5,  7, 
Plauschnitz,  Böhm.  Neuland  2,  Wobrok  2 (Stellwag),  Gründen- 
mühltal  (B.  Müller),  Kallwitz  2,  Bleiswedel,  Bösig  3,  5,  7, 
Hirschberg  1,  2 (ß.  Müller),  3,  Raschowitz,  Liboch,  Laun  5 
(Mus.  Aussig),  Zimor,  Truskavna  1,  Kokorin  1,  4,  Sackschen  2 
(B.  Müller),  Chorousek  4,  Kanina  2,  Weißwasser,  Vsetat  1, 
Bakov  2,  Turnau  1,  2,  3,  8,  10,  12,  Jicin  27,  29,  36,  38,  41  (alle 
fünf  Soukup),  28,  Hermsdorf  Löw.  4 (Scupin),  Hermsdorf 
Löw.  6 (Geol.  Landesmus.),  Kesselsdorf  Löw.  (Geol.  Landes- 


10* 


148 


Abh.  preuß.  g*eoI.  L.-A,,  Neue  Folge,  Heft  159 


mus.),  Löwenberg  1,  3 (Scupin),  Langenau  Löwr.  2 (Geol. 
Landesmus.),  Grunauer  Spitzberg  Löw.  3 (Geol.  Landesmus.), 
Waltersdorfer  Mühle  Löw.  (Geol.  Landesmus.) ; 

Oberturon  aß:  Mocketal  (Seifert),  Zeichen  1,  5 (beide  Seifert),  Jonsbach, 
Hinterhermsdorf  2,  Daubitz  3,  Philippenau,  Böhm.  Kamnitz  2, 
Khaa  5,  Herrenleite,  Lückendorf  1,  2,  4,  9,  Hermsdorf  1,  3,  7, 
Großmergthal  2,  3,  Jonsberg  3,  4 (Mus.  Zittau),  Hain  1, 
Schanzendorf  1,  Thammühl  2,  Rollberg  2,  Hochwald  1,  Ludwigs- 
dorf Löw.  (Geol.  Landesmus.),  Heuscheuer  2,  3; 

Oberturon  y:  Kreibitz  4,  10,  11  (Humboldtver.  Ebersbach),  14; 

Emscher:  Kreibitz  12,  27,  Oberkreibitzer  Talsperre  5,  6,  Kunncrsdorf  2 

(Prinz),  Böhm.  Kamnitz  8 (Prinz),  Markersdorf  3,  Herms- 
dorf 9,  E.-St.  Neuhütte  8,  Neuwarthau  Löw.  1,  2,  3 (Geol. 
Landesmus.,  Realgymn.  Löwenberg),  Hohlstein  Löw.  (Geol. 
Landesmus.),  Hermsdorf  Löw.  (Geol.  Landesmus.),  Großhart- 
mannsdorf Löw.  (Geol.  Landesmus.),  Kieslingswalde,  Salzberg, 
sowie  anderweit  am  nördlichen  Harzrande,  wo  sie  auch  im 
Untersenon  vorkommt. 

Lima  elongata  Gein.  (non  Sow.) 

Taf.  8,  Fig.  7 a u.  b 

1846  Lima  elongata  Reuss,  2,  S.  33  z.  Teil,  Taf.  38,  Fig.  6. 

1875  Lima  elongata  Geinitz,  2,  S.  40,  Taf.  9,  Fig.  9,  10. 

1877  Lima  elongata  FriC,  S.  132,  Abb.  116. 

1889  Lima  elongata  FriC,  S.  84. 

1909  Lima  elongata  Wanderer,  S.  29,  Taf.  o,  Fig.  2. 

Die  Muschel  ist  im  Umriß  schiefoval  bis  abgerundet  rechteckig  und  sehr 
ungleichseitig.  Sie  ist  flach  gewölbt,  nach  vorn  steil,  nach  hinten  allmählich 
abfallend  und  bedeutend  höher  als  lang.  Der  lange  Vorderrand  verläuft  an- 
nähernd gerade  und  ungefähr  parallel  zu  dem  Hinterrande.  Der  Unterrand 
ist  meist  flach  bogenförmig;  der  kurze  Oberrand  bildet  eine  ziemlich  gerade 
Linie.  Der  kleine  Wirbel  ist  spitz.  Die  beiden  Ohren  sind  klein. 

Die  Verzierung  der  Schale  besteht  aus  16—18  scharfen  radialen  Rippen, 
die  gegen  den  Hinterrand  etwas  entfernter  voneinander  stehen  und  mehr 
abgerundet  und  flach  sind.  Über  die  Rippen  verlaufen  zahlreiche  konzen- 
trische Linien. 

Maße:  _ 1 2 

Länge:  14  min  20  mm 

Höhe:  25  „ 26  „ 

Länge : Höhe  = 100:  178  130 

Fundort:  MT  Heuscheuer  2. 

Woods  1904—13,  2,  S.  34,  Taf.  6,  Fig.  5-7  unterscheidet  die  sächsisch- 
böhmische Form  von  der  englischen  mit  dem  Hinweis,  daß  unsere  weniger 
und  gerundetere  Rippen  besitze,  und  daß  bei  unserer  Art  die  Rippen  auf  dem 
hinteren  Teile  der  Schale  weiter  voneinander  gestellt  seien  als  auf  dem 
übrigen  Schalenteile.  Woods  gibt  für  seine  Art  19—20  Rippen  an,  während 
ich  bei  der  unseren  nur  16 — 18  zählen  kann.  Nach  den  Steinkernen  zu  urteilen, 


Paläontologischer  Teil 


149 


sind  die  Rippen  bei  unseren  Exemplaren  mit  Ausnahme  des  hinteren  Schalen- 
teiles kaum  weniger  scharf  als  bei  den  englischen.  Tatsache  ist  jedoch,  daß 
sie  auf  dem  hinteren  Schalenteile  etwas  weiter  voneinander  entfernt  sind  als 
auf  dem  anderen;  immerhin  scheint  dieser  Unterschied  sehr  zu  schwanken. 
Ich  möchte  meinen,  daß  die  englischen  Stücke  mit  den  unseren  identisch 
sind;  doch  fehlt  mir  wie  auch  Woods  entsprechendes  Vergleichsmaterial. 
Vorkommen: 

Unterturon  : Jidn  2 (Soukup)  ; 

Mittelturon:  Dresden  1 (Mus.  Dresden),  Strehlen  (Mus.  Dresden),  Groß 

Luga  (Mus.  Dresden),  Bonnewitz  (Mus.  Dresden),  Schandau  2, 
Hirschberg  2,  Skalken  3,  Turnau  14,  15,  Jidn  5,  28,  31,  41, 
50,  51  (alle  sechs  Soukup),  22,  23,  26,  29,  36,  Lysa  4,  Löwen- 
berg 1 (Geol.  Landesmus.),  bleuscheuer  2,  6. 

Lima  granulata  Xilss.  sp. 

Taf.  8,  Fig.  8 a — d,  9 

1827  Plagiostoma  granulatum  Nilsson,  S.  26,  Taf.  9,  Fig.  4A  und  B. 

1844  Lima  cenomanensis  d’Orbigny,  3,  S.  552,  Taf.  421,  Fig.  11 — 15. 

1846  Lima  pseudocardium  Reuss,  2,  S.  33  z.  Teil. 

1872  Lima  pseudocardium  Geinitz,  1,  S.  204,  Taf.  42,  Fig.  14,  15  (?  z.  Teil). 

1875  Limaea  granulata  Brauns,  S.  386. 

1883  Lima  iserica  Fric,  S.  113  z.  Teil. 

1889  Lima  granulosa  Holzapfel,  2,  S.  239,  Taf.  27,  Fig.  6. 

1889  Lima  granulata  Fric,  S.  83,  Abb.  76. 

1893  Lima  granulata  Fric,  S.  100. 

1897  Lima  granulata  Fric,  S.  67. 

1897  Lima  granulata  IIennig,  S.  26,  Taf.  2,  Fig.  6 — 8. 

1912 — 13  Lima  pseudocardium  Scupin,  Taf.  12,  Fig.  16. 

Die  Muschel  ist  gewölbt,  oval,  etwas  schief  und  im  Umriß  gerundet.  Die 
Hinterseite  der  Schale  ist  mehr  konvex  als  die  vordere.  Die  Länge  ist  geringer 
als  die  Höhe.  Die  kleinen  Wirbel  sind  nach  innen  gebogen  und  stehen 
einander  nahe  gegenüber.  Die  niedrigen,  länglichen  Ohren  sind  von  geringer 
Größe,  nahezu  gleich  und  mit  einigen  Knotenreihen  bedeckt. 

Die  Verzierung  der  Schale  ist  bei  dem  Erhaltungszustände  der  Stücke 
sehr  schwer  festzustellen.  Sie  besteht  in  zahlreichen  (36—40)  radialen,  mit 
scharfem  Längsgrat  versehenen  Rippen,  die  durch  bedeutend  schmälere 
Zwischenräume  voneinander  getrennt  sind  (Taf.  8,  Fig.  8 b).  Jede  Rippe 
trägt  drei  Reihen  zarter  Knötchen,  die  an  einigen  Schalenresten  die  schuppen- 
artige Form  der  Lima  granulata  zeigen  (Taf.  8,  Fig.  8 c).  Eine  Reihe  sitzt 
auf  dem  mittleren  Grate  und  je  eine  zu  beiden  Seiten  am  Rande  der  Rippen. 
Die  Knötchen  stehen  dicht  aneinander  in  regelmäßigen  Zwischenräumen;  die 
mittlere  Reihe  ist  etwas  stärker  entwickelt  als  die  beiden  seitlichen.  Gegen 
den  Vorder-  und  Hinterrand  nehmen  die  Radialrippcn  an  Stärke  ab;  jedoch 
tritt  die  mittlere  Knötchenreihe  hier  meist  besser  als  in  der  Schalenmitte 
hervor,  während  sich  die  seitlichen  Knötchen  fast  ganz  verlieren  (Taf.  8, 
Fig.  8d).  In  der  Nähe  der  Ohren  sind  die  Rippen  vollständig  verschwunden 
und  nur  noch  Knötchenreihen  sichtbar,  die  sich  auch  über  die  Ohren  ver- 
breiten. Hennig  zählt  nur  die  mittleren  stärkeren  Rippen,  16—18,  als  solche, 


150 


Abh.  preuß.  geol.  L.-A.,  Neue  Folge,  Heft  159 


während  er  die  Verzierung  der  Seitenpartien  als  feine  radiale  Linien,  die  mit 
kleinen  Schuppen  oder  Körnern  bedeckt  sind,  schildert.  Da  bei  den  in  der 
sächsisch-böhmischen  Kreide  vorwiegend  vorhandenen  Steinkernen  eine  der- 
artige Unterscheidung  nicht  möglich  ist,  muß  auf  die  Gesamtzahl  der  radialen 
Rippen  und  Firstlinien  besonderer  Wert  gelegt  werden.  Ob  sich  in  der  Mitte 
der  Zwischenfurchen  noch  eine  Knötchenreihe  befindet,  wie  es  an  einigen 
Stücken  den  Anschein  hat,  läßt  sich  nicht  mit  Sicherheit  feststellen.  Weiter 
ist  auch  nicht  nachweisbar,  ob  die  Knötchen  in  kleine  Dornen  enden,  da  gute 
Schalenexemplare  nicht  vorhanden  sind  und  in  den  am  besten  erhaltenen 
Hohlabdrücken  nur  punktförmige  Knötchenreihen  mit  weißlicher  Schalen- 
substanz sichtbar  sind.  Über  die  ganze  Schale  ziehen  sich  dichte  konzentrische 
Linien,  die  aber  infolge  der  zahlreichen  Knötchen  nur  an  den  Seiten  als 
solche  hervortreten.  Die  Steinkerne  zeigen  schmale  Rippen  mit  breiten 
Zwischenräumen  (Taf.  8,  Fig.  8 a). 


Maße: 

1 

2 

3 

4 

5 

6 

7 

8 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

Lange: 

8 

9 

9 

9,5 

10 

11 

11 

11 

Höhe: 

9,5 

11 

11 

11 

13 

13 

13,5 

15 

Länge  des  Schloßrandes: 

V 

4,5 

5 

5 

? 

6 

7 

6 

Maße: 

9 

10 

11 

12 

13 

14 

15 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

Lange: 

12 

13 

13,5 

14 

14,5 

15 

18 

Höhe: 

14 

15,5 

16 

17,5 

16 

17,5 

23 

Länge  des  Schloßrandes: 

? 

7 

7 

9 

6 

7,5 

? 

Fundort: 

5),  13)  E E.-St.  Tannendorf  1,  7)  E Kreibitz  1,  8),  12)  E Kreibitz  24, 
15)  OT  y Kreibitz  4,  10)  OT  aß  Lückendorf  1,  3),  6)  MT  Lindenau  3,  1), 
2),  4),  9),  11),  14)  MT  Pießnig  2. 

Soweit  die  vorliegenden  Exemplare  einen  Vergleich  zulassen,  müssen  sie 
nach  Form  und  Verzierung  mit  Lima  granulata  Nilss.  vereinigt  werden. 
Im  Museum  zu  Dresden  konnte  auch  von  Schonen  in  Schweden  ein  Stück 
unmittelbar  verglichen  werden.  Lima  granulata  findet  sich  vorwiegend  im 
Obersenon,  während  sie  in  der  sächsisch-böhmischen  Kreide  bis  ins  Ceno- 
man herab  vorkommt.  Das  Museum  zu  Dresden  enthält  Steinkerne,  die  als 
Lima  pseudocar dium  Reuss  bezeichnet  sind,  von  Strehlen,  von  der  Teplitzer 
Straße  in  Dresden  (Mittelturon),  aus  der  Labiatuszone  von  Rottwerndorf 
bei  Pirna,  sowie  aus  den  Tonmergeln  von  Priesen  in  Böhmen,  die  nach  ihrer 
Form  und  Zahl  der  Rippen  nur  hierher  gehören  können. 

G.  Müller  1898,  S.  29,  Taf.  4,  Fig.  6 schildert  seine  untersenone  Lima 
granulata  mit  25—30  Rippen,  an  die  sich  seitlich  noch  rippcnlose  Knoten- 
reihen anschließen,  wodurch,  wie  auch  die  Abbildung  zeigt,  die  Zahl  der 
radialen  Rippen  bzw.  Knotenreihen  etwa  36  erreicht.  Diese  Stücke  wären 
dann  mit  den  unserigen  zu  vereinigen. 

Von  Holzapfel  wird  Lima  granulosa  aus  der  Aachener  Mucronatenkreide 
im  Anschluß  an  Hennig’s  Auffassung  mit  einer  Rippenzahl  bis  zu  30 
aufgeführt. 


Paläontologischer  Teil 


151 


Bei  den  Stücken  aus  der  böhmischen  Kreide  werden  die  Namen  Lima 
granulosa , iserica  und  pseudocardium  vielfach  durcheinander  angewandt.  Da 
die  feinere  Skulptur  bei  den  Exemplaren  aus  dem  Sandstein  selten  erkenn- 
bar ist,  muß  die  Bestimmung  mancher  Form  unsicher  bleiben.  Lima  iserica 
(Fric  1883,  S.  113)  von  Pießnig,  die  ich  in  mehreren  Stücken  dort  selbst  ge- 
sammelt habe,  ist  sicher  unsere  Art.  Auch  die  Abbildung  der  Lima  granulosa 
bei  Fric,  Teplitzer  Schichten,  dürfte  nur  unsere  Art  darstellen.  Seine  An- 
gaben über  die  Fundstellen  der  Lima  granulata  aus  den  Chlomeker  Schichten 
decken  sich  mit  unseren  Fundorten.  Auch  konnte  im  Museum  zu  Prag  die 
Übereinstimmung  von  Stücken  aus  Chlomek  mit  unserer  Art  festgestellt 
werden.  Vom  Salzberg  bei  Quedlinburg  besitze  ich  ein  kleines  Stück  dieser 
Art  von  6 mm  Höhe  mit  36  Radialrippen. 

Lima  pseudocardium  Scupin  aus  dem  Emscher  von  Neuwarthau  gehört 
ebenfalls  hierher. 


Vorkommen: 


Unterturon: 
Mittelturon : 


Oberturon  a p 


Oberturon  y: 
Emscher : 


Untersenon : 
Obersenon : 


Rottwerndorf  bei  Pirna  (Mus.  Dresden),  Jicin  3,  4,  6 (alle 
drei  Soukup)  ; 

Dobern,  Pießnig  2,  3,  Lindenau  2,  3,  4,  Deutsch  Gabel,  Felden 
(zahlreich),  Kickeisberg  1,  Oberkriesdorf  3,  Liebeschitz  3 ?, 
Hohlen  2,  Skalken  3,  Brenn  2,  Voitsdorf  1,  Wartenberg, 
Schwarzwald  1,  2,  3,  Sabert  1,  2,  Jungbunzlau  2,  4,  Schwabitz  5, 
Böhm.  Neuland  1,  Teschen  1,  2,  Kallwitz  4,  Bösig  2,  5,  7, 
Hirschberg  2,  Sackschen  2 (B.  Müller,  Mus.  Aussig),  Widim, 
Zimof,  Chorousek  4,  Kanina  1,  2,  Mseno  1,  Weißwasser,  Bakov 
1,  Turnau  1,  2,  3,  5,  11,  12,  13,  Jicin  3,  4,  8,  29,  43,  44,  45, 
46,  48  (alle  neun  Soukup),  28,  36,  37,  Strehlen  (Mus.  Dresden), 
Dresden  1 (Mus.  Dresden),  Heuscheuer  3,  Langenau  Löw.  1,  2 
(beide  Geol.  Landesmus.),  Waltersdorfer  Mühle  Löw.  (Geol. 
Landesmus.),  Grunauer  Spitzberg  Löw.  4 (Geol.  Landesmus.), 
Hermsdorf  Löw.  2,  4 (Geol.  Landesmus.),  Löwenberg  2 (Geol. 
Landesmus.),  Kesselsdorf  Löw.  (Geol.  Landesmus.) ; 

Zeichen  1 (Seifert),  Daubitz  2,  Hinterhermsdorf  2,  Walters- 
dorf 3,  Böhm.  Kamnitz  2,  Lückendorf  1,  4,  5,  Jonsberg  3, 
Plissen  4,  Oberlichtenwalde  2,  Rollberg  2,  Grunauer  Spitz- 
berg Löw.; 

Zatzschke  (Mus.  Dresden),  Kreibitz  3,  4,  Böhm.  Zwickau; 

E.-St.  Tannendorf  1,  Kreibitz  1,  6,  7,  9,  20,  24,  26,  28,  E.-St. 
Neuhütte  6,  Böhm.  Kamnitz  3,  10  ?,  12  ?,  Schwoika,  Klein- 
mergthal  2,  Neuwarthau  Löw.  1,  2,  3 (Realgymn.  Löwenberg, 
Geol.  Landesmus.),  Llohlstein  Löw.  (Geol.  Landesmus.),  Groß- 
hartmannsdorf Löw.  (Geol.  Landesmus.),  Hermsdorf  Löw. 
(Geol.  Landesmus.),  Salzberg; 

Braunschweig  (G.  Müller),  Aachen  (Holzapfel)  ; 

Schweden. 


Außerdem  auch  im  Cenoman  von  Sachsen  (Mus.  Dresden). 


152 


Abh.  preuß.  geol.  L.-A.,  Neue  Folge,  Heft  159 


Lima  semisulcata  NlLSS.  sp. 

Taf.  8,  Fig.  10  u.  11 

1827  Plagiostoma  semisulcatum  Nilsson,  S.  25,  Taf.  9,  Fig.  3. 

1834 — 40  Lima  semisulcata  Goldfuss,  2,  S.  90,  Taf.  104,  Fig.  3 a u.  b. 

1841  Lima  semisulcata  A.  Roemer,  S.  55. 

1844  Lima  semisulcata  d’Orbigny,  3,  S.  562,  Taf.  424,  Fig.  5 — 9. 

1846  Lima  semisulcata  Reuss,  2,  S.  32. 

1875  Lima  semisulcata  Brauns,  S.  387. 

1875  Lima  semisulcata  Geinitz,  2,  S.  53,  Tal.  16,  Fig.  14. 

1877  Lima  semisulcata  Fric,  S.  132,  Abb.  115. 

1883  Lima  semisulcata  Fm c,  S.  112. 

1888  Lima  semisulcata  G.  Müller,  S.  40j. 

1889  Lima  semisulcata  Fric,  S.  84. 

1893  Lima  semisulcata  Fric,  S.  100. 

1897  Lima  semisulcata  Fric,  S.  67. 

1897  Lima  semisulcata  IIenntc,  Ö.  28,  Taf.  2,  Fig.  14  u.  17. 

1898  Lima  semisulcata  G.  Müller,  S.  26. 

1901  Lima  semisulcata  Sturm,  S.  91. 

Die  Muschel  ist  oval,  hochgewölbt,  höher  als  laug  und  wenig  ungleich- 
seitig. Der  Umriß  der  glänzenden  Schale  ist  gerundet,  der  Hinterrand  etwas 
mehr  konvex  als  der  vordere.  Der  mäßig  gewölbte  Rücken  der  Muschel  fällt 
zum  Vorderrande  steil,  zum  Hinterrande  meist  etwas  gewölbter  ab.  Die 
kleinen  Wirbel  sind  nach  einwärts  gebogen,  so  daß  sie  nahe  gegeneinander 
stehen.  Beide  Ohren  sind  gleich  groß. 

Die  Verzierung  besteht  in  13  -18  radialen  Rippen,  auf  denen  bei  gut 
erhaltenen  Schalenexemplaren  ein  schmaler  scharfer  längslaufender  Kiel  sicht- 
bar ist  (Taf.  8,  Fig.  10).  Rippen  und  Zwischenfurchen  sind  ungefähr  von 
gleicher  Breite,  nur  gegen  Vorder-  und  Hinterrand  sind  die  Rippen  meist  etwas 
mehr  auseinandergezogen  und  schwächer.  Die  Rippen  sind  nicht  über  die 
ganze  Schale  verteilt,  sondern  bedecken  allgemein  nur  die  sanft  gewölbte 
Mitte  bis  zu  dem  steil  abfallenden  Vorder-  und  Hinterteil.  Die  von  ihnen 
eingenommene  Fläche  liegt  zur  Mittellinie  ein  wenig  unsymmetrisch,  die 
vordere  unberippte  Fläche  ist  gewöhnlich  etwas  kleiner  als  die  hintere.  Vorder- 
und  Hinterteil  sind  nur  von  feinen  dichten  Anwachslinien  bedeckt,  die  sich 
auch  über  die  Rippen  fortsetzen  und  daselbst  eine  zarte  dreieckige  Wellung 
erzeugen  (Taf.  8,  Fig.  11).  An  einigen  unbeschädigten  Schalenexemplaren 
kann  man  auf  den  Rippen,  besonders  in  der  Nähe  des  Unterrandes,  an  den 
Kreuzungsstellen  punktartige  Knötchen  wahrnehmen.  Leider  sind  nur  an  wenig 
Fundstellen  die  Kalkschalen  mit  dieser  zarten  Skulptur  erhalten  und  zwar 
an  den  im  folgenden  Maßverzeichnis  unter  2,  4,  5 und  9 genannten.  Von  den 
übrigen  Plätzen  liegen  nur  Steinkerne  vor,  bei  denen  ein  schärferer  Vergleich 
nicht  möglich  ist. 


Maße: 

1 

2 

3 

4 

5 

6 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

Lange: 

10 

9 

7 

7 

6 

6 

Höhe; 

16 

15 

12 

10 

10 

9 

Maße: 

7 

8 

9 

10 

11 

12 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

Länge: 

5 

5 

5 

4,5 

4,5 

4 

Höhe: 

9 

8 

7 

9 

7 

7 

Paläontologi  scher  Teil 


153 


Fundort : 

1)  E Haida,  2)  MT  Lindenau  3,  3),  10),  12)  E Kreibitz  24,  4),  6),  8) 
E Kreibitz  6,  5)  E Kreibitz  12,  7)  E E.-St.  Tannendorf  1,  9),  11)  OT  y 
Kreibitz  7. 

Im  Museum  für  Naturkunde  zu  Berlin  hat  Hennig  Stücke  von  Fahrswalde 
(wohl  Neuforstwalde)  bei  Kreibitz,  Kieslingswalde  und  vom  Salzberge  ver- 
glichen und  deren  Übereinstimmung  mit  Lima  semisulcata  festgestellt.  Das- 
selbe konnte  ich  durch  Vergleich  von  Stücken  von  Kinge  auf  Schonen  im 
Museum  zu  Dresden  bestätigen.  Ein  daselbst  vorhandenes  schönes  Schalen- 
stück von  Kunraed  in  Holland  besitzt  20  Radialrippen,  die  als  feine  Linien 
ausgebildet  sind,  mit  breiteren  Zwischenräumen.  Nach  Hennig  gehört  dieses 
Stück  ebenfalls  hierher.  Auch  das  Original  zu  Geinitz  1875,  2,  Taf.  16, 
Fig.  14  von  Strehlen  konnte  mit  unseren  Stücken  verglichen  werden  und  ergab 
keinen  Unterschied. 

Lima  jillonin)  aus  der  englischen  Kreide  besitzt  ebenfalls  große  Ähn- 
lichkeit; doch  scheint  mir,  wie  auch  Woods  erwähnt,  bei  der  englischen  Form 
die  berippte  Fläche  mehr  unsymmetrisch  gestellt  zu  sein  als  bei  unserer  Art. 
Ergänzend  bemerkt  jedoch  Woods,  daß  auch  ihm  Stücke  vorliegen,  bei  denen 
die  berippte  Fläche  fast  symmetrisch  liegt.  Die  Größe  unserer  Stücke  ent- 
spricht der  der  englischen.  Hennig  gibt  von  seinen  schwedischen  Stücken 
nur  das  Maß  für  sein  größtes  Exemplar  an  und  zwar  mit  2,5  cm  Höhe  und 
1,5  cm  Breite. 

Vorkommen: 

Mittelturon:  Pießnig  1,  2,  Lindenau  3,  Petersdorf  4,  Deutsch  Gabel,  Felden, 

Schwarzwald  3,  Kanina  1,  2,  Kostumlat,  Heuscheuer  2; 
Oberturon  a p : Hinterhermsdorf  1,  Khaa  1,  2,  Böhm.  Kamnitz  2,  Zeichen  1, 
Hermsdorf  5,  7,  Großmergtnal  3,  Plissen  1,  4,  Klcinhaida  2, 
Lodenberg,  Grunauer  Spitzberg  Löw. ; 

Oberturon  y:  Altohlisch  (Prinz),  Kreibitz  7,  Robitz  (Kalksandstein); 

Emseher:  Limbach  2,  E.-St.  Tannendorf  1,  3,  Kreibitz  6,  12,  24,  26, 

Oberlichtenwalde  2,  E.-St.  Neuhütte  5,  6,  Markersdorf  2 

(Prinz),  Böhm.  Kamnitz  2,  Falkenau  2,  Haida,  Oberkreibitzer 
Talsperre  3,  Priesen  (Mus.  Prag),  Jicin  4 (Souicuf),  Neu- 
warthau  Löw.,  Kieslingswalde,  Salzberg. 

Nach  der  angeführten  Literatur  findet  sich  die  Art  auch  an  verschiedenen 
anderen  Stellen  des  nördlichen  Harzrandes  und  des  Mittelturons  Böhmens, 
sowie  im  Senon  von  Mastricht  und  Frankreich  und  im  schwedischen  Senon 
und  Danien. 

Lima  divaricata  Pimardin  (rar.?) 

Taf.  9,  Fig.  1 

1837  Lima  divaricata  Dujardin,  2,  S.  227,  Taf.  16,  Fig.  7. 

1846  Pecten  spatulaeformis  Reuss,  2,  S.  28,  Taf.  39,  Fig.  10. 

1875  Peclen  cretosus  Geinitz,  2,  S.  34,  Taf.  10,  Fig.  5 u.  6. 

1889  Lima  divaricata  FriC,  S.  83,  Abb.  77. 

1904 — 13  Lima  divaricata  Woods,  2,  S.  44,  Taf.  7,  Fig.  4 — 6. 

1928  Lima  tecta  Ändert,  S.  68. 

13)  WOODS,  1904—13,  2,  s.  48,  Taf.  7,  Fig.  12—14,  15a— c. 


154 


Abh.  preuß.  g»eol.  L.-A.,  Neue  Folge,  Heft  159 


Die  Schale  ist  schwach  und  regelmäßig  gewölbt,  nach  vorn  etwas  steiler 
als  nach  hinten  abfallend,  im  Umriß  schief  eiförmig,  gegen  den  Wirbel  zu- 
gespitzt, mehr  oder  weniger  ungleichseitig  und  bedeutend  höher  als  lang. 
Die  Ränder  mit  Ausnahme  des  fast  geraden  Vorderrandes  sind  gerundet. 
Die  kleinen  spitzen  Wirbel  sind  flach  niedergedrückt  und  stehen  eng  gegen- 
einander. Der  Schloßkantenwinkel  beträgt  ungefähr  85—90°.  Das  hintere 
Ohr  ist  etwa  ebenso  hoch  wie  lang  und  mit  feinen  radialen  Rippen  und 
einigen  Wachstumsringen  verziert.  Das  vordere  Ohr  ist  an  meinen  Stücken 
nicht  sichtbar. 

Zahlreiche,  vom  Wirbel  ausstrahlende,  feine  gerundete  Radialrippen  be- 
decken die  Oberfläche  der  Schale.  Nach  Hohlabdrücken  sind  sie  an  der 
linken  Klappe  etwas  kräftiger  entwickelt  als  an  der  rechten.  Sie  scheinen 
von  einer  Mittellinie  aus  schwach  zu  divergieren  und  sind  durch  schmale 
Furchen,  die  nicht  die  Breite  der  Rippen  erreichen,  voneinander  getrennt.  Das 
Einschieben  neuer  Rippen  ist  selten  zu  beobachten.  Gegen  die  Ränder  treten 
die  Rippen  etwas  kräftiger  hervor  und  scheinen  z.  T.  schwach  gekörnt  zu 
sein;  auf  der  Schalenmitte  und  gegen  den  Wirbel  werden  sie  hingegen  sehr 
fein  und  verschwinden  fast  ganz.  Sie  bilden  schwache  Wellenlinien  und 
werden  durch  einige  unregelmäßige  konzentrische  blätterförmige  Anwachsringe 
oft  an  der  Kreuzungsstelle  in  ihrer  geraden  Richtung  mehr  oder  weniger  unter- 
brochen und  abgelenkt.  Ferner  laufen  noch  über  die  radialen  Rippen  feine 
linienartige  konzentrische  Furchen,  die  auch  die  erwähnte  körnchenartige 
Verzierung  auf  den  randlichen  Rippen  erzeugen. 

Maße: 1 2 3 

Lange:  23  mm  23  mm  21mm 

Höhe:  30  „ 36  „ 40  „ 

Fundort: 

1)  OT  aß  Waltersdorf  2,  2)  OT  aß  Waltersdorf  3,  3)  OT  aß  Plissen  4. 

Lima  divaricata  in  der  Darstellung  von  Woods  paßt  am  besten  auf  die 
vorliegenden  Stücke.  Der  einzige  Unterschied  besteht  darin,  daß  an  unserer 
Art  das  Divergieren  der  Rippen  von  einer  Mittellinie  aus  fast  nicht  zum 
Ausdruck  kommt.  Pecten  spatulaeformis  Reuss  läßt  sich  ebenfalls  auf  unsere 
Art  anwenden;  doch  ist  mir  die  Darstellung  nicht  genügend,  um  auf  dieser 
Abbildung  allein  aufzubauen.  Auch  Fric  erwähnt  in  seinen  „Studien  im 
Gebiete  der  böhmischen  Kreideformation“  diese  Art  von  Reuss  nicht  wieder. 

Ferner  steht  Pecten  cretosus  Defr.  aus  dem  Plänerkalk  von  Strehlen14) 
unseren  Formen  sehr  nahe,  wie  ein  Vergleich  der  Originale  im  Museum  zu 
Dresden  ergab.  Bei  ihnen  ist  ebenfalls  ein  Divergieren  der  Rippen  kaum 
zu  beobachten. 

Unsere  Form  unterscheidet  sich  von  Lima  rapa  d’Orb.  16)  durch  einen 
schieferen  Schalenumriß,  gleichmäßige  Rippen  und  den  steileren  Abfall  der 
Schale  nach  vorn;  von  Lima  tecta  Goedf.  16)  durch  weniger  zahlreiche  und 
weniger  kräftige  konzentrische  Ringe.  Nach  Exemplaren  von  dieser  Art  im 
Museum  zu  Dresden  gehen  drei  bis  vier  Ringe  auf  1 cm. 

14)  Geinitz  1875,  2,  Taf.  10,  Fig.  5,  6. 

15)  WOODS  1904—13,  2,  S.  40,  Taf.  6 Fig.  17;  Taf.  7,  Fig.  1,  Abb.  6. 

16)  GOLDFUSS  1834—40,  2,  9.  91,  Taf.  104,  Fig.  7. 


Paläontologisch-er  Teil 


155 


Vorkommen: 

Mittelturon:  Heuscheuer  2; 

Oberturon  a 8 : Hohnstein  1 (von  mir  als  tecta  bezeichnet,  1928,  S.  68),  Jons- 
berg  3,  Plissen  4,  Hinterhermsdorf  1 (Mus.  Dresden),  Walters- 
dorf 2,  3,  Heuscheuer  4; 

Emscher : Kreibitz  9. 


Lima  laevigata  n.  sp. 

Taf.  9,  Fig.  2 a u.  b;  Abb.  17 

Die  Muschel  ist  im  Umriß  kreisrund  bis  hochoval,  gegen  den  Wirbel 
zugespitzt,  wenig  ungleichseitig  und  gleichmäßig  flach  gewölbt  (Taf.  9,  Fig.  2b). 
Die  höchste  Schalenwölbung  liegt  zwischen  Schalenmitte  und  Wirbel.  Vor 
dem  Wirbel  liegt  ein  sehr  schmales,  spitzwinkelig  abgegrenztes  und  tief 
eingesenktes  Möndchen.  Es  ist  kurz  und  reicht  nicht  bis  zur  Schalenmitte 
herab.  Hinter  dem  Wirbel  befindet  sich  ein  kleiner,  scharf  abgesetzter 
dreieckiger  Flügel.  Der  Schloßkantenwinkel  beträgt  75—80°. 


Abb.  17.  Lima  laevigata  n.  sp.,  rechte  Klappe,  Steinkern. 

Oberturon  a ß,  Niederkreibitz  1.  Orig.  Geol.  Landesmus.  (A  No.  98). 

Die  Verzierung  der  Schale  besteht  nach  den  vorhandenen  Hohlabdrücken 
aus  einigen  wenigen  kaum  wahrnehmbaren  Anwachsstreifen;  Steinkerne  sind 
vollständig  glatt. 

Maße:  1 2 3 4 5 6 

Länge:  30  mm  28  mm  20  mm  19  mm  18  mm  10  mm 

Höbe:  32  „ 30  „ 24  „ 20  „ 19  „ 11  „ 

Fundort : 

OT  aß  Niederkreibitz  1. 

In  der  Form  gleicht  unsere  Art  Lima  decalvata  Reuss  1846,  2,  S.  35, 
Taf.  38,  Fig.  19;  jedoch  hat  letztere  nach  der  Abbildung  eine  viel  deutlichere 
konzentrische  Verzierung.  Fric  1877,  S.  134,  vermutet,  daß  die  Rcuss’schen 
Formen  nur  abgeblätterte  Exemplare  von  Lima  hoperi  seien.  Zu  letzterer 
Art  gehören  unsere  Stücke  entschieden  nicht.  Lima  hoperi  ist  allgemein 
breiter  als  hoch  und  besitzt  auch  mehr  oder  weniger  radiale  Furchen,  die  hier 
gänzlich  fehlen.  Nach  dem  Umriß  könnte  man  unsere  Art  auch  mit  Ostrea 
limea  Geinitz  1843,  S.  17,  Taf.  3,  Fig.  18,  in  Beziehung  bringen;  jedoch 
zeigt  letztere  ebenfalls  Ansatz  zu  radialer  Verzierung. 

Von  Niederkreibitz  liegen  17  Steinkerne  mit  teilweisen  Hohlabdrücken  vor. 


156 


Abh.  preuß.  geol.  L.-A.,  Neue  Folge,  Heft  159 


Vorkommen: 

Oberturon  aß:  Niederkreibitz  1,  Zeichen  1; 

Emscher:  Limbach  1,  Hermsdorf  9. 

Lima  haiding  er  i Zitt. 

1912 — 13  Lima  haidingeri  Scupin,  S.  231,  Taf.  13,  Fig.  9;  Taf.  14,  Fig.  1; 
Abb.  42  u.  43. 

Zu  der  von  Scupin  abgebildeten  und  geschilderten,  im  Steinkern  glatten, 
höchstens  schwach  konzentrisch  gestreiften  Art  ist  nichts  zu  bemerken.  Sie 
liegt  im  Geologischen  Landesmuseum  in  einer  ganzen  Anzahl  von  Exem- 
plaren vor. 

Vorkommen: 

Emscher:  Giersdorf  Löw.  (Geol.  Landesmus.); 

Untersenon:  Wenig  Rackwitz,  Sirgwitz  (beide  Geol.  Landesmus.). 

Außerdem  in  der  Gosaukreide. 

Pcctinidao  Lam. 

JPecten  Klkix 

Pecten  (Cam  p tone  des)  vir  g atu  s NlLSS. 

Taf.  9,  Fig.  3,  4,  5 

1827  Pecten  virgatus  Nilsson,  S.  22,  Taf.  9,  Fig.  15. 

1834 — 40  Pecten  arcuatus  Goldfuss,  2,  S.  50,  Taf.  91,  Fig.  6. 

1841  Pecten  arcuatus  A.  Roemeii,  S.  51. 

1843  Pecten  curvatus  Geinitz,  4,  S.  16,  Taf.  3,  Fig.  13. 

1844  Pecten  uirgalus  d’Orbigny,  3,  S.  602,  Taf.  434,  Fig.  7 — 10. 

1846  Pecten  arcuatus  Reuss,  2,  S.  27,  Taf.  39,  Fig.  7. 

1846  Pecten  divaricatus  Reuss,  2,  S.  28,  Taf.  39,  Fig.  6. 

1847  Pecten  arcuatus  J.  Müller,  1,  S.  32. 

1847  Pecten  divaricatus  J.  Müller,  S.  32. 

1866  Pecten  virgatus  Zittel,  2,  S.  109,  Taf.  17,  Fig.  8. 

1871  Pecten  curvatus  Stoliczka,  3,  S.  433,  Taf.  31,  Fig.  15,  16;  Taf.  41, 

Fig.  4 — 6. 

1872  Pecten  curvatus  Geinitz,  1,  S.  193  zuin  Teil,  Taf.  43,  Fig.  15. 

1875  Pecten  curvatus  Geinitz,  2,  Taf.  10,  Fig.  1. 

1875  Pecten  virgatus  Brauns,  S.  390. 

1877  Pecten  curvatus  FriC,  S.  136. 

1883  Pecten  curvatus  FriC,  S.  116. 

1885  Pecten  curvatus  J.  Böhm,  S.  78. 

1887  Pecten  curvatus  Frech,  S.  155,  Taf.  19,  Fig.  18. 

1888  Pecten  virgatus  G.  Müller,  S.  408. 

1889  Pecten  virgatus  Holzapfel,  2,  S.  229,  Taf.  26,  Fig.  7 — 9. 

1891  Pecten  curvatus  Langenhan  & Grundey,  Taf.  3,  Fig.  27. 

1893  Pecten  curvatus  FriC,  S.  100. 

1897  Pecten  virgatus  FIennig,  S.  41,  Taf.  2,  Fig.  28  u.  33. 

1897  Pecten  virgatus  FriC,  S.  68. 

1901  Pecten  virgatus  Sturm,  S.  90. 

1904 — 13  Pecten  curvatus  Woods,  1,  S.  159,  Taf.  29,  Fig.  7;  Taf.  37,  Fig.  16. 

1905  Pecten  kalkoivshyi  Petrascheck,  55,  S.  431,  Taf.  10,  Fig.  1 — 4. 

1912 — 13  Pecten  virgatus  Scupin,  S.  221. 


Pa  Iä  ontologisch  er  Teil 


157 


Die  Muschel  ist  im  Umriß  gerundet  und  etwas  ungleichseitig;  seitlich 

stark  verschobene  Formen  sind  selten.  Die  Schalenwölbung  ist  schwach  und 
gleichmäßig,  am  höchsten  zwischen  Schalenmitte  und  Wirbel.  Die  rechte 
Klappe  ist  flacher  als  die  linke.  Die  untere  Schalenhälfte  ist  halbkreisförmig, 
gegen  den  Wirbel  laufen  die  Ränder  spitz  zu,  der  Vorderrand  ist  mehr  oder 
weniger  eingebogen.  Die  Höhe  übertrifft  meist  die  Länge;  nur  unter  den 

größeren  Formen  befinden  sich  einige  Stücke,  bei  denen  beide  Dimensionen 
gleich  sind.  Die  Ohren  sind  scharf  abgesetzt.  Das  hintere  ist  an  beiden 
Klappen  kleiner  als  das  vordere  und  bildet  mit  dem  geraden  Schloßrande 
einen  stumpfen  Winkel.  Der  Vorderrand  des  vorderen  Ohres  ist  schwach 
konvex.  Das  vordere  rechte  Ohr  besitzt  einen  tiefen  Byssusausschnitt  und 
zeigt  zwei  scharfe,  vom  Wirbel  nach  vorn  divergierende  Leisten,  so  daß  auf 
gut  erhaltenen  Steinkernen  ein  erhabenes  schmales  Dreieck,  dessen  Basis 

der  Vorderrand  bildet,  sichtbar  ist.  Der  Winkel,  unter  dem  Vorder-  und 
Hinterrand  am  Wirbel  Zusammenstößen,  beträgt  etwa  90°.  Bei  größeren 
Exemplaren,  insbesondere  bei  rechten  Klappen,  beträgt  der  Kantenwinkel 
nächst  dem  Wirbel  infolge  der  konkaven  Einbiegung  des  Vorderrandes  etwas 
weniger  als  90°,  betrachtet  man  jedoch  die  Seitenkanten  im  ganzen  als 
gerade  Linien,  so  erreicht  der  Schloßkantenwinkel  bis  105°. 

Das  die  Art  kennzeichnende  Merkmal  besteht  in  der  eigenartigen  Ver- 
zierung der  glänzenden  Schale.  Diese  ist  vollständig  mit  zarten  Rippchen, 

die  vom  Wirbel  gegen  die  Ränder  bogenförmig  verlaufen,  bedeckt.  Sie  sind 
durch  linienartige  Zwischenräume  voneinander  getrennt.  Ohne  bestimmte 
Regel  gabeln  sich  (dichotomieren)  häufig  die  Rippen  oder,  was  seltener 
vorkommt,  es  schieben  sich  neue  dazwischen.  Die  wenigen  guten  Schalen- 
stücke zeigen  auch  feine  enge  konzentrische  Linien;  so  daß  an  den  Kreuzungs- 
stellen auf  den  vertieften  Radiallinien  nadelstichartige  Punkte  erscheinen. 
Unregelmäßige  gröbere  konzentrische  Absätze  sind  besonders  an  größeren 
Stücken  sichtbar.  An  den  Absätzen  erleidet  häufig  die  radiale  Verzierung 
eine  Unterbrechung,  und  die  Fortsetzung  der  feinen  Zwischenfurchen  ist 
seitlich  bis  in  die  Mitte  der  Rippen  verschoben,  wie  dies  besonders  schön 
in  den  Abbildungen  des  Pecten  kalkowskvi  bei  Petrascheck  zum  Ausdruck 
gelangt.  Meine  größeren  Stücke  stimmen  vollständig  mit  dieser  von  Petua- 
schfck  neu  aufgestellten  Art  überein  (Taf.  9,  Fig.  5).  Die  Steinkerne  sind 
meist  fast  glatt. 

Die  Ohren  sind  ähnlich  wie  die  übrige  Schale  verziert. 

Die  Stücke  der  folgenden  Maßtabelle  entstammen  alle  einer  nur  1 m 
mächtigen  Schicht.  Sie  bilden  eine  lückenlose  Reihe  nach  der  Größe,  so  daß 
eine  Trennung  in  verschiedene  Arten,  wie  früher  geschehen,  nicht  statt- 
haft ist. 


Maße: 

1 

2 

3 

4 

5 

6 

7 

8 

9 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

Lange: 

8 

8 

9 

9 

10 

12 

12 

12 

12 

Höhe: 

10 

11 

n 

12 

14 

13 

14 

15 

16 

L an  ge : Höh  e = 1 00 : 

125 

137 

122 

133 

140 

108 

117 

125 

133 

Maße : 

10 

11 

12 

13 

14 

15 

16 

17 

18 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

Länge: 

13 

13 

14 

14 

14 

16 

16 

16 

16 

Höhe: 

13 

15 

15 

16 

17 

16 

17 

18 

19 

Länge:  Höhe  = 100: 

100 

115 

107 

114 

121 

100 

106 

112 

119 

158 


Abh.  preuß.  gieol.  L.-A.,  Neue  Folge,  Heft  159 


Maße: 

19 

20 

21 

22 

23 

24 

25 

26 

27 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

Länge: 

17 

18 

19 

19 

20 

20 

21 

21 

21 

Höhe: 

21 

20 

19 

22 

20 

21 

21 

23 

25 

Länge;  Höhe  = 

100: 

124 

111 

100 

116 

100 

105 

100 

109 

119 

Maße: 

28 

29 

30 

31 

32 

33 

34 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

Länge: 

23 

25 

26 

27 

27 

28 

32 

Höhe: 

? 

? 

28 

29 

30 

? 

38 

Länge:  Höhe  = 

100: 

108 

107 

110 

119 

Fundort : 

Sämtliche  Stücke  stammen  von  E E.-St.  Tannendorf  1,  Nr.  34  befindet 
sich  im  Museum  zu  Prag. 

Von  der  Juliushöhe  (E  Kreibitz  24)  besitze  ich  neben  kleineren  Formen 
von  10—20  mm  Größe  auch  je  1 Stück  von  23  mm  Länge  und  Höhe,  24  mm 
Länge  und  27  mm  Höhe,  sowie  29  mm  Länge  und  Höhe,  so  daß  auch  an 
dieser  Fundstelle  kleinere  und  größere  Formen  nebeneinander  Vorkommen. 
Pecien  kalkowskpi  ist  somit  sicher  mit  unserer  Art  zu  vereinigen.  Die  Exem- 
plare der  unten  aufgeführten  Fundorte  wurden  entweder  von  mir  selbst 
gesammelt  oder  konnten  im  Original  verglichen  werden.  Sie  stimmen  alle 
überein.  Im  besonderen  sei  folgendes  noch  bemerkt.  Das  Original  von  Strehlen, 
Geinitz  1875,  2,  Taf.  10,  Fig.  2}  ist  ein  sehr  mangelhaft  erhaltenes  Stück. 
Die  von  Brauns  erwähnten  kleinen  Unterschiede  der  Stücke  vom  Salzberge 
verschwinden  in  der  Mannigfaltigkeit  des  mir  aus  dem  Kreibitzer  Gebiet 
vorliegenden  Materiales. 

Holzapfel  und  Hennig  haben  die  Übereinstimmung  der  Stücke  von 
Aachen  mit  den  schwedischen  festgestellt,  so  daß  auch  unsere  Art,  die  mit 
Material  von  Aachen  verglichen  werden  konnte,  den  Namen  virgatus  führen  muß. 

Die  im  Museum  zu  Dresden  vorhandenen  Steinkerne  aus  dem  unteren 
Quader  von  Goppeln  und  von  Weissig  bei  Pillnitz  (Cenoman)  sind  schlecht 
erhalten,  gehören  aber  wahrscheinlich  nicht  zu  unserer  Art  und  hätten  dann 
den  Namen  Pecten  curvalus  weiterzuführen.  Hingegen  sind  die  daselbst 
verwahrten  Stücke  aus  dem  Cenoman  von  Tyssa  in  Böhmen  von  unserer  Art 
nicht  verschieden. 

Das  von  Fric  1877,  Abb.  127,  abgebildete  große  Exemplar  zeigt  wenig 
Ähnlichkeit  mit  dem  echten  Pecten  virgatus. 

Im  Museum  zu  Dresden  befindet  sich  jedoch  ebenfalls  ein  5 cm  großes 
Stück  aus  dem  mittleren  Pläner  von  Raudnitz  in  Böhmen  (Mittelturon),  das 
dieselbe  Ausbildung  wie  unsere  Art  zeigt.  Je  größer  die  Schale  wird,  desto 
mehr  Rippen  schieben  sich  ein,  so  daß  auch  bei  größeren  Exemplaren  die 
Entfernung  der  radialen  Rippen  bzw.  Furchen  voneinander  keine  weitere  ist 
als  bei  kleineren. 

Vorkommen: 

Cenoman:  Tyssa  (Mus.  Dresden); 

Unterturon:  Jicin  1,  2,  3,  4,  6,  7 (alle  sechs  Soukup)  ; 

Mittelturon : Dobern,  Pießnig  2,  Lindenau  3,  Antonienthal  2,  Petersdorf  1, 

6,  Großhirndorf,  Deutsch  Gabel,  Felden,  Kickeisberg  1,  Skalken 
1,  Brenn  2,  Jungbunzlau  1,  6,  Teschen  1,  Olhotta,  Kallwitz  5, 


Paläontologischer  Tedl 


159 


Chorousek  4,  2ivoirin  1,  Kanina  2,  Laun  5 (Mus.  Aussig), 
Weißwasser,  Bakov  2,  Dresden  1 (Mus.  Dresden),  Strehlen 
(Mus.  Dresden),  Jicin  1,  2,  3,  4,  5,  6,  7,  8,  27,  31,  40,  42,  43, 
44,  45,  46,  47  a,  48,  49,  50,  51  (alle  21  Soukup),  19,  26,  28, 
29,  36,  38,  39,  41,  Turnau  1,  2,  3,  5,  10,  12,  13,  Hermsdorf 
Low.  4 (Geol.  Landesmus.),  Löwenberg  1 (Geol.  Landesmus.), 
Heuscheuer  1 (zahlreich),  2,  3,  Langenau  Löw.  1,  5 (Geol. 
Landesmus.),  Grunauer  Spitzberg  Löw.  3 (Geol.  Landesmus.)  ; 
Oberturon  aß:  Schemel,  Khaa  7,  Niederkreibitz  1,  Daubitz  3,  7,  Böhm.  Kam- 
nitz  2,  3,  Zeichen  2,  Herrenleite,  Waltersdorf  2,  Lückendorf  1, 
2,  4,  5,  6,  Hermsdorf  3,  5,  Hochwald  1,  8,  Großmergthal  2,  3, 
Jonsberg  2,  3,  Hain  1,  Schanzendorf  2,  Plissen  1,  Kleinhaida  2; 
Oberturon  y:  Kreibitz  3,  4,  6,  7,  11,  14,  Jägersdorf  2,  Priesen  (Mus. 
Dresden) ; 

Emscher:  Limbach  3,  E.-St.  Tannendorf  1,  2,  Oberkreibitzer  Talsperre  5, 

8,  9,  Kreibitz  1,  4,  6,  11,  12,  17,  18,  24,  26,  Falkenau  4, 
Daubitz  3,  5,  Tollenstein,  E.-St.  Neuhütte  2,  3,  4,  5,  Jägerdörfel 
2,  Oberlichtenwalde  1,  Morgenthau  1,  Böhm.  Kamnitz  4, 
Niedersteinschönau,  Böhm.  Zwickau  5,  Markersdorf  3,  Herms- 
dorf 9,  Chlomek  (Mus.  Prag),  Priesen  (Mus.  Prag),  Neu- 
warthau  Löw.  1,  2,  3 (alle  drei  Geol.  Landesmus.,  Realgymn. 
Löwenberg),  Hohlstein  Löw.  (Geol.  Landesmus.),  Großhart- 
mannsdorf Löw.  (Geol.  Landesmus.),  Deutmannsdorf  Löw. 
(selbst  gesammelt,  Geol.  Landesmus.),  Gehnsdorf  2 (Geol. 
Landesmus.),  Kieslingswalde,  Salzberg; 

Untersenon:  Sirgwitz  Löw.  (Geol.  Landesmus.). 

Im  Museum  zu  Dresden  befinden  sich  ferner  Stücke  aus  dem  mittleren 
Plänermergel  von  Niederwartha  und  von  der  Walkmühle  bei  Pirna  i.  Sa., 
sowie  vom  Marterberg  bei  Passau  und  aus  dem  Untersenon  von  Aachen. 
Ferner  ist  die  Art  bekannt  aus  der  Gosaukreide,  der  englischen  und  schwe- 
dischen Oberen  Kreide  (Danien),  aus  dem  Turon  Frankreichs  und  aus  der 
Oberen  Kreide  Indiens. 

reden  ( Chlamys ) faujasi  De  FR. 

Taf.  9,  Fig.  6 u.  7 

1825  Peclen  faujasi  Defrance,  38,  S.  235. 

1834 — 40  Pecten  faujasi  Goldfuss,  2,  S.  57,  Taf.  93,  Fig.  7 a,  b. 

1875  Pecten  sectus  Brauns,  S.  390. 

1877  Pecten  acuminalus  Fric,  S.  116,  Abb.  89. 

? 1877  Pecten  serratus  FriC,  S.  116. 

1898  Pecten  dentalus  G.  Müller,  S.  31,  Taf.  5,  Fig.  3 — 5. 

1912 — 13  Pecten  royanus  Scupin,  S.  225,  Taf.  14,  Fig.  11,  12. 

Die  Schale  ist  flach  gewölbt,  eiförmig,  gegen  den  Wirbel  zugespitzt, 
höher  als  lang  und  schwach  ungleichseitig.  Der  Vorderrand  ist  gering  konkav, 
der  Hinterrand  gerade,  die  untere  Hälfte  der  Schale  halbkreisförmig  ge- 
rundet. Der  Schloßkantenwinkel  beträgt  75—90°. 

Die  Verzierung  der  Schale  besteht  aus  etwa  30  radialen  Rippen,  die  teils 
in  ihrer  ganzen  Länge  einfach  bleiben,  teils  sich  zu  Doppelrippen  spalten, 


160 


Abh.  preuß.  gieol.  L.A.,  Neue  Folge,  Heft  159 


oder  seltener  auch  eine  dreifache  Spaltung  erkennen  lassen  (Taf.  9,  Fig.  7). 
Ihre  Anordnung  auf  der  Schale  unterliegt  keiner  Regel;  unvermittelt  setzen 
neben  einfachen  gespaltene  Rippen  ein.  Die  Rippen  treten  scharf  hervor, 
oft  sind  sie  gratförmig,  zuweilen  mehr  abgerundet.  Ihre  Breite  ist  ver- 
schieden. Die  einfachen  Rippen  und  die  Doppelrippen,  die  nur  durch  eine 
feine  seichte  Längsfurche  geteilt  sind,  sind  schmal;  andere  Doppelrippen 
hingegen  sind  kräftiger,  erreichen  gegen  den  Unterrand  die  doppelte  Breite 
der  übrigen  und  zeigen  tiefe  rinnenförmige  Zwischenfurchen,  so  daß  sie  fast 
als  zwei  Einzelrippen  gelten  können.  Im  allgemeinen  sind  die  Rippen  von- 
einander durch  schmale  tiefe  Rinnen  getrennt.  Rippen,  Furchen  und  Zwischen- 
furchen erscheinen  gekörnelt.  An  einigen  günstigen  Stellen  zeigen  sich  auf 
den  Rippen  eng  aneinandergereiht  erhabene  Schuppen.  An  dem  groben  Sand- 
steinmaterial kann  jedoch  nicht  mit  Sicherheit  festgestellt  werden,  ob  die 
Körnelung  etwa  überhaupt  nur  den  mangelhaften  Erhaltungszustand  von 
Schuppen  darstellt.  Auch  das  bei  Fnic  in  Abb.  89  abgebildete  vergrößerte 
Schalenstück  bestätigt  die  schuppige  Skulptur  von  böhmischen  Formen.  Zu- 
weilen scheint  die  Körnelung  in  feine  Stacheln  überzugehen.  Konzentrische 
Linien  und  Furchen  sind  nicht  wahrzunehmen,  wenn  nicht  die  anscheinend 
konzentrisch  angeordnete  Körnelung  damit  in  Beziehung  gebracht  wird.  Kon- 
zentrische Ringe  treten  ganz  vereinzelt  und  auch  nicht  an  allen  Exemplaren 
auf.  Die  hier  geschilderte  Verzierung  der  Schale  wurde  nach  Hohlabdrücken, 
so  gut  es  das  Sandsteinmaterial  ergab,  festgestellt  (Taf.  9,  Fig.  7). 

Auf  Steinkernen  gewahrt  man  nur  schmale,  scharf  markierte  radiale 
Rippen  mit  rinnenförmigen,  bei  ausgewachsenen  Stücken  gegen  den  Unter- 
rand sich  stark  verbreiternden  und  verflachenden  Zwischenräumen,  so  daß 
letztere  dann  die  Breite  der  Rippen  übertreffen  (Taf.  9,  Fig.  6).  In  der 
Mitte  der  Zwischenräume  findet  sich  bei  einem  rechtsklappigen  Steinkern 
meist  noch  eine  eingeschobene  schwache  Nebenrippe.  In  der  Nähe  des  Vorder- 
und  Hinterrandes  fehlen  die  radialen  Rippen,  an  deren  Stelle  sind  nur  einige 
verwischte  erhabene  radiale  Linien  vorhanden.  Ein  bedeutender  Unterschied 
zwischen  rechter  und  linker  Klappe  scheint  in  der  Schalenverzierung  nicht 
vorhanden  zu  sein. 

Die  scharf  abgesetzten  Ohren  sind  sehr  ungleich.  Das  vordere  Ohr  der 
rechten  Klappe  ist  groß  und  mit  einem  tiefen  Byssusausschnitt  versehen, 
der  obere  Teil  desselben  ist  glatt,  der  untere  mit  einigen  undeutlichen 
Radialrippen  verziert.  Feine  dichte  konzentrische  Linien  laufen  darüber  hin. 
Das  hintere  Ohr  ist  etwas  kleiner.  Es  ist  dreieckig,  mit  stumpfem  Außen- 
winkel und  mit  sieben  radialen  Rippen  verziert,  über  die  feine  konzentrische 
Linien  hinweglaufen.  Das  vordere  Ohr  der  linken  Klappe  bildet  ein  großes 
Dreieck;  der  Außenrand  ist  schwach  konvex,  Spuren  von  radialen  Rippen  sind 
sichtbar.  Das  hintere  Ohr  ist  etwas  kleiner  und  mit  radialen  Rippen  verziert. 


Maße: 

1 

2 

3 4 _ 

5 

Länge: 

17  mm 

26  mm 

31  mm  36  mm 

50  mm 

Hölle : 

28  „ 

41  „ 

42  „ 54  „ 

60  „ 

Fundort : 

n \ T-\  t r • l • i r\ 

1)  OT  aß  Waltersdorf  3,  2),  3),  4)  OT  aß  Waltersdorf  2,  5)  E Kreibitz  9 
(Sammlg.  des  Humboldtver.  Ebersbach). 


Paläontologischer  Teil 


161 


Mein  Material  ist  nicht  besonders  reichhaltig.  Einige  gut  erhaltene  Hohl- 
abdrücke, wodurch  die  Feststellung  der  Schalenoberfläche  möglich  wurde, 
verdanke  ich  dem  Sammeleifer  des  Herrn  Obersteigers  Erich  Donath 
aus  Zittau. 

Sehr  ähnlich  ist  Pecten  elongcitus  Lamarck17).  Als  Unterschied  stellt 
Woods  insbesondere  die  geringere  Rippenzahl  unserer  Art  fest,  was  durch 
die  von  ihm  gegebenen  Abbildungen  bestätigt  wird. 

Der  dem  Pecten  faujasi  ebenfalls  nahestehende  Pecten  cretosus  Defr.  1S) 
ist  im  Verhältnis  zur  Länge  weniger  hoch.  Nach  den  zahlreichen  Abbildungen 
von  Woods  ist  auch  bei  dieser  Art  die  Zahl  der  schmalen  Rippen  größer 
als  bei  der  unserigen.  Die  Originale  der  von  Geinitz  1875,  2.  S.  34,  Taf.  10, 
Fig.  5,  6,  aus  dem  Plänerkalk  von  Strehlen  dargestellten  Stücke  zeigen  die- 
selben Unterschiede. 

Pecten  cretosus  Goldfuss  1834—1840,  2,  S.  55,  Taf.  94,  Fig.  2,  aus  dem 
Cenoman  von  Essen  wird  von  Woods  zu  Pecten  elongatus  gestellt.  Stücke 
von  dort  im  Museum  zu  Dresden  zeigen  40  und  mehr  Rippenbündel  von  zwei, 
drei  und  vier  Einzelrippen,  sowie  eine  feinere  konzentrische  Verzierung  als 
unsere  Stücke.  Dasselbe  gilt  für  die  aus  dem  Cenoman  von  Dresden 
stammenden  und  von  Geinitz10)  als  Pecten  elongatus  beschriebenen  Exemplare. 

Im  Museum  zu  Dresden  liegt  ferner  ein  schönes  Schalenstück  vom  Salz- 
berge, das  sehr  gut  mit  unseren  übereinstimmt.  Von  Brauns  wird  diese  Form 
als  Pecten  seclus  Goldf.  bezeichnet.  Bei  Beschreibung  dieser  Art  faßt 
Goldfuss  20)  eine  größere  Zahl  Rippen  zu  Bündeln  zusammen. 

Pecten  dentatus  Nilss.  bei  G.  Müller  aus  dem  Senon  des  Harzrandes 
gehört  ebenfalls  hierher.  Das  Original  Nilsson’s21)  steht  nach  der  Schilde- 
rung von  Hennig  1897,  S.  51,  unserer  Art  ebenso  nahe  wie  Pecten  elongatus 
Lam.  Ein  Vergleich  guter  Originalstücke  kann  hier  erst  vollständige  Klärung 
bringen. 

Pecten  acuminatus  Geinitz  22)  aus  dem  sächsisch-böhmischen  Cenoman, 
der  nach  dem  äußeren  Umriß  sehr  ähnlich  wird,  unterscheidet  sich  durch 
glatte  Radialrippen,  über  die  dichte  feine  konzentrische  Linien  hinweglaufen. 

Reuss  schildert  unter  Pecten  serratus  Nilss.  drei  Varietäten,  die  aber 
alle  die  Zwischenräume  breiter  als  die  Rippen  haben  und  deshalb  nicht 
hierher  gehören  können.  Am  nächsten  steht  noch  die  aus  dem  Plänermergel 
von  Priesen  erwähnte  Varietät  mit  30  — 35  mitunter  dichotomierenden  Rippen. 

V orkommen: 

Mittelturon:  Ludwigsdorf  Löw.  2 (Geol.  Landesmus.); 

Oberturon  a ß : Hinterhermsdorf  1 (Mus.  Dresden),  Hohnstein  1 (Mus. 

Dresden),  Waltersdorf  2,  3; 

Emscher:  Kreibitz  9. 

Untersenon:  Wenig  Rackwitz  Löw.  1 (Geol.  Landesmus.). 

Sonst  findet  sich  Pecten  faujasi  noch  im  Untersenon  des  nördlichen  Harz- 
randes und  von  Löwenberg  sowie  im  Obersenon  von  Mastricht. 

17)  Woods  1904-13,  1,  S.  170,  Taf.  31,  Pie.  10—13;  Taf.  32,  Fig.  1—3. 

IS)  WOODS  1904-13,  1,  S.  174,  Taf.  32,  Fig.  4—6,  Taf.  33. 

19)  GEINITZ  1872,  1,  S.  195,  Taf.  44.  Fig.  2—4. 

201  GOLDFUSS  1834-40,  •»,  S.  54,  Taf.  93,  Fig.  8. 

21)  NTLSSON  1827,  Taf.  10,  Fig.  9. 

22)  GEINITZ  1872,  1,  S.  194,  Ta'.  43,  Fig.  16. 


Ändert  11 


162 


Abh.  preuß.  g*eol.  L.-A.,  Neue  Folge,  Heft  159 


Pecten  ( Aequipecten ) pexatus  Woods 
1904—13  Pecten  pexatus  Woods,  1,  S.  190,  Taf.  36,  Fig.  5 — 7. 

Im  Musuem  zu  Dresden  befinden  sich  zwei  Exemplare,  ein  größeres 
und  ein  kleineres,  die  mit  Pecten  pexatus  vereinigt  werden  könnten.  Die 
Muschel  ist  etwas  hochoval,  gegen  den  Wirbel  zugespitzt,  schwach  gewölbt. 
Über  die  Oberfläche  der  Schale  läuft  eine  Anzahl  radialer  Rippenbündel 
(elf  ?),  die  mit  Stacheln  bewehrt  sind. 

Vorkommen: 

Oberturon  y:  Zatzschke. 

Pecten  ( Chlamys ) septemplicatus  NlLSS* 

Taf.  9,  Fig.  3 a,  b,  c,  9 

1827  Pecten  septemplicatus  Nilsson,  S.  20,  Taf.  10,  Fig.  8 a,  b. 

1897  Pecten  septemplicatus  Henivig,  S.  53. 

Von  dieser  Art  liegen  nur  einige  mangelhaft  erhaltene  Stücke  vor.  Sie 
sind  schwach  gewölbt,  etwas  höher  als  lang  und  im  Umriß  gerundet.  Vom 
Wirbel  strahlen  sieben  hohe,  faltig  gewölbte  Rippen  aus,  die  durch  breite 
tiefe  Zwischenräume  voneinander  getrennt  sind  (Taf.  9,  Fig.  8 a).  Die  Seiten- 
ränder der  Rippen  sind  steil,  so  daß  die  Zwischenfurchen  ein  hohlkehlen- 
artiges Aussehen  haben.  Letztere  sind  ungefähr  von  gleicher  Breite,  ebenso 
die  Rippen  mit  Ausnahme  der  beiden  seitlichen,  die  schmäler  als  die  mittleren 
sind.  Anscheinend  sind  die  Rippen  an  der  einen  Klappe  (untere  Klappe?) 
breiter  und  flacher  als  an  der  anderen.  An  den  Steinkernen  ist  die  Berippung 
weniger  tief  ausgeprägt  als  an  den  Hohlabdrücken,  wie  dies  auch  bei  rezenten 
Pecten  beobachtet  werden  kann.  Die  Ohren  sind  mäßig  groß. 

Die  feinere  radiale  Linienverzierung  der  Schalenobcrfläche  ist  auch  an 
den  Hohlabdrücken  schwach  sichtbar;  die  Steinkerne  zeigen  hingegen  nur 
sieben  vollständig  glatte  Rippen. 

Der  Schloßkantenwinkel  beträgt  95°. 

Maße:  1 2 

Länder  ? 26  mm 

Höhe:  38mm  30  „ 

Fundort : 

1)  E Böhm.  Kamnitz  12,  2)  E Kreibitz  26. 

Hennig  erwähnt,  daß  er  die  Art  auch  aus  den  Salzbergmergeln  bei 
Quedlinburg  und  von  Gehrden  bei  Hannover  gesehen  habe.  J.  Böhm  1920a,  40, 
Teil  2,  Heft  1,  S.  157  stellt  jedoch  die  Stücke  vom  Salzberge  zu  Aequipecten 
brandest  n.  sp.  Unsere  gleichen  am  besten  der  NiLSSON’schen  Art. 

Vorkommen: 

Oberturon  aß:  Hochwald  1,  Waltersdorf  3,  Hohnstein  1,  2 (beide  Mus. 
Dresden) ; 

Emscher : E.-St.  Tannendorf  1,  Böhm.  Kamnitz  12,  Kreibitz  26,  Jicin  1 

(Soukup). 


Paläontologischer  Teil 


163 


Pecten  ( Chlamys ) dujardini  A.  Roem. 

1834 — 40  Pecten  ternatus  Goldfuss,  2,  S.  52,  Taf.  91,  Fig.  13. 

1841  Pecten  dujardini  u.  ternatus  A.  Roemer,  S.  53. 

1844  Pecten  dujardini  d’Orbicny,  3,  S.  615,  Taf.  439,  Fig.  5 — 11. 

1846  Pecten  dujardinii  Reuss,  2,  S.  30,  Taf.  39,  Fig.  17. 

1846  Pecten  rarispinus  Reuss,  2,  S.  31,  Taf.  39,  Fig.  15. 

1875  Pecten  ternatus  Geinitz,  2,  S.  36,  Taf.  19,  Fig.  10 — 13. 

1877  Pecten  dujardinii  Fnic,  S.  136,  Abb.  129. 

1912 — 13  Pecten  dujardini  Scupin,  S.  226. 

Die  ungefähr  kreisförmige  flachgewölbte  Muschel  liegt  in  einigen  Exem- 
plaren vor.  Die  Schloßkanten  bilden  etwa  einen  rechten  Winkel.  Die  Ober- 
fläche ist  mit  neun  bis  elf  flachen  Rippen  bedeckt.  Jede  Rippe  ist  durch 
zwei  schmale,  nicht  sehr  tiefe  Furchen  in  drei  Leisten  geteilt,  deren  mittlere 
die  höchste  und  in  der  einen  Klappe  mit  Stacheln  bewehrt  ist.  Die  Zwischen- 
räume zwischen  den  Rippen  sind  ebenfalls  durch  zwei  Furchen  geteilt.  Die 
ganze  Oberfläche  ist  ferner  mit  dichten  feinen  wellenförmigen  konzentrischen 
Linien  bedeckt. 

Vorkommen: 

Mittelturon:  Strehlen  (Mus.  Dresden),  Hundorf,  Leitmeritz  8,  Hostin  3, 

Vsetat  1,  Turnau  2,  Löwenberg  3 (Geol.  Landesmus.),  Ludwigs- 
dorf Löw.  2 (Geol.  Landesmus.). 

Im  böhmischen  Mittelturon  weit  verbreitet. 

Pecten  nilssoni  Goldf. 

Taf.  9,  Fig.  10 

1827  Pecten  orbicularis  Nilsson,  S.  23,  Taf.  10,  Fig.  12. 

1834 — 40  Pecten  nilssoni  Goldfuss,  2,  S.  76,  Taf.  99,  Fig.  8 a u.  b. 

? 1839  Pecten  nilssoni  Geinitz,  1,  S.  23. 

? 1844  Pecten  nilssoni  d'Orbigny,  3,  S.  616,  Taf.  439,  Fig.  12 — 14. 

? 1846  Pecten  nilssoni  Reuss,  2,  S.  26,  Taf.  39,  Fig.  1 — 3. 

1875  Pecten  nilssoni  Geinitz,  2,  S.  33,  Taf.  9,  Fig.  17  u.  18  (non  15  u.  16). 

? 1883  Pecten  nilssoni  Fric,  S.  115,  Abb.  88. 

1893  Pecten  nilssoni  Fric,  S.  100. 

1897  Pecten  nilssoni  Fric,  S.  68. 

1897  Pecten  nilssoni  IIennig,  S.  45,  Taf.  3,  Fig.  18  u.  19. 

Die  nur  in  wenig  Steinkernen  und  Hohlabdrücken  vorliegende  Art  ist 
queroval  und  sehr  flach.  Der  Winkel  am  Wirbel  beträgt  ungefähr  130°, 
wenn  man  die  konkaven  Seitenkanten  als  gerade  Linien  ansieht.  Die  Schale 
ist  ungefähr  gleichseitig.  Der  Schalenrand  verläuft  vom  Wirbel  aus  nach 
beiden  Seiten  in  einer  konkaven  Linie  und  biegt  sodann  scharf  zu  dem  3/4 
der  Schalenhöhe  einnehmenden  halbkreisförmig  gerundeten  unteren  Teile  um. 
Die  Ohren  der  beiden  Schalen  sind  mäßig  groß  und  fast  gleich.  Die  Außen- 
kanten sind  gerundet.  Näheres  läßt  sich  über  die  Ohren  an  den  vorliegenden 
Stücken  nicht  feststellen. 

Die  Oberfläche  der  Muschel  ist  fast  glatt  und  nur  mit  dicht  gedrängten, 
sehr  feinen  und  fast  verwischten  konzentrischen  Linien  bedeckt.  Vom  Wirbel 
verlaufen  zum  Unterrande  zwei  schwache  Kanten  und  grenzen  in  der  Schalen- 


n* 


164  Abh.  preuß.  gieol.  L.-A.,  Neue  Folge,  Heft  159 

mitte  einen  schwach  erhabenen  pyramidenförmigen  Teil  ab  (?  ob  auf  beiden 
Schalen). 


Maße: 

1 

2 

3 

4 

5 

6 

Länge: 

18  mm 

30  mm 

26  mm 

25  mm 

17  mm 

17  mm 

Höhe: 

13  „ 

22  „ 

20  „ 

22  „ 

15  „ 

15  „ 

Länge  : Höhe  = 100: 

72 

73 

7G 

88 

88 

88 

Fundort : 

1)  MT  Heuscheuer  2,  2)  E Kreibitz  24,  3,  5)  MT  Lückendorf  5,  4)  E 
E.-St.  Tannendorf  1,  6)  OT  7 Kreibitz  6. 

Das  Ergebnis  der  Messungen  an  diesen  fünf  Steinkernen  zeigt  die  Varia- 
tionen der  Muschel  in  bezug  auf  das  Verhältnis  von  Länge  zu  Höhe.  Die 
konkaven  Schalenränder  am  Wirbel  und  die  auf  breiter  Grundlage  hervor- 
ragende schmucke  Spitze  des  Wirbels  geben  jedoch  allen  fünf  Stücken  ein 
gleichmäßiges  Aussehen,  so  daß  eine  Trennung  nicht  möglich  ist.  Mein 
Material  ist  zu  gering,  um  über  den  Formenkreis  der  Art  ein  kritisches  Urteil 
abzugeben.  Deshalb  kann  die  vorhandene  Literatur  auch  nur  vorsichtig  be- 
nützt werden.  Die  Abbildung  bei  Nilsson  gibt  unsere  Form  gut  wieder, 
während  bei  FIennig  die  konkaven  Schalenränder  am  Wirbel  nur  wenig  an- 
gedeutet sind.  In  den  Abbildungen  bei  Goldfuss  kann  man  unsere  Formen 
gut  wiedererkennen.  Die  Abbildungen  bei  Reuss  zeigen  breit-  und  voll- 
gerundete Muscheln  mit  vom  Wirbel  ausgehenden  geraden  Schalenrändern. 
Ihre  Zugehörigkeit  zu  unserer  Art  ist  sehr  fraglich.  Hingegen  bildet  d’Orbigny 
Stücke  ab,  die  unserer  Art  nahe  kommen.  Obwohl  er  die  Schale  als  glatt 
bezeichnet,  so  könnte  dies  vielleicht  auf  einen  mangelhaften  Erhaltungszustand 
der  Stücke  zurückzuführen  sein. 

Im  „Elbtalgebirge“  entsprechen  von  den  Strehlener  Stücken  nur  Fig.  17 
und  18  mit  ihrem  stumpferen  Winkel  der  Schloßkantenränder  und  den  ge- 
rundeten Ohrenkanten  unseren  Formen.  Die  schlanke  Spitze  des  Wirbels 
kommt  in  den  Abbildungen  nicht  zum  Ausdruck,  ist  aber  an  den  Originalen 
vorhanden.  Hennig  hält  die  Plänerform  bei  Geinitz  für  Pecten  membranaceus 
Nilss.;  nach  Besichtigung  der  Originale  glaube  ich  aber,  nur  Fig.  15  und  16 
auf  Taf.  9 zu  letzterer  Art  stellen  zu  müssen,  während  Fig.  17  und  18  als 
Pecten  nilssoni  anzusprechen  sind. 

Wie  bei  Strehlen,  so  finden  sich  auch  unter  dem  Material  von  Zatzschke 
Formen,  die  zu  Pecten  membranaceus  zu  stellen  sind. 

Fric  führt  Pecten  nilssoni  aus  verschiedenen  Zonen  auf.  Die  in  den 
„Weißenberger  Schichten“,  1877,  S.  135,  Abb.  124,  gegebene  Abbildung  stellt 
entschieden  nicht  unsere  Art  dar.  Näher  kommt  ihr  schon  Abb.  88  in  der 
Studie  über  die  Isersehichten.  Die  geraden  Schalenränder  am  Wirbel  beruhen 
auf  mangelhafter  Darstellung. 

Schließlich  bezeichnet  Fric  in  den  „Chlomeker  Schichten“  die  Art  als 
selten  in  Kreibitz,  Tannenberg  und  Kieslingswalde. 

Vorkommen: 

Unterturon:  Lobositz  2; 

Mittelturon:  Pießnig  2,  Felden,  Lindenau  4,  Schwarzwald  3?,  Schandau  2, 

Dresden  1 (Mus.  Dresden),  Strehlen  (Mus.  Dresden),  Liebenau 
1,  Sackschen  2,  Vsetat  1,  Chorousek  4,  Turnau  13,  Jicin  29 
(Soukup),  Heuscheuer  2; 


Paläontologischer  Teil 


165 


Oberturon  aß:  Lückendorf  5; 

Oberturon  y:  Zatzschke  (Mus.  Dresden),  Birkwitz  (Geol.  Landesamt  Leipzig), 

Kreibitz  4,  6,  Robitz,  Priesen  (Mus.  Dresden,  Prag) ; 

Emscher:  E.-St.  Tannendorf  1,  Kreibitz  24,  Großmergthal,  Kieslingswalde. 

Außerdem  im  Senon  von  Mastricht  und  Schweden. 

Pecten  laevis  NilSS. 

Taf.  9,  Fig.  11 

1827  Pecten  laevis  Nilsson,  S.  24,  Taf.  9,  Fig.  17. 

1842  Pecten  laevis  Geinitz,  3,  S.  83,  Taf.  21,  Fig.  9. 

1846  Pecten  laevis  Reuss,  2,  S.  26,  Taf.  38,  Fig.  22,  (23  ?). 

1847  Pecten  laevis  J.  Müller,  1,  S.  31. 

? 1866  Pecten  laevis  Zittel,  2,  S.  32,  Taf.  17,  Fig.  4 a — c. 

1872  Pecten  laevis  Geinitz,  1,  S.  192,  Taf.  43,  Fig.  12,  13. 

1877  Pecten  laevis  FuiC,  S.  134,  Abb.  125. 

1883  Pecten  laevis  FriC,  S.  115. 

1885  Pecten  laevis  J.  Böhm,  S.  83. 

1889  Pecten  laevis  Holzapfel,  2,  S.  232,  Taf.  26,  Fig.  4. 

1897  Pecten  laevis  IIenniü,  S.  36,  Taf.  2,  Fig.  25,  26. 

Die  kleine  schwach  gewölbte  Muschel  ist  dünn,  glänzend  und  im  Umriß 
breit  eiförmig.  Der  Winkel  am  Wirbel  beträgt  90—100°.  Die  Schale  ist 
fast  gleichseitig.  Vom  Wirbel  aus  verläuft  der  Schalenrand  nach  beiden 
Seiten  in  annähernd  gerader  Linie  bis  etwa  zur  halben  Schalenhöhe.  Die 
untere  Schalenhälfte  ist  breit  gerundet.  Die  Ohren  sind  ungleich.  Das  vordere 
gerundete  Ohr  bildet  einen  rechten  Winkel  und  ist  größer  als  das  stumpf- 
winkelige hintere.  Am  vorderen  Ohr  der  rechten  Klappe  befindet  sich  ein 
kleiner  Byssusausschnitt. 

Von  den  meisten  Autoren  wird  die  Schale  als  glatt  geschildert.  Bei  Be- 
arbeitung der  Originale  Nilsson’s  stellt  Hennig  jedoch  an  diesen  feine 
konzentrische  Streifen  fest.  Von  meinem  reichlichen  Material  an  Steinkernen, 
Skulptursteinkernen,  Kalkschalen  und  Hohlabdrücken  erscheint  die  Mehrzahl 
ebenfalls  glatt.  Nur  einige  gut  erhaltene  glänzende  Schalenstücke  zeigen  die 
von  Hennig  erwähnten  feinen  linienartigen  Streifen.  An  Steinkernen  und  Hohl- 
abdrücken ist  von  konzentrischer  Verzierung  nichts  zu  sehen.  An  einigen 
Stücken  sind  auch  radiale  Linien  sichtbar;  doch  vermag  ich  nicht  zu  ent- 
scheiden, ob  die  Linien  als  Verzierung  der  Schale  gelten  oder  ob  sie  nur 
durch  die  Schalenstruktur  bedingt  sind.  Die  Ohren  sind  fein  linienartig 


gestreift. 

Maße: 

1 

o 

3 

4 

5 

6 

7 

8 

9 

10 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

Lange: 

4,5 

5,0 

5,5 

6,0 

6,5 

3,5 

4,5 

5,0 

6,0 

6.0 

Höhe: 

5,0 

5,5 

6,5 

7,0 

7,0 

4,0 

4,5 

6,0 

6,0 

6,5 

Maße: 

11 

12 

13 

14 

15 

16 

17 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

Länge: 

7,5 

4,0 

6,0 

6,5 

7,0 

9,0 

9,5 

Höhe: 

8,0 

5,0 

6,5 

7,0 

7,0 

10,0 

10,0 

Fundort : 

1 — 5)  E E.-St.  Tannendorf  1,  6—11)  E Kreibitz  6,  12—17)  MT  Lindenau  3. 


166 


Abh.  preuß.  gieol.  L.-A.,  Neue  Folge,  Heft  159 


Die  Zusammenstellung  zeigt,  daß  die  Muschel  an  den  verschiedenen 
Fundstellen,  im  Emscher  wie  auch  im  Mittelturon,  gleiche  Größenverhältnisse 
besitzt. 

Hennig  berichtet,  daß  er  den  echten  Pecten  laevis  vom  Lusberg,  von  Vaals, 
Mastricht,  Kieslingswalde,  Brunnen  an  der  Schenke,  von  Hain  und  Petersdorf, 
Plauen  und  Gerhardtsreitergraben  gesehen  habe.  Dies  entspricht  auch  den 
oben  erwähnten  Literaturnachweisen,  so  daß  Unterschiede  in  den  Abbildungen, 
besonders  bei  den  Ohren,  nur  auf  einer  mangelhaften  Darstellung  beruhen 
können.  Hain  und  Petersdorf  liegen  in  unserem  Arbeitsgebiet. 

Pecten  laevis  ist  an  zahlreichen  Fundstellen  unseres  Gebietes  gefunden 
worden.  In  den  Kalkbänken  des  Ober-  und  Mittelturons  ist  die  Art  sogar  eine 
häufige  Erscheinung  und  bildet  zuweilen  förmliche  Lager. 

Vorkommen: 

Unterturon:  Lobositz  2,  Jicin  4,  7 (beide  Soukup); 

Mittelturon:  Dobern  (zahlreich),  Pießnig  1,  2 (zahlreich),  3,  Altschiedel, 

Ncuschiedel,  Lindenau  1 (zahlreich),  3,  4,  6 (Voutiscii)  , 
Antonienthal  1,  2,  Petersdorf  4,  5,  Großhirndorf  (eigene  Samm- 
lung und  Geol.  Landesamt  Leipzig),  Deutsch  Gabel,  Felden 
(zahlreich),  Kickeisberg  1,  2,  Budinc  4,  Hohlen  2,  Aschendorf  1, 
Brenn  2,  Schwarzwald  2,  3 (zahlreich),  Sabert  2,  Sterndorf  5, 
Jungbunzlau  1,  6,  8,  Haschkowitz,  Schwabitz  2,  3,  Kallwitz  1, 
Bösig  2,  7,  Hirschberg  1,  Liboch,  Kokorin  2,  Sackschen  1,  2, 
Hostin  3,  Chorousek  4,  Kanina  1,  2,  Mseno  1,  Turnau  12,  13, 
Jicin  31,  41,  43  (alle  drei  Soukup),  19,  29,  38,  39,  Heuscheuer 
1,2,3; 

Oberturon  aß:  Khaa  1,  2,  4,  7,  Daubitz  1,  2,  5,  6,  8,  Niederkreibitz  1,  4,  6,  7, 
Böhm.  Kamnitz.  2,  Hoffnung,  Lückendorf  1,  2,  4,  5,  6,  7, 
Hermsdorf  1,  5,  6,  7,  Hochwald  8,  Großmergthal  3,  Antonien- 
thal, Jonsberg  3,  Hain  1,  2 (eigene  Sammlung  und  Geol. 
Landesamt  Leipzig),  Plissen  1,  2,  4,  Schanzendorf  1,  Klein- 
haida 1,  2,  Finkendorf  1,  Rollberg  1,  Waltersdorf  2,  Grunauer 
Spitzberg  Löw. ; 

Oberturon  y:  Böhm.  Kamnitz  1,  Kreibitz  3,  7,  8,  Jägersdorf  1,  Bokwen; 

Emscher:  E.-St.  Tannendorf  1,  2,  3,  4,  Kreibitz  1,  4,  6,  7,  9,  12,  17,  23, 

24,  26,  28,  Daubitz  1,  Oberhasel,  Tollenstein,  E.-St.  Neuhütte  3, 
Oberkreibitzer  Talsperre  7,  8,  Böhm.  Kamnitz  3,  Kunnersdorf 
2 (Prinz),  Schießnig,  Böhm.  Zwickau  4,  Hermsdorf  1,  3,  6,  9, 
Falkenau  2,  6,  7,  Großmergthal,  Deutmannsdorf  Löw.  (Geol. 
Landesmus.),  Kieslingswalde,  Salzberg. 

Außerdem  im  Untersenon  von  Mastricht  bei  Aachen  (Mus.  Dresden)  sowie 
im  Obersenon  Schwedens,  in  der  sächsisch-böhmischen  Kreide  auch  im  Cenoman. 

Pecten  membranaceus  NlUSS. 

Taf.  9,  Fig.  12 

1827  Pecten  membranaceus  Nilsson,  S.  23,  Taf.  9,  Fig.  16  (die  untere). 

1875  Pecten  nilssoni  Geinitz,  2,  Taf.  9,  Fig.  15  u.  16. 

1897  Pecten  membranaceus  Hennig,  S.  37,  Taf.  3,  Fig.  6,  7,  8. 

Die  Muschel  ist  flach  gewölbt,  hochoval,  spatenförmig. 


Paläontologischer  Teil 


167 


Vorder-  und  Hinterrand  verlaufen  vom  Wirbel  zuerst  in  gerader  Linie. 
Ein  mehr  oder  weniger  abgerundeter  stumpfer  Winkel  verbindet  sie  mit 
dem  halbkreisförmig  zugerundeten  unteren  Schalenteile.  Die  Oberfläche  der 
Schale  ist  glänzend  und  scheinbar  glatt;  gegen  den  Rand  laufen  darüber 
hinweg  einige  konzentrische  Ringe.  Steinkerne  sind  ebenfalls  glatt.  Beide 
Ohren  sind  fast  gleich  groß. 

Maße:  * 1 2 3 


Länge:  15  mm  19  mm  19  mm 

Höhe:  18  „ 20  „ 19  „ 

Fundort : 

1),  3)  OT  y Böhm.  Kamnitz  3,  2)  MT  Heuscheuer  2. 

Es  lagen  nur  einige  wenige,  meist  mangelhafte  Stücke  vor,  so  daß  ich 
mich  weiterer  Bemerkungen  hierüber  enthalten  muß. 

Hennig  versucht,  die  über  die  Art  entstandene  schwierige  Literatur  zu 
klären;  es  scheint  ihm  aber  auch  nur  teilweise  gelungen  zu  sein. 
Vorkommen: 

Unterturon:  Jidn  7 (Souicup)  ; 

Mittelturon:  Strehlen  (Mus.  Dresden),  Schandau  2,  Pirna,  Biela  (Mus. 

Aussig),  Soviceberg  2,  Heuscheuer  2,  Langenau  Löw.  1 (Geol. 
Landesmus.) ; 

Oberturon  y : Böhm.  Kamnitz  2,  3,  Priesen,  Zatzschke  (Mus.  Dresden), 

Hinterjessen  (Seifert),  Jidn  7 (Soukup),  Großrackwitz  Löw.  1 
(Geol.  Landesmus.) ; 

Emscher : Priesen. 

Außerdem  im  schwedischen  Senon  und  anscheinend  an  verschiedenen 
anderen  Orten. 


Neithea  Droijet 

Neithea  grypheata  Schlote.  sp. 

Taf.  9,  Fig,  13—16;  Abb.  13 

1834 — 40  Pecten  quadricostatus  Goldfuss,  2,  S.  54,  Taf.  92,  Fig.  7 a — e. 

1841  Pecten  quadricostatus  A.  Roemer,  S.  54. 

1843  Pecten  quadricostatus  Geinitz,  4,  S.  16.  Taf.  3,  Fig.  14,  15. 

1844  Janira  quadricoslata  d’Orbigny,  3,  S.  644,  Taf.  447,  Fig.  1 — 7. 

1846  Pecten  versicostatus  Reuss,  2,  S.  32  z.  Teil. 

1852  Pectinites  gryphaetus  Ouenstedt,  S.  507,  Taf.  41,  Fig.  1. 

1875  Vola  quadricoslata  Brauns,  S.  388. 

1875  Vola  quadricoslata  Geinitz,  2,  S.  37  z.  Teil,  Taf.  10,  Fig.  14 — 16. 

1888  Vola  quadricoslata  G.  Müller,  S.  409. 

1889  Vola  quadricoslata  Holzapfel,  2,  S.  237,  Taf.  26,  Fig.  20  a u.  b. 

1891  Vola  quadricoslata  Langenhan  & Grundey,  Taf.  3,  Fig.  28  a u.  b. 
1897  Vola  quadricoslata  FriC,  S.  68. 

1897  Vola  quadricoslata  Petrasckeck,  S.  31. 

1898  Vola  quadricoslata  G.  Müller,  S.  35,  Taf.  4,  Fig.  9,  10. 

1901  Vola  quadricoslata  Sturm,  S.  90. 

1912 — 13  Vola  quadricoslata  Sovv.  et  mut.  faujasi  Pict.  & Camp.;  Scupin, 

S.  228  z.  Teil. 

1912—13  Vola  propinqua  Scupin,  S.  229,  Taf.  12,  Fig.  19. 

1920  Neithea  giypheata  J.  Böhm,  40,  S.  141,  Anm.  2. 


168 


Abh.  preuß.  gieol.  L.-A.,  Neue  Folge,  Heft  159 


Die  Muschel  ist  oval  dreieckig,  schlank,  bedeutend  höher  als  lang,  fast 
gleichseitig  und  mit  21—24  gerundeten  radialen  Rippen,  darunter  6 Rippen 
erster  Ordnung,  verziert.  Der  Unterrand  ist  halbkreisförmig,  in  den  Zwischen- 
räumen zwischen  den  Hauptrippen  fast  gerade  oder  schwach  eingebogen  und 
durch  die  am  Rande  gering  vorspringenden  Rippen  zweiter  Ordnung  gewellt. 
Der  Schloßrand  ist  mittellang  und  reicht  nicht  über  die  Schalenlänge  hinaus. 

Die  rechte  Klappe  (Taf.  9,  Fig.  13,  Abb.  18)  ist  stark  konvex;  die 
höchste  Wölbung  liegt  etwas  über  der  Schalenmitte.  Der  Wirbel  ist  ein- 
gebogen und  überragt  weit  übergreifend  den  der  linken  Klappe.  Die  vordere 
und  hintere  Area  (Fläche  zwischen  der  letzten  Hauptrippe  und  dem  Außen- 
rande) biegen  nach  einwärts,  so  daß  Vorder-  und  Hinterrand  einen  konkaven 
Bogen  bilden.  Die  sechs  Rippen  erster  Ordnung  treten  kräftiger  hervor 
als  die  übrigen.  Zwischen  ihnen* liegen  breite  flache  Felder,  in  denen  sich 
gewöhnlich  drei  Rippen  zweiter  Ordnung,  die  durch  tiefe  schmälere  Furchen 
voneinander  getrennt  sind,  befinden.  Oft  zeigt  sich  die  mittlere  dieser  Neben- 
rippen stärker  als  die  beiden  seitlichen,  ohne  jedoch  die  Stärke  der  Haupt- 
rippen zu  erreichen.  Bei  Steinkernen  erscheinen  die  Rippen  schmäler  als 
die  flachen  Zwischenfurchen  (Taf.  9,  Fig.  13).  Die  Zahl  der  zwischen  je 
zwei  Rippen  erster  Ordnung  vorhandenen  Rippen  zweiter  Ordnung  ist  ver- 
schiedenen Schwankungen  unterworfen,  indem  sich  zuweilen  eine  vierte  Rippe 


Abb.  18.  Neithea  grypheata  Schloth.  sp.,  rechte  Klappe,  Steinkern,  vergr.  2:1. 

Oberturon  a £»,  G-roßmergthal  3.  Orig.  Geol.  Landesmus.  (A  No.  117). 

einstellt.  Diese  tritt  dann  jedoch  nur  schwach  hervor  und  zwar  eng  an- 
geschmiegt an  die  Abdachung  einer  Hauptrippe.  Eine  Regelmäßigkeit  konnte 
darin  nicht  festgestellt  werden.  Im  allgemeinen  ist  nur  zu  sagen,  daß  in 
diesem  Falle  an  ein  und  demselben  Stücke  stets  nur  einige  Felder  mit  vier 
Rippen  besetzt  sind,  während  die  übrigen  drei  aufweisen.  Ob  die  Zahl  der 
Zwischenrippen  auch  hier  auf  zwei  herabsinkt,  wie  es  an  einigen  kleineren 
Stücken  den  Anschein  hat  und  schon  anderweit  beobachtet  worden  ist,  läßt 
sich  bei  der  allgemein  mangelhaft  erhaltenen  Skulptur  nicht  mit  Sicherheit 
feststellen.  Alle  Rippen  biegen  etwas  nach  auswärts. 

Nach  Hohlabdrücken  und  Schalenexemplaren  besteht  die  konzentrische 
Verzierung  der  Schale  in  sehr  feinen  und  schwachen  Linien.  An  einem 
einzigen  verhältnismäßig  gut  erhaltenen  Schalenstück  verlaufen  die  Ränder 
einiger  dachziegelartig  übereinander  liegender  schwacher  Schichten  der  Kalk- 
schale als  scharf  gezeichnete  konzentrische  Wellenlinien.  Auf  der  Area  sind 
vier  bis  fünf  radiale  Rippen  wahrnehmbar,  die  bedeutend  schwächer  als  die 
übrigen  sind  und  durch  breitere  Zwischenräume  voneinander  getrennt  werden. 
Der  an  den  Außenrand  grenzende  Teil  ist  glatt  und  nur  mit  schwachen 
konzentrischen  Linien  bedeckt  (Taf.  9,  Fig.  14).  Ein  größerer  Steinkern  zeigt 


Paläontologischer  Teil 


169 


hinter  der  letzten  Hauptrippe  eine  breite  flache  Furche  und  dann  nur  zwei 
dieser  schwachen  Rippen.  Da  die  Verzierung  der  Area  nur  an  wenigen  Stücken 
teilweise  sichtbar  ist,  kann  nicht  festgestellt  werden,  ob  ein  Unterschied 
zwischen  der  der  vorderen  und  der  der  hinteren  Area  vorhanden  ist. 

Die  Ohren  sind  nahezu  gleich  groß,  dreieckig,  von  mäßiger  Größe  und 
mit  radialen  Rippen  versehen,  die  in  der  Nähe  des  Schalenansatzes  am 
kräftigsten  sind  und  gegen  den  Außenrand  ganz  zu  verschwinden  scheinen. 

Die  linke  Klappe  (Taf.  9,  Fig.  16)  ist  flach  oder  schwach  konkav. 
Die  Höhe  ist  geringer  als  die  Länge;  zuweilen  sind  beide  Ausdehnungen  gleich. 
Die  Verzierung  besteht  aus  gerundeten  radialen  Rippen,  deren  Stärke  nur 
gering  variiert.  Ihre  Zahl  gleicht  denen  der  rechten  Klappe.  Die  Zwischen- 
räume sind  ungleichmäßig  und  meist  etwas  breiter.  Einer  Rippe  erster  Ordnung 
auf  der  rechten  Klappe  entspricht  eine  breitere  tiefere  Furche  auf  der 
linken.  Auch  die  linke  Klappe  ist  mit  feinen  konzentrischen  Linien  bedeckt. 
Vordere  und  hintere  Area  sind  sehr  schmal.  Die  Ohren  sind  fast  gleich 
groß,  dreieckig  und  mit  fünf  bis  sechs  radialen  Rippen  verziert.  Gewöhnlich 
haftet  die  linke  Klappe  mit  ihrer  Außenseite  fest  am  Gestein  und  nur  deren 
innere  Fläche  ist  sichtbar  (Taf.  9,  Fig.  15).  Diese  zeigt  breite,  ganz  flach 
gewölbte  Rippen  und  dazwischen  schwach  linienartige,  aber  kurz  vor  dem 
Außenrande  sta*k  vertiefte  und  verbreiterte  Furchen.  Furchen  und  Rippen 
entsprechen  denen  der  Außenseite.  Die  Rippen  erster  Ordnung  sind  auf 
der  Innenseite  der  Schale  durch  eine  breite  seichte  Vertiefung  angedeutet. 


Der  Schloßkantenwinkel 

der 

linken 

Klapp 

e beträgt  95- 

1100. 

Maße: 

1 

2 

3 

4 

5 

6 

7 

8 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

Lange: 

34 

31 

30 

28 

27 

26 

23 

19 

Höhe: 

39 

28 

35 

33 

30 

33 

25 

22 

Länge  des  Schloßrandes: 

? 

16 

15 

14 

16 

p 

17 

12 

Maße: 

9 

10 

11 

12 

13 

14 

15 

16 

mm 

mm 

mm 

mm 

inrri 

mm 

mm 

mm 

Länge: 

18 

16 

13 

13 

12 

12 

10 

8 

Höhe: 

21 

19 

16 

14 

14 

13 

11 

10 

Länge  des  Schloßrandes: 

12 

p 

p 

? 

? 

8 

p 

6 

Maße: 

17 

18 

19 

20 

21 

22 

23 

24 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

min 

mm 

mm 

Länge: 

4,5 

15 

10 

12 

9 

5 

17 

10 

Höhe: 

6 

20 

12 

13 

11 

6 

19 

12 

Länge  des  Schloßrandes: 

3 

10 

7 

10 

7 

3,5 

12 

7 

Maße: 

25 

26 

27 

28 

29 

30 

31 

mm 

mm 

mm 

nun 

mm 

mm 

mm 

Länge: 

33 

26 

23 

16 

15 

7 

21 

Höhe: 

30 

25 

21 

16 

15 

7 

21 

Länge  des  Schloßrandes: 

20 

15 

13 

8 

11 

4 

16 

1—24)  rechte  Klappen, 

25—31) 

linke 

Klappen. 

Fundort : 


1—17),  25—30)  E E.-St.  Tannendorf  1,  18),  19)  E Kreibitz  24,  20—22),  31) 
E Kreibitz  12,  23)  OT  aß  Hochwald  3,  24)  OT  aß  Großmcrgthal  3. 

Neithea  grvpheata  ist  unter  dem  Namen  Pecten  ( V ola , Janira)  quadri- 
costalus  (a)  Sow.  in  der  Literatur  weit  verbreitet.  Lange  Zeit  faßte  man 


170 


Abh.  preuß.  gieol.  L.-A.,  Neue  Folge,  Heft  159 


hierunter  alle  stark  ungleichklappigen  pectenartigen  Muscheln  mit  sechs 
symmetrisch  verteilten  Rippen  erster  Ordnung  zusammen,  zwischen  denen 
vorwiegend  drei  Rippen  zweiter  Ordnung  vorhanden  waren.  Obwohl  bereits 
Pictet  & Campiche  1870,  S.  253,  die  von  d’Orbigny  dargestellte  Form,  der  auch 
die  vorliegenden  Stücke  entsprechen,  von  dem  echten  Peclen  quadricostatus 
Sow.,  der  in  tieferen  Lagen  auftritt,  abtrennten  und  mit  Janira  faujasi  be- 
zeichneten,  und  auch  andere  Autoren  wiederholt  Sondernamen  für  die  jüngere 
Form  ansetzten,  haben  die  späteren  Bearbeiter  von  Kreidefaunen,  wohl  in 
Ermangelung  genügenden  Materials,  die  Trennung  nicht  scharf  durchgeführt 
und  nur,  wie  z.  B.  Holzapfel,  auf  die  Wahrscheinlichkeit  hingewiesen,  daß 
sich  unter  dem  alten  Sammelnamen  verschiedene  Arten  verbergen  mögen. 

Erst  Woods  1904—13,  2,  S.  210,  Taf.  40,  Fig.  6,  7,  hat  durch  Neu- 
bearbeitung des  englischen  Materials  vollständige  Klarheit  über  die  von 
Sowerby  dargestellte  Form  gebracht  und  die  unterscheidenden  Merkmale 
zwischen  dieser  und  unserer  Art  festgelegt.  Dieselben  können  allgemein  auch 
für  unsere  Stücke  gelten.  Die  bedeutendere  Größe  der  Ohren  und  des  Schloß- 
randes, wie  dies  bei  Woods  in  Abb.  3 und  5 gut  zum  Ausdruck  kommt,  fällt 
in  erster  Linie  in  die  Augen.  Ein  Stück  aus  dem  englischen  Cenoman  im 
Museum  zu  Dresden  zeigt  ebenfalls  diese  Unterschiede.  Vorstehende  Zu- 
sammenstellung einiger  Maßverhältnisse  zeigt,  daß  an  unseren  Stücken  Schloß- 
linie und  infolgedessen  auch  Ohren  bedeutend  kürzer  als  an  den  englischen 
sind.  Nirgends  reicht  hier  die  Schloßlinie  über  die  Gesamtlänge  der  Muschel 
hinaus.  Jedoch  scheint  das  englische  Material  auch  nicht  ausnahmslos  solche 
große  Ohren  bzw.  solch  einen  langen  Schloßrand  wie  abgebildet  zu  be- 
sitzen, denn  in  seinem  Literaturverzeichnis  zieht  Woods  Formen  zu  seiner  Art, 
die,  wie  z.  B.  von  Kieslingswalde  und  vom  Salzberge,  einen  bedeutend  kürzeren 
Schloßrand  besitzen  und  keinesfalls  von  den  unseren  abgetrennt  werden 
können  Vordere  und  hintere  Area  der  englischen  Art  biegen  nach  auswärts, 
während  sie  an  unseren  Stücken  nach  einwärts  gerichtet  sind,  wodurch  die 
Gesamtform  der  letzteren  schlanker  erscheint.  Bei  Woods,  Abb.  5,  beträgt 
der  Schloßkantenwinkel  der  linken  Klappe  125°,  hingegen  an  einigen  hier 
gemessenen  linken  Klappen  nur  95—100°.  Im  allgemeinen  sind  die  englischen 
Stücke  größer  als  die  unseren.  Einen  Unterschied  zwischen  beiden  in  der 
Lage  der  größten  Schalenlänge  bei  der  linken  Klappe  konnte  ich  nicht  fest- 
stellen. Aus  der  oberen  deutschen  Kreide  lassen  sich  mit  Ausnahme  einiger 
Cenomanformen  kaum  Stücke  nachweisen,  die  zu  der  englischen  Art  zu 
stellen  wären.  Die  von  Woods  hierüber  gebrachten  Literaturnachweise  sind 
deshalb  mit  Vorsicht  aufzunehmen;  einige  Berichtigungen  ergeben  sich  auch 
aus  dem  hier  vorangestellten  Literaturverzeichnis. 

Durch  unmittelbaren  Vergleich  von  Originalen  konnte  die  Übereinstimmung 
unserer  Art  mit  Stücken  aus  der  Kreide  von  Aachen  (Mus.  Dresden),  vom 
Salzberge  bei  Quedlinburg  (Mus.  Dresden  und  eigene  Sammlung),  aus  der 
Löwenberger  Kreide  ausschließlich  Cenoman  (eigene  Sammlung,  Geol.  Landes- 
mus.), von  Kieslingswalde  (eigene  Sammlung),  vom  Marterberg  bei  Passau 
(Mus.  Dresden),  sowie  aus  der  sonstigen  sächsisch-böhmischen  Kreide,  aus- 
schließlich Cenomanschichten  (Mus.  Dresden),  festgestellt  werden.  Besonders 
sei  hier  das  Vorkommen  unserer  Art  im  Überquader  von  Wehlen  (Mus. 
Dresden)  und  an  der  Hackkuppe  bei  Saupsdorf  (Mus.  Dresden)  vermerkt. 
Stücke  aus  der  Stufe  des  lnoceramus  lamarcki  von  Posteiwitz  bei  Schandau 


Paläontologischer  Teil 


171 


sind  ebenso  schlank  wie  unsere  Emscherformen  und  zeigen  im  Steinkern 
zum  Teil  auch  neben  den  drei  Zwischenrippen  eine  an  die  Hauptrippe  an- 
geschmiegte vierte  Rippe.  Im  Verhältnis  zu  der  Größe  der  Exemplare  sind 
die  Ohren  an  den  Stücken  von  Kieslingswalde  meist  besonders  groß.  Sie 
erreichen  jedoch  keinesfalls  die  von  Woods  für  seine  Art  angegebene  Länge. 

Die  im  Museum  zu  Dresden  vorhandenen  größeren  Schalenexemplare  aus 
der  Aachener  Kreide  (Vaals  und  Mastricht)  sowie  ein  größerer  Steinkern 
vom  Lusberg  zeigen  ohne  Ausnahme  zwischen  je  zwei  Rippen  erster  Ordnung 
drei  Rippen  zweiter. 

Reuss  vereinigt  unsere  Stücke  mit  Pecten  quinqueco status  unter  dem  Namen 
Pecten  versicostatus.  Pecten  quinquecostcitns  hat  jedoch  als  eine  selbständige 
Art  zu  gelten  und  ist  nach  Woods  dadurch  gekennzeichnet,  daß  zwischen  je 
zwei  Rippen  erster  Ordnung  meist  vier  Rippen  zweiter  Ordnung  vorhanden 
sind,  sowie  durch  die  im  allgemeinen  weniger  schlanke  Form.  Die  von 
Woods23)  aus  jüngeren  Schichten  dargestellten  Stücke,  wie  z.  B.  Fig.  17 
auf  Taf.  39  und  Fig.  2 u.  5 auf  Taf.  40  sind  schlanker  als  die  Grundform, 
zeigen  eine  unserer  Art  ähnliche  Anordnung  der  Zwischenrippen  und  wären 
vielleicht  besser  zu  dieser  zu  stellen.  Durch  Vergleich  einer  schönen  Aus- 
wahl guter  Schalenstücke  aus  dem  Untersenon  von  Großbülten,  Großilsede 
und  Adenstedt  im  Geologischen  Landesmuseum  Berlin,  die  von  G.  Müller 
1898,  S.  35,  als  Vota  quinquecostata  beschrieben  worden  sind,  konnte  ich 
ferner  feststellen,  daß  bei  diesen  die  vierte  Zwischenrippe  auch  sehr  oft 
bedeutend  verschmälert  und  an  die  Hauptrippe  angeschmiegt  ist.  Sie  zeigen 
dadurch  ebenfalls  eine  Annäherung  an  unsere  Form,  behalten  aber  den  Grund- 
satz von  je  vier  Zwischenrippen  zwischen  zwei  Rippen  erster  Ordnung  aus- 
nahmslos bei,  so  daß  eine  vollständige  Übereinstimmung  nicht  vorhanden  ist. 
Bei  Vola  quadricostata  geht  G.  Müller  sodann  auf  die  Variationsmöglichkeit 
dieser  Art  näher  ein  und  stellt  für  Formen,  bei  denen  die  Rippen  erster  und 
zweiter  Ordnung  fast  gleich  kräftig  sind,  die  Varietät  subacquicostata  auf. 
Nach  meinem  Material,  wie  es  insbesondere  von  der  fossilreichen,  nur  etwa 
1 m mächtigen  Schicht  an  der  E.-St.  Tannendorf  vorliegt,  ist  die  Art  etwas 
veränderlich.  Ich  sehe  deshalb  von  einer  Abtrennung  von  Varietäten  ab, 
da  mir  in  der  Hauptsache  auch  nur  Steinkerne  zur  Verfügung  stehen,  an 
denen  die  tatsächliche  Skulptur  der  Schale  verschwunden  ist. 

Entgegen  Brauns  wird  bei  den  von  mir  am  Salzbergc  gesammelten 
Stücken  (rechte  Klappen)  durchweg  die  Länge  von  der  Höhe  übertroffen.  Die 
von  Geinitz  im  Elbtalgebirge  aus  cenomanen  Schichten  aufgeführten  Fund- 
stellen dürften  für  unsere  Art  wohl  nicht  gelten. 

Nach  den  von  mir  in  der  Löwenberger  Kreide  an  verschiedenen  Stellen 
gesammelten  Stücken  sowie  nach  dem  Originalmaterial  im  Geologischen  Lan- 
desmuseum Berlin  gehören  die  von  Scupin  als  Vola  propinqua  auf  geführ- 
ten Exemplare  zu  unserer  Art.  Ganz  ähnliche  Stücke  besitze  ich  aus  der 
Schlucht  unter  dem  Pickelstein  bei  Kreibitz  in  450  m Höhe  sowie  aus  dem 
kleinen  Anbruch  westlich  des  Kirchweges  in  gleicher  Höhe.  In  dem  be- 
sonders feinkörnigen  Material  dieser  Fundstellen  erbeutete  ich  vorwiegend 
feine  und  zierliche  Formen,  während  in  Sandsteinschichten  in  derselben  Höhen- 
lage dieselben  Arten  größer  und  weniger  zierlich  Vorkommen. 

23)  Pecten  quinqueco  status  WOODS  1904  — 13,  2,  S.  202,  Taf.  39,  Fig.  14 — 17;  Taf.  40,  Fig.  1 — 5. 


172 


Abh.  preuß.  gieol.  L.-A.,  Neue  Folge,  Heft  159 


Holzapfel  1889,  2,  S.  238,  Taf.  26,  Fig.  18,  gibt  zu  Vota  propinqua  nur 
eine  sehr  kurze  Erläuterung.  Leider  konnte  ich  von  Aachen  kein  Vergleichs- 
material erhalten  und  mußte  mich  auf  die  von  Scupin  bei  Behandlung  dieser 
Art  zwischen  Aachener  und  Löwenberger  Stücken  gezogenen  Vergleiche 
stützen  Die  zu  Vota  propinqua  gestellten  Stücke  von  Aachen  und  Löwenberg 
sowie  auch  die  Mehrzahl  der  Kreibitzer  haben  wohl  in  dem  mergeligen  Schlamme 
nicht  so  günstige  Lebensbedingungen  gefunden  wie  auf  rein  sandigem  Meeres- 
boden und  sind  deshalb  größtenteils  klein  geblieben  und  verkümmert.  Nur  einige 
wenige  Stücke  aus  den  Mergelschichten  erreichen  die  Größe  der  normalen  Nei- 
thea grvpheata  aus  dem  Sandstein.  Die  Abtrennung  der  Aachener  Stücke  ist  daher 
kaum  haltbar.  Unter  V ola  quadricostala  Scupin  ist  ebenfalls  vorwiegend  unsere 
Art  zu  verstehen  mit  Ausnahme  der  cenomanen  Formen,  die  wohl  abzu trennen 
und  zu  der  englischen  Art  zu  stellen  sind.  Die  aus  dem  Mergelsandstein  der 
Mittelberge  von  Scupin  1912/1913,  S.  228  zu  Vola  quinquecostata  gestellten 
Stücke,  die  ich  ebenfalls  im  Geologischen  Landesmuseum  nachprüfen  durfte, 
gehören  auch  nur  hierher.  Unsere  Form  ist  wohl  als  eine  Mischform  zwischen 
Neithea  grvpheata  mit  drei  Zwischenrippen  und  Neithea  quinquecostata  mit 
vier  Zwischenrippen  zwischen  je  zwei  Rippen  erster  Ordnung  mit  einem  starken 
Einschlag  nach  Neithea  grvpheata  anzusprechen,  so  daß  bei  größerem  Material 
eine  Trennung  von  dieser  Art  nicht  möglich  ist.  Über  die  Einreihung  der  Art 
in  die  Gattung  Neithea  und  deren  Bezeichnung  als  grvpheata  habe  ich  mich 
der  ausführlichen  Darstellung  von  J.  Böiim  angeschlossen. 

Neithea  gtyplveata  ist  im  ganzen  Gebiete  weit  verbreitet.  Sie  findet 
sich  im  gelben  und  weißen  Sandstein,  in  den  rötlichgelben  Mergelsandsteinen, 
in  den  Quarzitbänken,  in  den  festen  dunklen  Knollenschichten,  in  den  hellen 
und  dunklen  weichen  Tonmergeln,  sowie  auch  überall  in  den  dem  Sandstein 
eingelagerten  Kalklinsen. 

Vorkommen: 

Unterturon:  Schmilka; 

Mittelturon:  Posteiwitz,  Wendischfähre,  Altschiedel,  Lindenau  2,  3,  5,  6 

(Vortiscii),  Antonienthal  2,  Petersdorf  1,  Lämberg,  Felden, 
Oberkriesdorf  2,  Budine  1,  4,  Liebeschitz  2,  3,  Skalken  1, 
Drum  1,  3,  4,  Hohlen  2,  Brenn  2,  4,  5,  Schwarzwald  1,  3, 
Sabert  1,  2,  Liebenau  3,  Jungbunzlau  6,  Schwabitz  1,  5,  6,  7, 
Böhm.  Neuland  2,  Wobrok  1,  2,  Hirschberg  1,  Bösig  7,  Rascho- 
witz,  Sackschen  5,  Liboch,  Zimor,  Truskavna  1,  Kokorin  1, 
Widim,  Chorousek  3,  4,  Kanina  1,  2,  Brezinka  1,  Weißwasser, 
Bakov  2,  Turnau  3,  9,  11,  Jicin  26,  28,  31  (alle  drei  Soukup), 
Chotzen,  Kesselsdorf  Löw.  (Geol.  Landesmus.),  Hermsdorf  Löw. 

1,  2,  4 (Geol.  Landesmus.),  Löwenberg  1,  3 (beide  Geol. 
Landesmus.),  Ludwigsdorf  Löw.  1,  2 (beide  Geol.  Landes- 
mus.), Heuscheuer  2,  3; 

Oberturon  a j 3 : Zeichen  1,  5 (Seifert),  Mocketal  (Seifert),  Hohnstein  1,  2,  3 
(alle  drei  Mus.  Dresden),  Herrenleite,  Niederkreibitz  1,  Daubitz 

2,  5,  6,  8,  Windischkamnitz,  Hinterhermsdorf  1,  Khaa  2,  7, 
Philippenau,  Innozenzidorf  2,  Lückendorf  1,  2,  4,  5,  6,  Herms- 
dorf 1,  5,  6,  Hochwald  1,  3,  5,  8,  Großmergthal  2,  3,  Jonsberg  3, 
Schanzendorf  1,  2,  Lodenberg,  Waltersdorf  2,  Hockenau  Löw. 
(Geol.  Landesmus.),  Grunauer  Spitzberg  Löw.; 


Paläontologisclier  Teil 


173 


Oberturon  y : Kreibitz  3,  4,  6,  8,  11,  12,  14,  Böhm.  Leipa  1,  Bokwen,  Groß- 

rackwitz Löw.  1 (Geol.  Landesmus.) ; 

Emscher:  E.-St.  Tannendorf  1,  2,  3,  Kreibitz  1,  4,  6,  7,  9,  12,  17,  20,  23, 

24,  26,  27,  28,  Oberkreibitzer  Talsperre  1,  5,  8,  9,  Daubitz  1,  2, 
Falkenau  2,  4,  6,  Kunnersdorf  2,  Tollenstein,  E.-St.  Neuhütte 
4,  5,  6,  7,  8,  Jägerdörfel  1,  2,  Oberpreschkau,  Tannenberg  3, 
Morgenthau  1,  Böhm.  Kamnitz  6,  8,  12,  13,  14,  Markersdorf  2,  3, 
Hermsdorf  9,  Hillemühl  3,  Böhm.  Zwickau  5,  Kieslingswalde, 
Gehnsdorf  Löw.  2 (Geol.  Landesmus.),  Deutmannsdorf  Löw. 
(Geol.  Landesmus.),  Großhartmannsdorf  Löw.  (Geol.  Landes- 
mus.), Neuwarthau  Löw.  1,  2,  3 (Geol.  Landesmus.,  Realgymn. 
Löwenberg),  Hohlstein  Löw.  (Geol.  Landesmus.),  Hermsdorf 
Löw.  (Geol.  Landesmus.). 

Neithea  grypheata  ist  ferner  vom  nördlichen  Harzrande,  aus  der  Aachener 
und  französischen  Kreide  bekannt.  Sie  gehört  daselbst  denselben  Horizonten 
an  und  umfaßt  außerdem  noch  das  Untersenon. 

S p o n d y 1 i <)  a c Gray 
Plicatula  Lam. 

Plicatula  barroisi  Pebon 

1846  Plicatula  pectinoides  Reuss,  2,  S.  37,  Taf.  31,  Fig.  16,  17. 

1875  Plicatula  nodosa  Geinitz,  2,  S.  32,  Taf.  9,  Fig.  5. 

1887  Plicatula  barroisi  Peron,  (3),  12,  S.  167,  Taf.  2,  Fig.  5 — 7. 

1889  Plicatula  nodosa  Fmc,  S.  86,  Fig.  83. 

1904 — 13  Plicatula • barroisi  Woods,  1,  S.  141,  Taf.  26,  Fig.  12 — 18. 

1912 — 13  Plicatula  barroisi  Scupin,  S.  236,  Taf.  12,  Fig.  20. 

Die  kleine  gerundete  Schale  ist  etwas  schief.  Die  vorliegenden  rechten 
Klappen  sind  stark  gewölbt,  konisch,  durch  die  An  wachsfläche  am  Wirbel 
abgestutzt. 

Die  Schale  ist  mit  zahlreichen  starken  und  gerundeten  Rippen  verziert, 
zwischen  denen  tiefe  Furchen  vorhanden  sind.  Gegen  den  Rand  hin  gabeln 
sich  manchmal  die  Rippen,  auch  schiebt  sich  hier  und  da  eine  neue  Rippe 
ein.  Meist  sind  ferner  ein  oder  mehrere  gut  markierte  Wachstumsringe 
vorhanden.  Die  im  Museum  zu  Dresden  vorhandenen  Exemplare  von  Zatzschke 
gleichen  am  besten  der  Abbildung  bei  Woods,  Fig.  12.  Nach  Woods  ist  die 
von  Reuss  als  Plicatula  pectinoides  Sow.  bezeichnetc  Art  nicht  die  von 
Sowerby  auf  geführte.  Peron  bezeichn  cte  diese  Form  deshalb  neu  als  Pli- 
cat uta  barroisi. 

Vorkommen: 

Oberturon  y:  Zatzschke  (Mus.  Dresden,  sechs  Stück),  LIinterjessen  (Seifert), 

Großrackwitz  Löw.  2 (Geol.  Landesmus.). 

Nach  Reuss,  Eric  und  Geinitz  findet  sich  die  Art  auch  im  Mittelturon 
von  Böhmen  und  Sachsen,  nach  Woods  im  englischen  Turon  und  Senon. 

Spondylus  Laxe 
Spandylus  spinosus  Sow.  sp. 

1814  Plagiostoma  spinosa  Soweriiy,  1,  S.  177,  Taf.  78,  Fig.  1—3. 

1846  Spondylus  spinosus  Reuss,  2,  S.  36. 

1875  Spondylus  spinosus  Geinitz,  2,  S.  31,  Taf.  9,  Fig.  1 — 3. 


174 


Abh.  preuß.  gieol.  L.-A.,  Neue  Folge,  Heft  159 


1889  Spondylus  spinosus  FriC,  S.  85,  Abb.  81. 

? z.  Teil  1904 — 13  Spondylus  spinosus  Woods,  1,  S.  127,  Taf.  23,  Fig.  6 — 11;  Taf.  24, 
Fig.  1-7. 

1909  Spondylus  spinosus  Wanderer,  S.  34,  Taf.  5,  Fig.  20. 

Von  dieser  das  obere  plänerige  Mittelturon  in  Sachsen,  Böhmen  und 
Schlesien  charakterisierenden  Muschel  konnten  im  eigentlichen  Arbeitsgebiet 
nur  einige  Bruchstücke  gesammelt  werden.  In  Sandsteinschichten  scheint  die 
Art  nicht  vorzukommen.  Die  gut  kenntliche  Art  ist  schon  wiederholt  ein- 
gehend geschildert  worden,  so  daß  an  dieser  Stelle  darauf  verzichtet 
werden  kann. 

Woods  faßt  unter  dieser  Art  alle  einander  ähnlichen  Spondylusformen 
des  Turons  und  Senons  zusammen  mit  dem  Hinweis,  daß  zu  einer  genauen 
Feststellung  der  Zonencharaktere  ein  viel  größeres  Material  nötig  sei  als  ihm 
zur  Verfügung  stehe  und  seine  Zusammenstellung  deshalb  nur  eine  vor- 
läufige sein  könne. 

Vorkommen: 

Mittelturon:  Strehlen  (Mus.  Dresden),  Drum  1,  2,  3,  Soviceberg  3,  Kystra, 

Hundorf,  Teplitz  1,  3 (beide  Mus.  Aussig),  Leitmeritz  9 (Mus. 
Aussig),  Bilin  2 (Mus.  Aussig),  Laun  2 (Mus.  Aussig),  Lobo- 
sitz  1,  2 (beide  Mus.  Aussig),  Chorus  c’hitz,  Löwenberg  1,  2,  3 
(alle  drei  Geol.  Landesmus.),  Plagwitz  Löw.  1 häufig,  4 (beide 
Geol.  Landesmus.). 

Außerdem  im  Museum  zu  Prag  aus  dem  böhmischen  Mittelturon  von  Maria- 
schein bei  Teplitz,  Podrhazmühle  bei  Laun,  Lobositz  2,  Drinover  Berg  SW 
von  Melnik,  Pferover  Berg  und  Sadskä  SO  von  Lysa. 

Spondylus  latus  Sow.  sp. 

Taf.  9,  P'ig.  17  a u.  b 

1815  Dianchora  lala  Sowerby,  1,  S.  184,  Taf.  80,  Fig.  2. 

1822  Dianchora  lata  Mantell,  S.  205,  Taf.  26,  Fig.  21. 

1846  Spondylus  lineatus  Reuss,  2,  S.  36,  Taf.  40,  Fig.  7,  8,  9. 

1904 — 13  Spondylus  lalus  Woods,  1,  S.  121,  Taf.  22,  Fig.  8,  9. 

Das  von  Barzdorf  vorliegende  Exemplar  gleicht  den  von  Reuss  und 
Woods  gegebenen  Abbildungen  am  besten.  Die  Muschel  ist  kreisförmig  oder 
mehr  oder  weniger  schief  gerundet,  gegen  den  Wirbel  zugespitzt.  Die  Ober- 
fläche ist  mit  zahlreichen  radialen  schwach  gewundenen  Rippen  bedeckt. 
Je  zwei  Rippen  sind  durch  eine  tiefere  Furche  getrennt.  Über  die  Rippen 
hinweg  laufen  eine  oder  mehrere  undeutliche  wellenförmige  konzentrische 
Runzeln.  Die  Schale  scheint,  nach  dem  Steinkern  zu  urteilen,  am  Unterrande 
innen  gekerbt  zu  sein.  Die  Ohren  sind  an  unserem  Exemplar  nicht  wahr- 
zunehmen. 

Vorkommen: 

Mittelturon:  Rohatetz  5,  Leitmeritz  9 (Mus.  Aussig),  Jicln  36,  Podebrad  1; 

Oberturon  y:  Barzdorf. 

Nach  Reuss  im  Mittelturon  von  Bilin  in  Böhmen.  Außerdem  im  Turon 
und  Senon  von  England.  Nach  dem  Literaturverzeichnis  bei  Woods  in  der 
Oberen  Kreide  weit  verbreitet.  Auf  die  Variabilität  der  Art  kann  ich  mit 
Hilfe  meiner  wenigen  Exemplare  nicht  eingehen. 


Paläontologischer  Teil 


175 


Spondylus  lameUatus  Nuss.  sp. 

Abb.  19 

1827  Podopsis  lamellata  Nilsson,  S.  27. 

1885  Spondylus  lameUatus  Lundgren,  S.  11,  Taf.  2,  Fig.  21 — 23. 

1885  Spondylus  squamiferus  Lundgren,  S.  10,  Taf.  2,  Fig.  25 — 27. 

1898  Spondylus  lameUatus  G.  Müller,  S.  21,  Taf.  4,  Fig.  3. 

Ein  leidlich  erhaltener  Steinkern  mit  Hohlabdruck  einer  oberen  Schale 
zeigt  folgendes:  Die  Schale  ist  schief  gerundet,  etwas  eckig,  am  Wirbel  bilden 
Vorder-  und  Hinterrand  ungefähr  einen  rechten  Winkel.  Der  Wirbel  tritt 


Abb.  19.  Spondylus  lameUatus  Nilsg.  sp.,  Steinkern. 
Oberflächenzeichnung  unter  Benützung  des  Hohldruckes. 
Oberturon  o.  ß,  Waltersdorf  2.  Orig.  G-eol.  Landesmus.  (A  Nfo.  126). 


nur  wenig  hervor.  Die  Oberfläche  der  Schale  ist  mit  zahlreichen  radialen, 
mehr  oder  weniger  schwach  gewundenen  Rippen  verziert.  An  verschiedenen 
Stellen  kann  man  die  Eindrücke  der  auf  den  Rippen  aufsitzenden  Stacheln 
beobachten.  Ferner  sind  auf  der  Schale  unregelmäßige  konzentrische  Runzeln 
bzw.  Eindrücke  vorhanden.  Das  von  mir  abgebildete  Exemplar  stimmt  sehr 
gut  mit  der  Abbildung  Taf.  2,  Fig.  27  bei  Lundgren  überein. 
Vorkommen: 

Oberturon  aß:  Hohnstein  1 (Mus.  Dresden),  Waltersdorf  2. 

Außerdem  im  Untersenon  von  Braunschweig  und  im  schwedischen  Senon. 


1841 

1849—50 

1849—50 

1866 

1875 

1877 

1877 

1887 

1888 
1889 
1897 
1901 
1901 
1905 


A n o m i i d a c Gray 
Anomia  LlN. 

Anomia  lamellosa  A.  Roemer 

Taf.  9,  Fig.  18,  19,  20  a,  b,  21 

Anomia  lamellosa  A.  Roemer,  S.  49,  Taf.  8,  Fig.  3. 

Thetis  undulata  Geinitz,  S.  154,  Taf.  10,  Fig.  3,  4. 

Anomia  semiglobosa  Geinitz,  S.  206,  Taf.  11,  Fig.  6,  7. 

Anomia  semiglobosa  Zittel,  2,  S.  51,  Taf.  19,  Fig.  9. 

Anomia  lamellosa  Brauns,  S.  392. 

Anomia  immitans  Fric,  S.  142,  Abb.  140. 

Anomia  semiglobosa  FriC,  S.  142,  Abb.  141. 

Anomia  eivaldi  Frech,  S.  154,  Taf.  11,  Fig.  4;  Taf.  12,  Fig.  20 — 23  b. 
Anomia  semiglobosa  G.  Müller,  S.  403. 

Anomia  lamellosa  Griepenkerl,  S.  37. 

Anomia  semiglobosa  Fric,  S.  68. 

Anomia  semiglobosa  Sturm,  S.  94,  Taf.  11,  Fig.  2. 

Anomia  undulata  Sturm,  S.  94,  Taf.  11,  Fig.  3. 

Anomia  lamellosa  Wegner,  S.  175. 


176 


Abh.  preuß.  gieol.  L.-A.,  N eue  Folge,  Heft  159 


Anomia  lamellosa  ist,  wie  bereits  Brauns  und  Wegner  erwähnen,  eine 
außerordentlich  veränderliche  Form.  Kaum  ein  Stück  gleicht  vollständig  dem 
anderen.  Anscheinend  sind  nur  Oberschalen  vorhanden,  so  daß  sich  die  von 
Frech  für  Anomia  ewaldi  ausgesprochene  Vermutung,  die  Unterschale  habe 
aus  einem  Material  bestanden,  das  sich  nicht  fossil  erhalten  hat,  zu  bestätigen 
scheint.  Im  Umriß  sind  die  Schalen  kreisrund,  schiefrund,  am  häufigsten 
längsoval,  seltener  hochoval  oder  auch  unregelmäßig  gestaltet  mit  teilweise 
geraden  bis  konkaven  Seitenrändern.  Da  die  Muschel  mit  einem  Byssus  an 
andere  Körper  angeheftet  war,  hat  die  Form  dieser  Gegenstände  Gestalt 
und  Wachstum  der  Schale  stark  beeinflußt.  Exemplare,  die  sich  am  freiesten 
entwickeln  konnten,  sind  gleichmäßig  mittel  bis  fast  kugelig  gewölbt  (Taf.  9, 
Fig.  19),  die  Mehrzahl  besitzt  jedoch  eine  unregelmäßige  Wölbung.  Bei 
letzteren  findet  man  häufig  eine  vom  Wirbel  über  die  Schalenmitte  sich  ver- 
breiternde Wulst,  die  beiderseits  von  einer  mehr  oder  weniger  deutlichen 
schmäleren  oder  breiteren  Furche  begrenzt  wird,  hinter  der  die  Schale  bis 
zum  Seitenrande  abgeflacht  ist  (Taf.  9,  Fig.  21).  Ein  derartiges  Wachstum 
der  Schale  ist  ein-  oder  doppelseitig,  am  regelmäßigsten  bei  querovalen 
Stücken.  An  einigen  Exemplaren  ist  die  breite  mittlere  Wulst  in  ein  paar 
stumpfe  parallele  Längsrippen  aufgelöst.  Auch  Stücke  mit  schräg  verlaufenden 
gewellten  Rippen,  ähnlich  der  Thetis  andulata  Geinitz,  sind  vorhanden.  Die 
nur  auf  zwei  Stücke  von  Kieslingswalde  begründete  Art  läßt  sich  von  unseren 
Formen  nicht  trennen  und  ist  mit  ihnen  zu  vereinigen.  Ein  Stück  zeigt  auch 
einige  seitlich  des  Wirbels  ziemlich  parallel  zum  Schloßrande  laufende 
Rippen,  wie  dies  von  Frech  in  Fig.  29  auf  Taf.  12  dargestellt  ist.  Einige 
Stücke  sind  fast  flach  und  besitzen  nur  in  der  Umgebung  des  Wirbels  eine 
kleinere  oder  größere  unregelmäßige  Erhebung.  Ihre  allgemeine  Ausbildung 
gleicht  jedoch  so  sehr  den  höher  gewölbten  Formen,  daß  ich  sic  nicht  als 
flache  Unterschalen  gegenüber  den  gewölbteren  Oberschalen  anzusprechen 
vermag,  wie  dies  z.  B.  von  Fiiecii  mit  seinem  auf  Taf.  12,  Fig.  23  dar- 
gestellten Stücke  geschieht.  Zuweilen  verläuft  auch  vom  Wirbel  über  die 
Schalenmitte  eine  seichte  Mulde,  zu  deren  beiden  Seiten  sich  die  Schale 
erhebt.  Häufig  sind  auch  die  Schalen,  besonders  qucrverlängerte,  wie  ein 
welkes  Blatt  zusammengerollt  und  erscheinen  dadurch  außerordentlich  stark 
gewölbt.  Der  kleine  Wirbel  ist  nach  einwärts  niedergedrückt. 

Die  Verzierung  der  mäßig  dicken  Schale  besteht  aus  zahlreichen  mehr 
oder  weniger  deutlichen  feinen  lamcllenarligen  Anwachsstreifen,  die  bei  glatten 
Formen  in  geraden  Bogenlinien  verlaufen,  bei  runzeligen  jedoch  vollständig 
den  Unebenheiten  folgen  und  dann  unregelmäßige  Wellenlinien  bilden.  Meist 
ist  die  matte  Schalenaußcnseite  abgebiättert  und  nur  glatte,  silber-  oder 
rötlichweiß  perlmutterartig  glänzende  Schalenreste  haften,  oft  nur  noch  als 
dünne  Haut,  am  Steinkern.  Die  Steinkerne  sind  ebenfalls  glatt  und  zeigen 
höchstens  die  etwa  vorhandenen  groben  Runzeln.  Auf  den  abgeblätterten 
Schalenresten  sind  zuweilen  feine  radiale  Linien  sichtbar,  die  wohl  nur  in 
der  Schalenstruktur  begründet  sind  (vgl.  Frech  1887,  Taf.  12,  Fig.  23  a u.  b). 

Auf  dem  Wirbelrücken  ist  meist  ein  runder  Fleck  vorhanden,  wo  die 
Schale  gänzlich  fehlt  oder  mehr  abgeblättert  ist  als  an  den  anderen  Teilen. 
Hierdurch  ist  wohl  die  Austrittsstelle  des  Byssus  in  der  Unterschale  an 
der  gegenüberliegenden  Stelle  der  Oberschale  angedeutet.  An  den 
vorliegenden  gewölbten  Schalen  kann  die  Öffnung  für  den  Austritt  des 


Pa Iä ontologischer  Teil 


177 


Byssus  kaum  vorhanden  gewesen  sein,  da  bei  mehreren  Stücken  an  dieser 
Stelle  die  Schale  wohl  bedeutend  dünner  als  anderswo  ist,  aber  nicht  voll- 
ständig fehlt.  Auch  würde  sicher,  wenn  tatsächlich  daselbst  eine  Öffnung 
vorhanden  gewesen  wäre,  und  sei  es  auch  nur  im  Jugendalter,  wenigstens  an 
einigen  Schalen  die  Ausbildung  eines  festen  Randes  wahrzunehmen  sein. 
Daß  die  Unterschale  überhaupt  nicht  fossil  erhalten  ist,  wie  bereits  einleitend 
erwähnt,  ist  ferner  noch  daraus  zu  schließen,  daß  zu  den  zahlreichen  quer- 
verlängerten gewölbten  Schalen  kaum  eine  entsprechende  flache  vorhanden 
ist.  Die  flachen  Schalen  sind  entweder  kreisrund  oder  höher  als  lang;  nur 
einige  überaus  große,  hierher  ebenfalls  nicht  passende  Stücke  sind  etwas 
länger  als  hoch;  sie  sind  deshalb  ausnahmslos  zu  Anomia  subtruncata  gestellt 
worden.  Ich  kann  darum  Wegner,  der  die  gewölbte  Schale  als  angeheftete 
Unterschale  bezeichnet,  nicht  beipflichten. 


M aße : 

1 

2 

3 

4 

5 

6 

7 

8 

Li  n ge: 

40  rnm 

34  mm 

32  mm 

30  mm 

30  mm 

28  mm 

28  mm 

28  mm 

Höhe: 

30  „ 

20  „ 

34  „ 

28  „ 

23  „ 

25  „ 

21  „ 

20  „ 

Maße: 

9 

10 

11 

12 

13 

14 

15 

16 

Länge: 

28  rnm 

25  mm 

25  mm 

25  mm 

24  mm 

24  mm 

24  mm 

23  mm 

Höhe: 

19  „ 

20  „ 

18  „ 

16  „ 

24  „ 

22  „ 

21  „ 

22 

Maße: 

17 

18 

19 

20 

21 

22 

23 

24 

Länge: 

23  mm 

22  mm 

22  mm 

22  mm 

21  mm 

21  mm 

21  mm 

21  mm 

Höhe: 

17  „ 

22  „ 

13  „ 

18  „ 

21  „ 

19  „ 

00 

14  „ 

Maße: 

25 

26 

27 

28 

29 

30 

31 

32 

Länge: 

20  rnm 

20  mm 

19  mm 

18  mm 

18  mm 

17  mm 

17  mm 

15  mm 

Höhe: 

20  „ 

17  „ 

15  „ 

21  * 

19  „ 

19  M 

17  „ 

14 

Maße: 

33 

34 

35 

36 

37 

38 

Länge: 

15  mm 

14  mm 

13  mm 

12  mm 

9 mm 

7 mm 

Höhe: 

12  „ 

8 „ 

13  „ 

12  „ 

7 „ 

6 „ 

Fundort  : E E.-St.  Tannendorf  1. 

Einige  von  mir  am  Salzberge  bei  Quedlinburg  gesammelte  Stücke,  die 
Brauns  als  Anomia  lamellosa  bezeichnet,  stimmen  mit  den  unserigen  überein. 
Die  Originale  zu  Anomia  semiglobosa  und  (Thetis)  undulata  bei  Geinitz 
und  Sturm  von  Kieslingswalde  konnten  im  Museum  zu  Dresden  besichtigt 
werden.  Diese  sowie  von  mir  selbst  bei  Kieslingswalde  gesammelte  Stücke 
sind  ebenfalls  von  den  böhmischen  nicht  zu  trennen.  Anomia  ewaldi  Frech 
gleicht  nach  den  Abbildungen,  wie  bereits  wiederholt  erwähnt  wurde,  unseren 
Formen.  Auch  der  Text  bietet  nichts  unserer  Art  Entgegenstehendes.  Über 
den  Ligamentträger  und  die  Muskeleindrücke,  worauf  Frech  ganz  besonders 
eingeht,  läßt  sich  leider  an  unserem  Material  keine  Nachprüfung  vornehmen. 
Nach  Sturm  soll  Anomia  ewaldi  einen  spitzeren  Wirbel  haben;  jedoch 
gleicht  bei  Frech,  Taf.  11,  Fig.  4 und  Taf.  12?  Fig.  20  die  Form  des  Wirbels 
der  der  Mehrzahl  unserer  Stücke,  von  denen  sich  die  anderen  Ab- 
bildungen nicht  trennen  lassen.  Die  Anwachsstreifen,  für  die  Sturm  eben- 
falls einen  Unterschied  herausfindet,  gleichen  vollständig  denen  an  unseren 
Exemplaren. 


Ändert  12 


178 


Abh.  preuß.  gieol.  L.-A.,  Neue  Folge,  Heft  159 


Auch  von  Holzapfel  1889,  2,  S.  245,  Taf.  29,  Fig.  12  wird  ein  als  Anomia 
ewaldi  bezeichnetes  Stück  abgebildet,  das  hierher  gehören  könnte. 

Wegner  stellt  ferner  Anomia  incarvata  Holzapfel  1889,  2,  S.  245,  Taf.  26, 
Fig.  23—25  zu  unserer  Art.  Nach  Holzapfel’s  Beschreibung  soll  diese  Form 
jedoch  sehr  dünn  und  fast  kreisrund  sein,  während  unsere  Schalen  kräftig 
und  nur  selten  annähernd  kreisrund  sind.  Die  Abbildungen  bei  Holzapfel 
lassen  aber  die  Kreisform  auch  vermissen. 

G.  Müller  erwähnt  unsere  Art  von  der  Schanzenburg  bei  Heudeber. 
Wahrscheinlich  gehören  die  von  ihm  weiter  als  Anomia  sp.  aufgeführten 
Stücke  auch  hierher. 

Zur  Bearbeitung  lagen  gegen  100  Exemplare  vor. 

Vorkommen: 

Unterturon : Jicin  2,  6 (beide  Soukup)  ; 

Mittelturon:  Klemensdorf  2,  Petersdorf  3,  Brenn  4,  Jungbunzlau  1,  4,  5, 

6,  Wobrok  1,  Sackschen  1,  4,  Chorousek  4,  Mseno  1,  Bakov  1, 
Jicin  30,  34,  50  (alle  drei  Soukup),  28,  29,  36,  Turnau  1,  5,  10, 
12,  13,  Hermsdorf  Löw.  2,  Kynberg  Löw.,  Heuscheuer  3; 
Oberturon  aß:  Hinterhermsdorf  1,  Rollberg  2,  Grunauer  Spitzberg  Löw.; 
Oberturon  Y • Zatzschke,  Kreibitz  3,  6,  12; 

Emscher:  E.-St.  Tannendorf  1,  Kreibitz  3,  4,  6,  9,  12,  23,  24,  26,  Böhm. 

Zwickau  5,  Tollenstein,  Jägerdörfel  1,  Falkenau  6,  E.-St.  Neu- 
hütte 7,  Markersdorf  3,  Chlomek  (Mus.  Prag),  Jicin  3,  4 (beide 
Soukup),  Kieslingswalde  (selbst  gesammelt,  Mus.  Dresden  u. 
Prag),  Deutmannsdorf  Löw.  (Geol.  Landesmus.),  Gehnsdorf 
Löw.  2 (Geol.  Landesmus.),  Salzberg; 

Untersenon:  Aachen. 


Anomia  subtruncata  d’Orb. 

Taf.  10,  Fig.  1,  2,  3 

1842  Anomia  truncata  Geinitz,  3,  S.  87,  Taf.  19,  Fig.  4,  5. 

1846  Anomia  truncata  Reuss,  2,  S.  45,  Taf.  31,  Fig.  12 — 14. 

1850  Anomia  subtruncata  d’Orbigny,  2,  S.  171. 

1875  Anomia  subtruncata  Geinitz,  2,  S.  30,  Taf.  8,  Fig.  22,  23. 

1877  Anomia  subtruncata  FriC,  S.  141,  Abh.  139. 

1883  Anomia  subtruncata  Fric,  S.  122. 

1888  Anomia  subtruncata  G.  Müller,  S.  403. 

? 1889  Anomia  sp.  Holzapfel,  2,  S.  245. 

1893  Anomia  subtruncata  FniC,  S.  102. 

1897  Anomia  subtruncata  FriC,  S.  68. 

1912 — 13  Anomia  subtruncata  Scupin,  S.  239. 

Das  vorliegende  Material  ist  infolge  der  nur  teilweisen  Erhaltung  der 
Schale  und  der  Mannigfaltigkeit  der  Einzelstücke  nicht  geeignet,  ein  klares 
Bild  von  der  Abgrenzung  der  Art  zu  geben.  Im  allgemeinen  läßt  sich  fol- 
gendes feststellen : 

Die  flache  oder  flach  gewölbte  dünne  perlmutterartig  glänzende  Schale 
ist  kreisrund,  schiefoval  oder  vierseitig  gerundet  mit  mehr  oder  weniger 
gerade  abgeschnittenem  Schloßrande.  Länge  und  Höhe  sind  ungefähr  gleich; 


Paläontologischer  Teil 


179 


zuweilen  wird  die  Länge  von  der  Höhe  etwas  übertroffen.  Der  Wirbel  liegt 
etwas  unterhalb  des  Oberrandes  und  tritt  nur  wenig  hervor.  Hart  am  Wirbel, 
zum  Teil  diesen  mit  einschließend,  liegt  die  kreisförmige  Öffnung  für  den 
Byssusaustritt. 

Die  Verzierung  der  Schale  besteht  aus  feinen  konzentrischen  Linien,  die 
an  den  kleineren  Exemplaren  kaum  sichtbar  sind.  Zwei  kleine  Stücke  zeigen 
neben  deutlicher  konzentrischer  Verzierung  auch  radiale  Rippen  (Abdruck 
des  Gegenstandes,  an  dem  die  Schale  angeheftet  war?)  (Taf.  10,  Fig.  3).  Der 
Durchmesser  der  Schale  liegt  ungefähr  zwischen  3 und  13  mm.  Nur  wenige 
Stücke  sind  größer.  So  messen  von  der  E.-St.  Tannendorf  zwei  Stück  je 
21  mm  und  ein  Stück  28  mm  in  Länge  und  Höhe,  sowie  ein  Stück  aus  dem 
Steinbruche  an  der  Juliushöhe  34  mm  in  Länge  und  31  mm  in  Höhe. 

Ein  Stück  von  35  mm  Höhe  und  31  mm  Länge  von  der  E.-St.  Tannendorf, 
dem  auch  zwei  bei  Kieslingswalde  gesammelte  entsprechen,  ist  etwas  kräftiger 
gewölbt,  hat  aber  die  Wirbellage  so  wie  unsere  Art;  während  bei  Anomia 
lamellosa  die  Wirbelspitze  den  Schloßrand  etwas  überragt. 

Die  Oberschalen  sind  nicht  mit  Sicherheit  festzustellen.  Vielleicht  ge- 
hör!; hierzu  eine  Anzahl  fast  gleichmäßig  gewölbter  dünner  perlmutter- 
glänzender  Schalen,  deren  Oberfläche  meist  glatt  erscheint,  aber  wohl  auch 
sehr  zart  konzentrisch  liniiert  ist.  Trotzdem  gegen  100  Stück  vorliegen,  sind 
diese,  wie  bereits  erwähnt,  zur  Umgrenzung  der  Art  nicht  genügend.  Deshalb 
sind  auch  die  Literaturnachweise  nur  soweit  herangezogen  worden,  als  die 
typischen  flachen  Formen  darin  behandelt  sind. 

Vorkommen: 

Unterturon:  Schmilka; 

Mittelturon:  Bonnewitz  (Mus.  Dresden),  Schandau  2,  Lohmen,  Pirna,  Lin- 

denau  3,  Großhirndorf,  Deutsch  Gabel,  Leiden,  Kickeisberg  2, 
Hohlen  2,  Brenn  5,  Schwarzwald  3,  Sabert  1,  Jungbunzlau  2,  6, 
Wobrok  1,  2,  Kanina  2,  Vsetat  1,  Jicin  42  (Soukup),  28,  29, 
36,  37,  Turnau  1,  Langenau  Löw.  2 (Geol.  Landesmus.,  selbst 
gesammelt) ; 

Oberturon  aß:  Lückendorf  1,  2,  5,  Schanzendorf  1,  Oberlichtenwalde  3, 

Grunauer  Spitzberg  Löw. ; 

Oberturon  y:  Zatzschke  (Mus.  Dresden),  Böhm.  Kamnitz  2,  Kreibitz  3,  6,  7, 

Waldeck,  Kriesdorf; 

Emscher:  E.-St.  Tannendorf  1,  Kreibitz  1,  4,  6,  7,  23,  24,  26,  Daubitz  3, 

Oberkreibitzer  Talsperre  8,  9,  Falkenau  2,  Priesen  (Landwirtsch. 
Akademie  Tetschen  Liebwerd),  Deutmannsdorf  Löw.  (Geol. 
Landesmus.),  Gehnsdorf  Löw.  2 (Geol.  Landesmus.),  Kies- 
lingswalde; 

Untersenon:  Wenig  Rackwitz  Löw.  1 (Geol.  Landesmus.,  Realgymn.  Löwen- 

berg). 

Von  Geinitz,  Reuss  und  Fiue  wird  unsere  Art  fast  aus  der  gesamten 
oberen  böhmischen  Kreide  aufgeführt.  Ferner  findet  sie  sich  am  nördlichen 
Harzrande,  in  der  westfälischen  und  Aachener  Kreide  vom  Turon  bis  ins 
Untersenon. 


12* 


180 


Atoll,  preuß.  gjeol.  L.-A.,  Neue  Folge,  Heft  159 


Anontia  pseudoradiata  i>’0kii. 

1904 — 13  Anomia  pseudoradiata  Woods,  1,  S.  27,  Taf.  5,  Fig.  1 — 3. 

In  der  Sammlung  des  Herrn  Soukup  fand  ich  einige  Exemplare  aus  der 
Kreide  von  Jidn,  die  vorstehender  Art  gut  gleichen.  Sie  sind  mit  zahlreichen 
schwach  welligen  Radiallinien  bedeckt,  die  mehr  oder  weniger  von  gröberen 
konzentrischen  Runzeln  gekreuzt  werden. 

Vorkommen: 

Unterturon:  Jidn  6 (Soukup); 

Mittelturon:  Jidn  8,  36,  42  (alle  drei  Soukup). 

Die  englischen  Exemplare  gehören  der  unteren  Kreide  an. 

Ostrcidac  Lam. 

Ostrea  LlN. 

Ostrea  vesicularis  Lam. 

Taf.  10,  Fig.  4,  5,  6;  Abb,  20 

1806  Ostrea  vesicularis  Lamauck,  8,  S.  160;  1809,  14,  S.  375,  Taf.  22,  Fig.  3. 

1823  Gryphaea  gtobosa  Sowerby,  4,  S.  127,  Taf.  392. 

1827  Ostrea  vesicularis  Nilsson,  S.  29,  Taf.  7,  Fig.  3 — 5;  Taf.  8,  Fig.  5,  6. 

1827  Ostrea  hippopodium  Nilsson,  S.  30,  Taf.  7,  Fig.  1. 

1827  Ostrea  clavata  Nilsson,  S.  30,  Taf.  7,  Fig.  2. 

1834 — 40  Ostrea  vesicularis  Goldfuss,  2,  S.  23,  Taf.  81,  Fig.  2. 

1834 — 40  Ostrea  hippopodium  Goldfuss,  2,  S.  23,  Taf.  81,  Fig.  1. 

1844  Ostrea  hippopodium  d’Orbigny,  3,  S.  731,  Taf.  481,  Fig.  4 — 6;  Taf.  482. 
1844  Ostrea  vesicularis  d’Orbigny,  3,  S.  742,  Taf.  487. 

1846  Gryphaea  vesicularis  Geinitz,  S.  483,  Taf.  20,  Fig.  17,  18. 

1846  Ostrea  vesicularis  Reuss,  2,  S.  37,  Taf.  29,  Fig.  21,  22;  Taf.  30, 

Fig.  1—8. 

1846  Ostrea  hippopodium  Reuss,  2,  S.  39,  Taf.  28,  Fig.  10 — 15,  17,  18; 

Taf.  29,  Fig.  1—18;  Taf.  30,  Fig.  13,  14. 

1847  Ostrea  vesicularis  J.  Müller,  1,  S.  37. 

1847  Ostrea  hippopodium  J.  Müller.  1,  S.  39. 

1871  Gryphaea  vesicularis  Stoliczka,  3,  S.  465,  Taf.  42,  Fig.  2 — 4;  Taf.  43, 

Fig.  1;  Taf.  45,  Fig.  7—12. 

1372  Ostrea  hippopodium  Geinitz,  1,  S.  177,  Taf.  39,  Fig.  12 — 27;  Taf.  40, 
Fig.  1—3. 

1875  Ostrea  hippopodium  Geinitz,  2,  Taf.  3,  Fig.  5 — 7. 

1875  Ostrea  hippopodium  Brauns,  S.  394. 

1877  Ostrea  hippopodium  FriC,  S.  140,  Abb.  137. 

1803  Ostrea  hippopodium  Fric,  S.  122,  Abb.  98. 

1888  Ostrea  hippopodium  G.  Müller,  S.  401. 

1889  Ostrea  hippopodium  Fric,  S.  37. 

1889  Ostrea  hippopodium  Holzapfel,  2,  S.  252,  Taf.  29,  Fig.  3—7. 

1889  Gryphaea  vesicularis  Holzapfel,  2,  S.  253,  Taf.  29,  Fig.  1,  2. 

1893  Ostrea  hippopodium  Fric,  S.  102. 

1897  Ostrea  hippopodium  Fric,  S.  68. 

1897  Ostrea  hippopodium  Leonhard,  S.  51. 

1897  Ostrea  hippopodium  Hennig,  S.  6,  Taf.  1,  Fig.  1 — 6,  8,  9. 

1897  Ostrea  vesicularis  IIennig,  S.  18. 


Paläontologischer  Teil 


181 


1898  i Grpphaea  vesicularis  G.  Müller,  S.  14,  Taf.  3,  Fig.  10 — 15;  Taf.  4, 

Fig.  1,  2. 

1902  Gryphaea  vesicularis  Wollemann,  S.  52. 

1909  OsLrea  hippopodium  Wanderer,  S.  36,  Taf.  6,  Fig.  3. 

1911  OsLrea  hippopodium  FriC,  S.  48,  Abb.  217. 

1904 — 13  OsLrea  vesicularis  Woods,  2,  S.  360,  Taf.  55,  Fig.  4 — 9;  Abb.  143 — 182. 

1912 — 13  OsLrea  hippopodium  Scupin,  S.  239,  Taf.  13,  Fig.  4. 

Die  Form  der  Muschel  ist  je  nach  der  Größe  der  Anwachsfläche  der  linken 
Schale  und  der  Gestalt  des  angehefteten  Gegenstandes  außerordentlich  ver- 
änderlich. Der  eingehenden  Schilderung  von  Woods  hierüber  ist  kaum  etwas 
hinzuzufügen.  Das  vorliegende  Material  besteht  zum  größten  Teile  aus  Stein- 
kernen, an  denen  es  leider  nicht  möglich  ist,  unsere  Kenntnis  der  Art  besonders 
zu  erweitern,  die  sich  aber  in  den  gezeichneten  Formenkreis  gut  einreihen 
lassen. 

Die  linke  Klappe  ist  im  Umriß  gerundet,  nach  hinten  zuweilen  etwas 
flügelartig  ausgebreitet.  Ist  die  Anwachsfläche  nur  klein,  so  ist  die  Schale 
hoch  gewölbt  (Gryphaeaform  = OsLrea  vesicularis  Lam.)  (Taf.  10,  Fig.  4). 
Je  größer  sie  ist,  desto  mehr  verliert  die  Schale  an  Wölbung  und  Höhe  und 
bleibt,  wenn  sie  in  ihrem  ganzen  Umfange  festgewachsen  ist,  vollständig 
flach  (Ostreaform  = Ostrea  hippopodium  Nilss.).  Da  die  Muschel  gewöhnlich 


io 

Abb.  20.  Ostrea  vesicularis  Lam  , rechte  Klappe,  Stein  kern. 

Oberturon  a ß,  Waltersdorf  2.  Orig.  Geol.  Landesmus.  (A  Ko.  150). 

am  Wirbel  angeheftet  ist,  so  sind  die  gewölbten  Formen  dann  an  dieser  Stelle 
flach  oder  konkav  abgestutzt,  und  der  Steinkern  macht  den  Eindruck,  als  ob 
er  abgebrochen  und  unvollständig  sei  (Taf.  10,  Fig.  5).  Die  Schalenoberfläche 
ist  glatt  und  nur  mit  Anwachsstreifen  bedeckt;  Steinkerne  sind  vollständig  glatt. 

Die  rechte  Klappe  ist  im  allgemeinen  flach  oder  etwas  konkav  (Taf.  10, 
Fig.  6,  Abb.  20).  Der  Teil  von  ihr,  der  der  Anwachsfläche  der  linken  Klappe 
gegenüberliegt,  ist  ähnlich  wie  diese  geformt,  so  daß  sich  dadurch  auf  der 
rechten  Buckel  und  Wülste  herausgebildet  haben.  Die  Verzierung  der  rechten 
Klappe  besteht  aus  entfernt  stehenden  schnurartigen  Radialrippen,  die  aber 
an  unseren  Steinkernen  nicht  sichtbar  sind.  Nach  Reuss  finden  sie  sich  auch 
nur  selten  auf  den  flachen  böhmischen  Schalenexemplaren. 

Maße : 

Die  aus  dem  Arbeitsgebiet  vorliegenden  Stücke  sind  klein,  im  Durch- 
messer von  etwa  0,5—  3,0  cm. 

Durch  das  Studium  einer  Menge  guter  Stücke  ist  es  Woods  ge- 
lungen, vom  Originale  der  Ostrea  hippopodium  Nilss.  bis  zu  Ostrea  vesi- 
cularis Lam.  eine  ununterbrochene  Reihe  aufzustellen,  so  daß  die  Bezeichnung 
für  den  ganzen  Formenkreis  nunmehr  Ostrea  vesicularis  zu  lauten  hat.  Auch 


182  Abh.  preuß.  gieol.  L.-A.,  Neue  Folge,  Heft  159 

Geinitz  hat  bereits  auf  die  Verschmelzung  der  beiden  Arten  hingewiesen.  Viel- 
leicht ist  es  bei  dieser  die  untere  und  obere  Kreide  durchlaufenden  Art 
möglich,  für  gewisse  Altershorizonte  bestimmte  Formenkreise  festzustellen. 
Dabei  soll  die  Schwierigkeit  nicht  unterschätzt  werden,  die  bei  dem  Fehlen  von 
Schloßzähnen  und  einer  regelmäßigen  Schalenverzierung  vorhanden  ist. 

Wegen  weiterer  Literaturnachweise  sei  auf  die  umfangreiche  Aufzählung 
bei  Woods  hingewiesen.  Hier  wurden  vorwiegend  nur  die  der  mitteleuro- 
päischen Kreide  aufgenommen,  die  sich  auf  Fundstellen  beziehen,  von  denen 
Originalstücke  besichtigt  werden  konnten  oder  deren  sonstige  Darstellung 
die  Übereinstimmung  als  sicher  ergibt. 

Vorkommen: 

Cenoman:  Podlitz,  Langenau  Löw.; 

Unterturon:  Schöna,  Schmilka,  Kamaik,  Jicin  4,  6 (beide  Soukup); 

Mittelturon:  Schandau  2,  Hinterhermsdorf  1,  Lilienstein  2,  Arnsdorf  1,  2,  3, 

Windischkamnitz  1,  Pießnig  2,  Lindenau  3,  4,  5,  6 (Vor- 
tisch), Wellnitz  2,  3,  Antonienthal  2,  Großhirndorf,  Lämberg, 
Deutsch  Gabel,  Felden,  Kickeisberg  2,  Oberkriesdorf  3 (zahl- 
reich), 2,  Budine  1,  2,  Liebeschitz  2,  3,  Leitmeritz  2,  9 (Mus. 
Aussig),  Sterndorf  1,  3,  4,  5,  Skalken  1 (zahlreich),  3,  Aschen- 
dorf 1,  Brenn  1,  2,  3,  5,  Voitsdorf  1 (Bank),  2 (zahlreich),  Krassa 

1,  2,  Schwarzwald  2,  3 (zahlreich),  Liebenau  1,  Jungbunzlau 

2,  3,  4,  6,  Schwabitz  4,  5,  Wobrok  1,  2,  Kallwitz  1,  3,  4,  Neu- 
land 1,  Rollberg  1,  Bösig  1,  2,  4,  7,  Kleiner  Buchberg,  Hohlen  3, 
Hirschberg  1,  2,  Raschowitz,  Podhrazmühle  1,  Kystra,  Liboch 
(häufig),  Zimof,  Kokofin  1,  Sackschen  1,  2,  4,  Kochowitz  1, 
Soviceberg  10,  11,  Rohatetz  4,  6,  Hostin  3,  Chorousek  1,  4, 
Zivonin  2,  Bakov  1,  2,  Schneeberg,  Turnau  2,  3,  5,  6,  9,  11, 
12,  13,  14,  Jicin  7,  8,  10,  33,  41,  42,  43,  44,  47  a,  49  (alle  zehn 
Soukup),  19,  26,  29,  36,  37,  38,  39,  Podebrad  2,  Lysa  1,  3, 
Chotzen,  Löwenberg  1,  2 (Geol.  Landesmus.),  Hermsdorf  Löw. 
2,  5 (Geol.  Landesmus.),  Kesselsdorf  Löw.  (Geol.  Landesmus.), 
Kynberg  Löw.,  Grunauer  Spitzberg  Low.  1,  Ludwigsdorf  Löw. 
1,  2 (beide  Geol.  Landesmus.),  Langenau  Löw.  3,  4 (beide  Geol. 
Landesmus.),  Waltersdorf  er  Mühle  Löw.  (Geol.  Landesmus.), 
Heuscheuer  1,  2,  3; 

Oberturon  aß:  Daubitz  2,  7,  8,  9,  Niederkreibitz  1,  7,  8,  Jonsbach,  Hinter- 
hermsdorf 1,  Khaa  2,  7,  Philippenau,  Böhm.  Kamnitz  2, 
Zeichen  1,  Hohnstein  1 (Mus.  Dresden),  Hoffnung,  Lückendorf 
1,  2,  5,  6,  7,  Hermsdorf  1,  5,  6,  7,  Hochwald  4,  6,  7,  8,  Groß- 
mergthal  1,  2,  3,  Jonsberg  3,  Plissen  1,  2,  4,  Schanzendorf  2, 
Oberlichtenwalde  3,  Lodenberg,  Waltersdorf  2,  Grunauer  Spitz- 
berg Löw.; 

Oberturon  y:  Böhm.  Kamnitz  2,  Kreibitz  3,  4,  6,  7,  Jicin  1 (Soukup),  Groß- 

rackwitz Löw.  2 (Geol.  Landesmus.); 

Emscher:  E.-St.  Tannendorf  1,  Kreibitz  1,  6,  7,  9,  12,  20,  24,  26,  27, 

Daubitz  5,  Oberkreibitzer  Talsperre  9,  Tollenstein,  E.-St.  Neu- 


183 


Paläon  tologiseher  Teil 

hütte  3,  Böhm.  Kamnitz  3,  10  (Prinz),  Markersdorf  2 (Prinz), 

3 (selbst  gesammelt),  Hillemühl  2,  Oberlichtenwalde  2,  Peters- 
dorf, Hermsdorf  9,  Neuwarthau  Lövv.  1,  2 (Geol.  Landesmus.), 
Gehnsdorf  Löw.  1 (Geol.  Landesmus.),  Hermsdorf  Löw.  (Geol. 
Landesmus.) ; 

Untersenon:  Wenig  Rackwitz  Löw.  1 (Realgymn.  Löwenberg),  Sirgwitz  Löw., 

Niederbielau  Löw. 

Ostrea  vesicularis  ist  in  der  deutschen  und  böhmischen  Kreide  vom 
Cenoman  bis  ins  Senon  überall  verbreitet.  Material  konnte  von  vielen  Plätzen 
verglichen  werden. 

Ostrea  carvidorsata  Geinitz  1843,  Taf.  3,  Fig.  19  und  20,  von  Kieslings- 
walde ist  auch  nur  unsere  Art.  Das  ferner  in  Fig.  21  dargestellte  Stück  ist 
nicht  ganz  aus  dem  Gestein  herausgearbeitet  und  dürfte  zu  Exogyra  cornu 
arietis  Nilss.  gehören. 

Weiter  kennt  man  die  Art  aus  der  englischen,  französischen  und  schwe- 
dischen Kreide.  Nach  dem  Literaturverzeichnis  bei  Woods  findet  sie  sich 
auch  in  Holland,  Dänemark,  Galizien,  Rußland,  Syrien,  Persien,  Indien,  Ägypten, 
Tunis  und  in  Amerika.  Ihre  vertikale  Verbreitung  geht  nach  diesem  Autor 
von  der  unteren  Kreide  bis  ins  Obersenon. 

Ostrea  canaliculata  Sow.  sp. 

Taf.  10,  Fig.  7 n,  b,  8 a,  b 

1013  Chama  canaliculata  Sowerby,  1,  S.  60,  Taf.  26,  Fig.  1. 

1827  Ostrea  lateralis  Nilsson,  S.  29,  Taf.  7,  Fig.  7 — 10. 

1827  Ostrea  conica  Nilsson,  S.  28,  Taf.  8,  Fig.  4. 

1834 — 40  Ostrea  lateralis  Goldfuss,  2,  S.  24,  Taf.  82,  Fig.  1. 

1844  Ostrea  canaliculata  d’Orbigny,  3,  S.  709,  Taf.  471,  Fig.  4 — 8. 

1846  Exogyra  lateralis  Reuss,  2,  S.  42,  Taf.  27,  Fig.  38 — 47. 

1847  Exogyra  lateralis  J.  Müller,  1,  S.  40. 

1869  Ostrea  canaliculata  Coouand,  S.  128,  Taf.  45,  Fig.  13,  14;  Taf.  47, 

Fig.  7—10;  Taf.  52,  Fig.'  13;  Taf.  60,  Fig.  13—15. 

1869  Ostrea  lateralis  Coouand,  S.  96,  Taf.  18,  Fig.  12;  Taf.  30,  Fig.  10 — 14. 
1872  Ostrea  (Exogyra)  lateralis  Geinitz,  1,  S.  179,  Taf.  41,  Fig.  28 — 35. 

1875  Ostrea  ( Exogyra ) lateralis  Geinitz,  2,  Taf.  8,  Fig.  15 — 17. 

1877  Exogyra  lateralis  FriC,  S.  140,  Abb.  136.  • 

1883  Exogyra  lateralis  FriC,  S.  118. 

1888  Exogyra  canaliculata  G.  Müller,  S.  401. 

1889  Exogyra  lateralis  FriC,  S.  86. 

1889  Ostrea  (Exogyra)  lateralis  Griepenkerl.  S.  36. 

1889  Exogyra  lateralis  Holzapfel,  2,  S.  256. 

1893  Exogyra  lateralis  FriC,  S.  102. 

1897  Ostrea  lateralis  Hennig,  S.  23. 

1897  Exogyra  lateralis  FriC,  S.  68. 

1898  Exogyra  lateralis  G.  Müller,  S.  15,  Taf.  3,  Fig.  2. 

1911  Exogyra  lateralis  FriC,  S.  46,  Fig.  210. 

1904 — 13  Ostrea  canaliculata  Woods,  2,  S.  375,  Taf.  56,  Fig.  2 — 16. 

1912 — 13  Exogyra  lateralis  Scupin,  S.  244. 

Die  vorliegenden  Steinkerne  sind  durch  die  schmale,  wie  ein  Raubvogel- 
schnabel gekrümmte  und  seitlich  zusammengedrückte  obere  Partie  des  Schalen- 


184 


Abh.  preuß.  greol.  L.-A.,  Neue  Folge,  lieft  159 


rückens  der  linken  Klappe  leicht  kenntlich.  Sie  sind  meist  höher  als  lang 
und  sehr  ungleichklappig. 

Die  linke  Klappe  ist  stark  gewölbt  (Taf.  18,  Fig.  7a,  7b,  8a).  Die  größte 
Schalenwölbung  verläuft  vom  Wirbel  zunächst  in  einem  schmalen,  scharf 
hervortretenden  und  gerundeten  fast  kielartigen  Rücken  und  geht  von  der 
Schalenmitte  ab  in  die  sanftere  Wölbung  der  unteren  Schalenhälfte  über. 
Der  Vorderrand  bildet  einen  flacheren,  der  Unterrand  einen  engeren  ßogen; 
von  der  Schalenmitte  verläuft  zuweilen  schräg  nach  hinten  eine  Falte,  hinter 
der  sich  die  Schale  mehr  oder  weniger  zu  einem  flachen  Flügel  ausbreitet. 
Der  Wirbel  ist  meist  stark  nach  innen  eingerollt  und  seitwärts  nach  hinten 
gedieht.  Im  Umriß  und  in  der  Wölbung  zeigt  die  Muschel  große  Mannig- 
faltigkeit. Leider  ist  mein  Material  zur  eingehenden  Schilderung  des  Formen- 
kreises nicht  vollständig  genug. 

Die  Oberfläche  der  Schale  ist  mit  feinen,  zuweilen  auch  mit  einigen 
kräftigeren  Anwachsstreifen  bedeckt;  Schalenreste  zeigen  unregelmäßig  blättrig 
übercinanderliegende  Zonen.  Steinkerne  sind  glatt  oder  mit  einigen  ver- 
wischten konzentrischen  Falten  bedeckt.  Die  Mantellinie  zeichnet  sich  auf 
dem  Steinkerne  als  eine  scharfe  Furche  ab,  die  den  dünnen  Wirbelhals  um- 
spannt und  dann  wie  eine  Halskette  mehr  oder  weniger  schief  über  der 
Schalenmitte  liegt  (Taf.  10,  Fig.  7 a). 

Die  rechten  Klappen  sind  als  Steinkerne  nur  schwer  erkennbar  (Taf.  10, 
Fig.  8 b).  Sie  sind  flach  oder  verbogen,  der  Wirbel  ragt  nicht  hervor.  Die 
Oberfläche  ist  mit  entfernt  stehenden  konzentrischen  Furchen  bedeckt,  nach 
denen  die  Schale  lamellenartig  verziert  ist. 

Das  größte  Stück  besitzt  eine  Länge  von  20  mm  und  eine  Höhe  von 
25  mm;  mittlere  Stücke  sind  15—20  mm  hoch. 

Die  Muschel  liegt  in  etwa  60  mehr  oder  weniger  unvollständigen  Stein- 
kernen vor;  fast  alles  sind  linke  Klappen,  da,  wie  schon  erwähnt,  die  rechten 
Klappen  von  Steinkernen  ähnlicher  Ostreen  kaum  zu  unterscheiden  sind. 

In  der  Benennung  der  Art  folge  ich  Woods,  FIennig  und  anderen  Autoren, 
die  Ostrea  lateralis  Nilsson  mit  Ostrea  canaliculata  vereinigen.  Hennig  tritt 
für  die  Beibehaltung  der  Bezeichnung  lateralis  ein,  da  canaliculata  von  Sowerby 
für  zwei  verschiedene  Formen  angewandt  worden  sei.  Woods  hat  jedoch  bei 
Bearbeitung  der  englischen  Kreidebivalven  den  Namen  „ canaliculata ' fest- 
gehalten und  die  Form  auch  durch  entsprechende  Abbildungen  belegt,  so  daß 
der  ältere  Name  ohne  Bedenken  beibehalten  werden  kann. 

Neben  Woods  und  Hennig  gibt  besonders  Reuss  eine  ausführliche 
Schilderung  der  Art.  Nach  unserer  Auffassung  ist  jedoch  vorn  und  hinten 
bei  Reuss  umzukehren. 

Ostrea  canaliculata  ist  in  allen  Zonen  der  böhmischen  Kreide  vorhanden, 
wie  ich  im  Museum  zu  Prag  feststellen  konnte. 

Vorkommen: 

Cenoman:  Podlitz,  Dresden  (Mus.  Dresden); 

Unterturon:  Leutewitz  (Mus.  Dresden),  Jicin  3,  6 (beide  Soukup)  ; 

Mittelturon:  Dresden  1 (Mus.  Dresden),  Posteiwitz,  Windischkamnitz  2, 

Lindenau  3,  4,  Jonsdorf  Sa.  (M.  Donath),  Antonienthal  2, 


Paläontologischer  Teil 


185 


Kickeisberg  1,  Budine  4 (zahlreich),  Leitmeritz  10,  20  (Mus. 
Aussig),  Rohatetz  6,  Voitsdorf  2,  Sabert  1,  Jungbunzlau  4, 
Turnau  1,  13,  Jicin  1,  2,' 3,  4,  6,  8,  27,  31,  35,  42,  43,  44, '48,  50 
(alle  14  Soukup),  29,  36,  Lysa  2,  Schwabitz  1,  Teschen  1,  Bösig 
2,  7,  Bakov  1,  Koschtitz  (Mus.  Dresden),  Langenau  Löw.  1, 
Grunauer  Spitzberg  Löw.  3 (Geol.  Landesmus.),  Waltersdorfer 
Mühle  Löw.  (Geol.  Landesmus.),  Plagwitz  Löw.  1 (Geol.  Landes- 
mus.), Ludwigsdorf  Löw.  2 (Geol.  Landesmus.),  Löwenberg  2 
(Geol.  Landesmus.),  Hermsdorf  Löw.  1 (Geol.  Landesmus.), 
Kesselsdorf  Löw.  (Geol.  Landesmus.),  Heuscheuer  2,  3; 
Oberturonaß:  Zeichen  1 (Seifert),  Nicderkreibitz  1,  Daubitz  3,  9,  Herren- 
leite (Mus.  Dresden),  Lückendorf  2,  Jonsberg  2,  Hain  1,  Ober- 
lichten  walde  2,  Hochwald  4,  Plissen  5,  Wehlen  (Mus.  Dresden), 
Hinterhermsdorf  1 (Mus.  Dresden),  Waltersdorf  2,  Hohnstein 
1 (Mus.  Dresden), 

Oberturon  y:  Birkwitz  (Mus.  Dresden),  Kreibitz  3,  4,  12,  Priesen  (Mus. 

Dresden) ; 

Emscher:  E.-St.  Tannendorf  1,  3,  Kreibitz  6,  7,  12,  24,  E.-St,  Neuhütte  5, 

Böhm.  Kamnitz  14,  Hermsdorf  9,  Oberkreibitzer  Talsperre  8,  9, 
Kieslingswalde,  Neuwarthau  Löw.  1,  2 (Geol.  Landesmus.), 
Großhartmannsdorf  Löw.  (Geol.  Landesmus.),  Bergwarthau 
Löw.  (Geol.  Landesmus.),  Hohlstein  Löw.  (Geol.  Landesmus.). 

Im  Museum  zu  Dresden  fand  ich  auch  Stücke  aus  dem  Cenomanquader 
von  Gittersee,  Goppeln  und  Bannewitz,  aus  dem  Cenomanpläner  von  Plauen 
(sächsische  Kreide),  ferner  von  Buchleitner  bei  Söldenau  in  Bayern,  aus  dem 
Obersenon  von  Aachen,  aus  dem  Emscher  und  Untersenon  des  nördlichen 
Harzrandes  (Ilsenburg),  aus  dem  Turon  von  Nolle  in  Westfalen  und  aus 
dem  Cenoman  von  Essen.  Weiter  findet  sich  die  Art  in  der  französischen, 
schwedischen  und  englischen  Kreide.  In  England  geht  sie  hinab  bis  in  den 
Gault,  in  Frankreich  bis  in  das  Albien.  Ein  im  Museum  zu  Dresden  vor- 
handenes mangelhaftes  Stück  von  Köpinge  auf  Schonen  entspricht,  soweit 
ein  Vergleich  möglich  ist,  unseren  Exemplaren. 


Ostrea  incurva  Niens. 


Ta  f . 10,  Fig,  9 


1027 

1827 

1827 

1834—40 

1834—40 

1897 

1904—13 


Oslrea  incurva  Nilsson,  S.  30,  Taf.  7,  Fig.  6. 

Oslrea  curvirostris  Nilsson,  S.  30,  Taf.  G,  Fig.  5. 

Ostrea  acutiroslris  Nilsson,  S.  31,  Taf.  6,  Fig.  6. 

Oslrea  curvirostris  Goldfuss,  2,  S.  24,  Taf.  82,  Fig.  2. 

Oslrea  acutiroslris  Goldfuss,  2,  S.  25,  Taf.  82,  Fig.  3. 

Oslrea  incurva  IIennig,  S.  11,  Taf.  1,  Fig.  15,  17,  21 — 23,  25 — 28. 
Ostrea  incurva  Woods,  2,  S.  388,  Taf.  58,  Fig.  10 — 13;  Taf.  59. 


Einige  Steinkerne  stimmen  mit  der  von  Woods  für  Ostrea  incurva  ge- 
gebenen Darstellung  gut  überein.  Sie  sind  schwach  gewölbt,  höher  als  lang  und 
gerade  bis  schwach  rückwärts  gebogen.  In  der  Nähe  des  Wirbels  sind  sie 
am  schmälsten  und  verbreitern  sich  nach  unten  mehr  oder  weniger;  der 
Unterrand  ist  meist  schief  abgeschnitten.  Nach  Hohlabdrücken  ist  die  Ober- 


186 


Abh.  preuß.  gieol.  L.-A.,  Neue  Folge,  Heft  159 


fläche  glatt;  nur  selten  sind  einige  unregelmäßige  Anwachsstreifen  sichtbar. 
Steinkerne  sind  glatt.  Die  Stücke  erreichen  eine  Höhe  bis  34  mm. 

Vorkommen: 

Mittelturon:  Pießnig  2; 

Oberturon  aß:  Hochwald  8,  Waltersdorf  2; 

Emscher:  Kreibitz  10,  12. 

Nach  Woods  findet  sich  die  Art  vom  Cenoman  bis  ins  Obersenon. 

Ostrea  fallax  Scufik 

1891  Ostrea  conf.  longiroslris  Langenhan  & Grundey,  S.  11,  Taf.  4, 

Fig.  4—8. 

1897  Ostrea  longiroslris  Fric,  S.  68. 

1912 — 13  Ostrea  fallax  Scupin,  S.  240.  Taf.  13,  Fig.  5. 

Eine  Anzahl  Bruchstücke  bestätigen  das  Vorkommen  dieser  großen  Auster 
auch  in  unserem  Gebiete.  Die  größten  derselben  entsprechen  dem  von 
Langeniian  dargestellten  Exemplare,  so  daß  sich  die  Schilderung  an  dieses 
anlehnen  soll. 

Ostrea  fallax  ist  bedeutend  höher  als  breit,  zungenförmig,  mit  fast 
parallelen  Seiten,  leicht  S-förmig  geschwungen  bis  gerade,  am  Wirbel  in 
eine  stumpfe  Spitze  auslaufend,  am  Unterrand  abgestutzt.  Die  Schale  ist 
mäßig  gewölbt,  nach  vorn,  besonders  bei  größeren  Stücken,  steil,  nach  hinten 
allmählich  abfallend.  Die  höchste  Schalenwölbung  liegt  in  einer  zwischen 
Mitte  und  Vorderrand  verlaufenden  Linie  und  rückt  meist  ziemlich  nahe 
an  letzteren  heran.  Die  Schale  ist  kräftig  und  erreicht  an  einzelnen 
Stellen  eine  Dicke  bis  zu  1 cm.  Die  mächtige  dreiseitige  Ligamentgrube 
wird  bis  6 cm  hoch  und  fast  3 cm  breit  und  ist  mit  querlaufenden  feinen 
Riefen  und  kräftigen  Falten  versehen.  Der  längliche  Muskeleindruck  liegt 
etwas  unterhalb  der  Mitte  der  Schale. 

Die  Oberfläche  der  Schale  ist  blätterig,  angedeutet  sind  einige  breite 
stumpfe  radiale  Rippen. 

Das  bei  Langeniian  abgebildete  Stück  hat  eine  Breite  von  6,5  cm  und 
eine  Höhe  von  26  cm.  Ein  kleineres  annähernd  vollständiges  Stück  aus  der 
Schlucht  unterm  Pickelstein  mißt  3 cm  in  der  Breite  und  10  cm  in  der  Höhe. 
Einige  schöne  Exemplare  dieser  Art  besitzt  das  Geologische  Landesmuseum 
aus  der  Löwenberger  Kreide. 

Sehr  nahe  steht  unserer  Art  Ostrea  conf.  heberti  Coouand24)  aus  den 
Tonen  von  Suderode.  Das  abgebildete  Stück  ist  jedoch  im  Verhältnis  zur 
Höhe  sehr  breit. 

Vorkommen: 

Emscher:  E.-St.  Tannendorf  1,  Kreibitz  4,  6,  7,  Jicln  4 (Soukup),  Giers- 

dorf  Löw.  zahlreich  (Geol.  Landesmus.,  Realgymn.  Löwenberg), 
Deutmannsdorf  Löw.  (Geol.  Landesmus.),  Kieslingswalde; 
Untersenon:  Wehrau  Löw.  (Geol.  Landesmus.). 

Die  Fundstelle  der  Ostrea  heberti  liegt  im  Untersenon. 

24)  Frech  1887.  8.  151,  Taf.  11,  Fig.  1-8,  5. 


Paläontologischer  Teil 


187 


Ostrea  (Alectryonia)  sudetica  S CUPIN 
Taf.  10,  Fig,  10—14 

1843  Ostrea  macroptera  (?)  Geinitz,  4,  S.  17,  Taf.  3,  Fig.  22—24. 

1875  Ostrea  diluviana  Brauns,  S.  392. 

1883  Ostrea  frons  FriC,  S.  121,  Abb.  96. 

1889  Ostrea  frons  FriC,  S.  87,  Abb.  86. 

1891  Ostrea  semiplana  Langeniian  & Grundey,  S.  11,  Taf.  3,  Fig.  31. 

1891  Ostrea  carinata  Langeniian  & Grundey,  S.  11,  Taf.  4,  Fig.  5,  6. 

1897  Ostrea  frons  FriC,  S.  68. 

1897  Alectryonia  frons  Petrasciieck,  S.  33. 

1901  Ostrea  cf.  goldfussi  Sturm,  S.  95. 

1912 — 13  Ostrea  sudetica  Scupin,  S.  242,  Taf.  13,  Fig.  1 u.  2. 

Ostrea  sudetica  ist  je  nach  Gestalt,  Größe  und  Lage  des  Gegenstandes, 
an  den  die  linke  Klappe  angewachsen  war,  in  Form  und  Berippung  sehr  ver- 
änderlich. Sie  ist  in  fast  allen  Fossillagern  des  Emschers  und  Oberturons 
im  ganzen  Gebiete  ziemlich  häufig,  bleibt  aber  überall  klein.  Die  größten 
Stücke  erreichen  mit  wenig  abnormen  Ausnahmen  kaum  eine  Höhe  von  2 cm; 
die  normale  Größe  beträgt  etwa  1 cm.  Die  Art  ist  dünnschalig  und  wenig 
ungleichklappig,  höher  als  lang  und  in  der  Grundform  mehr  oder  weniger 
sichelartig  nach  rückwärts  gebogen.  Beide  Schalen  sind  dachförmig  ge- 
wölbt, schlank  und  in  der  Wirbelgegend  öfters  durch  Ansatz  eines  nach 
hinten  ausgebreiteten  Flügels  verbreitert.  Die  am  besten  ausgebildeten  Stücke 
sind  vollständig  mit  kräftigen  Falten  bedeckt.  Auf  der  Mitte  des  Sohalen- 
rückens  verlaufen,  gewissermaßen  als  Rückgrat,  gewöhnlich  ein  oder  zwei 
Falten,  von  denen  sich  rechts  und  links  kürzere  zu  den  Seitenrändern  ab- 
zweigen.  Sie  sind  V-förmig  tief  eingeschnitten,  ihre  Zahl  schwankt  je  nach 
der  Größe  der  Stücke,  an  den  größten  konnten  15—18  gezahlt  werden. 
Konzentrische  Anwachsstreifen  sind  an  Schalenexemplaren  mehr  oder  weniger 
deutlich  erkennbar  (Taf.  10,  Fig.  10). 

Die  so  geschilderte  Grundform  konnte  nur  dort  zur  vollen  Ausbildung 
kommen,  wo  die  linke  Klappe  ganz  gering  und  in  der  Nähe  des  Wirbels 
angeheftet  war.  Je  größer  die  Haftfläche  ist  und  je  verschiedengestalliger 
der  Gegenstand,  an  den  die  Muschel  festgewachsen  war,  desto  mehr  entfernt 
sich  die  Gesamtform  der  Schale  von  der  einfachen  Sichel  mit  ihren  fast 
parallelen  Seitenrändern  in  ähnlicher  Weise,  wie  dies  Woods  eingehend 
von  Ostrea  semiplana  2:>)  geschildert  hat.  Die  Haftfläche  der  linken  Klappe 
ist  stets  frei  von  Falten,  und  auch  an  der  rechten  scheinen  die  Falten  an 
der  der  Haftfläche  gegenüberliegenden  Stelle  zu  fehlen.  Von  der  winzigen 
Haftstelle  bei  der  Grundform  gibt  es  nun  Übergänge  bis  zu  Haftflächen, 
die  die  ganze  Schale  einnehmen,  so  daß  nur  der  ausgezackte  Schalenrand  an 
die  Grundform  erinnert  (Taf.  10,  Fig.  13). 

Die  Muschel  wächst  dann  mehr  in  die  Breite  und  wird  viereckig  ,bis 
kreisrund,  biegt  auch  zuweilen  noch  mit  einem  kurzen  Ende  in  einer  scharfen 
Ecke  nach  hinten  um.  Ist  sie  jedoch  an  einen  zylindrischen  oder  stengel- 
artigen Gegenstand  in  der  Richtung  ihrer  Höhe  festgewachsen,  so  zeigt  sie 
dementsprechend  eine  gerade  Form  mit  fast  parallelen  Seitenrändern,  die 
in  der  Mitte  von  einer  faltenlosen  W7ulst,  der  Anheftfläche,  durchzogen  ist 

25)  Woods  1904—13,  9.  379,  Taf.  56,  Fig.  17—19;  Taf.  57;  Taf.  58,  Fig.  1—5;  Abb.  183—193. 


188 


Abh.  preuß.  gieol.  L.-A.,  Neue  Folge,  lieft  159 


(Taf.  10,  Fig.  14).  Je  nach  der  Größe  des  Haftgegenstandes  fehlen  die  seit- 
lichen Falten  mehr  oder  weniger,  und  auch  hier  kann  es  Vorkommen,  daß  nur 
ein  ausgezackter  Rand  von  der  faltigen  Schalenverzierung  übriggeblieben  ist. 
War  die  Muschel  entlang  des  Oberrandes  an  einen  länglichen  Gegenstand 
angeheftet  (Taf.  10,  Fig.  11,  12),  so  entstand  meist  eine  breite  und  kurze 
Form  mit  zwei  bis  vier  Längsfalten,  die  nebeneinander  über  den  Schalen- 
rücken hinlaufen,  kurze  Seitenzweige  zu  den  Seitenrändern  senden  und 
schließlich  selbst  früher  oder  später  am  Schalenrande  ihr  Ende  erreichen. 
Die  Mannigfaltigkeit  der  Schalenausbildung  läßt  sich  nur  in  großen  Zügen 
schildern.  Es  darf  deshalb  nicht  wundernehmen,  wenn  Woods  fast  alle 
ähnlich  ausgebildeten  und  berippten  Formen  der  Oberen  Kreide  als  Ostrea 
semiplcma  Sow. 2G)  zusammenfaßt.  Nach  Durchsicht  meines  Materiales,  es 
liegen  ungefähr  300  Stück  aus  dem  Arbeitsgebiet  vor  und  zwar  aus  Sand- 
stein-, Mergel-  und  Kalkschichten,  kann  ich  unsere  Form  jedoch  nicht  mit 
dieser  Art  vereinigen,  da  sich  charakteristische  Unterschiede  ergeben.  Trotz 
des  verschiedensten  Einbettungsmateriales  sind  alle  Stücke  verhältnismäßig 
klein,  dünnschalig  und,  soweit  die  Anwaclisfläche  dies  gestattet,  mit  über 
den  schmalen  Rücken  hin  laufenden  Falten  versehen.  Höchstens  könnte  das 
auf  Taf.  16,  Fig.  18  bei  Woods  dargestellte  Stuck  mit  unserer  Normalform 
übereinstimmen;  die  anderen  Abbildungen  lassen  die  längslaufenden  Rücken- 
falten in  der  hier  geschilderten  Ausbildung  nur  wenig  erkennen. 

Auch  Hennig  1897,  Taf.  1,  Fig.  11,  12,  14,  24  bildet  unter  Ostrea  semi- 
plana  aus  der  schwedischen  Kreide  ähnliche  Formen  ab.  Es  läßt  sich  jedoch 
nicht  feststellen,  inwieweit  eine  .Abtrennung  von  den  übrigen  zu  dieser  Art 
gestellten  Stücken  möglich  ist.  Die  von  mir  bei  Kieslingswalde  gesammelten 
Exemplare  stimmen  mit  unserer  Art  überein,  sowie  je  ein  Stück  vom  Salzberg 
bei  Quedlinburg  und  von  Neuwarthau  bei  Löwenberg.  Aus  der  Löwenberger 
Kreide  ist  ferner  im  Geologischen  Landesmuseum  von  verschiedenen  Fund- 
stellen eine  gute  Auswahl  dieser  Art  vorhanden. 

Da  alle  diese  Stücke  aus  den  verschiedensten  Lagern  durch  ihre  geringe 
Größe  auffallen,  dürfte  es  wohl  nicht  angebracht  sein,  sie  einfach  als  junge 
Brut  anzusprechen;  sondern  die  Kleinheit  ist  als  eine  morphologische  Eigen- 
schaft zu  betrachten,  die  für  die  Selbständigkeit  der  Art  ins  Gewicht  fällt. 

Ostrea  goldfussi  bei  Holzapfel  1889,  2,  S.  249,  Taf.  28,  Fig.  8—18,  ist 
unserer  Art  sehr  ähnlich;  jedoch  scheint  die  Längsfaltung  des  Rückens  nicht 
so  stark  wie  bei  unserer  Art  ausgeprägt  zu  sein.  Auch  ist  die  Aachener 
Form  viel  mehr  ungleichklappig. 

Ostrea  diluviana  Lin.  27 ) ist  ebenfalls  nahe  verwandt.  Besonders  zeigen 
Abb.  98  u.  101  zum  Teil  längslaufende  Rückenfalten.  Jedoch  ist  die  Art 
allgemein  viel  größer  als  die  unsere,  besitzt  infolgedessen  zahlreichere 
Rippen,  ist  stärker  gewölbt  und  findet  sich  auch  in  tieferen  Lagern.  Die  im 
Museum  zu  Dresden  vorhandene  schöne  Auswahl  gut  erhaltener  Schalen  aus 
dem  Cenoman  von  Essen  läßt  den  Unterschied  zweifelsfrei  erkennen. 

Ostrea  frons  bei  Fiuc  aus  den  Iserschichten  gehört  hierher  und  bezieht 
sich  auf  Stücke  aus  unserem  Gebiete,  die  gleiche  Art  aus  den  Chlomcker 
Schichten  ist  lediglich  unsere  Form. 

2G)  vergl.  Anm.  25. 

27)  WOODS  1904—13,  2,  S.  342,  Abb.  98  — 138. 


Paläontol ogi scher  Teil 


189 


Vorkommen: 

Mittelturon:  Hohlen  2,  Jungbunzlau  3,  5,  6,  Haschkowitz,  Dobern,  Pießnig 

2,  3,  Lindenau  1,  3,  4,  Antonienthal  2,  Petersdorf  3,  4,  Deutsch 
Gabel,  Felden  (zahlreich),  Kickeisberg  1,  Hermsdorf  Löw.  2, 
Ludwigsdorf  Löw.  2 (Geol.  Landesmus.); 

Oberturon  a ß : Daubitz  2,  4,  6,  9,  10,  Dittersbach,  Niederkreibitz  1,  2,  6, 
Khaa  2,  7,  Hinterhermsdorf  1 (eigene  Sammlung,  Mus. 

Dresden),  2,  Philippenau,  Böhm.  Kamnitz  1,  2,  Zeichen  1,  2 
(Seifert),  Herrenleite  (Mus.  Dresden),  Hoffnung,  Walters- 
dorf 2,  Innozenzidorf  5,  Lüc,kendorf  1,  2,  4,  Hermsdorf  4,  5, 
6,  7,  Krombac,h,  Großmergthal  1,  2,  3,  Oberlichtenwalde  3, 
Antonienthal,  Plissen  1,  3,  Schanzendorf  2,  Kleinhaida  2, 
Lodenberg; 

Oberturon  y:  Kreibitz  3,  6,  8,  12,  Priesen  (Mus.  Dresden  u.  Prag,  eigene 

Sammlung) ; 

Emscher:  E.-St.  Tannendorf  1,  Daubitz  1,  5,  Kreibitz  1,  4,  6,  7,  9,  12,  17, 

24,  26,  E.-St.  Neuhütte  3,  8,  Böhm.  Kamnitz  3 (Prinz),  1,  4, 
Markersdorf  3,  Hermsdorf  9,  Oberkreibitzer  Talsperre  9, 
Priesen,  Chlomek  (Mus.  Prag),  Jicin  3,  4 (beide  Soukup),  1, 
Kieslingswalde,  Neuwarthau  Löw.  1,  2,  3 (alle  3 Geol.  Landes- 
mus.), Gehnsdorf  Löw.  1 (selbst  gesammelt),  2 (Geol.  Landes- 
mus.), Großhartmannsdorf  Löw.  (Geol.  Landesmus.),  Deut- 
mannsdorf  Löw.  (Geol.  Landesmus.),  Hohlstein  Löw.  (Geol. 
Landesmus.),  Salzberg. 

Das  Museum  zu  Dresden  enthält  Ostreu  sudelica  aus  dem  Überquader 
von  Wehlen  und  vom  Marterberg  bei  Passau.  Im  Museum  zu  Prag  befinden 
sich  außerdem  Stücke  von  Leneschitz  und  Chotzen  aus  den  Priesener 
Schichten  Böhmens. 

Ostrea  ( Alectryonitt ) semiplana  Sow. 

Taf.  10,  Fig.  15—18 

1825  Ostrea  semiplana  Sowerby,  5,  S.  144,  Taf.  489,  Fig.  3. 

1827  Ostrea  flabelliformis  NiLSSON,  S.  31,  Taf.  6,  Fig.  4. 

1834—40  Ostrea  flabelliformis  Goldfüss,  2,  S.  12,  Taf.  76,  Fig.  1. 

1834—40  Ostrea  sulcata  Goldfüss,  S.  13,  Taf.  76,  Fig.  2. 

1834 — 40  Ostrea  armata  Goldfüss,  S.  13,  Taf.  76,  Fig.  3. 

1844  Ostrea  semiplana  d'Orbigny,  3,  S.  746,  Taf.  488,  Fig.  4,  5. 

1846  Ostrea  sulcata  Reuss,  2,  S.  39,  Taf.  28,  Fig.  3 — 4,  8. 

1846  Ostrea  flabelliformis  Reuss,  2,  S.  39,  Taf.  28,  Fig.  5 — 7,  16;  Taf.  29, 
Fig.  19,  20. 

1851  Ostrea  bronni  J.  Müller,  2,  S.  69,  Taf.  6,  Fig.  20. 

1875  Ostrea  semiplana  Geinitz,  2,  S.  29,  Taf.  8,  Fig.  8 — 11,  13. 

1875  Ostrea  sulcata  Brauns,  S.  393. 

1877  Ostrea  semiplana  Fric,  S.  141,  Abb.  138. 

1883  Ostrea  semiplana  Fric,  S.  121,  Abb.  97. 

1889  Ostrea  semiplana  Holzapfel,  2,  S.  251,  Taf.  28,  Fig.  5,  6. 

1889  Ostrea  bronni  Holzapfel,  2,  S.  250,  Taf.  28,  Fig.  3,  7. 

1889  Ostrea  armata  Holzapfel,  2,  S.  253,  Taf.  28,  Fig.  1,  2. 


190 


Abh.  preuß.  gieol.  L.-A.,  Neue  Folge,  lieft  159 


1897  Ostrea  semiplana  FriC,  S.  68. 

1897  Ostrea  -semiplana  Hennig,  S.  9,  Taf.  1,  Fig.  7,  11 — 13,  16,  18,  19. 

1898  Ostrea  semiplana  G.  Müller,  S.  8,  Taf.  1,  Fig.  1 — 4;  Taf.  3,  Fig.  3,  4. 

1905  Ostrea  semiplana  Wegner,  S.  177,  Abb.  10. 

1911  Oslrea  semiplana  FriC,  S.  47,  Abb.  214. 

1904 — 13  Oslrea  semiplana  Woods,  2,  S.  379,  Taf.  57,  Fig.  4 — 7;  Abb.  183 — 193 
(Text  z.  Teil?). 

1912—13  Oslrea  semiplana  Scupin,  S.  241,  Taf.  14,  Fig.  13. 

Die  Muschel  ist  drei-  bis  vierseitig  gerundet  oder  oval  und  läuft  oft 
am  Wirbel  in  eine  Spitze  aus.  Sie  ist  flach  bis  mäßig  gewölbt,  meist  ver- 
bogen oder  höckerig.  Die  Gestalt  wird  von  der  Art,  Form  und  Größe  des 
Gegenstandes,  an  den  die  linke  Klappe  angewachsen  ist,  stark  beeinflußt. 
Stengelförmige  oder  zylindrische  Körper  scheint  die  Muschel  bevorzugt  zu 
haben;  denn  fast  alle  Autoren  erwähnen  diese  auch  hier  vorkommende  Form, 
die  durch  eine  vom  Wirbel  zum  Unterrande  ziehende  Anwachswulst  gekenn- 
zeichnet ist  (Taf.  10,  Fig.  17).  Beide  Klappen  haben  ungefähr  das  gleiche 
Gepräge,  jedoch  ist  die  rechte  meist  weniger  kräftig  berippt  als  die  linke.  Der 
Wirbel  erhebt  sieh  zuweilen  als  kleine  Spitze  in  einem  Winkel  über  die 
Schalenfläche. 

Die  Schale  ist  mit  kräftigen  gerundeten  radialen  Falten  bedeckt,  die  in 
der  Grundform  fächerförmig  vom  Wirbel  ausstrahlen  und  schief  vorwärts 
zum  Schalenrande  laufen,  an  dem  sie  eine  mehr  oder  weniger  tiefe  Wellung 
erzeugen  (Taf.  10,  Fig.  16).  An  der  Haftstelle  ist  die  Schale  glatt.  Ist 
deshalb  die  Muschel  mit  der  ganzen  Schalenfläche  angewachsen,  so  deutet 
nur  der  gewellte  Rand  die  der  Art  eigene  faltenartige  Verzierung  an  \(Taf.  10, 
Fig.  15).  Die  Veränderungen,  die  die  linke  Klappe  an  ihrem  festgewachsenen 
Teile  erleidet,  sind  in  gleicher  Weise  auch  an  der  rechten  vorhanden. 
Konzentrische  Linien  und  einige  gröbere  Anwachsstreifen  laufen  über  die 
Radialrippen.  Das  Material  aus  dem  Emscher  besteht  meist  aus  Stein- 
kernen, die  höchstens  2 cm  Durchmesser  haben  und  die  Skulptur  der  Schale 
nur  mangelhaft  erkennen  lassen.  Eine  reiche  Ausbeute  an  größeren  Stein- 
kernen und  Kalkschalen  ergab  das  obere  Mittelturon  von  Carlsberg  an  der 
Heuscheuer. 

In  das  voranstehende  Verzeichnis  sind  vorwiegend  nur  die  Literatur- 
nachweise aufgenommen  worden,  in  denen  die  Abbildungen  den  vorliegenden 
Stücken  entsprechen.  Eine  sichelförmige  Ausbildung,  wie  sie  z.  B.  von  Woods 
unter  Ostrea  semiplana  auf  Taf.  56,  Fig.  17  -19  und  auf  Taf.  57,  Fig.  1—3 
und  9—11  dargestellt  ist,  besitzen  nur  zwei  Exemplare  von  Carlsberg.  Diese 
Form  wird  auch  in  den  meisten  der  eingangs  angeführten  Literaturnachweise 
nicht  erwähnt  (Taf.  10,  Fig.  18).  Die  im  Emscher  und  Oberturon  gefundenen 
Stücke  von  sichelförmiger  Ausbildung  habe  ich  zu  Ostrea  siuletica  gestellt. 
Letztere  unterscheidet  sich  durch  eine  besonders  dünne  Schale  von  den  hier 
aufgeführten  Formen,  deren  Schale  eine  bedeutendere  Dicke  besitzt.  Es 
wäre  nachzuprüfen,  ob  die  von  Woods  angeführten  sichelförmigen  Exemplare 
eine  gleichartige  Schale  wie  die  breiteren  besitzen  und  somit  verschieden 
von  Ostrea  sudetica  sind.  Auch  Holzapfel  1889,  2,  S.  249,  erwähnt,  daß 
Ostrea  semiplana  (bronni)  eine  dickere  Schale  als  seine  sichelförmige  Ostrea 
goldfussi  Holzapfel  besitze  und  sich  auch  sonst  scharf  trennen  lasse.  Von 
Ostrea  semiplana  liegen  gegen  100  Exemplare  vor. 


Paläontologischer  Teil 


191 


Vorkommen: 

Unterturon:  Jicin  2,  3,  4,  6,  7 (alle  5 Soukup)  ; 

Mittelturon:  Schandau  2,  Lohmen,  Hohlen  1,  Lindenau  6 (Vortisch), 

Tetschendorf  2,  Aschendorf  2 (Mus.  Prag),  Turnau  1,  3,  4,  5, 

11,  13,  14,  15,  Jicin  1,  2,  3,  4,  6,  7,  8,  27,  31,  35,  39,  42, 

43,  44,  45,  46,  47  a,  48,  49,  50,  51  (alle  21  Soukup),  26,  28,  29, 
36,  Chotzen,  Hermsdorf  Löw.  1 (Geol.  Landesmus.),  Kynberg 
Löw.,  Grunauer  Spitzberg  Löw.  3 (Geol.  Landesmus.),  Löwen- 
berg 1,  3 (beide  Geol.  Landesmus.),  Plagwitz  Löw.  1 (Geol. 
Landesmus.),  Heuscheuer  2,  3; 

Oberturon  aß:  Daubitz  8,  Zeichen  1,  Waltersdorf  2,  3,  Hohnstein  1,  2 (beide 
Mus.  Dresden),  Hockenau  Löw.  (Geol.  Landesmus.,  Realgymn. 
Löwenberg) ; 

Oberturon  y:  Zatzschke,  Kreibitz  3,  Götzdorf; 

Emsc.her:  E.-St.  Tannendorf  T,  Kreibitz  1,  4,  6,  12,  20,  24,  Tollenstein, 

Markersdorf  3,  Chlomek  (Mus.  Prag),  Jicin  3 (Soukup), 
Kieslingswalde,  Großhartmannsdorf  Löw.  (Geol.  Landesmus.), 
Neuwarthau  Löw.  3 (Geol.  Landesmus.). 

Weiter  findet  sich  die  Art  am  nördlichen  Harzrande,  in  Westfalen,  bei 
Aachen,  in  der  französischen,  englischen  und  schwedischen  Kreide  und  reicht 
vom  Cenoman  bis  ins  obere  Senon. 

Exogyra  8a y 

JE xogyva  cornu  arietis  Nilsson  cmend.  Griepenkekl 
Tnf.  10,  Fig.  19—22;  Abb.  21 

1827  Chama  cornu  arietis  Nilsson,  S.  28,  Taf.  3,  Fig.  1. 

1827  Chama  laciniata  Nilsson,  S.  28,  Taf.  8,  Fig,  2. 

1834 — 40  Exogyra  laciniata  Goldfuss,  2,  S.  35,  Taf.  36,  Fig.  12  a — c. 

1844  Oslrea  laciniata  d’Orbigny,  3,  S.  739,  Taf.  436,  -Fig.  1 — 3. 

1347  Exogyra  laciniata  J.  Müller,  1,  S.  40. 

1847  Exogyra  plicata  J.  Müller,  1,  S.  41. 

1875  Exogyra  laciniata  Brauns,  S.  394. 

1883  Exogyra  laciniata  Fric,  S.  119,  Abb.  93  (?). 

1885  Exogyra  laciniata  J.  Böhm,  S.  77. 

1883  Exogyra  laciniata  G.  Müller,  S.  402. 

1889  Exogyra  laciniata  Holzapfel,  2,  S.  254. 

1389  Exogyra  laciniata  Griepenkerl,  S.  35,  Taf.  5;  Taf.  6;  Taf.  7,  Fig.  6 u.  7. 

1897  Exogyra  laciniata  FriC,  S.  08. 

1897  Exogyra  cf.  laciniata  Petrascheck,  S.  34. 

1897  Ostrea  cornu  arietis  H EN  NIC,  S.  21. 

1897  Exogyra  haliotoidea  Hennig,  S.  19,  Taf.  1,  Fig.  20;  Taf.  2,  Fig.  3,  4. 

1898  Exogyra  laciniata  G.  Müller,  S.  17,  Taf.  3,  Fig.  1. 

Die  Muschel  ist  mäßig  dick  und  stark  ungleichklappig.  Die  linke 
Klappe  ist  hochgewölbt,  im  Umriß  gerundet  dreiseitig  bis  halboval,  sehr  un- 
gleichseitig und  gleicht  in  der  Form  einer  1 — 2 cm  hohen  halben  Schrauben- 
windung (Taf.  10,  Fig.  19,  21).  Vorder-  und  Unterrand  sind  gerundet;  der 
Hinterrand  ist  mehr  gerade,  steigt  schief  aufwärts  und  bildet  mit  dem  Unter- 


192 


Abh.  preuß.  gieol.  L.-A.,  Neue  Folge,  Heft  159 


rande  meist  einen  gerundeten  spitzen  Winkel.  Der  spiral  gedrehte  Wirbel 
ist  einwärts  und  stark  rückwärts  gebogen.  Vom  Wirbel  verläuft  etwas  vor 
der  Mitte  des  Schalenrückens  in  einem  nach  vorn  gerichteten  Bogen  ein 
meist  deutlicher  und  gerundeter  Kiel  zur  unteren  hinteren  Ecke.  Die  hinter 
dem  Kiel  gelegene  Fläche  (Unterseite)  ist  flach  oder,  besonders  hinter  dem 
Wirbel,  mehr  oder  weniger  konkav  ausgehöhlt  und  mannigfaltig  verbogen. 
Der  Teil  vor  dem  Kiel  ist  im  allgemeinen  konvex  und  bildet  mit  der  hinter  ihm 
gelegenen  Fläche  in  der  Nähe  des  Wirbels  einen  mehr  spitzen,  später  einen 
stumpfen  Winkel.  Größere  Exemplare  sind  meist  nach  hinten  unten  in  die 
Länge  gezogen,  der  Kiel  ist  weniger  deutlich,  und  der  vor  ihm  aufragende 
Teil  bildet  mit  der  Unterseite  fast  durchgehend  einen  sehr  stumpfen  Winkel. 
Zuweilen  schrumpft  die  Unterseite  zu  einer  kleinen  Mulde  zusammen,  während 
die  vor  dem  Kiele  aufsteigende  Fläche  an  Breite  gewinnt. 


Abb.  21.  Exogyra  cornu  arietis  Nilbs.  em.  Griep.,  rechte  Klappe,  Innenseite  der  Kalkschale 
Emscher,  E.-St.  Tannendorf  1.  Orig.  Geol.  Landesmus.  (A  No.  189). 

Die  Oberfläche  der  linken  Klappe  ist  mehr  oder  weniger  mit  radialen 
Falten  versehen,  die,  teils  am  Wirbel  beginnend  und  dessen  Spiralwindung 
zunächst  folgend,  teils  später  einsetzend,  sich  über  die  ganze  Schale  schief 
vorwärts  verbreiten,  über  den  Kiel  hinweglaufen  und  weiterhin  schief  auf- 
wärts zum  Schalenrande  ziehen.  Die  Stärke  der  Falten  ist  ganz  unregel- 
mäßig; zuweilen  bleiben  alle  Falten  schwach,  meist  treten  aber  einige,  zwei 
bis  fünf,  kräftig  hervor  und  bilden,  besonders  auf  dem  Kiele,  hohe  Wülste, 
die  sich  auf  dem  aufsteigenden  Schalenteile  häufig  als  erhabene  Röhren 
fortsetzen,  wodurch  die  Muschel  ein  sehr  unregelmäßiges  und  eckiges  Aus- 
sehen erhalten  kann.  Auf  der  Unterseite  sind  die  Falten  weniger  gut  als 
an  den  aufsteigenden  Seitenrändern  sichtbar;  nur  einige  Steinkerne  zeigen 
sie  auch  dort  kräftig  und  deutlich.  Kleinere  Steinkerne  von  etwa  5 mm 
Größe,  wie  sie  insbesondere  in  den  Kalklagen  des  Ober-  und  Mittelturons 
mit  anderen  kleinen  Austern  wahre  Bänke  bilden,  sind  glatt,  gerundet  und 
noch  ohne  Falten,  so  daß  sie  der  Exogvra  conica  Sow.  28 ) sehr  ähnlich 
werden,  von  der  unsere  Form  wohl  sicher  abstammt.  Wahrscheinlich  sind 
die  von  Holzapfel  als  Exogvra  auricularis  Wählend.  2:))  bezeichneten  kleinen 
Stücke  mit  den  hier  genannten  identisch.  Gute  Schalenstücke  zeigen  in  der 
Nähe  des  Wirbels  eine  wellige  radiale  Rippelung,  ähnlich  wie  ich  es  bei 
Exogvra  conica  im  Museum  zu  Dresden  wiederholt  beobachten  konnte,  und 


28)  WOODS  1904—13,  2,  S.  407,  Abb.  2)5—242. 

29)  Holzapfel  1889,  2,  S.  255,  Taf.  29,  Flg.  10,  11. 


Paläontologischer  Teil  1 93 

wie  dies  Woods  bei  dieser  Art  auch  in  Abb.  219  darstellt.  Die  Schale  ist 
ferner  mit  konzentrischen  Anwachsstreifen  bedeckt,  die  über  die  Falten  in 
welligen  Bogen  ziehen  und  zuweilen  Knoten  und  Hörner  bilden.  Wie  Bruch- 
stücke zeigen,  verläuft  auf  der  Innenseite  der  Schale  in  einiger  Entfernung 
vom  Rande  ein  Band  eng  aneinander  gereihter  quergestellter  Grübchen. 

Diese  hochgewölbten  Formen  mit  kleiner  Anwachsfläche,  von  Woods 
als  conica-Typus  (S.  409)  bezeichnet,  sind  hier  vorherrschend.  Selten  sind 
hingegen  die  niedrigen,  fast  flachen  Stücke  nach  dem  haliotoidea-Typus,  wie 
er  von  Woods  ebenfalls  bei  Exogvra  conica  geschildert  wird,  und  der  durch 
Vergrößerung  der  Anwachs  fläche  entsteht.  Auch  Hennig  erwähnt  eine  der- 
artige Ausbildung  bei  schwedischen  Stücken.  In  extremen  Fällen  verschwindet 
dann  der  Kiel  vollständig,  und  die  linke  Klappe  wird  fast  flach. 

Die  rechte  Klappe  (Oberschale)  ist  flach,  mit  unregelmäßigen  Ein- 
muldungen  versehen  und  wie  ein  Deckel  in  die  hohe  linke  Klappe  eingelassen 
(Taf.  10,  Fig.  20,  22,  Abb.  21).  Der  Umriß  entspricht  dem  der  linken.  Der 
nach  rückwärts  spiralförmig  eingerollte  Wirbel  nimmt  etwa  das  obere  Drittel 
der  Schale  ein,  kann  aber  auch  bis  zur  Hälfte  herabreichen.  Die  Schale 
erhält  dadurch  ein  mehr  oder  weniger  nierenförmiges  Aussehen.  Die  Ober- 
fläche ist  ziemlich  glatt  und  nur  mit  schwachen  unregelmäßigen  Anwachs- 
streifen versehen.  An  einem  einzigen  großen  Schalenstück  gewahrt  man  feine 
dichte,  vom  Wirbel  ausstrahlende  radiale  Linien,  die  etwa  in  der  Mitte 
der  Schale  verschwinden. 

Der  Muskeleindruck  ist  groß  und  liegt  gegen  den  Hinterrand  zu. 

Steinkerne  sind  glatt  und  entsprechend  dem  Äußeren  der  Schale  mehr 
oder  weniger  uneben.  An  der  linken  Klappe  verläuft  in  einiger  Entfernung 
vom  Rande  als  Eindruck  des  Mantels  meist  eine  gut  markierte  Furche. 

Mein  größtes  Exemplar  hat  eine  Höhe  von  6 cm,  eine  Länge  von  4,5  cm 
und  eine  Dicke  von  2 cm;  mittlere  Stücke  sind  etwa  4,5  cm  hoch,  3 cm  lang 
und  1,5—2  cm  dick.  Die  kleinen  Stücke,  wie  sie  besonders  aus  den  Kalk- 
schichten vorliegen,  messen  im  Durchschnitt  1,0  cm  an  Höhe,  0,6  cm  an  Länge 
und  0,5  cm  an  Dicke. 

Trotzdem  von  dieser  Art  gegen  300  Exemplare  vorliegen,  war  bei  dem 
mangelhaften  Material  wenig  Neues  herauszuholen.  Doppelklappige  Stein- 
kerne sind  nicht  häufig.  Meist  sind  es  Steinkerne  von  einzelnen  Klappen 
mit  teilweise  erhaltenen  Schalenresten,  die  bei  der  blättrigen  Ausbildung  der 
Schale  selten  die  Außenseite,  sondern  nur  Teile  der  mehr  oder  weniger 
abgeblätterten  Kalkschicht  zeigen.  Ein  genaues  Studium  der  vielseitigen 
Abweichungen  von  der  Grundform  war  deshalb  nicht  möglich.  Im  allgemeinen 
konnte  jedoch  die  Übereinstimmung  unserer  Formen  mit  den  schwedischen 
bestätigt  werden. 

Nachdem  Hennig  Exogvra  laciniata  mit  Exogvra  cornu  arietis  vereinigt 
hat  und  Nilsson  letztere  an  erster  Stelle  aufführt,  muß  der  gut  eingeführte 
Name  laciniata  vor  dem  anderen  zurücktreten.  Auf  Grund  seiner  Unter- 
suchungen hat  Woods  1904—1913,  2,  S.  407,  Exogvra  haliotoidea  Sow.  nur 
als  eine  besondere  Ausbildungsform  mit  großer  Anwachsfläche  von  Exogvra 
conica  erkannt.  Mit  Rücksicht  auf  die  Ähnlichkeit  unserer  Art  mit  der 
letzteren,  dürfte  auch  Exogvra  haliotoidea  Nilsson  30)  lediglich  eine  niedrige 

B0)  Chama  haliotoidea  NILSSON  1827,  S.  28,  Taf.  8,  Fig.  3. 

Ostrea  haliotoidea  HENNIG  1897,  8.  19,  Taf.  1,  Fig.  20;  Taf.  2,  Fig.  3,  4. 


Ändert  13 


194  Abh.  preuß.  gieol.  L.-A.,  Neue  Folge,  lieft  159 

Form  bzw.  Deckelschale  der  Exogvra  cornu  arietis  Nilss.  und  mit  dieser 
zu  vereinigen  sein.  Taf.  2,  Fig.  4 bei  Hen.mg  zeigt  die  Ausbildung  der 
Falten  ebenso  wie  normale  Exemplare  von  Exogvra  cornu  arietis.  Die  von 
Hennig  jedoch  als  synonym  mit  Exogvra  haliotoidca  angeführten  Stücke  werden 
zum  Teil  als  Deckelklappen  oder  niedrige  linke  Klappen  der  tieferen  Hori- 
zonten angehörenden  Exogvra  conica  anzusprechen  sein. 

Von  Exogvra  conica  Sow.  unterscheidet  sich  unsere  Art  insbesondere 
durch  das  Vorherrschen  der  faltigen  Schalenausbildung,  die  bei  ersterer  nur 
untergeordnet  bei  der  Varietät  undata  Vorkommen  soll.  Die  mir  aus  ceno- 
manen  Schichten  vorliegenden  und  zu  Exogvra  conica  gehörigen  Stücke  zeigen 
keine  Spur  von  Falten. 

Sehr  kräftig  sind  die  Falten  hingegen  bei  Exogvra  digitata  Sow.  31)  ent- 
wickelt, und  Woods  sagt  auch,  daß  diese  Art  mit  einigen  Formen  der  Exogvra 
cornu  arietis  große  Ähnlichkeit  zeige.  Exogpra  digitata  stammt  aus  dem 
Cenoman.  Ähnliche  Stücke  aus  dem  sächsischen  Cenoman  befinden  sich  im 
Museum  zu  Dresden.  Bei  dieser  Art  strahlen  die  Falten  von  einer  kräftigen 
Mittelwulst  nach  allen  Seiten  aus,  während  sie  bei  unserer  Art  fast  stets 
den  Hinterrand  freilassen. 

Goldfuss  führt  unsere  Art  als  Exogvra  laciniata  auf,  wobei  aber  die 
Abbildung  Fig.  12  d kaum  hierher  gehören  dürfte.  Auch  andere  von  ihm 
erwähnte  Arten,  wie  Exogvra  conica  Goldfuss  1834-1840,  2,  S.  34,  Taf.  87, 
Fig.  la  d,  Exogpra  cornu  arietis  Goldfuss,  2,  S.  34,  Taf.  87,  Fig.  2 a,  b und 
Exogvra  auricularis  Goldfuss,  2,  S.  36,  Taf.  88,  Fig.  2 a—  d stehen  unserer 
Art  sehr  nahe  und  werden  ganz  oder  teilweise  damit  zu  vereinigen  sein. 

Die  von  J.  Müller,  J.  Böhm  und  Holzapfel  gegebenen  Schilderungen 
der  Aachener  Stücke  lassen  sich  ohne  weiteres  auf  unsere  anwenden,  ebenso 
die  von  Brauns  betreffs  der  Salzbergformen  und  die  von  G.  Müller  über 
die  des  übrigen  Harzrandes.  Von  Aachen  und  vom  Salzberge  konnten  Stücke 
im  Museum  zu  Dresden  verglichen  werden.  Was  G.  Müller  als  Exogyra 
halioioidea  Sow.,  G.  Müller  1898,  S.  16,  Abb.  3,  und  Exogpra  auricularis 
Wahl.,  1888,  S.  4Ü2,  aufführt,  dürfte,  wie  bereits  oben  über  Exogvra  halioioidea 
Nilss.  bemerkt,  auch  mit  unserer  Art  zu  vereinigen  sein. 

Vorkommen: 

Unterturon : Schöna,  Jicin  3,  6 (beide  Soukup)  ; 

Mittelturon:  Dittersbach,  Lindenau  1,  2,  3,  4,  5,  Wellnitz  1,  3,  Antonien- 

thal 2 (Bank),  Petersdorf  2,  3,  4,  5,  Großhirndorf,  Lämberg, 
Deutsch  Gabel,  Kickeisberg  1,  Oberkriesdorf  2,  Skalken  1 
(Stellwag),  Sterndorf  5,  6,  Hohlen  1,  Grtindenmühle,  Brenn  4 
(zahlreich),  5 (zahlreich,  Bank),  Voitsdorf  1 (Bank),  2 (Bank), 
Schwarzwald  3 (zahlreich),  Sabert  1,  Jungbunzlau  3,  6,  Kleiner 
Buchberg,  Bleiswedel,  Neuland  1,  2,  Leitmeritz  10,  Bösig  1, 
2 (Bank),  3 (Bank),  7,  Hirschberg  3,  Widim,  Sackschen  1,  2, 
Hostin  3,  Chorousek  4,  5,  6,  Weißwasser,  Podhrazmiihle  2,  3, 
Schneeberg,  Turnau  1,  3,  4,  8,  11,  12,  14,  Jicin  1,  3,  6,  30,  31, 
42,  44,  47  a,  48,  50,  51  (alle  11  Soukup),  19,  26,  28,  29,  36,  38, 
39,  41,  Lysa  4,  Chotzcn,  Löwenberg  1,  2 zahlreich,  3 (alle  3 
Geol.  Landesmus.),  Ludwigsdorf  Löw.  2 (Geol.  Landesmus.), 
Heuscheuer  2; 


31]  WOODS  1004  18,  2,  9.  417,  Abb.  249— 252. 


Paläontologischer  Teil 


195 


Oberturon  aß:  Daubitz  2,  7,  9,  Schemel,  Böhm.  Kamnitz  1,  2,  Zeichen  1, 
Herrenleite,  Niederkreibitz  1,  Khaa  5,  Hinterhermsdorf  2, 
Waltersdorf  2,  Lückendorf  1,  2,  4,  Hermsdorf  2 (Bank),  3,  4,  7, 
Hochwald  1,  5,  Großmergthal  2,  3,  Schanzendorf  2,  Jonsberg  2, 
Plissen  2,  Finkendorf  3,  Thammühl  1,  2 (zahlreich),  Rollberg  2 
(Bank),  Grunauer  Spitzberg  Low.; 

Oberturon  y:  Kreibitz  3; 

Emscher:  E.-St.  Tannendorf  1,  Kreibitz  1,  6,  9,  12,  17,  20,  24,  26,  27, 

Daubitz  5,  Oberlichtenwalde  1,  Falkenau  7,  Oberkreibitzer 
Talsperre  5,  Böhm.  Kamnitz  3,  Hermsdorf  9,  Großmergthal, 
«Kein  3 (Soükup),  Hermsdorf  Löw.  (Geol.  Landesmus.),  Neu- 
warthau  Löw.  1,  Großhartmannsdorf  Löw.  (Geol.  Landesmus.), 
Kieslingswalde,  Salzberg. 

Aus  dem  Überquader  von  Wehlen  liegt  ein  Stück  im  Geologischen  Landes- 
amt Leipzig. 

Außerdem  findet  sich  Exogpra  cornu  arielis  im  Senon  des  Harzrandes 
und  im  Senon  von  Aachen,  Frankreich  und  Schweden. 


1819 

1834—40 

1839 

1846 

1872 

1877 

1883 

1912—13 

1904—13 

1909 


Kjcogyt  a columba  La  di.  sp. 

Grpphaea  columba  Lamarck,  6,  S.  198. 

Exogpra  columba  Goldfuss,  2,  S.  34,  Taf.  86,  Fig.  9 a — c. 
Exogpra  columba  Geinitz,  L S.  20. 

Exogpra  columba  Reuss,  2,  S.  43,  Taf.  31,  Fig.  1 — 4. 
Exogpra  columba  Geinitz,  1,  S.  101,  Taf.  40,  Fig.  4 — 7. 
Exogpra  columba  FriC,  S.  140,  Abb.  135. 

Exogpra  conica  Fric,  S.  117,  Abb.  92  a,  b,  c. 

Exogpra  columba  Scupin,  S.  243. 

Exogpra  columba  Woods,  2,  S.  413,  Abb.  243 — 248. 

Exogpra  columba  Wanderer,  Taf.  6,  Fig.  5. 


Exogpra  columba  fehlt  im  Emscher  und  jüngeren  Oberturon  und  wurde 
erst  später  bei  Untersuchung  mittelturoner  Schichten  aufgefunden.  Die  Haupt- 
merkmale der  Art  sind  folgende:  Die  Unterschale  ist  sehr  stark  gewölbt;  der 
spitze  Wirbel  ist  nach  hinten  gedreht.  In  der  Nähe  des  Wirbels  kann  man 
bei  Schalenexemplaren  eine  kleine  Anhaftstelle  wahrnehmen.  Vom  Wirbel 
verläuft  nach  hinten  unten  eine  breite  flache  Furche,  hinter  der  die  Schale 
in  einen  mehr  oder  weniger  ausgebreiteten  Lappen  übergeht.  Die  dicke 
Schale  ist  mit  konzentrischen  runzelartigen  Linien  versehen;  Steinkerne  sind 
meist  glatt  oder  zeigen  gegen  den  Unterrand  einige  grobe  Runzeln.  Die 
rechte,  Deckelklappe  ist  ganz  flach,  meist  verbogen,  kreisförmig  oder  etwas 
querverlängert. 

Junge  Exemplare  sind  manchmal  von  der  in  den  gleichen  Schichten  vor- 
handenen Exogpra  cornu  arietis  Nilss.  cm.  Griep.  kaum  zu  unterscheiden. 
Exogpra  columba  tritt  häufig  bankweise  auf,  ist  im  Cenoman  überall  häufig 
und  bildet  in  Böhmen  und  Sachsen  ein  Leitfossil  in  der  Hinsicht,  daß  die 
Schichten,  in  denen  die  Art  auftritt,  höchstens  wenig  jünger  als  Mittelturon 
sind.  Im  allgemeinen  schneidet  die  Art  mit  der  Obergrenze  der  mittel- 
turonen  Pläner  nach  oben  in  der  sudetischen  Kreide  ab.  Neuerdings  hat  sich 


196 


Abh.  preuß.  gi&ol.  L.-A.,  Neue  Folge,  Heft  159 


jedoch  bei  Pirna  i.  Sa.  und  bei  Jidn  in  Nordostböhmen  diese  Art  auch  im 
hangenden  Sandstein  dieser  Pläner  gefunden. 

Vorkommen: 

Cenoman:  Podlitz,  Heuscheuer; 

Unterturon : Schöna,  Schmilka,  Spitzstein  bei  Pankratz,  Lobositz,  Heu- 

scheuer; 

Mittelturon:  Posteiwitz,  Lilienstein  1,  3,  Bastei,  Schneeberg,  Arnsdorf  2, 

Lindenau  6 (Vortisch),  Wellnitz  2,  Dittersbach,  Jonsdorf 
Sa.,  Auscha,  Liebeschitz  2,  Brenn  4 (?),  5,  Krassa  1,  2, 

Schwarzwald  1 (häufig),  Sabert  1,  2,  Kessel  3,  Schwabitz  3,  7, 
Plauschnitz,  Böhm.  Neuland  1,  3,  Gründenmühltal  (Müller 
u.  selbst  gesammelt),  Kallwitz  2 (zahlreich),  Kosteletz,  Bösig  5 
(zahlreich),  7,  Roll  2,  Oberkriesdorf  3,  Sterndorf  9,  Zimor, 
Truskavna  1,  2,  Kokorin  1,  2,  4,  Chorousek  3 (zahlreich), 
Brezinka  2,  Weißwasser,  Bakov  2,  Laun  1,  3,  4,  5 (alle  4 
Mus.  Aussig),  Leitmeritz  20  (Mus.  Aussig),  Turnau  7,  8,  10,  11, 
Jidn  26,  28,  30,  31,  S8  (alle  5 Soukup),  29,  41,  Löwenberg  1, 
2,  3 (alle  3 Geol.  Landesmus.),  Kesselsdorf  Löw.  (Geol.  Landes- 
mus.), Plagwitz  Low.  1 (Geol.  Landesmus.),  Hermsdorf  Löw.  6 
(?  oder  Unterturon)  (Geol.  Landesmus.),  Heuscheuer  9; 
Oberturon  aß:  Mocketal  (Seifert),  Zeichen  1,  5 (beide  Seifert),  Jidn  2,  3 
(beide  Soukup). 

Außerdem  ist  Exogpra  columba  in  guten  Exemplaren  vorhanden  im 
Museum  zu  Prag  aus  dem  böhmischen  Mittelturon  von  Lom  bei  Saaz,  Laun  5, 
Dzanberg  bei  Motejovice  (südlich  von  Laun),  Hrädek  nördlich  von  Laun, 
Tfiblitz  nordöstlich  von  Laun,  Schlan,  Lipkovice  bei  Raudnitz,  Nebuzel, 
Kanina,  Kosätek  bei  Bischitz,  Benatky  a.  d.  Iser,  Cejetice  bei  Jungbunzlau, 
Rohosec  bei  Turnau,  Wlachei  bei  Oschitz  sowie  aus  Ostböhmen  von  Chotzen, 
Wamberg  nördlich  von  Chotzen  und  Morasice  bei  Leitomischl. 

Ferner  im  Cenoman  von  Schlesien,  Nordwestdeutschland,  Frankreich  und 
England. 

Mytilidac  Lam. 

Septifer  Rkcluz 
Septifer  scalaris  J.  Müller  sp. 

Taf.  10,  Fig,  23  a,  b,  24 

1847  Mptilus  linealus  J.  Müller,  1,  S.  34. 

1847  Mptilus  scalaris  J.  Müller,  S.  35,  Taf.  2,  Fig.  11. 

1887  Mptilus  suderodensis  Frech,  Taf.  15,  Fig.  25. 

1889  Septifer  lineatus  Holzapfel,  2,  S.  216,  Taf.  25,  Fig.  10 — 13. 

1897  Mptilus  linealus  Fric,  S.  58,  Abb.  65. 

1912 — 13  Mptilus  concinnus  Scupin,  S.  197,  Taf.  10,  Fig.  5. 

? 1912 — 13  Mptilus  sp.  Scupin,  Taf.  10,  Fig.  3. 

Die  kleine  längliche  Muschel  ist  ungefähr  doppelt  so  hoch  wie  breit, 
mehr  oder  weniger  gebogen,  gegen  den  Wirbel  spitz  zulaufend,  im  unteren 
Teile  gerundet.  Sie  ist  sehr  veränderlich,  fast  kein  Stück  gleicht  dem  anderen. 
Der  Vorderrand  ist  mehr  oder  weniger  eingebogen,  der  Unterrand  bildet  einen 
kurzen  engen  konvexen  Bogen  und  geht  unmittelbar  in  den  flach  konvexen 


Paläontologischer  Teil 


197 


Hinterrand  über.  Dieser  biegt  etwa  in  der  Mitte  im  stumpfen  Winkel  um 
und  verläuft  in  einer  nahezu  geraden  Linie  schräg  zum  Wirbel.  Der  spitze 
Wirbel  ist  etwas  niedergedrückt  und  liegt  am  vorderen  oberen  Schalenende. 
Von  ihm  zieht  eine  hohe  Wulst  über  den  Rücken  und  verflacht  sich  gegen 
den  Unterrand.  Der  Rücken  fällt  zum  Vorderrande  steil,  zum  Hinterrande 
und  Unterrande  allmählich  ab.  Eine  Kante  fehlt.  An  einigen  Steinkernen 
ist  auf  der  steilen  Vorderseite  der  Eindruck  der  von  Holzapfel  erwähnten 
schrägen  Furche  wahrnehmbar.  Der  Schloßapparat  läßt  sich  an  meinen  Stücken 
nicht  beobachten.  Nach  Holzapfel  befindet  sich  unter  dem  Wirbel  ein  un- 
deutliches wulstiges  Zähnchen  und  unterhalb  der  sehr  schmalen  Schloßplatte 
auf  einer  vertikalen  Scheidewand  ein  Muskeleindruck.  Die  Ligamentgrube 
ist  linear  und  sehr  tief  eingesenkt,  die  Nymphen  sind  schwach. 

Die  Verzierung  der  Schale  besteht  aus  zahlreichen,  verhältnismäßig 
kräftigen  radialen  Linien,  zwischen  die  sich  gegen  den  Unterrand  weitere 
einschieben.  Sie  werden  von  einigen  unregelmäßigen,  oft  sehr  scharf  hervor- 
tretenden konzentrischen  Anwachsstreifen  gekreuzt,  die  dann  meist  treppen- 
förmige Absätze  abgrenzen. 

Der  Schalenrand  ist  innen  fein  gekerbt. 


Maße : 

1 

2 

3 

4 

5 

6 

7 

8 

9 

10 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

Höhe: 

5,5 

6,0 

6,0 

7 

7,5 

8 

8 

8 

8 

9 

Länge:32) 

4,0 

3,5 

4 

4 

4,5 

4 

4,5 

5 

5,5 

4,5 

Höhe : Länge 
= 100: 

73 

58 

67 

57 

60 

50 

56 

63 

69 

50 

Maße: 

11 

12 

13 

14 

15 

16 

17 

18 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

Höhe: 

9 

10 

10,5 

12 

12 

12 

14 

15,5 

Länge: 

5,5 

6 

6 

6 

7 

8 

8 

9 

Hohe  : Länge 
= 100: 

61 

60 

57 

50 

58 

67 

57 

58 

Fundort: 

1-15) 

E 

E.-St. 

Tannendorf  1, 

16)  E 

Kreibitz 

12, 

17)  «E 

Kreibitz 

1,  18) 

Kieslingswalde. 

J.  Müller  unterscheidet  von  unserer  Form  zwei  Arten,  Mvtilus  lineatus 
und  Mvtilus  söalaris , die  Holzapfel  unter  Septifer  lineatus  vereinigt.  Die 
Abbildung  des  Mptilus  suderodensis  auf  Taf.  15,  Fig.  25  bei  Frech,  Suderode, 
stellt  sicher  unsere  Art  dar,  während  die  Abbildung  in  Fig.  1,  Taf.  15  und 
die  von  ihm  gegebene  Beschreibung  eine  andere  Art  ergibt. 

Woods  1004—1913,  1,  S.  106,  Taf.  18,  Fig.  1—12,  liefert  den  Nachweis, 
daß  die  von  Müller,  Holzapfel  und  Eric  aufgeführlen  Formen  nicht  dem 
englischen  Septifer  lineatus  Sow.  angehören.  Zu  den  von  ihm  gegebenen 
unterscheidenden  Merkmalen  ist  wenig  anzufügen.  Er  stellt  fest,  daß  die 
Aachener  Muschel  gebogener,  unregelmäßiger,  kleiner  und  mit  kräftigeren 
radialen  Rippen  gezeichnet  ist.  Daß  letztere  „nicht  von  konzentrischen  Linien 
gekreuzt  werden“,  ist  jedoch  in  der  Weise  zu  berichtigen,  daß  bei  dem  eng- 
lischen Septifer  lineatus  die  konzentrischen  Linien  viel  zahlreicher  als  bei 
unserer  Art  sind.  Da  demnach  der  Name  Septifer  lineatus  einer  anderen 
Art  zukommt,  muß  unsere  den  von  J.  Müller  angewendeten  zweiten  Namen 

32)  Länge:  Größter  Sehalendurchmesser  im  rechten  Winkel  zur  Höhe. 


198 


Abh.  preuß.  geol.  L.-A.,  Neue  Folge,  Heft  159 


Septifer  scalaris  führen.  Die  Abbildung,  die  Müller  von  dieser  Form  gibt, 
ist  auch  sehr  charakteristisch  für  unsere  Stücke. 

Septifer  saalaris  liegt  vor  in  ungefähr  50  Steinkernen  mit  teilweisen 
Hohlabdrücken.  Außerhalb  der  E.-St.  Tannendorf  ist  die  Art  selten. 
Vorkommen: 

Oberturon  aß:  Plissen  4; 

Emscher:  E.-St.  Tannendorf  1,  Krcibitz  1,  6,  12,  24,  26,  Böhm.  Kamnitz  14, 

Markersdorf  3,  Kieslingswalde,  Neuwarthau  Löw.  2 (Geol. 
Landesmus.),  Deutmannsdorf  (Geol.  Landesmus.),  Salzberg; 
Untersenon:  Niederbielau  Löw.  (häufig,  Geol.  Landesmus.),  Wenig  Rack- 

witz Löw.  1 (Rcalgvmn.  Löwenberg)  ?,  Sirgwitz  Low.  (Real- 
gymn.  Löwenberg)  ?. 

Ferner  ist  die  Art  aus  dem  Untersenon  von  Suderode  und  von  Aachen 
bekannt.  Im  Sandstein  bei  Niederbielau  Löw.  (Überquader)  ist  die  Art  zahl- 
reich in  größeren  Exemplaren  aufgefunden  worden  (Höhe:  15—25  mm). 

Septifer  Uneatus  Sow.  sp- 
Taf.  10,  Fig.  25 

1836  Modiola  lineala  Sowerby,  (2),  4,  S.  338,  Taf.  14,  Fig.  2. 

1889  Mytilus  coltae  Fitic,  S.  79,  Abb.  66. 

1904—13  Septifer  linealus  Woods,  1,  S.  106,  Taf.  13,  Fig.  1—12. 

Ein  einziger,  vorliegender  Steinkern  stimmt  nach  Form  und  Größe  gut 
mit  Septifer  Uneatus  überein.  Die  Muschel  ist  länglichoval,  hoch  gewölbt. 
Der  Oberrand  bildet  vom  Wirbel  bis  zum  Hinterrande  einen  regelmäßigen 
konvexen  Bogen,  der  Hinterrand  einen  engen  scharfen  Bogen.  Der  Unterrand 
ist  fast  gerade  bis  schwach  konkav.  Von  dem  am  oberen  vorderen  Ende 
gelegenen  kleinen  gebogenen  Wirbel  zieht  eine  stumpfe  Kante  in  einem 
flachen  Bogen  zum  unteren  hinteren  Ende.  Nach  oben  fällt  die  Oberfläche 
der  Muschel  allmählich  gerundet,  nach  unten  steil,  etwas  ausgehöhlt,  ab. 
Der  Steinkern  ist  bis  auf  einige  kräftige  Wachstumslinien  glatt. 

Die  Oberfläche  der  Schale  ist  mit  feinen  Radiallinien  verziert. 

Maße:  

Länge  (rechtwinkelig  zur  Höhe) : 32  mm 
Höhe:  11  „ 

Vorkommen: 

Oberturon  aß:  Khaa  2. 

In  Böhmen  auch  im  oberen  Mittelturon. 

Nach  Woods  in  der  englischen  unteren  und  oberen  Kreide  bis  hinauf 
ins  Senon. 

Modiola  Lam. 

Modiola  typica  FORBKS 
Taf.  10,  Fig.  26  a u.  b 

1843  Modiola  reversa  Geinitz,  4,  S.  15,  Taf.  3,  Fig.  11. 

1846  Modiola  typica  Forbes,  (2),  7,  S.  152,  Taf.  14,  Fig.  4. 

1866  Modiola  typica  Zittel,  2,  S.  78,  Taf.  11,  Fig.  5 a— c. 

1871  Modiola  typica  Stoliczka,  3,  S.  377,  Taf.  23,  Fig.  12 — 15. 

1872  Modiola  reversa  Geinitz,  1,  S.  216,  Taf.  48,  Fig.  9. 

1875  Modiola  siliqua  Geinitz,  2,  Taf.  15,  Fig.  4. 


Paläontologischer  Teil 


199 


1875  Modiola  capitata  Geinitz,  2,  Taf.  19,  Fig.  10. 

1875  Modiola  ligeriensis  Brauns,  S.  374. 

1883  Modiola  tppica  Fric,  S.  106,  Abb.  73. 

1897  Modiola  tppica  Fric,  S.  59,  Abb.  70. 

1901  Modiola  flagellifera  Sturm,  S.  39,  Taf.  11,  Fig.  5. 

Die  Muschel  ist  verlängert  schief  oval,  Vorderteil  und  Mitte  aufgebläht, 
der  Hinterrand  zusammengedrückt  und  etwas  ausgebreitet.  An  den  vor- 
liegenden Steinkernen  ist  die  zusamniengedrüekte  Partie  gewöhnlich  mehr 
oder  weniger  abgebröckelt,  so  daß  die  Stücke  verhältnismäßig  schmäler 
erscheinen  als  sie  nach  der  Form  der  dazugehörigen  Ilohlabdrücke  sein 
sollten ;J3).  Der  kurze  Vorderrand  ist  gerundet.  Der  fast  gerade  Schloßrand 
reicht  meist  bis  über  die  Schalenmitte  hinaus  und  bildet  mit  dem  schief 
abgeschnittenen,  schwach  konvexen  Hinterrande  einen  stumpfen  Winkel.  Der 
lang  gezogene  Unterrand  besitzt  in  der  Mitte  eine  flache  Einbiegung.  Unter- 
und  Hinterrand  stoßen  in  einer  gerundeten  Ecke  aneinander.  Die  größte 
Schalenbreite  liegt  an  der  Stelle,  wo  Schloßrand  und  Hinterrand  Zusammen- 
treffen. Der  niedergebogene  breite  Wirbel  ist  nach  vorn  gerichtet  und  liegt 
ein  wenig  hinter  dem  Vorderrande  zurück.  Vom  Wirbel  zieht  quer  über 
die  Schalenmitte  bis  zur  hinteren  unteren  Ecke  eine  schwach  gebogene  Wulst. 
Kurz  hinter  dem  Wirbel  tritt  sie  besonders  kräftig  hervor  und  schmiegt 
sich  dann  allmählich  der  allgemeinen  Schalenwölbung  an.  Der  Abfall  der 
Wulst  zum  Schloßrande  ist  in  der  Nähe  des  Wirbels  sehr  steil.  Er  verringert 
sich  jedoch  nach  dieser  Seite  in  dem  Maße,  wie  sich  die  Wulst  dem  Unter- 
rande nähert,  während  umgekehrt  der  Abfall  zum  Unterrande  am  Wirbel 
flacher,  gegen  den  Hinterrand  jedoch  steiler  ist. 

Die  Verzierung  der  Schale  besteht  in  scharfen  erhabenen  konzentrischen 
Linien.  Auf  der  breiten  Fläche  zwischen  Wulst  und  Hinterrand  treten  sie 
besonders  gut  hervor,  während  sie  unterhalb  der  Wulst  sowie  gegen  den 
Wirbel  hin  schwächer  werden  und  sich  häufig  gabeln.  In  der  vom  Wirbel 
nach  dem  Unterrande  und  schräg  nach  hinten  ausgebreiteten  Einmuldung 
werden  die  konzentrischen  Linien  von  sehr  feinen  dichten  Radiallinien  ge- 
kreuzt. Auf  den  Steinkernen  sind  letztere  kaum  oder  nur  an  einigen  wenigen 
Stellen  zu  erkennen.  Die  vorliegenden  Hohlabdrücke  bestätigen  jedoch  die 
Zugehörigkeit  aller  Stücke  zu  ein  und  derselben  Art. 


Maße: 

1 

2 

3 

4 

5 

6 

7 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

Länge: 

Größter  Schalen  du  rchm  es  ser 

84 

77 

75 

71 

68 

62 

61 

rechtwinkelig  zur  Länge: 

28 

25,5 

33 

31 

23 

23 

17 

Dicke  beider  Klappen: 

25 

26 

30 

20 

19,5 

22 

15 

Maße : 

8 

9 

10 

11 

12 

13 

14 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

Länge: 

Größter  Schalen durchmesser 

60 

58 

54 

53 

51 

41 

41 

rechtwinkelig  zur  Länge: 

20 

24 

23 

23 

22 

18 

16 

Dicke  beider  Klappen: 

14 

18 

18 

19 

16 

15 

14 

33)  vergl.  besonders  1 and  2 in  der  Zusammenstellung  der  Maße. 


200 


Abh.  preuß.  gieol.  L.-A.,  Neue  Folge,  Heft  159 


Fundort: 

2)  E Kreibitz  9,  4),  14)  E Kreibitz  26;  die  übrigen  Stücke  von  E E.-St. 
Tannendorf  1. 

1),  9),  11),  13)  befinden  sich  in  der  Sammlung  des  Humboldtvereins 
zu  Ebersbach,  alle  anderen  Stücke  in  meiner  Sammlung. 

Da  die  Unterscheidungsmerkmale  für  unsere  Art  teils  auf  der  feinen 
Schalenzeichnung,  teils  auf  schwer  zu  schildernden  und  abzubildenden  Wöl- 
bungsverhältnissen beruhen,  ist  es  bei  dem  verschiedenartigen  Material  lind 
Erhaltungszustände  der  Stücke  schwierig,  aus  der  umfangreichen  Literatur 
die  zu  unserer  Art  gehörigen  herauszufinden.  Am  besten  stimmen  unsere 
Stücke  mit  Modiola  tppica  bei  Zittel  und  Stoliczka  überein,  so  daß  die 
bereits  von  Eric  vorgenommene  Vereinigung  derselben  mit  dieser  Art  bei- 
zubehalten ist.  Ausdehnung  und  Stärke  der  radialen  Verzierung,  die  für  die 
Artunterscheidung  als  wichtig  angesehen  wird,  läßt  sich,  wie  bereits  erwähnt, 
an  Hand  des  vorliegenden  Materiales  nur  mangelhaft  nachweisen. 

Modiola  reversa  Geinitz  und  Modiola  jlagellijera  Sturm  aus  dem  Emscher 
von  Kieslingswalde  gehören  sicher  hierher,  wie  eine  Nachprüfung  des 
Materiales  im  Museum  zu  Dresden  ergeben  hat.  Mit  der  Bezeichnung 
„jlagellifera“  dürfte  dem  Autor  lediglich  ein  Irrtum  unterlaufen  sein. 

Als  Fundorte  für  Modiola  reversa  nennt  Geinitz  1875,  2,  weiter  Tannen- 
berg, Kreibitz  und  das  Cenoman  von  Plauen.  Das  1875,  2,  Taf.  19,  Fig.  10 
dargestellte  und  hierher  gehörige  Stück  von  der  E.-St.  Tannendorf  ist  als 
Modiola  capitata  Zittel  bezeichnet.  Als  Modiola  siliqua  bildet  er  aus  dem 
Mittelquader  von  Großcotta  bei  Dresden  einen  Steinkern  ab,  dessen  Form 
nach  Vergleich  des  Originales  vollständig  mit  unserer  Art  übereinstimmt. 

Unter  Modiola  ligeriensis  erwähnt  Brauns  vom  Salzberge  bei  Quedlinburg 
ebenfalls  unsere  Art.  Ein  von  mir  dort  gesammeltes  Bruchstück  eines 
Hohlabdruckes  zeigt  die  eigentümliche  radiale  Schalenverzierung  unserer  Art. 

Auch  Modiola  tvpica  Fric  aus  den  böhmischen  mittelturonen  Iserschichten 
ist  hier  einzureihen.  Ich  konnte  in  dieser  Zone  selbst  einige  Stücke  sammeln. 

Sehr  nahe  steht  unserer  Art  Modiola  reversa  Sow.  Woods34)  erwähnt 
dies,  ohne  jedoch  auf  die  Unterscheidungsmerkmale  einzugehen.  Es  scheint, 
daß  bei  Modiola  reversa  die  Wulst  oder  der  Kiel  weniger  kräftig  als  bei 
Modiola  tvpica  entwickelt  sind  und  daß  der  Wirbel  weniger  vom  Vorderrande 
zurückliegt.  Letzteres  könnte  jedoch  durch  die  Abbildung  von  Fig.  18  auf 
Taf.  15  bei  Woods  widerlegt  werden.  Die  Abbildungen  Fig.  17  und  18  auf 
Taf.  15  zeigen  übrigens  gegenüber  den  Fig.  1 und  2 auf  Taf.  16  einen  längeren 
Schloßrand  und  zwar  in  derselben  Ausbildung,  wie  er  auch  an  unseren  Stücken 
vorhanden  ist. 

Auch  Modiola  ligeriensis  d’Orb.  steht  unserer  Art  sehr  nahe.  Nach 
Woods,  1,  S.  96,  Taf.  16,  Fig.  4—6,  besteht  der  Unterschied  von  Modiola 
reversa  nur  in  der  etwas  anders  gearteten  radialen  Verzierung. 

Da  die  in  Frage  kommenden  Arten  sich  nur  wenig  voneinander  unter- 
scheiden, und  je  nach  dem  Erhaltungszustände  der  Originale  die  Darstellung 
ein  und  derselben  Art  verschieden  ausgefallen  sein  mag,  dürfte  ein  weiteres 

84)  WOODS  1904— 13.  1,  9.  94,  Taf.  15,  Fig.  15—18;  Taf.  16.  Fig.  1,  2,  8. 


Paläontologisclier  Teil 


201 


Eingehen  auf  die  Literatur  unnütz  sein.  Nur  ein  Vergleich  der  Originale  unter- 
einander kann  zu  weiteren  sicheren  Ergebnissen  führen. 

Zur  Bearbeitung  lagen  etwa  40  Steinkerne  mit  teilweisen  Hohlabdrücken  vor. 
Vorkommen: 

Unterturon:  Jidn  4 (Soukup); 

Mittelturon:  Turnau  1,  3,  Jicin  2,  3,  8,  43,  44,  45,  49  (alle  7 Soukup),  29,  36, 

Löwenberg  1 (Geol.  Landesmus.),  Grunauer  Spitzberg  Löw.  2 
(Geol.  Landesmus.),  Heuscheuer  1; 

Emscher:  E.-iSt.  Tannendorf  1,  E.-St.  Neuhütte  3,  Oberkreibitzer  Tal- 

sperre 9,  Tollenstein,  Kreibitz  9,  24,  26,  Großhartmannsdorf 
Löw.  (Geol.  Landesmus.),  Kieslingswalde  (Mus.  Dresden), 
Salzberg; 

Untersenon:  Wenig  Rackwitz  Löw.  1 (Geol.  Landesmus.). 

Die  Stücke  befinden  sich  in  meiner  Sammlung,  sowie  von  der  E.-St. 
Tannendorf  auch  einige  in  der  Sammlung  des  Humboldtvereins  zu  Ebersbach 
und  im  Museum  zu  Prag. 

Ferner  ist  die  Art  aus  der  Gosau  und  aus  der  indischen  Kreide  (Trichi- 
nopoly  group)  bekannt. 

Mocliola  böhmi  n.  sp. 

Taf.  10,  Fig.  27  a,  b,  28 
1897  Mytilus  inornatus  FriC,  S.  58. 

Die  Muschel  ist  vierseitig  schief  querverlängert,  im  vorderen  Teile  mäßig 
gewölbt,  an  der  sich  quer  über  die  Schale  ziehenden  Kante  stark  aufgebläht. 
Der  Vorderrand  ist  kurz  und  gerundet;  der  gerade  Schloßrand  geht  unmittelbar 
in  den  schwach  konvexen,  nach  hinten  schief  abgestutzten  Hinterrand  über. 
Hinter-  und  Unterrand  bilden  einen  gerundeten  spitzen  Winkel.  Der  fast 
gerade  Unterrand  besitzt  etwa  in  der  Mitte  eine  schwache  Einbiegung 
und  geht  im  flachen  Bogen  in  den  Vorderrand  über.  Die  breiten,  nach  vorn 
gerichteten  Wirbel  sind  stark  niedergebogen  und  überragen  den  Schloßrand; 
sie  liegen  vom  Vorderrande  etwas  zurück.  Vom  Wirbel  zieht  zur  unteren 
hinteren  Ecke  ein  hoher,  gratförmig  herausgehobener  Kiel  und  vor  diesem, 
auf  dem  Wirbel  beginnend,  bis  zum  Unterrande  eine  flache  breite  Ein- 
muldung.  Vor  der  Mulde  erhebt  sich  eine  runde  sanfte  Wölbung,  die  den 
ganzen  vorderen  Schalenteil  einnimmt.  Hinter  dein  Kiele  fällt  die  Schale 
zum  Schloß-  und  Hinterrande  sehr  steil,  nach  vorn  zum  Unter-  und  Vorder- 
rande hingegen  mäßiger  ab. 

Die  ganze  Schale  ist  radial  verziert.  Mitte  und  Vorderteil  sind  von  feinen 
engen  Linien  bedeckt,  auf  dem  Kiele  und  auf  der  Hinterseite  werden  sie 
kräftiger  und  bilden  deutliche  Rippen.  An  Hohlabdrücken  ist  die  Verzierung 
sehr  gut  sichtbar  und  auch  auf  den  Steinkernen  noch  leidlich  zu  erkennen. 
Gekreuzt  werden  die  radialen  Linien  von  feinen  engen  konzentrischen  Linien 


und  unregelmäßigen  etwas 

Maße: 

gröberen 
1 2 

Runzeln. 

3 

4 

5 

6 

7 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

Länge: 

30 

30 

29 

27 

25 

14 

11 

Höhe: 

15 

14 

15 

13 

13 

7 

6 

Dicke  beider  Klappen: 

14 

— 

15 

14 

— 

— 

— 

Fundort:  Sämtliche  Stücke  von  E E.-St.  Tannendorf  1. 


202 


Abh.  preuß.  gteöl.  L.-A,,  Neue  Folge,  Heft  159 


4)  Sammlung  des  Humboldtvereins  zu  Ebersbach,  die  übrigen  Stücke 
meine  Sammlung. 

Die  Art  besitzt  wenig  ähnliche  Formen.  So  ist  Mytilus  cornelianus 
d’Okb.  3;))  wohl  ebenfalls  über  die  ganze  Schale  radial  verziert,  jedoch  hinten 
bedeutend  breiter  und  ohne  Kante  oder  Kiel. 

Modiola  vectiensis  Woods  3g)  besitzt  durchweg  stärkere  und  sich  gabelnde 
Rippen  und  keine  konzentrische  Verzierung,  bei  Modiola  striato-coslata 
d’Orb.  37)  sind  die  Rippen  (Linien)  gleichmäßig  fein,  ein  Kiel  ist  nicht 
vorhanden. 

Fric  hat,  wie  ich  mich  im  Museum  zu  Prag  überzeugen  konnte,  unsere 
Art  als  Mvtilus  inornatas  d’Orb.  bezeichnet.  Dieser  hat  jedoch  nach  d’Orbigny 
keine  radialen  Linien. 

Von  der  scharf  charakterisierten  Form  liegen  mir  15  Steinkerne,  teils 
mit  Hohlabdrücken,  vor  und  zwar  vorwiegend  von  der  E.-St.  Tannendorf. 

Ich  benenne  die  Art  zu  Ehren  des  Herrn  Professor  Dr.  Johannes  Böhm 
in  Berlin. 

Vorkommen: 

Emscher:  E.-St.  Tannendorf  1,  Kreibitz  24,  26,  Neuwarthau  Löw.  2 

(Geol.  Landesmus.). 

Modiola  radiata  Mxstk.  sp. 

Taf.  10,  Fig.  29  a u.  b 

1834 — 40  Mytilus  radiatus  Goldfuss,  2,  S.  178,  Taf.  138,  Fig.  6. 

1842  Modiola  arcuata  Geinitz,  3,  S.  79,  Taf.  20,  Fig.  34. 

1846  Mytilus  radiatus  Reuss,  2,  S.  16,  Taf.  33,  Fig.  8. 

1877  Mytilus  radiatus  FriC,  S.  120,  Abb.  88. 

1883  Mytilus  radiatus  Fric,  S.  104,  Abb.  70. 

.Von  dieser  Art  liegt  ein  Exemplar  von  der  Oberkreibitzer  Tal- 
sperre zur  Bearbeitung  vor.  In  der  Form  gleicht  das  vorliegende  Stück 
gewissen  schmalen  Formen  der  Modiola  typica.  Der  Wirbel  ist  bei  unserem 
Stück  jedoch  spitzer  als  bei  dieser  Art.  Das  wichtigste  Unterscheidungs- 
merkmal ist  die  charakteristische  Verzierung.  Von  der  vom  Wirbel  in 
schwacher  Biegung  gegen  die  untere  hintere  Ecke  hinziehenden  Wulst  ver- 
laufen zum  Schloßrande  und  Hinterrande  regelmäßige  gekrümmte  scharfe 
Furchen.  Auf  der  steil  abfallenden  Unterseite  sind,  wie  ein  kleineres  Exem- 
plar vom  Popelberg  bei  Löwenberg  im  Geologischen  Landesmuseum  zeigt, 
nur  feine  Radiallinien  vorhanden.  Gekreuzt  werden  die  Furchen  und  Linien 
von  konzentrischen  Anwachslinien  und  unregelmäßigen  kräftigeren  Falten. 

MaPe: 

Länge : 42  mm 

Höhe:  14  „ 

Vorkommen: 

Mittelturon:  Jidn  30  (Soukup),  Turnau  2,  Löwenberg  1 (Geol.  Landesmus.), 

Kesselsdorf  Löw.  (Geol.  Landesmus.) ; 

Emscher:  Oberkreibitzer  Talsperre  9,  Neuwarthau  Löw.  2 (Geol.  Landes- 

mus., Realgymn.  Löwenberg). 

35)  D’Orbigny  1844,  3,  9.  268.  Taf.  337,  Fig-JLO— 13. 

36)  WOODS  1904/13,  2,  9.  102,  Taf.  17,  Fig.  6—8. 

87)  WOODS  1904/13,  2,  S.  103,  Taf.  17,  Fig.  9^11. 


Paläontologischer  Teil 


203 


Außerdem  ist  die  Art  auch  anderweit  in  turonen  Schichten  Böhmens 
vorhanden. 


Modiola  fabacea  Holzapfel 
Taf.  10,  Fig.  30 

1847  Modiola  faba  J.  Müller,  1,  S.  33,  Taf.  2,  Fig.  13. 

1889  Modiola  fabacea  Holzapfel,  2,  S.  222,  Taf.  25,  Fig.  15. 

Die  kleine  querkeilförmige  Muschel  ist  gerundet  und  gleicht  in  ihrer 
Form  vollständig  der  bedeutend  größeren  Modiola  typica  Forb.  Der  gerade 
Schloßrand  reicht  bis  über  die  Schalenmitte  und  geht  in  einer  Rundung  in 
den  schwach  gebogenen  Hinterrand  über.  Der  Unterrand  ist  fast  gerade  und 
nur  in  der  Mitte  schwach  eingebogen;  der  Vorderrand  ist  gerundet.  Die  größte 
Höhe  befindet  sich  am  Zusammentreffen  zwischen  Schloß-  und  Hinterrand 
und  übertrifft  diejenige  in  der  Nähe  des  Wirbels  ganz  bedeutend.  Der  nach 
vorn  niedergebogene  Wirbel  liegt  etwas  hinter  dem  Vorderrande  zurück. 
Vom  Wirbel  zieht  zur  hinteren  unteren  Ecke  ein  gerundeter,  wenig  hervor- 
tretender und  sich  nach  hinten  allmählich  verflachender  Rücken.  In  der 
Schalenmitto  breitet  sich  unterhalb  der  Rückenlinie  eine  flache  schiefe  Ein- 
buchtung aus. 

Die  Verzierung  der  Schale  besteht  aus  scharfen  erhabenen  konzentrischen 
Linien,  die  besonders  auf  der  hinteren  Abdachung  deutlich  hervortreten. 
Gegen  den  Unterrand  werden  sie  dichter  und  feiner,  die  Umgebung  des 
Wirbels  ist  fast  glatt.  Die  scharfe  gleichmäßige  konzentrische  Berippung 
unterscheidet  die  Art  von  Modiola  typica. 

Maße:  1 2 

Länge: 

Größter  Durchmesser 
rechtwinkelig  zur  Länge 

Fundort : 

1)  E Kreibitz  6,  2)  E Kreibitz  12. 

Vorkommen: 

Emscher:  Kreibitz  6,  12; 

Untersenon:  Wenig  Rackwitz  Low.  1 (Geol.  Landesmus.),  Sirgwitz  Löw. 

(Geol.  Landesmus.). 

Außerdem  ist  die  Art  aus  dem  Obersenon  von  Aachen  bekannt. 

Modiola  flagellifera  Forbks 
Taf.  10  Fig.  31  a u..  b 

1846  Mylilus  (Modiolus)  flagelliferus  E.  Forbes,  (2),  7,  S.  152,  Taf.  16,  Fig.  9. 

1866  Modiola  flagellifera  Zittel,  2,  S.  82,  (S.  6 Neudruck),  Taf.  12,  Fig.  2. 

1871  Modiola  flagellifera  Stoliczka,  3,  S.  379,  Taf.  24,  Fig.  1,  2. 

1875  Mytilus  ( Modiola ) flagellifera  Geinitz,  2,  S.  55,  Taf.  15,  Fig.  5. 

1888  Modiola  flagellifera  G.  Müller,  S.  418. 

1897  Modiola  flagellifera  FriC,  S.  59,  Abb.  69. 

1904 — 13  Modiola  flagellifera  Woods,  1,  S.  99,  Taf.  17,  Fig.  1,  2. 

1912 — 13  Modiola  flagellifera  Scupin,  S.  198. 


11  mm  7 mm 

6 „ 4 „ 


204 


Abh.  preuß.  gieol.  L.-A.,  Neue  Folge,  Heft  159 


Die  Muschel  ist  stark  verlängert,  zylinderförmig,  schwach  gebogen,  gegen 
hinten  etwas  verbreitert  und  zusammengedrückt.  Ober-  und  Unterrand  laufen 
fast  parallel;  der  Oberrand  ist  schwach  nach  außen,  der  Unterrand  schwach 
nach  innen  gebogen.  Vorder-  und  Hinterrand  bilden  enge  Bogen;  die  kleinen 
niedergedrückten  Wirbel  liegen  nahezu  am  vorderen  Ende.  Vom  Wirbel 
verläuft  über  die  Länge  der  Schale  im  flachen  Bogen  nach  hinten  unten 
ein  schwacher  Kiel. 

Die  eigenartige  Verzierung  der  Schale  besteht  aus  kräftigen,  am  Ober- 
rande beginnenden  und  schräg  nach  hinten  gerichteten  Rippen,  die  sich  vor 
der  höchsten  Schalenwölbung  in  drei  bis  fünf  schwächere  Rippchen  und  diese 
wieder  in  noch  feinere  Linien  auflösen.  Letztere  biegen  an  der  stumpfen 
Kante  scharf  gegen  den  Wirbel  um  und  verlaufen  nun  fast  parallel  zum 
Unterrande  bis  an  den  Vorderrand,  wo  sie  unter  dem  Wirbel  verschwinden. 

Maße : 

Länge:  83  mm 

Höhe:  19  „ 

Länge  : Höhe  = 100;  23 

Obwohl  weder  indische  noch  englische  Stücke,  noch  solche  aus  der 
Gosau  im  Original  verglichen  werden  konnten,  ist  die  Verzierung  unserer 
Art  so  eigenartig,  daß  nach  den  Abbildungen  die  Übereinstimmung  gewähr- 
leistet erscheint.  Die  im  Museum  zu  Dresden  vorhandenen  Stücke  aus  dem 
Emscher  von  Waldau  in  Schlesien,  auf  die  sich  u.  a.  Geinitz  im  „Elbtal- 
gebirge“ (1875)  bezieht,  stimmen  mit  unseren  überein.  Scupin  erwähnt  außer 
diesem  Fundorte  noch  das  Untersenon  von  Sirgwitz  und  Wenig  Rackwitz. 
Von  diesen  Plätzen  liegen  Exemplare  im  Geologischen  Landesmuseum. 
G.  Müller  zitiert  die  Form  aus  dem  Emscher  des  nördlichen  Harzrandes  und 
hebt  besonders  die  eigenartige  Skulptur  derselben  hervor,  so  daß  Über- 
einstimmung anzunehmen  ist.  Hingegen  gehören  das  von  Sturm  1901,  Taf.  11, 
Fig.  5 unter  dieser  Bezeichnung  dargestellte  Stück  und  das  von  ihm  als 
Synonym  zitierte,  von  Geinitz  1843,  Taf.  3,  Fig.  11  als  Modiola  reversa 
angeführte,  wie  an  den  Originalen  festgestellt  werden  konnte,  nicht  zu  unserer 
Art,  sondern  zu  Modiola  typiaa  Forb.  In  Kieslingswalde  habe  ich  jedoch 
ein  kleines  Bruchstück  unserer  Art  selbst  gesammelt.  Die  Originale  zu 
Fric,  Chlomeker  Schichten,  stammen  von  der  E.-St.  Tannendorf  und  befinden 
sich  im  Museum  zu  Prag.  Ihre  Übereinstimmung  mit  unserer  Art  konnte 
festgestellt  werden. 

Aus  unserem  Gebiete  habe  ich  etwa  15  Steinkernc  und  Hohlabdrücke 
von  dieser  Art  gesammelt  und  zwar  vorwiegend  an  der  E.-St.  Tarinendorf. 

Vorkommen: 

Emscher:  E.-St.  Tannendorf  1,  Kreibitz  1,  7,  24,  26,  Oberkreibitzer 

Talsperre  5,  E.-St.  Neuhütte  5,  Kieslingswalde,  Waldau  Löw. 
(Mus.  Dresden),  Neuwarthau  Löw.  2 (Realgymn.  Löwenberg, 
Geol.  Landesmus.) ; 

Untersenon:  Wenig  Rackwitz  Löw.  1 (Geol.  Landesmus.),  Sirgwitz  Löw. 

(Geol.  Landesmus.). 

Weiter  liegt  die  Art  aus  dem  Emscher  des  Harzrandes,  aus  dem  oberen 
Grünsand  von  England  und  aus  der  Valudayoor  group  von  Pondicherry  in 
Indien  vor. 


Paläontologischer  Teil 


205 


Crenella  Brown 
Crenella  in f lata  J.  Müller  sp. 

Taf.  10,  Fig.  33 

1847  Mylilus  inflatus  J.  Müller,  1,  S.  35,  Taf.  2,  Fig.  9. 

1885  Crenella  inflata  J.  Böhm,  S.  88. 

1889  Crenella  inflata  Holzapfel,  2,  S.  220,  Taf.  25,  Fig.  17,  18. 

Die  hoch  gewölbte  Muschel  ist  im  Umriß  hochoval.  Der  Wirbel  ist 
spitz,  nach  innen  eingerollt  und  nach  vorn  gedreht.  Die  Oberfläche  ist  mit 
sehr  feinen  Radiallinien  bedeckt,  die  auch  an  zwei  Steinkernen  teilweise 
sichtbar  sind.  Die  Linien  gabeln  sich,  oder  es  schieben  sich  gegen  den 
Unterrand  guch  neue  dazwischen.  Zuweilen  verlaufen  über  die  Oberfläche 
konzentrische  treppenförmige  Absätze. 

Wegen  ihrer  geringen  Größe  mag  die  Art  wohl  oft  übersehen  worden  sein. 


Maße: 

Höhe:  5— 6 mm 

Breite:  4—5  „ 

Vorkommen: 

Oberturon  a ß : 

Lückendorf  2,  5; 

Oberturon  y : 

Kreibitz  7 (4  Stück) ; 

Emscher : 

Kieslingswalde  (3  Stück). 

Außerdem 

im  Untersenon  von  Aachen. 

Lithodomus  CüY. 

Lithodomus  spatulatus  Geix.  sp. 

Taf.  10,  Fig.  32;  Taf.  11,  Fig.  1 

1842  Modiola  spathulala  Geinitz,  3,  S.  79,  Taf.  21,  Fig.  7. 

1846  Solen  spatulatus  Reuss,  2,  S.  16,  Taf.  36,  Fig.  10. 

1877  Lithodomus  spatulatus  FniC,  S.  122,  Abb.  92. 

1883  Lithodomus  spatulatus  FuiC,  S.  105. 

1893  Lithodomus  spatulatus  FuiC,  S.  95. 

Einige  Stücke  einer  zylinderförmigen,  nach  hinten  keulenartig  erweiterten 
und  schwach  gebogenen  Muschel  lassen  sich  am  besten  mit  Lithodomus 
spatulatus  vereinigen.  Die  glänzend  glatte  Schale  ist  mit  unregelmäßigen 
vertieften  konzentrischen  Linien  bedeckt,  die  Steinkerne  sind  glatt.  Der 
kleine,  kaum  wahrnehmbare  Wirbel  liegt  wenig  hinter  dem  Vorderrande  zurück. 

Maße:  12  3 

Lange:  99  mm*)  23  mm  13  mm 

Größter  Durchmesser 

rechtwinkelig  zur  Lange:  24  „ 7 „ 5,5,. 

*)  abgebrochen 

Fundort: 

1)  E Tannendorf  1,  Sammlung  Humboldtverein  Ebersbach.  2)  E Kreibitz 
24.  3)  E Kreibitz  12. 


206 


Abh.  preuß.  gie-ol.  L.-A.,  Neue  Folge,  Heft  159 


Vorkommen: 

Mittelturon:  Bonnewitz  (Mus.  Dresden),  Kickeisberg  1,  Hostin  3,  Jiein 

30,  31,  44,  51  (alle  4 Souicup),  19,  29,  36,  Heuscheuer  1; 
Emscher:  E.-St.  Tannendorf  1,  Kreibitz  12,  24,  Falkenau  4,  Neuwarthau 

Löw.  2 (Geol.  Landesmus.),  Großhartmannsdorf  Löw.  (Geol. 
Landesmus.),  Gehnsdorf  Löw.  2 (Geol.  Landesmus.),  Herzogs- 
waldau Löw.  (Geol.  Landesmus.). 

Dreissensia  van  Bene  den 
Dreissensia  teyulata  »1.  Müller  sp. 

Taf.  11,  Fig.  2 a,  b,  3 

1847  Mytilus  tegulatus  J.  Müller,  1,  S.  35,  Taf.  2,  Fig.  12. 

1847  M ytilus  lanceolalus  J.  Müller,  1,  S.  35. 

1847  Mytilus  falcalus  J.  Müller,  1,  S.  35,  Taf.  2,  Fig.  10. 

1875  Mytilus  galiennei  Brauns,  S.  375. 

1885  Mytilus  tegulatus  J.  Böhm,  S.  87. 

1889  Septijer  tegulatus  Holzapfel,  2,  S.  218,  Taf.  25,  Fig.  1 — 9. 

1897  Mytilus  galliennei  Fric,  S.  58,  Fig.  66. 

Die  längliche,  in  der  Form  außerordentlich  veränderliche  Muschel  liat 
einen  halbmondförmigen  Umriß.  Der  lange,  gewöhnlich  eingebogene  Vorder- 
rand bildet  mit  dem  fast  geraden  Schloßrande  einen  Winkel  von  55—60°. 
Letzterer  verfließt  mit  dem  Hinter-  und  Unterrande  zu  einem  etwas  ungleich- 
seitigen Bogen.  Unter-  und  Vorderrand  stoßen  in  einem  engen  Bogen  an- 
einander. Der  spitze  Wirbel  ist  ganz  am  vorderen  Ende  gelegen.  Von  ihm 
verläuft  eine  gerundete  Kante  in  einiger  Entfernung  vom  Vorderrande  zur 
vorderen  unteren  Ecke.  Vor  dem  Kiele  fällt  die  Muschel  senkrecht  oder 
sogar  etwas  überhängend  ab.  Zum  Schloß-  und  Hinterrande  dacht  sie  sich 
jedoch  allmählich  in  schwacher  gleichmäßiger  Wölbung  ab.  Das  Schloß  ist 
an  den  vorliegenden  Steinkernen  nicht  festzustellen. 

Die  Verzierung  der  Schale  besteht,  wie  an  Hohlabdrücken  erkennbar  ist, 
aus  feinen  konzentrischen  Linien,  die  auf  der  steil  abfallenden  Vorderseite  in 
gerader  Richtung  gegen  den  Wirbel  hin  streben.  Steinkerne  sind  fast  glatt. 
Ältere  Stücke  zeigen  gegen  den  Hinter-  und  Unterrand  zuweilen  treppen- 
förmige Absätze. 


Maße: 

1 

2 

3 

4 

5 

mm 

nun 

mm 

mm 

mm 

Vorderrand: 

27 

oo 

19 

17 

12,5 

Schloßrand : 

14 

12,5 

10,5 

11 

8 

Größter  Durchmesser  rechtwinklig 
zum  Kiel  bis  an  den  Hinterrand: 

14 

10 

11,5 

9,5 

8 

Dicke  von  zweiklappigen  Steinkeinen: 

11 

9,5 

8 

8 

y 

Maße: 

G 

7 

8 

9 

mm 

mm 

mm 

mm 

Vorderrand : 

10 

8,-5 

20 

18 

Schloß  rand : 

8 

5 

11 

9 

Größter  Durchmesser  rechtwinkelig 
zum  Kiel  bis  an  den  Hinterrand: 

7,5 

4,5 

10 

8 

Dicke  von  zweiklappigen  Steinkernen : 

5 

4 

8 

Paläontologischer  Teil 


207 


Fundort: 

1),  3—7)  E E.-St.  Tannendorf  1,  2)  E Kreibitz  12,  8),  9)  Kieslingswalde. 

J.  Müller,  J.  Böhm  und  Holzapfel  schildern  unsere  Art  aus  der  Kreide 
von  Aachen.  Besonders  Holzapfel,  dem  eine  größere  Anzahl  Stücke  zur 
Bearbeitung  Vorgelegen  hat,  befaßt  sich  eingehend  damit  und  weist  auf 
Grund  seines  Materiales  ganz  besonders  auf  die  große  Veränderlichkeit  der 
Art  hin.  Im  Museum  zu  Dresden  konnte  die  Übereinstimmung  von  Aachener 
Exemplaren  mit  den  unserigen  festgestellt  werden.  Der  von  Brauns  aus  den 
Salzbergmergeln  beschriebene  Mytilus  galicnnci  ergibt  zweifellos  unsere 
Form.  In  zwei  Exemplaren  habe  ich  sie  auch  in  den  gleichalterigen  Schichten 
von  Kieslingswalde  gefunden.  Im  Museum  zu  Prag  liegen  ebenfalls  Stücke 
von  Kieslingswalde,  von  wo  Fuic  die  Art  nebst  den  Fundorten  Kreibitz  und 
Tannenberg  erwähnt.  Ich  glaube,  eine  Trennung  der  Emscher-  und  Unter- 
senonformen  von  den  älteren,  durch  Woods  1904—1913,  1,  S.  110  unter 
Dreissensia  lanceolata  Sow.  zusammengefaßten  aufrecht  erhalten  zu  müssen. 
Von  allen  mir  bekannten  Fundorten  aus  jüngeren  Horizonten  sind  die  Stücke 
kleiner  und,  wie  auch  Woods  erwähnt,  veränderlicher  in  ihrer  Form.  Die 
aus  dem  Cenoman  des  nahen  Elbsandsteingebirges  von  Geinitz  3*s)  u.  a. 
erwähnten  ähnlichen  Stücke  sind  ebenfalls  größer  und  weniger  veränderlich, 
gehören  demnach  auch  nicht  zu  unserer  Art.  Woods  beschäftigt  sich  ein- 
gehend mit  der  Gattung  Dreissensici  und  kommt  zu  dem  Ergebnis,  daß  seine 
den  unseren  ganz  ähnlichen  Exemplare  entweder  zu  Dreissensia  zu  stellen 
sind  oder  einer  neuen  Gattung  angehören.  Ich  habe  mich  für  die  vorstehende 
Art  dem  Vorgehen  von  Woods  angeschlossen  und  die  Bezeichnung  Dreissensia 
gewählt.  Eine  Nachprüfung  des  Schloßapparates  ist  an  meinen  Stücken  leider 
nicht  möglich.  Von  Dreissensia  tegnlata  liegt  nur  ein  Dutzend  Steinkerne  vor. 

Vorkommen: 

Emscher:  Limbach  2,  E.-St.  Tannendorf  1,  2,  Kreibitz  8,  9,  12,  Kieslings- 

walde, Deutmannsdorf  Löw.  (Geol.  Landesmus.). 

WTeiter  ist  die  Art  aus  dem  Emscher  vom  Salzberge  bei  Quedlinburg 
sowie  aus  dem  Untersenon  von  Aachen  bekannt. 

Homomyaria 
Nuculidac  Gray 
Nucula  La  m. 

Nucula  pietzschi  n.  sp. 

Taf.  11,  Fig.  4,  5 a u.  b 

1846  Nucula  margarilacea  Reuss,  2,  S.  6,  Tat.  34,  Fig.  26,  27. 

Vom  Eisenbahneinschnitt  an  der  E.-St.  Tannendori  liegt  ein  Dutzend 
Steinkerne,  teilweise  mit  Hohlabdrücken  vor,  die  mit  der  von  Reuss  als 
Nucula  margarilacea  dargestellten  Art  übereinstimmen.  Sie  besitzen  einen 
gerundet  dreiseitigen  Umriß,  sind  vorn  scharf  abgestutzt  und  schwach 
ausgeschweift.  Der  nach  außen  gebogene  Unterrand  grenzt  an  den  Vorder- 
rand in  einer  scharfen,  an  den  flach  konvex  gebogenen  Hinterrand  in  einer 
mehr  gerundeten  Ecke.  Der  vor  der  Mitte  gelegene  aufstrebende  Wirbel 

f 1849  50,  Tar.  12,  lüg.  3,  4; 

38)  Mytdus  galUcnnei  CiEINITZ,  j lg;2  } g 2n  Taf_  4g  Fjg 


208 


Abh.  preuß.  gteol.  L.-A.,  Neue  Folge,  Heft  159 


ist  nach  vorn  gerichtet  und  einwärts  gebogen.  Die  gewölbte  Muschel  ist 
etwas  ungleichseitig.  Die  Zahl  der  kleinen  Schloßzähne  läßt  sich  an  unserem 
Materiale  nicht  genau  feststellen,  nach  Reuss  sind  es  vorn  7—8  und  hinten 
8 — 12.  Der  Schloßkantenwinkel  beträgt  ungefähr  90°. 

Die  Verzierung  der  Schale  besteht  nach  #den  Hohlabdrücken  aus  sehr 
feinen  radialen  und  etwas  kräftigeren  konzentrischen  Linien.  Die  Steinkerne 
sind  glatt  und  am  Unterrande  fein  gekerbt.  Eine  vom  Wirbel  zur  vorderen 
unteren  Ecke  ziehende  Kante  grenzt  ein  vertieftes  Möndchen  scharf  ab. 
Ferner  gewahrt  man  noch  eine  schwache  gerundete  Kante,  die  vom  Wirbel 
zur  unteren  hinteren  Ecke  läuft. 

Maße: 1 2 3 4 5 

Länge:  4,5  mm  5,5  mm  6 mm  6,5  mm  7 mm 

Höhe:  3,5  „ 4,5  „ 5 „ 5,5  „ 6 „ 

Länge : Höhe  = 100:  78  82  83  84  85 

Reuss  bezeichnet  unsere  Art  als  Nucula  margaritacea  Lam.  Ebenso  wird 
Nucula  antiquata  Sow.  hiermit  vereinigt.  Nach  den  Abbildungen  bei  Woods  39) 
ist  jedoch  bei  dieser  Art  der  Vorderrand  im  Verhältnis  zum  Hinterrande 
bedeutend  kürzer  und  die  konzentrische  Streifung  kräftiger  als  bei  unserer 
Form. 

Ich  widme  die  Art  Herrn  Professor  Dr.  K.  Pietzsch  in  Leipzig. 
Vorkommen: 

Oberturon  y:  Luschitz  (Reuss),  Priesen  (Reuss); 

Emscher:  E.-St.  Tannendorf  1,  2,  Kreibitz  6,  7,  Oberkreibitzer  Tal- 

sperre 8,  Böhm.  Kamnitz  3 (Prinz). 

Nucula  striatula  A-  ItOEM. 

Taf.  11,  Fig.  6,  7 

1841  Nucula  slrialula  A.  Roemer,  S.  68,  Taf.  8,  Fig.  26. 

1842  Nucula  truncata  Geinitz,  3,  S.  77,  Taf.  10,  Fig.  8;  Taf.  20,  Fig.  25. 

1846  Nucula  peclinata  Reuss,  2,  S.  5,  Taf.  34,  Fig.  1 — 5. 

1850  Nucula  slrialula  d’Orbigny,  2,  S.  243. 

1875  Nucula  pectinala  Geinitz,  2,  S.  57,  Taf.  17,  Fig.  3 — 5. 

1877  Nucula  peclinala  FriC,  S.  117,  Abb.  79. 

1889  Nucula  pectinala  FriC,  S.  78. 

1893  Nucula  pectinala  FriC,  S.  91. 

1897  Nucula  peclinala  FriC,  S.  56. 

1904  Nucula  peclinata  Petrasciieck,  S.  4,  6. 

1912 — 13  Nucula  slrialula  Scupin,  S.  182. 

Der  Umriß  dieser  Art  ist  queroval  dreiseitig,  hinten  gerundet,  vorn  schräg 
abgestutzt.  Der  vordere  Schloßrand  zieht  vom  Wirbel  in  einer  schwach  aus- 
gehöhlten Linie  schräg  nach  vorn  unten  und  biegt  in  einer  gerundeten  Ecke 
zu  dem  in  einem  flachen  Bogen  ausgezogenen  Unterrande  um.  Der  Unter- 
rand verschmilzt  in  einem  gleichmäßigen  Bogen  mit  dem  Hinterrande  und 
dieser  ebenso  mit  dem  wenig  konvexen  hinteren  Schloßrande.  Die  im  nor- 
malen Zustande  gewölbten  Steinkerne  sind  in  den  weichen  mergeligen  Ab- 
lagerungen durch  Druck  häufig  flach  zusammengepreßt.  Der  nach  innen 

39)  WOODS  1904—13,  1,  Taf.  4,  Fig.  22—26. 


Paläontologischer  Teil 


209 


eingebogene  Wirbel  ist  sehr  weit  nach  vorn  gerückt.  Die  Muschel  ist  infolge- 
dessen stark  ungleichseitig.  Die  schwach  gebogenen  ziemlich  großen  Schloß- 
zähne nehmen  beiderseits  gegen  den  Wirbel  hin  bedeutend  an  Größe  ab.  Die 
genaue  Feststellung  ihrer  Zahl  ist  an  unseren  Steinkernen  nicht  möglich, 
vorn  sind  8—10,  hinten  etwa  20  sichtbar.  Der  Schloßkantenwinkel  beträgt 
ungefähr  100°. 

Die  Verzierung  der  Schale  besteht  aus  feinen  radialen  und  konzentrischen 
Linien,  der  Unterrand  der  Steinkerne  ist  entsprechend  den  Radiallinien  fein 
gekerbt.  Bei  einem  18  mm  langen  Exemplar  konnten  auf  3 mm  10  Radial- 
linien gezählt  werden  (Taf.  11,  Fig.  7),  demnach  insgesamt  ungefähr  60. 
Ein  Steinkern  von  Kieslingswalde  zeigte  bei  16  mm  Länge  etwa  70  Radial- 
linien, folglich,  auf  3 mm  13.  Die  Muskeleindrücke  sind  groß  und  deutlich.  Eine 
vom  Wirbel  schräg  nach  vorn  unten  ziehende  Kante  grenzt  ein  breites  vertieftes 
Möndchen  ab.  Das  hinter  dem  Wirbel  gelegene  Schildchen  ist  lang  und  schmal. 


Maße: 

1 

2 

3 

4 

5 

6 

7 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

Länge: 

18 

17 

12 

16 

10 

11,5 

17 

Höhe : 

11 

11 

8 

11 

7 

8,5 

12,5 

Länge:  Höhe  = 100: 
Länge  des  vorderen 

61 

65 

67 

69 

70 

74 

74 

Schloßrandes: 

8 

8 

6 

8 

5 

5,5 

9,5 

Länge  des  hinteren 
Schloßrandes: 

10 

11 

9 

10 

7 

7 

10,5 

Maße : 

8 

9 

10 

11 

12 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

Länge: 

8 

10 

10,5 

10 

10 

Höhe: 

6 

7,5 

8 

8 

8 

Länge:  Höhe  = 100: 
Länge  des  vorderen 

75 

75 

76 

80 

80 

Schloß  ran  des: 

4 

5 

5 

4,5 

5 

Länge  des  hinteren 
Schloßrandes: 

6 

7 

7 

6 

6,5 

Fundort: 

Mergelschichten:  1),  3),  4),  5),  7),  8)  OT  y Kreibitz  3,  2)  OT  y Kreibitz  14. 
Kalkquarzit:  6),  9),  10),  11),  12)  E E.-St.  Tannendorf  1. 


Das  von  A.  Roemer  aus  dem  Plänerkalk  von  Strehlen  dargestellte 
Stück  stimmt  gut  mit  unseren  Steinkernen  überein.  Ein  von  Geinitz  1842 
aus  Luschitz  in  Böhmen  abgebildetes  Stück  ist  gegenüber  unserem  Materiale 
hinten  mehr  spitz.  Dasselbe  gilt  auch  von  der  von  ihm  auf  Taf.  10,  Fig.  8 
von  Strehlen  aufgeführten  Nucula  blochmanni , die  beide  von  Geinitz  im  Text 
unter  Nucula  truncata  Nilss.  zusammengezogen  sind.  Sie  entstammen  Mergel- 
und  Tonschichten,  in  denen  die  Versteinerungen  größtenteils  zerdrückt  Vor- 
kommen, so  daß  sie  trotz  der  Abweichung  mit  unserer  Art  vereinigt  werden 
können.  Über  das  Verhältnis  unserer  deutschen  Art  zu  Nucula  truncata 
Nilsson  1827,  S.  16,  Taf.  5,  Fig.  6 kann  nur  den  Ausführungen  Scupin’s  bei- 
gcpflichtet  werden.  Auch  die  erneute  Wiedergabe  des  Originalsteinkernes 


Ändert  14 


210 


Abh.  preuß.  gieol.  L.-A.,  Neue  Folge,  lieft  159 


durch  Hennig  1897,  S.  58,  Taf.  3,  Fig.  30  läßt  bei  aller  Ähnlichkeit  die 
Feststellung  einer  sicheren  Übereinstimmung  nicht  zu.  Im  „Elbtalgebirge“ 
führt  Geinitz  unsere  Form  unter  dem  Namen  Nucula  pectinata  Sow.  auf. 
Nach  der  Darstellung  von  Woods40)  ist  bei  Nucula  pectinata  der  hintere 
Schloßrand  gerader  und  bildet  mit  dem  Hinterrande  eine  gut  wahrnehmbare 
Ecke;  ferner  Ist  die  Schale  mit  50—52  radialen  Linien  verziert,  während  an 
unseren  Stücken  der  mehr  gebogene  Schloßrand  in  ununterbrochener  Rundung 
in  den  Hinterrand  übergeht  und  die  Schalenverzierung  60 — 70  radiale  Linien 
aufweist.  Nucula  teuer a Müll,  bei  Holzapfel  41 ) ist  unserer  Art  im  Umriß 
und  in  der  Bezahnung  sehr  ähnlich,  unterscheidet  sich  aber  durch  eine 
schwächere  Wölbung  und  die  mit  etwa  100  Radiallinien  bedeckte  Schale, 
vorausgesetzt,  daß  die  Zeichnung  bei  Holzapfel  die  Originale  richtig  wieder- 
gibt. Bei  Fuecii42)  ergeben  die  Abbildungen  der  PIoLZAPFEL’schen  Art  nur 
gegen  60  Radiallinien  auf  der  ganzen  Schalenoberfläche  und  gleichen  damit 
mehr  unserer  Form. 

Die  Abbildungen  bei  Reuss  sind  nach  Originalen  aus  Mergelschichten 
angefertigt.  Die  Figuren  1—3  scheinen  entweder  verdrückte  Stücke  dar- 
zustellen, oder  die  Zeichnungen  sind,  was  bei  Reuss  öfters  der  Fall  ist, 
ungenau  ausgefallen.  Die  Abb.  4 und  5 gleichen  unseren  Stücken.  Bei  Fig.  5 
sind  jedoch  die  Zähne  am  Wirbel  zu  kräftig  gezeichnet.  Die  von  Reuss 
angegebene  Zahl  der  Zähne,  vorn  12—15,  hinten  25—30,  ist  wohl  etwas  hoch 
gegriffen.  Fric  führt  unsere  Art  durchweg  als  Nucula  pectinata  auf.  Stücke 
aus  den  Teplitzer  und  Priesener  Schichten  wurden  im  Museum  zu  Prag  als 
übereinstimmend  mit  den  unseren  befunden.  Das  in  den  Weißenberger 
Schichten  aus  den  Drinower  Knollen  abgebildete  Stück  mit  ausnahmsweise 
annähernd  mittelständigem  Wirbel  konnte  jedoch  nicht  verglichen  werden. 

Die  von  Scupin  aus  dem  Mergel  von  Großrackwitz  erwähnten  Stücke  mit 
feiner  Radialskulptur  gehören  zu  unserer  Art,  wie  ich  im  Geologischen 
Landesmuseum  feststellen  konnte. 

Vorkommen: 

Unterturon:  Jicin  4,  7 (beide  Soukup)  ; 

Mittelturon:  Drum  1,  2,  Schandau  2,  Lohmen,  Strehlen  (Mus.  Dresden), 

Dresden  1 (Mus.  Dresden),  Jidn  17,  42,  43,  45,  46,  47,  49 
(alle  7 Soukup),  Heuscheuer  2,  3,  Kynberg  Löw.,  Langenau  Löw. 
3 (Geol.  Landesmus.) ; 

Oberturon  aß:  Zeichen  2 (Seifert); 

Oberturon  y:  Zatzschke  (Mus.  Dresden),  Birkwitz  (Mus.  Dresden),  Hinter- 

jessen (Seifert),  Böhm.  Kamnitz  2,  Kreibitz  3,  14,  Limbach, 
Robitz,  Sandau,  Böhm.  Zwickau  (Vortisch),  Priesen,  Jieln  1 
(Soukup),  Großrackwitz  Löw.  2 (Geol.  Landesmus.,  Realgymn. 
Löwenberg) ; 

Emscher:  E.^St.  Tannendorf  1,  Daubitz  1,  Kreibitz  6,  9,  12,  Oberkreibitzer 

Talsperre  8,  9,  Priesen,  Chlomek  (Mus.  Prag),  Deutmanns- 
dorf Löw.  (Geol.  Landesmus.),  Gehnsdorf  Löw.  2 (Geol.  Landes- 
mus.), Kieslingswalde  (selbst  gesammelt,  Mus.  Prag),  Salzberg. 

40)  Woods  1904—18,  1,  S.  16,  Taf.  2,  Fig.  22—27  ; Taf.  3,  Fig.  13. 

41)  Holzapfel  1889,  2,  8.  200,  Taf.  21,  Fig.  9—12. 

42)  FRECH  1887,  S.  161,  Taf.  14,  Fig.  10—12. 


211 


Paläontologischer  Teil 

heda  Sciium. 
heda  siliqua  Goldf.  sp. 

Taf.  11,  Fig.  8 

1834 — 40  Nucula  siliqua  Goldfuss,  2,  S.  156,  Taf.  125,  Fig.  13. 

1846  Nucula  siliqua  Reuss,  2,  S.  7,  Taf.  34,  Fig.  11. 

1877  Leda  siliqua  FriC,  S.  117,  Abb.  81. 

1889  Leda  siliqua  Holzapfel,  2,  S.  203. 

1893  Leda  siliqua  Fric,  S.  92. 

1897  Leda  siliqua  Fric,  S.  65. 

? 1904 — 13  Nuculana  sp.  cf.  siliqua  Woods,  1,  S.  11,  Taf.  2,  Fig.  10  a u.  b. 

Leda  siliqua  ist  im  Umriß  breitsäbelförmig  queroval.  Sie  ist  nach  hinten 
stark  verlängert  und  verschmälert,  sehr  flach  und  stark  ungleichseitig.  Der 
kleine,  kaum  hervorragende  Wirbel  liegt  am  Anfänge  des  zweiten  Fünftels 
bis  zweiten  Viertels  der  Schale.  Der  Vorderrand  bildet  einen  kurzen  ge- 
drungenen Bogen  und  verläuft  in  den  langen,  flach  gebogenen  Unterrand, 
der  allmählich  zu  dem  sehr  kurzen,  scharf  gebogenen  Hinterrande  aufsteigt. 
Der  Schloßrand  bildet  einen  sehr  flachen  Winkel  von  170°.  Vorn  stehen 
etwa  10  winkelige,  hinten  40—50  gerade  kleine  Schloßzähne.  Auf  einen 
Millimeter  konnten  ungefähr  vier  Schloßzähne  gezählt  werden.  Die  Stein- 
kerne sind  glatt.  Auch  die  Hohlabdrücke  lassen  bis  auf  einige  wenige 
schwache  Konzentrische  Linien  keine  Schalenverzierung  erkennen. 


Mafle: 

1 

2 

3 

4 

5 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

Länge: 

17  (100:) 

16  (100:) 

19  (100:) 

19  (100:) 

17  (100:) 

Höhe: 

5 ( 29) 

5 ( 31) 

6 ( 32  ) 

6 ( 32) 

7 ( 41) 

Wirbel  von  vorn:  4 ( 22  ) 

4 ( 25) 

3,5  ( 17) 

4 ( 21) 

5 ( 29  ) 

Fundort: 

OT  y Kreibitz  3. 

Der  von  Goldfuss  abgebildete  Steinkern  ist  bedeutend  größer  als  unsere 
Exemplare,  übrigens  stimmt  aber  Beschreibung  und  Abbildung  gut  mit  diesen 
überein.  In  dem  bei  Goldfuss  abgebildeten  Stück  liegt  der  Wirbel  ver- 
hältnismäßig weit  nach  vorn,  noch  mehr  in  der  Abbildung  bei  Rogala  1909, 
S.  699,  Taf.  28,  Fig.  15.  Letztere  ist  deshalb  als  Synonym  für  unsere  Art 
unberücksichtigt  gelassen  worden.  Reuss  und  Fric  (Priesen er  Schichten) 
führen  die  Art  von  Priesen  an.  In  den  Chlomeker  Schichten  bezieht  sich 
Fric  nur  auf  den  Fundort  Kieslingswalde  (schönes  Stück  im  Museum  zu  Prag). 
Ferner  konnte  ich  die  Übereinstimmung  der  in  den  Weißenberger  Schichten 
aus  den  Semitzer  Mergeln  (Unter turon  ?)  von  Fric  erwähnten  Stücke  im 
Museum  feststellen.  Holzapfel  bezeichnet  mit  Leda  siliqua  einige  Steinkerne 
vom  Lusberge  bei  Aachen.  Die  von  Woods  abgebildeten  Bruchstücke  lassen 
mit  Sicherheit  unsere  Art  nicht  erkennen;  Woods  findet  jedoch  keinen  Unter- 
schied heraus. 

Die  von  Geinitz  1842,  Taf.  20,  Fig.  28  und  29  dargestellten  Stücke  sind 
zu  schlecht,  als  daß  man  eine  Übereinstimmung  feststellen  könnte. 

Vorkommen: 

Unterturon:  Jicin  4 (Soukup),  9; 


14* 


214 


Abh.  pr-euß.  gieol.  L.-A.,  Neue  Folge,  Heft  159 


Fundort : 

1—3)  OT  y Kreibitz  3,  4)  OT  y Böhm.  Kamnitz  2. 

Die  Verzierung  der  Schale  besteht  aus  feinen  engen  konzentrischen 
Linien,  die  gegen  den  Unterrand  besonders  deutlich  sind,  auf  der  Schalenmitte 
jedoch  fast  verschwinden.  Geinitz,  der  die  Oberfläche  seiner  Stücke  als 
glatt  schildert,  hat  wohl  nur  Steinkerne  vor  sich  gehabt.  Sehr  charakte- 
ristisch ist  die  von  Reuss  gegebene  Beschreibung.  Die  Abbildungen  bei  Fric 
aus  den  Semitzer  Mergeln  und  Priesener  Schichten  sind  ebenfalls  sehr  be- 
zeichnend für  die  Art.  Die  Originale  im  Museum  zu  Prag  konnten  verglichen 
werden,  sowie  daselbst  auch  Stücke  von  Kreibitz. 

S cu pin  schildert  die  verschiedenen  Abweichungen  in  der  Form,  die  auch 
hier  vorhanden  sind,  in  den  Mergelschichten  jedoch  häufig  auch  auf  Ver- 
drückungen beruhen.  Die  von  ihm  als  Nucula  productoides  (Scupin,  S.  133, 
Taf.  9,  Fig.  12,  17)  bezeichneten  Exemplare  sind  wohl  auch  nur  hierher  zu  stellen. 

Leda  semilunaris  ist,  wie  oben  und  auch  von  Scupin  geschildert,  in  der 
Form  veränderlich,  wozu  das  meist  tonige  Einbettungsmaterial  besonders 
noch  beiträgt. 

Die  Originale  von  Zatzschke  und  von  der  Teplitzer  Straße  in  Dresden 
konnten  im  Museum  zu  Dresden  verglichen  werden;  sie  stimmen  mit  unseren 
Stücken  überein. 

Leda  försteri  bei  Holzapfel  1889,  2,  Taf.  21,  Fig.  13  — 17  ist  sehr  ähnlich, 
besitzt  aber  deutlich  geknickte  Schloßzähne. 

Vorkommen: 

Unterturon:  Semitz  (Mus.  Prag),  Jicin  4,  7,  8 (alle  3 Soukup)  ; 

Mittelturon:  Brenn  1,  Lohmen,  Dresden  1 (Mus.  Dresden),  Leitmeritz  22, 

Leneschitz  (Mus.  Prag  u.  Mus.  Aussig),  Kl.  Kahn  1 (Mus. 
Aussig),  Jicin  8,  41,  43,  45,  46,  49  (alle  6 Soukup),  Heu- 
scheuer 1,  Kynberg  Löw. ; 

Oberturon  aß:  Zeichen  2; 

Oberturon  y:  Zatzschke  (Mus.  Dresden),  Birkwitz  (Mus.  Dresden),  Hinter- 

jessen (Seifert),  Böhm.  Kamnitz  2,  3,  4,  Kreibitz  3,  14, 
Limbach,  Robitz,  Jägersdorf  2,  Sandau,  Waldeck,  Barzdorf, 
Oberhennersdorf,  Priesen  (selbst  gesammelt,  Mus.  Prag), 
Jicin  1,  2,  3 (alle  3 Soukup),  Chotzen,  Großrackwitz  2,  3 (beide 
Geol.  Landesmus.); 

Emscher:  Priesen. 

fjeda  papyracea  Frech 
Taf.  11,  Fig.  12 

1887  Leda  papyracea  Frecii,  S.  160,  Taf.  13,  Fig.  8 — 11. 

Die  Art  ist  keilförmig  quer  verlängert  und  flach  gewölbt.  Der  vordere 
Oberrand  verläuft  horizontal  und  biegt  in  den  gerundeten  Vorderrand  um. 
Der  Unterrand  bildet  einen  flachen  ungleichseitigen  Bogen,  der  nach  hinten 
ausgezogen  ist  und  in  eine  abgerundete  Spitze  endet.  Von  da  zieht  der 
hintere  Oberrand  in  einer  geraden  Linie  zu  dem  kleinen,  wenig  hervor- 
tretenden Wirbel.  Dieser  liegt  etwas  vor  der  Mitte.  Die  Muschel  ist 


Palaontologischer  Teil 


215 


ungleichseitig,  der  vordere  Teil  kurz  und  breit,  der  hintere  länger  und 
schmäler.  Die  Art  zeigt  im  Umriß  einige  Veränderlichkeit,  wie  auch  aus 
den  Abbildungen  bei  Frech  ersichtlich  ist.  An  einem  der  vorliegenden  Stein- 
kerne sind  winzige  Zähnchen  sichtbar,  die  nach  Frech  den  ganzen  Oberrand 
umsäumen.  Die  Steinkerne  sind  glatt  mit  einigen  Andeutungen  von  feinen 
konzentrischen  Linien. 

Maße; 1 

Länge:  16mm  10  mm 

Höhe : 7 „ 4,5  „ 

Länge : Hohe  = 100:  44  45 

Fundort:  E Kreibitz  12. 

Vorkommen: 

Emscher:  E.-St.  Tannendorf  1,  Kreibitz  12. 

Die  von  Frech  beschriebenen  Exemplare  stammen  aus  dem  Untersenon 
von  Suderode. 


Leda  transiens  Fric  sp. 

1893  Nucula  transiens  Fric,  S.  92,  Abb.  104. 

Aus  der  Sammlung  des  Herrn  Soukup  liegen  mir  aus  dem  Turon  von 
Jicin  einige  Exemplare  vor,  die  sehr  gut  mit  den  Abbildungen  der  Nucula 
transiens  von  Fric  übereinstimmen.  Das  eine  Exemplar  ist  hinten  gerade 
abgestutzt,  ein  anderes  ist  hinten  gerundet.  Die  Art  ist  vorn  etwas  kürzer 
als  hinten.  Vorn  sind  etwa  20,  hinten  wohl  einige  20  Schloßzähne  vor- 
handen. Die  Länge  beträgt  10,  die  Höhe  4,5  mm.  Die  Steinkerne  lassen 
die  konzentrischen  Linien  nur  ganz  schwach  erkennen. 

Vorkommen: 

Unterturon:  Jicin  7 (Soukup); 

Mittelturon : Jicin  8,  43  (beide  Soukup). 

Arcidae  Lam. 

Cueüllaea  Lam. 

Cucullaea  zintm  ermannt  n.  sp-  und  rar.  alta . 

Tat.  11,  Fig.  24,  25 

1875  Area  subglabra  Geinitz,  2.  S.  56  z.  Teil,  Taf.  16,  Fig.  2. 

1897  cf.  Scapharca  ponticeriana  Fric,  S.  57,  Abb.  64. 

1901  Cucullaea  subglabra  Sturm,  Taf.  6,  Fig.  1. 

1901  Cucullaea  subglabra  var.  perversa  Sturm,  Taf.  6,  Fig.  2. 

? 1912 — 13  Cucullaea  malheroniana  var.  perversa  Scupin,  Taf.  10,  Fig.  12. 

1912 — 13  Cucullaea  malheroniana  var.  Scupin,  Taf.  9,  Fig.  3,  5. 

Der  Umriß  der  vorliegenden  Steinkerne  ist  rhombisch  und  nähert  sich 
bald  mehr  dem  Rechteck,  bald  mehr  dem  Quadrat.  Der  gerade  Oberrand  ist 
mit  dem  Vorderrande  in  einem  scharfen  stumpfen  Winkel  verbunden.  Der 
Vorderrand  ist  konvex  und  geht  bogenförmig  in  den  fast  geraden,  nur  schwach 
konvexen  Unterrand  über.  Eine  gerundete  Kante  verbindet  Unter-  und  Hinter- 
rand in  einem  Winkel  von  etwa  70°.  Der  scharfe  stumpfe  Winkel,  unter 
dem  der  gerade  Hinterrand  an  den  Oberrand  anstößt,  beträgt  120—130°. 


216 


Abh.  preuß.  gieol.  L.-A.,  Neue  Folge,  Heft  159 


Die  gegeneinander  eingebogenen  und  sich  fast  berührenden  Wirbel  liegen 
in  der  Mitte  der  hochgewölbten  Schale.  Vom  Wirbel  zur  unteren  hinteren 
Ecke  zieht  eine  scharf  abgerundete,  stets  deutlich  ausgebildete  Kante.  Vom 
Vorderrande  steigt  die  Schale  allmählich  empor,  verläuft  sodann  ziemlich 
flach  bis  hinter  die  Mitte  des  Rückens  und  fällt  an  der  genannten  Kante 
steil  zum  Hinterrande  ab.  Auf  der  Hinterseite  der  Steinkerne  bemerkt  man 
eine  scharf  eingeschnittene  gekrümmte  Furche,  den  Abdruck  einer  für  den 
hinteren  Muskel  dienenden  kräftigen  Stützleiste.  Unterrand  und  Kante  treffen 
in  einem  Winkel  von  50—60°  zusammen.  Die  Schloßzähne  sind  nur  an 
wenigen  Exemplaren  an  der  Vorder-  und  Hinterseite  sichtbar,  in  der  Schalen- 
mitte sind  sie  der  Beobachtung  entzogen.  Die  hinteren  stehen  schräg,  die 
vorderen  Zähne  ziemlich  horizontal  zum  Schloßrande  und  zeigen  nach  innen 
eine  hakenförmige  Umbiegung.  Bei  den  hintersten  drei  Zähnen  ist  die  Haken- 
bildung an  den  Steinkernen  nur  schwach  angedeutet.  Die  dicken  Schalen,  von 
denen  bloß  ein  zerwittertes  Bruchstück  vorliegt,  zeigen  nach  den  vorhandenen 
Hohlabdrücken  nur  schwach  konzentrische  Verzierungen;  während  einige  Stein- 
kerne gegen  den  Unterrand  eine  deutliche  Radialfurchung  (Taf.  11,  Fig.  24,  25) 
aufweisen. 


Maße : 

1 

2 

3 

4 

5 

6 

7 

8 

Länge: 

28  mm 

40  mm 

25  mm 

33  mm 

38  mm 

39  mm 

27  mm 

31  mm 

Höhe: 

Lange : Höhe 

91 

uA  « 

30  „ 

19  „ 

25  „ 

30  „ 

33  „ 

23 

29  „ 

= 100: 
Fundort: 

75 

75 

76 

76 

79 

84 

85 

94 

1),  3),  5),  6)  E E.-St.  Tannendorf  1,  2)  E Kreibitz  9,  4)  OT  T Kreibitz  6, 
7)  E Böhm.  Zwickau  5,  8)  E Kreibitz  27. 


Unsere  Exemplare  stimmen  nach  Vergleich  mit  dem  Original  vollständig 
mit  der  von  Stürm  als  Cucullaea  subglabra  var.  perversa  (Länge  50 : Höhe  40 
= 100:80)  beschriebenen  und  abgebildeten  Form  überein.  Das  Original  zu 
Cucullaea  subglabra  bei  demselben  Autor  in  der  Universität  Breslau,  das 
ebenfalls  besichtigt  werden  konnte,  besitzt  eine  gleich  scharfe  Kante  wie 
unsere  Exemplare.  Wenn  auch  die  Schloßplatte  etwas  kürzer  ausgebildet  ist, 
so  gleicht  die  Zahnstellung  vollständig  der  Varietät  perversa . Bei  genügend 
Material  läßt  sich  hier  sicher  eine  Formenreihe  zwischen  den  beiden  Extremen 
aufstellen.  Als  eine  Varietät  von  Cucullaea  subglabra  kann  unsere  Art 
nicht  bezeichnet  werden,  da  sie  eine  ganz  andere  Zahnstellung  als  jene  hat 
(vgl.  Cucullaea  subglabra  S.  219).  Zu  Cucullaea  zimmermanni  gehört  ferner 
das  von  Geiisitz  1875,  2,  Taf.  16,  Fig.  2 von  Kieslingswalde  ebenfalls  als 
Cucullaea  subglabra  aufgeführte  Exemplar,  das  im  Original  vorliegt.  Die 
Bandfläche,  die  an  den  Kreibitzer  Steinkernen  nicht  erkennbar  ist,  weist 
an  den  Exemplaren  von  Kieslingswalde  drei  Furchen  auf.  Der  Form  nach 
könnte  der  von  Scupin,  Taf.  10,  Fig.  12  abgebildete  Ausguß  eines  Hohl- 
abdruckes, der  ebenfalls  im  Original  verglichen  werden  konnte,  unserer  Art 
angeschlossen  werden  (Länge  59:  Höhe  46  = 100:78).  Die  von  Fric  von 
Chlomek  zu  cf.  Scapharca  ponticeriana  Stol.  gestellten  Exemplare  sind  be- 
stimmt verschieden  von  der  indischen  Art.  Die  gezeichneten  drei  Furchen 
am  Hinterrande  sind  nur  Reste  der  auf  den  Steinkernen  mehr  oder  weniger 
scharf  hervortretenden  radialen  Furchung  der  inneren  Schalenseite.  Das 


Faiäontologischer  Teil  217 

Original  läßt  die  Fortsetzung  dieser  Furchen  gegen  die  Schalenmitte  hin 
undeutlich  erkennen. 

Eng  verbunden  sind  mit  den  vorgenannten  Exemplaren  die  von  Scupin, 
Taf.  9,  Fig.  3 und  5 abgebildeten  und  als  Cucullaea  matheroniana  var.  be- 
zeichneten  Exemplare,  sowie  auch  das  daselbst  Taf.  10,  Fig.  13  dargestellte 
unbenannte  Stück.  Bei  vollständig  gleichartiger  Ausbildung  des  Schlosses 
besitzen  diese  bedeutendere  Höhe,  eine  breitere  Area  mit  fünf  Furchen 
(zweimal  zu  beobachten).  Die  Rückenkante  ist  mehr  gerundet  und  die  Hinter- 
seite nach  außen  gewölbt,  während  sie  an  unseren  Exemplaren  eine  mehr 
konkave  Fläche  zeigt.  Sie  sollen  deshalb  als  var.  alta  abgetrennt  werden. 
Die  Originale  Scupin’s  liegen  vor. 

Maße: 1 _2 3 4 

Länge:  45  mm  37  mm  40  mm  48  mm 

Höhe:  44  „ 37  „ 42  „ 53  B 

Länge:  Höhe  = 100:  98  100  105  110 

Fundort: 

1)  Scupin  1912—1913,  Taf.  9,  Fig.  3,  Untersenon  Sirgwitz,  Realgymn. 
Löwenberg;  2)  Untersenon  Wenig  Rackwitz  1,  Realgymn.  Löwenberg  No. 
1263;  3)  Untersenon  Wenig  Rackwitz  1,  Realgymn.  Löwenberg  No.  1268; 
4)  Untersenon  Wenig  Rackwitz  1,  Geol.  Landesmus.  No.  680. 

Bei  der  Bedeutung  der  Schlösser  für  die  Bestimmung  der  Arten  dieser 
Gattung  wurden  die  Originale,  soweit  erreichbar,  eines  genauen  Vergleiches 
mit  den  Abbildungen  unterzogen. 

Sturm,  Taf.  6,  Fig.  2.  Die  vorderen  Schloßzähne  besitzen  alle  eine 
Hakenbiegung,  auf  der  hinteren  Schalenseite  ist  sie  mit  Ausnahme  an  den 
drei  geraden  oder  nur  schwach  gebogenen  hintersten  Zähnen  am  Original 
scharfeckiger  als  in  der  Abbildung.  Das  Bandfeld  besitzt  drei  Furchen. 

Sturm,  Taf.  6,  Fig.  1 fehlte  das  nur  früher  besichtigte  Original  zur 
Nachprüfung. 

Geinitz  1875,  2,  Taf.  16,  Fig.  2,  sind  die  Zahnleisten  beschädigt  und  nicht 
vollständig  erkennbar.  Sie  zeigen  jedoch  keine  Abweichungen  von  der  Schloß- 
ausbildung bei  Sturm,  Taf.  6,  Fig.  2.  Das  Bandfeld  besitzt  drei  Furchen. 
Scupin,  Taf.  9,  Fig.  3,  stimmt  die  Zahnstellung  im  Original  vollständig  mit 
der  Abbildung  überein.  Die  Ergänzung  des  abgebrochenen  vorderen  Teiles 
ist  nach  einem  anderen  Exemplare  trefflich  gelungen. 

Scupin,  Taf.  9,  Fig.  5 zeigt  die  im  Original  fast  geraden  drei  hintersten 
Zähne  zu  stark  gebogen. 

Cucullaea  zimmer manni  samt  der  Varietät  alta  ist  mit  Cucullaea  mathe- 
roniana d’Orb.  sehr  nahe  verwandt,  unterscheidet  sich  aber  von  dieser 
Art  durch  die  kürzeren  Seitenzähne  der  Vorderseite  und  die  geringere  Anzahl 
der  Zähne  (gegen  20),  während  Cucullaea  matheroniana  etwa  30  Schloßzähne 
besitzt.  Auch  verläuft  bei  Cucullaea  matheroniana  der  Hinterrand  bedeutend 
schiefer  als  bei  unseren  Formen.  Die  Vergleiche  mit  den  Aachener  Originalen 
bestätigen  dieses.  Weiter  ist  durch  Vergleich  der  Originale  die  vollständige 
Identität  von  Cucullaea  matheroniana  d’Orb.  mit  den  von  Scupin  als  Cucullaea 
abscisa  (Taf.  9,  Fig.  4 und  Taf.  10,  Fig.  13)  dargestellten  Exemplaren  fest- 
gestellt werden. 


218  Abh.  preuß.  gieol.  L.-A.,  Neue  Folge,  Heft  159 

Die  Prüfung  des  Materiales  von  Aachen  und  Löwenberg  hat  ferner 
folgendes  ergeben.  Das  Original  zu  Holzapfel  1889,  2,  Taf.  22,  Fig.  2,  Cucul - 
laea  ma Liier oniana  d’Oiib.  sp.,  konnte  nicht  nachgeprüft  werden.  An  einem  zu 
dieser  Art  gehörigen  Steinkerne  vom  Königstor  in  der  Sammlung  der  technischen 
Hochschule  sind  jedoch  auf  dem  gut  erhaltenen  Abdruck  der  Area  nur  fünf 
Winkelfurchen  zu  beobachten.  In  der  Beschreibung  sind  sieben  bis  acht  Winkel- 
furchen angegeben,  die  Abb.  Taf.  22,  Fig.  2 zeigt  deren  nur  fünf  bis  sechs, 
so  daß  ohne  weiteres  die  Zahl  5,  die  sich  tatsächlich  feststellen  läßt,  für  die 
Anzahl  der  Bandfurchen  gelten  kann.  In  dem  Material  der  technischen  Hoch- 
schule ist  nur  dies  eine  Exemplar  vorhanden,  das  die  Bandfurchen  erkennen 
läßt.  Der  gleiche  Steinkern  zeigt  auch  auf  der  Hinterseite  die  Schloßzähne 
soweit  winkelig,  daß  ein  Unterschied  von  Cucullaea  abscisa  bei  Scupin,  Taf.  10, 
Fig.  14,  an  welcher  die  hintersten  Schloßzähne  übrigens  vollständig  be- 
schädigt sind,  kaum  vorhanden  oder  höchstens  nur  sehr  gering  sein  dürfte. 
Die  Schloßplatte  an  dem  Original  von  Scupin  ist  auf  der  Hinterseite  wohl 
5 mm  länger  anzunehmen  als  sie  jetzt  noch  erhalten  ist,  wodurch  dieser  Teil 
des  Schlosses  ein  anderes  Gepräge  erhält.  Somit  könnten  auch  daselbst 
die  drei  hintersten  Schloßzähne  fast  gerade  verlaufen.  Das  Original  zu  Holz- 
apfel, Taf.  22,  Fig.  4 bestätigt  dasselbe.  Cucullaea  rugosa  Holzapfel,  Taf.  22, 
Fig.  1,  die  ebenfalls  im  Original  einer  Nachprüfung  unterzogen  werden  konnte, 
spricht  für  vollständige  Übereinstimmung  mit  Cucullaea  matheroniana.  Während 
in  der  Beschreibung  zwei  bis  drei  Winkelfurchen  genannt  werden,  läßt  das 
an  dieser  Stelle  etwas  undeutliche  Original  mindestens  deren  vier  erkennen, 
so  daß  bei  vollständiger  Erhaltung  sehr  gut  fünf  Furchen  vorhanden  sein 
könnten.  Die  Hinterzähne  sind  am  Original  mit  Ausnahme  der  drei  fast 
geraden  hintersten  ebenfalls  winkelig  gebogen  und  gleichen  Scupin,  Taf.  10, 
Fig.  14.  Die  Zahnstellung  ist  infolge  von  anhaftendem  Gestein  etwas  un- 
deutlich erkennbar.  Cucullaea  matheroniana  ist  ebenso  schief  nach  hinten 
verlängert  wie  Cucullaea  rugosa . Bei  dem  Original  zu  Holzapfel,  Taf.  22, 
Fig.  4 ist  die  hinterste  Partie  abgebrochen.  Cucullaea  rugosa  ist  weder 
niedriger  noch  geringer  gewölbt,  wie  ein  Vergleich  der  Originale  Taf.  22, 
Fig.  1 und  Fig.  4 ergibt.  Die  Skulptur  erscheint  bei  den  wenigen  Exemplaren 
mit  vorhandener  guter  Schale  sehr  nebensächlich.  Das  Schalenexemplar 
Taf.  22,  Fig.  1 hat  gleichgroße  und  gleichartig  hervor  tretende  Wirbel  wie 
andere,  weniger  kräftig  gerippte  Schalen.  Der  Unterschied  in  der  Größe  der 
Area  von  Taf.  22,  Fig.  1 und  2 ist  in  Wirklichkeit  kaum  vorhanden.  Die 
Wiedergabe  der  Area  in  der  Abbildung  Fig.  1 ist  mangelhaft,  in  Wirklichkeit 
ist  die  Area  größer.  Die  Mittelzähne  sind  bei  beiden  Originalen  gleich 
kräftig  entwickelt,  bei  Fig.  1 sind  sie  jedoch  sehr  ungünstig  erhalten  und  zu 
beobachten.  Auch  ist  dieses  Exemplar  kleiner  als  Fig.  2. 

Ich  benenne  die  Art  zu  Ehren  des  Flerrn  Geh.  Bergrat  Professor  Dr. 
Zimmermann  in  Berlin. 

Vorkommen: 

Mittelturon:  Kesselsdorf  Löw.?  (Geol.  Landesmus.),  Löwenberg  1 ? (Geol. 

Landesmus.) ; 

Oberturon  y : Kreibitz  6; 

Emscher:  E.-St.  Tannendorf  1,  Kreibitz  1,  9,  24,  27,  Böhm.  Zwickau  5, 

Hermsdorf  9,  Chlomek  (Mus.  Prag),  Jidn  5 (Soukup),  Herms- 


Paläontologischer  Teil 


219 


dorf  Löw.  (Geol.  Landesmus.),  Kieslingswalde  (Mus.  Dresden, 
Geol.  Institut  Breslau) ; 

Untersenon:  Wenig  Rackwitz  1 (Geol.  Landesmus.,  Realgymn.  Löwenberg); 

var.  alta: 

Emscher:  Giersdorf  Low.  (Geol.  Landesmus.),  Bergwarthau  Löw.  (Geol. 

Landesmus.) ; 

Untersenon:  Sirgwitz  Löw.  (Geol.  Landesmus.,  Realgymn.  Löwenberg), 

Wenig  Rackwitz  Löw.  1 (Geol.  Landesmus.,  Realgymn.  Löwen- 
berg). 

Einige  kleinere  Exemplare  von  der  E.-St.  Tannendorf  mit  ebenfalls  gut 
markierter  Rückenkanhe  mögen,  da  ihre  Schloßcharaktere  wenig  deutlich 
sichtbar  sind,  hier  angeschlossen  werden.  Sie  gleichen  dem  Original  und  der 
Abbildung  von  Area  orbignpana  d’Orb.  bei  Sturm  1901,  Taf.  6,  Fig.  4. 
Auch  an  diesem  Exemplar  läßt  sich  die  Schloßausbildung  nicht  nachweisen. 

Cucullaea  subglabra  n’Oius. 

Taf.  11,  Fig.  26,  27,  28 

1834 — 40  Area  glabra  Goldfuss,  2,  S.  149  (z.  Teil),  Taf.  124,  Fig.  1 b. 

1843  Cucullaea  glabra  Geinitz,  4,  Taf.  3,  Fig.  4,  5. 

1850  Cucullaea  subglabra  d’Orbigny,  2,  S.  244. 

1875  Cucullaea  matheroniana  Brauns,  S.  335. 

1875  Area  subglabra  Geinitz,  2,  S.  56,  Taf.  16,  Fig.  3. 

1877  Area  subglabra  FriC,  S.  119,  Abb.  85. 

1883  Area  subglabra  FriC,  S.  102,  Abb.  67. 

1889  Cucullaea  subglabra  Holzapfel,  2,  S.  206,  Taf.  22,  Fig.  3 u.  5. 

1897  Area  subglabra  FriC,  S.  57. 

1898  Cucullaea  subglabra  G.  Müller,  S.  51,  Taf.  7,  Fig.  7 u.  8. 

1901  Cucullaea  deichmuelleri  Sturm,  S.  74,  Taf.  6,  Fig.  3 u.  3 a. 

non  1901  Cucullaea  subglabra  Sturm,  S.  73,  Taf.  6,  Fig.  1. 

non  1901  Cucullaea  subglabra  var.  perversa  Sturm,  S.  74,  Taf.  6,  Fig.  2. 

1912 — 13  Cucullaea  sp.  ScuPIN,  S.  191,  Taf.  9,  Fig.  6. 

1912 — 13  Cucullaea  conf.  matheroniana  Scupin,  S.  190,  Taf.  10,  Fig.  7. 

Die  kräftig  gewölbten  gleichklappigen  Steinkerne  besitzen  einen  schief 
vierseitigen  bis  fast  dreiseitigen  Umriß.  Der  gerade  Oberrand  bildet  mit 
dem  konvexen  Vorderrand  einen  scharfen  stumpfen  Winkel.  In  gleichmäßigem 
Bogen  geht  der  Vorderrand  in  den  flach  konvexen  Unterrand  über.  Dieser 
ist  durch  einen  abgerundeten  spitzen  Winkel  mit  dem  gerade  oder  gering 
gebogen  aufsteigenden  Hinterrande  verbunden.  Hinterrand  und  Oberrand 
bilden  einen  scharfen  stumpfen  Winkel.  Die  aus  breiter  Basis  empor- 
strebenden dicken  Wirbel  sind  gegeneinander  eingebogen  und  liegen  im 
allgemeinen  ziemlich  in  der  Mitte  der  Schale.  Trotzdem  erscheint  die  Muschel 
infolge  ihres  gewöhnlich  schief  nach  hinten  ausgezogenen  Umrisses  und  der 
hinter  die  Mitte  gerückten  höchsten  Schalenwölbung  stark  ungleichseitig. 
Nur  einzelne  Exemplare  mit  fast  gleichmäßiger  Wölbung  sind  annähernd 
gleichseitig.  Wenige  Steinkerne  lassen  den  Charakter  des  Schlosses  erkennen. 
Die  kleinen  Mittelzähne  sind  nirgends  sichtbar.  Die  Vorderseite  besitzt  drei 
lange  horizontale,  gegen  die  Mitte  schwach  eingebogene  Zähne,  während  die 
Hinterseite  mit  drei  kürzeren,  mehr  gebogenen  Zähnen  besetzt  ist,  genau 
wie  dies  die  Abbildung  bei  Holzapfel,  Taf.  22,  Fig.  3 a zeigt. 


220 


Abh.  preuß.  gieoL  L.A.,  Neue  Folge,  Heft  159 


Die  Verzierung  der  dicken  Schale,  deren  Unterrand  an  den  Steinkernen 
durch  ein  breites  Band  gekennzeichnet  ist,  besteht  nur  aus  schwachen  konzen- 
trischen Runzeln;  Steinkerne  sind  glatt.  An  einer  vom  Wirbel  zur  unteren 
hinteren  Ecke  ziehenden  Linie  biegt  der  Rücken  der  Schale  in  voller  Rundung 
gegen  den  Hinterrand  um.  Eine  deutliche  Kante  fehlt  gänzlich. 


Maße: 

1 

2 

3 

4 

5 

6 

7 

Länge: 

44  mm 

42  mm 

47  mm 

30  mm 

44  mm 

36  mm 

46  mm 

Höhe: 

33  „ 

32  „ 

35  „ 

23  „ 

35  „ 

29  „ 

37  „ 

Länge  : Höhe 
= 100: 

75 

76 

76 

77 

80 

80 

80 

Maße: 

8 

9 

10 

11 

12 

13 

14 

Länge: 

41  mm 

41  mm 

36  mm 

39  mm 

37  mm 

32  mm 

25  mm 

Höhe: 

34  „ 

35  „ 

31  „ 

34  „ 

34  „ 

29  „ 

23  „ 

Länge  : Höhe 
= 100: 

83 

85 

86 

87 

91 

91 

92 

Fundort: 

1),  2),  4),  5),  6),  8),  10),  11),  14)  E E.-St.  Tannendorf  1,  3)  OT  y Kreibitz 
11,  7)  E Kreibitz  27,  9),  12)  Salzberg,  13)  E Kieslingswalde. 

1),  3),  10),  14)  Sammlung  Humboldtverein  Ebersbach. 

Das  Verhältnis  anscheinend  unverdrückter  Exemplare  variiert  zwischen 
100:75  und  100:91,  so  daß  als  Durchschnitt  100:83  angenommen  werden  kann. 
Das  Exemplar  4,  Taf.  11,  Fig.  28,  zeigt  eine  ziemlich  abweichende  Form; 
jedoch  stimmen  die  Schloßzähne,  soweit  eine  Beobachtung  möglich  ist,  mit 
denen  der  anderen  Exemplare  überein.  Auch  war  das  Stück  dem  Artcharakter 
entsprechend  mit  einer  dicken  Schale  versehen,  wie  der  Abdruck  des  breiten 
Bandes  längs  des  Unterrandes  deutlich  erkennen  läßt. 

Die  englische  Cuciillaea  glabra  Park,  unterscheidet  sich  von  unserer  Art 
durch  einen  vom  Wirbel  zur  unteren  hinteren  Ecke  ziehenden  deutlichen  Kiel, 
der  an  unserer  Art  nicht  vorhanden  ist.  Zu  der  englischen  Form  zieht 
Woods  1904—1913,  2,  S.  57,  auch  Area  glabra  bei  Goldfuss,  Taf.  124, 
Fig.  1 b,  unter  Bezugnahme  auf  den  von  Goldfuss  u.  a.  erwähnten  Fundort 
Blackdown.  Da  das  Original  anscheinend  nicht  mehr  aufzufinden  ist,  kann 
man  jedoch  auch  mit  gleichem  Recht  annehmen,  daß  Goldfuss  als  Original 
ein  unzweifelhaftes  Exemplar  unserer  Art  von  den  von  ihm  ebenfalls  auf- 
geführten Fundorten  Quedlinburg  oder  Aachen  Vorgelegen  hat.  Die  Abbildung 
bei  Geinitz  1843,  Taf.  3,  Fig.  5 besitzt  die  typische  Ausbildung  unserer  Art; 
auch  Fig.  4 sowie  ,, Elbtalgebirge“  2,  Taf.  16,  Fig.  3 gehören  dieser  an,  wie 
ein  Vergleich  der  Originale  im  Museum  zu  Dresden  ergeben  hat.  Die  Be- 
schreibung läßt  sich  ebenfalls  gut  auf  unsere  Art  anwenden.  Taf.  16,  Fig.  4 
von  Strehlen  ist  als  unsicher  zu  bezeichnen.  Die  am  Salzberge  bei  Quedlin- 
burg von  mir  gesammelten  Steinkerne  gleichen  in  der  Form  vollständig 
unserer  Art,  keinesfalls  aber  der  Cuciillaea  matheroniana  d’Orb.,  womit  die 
Salzbergstücke  von  Brauns  vereinigt  werden.  Wenn  auch  die  Abbildungen 
der  beiden  von  G.  Müller  wiedergegebenen  Exemplare,  wohl  infolge  von 
Verdrückung,  nicht  mit  Sicherheit  deren  Zugehörigkeit  zu  unserer  Art  er- 
kennen lassen,  so  verweist  Müller  doch  ausdrücklich  auf  deren  Überein- 
stimmung mit  der  Artauffassung  durch  Holzapfel,  der  ich  mich  ebenfalls 
nur  anschließen  kann. 


Paläontologischer  Teil 


221 


Wie  eine  Prüfung  des  im  Museum  zu  Prag  vorhandenen  Materials  ergeben 
hat,  gehören  die  von  Fric  aus  den  Chlomeker  Schichten  von  E.^St.  Tannen- 
dorf und  von  Chlomek  als  Area  subglabra  bezeichneten  Exemplare  unserer 
Art  an.  Die  aus  den  tieferen  Kreideschichten  Böhmens  daselbst  vorhandenen, 
von  Fric  ebenso  bezeichneten  Cucullaeen  sind,  wenn  auch  die  Schloßzähne 
meist  nicht  sichtbar  sind,  der  Form  nach  ebenfalls  hierher  zu  stellen.  Das- 
selbe gilt  für  die  von  Reuss  4'j)  aus  den  tieferen  Lagen  Böhmens  abgebildeten 
und  beschriebenen,  sowie  für  die  von  mir  im  Mittelturon  gesammelten  und 
unten  aufgeführten  Exemplare. 

Cucallaea  deichmuelleri  von  Kieslingswalde  bei  Sturm  ist  bestimmt 
unsere  Art,  wie  ein  Vergleich  des  im  Museum  zu  Dresden  befindlichen 
Originales  ergeben  hat.  Das  Schloß  ist  etwas  mangelhaft  gezeichnet.  Trotz 
einiger  Beschädigungen  läßt  es  sich  vollständig  nach  Holzapfel,  Taf.  22,  Fig.  3, 
das  im  Original  vorliegt,  ergänzen.  Die  Abbildung  bei  Sturm  ist  demgemäß 
richtig  zu  stellen.  Die  von  demselben  Autor  als  Ciicullaea  subglabra  und 
Cuoullaea  subglabra  var.  perversa  bezeichneten  Exemplare  gehören  nicht  zu 
unserer  Art,  sondern  zu  Cucullaea  zimmermanni  n.  sp. 

Der  Vergleich  des  Materials  der  technischen  Hochschule  zu  Aachen  mit 
den  von  Holzapfel  hierzu  gegebenen  Beschreibungen  und  Abbildungen  bietet 
zu  folgenden  Bemerkungen  Veranlassung:  In  der  Beschreibung  S.  206  wird 

die  Area  mit  drei  oder  vier  Winkelfurchen  geschildert,  die  Abbildung  Taf.  22, 
Fig.  3 zeigt  deren  fünf  bzw.  sechs,  während  das  Original  dazu  bestimmt 
ganz  deutlich  nur  vier  Furchen  aufweist.  Dies  dürfte  auch  nach  Vergleich  mit 
anderen  Exemplaren  von  Aachen  und  Kieslingswalde  die  richtige  Zahl  sein. 
Die  Beschreibung  nennt  die  Stellung  der  mittleren  Schloßzähne  gerade,  in 
Wirklichkeit  ist  sie  aber  so,  wie  dies  die  Abbildung  Taf.  22,  Fig.  3 wieder- 
gibt. In  der  Beschreibung  werden  die  hinteren  Schloßzähne  als  lang,  quer- 
gestreift und  schräg,  und  die  vorderen  als  winkelig  gebogen  geschildert. 
Dies  ist  dahin  zu  berichtigen,  daß  die  hinteren  Schloßzähne  mäßig  lang, 
quergestreift  und  rund  hakenförmig  gebogen,  die  vorderen  dagegen  winkelig 
gebogen  und  zwei  von  ihnen  sehr  lang  sind. 

Die  von  Scupin,  Taf.  9,  Fig.  6 und  Taf.  10,  Fig.  7 dargestellten  unvoll- 
kommenen Exemplare  aus  dem  Mittelturon  Schlesiens  könnten  der  Form  nach 
ebenfalls  hierher  gehören.  Sie  liegen  im  Originale  vor. 

Vorkommen: 

Mittelturon:  Bonnewitz  (Mus.  Dresden),  Deutsch  Gabel,  Felden,  Kickeis- 

berg 2,  Liebeschitz  3,  Sabert  1,  Schwabitz  4,  Kallwitz  5,  Bösig  7, 
Podhrazmühle  2,  Laun  5 (Mus.  Aussig),  Kokorin  1,  Sackschen  2, 
Kochowitz  1,  Soviceberg  5,  6 (häufig),  7 (häufig),  Mseno  1, 
Brezinka  2,  Zivonin  2,  Weißwasser,  Bakov  2,  Jungbunzlau  1, 
Jicin  26,  Turnau  3,  12,  Löwenberg  3 (Realgymn.  Löwenberg, 
Geol.  Landesmus.),  Hermsdorf  Löw.  1,  2 (beide  Geol.  Landes- 
mus.), Kesselsdorf  Löw.  (Geol.  Landesmus.),  Plagwitz  Löw.  1 
(Geol.  Landesmus.),  Ludwigsdorf  Löw.  2 (Geol.  Landesmus.), 
Heuscheuer  2,  3; 


45)  REÜSP  1846,  2,  Taf.  34,  Fig.  44;  Taf.  35,  Fig.  1. 


222 


Abh.  preuß.  gieol.  L.-A.,  Neue  Folge,  Heft  159 


Oberturon  aß:  Herrenleite,  Lückendorf  1,  5,  10,  Hochwald  1,  Waltersdorf  2; 
Oberturon  y : Kreibitz  4,  6,  11,  14; 

Emscher:  E.-St.  Tannendorf  1,  Kreibitz  9,  12,  20,  24,  27,  Oberkreibitzer 

Talsperre  5 (eigene  Sammlung;  Mus.  Aussig),  Böhm.  Kamnitz 
7,  Chlomek  (Mus.  Prag),  Großhartmannsdorf  Löw.  (häufig, 
Geol.  Landesmus.),  Gehnsdorf  Löw.  1,  2 (Geol.  Landesmus.), 
Neuwarthau  Löw.  1,  2,  3 (alle  3 Geol.  Landesmus.),  Berg- 
warthau  Löw.  (Geol.  Landesmus.),  Hohlstein  Löw.  (Geol. 
Landesmus.),  Kieslingswalde  (eigene  Sammlung;  Mus. 
Dresden),  Salzberg; 

Untersenon:  Sirgwitz  (Geol.  Landesmus.). 

Ferner  liegt  di^  Art  aus  dem  Untersenon  von  Aachen  vor. 

Cucullaea  miilleri  Holzapfel 
Taf.  11,  Fig.  29,  30,  31 

1889  Cucullaea  miilleri  Holzapfel,  2,  S.  209,  Taf.  23,  Fig.  1. 

1912 — 13  Cucullaea  cardiiformis  Scupin,  S.  192,  Taf.  9,  Fig.  10,  11;  Taf.  10, 
Fig.  8,  11. 

Die  kugeligen  oder  mehr  oder  weniger  zusammengedrückten  Steinkerne 
sind  im  Umriß  kreisrund,  oval  oder  nicht  selten  nach  hinten  unten  schief  aus- 
gezogen. Dementsprechend  sind  auch  die  Schalen  teils  gleichseitig,  teils 
mehr  oder  weniger  ungleichseitig.  Die  gegeneinander  eingebogenen,  fast 
mittelständigen  Wirbel  sind  schwach  nach  vorn  gedreht.  Neben  fast  gleich- 
mäßig gewölbten  Exemplaren  finden  sich  auch  solche,  die  an  einer  vom 
Wirbel  zur  unteren  hinteren  Ecke  ziehenden  Linie  ihre  höchste  Wölbung 
besitzen  und  von  da  etwas  steiler  als  auf  der  Vorderseite  zum  Hinterrande 
abfallen.  Eine  Kante  ist  jedoch  nicht  vorhanden. 

Die  Verzierung  besteht  aus  feinen  konzentrischen  Furchen  und  noch  viel 
feineren  radialen  Linien.  Soweit  die  Schloßzähne  an  den  Steinkernen  sichtbar 
sind,  stimmen  sie  mit  der  Abbildung  bei  Holzapfel  und  auch  mit  den  sonst 
von  Aachen  vorliegenden  Exemplaren  überein. 

Holzapfel  erwähnt,  daß  in  der  Mitte  vier  bis  fünf  kleine  gerade  Zahnchen, 
auf  jeder  Seite  drei  bis  vier  dünne  leistenfürmige  horizontale  Zähne  vor- 
handen sind. 

Die  Muschel  ist  nicht  groß.  Folgende  Zusammenstellung  mag  als  Aus- 
wahl für  die  Größenverhältnisse  dienen. 

Maße:  _ 1 _ 2 3 4 5 

Länge:  23  mm  22  mm  20  mm  20  mm  19  mm 

Höhe:  17  „ 20  „ 17  „ 16  „ 17  „ 

Lange  : Höhe 

= 100:  74  91  85  80  89 

Maße: 8 9_ 10 11  12 

Länge:  14  mm  13  mm  11mm  8 mm  20  mm 

Höhe:  12  „ 12  „ 9 „ 6 „ 17  „ 

Länge : Höhe 

= 100: 


6 7 

15  mm  13  mm 
12  „ 13  „ 

80  100 


86 


92 


82 


75 


85 


Paläontologischer  Teil 


223 


Fundort: 

1),  8)  E E.-St.  Tannendorf  1,  2)  E Kreibitz  7,  3),  4),  5),  6),  10),  11)  E 
Oberkreibitzer  Talsperre  5,  7),  9)  E Kreibitz  6,  12)  E Kieslingswalde. 

4)  Sammlung  Landwirtsch.  Akademie  Tetschen  Liebwerd. 

In  der  äußeren  Form  gleicht  die  Art  der  im  allgemeinen  größeren  und 
dicker  beschälten  Cucullaea  subglabra  d’Oub.  Bei  der  geringen  Größe  und 
Unvollkommenheit  der  Steinkerne  treten  auch  die  schwachen  Unterschiede 
in  der  Zahnstellung  nicht  besonders  scharf  hervor.  Die  überwiegende  Zahl 
der  vorliegenden  Exemplare  läßt  sich  deshalb  fast  nur  unter  Berücksichti- 
gung ihrer  Größe  von  Cucullaea  subglabra  trennen. 

Die  vom  Lusberg  bei  Aachen  vorliegenden  Steinkerne  und  Schalenstücke 
stimmen  mit  unseren  Exemplaren  überein.  Auch  die  von  Scupin  zu  Cucullaea 
öardiiformis  aus  der  Löwenberger  Kreide  gestellten  Stücke  sind  nach  Ver- 
gleich mit  den  Originalen  nur  hierher  zu  stellen.  Die  von  dem  Autor  an- 
geführten Unterschiede  bestehen  nicht.  In  meinem  wie  auch  in  dem  von 
Aachen  reichlich  vorliegenden  Material  sind  alle  Übergänge  vertreten. 

Vorkommen: 

Oberturon  y : Kreibitz  6,  7,  11,  14,  Oberhennersdorf; 

Emscher:  E.-St.  Tannendorf  1,  Kreibitz  6,  7,  12,  24,  27,  Oberkreibitzer 

Talsperre  5,  9,  Falkenau  4,  Tollenstein,  E.-St.  Neuhütte  3, 
Großhartmannsdorf  Löw.  (Geol.  Landesmus.),  Hermsdorf  Löw. 
(Geol.  Landesmus.),  Kieslingswalde,  Neuwarthau  Löw.  2,  3 
(beide  Geol.  Landesmus.),  Hohlstein  Löw.  (Geol.  Landesmus.), 
Gehnsdorf  Löw.  2 (Geol.  Landesmus.),  Salzberg. 

Außerdem  liegt  mir  die  Art  aus  dem  Untersenon  von  Aachen  vor. 

Unter  den  größeren  Cuc'ullaeen  der  Oberen  Kreide  herrscht  in  der  Literatur 
nicht  geringe  Verwirrung.  Meist  ohne  Kenntnis  der  Schlösser  hat  man  die 
mannigfach  variierenden  Formen  teils  fälschlich  auseinandergerissen,  teils 
ebenso  zusammengezogen,  so  daß  die  Bezeichnungen  arg  durcheinanderlaufen. 
Mit  Hilfe  der  Originalstücke  aus  der  Aachener,  Löwenberger  und  Kieslings- 
walder  Kreide  ist  hier  eine  Klärung  nach  Möglichkeit  angestrebt  worden. 
Die  Bestimmung  einzelner  mangelhafter  Exemplare  wird  bei  fehlendem  Schlosse 
immer  eine  schwierige  Aufgabe  bleiben.  Deshalb  möchte  aber  auch  bei 
ungenügendem  Materiale  mit  der  Aufstellung  neuer  Arten  zurückgehalten 
werden.  In  meiner  Sammlung  befindet  sich  noch  eine  Anzahl  Exemplare 
mit  größeren  Abweichungen  von  den  normalen  Formen,  die  aber  bei  der 
anscheinend  nicht  geringen  Variabilität  der  Cucullaeen  keine  besonderen 
Arten  darstellen.  Auch  das  Aachener  Material  ist  mit  Ausnahme  weniger 
Exemplare  durchaus  nicht  so  vorzüglich,  wie  dies  nach  den  wenigen  guten 
abgebildeten  Stücken  erscheint. 

Eine  Gegenüberstellung  der  Formen  der  oberen  deutschen  Kreide  ergibt 
folgende  Unterscheidungsmerkmale : 


Name 


T}-pus 


Rückenkante 


Hinterrand,  Form 


1.  Cucullaea  matheroniana  Holz  vppel  1889,  2,  Taf.  22,  Fig.  1,  2,  4 deutliche  Rückenkante 

D’Orb.  (Zahnstellnng  etwas  ungenau) 

2.  Cucullaea  zimmermanni  Sturm  1901,  Taf.  6,  Fig.  1,  2 deutliche  Rückenkante 


Hin  terra nd  sehr  schief 


Hinterrand  weniger  schief 


3.  Cucullaea  zimmermanni  S cupin  1912/13,  Taf.  9,  Fig.  3 
li.  sp.  var.  alta 


4.  Cucullaea  glabra 
Park. 


Woods  1904—13,  Taf.  12,  Fig.  1 


6.  Cucullaea  mülleri 
Hlzpkl. 


deutliche  Rückenkante,  aber  Hinterrand  ziemlich  senkrecht 
mehr  gerundet  als  bei  1 u.  2 


deutliche  Rückenkante 


5.  Cucullaea  subglabra  Holzapfel  1889,  2?  Taf.  22,  Fig.  3 Rückenkante  fehlt 

D’Orb. 


Hinterr and  mäßig  schief 


Hinterrand  mäßig  schief 


Holzapfel  1889,  2,  Taf.  23,  Fig.  1 Rückenkante  fehlt, 


ickenkante  fehlt,  Umriß  kreisrund,  oval  oder  auch 

Rücken  oft  voll  gerundet  nach  hinten  unten  mäßig  schief 

ausgezogen,  bedeutend  kleiner 
als  die  anderen  Arten 


Schloßzähne  Area  Bemerkungen 

zu  1.  hintere  Seiten  zähne  schräg,  vordere  wagerecht,  5 Winkelfurchen 

ca.  30  Schloß  zähne 

zu  2.  hintere  und  vordere  Seitenzähne  schräg,  3 Winkelfurchen  Länge  übersteigt  die  Hohe  stets 

ca.  20  Schloßzäline 

zu  3.  hintere  Seitenzähne  schräg,  vordere  mehr  horizontal,  5 Winkel  furchen  Länge  und  Höhe  ziemlich  gleich,  Höhe  oft  die 

stark  winkelig,  ca.  20  Schloßzähne  Länge  über  treffend 

zu  4.  hintere  und  vordere  Seiten  zäh  ne  horizontal,  3 — o Winkel  furchen 

ca.  20  Schloßzähne 

zu  5.  hintere  und  vordere  Seitenzähne  ziemlich  horizontal,  4 Winkelfurchen 
ca.  20  Schloßzähne 

zu  6.  hintere  und  vordere  Seitenzähne  horizontal,  ? 

ca.  20  Schloßzähne  ? 


Abh.  preuß.  gieol.  L.-A.,  Neue  Folge,  Heft  159 


Paläontolo^ischer  Teil 


225 


Cucullaea  striatula  Reu  SS 
Taf.  11,  Fig.  32,  33,  34 

1843  Cucullaea  striatula  Reuss,  2,  S.  105. 

1846  Cucullaea  striatula  Reuss,  2,  S.  12,  Taf.  34,  Fig.  28. 

1888  Area  striatula  G.  Müller,  S.  421. 

? 1889  Area  striatula  FiuC,  S.  79,  Abb.  64. 

1893  Area  striatula  FriC,  S.  93. 

1898  Cucullaea  striatula  G.  Müller,  S.  52,  Taf.  7,  Fig.  5,  6. 

Die  Steinkerne  zeigen  schiefovalen  Umriß  und  sind  infolge  des  weit 
nach  vorn  gerückten  Wirbels  stark  ungleichseitig.  Der  Vorderrand  geht  in 
den  geraden  Schloß-  und  schwach  konvex  gebogenen  Unterrand  vollgerundet 
über;  der  meist  bedeutend  höhere,  ziemlich  gerade  verlaufende  Hinterrand 
hingegen  bildet  mit  dem  Unterrande  einen  gerundet  spitzen  und  mit  dem 
Schloßrande  einen  schärferen  stumpfen  Winkel.  Von  dem  breiten,  einwärts 
gebogenen  und  über  den  Schloßrand  hervorragenden  Wirbel  verläuft  zur 
unteren  Ecke  des  Hinterrandes  eine  stumpfe  Kante.  Vor  dieser  ist  der  Stein- 
kern abgeflacht  und  wölbt  sich  erst  weit  vorn  zum  Vorderrande  ab;  hinter 
der  Kante  aber  fällt  der  Rücken  dachförmig  zum  Hinterrande  ab.  Das  Schloß 
ist  nicht  vollständig  sichtbar.  Nur  an  zwei  zusammengedrückten  Steinkernen 
lassen  sich  die  Abdrücke  der  drei  hinteren  horizontalen  Zähne,  wie  sie  auch 
die  Abbildung  bei  G.  Müller  zeigt,  wahrnehmen.  Danach  dürfte  die  Art 

bei  Cucullaea  unterzubringen  sein.  Die  Oberfläche  ist  nach  den  vorliegenden 
Hohlabdrücken  mit  dichten  feinen  radialen  Linien  verziert,  die  von  etwas 

gröberen  unregelmäßigen  konzentrischen  Linien  gekreuzt  werden. 

Maße:  1 2 

Länge:  17  mm  12  mm 

Höhe:  10  „ 6 „ 

Die  Beschreibung  bei  Reuss  stimmt  mit  unseren  Exemplaren  überein; 
in  der  Abbildung  ist  jedoch  die  hintere  Partie  nicht  gut  gelungen.  Reuss 
führt  u.  a.  auch  den  Fundort  Kreibitz  für  die  Art  auf.  Die  von  G.  Müller 
1888  und  1898  gegebenen  Beschreibungen  ergeben  keine  Abweichungen  von 
unseren  Exemplaren,  auch  die  aus  dem  Untersenon  wiedergegebenen  Ab- 
bildungen stimmen  mit  diesen  überein.  Das  von  Fnie  in  den  „Teplitzer 

Schichten“  abgebildete  Exemplar  scheint  zu  unserer  Art  nicht  zu  gehören, 
die  form  der  Hinterseite  wie  die  starke  Einbiegung  der  Schale  an  der 

Unterseite  bilden  scharfe  Unterscheidungsmerkmale. 

Vorkommen: 

Unterturon:  Jidn  4 (Soukup)  ; 

Mittelturon:  Schandau  2,  Jicln  2,  3,  4,  6,  8,  39,  32,  40,  42,  43,  44,  48,  49,  50, 

51  (alle  15  Soukup),  26,  28,  29; 

Oberturon  y:  Kreibitz  3,  11,  12,  Großrackwitz  Low.  1 (Geol.  Landesmus.); 

Emscher:  E.-St.  Tannendorf  1,  Kreibitz  6,  12,  Oberkreibitzer  Talsperre 

8,  9,  Priesen  (Mus.  Dresden,  Mus.  Prag) ; 

Untersenon:  Wenig  Rackwitz  Löw.  1 (Geol.  Landesmus.),  Sirgwitz  Löw. 

(Geol.  Landesmus.). 

Nach  G.  Müller  im  Untersenon  von  Braunschweig. 


Ändert  15 


226 


Abh.  preuß.  gieol.  L.-A.,  Neue  Folge,  Heft  159 


Area  Lam. 

Area  ( Cucullaea ?)  propinqua  Reuss 
Taf.  11,  Fig,  35 

1842  Area  furcifera  var.  Geinitz,  3,  S.  78,  Taf.  20,  Fig.  12. 

1843  Cucullaea  propinqua  Reuss,  2,  S.  194. 

1846  Cucullaea  propinqua  Reuss,  2,  S.  12,  Taf.  34,  Fig.  34. 

1893  Cucullaea  propinqua  FriC,  S.  94,  Abb.  110. 

? 1912 — 13  Area  eonf.  propinqua  Scupin,  S.  188,  Abb.  29. 

Einige  kleine  Steinkerne  lassen  sich  am  besten  mit  dieser  Art  vereinigen. 
Sie  haben  querrhomboidalen  Umriß,  sind  flach  gewölbt  und  stark  ungleich- 
seitig. Von  dem  weit  nach  vorn  gerichteten,  breiten  und  nach  innen  ein- 
gebogenen Wirbel  verläuft  über  den  Rücken  eine  flache  Mulde  schief  zum 
Unterrande,  der  an  dieser  Stelle  eingebuchtet  ist.  Schloßrand  und  Vorderrand 
bilden  einen  rechten  Winkel.  Der  Vorderrand  geht  im  Bogen  in  den  eine 
flache  Wellenlinie  darstellenden  Unterrand  über.  Der  abgestutzte  Hinterrand 
bildet  mit  dem  Schloßrande  einen  stumpfen  und  mit  dem  Unterrande  einen 
gerundeten  spitzen  Winkel.  Der  vordere  Teil  der  Muschel  ist  niedriger  als 
der  auffallend  ausgebreitete  und  viel  größere  Hinterteil.  Vom  Wirbel  zur 
unteren  hinteren  Ecke  zieht  eine  stumpfe  Kante,  hinter  ihr  fällt  die  Schale 
in  flacher  Mulde  zum  Hinterrande  ab.  An  einem  Exemplar  sind  vorn  drei 
und  hinten  vier  schräg  stehende  Schloßzähne  sichtbar. 

Die  Schalenverzierung  ist  nur  an  einem  Skulptursteinkern  teilweise  sichtbar 
und  zeigt  verhältnismäßig  kräftige,  gegen  den  Hinterrand  an  Stärke  zunehmende 
scharfe  Radialrippen,  die  eine  schwache  Körnelung,  die  durch  feine  Anwachs- 
streifen hervorgerufen  sein  dürfte,  besitzen.  Am  besten  stimmt  die  Verzierung 
unserer  Exemplare  mit  der  Abbildung  bei  Fmc  überein,  wenn  auch  hier  eine 
Teilung  der  Rippen,  wie  sie  unser  Stück  zeigt,  nicht  gezeichnet  ist. 

Maße:_  JL 2 3 

Länge:  11mm  11mm  7 mm 

Höhe : 7 „ G „ 4 „ 

Die  Beschreibungen  bei  Geinitz  und  Reuss  bieten  wenig  Unterschiede  von 
unseren  Exemplaren.  Die  Abbildung  bei  Geinitz  ist  anscheinend  mangelhaft. 
Das  bei  Fiue  abgebildete  Exemplar  kommt  unseren  Stücken  am  nächsten.  Die 
Zugehörigkeit  des  Exemplares  bei  Scupin  zu  unserer  Art  ist  nicht  genau 
festzustellen,  jedoch  nicht  unwahrscheinlich. 

In  unserem  Gebiete  habe  ich  die  Art  nur  im  Emscher  von  Kreibitz 
aufgefunden. 

Vorkommen: 

Emscher:  Kreibitz  6. 

Das  Exemplar  von  Scupin  aus  der  Löwenberger  Kreide  stammt  aus  dem 
Untersenon. 


Area  (Seapharea)  und u lata  Rei'SS 
Taf.  11,  Fig.  13  a,  b,  14 


1843 

Cucullaea  undulala  Reuss,  2,  S. 

195. 

1846 

Area 

undulala 

Reuss,  2,  S.  12, 

Taf.  34,  Fig.  33,  39. 

1875 

Area 

undulala 

Brauns,  S.  384. 

1888 

Area 

undulala 

G.  Müller,  S. 

421. 

Paläontologischer  Teil 


227 


? 1889  Area  undulata  FriC,  S.  79,  Abb.  65. 

1893  Area  undulata  FriC,  S.  94. 

1898  Area  undulata  G.  Müller,  S.  50,  Taf.  7,  Fig.  4. 

1901  Area  undulata  Sturm,  S.  75. 

1912 — 13  Area  conf.  undulata  Scupin,  S.  189,  Taf.  9,  Fig.  13. 

Von  Area  undulata  liegen  gegen  100  Steinkerne  mit  Hohlabdrücken  vor. 
Sie  sind  vorwiegend  in  weichem  Mergelgestein  enthalten  und  infolgedessen 
verdrückt.  Im  unversehrten  Zustande  sind  sie  hoch  gewölbt  mit  einer  Ab- 
plattung in  der  Mitte.  Der  Umriß  ist  querrhomboidal.  Schloßrand  und 
Vorderrand  stoßen  in  einem  etwas  stumpfen  Winkel  aneinander;  der  Vorder- 
rand geht  in  breiter  Rundung  in  den  Unterrand  über.  Letzterer  ist  durch 
einen  gerundeten,  annähernd  rechten  Winkel  mit  dem  Hinterrande  und  dieser 
wieder  durch  einen  wenig  stumpfen  Winkel  mit  dem  geraden  Schloßrande 
verbunden.  Die  gegeneinander  eingebogenen  vorragenden  Wirbel  liegen  etwas 
vor  der  Mitte.  Der  gewölbte  breite  Rücken  fällt  allmählich  und  gerundet 
zum  Vorderrande  ab,  wahrend  er  zum  Hinterrande  an  einer  vom  Wirbel  zur 
unteren  hinteren  Ecke  ziehenden  stumpfen  Kante  dachförmig  absteigt.  Die 
Oberfläche  der  Schale  ist  mit  45—50  radialen  Rippen  verziert.  Über  den 
Rücken  verlaufen  sie  ziemlich  gleichmäßig;  in  der  Nähe  der  hinteren  Kante 
jedoch  sind  sie  kräftiger  ausgebildet  und  in  der  Mitte  der  Abfallfläche  oft 
durch  eine  feine  Furche  geteilt.  Die  Rippen  sind  breiter  als  die  linienartigen 
Zwischenräume.  Nur  wenige,  gut  erhaltene  Steinkerne  mit  schwachen  Schalen- 
resten zeigen  das  durch  feine  konzentrische  Linien  gebildete  Gitterwerk 
(Taf.  11,  Fig.  13  b).  Die  Stellung  der  Zähne  ist  nur  an  drei  Exemplaren  ein 
wenig  sichtbar  und  deutet  mit  den  horizontal  geneigten  Seitenzähnen  auf  eine 
Saapharca  (?  Cucullaea).  Zu  Scapharca  wird  die  Form  auch  von  G.  Müller 
gestellt.  Die  Größenverhältnisse  seien  durch  folgende  Mittelzahlen  belegt: 

Mafle:  1 2 _ 3_  4 _5  6 

Länge:  15  mm  13  mm  12  mm  11mm  8 mm  5 mm 

Hohe:  10  „ 9 „ 9 „ 8 „ 5 „ 3 „ 

Länge : Höhe  = 100:  67  69  75  73  63  60 

Beschreibung  und  Abbildung  bei  Reuss  ist  ohne  weiteres  auf  unsere 
Exemplare  anzuwenden.  Zudem  haben  ihm  auch  solche  von  Kreibitz  Vor- 
gelegen. Die  schöne  Zeichnung  der  Oberfläche  ist  leider  nur  an  wenigen 
unserer  Exemplare  und  auch  da  nur  zum  Teil  erhalten.  Die  Zahl  der  Rippen, 
Beschreibung  25  -30,  Abbildung  gegen  60,  scheint  etwas  willkürlich  gefaßt 
zu  sein.  Die  Beschreibung  von  Brauns  für  Exemplare  vom  Salzberge  paßt 
ebenfalls  zu  unseren  Stücken.  Die  Zahl  der  Radialstreifen  ist  mit  30  für 
den  Rücken  angegeben.  Wahrscheinlich  ist  die  Abdachungsfläche  nicht  mit- 
gerechnet. Während  Müller  im  „Flarzrand“  kurz  über  die  Art  hinweggeht, 
widmet  er  ihr  im  „Untersenon  von  Braunschweig“  eine  eingehendere  Schil- 
derung, die  sich  im  allgemeinen  mit  unseren  Exemplaren  deckt.  Das  Vor- 
handensein starker  hervortretender  Radialrippen  auch  auf  der  vorderen  Seite 
erscheint  nach  dem  vorliegenden  Material  jedoch  nicht  zutreffend.  In  den 
„Teplitzer  Schichten“  bezieht  sich  Eric  nur  auf  die  Angaben  von  Reuss; 
hingegen  ist  die  Art  in  den  ,,Priesener  Schichten“  sehr  häufig  vertreten. 
In  der  Studie  hierüber  gibt  FriC  keine  Abbildung;  jedoch  konnte  ich  die 
Übereinstimmung  der  Exemplare  im  Museum  zu  Prag  feststellen.  Das  durch 


228 


Abh.  preuß.  geol.  L.-A.,  Neue  Folge,  lieft  159 


Sturm  von  Kieslingswalde  beschriebene  Exemplar  konnte  im  Original  ver- 
glichen werden  und  gehört  auch  hierher.  Kein  Zweifel  ist  ferner  an  der 
Übereinstimmung  mit  den  durch  Scupin  von  Löwenberg  aufgeführten  Exem- 
plaren, deren  abgebildetes  Original  ebenfalls  verglichen  werden  konnte. 

Area  undulata  findet  sich  in  einigen  weichen  Mergelschichten  des  Ge- 
bietes ziemlich  häufig,  an  anderen  Stellen  jedoch  nur  selten. 

Aus  dem  Emscher  des  nördlichen  Harzrandes  ist  die  Art  durch  Brauns 
und  G.  Müller  bekannt  geworden. 

Vorkommen: 

Unterturon:  Jicin  1,  2,  3,  4,  6,  7,  8 (alle  7 Soukup),  9; 

Mittelturon:  Lohmen,  Brenn  3,  Turnau  2,  Jicin  2,  3,  4,  5,  6,  7,  8,  32,  42,  43, 

44,  45,  46,  48,  49,  50  (alle  16  Soukup),  19,  22,  23,  26,  29,  39, 
Heuscheuer  2,  5,  Langenau  Löw.  3 (Geol.  Landesmus.),  Walters- 
dorfer  Mühle  Löw.  (Geol.  Landesmus.) ; 

Oberturon  aß:  Plissen  2,  Zeichen  2 (Seifert)  ; 

Oberturon  y:  Zatzschke  (Mus.  Dresden),  Böhm.  Kamnitz  3,  Kreibitz  3 (zahl- 

reich), 4,  6,  10,  11,  12,  14,  Böhm.  Zwickau  (Vortisch),  Ober- 
hennersdorf, Martinstal  (Vortisch),  Priesen  (Mus.  Prag  u. 
Dresden,  selbst  ges.),  Jicin  1 (Soukup),  Großrackwitz  1,  3 
(beide  Geol.  Landesmus.); 

Emscher:  E.-St.  Tannendorf  1,  Daubitz  1,  Kreibitz  4,  6,  7 (zahlreich), 

9,  12,  Oberkreibitzer  Talsperre  8 (zahlreich),  9,  Böhm.  Kamnitz 
3,  Priesen,  Kieslingswalde  (Mus.  Dresden),  Deutmannsdorf 
Löw.  (Geol.  Landesmus.),  Gehnsdorf  Löw.  2 (Geol.  Landesmus.), 
Großhartmannsdorf  Löw.  (Geol.  Landesmus.). 

Ferner  befindet  sich  im  Museum  zu  Dresden  ein  Stück  vom  Marter- 
berg bei  Passau. 


Area  hilleri  n.  sp. 

Taf.  11,  Fig.  15,  16 

Einige  kleine  Steinkerne  und  Hohlabdrücke  aus  der  versteinerungsreichen 
harten  Schicht  unterm  Pickelstein  in  450  m Höhe  sowie  ein  Steinkern  von 
der  E.-St.  Tannendorf  (El)  gehören  einer  neuen  Art  an.  Sie  besitzen 
rechteckig  abgerundeten  Umriß  und  nähern  sich  in  der  Form  Area  geinitzi 
Reuss.  Vorder-  und  Hinterrand  stoßen  an  den  Schloßrand  in  einem  schärferen, 
an  den  Unterrand  in  einem  gut  abgerundeten  stumpfen  Winkel.  Der  Unter- 
rand ist  schwach  konvex  und  entbehrt  der  bei  Area  geinitzi  vorhandenen 
Einbiegung.  Der  niedrige  breite  Wirbel  ragt  wenig  über  den  Schloßrand 
hervor.  Vom  Wirbel  zur  unteren  hinteren  Ecke  zieht  eine  deutliche  Kante. 
Vor  der  Kante  ist  die  Muschel  flach  und  abgeplattet. 

An  einigen  guten  Hohlabdrücken  läßt  sich  die  Schalenverzierung  leidlich 
feststellen.  Die  Oberfläche  erscheint  mit  feinen  radialen  Linien  bedeckt,  mit 
Ausnahme  des  vorderen  Teiles  der  Muschel,  auf  dem  drei  kräftige  Radial- 
rippen sichtbar  sind,  sowie  der  von  der  Kante  dachförmig  zum  Hinterrande 
abfallenden  Fläche,  über  die  vier  kräftige  Radialrippen,  die  diese  ganze  Fläche 
einnehmen,  hinweglaufen.  An  konzentrischen  Verzierungen  sind  nur  einige 
Runzeln  im  Hohlabdruck  erkennbar.  Schloßzähne  sind  nur  zum  Teil  erhalten 
und  zwar  an  einem  Exemplar  die  hintersten  drei,  die  schräg  zum  Schloßrande 


Paläontologischer  Teil 


229 


stehen,  und  an  einem  anderen  an  der  Vorderseite  die  Eindrücke  einiger  kleiner 
Zähnchen.  Die  Exemplare  besitzen  eine  Uänge  von  5 mm  und  eine  Höhe 
von  2,5  mm. 

Ich  widme  die  Art  Herrn  Richard  Hiller  in  Ebersbach. 

Vorkommen: 

Emscher:  E.-St.  Tannendorf  1,  Kreibitz  6. 


Area  ( Barbatia ) geinitzi  Keuss 
Taf.  11,  Fig.  17 

? 1842  Area  radiala  Geinitz,  3,  S.  78,  Taf.  20,  Fig.  13,  14. 

1843  Area  geinitzi  Reuss,  2,  S.  192,  193. 

1846  Area  geinitzi  Reuss,  2,  S.  11,  Taf.  34,  Fig.  31. 

1875  Area  radiata  Brauns,  S.  384. 

1875  Area  geinitzi  Geinitz,  2,  S.  55,  Taf.  16,  Fig.  7,  8. 

1889  Area  geinitzi  Fric,  S.  79,  Abb.  63. 

1893  Area  geinitzi  Fric,  S.  94. 

1912 — 13  Area  aff.  geinitzi  Scupin,  S.  187,  Taf.  9,  Fig.  8. 

? 1904 — 13  Barbatia  sp.  cf.  geinitzi  Woods,  1,  S.  42,  Taf.  7,  Fig.  10,  11. 

Nach  Form  und  Zahnstellung  lassen  sich  einige  Steinkerne  mit  Area 
geinitzi  vereinigen.  Die  Muschel  ist  querverlängert,  flach  gewölbt  und  vorn 
etwas  niedriger  als  hinten.  Der  Vorderrand  ist  mit  dem  geraden  Schloß- 
rande durch  einen  scharfen  spitzen  bis  rechten  Winkel,  mit  dem  gering  nach 
außen  und  in  der  Mitte  zuweilen  schwach  eingebogenen  Unterrande  in  flachem 
Bogen  verbunden.  Der  Hinterrand  ist  schwach  gerundet  abgestutzt  und 
bogenförmig  an  Schloß-  und  Unterrand  angeschlossen.  Der  vor  der  Mitte 
gelegene  breite  Wirbel  ist  nach  innen  eingebogen.  Von  ihm  zieht  zum  Unter- 
rande eine  sehr  flache,  kaum  bemerkbare  Mulde.  Hinter  einer  vom  Wirbel 
zur  unteren  hinteren  Ecke  ziehenden  Linie,  die  sich  kaum  als  stumpfe  Kante 
markiert,  fällt  die  Muschel  allmählich  zum  Hinterrande  ab.  Die  Abfallfläche 
ist  schwach  gewölbt  und  nicht  nach  innen  ausgemuldet. 

Die  Verzierung  der  Schale  besteht,  soweit  erkennbar,  aus  sehr  feinen 
zahlreichen  radialen  Linien,  die  von  ebenso  feinen  konzentrischen  Linien 
gekreuzt  werden.  Die  schiefe  Stellung  der  äußeren  Schloßzähne  ist  nur  an 
einem  einzigen  Steinkern  deutlich  sichtbar. 

Maße:  1 2 3 

Länge:  10  mm  11mm  12  mm 

Höhe : 5 „ 5 „ 6 „ 

Beschreibung  und  Abbildung  bei  Reuss  stimmen  mit  unseren  Exemplaren 
im  allgemeinen  vollständig  überein.  Auch  in  der  Schilderung  bei  Brauns 
finden  sich  keine  Abweichungen.  Da  kein  Material  vorliegt  und  die  Be- 
schreibung sehr  kurz  gehalten  ist,  läßt  sich  ein  sicherer  Vergleich  mit 
Area  radiata  bei  Goldzuss  1834—1340,  2,  S.  135,  Taf.  138,  Fig.  2 nicht  an- 
stellen. Fig.  13  bei  Geinitz  1850  wird  kaum  zu  unserer  Art  gehören,  viel- 
leicht jedoch  Fig.  14.  Das  Original  zu  Geinitz  1875,  2,  Taf.  16,  Fig.  7 von 
Strehlen  entspricht  gut  unseren  Stücken,  während  das  zu  Fig.  8 vom  gleichen 
Fundorte  vollständig  flach  gedrückt  ist,  jedoch  auch  nur  hierher  gehören 
dürfte.  Die  Abbildung  bei  Fric  ,,Teplitzer  Schichten“  stimmt  mit  unseren 
Stücken  überein;  das  Vorkommen  in  den  „Priesener  Schichten“  entspricht 


230 


Abh.  preuß.  gieol.  L.-A.,  Neue  Folge,  lieft  159 


unserem  Oberturon  y.  Das  von  Scupin  von  Großrackwitz  abgebildete  Exemplar, 
das  zum  Vergleiche  vorliegt,  läßt  sich  ebenfalls  mit  unseren  Stücken  ver- 
einigen. Es  ist  flach  gedrückt  und  wenig  ausdrucksvoll.  Auch  die  beiden 
durch  Woods  abgebildeten  Bruchstücke  lassen  keine  Abweichungen  erkennen. 
Solange  nicht  besseres  Material  vorliegt,  bleibt  jedoch  die  Zugehörigkeit 
unsicher. 

Vorkommen: 

Mittelturon : Strehlen  (Mus.  Dresden),  Leitmeritz  10,  Heuscheuer  2; 

Oberturon  y:  Waldeck,  Priesen  (Mus.  Dresden),  Großrackwitz  2,  3 (beide 

Geol.  Landesmus.) ; 

Einscher:  E.-St.  Tannendorf  1,  Daubitz  1,  Kreibitz  1 (?),  6,  9,  12,  Ullers- 

dorf Löw.  (Geol.  Landesmus.). 

Der  Fundort  der  englischen  Exemplare  würde  in  das  Mittelturon  ein- 
zureihen sein. 


Area  (Barbat ia)  subhercynica  Fkecii 
Taf.  11,  Fig.  10,  19 

1887  Area  (Barbatia)  subhercynica  Frech,  S.  159,  Taf.  13,  Fig.  1 — 7. 

1889  Area  (Barbatia)  subhercynica  Holzapfel,  2,  S.  205. 

Mehrere  Steinkerne  aus  der  versteinerungsreichen  harten  Schicht  in  450  m 
Höhe  unterm  Pickelstein  und  einer  aus  dem  alten  Steinbruch  westlich  der 
E.-St.  Kreibitz-Teichstadt  in  480  m Höhe  gehören  zu  Area  subhercynica.  Der 
Umriß  ist  querkeilförmig,  die  Hinterseite  bedeutend  breiter  und  länger  als 
die  niedrigere  und  sehr  kurze  Vorderseite.  Der  abgerundete  Vorderrand  geht 
bogenförmig  in  den  schwach  konvexen  Unterrand  über.  Der  gerundet  ab- 
gestutzte Hinterrand  ist  im  stumpfen  Winkel  mit  dem  geraden  Schloßrande 
verbunden.  Der  weit  nach  vorn  gelegene  Wirbel  ist  niedergedrückt  und  nach 
innen  eingebogen.  Die  höchste  Schalemvölbung  läuft  vom  Wirbel  zur  unteren 
hinteren  Ecke.  Eine  deutliche  Kante  ist  nicht  vorhanden.  Der  gewölbte  Rücken 
fällt  in  flacher  Mulde  zum  Hinterrande  ab.  Auch  auf  der  Mitte  des  Rückens 
ist  eine  schwache  Depression  wahrnehmbar,  die  am  Unterrande  öfters  mit 
einer  ganz  geringen  Einbuchtung  absc'hließt.  Auf  dem  hinteren  Teile  der 
Steinkerne  sind  an  einigen  Exemplaren  mehrere  kräftige  schrägstehende  kurze 
Schloßzä'hne  sichtbar.  Die  mittleren  Zähne  sind  sehr  klein  und  nur  an  dem 
Steinkern  von  E Kreibitz  9 als  winzige  Eindrücke,  die  vorderen  Schloßzähne 
an  demselben  Steinkerne  etwas  kräftiger  wahrnehmbar. 

Die  Schalenverzierung  besteht  nach  einem  Hohlabdruck  auf  der  Schalen- 
mitte aus  sehr  feinen  dichten  radialen  Linien,  die  von  schwachen  konzen- 
trischen Linien  gekreuzt  werden.  Die  Hinterseite  zeigt  keine  Radiallinien. 

Maße:  1 _2  3 _4 

Länge:  25  mm  18  mm  11mm  7 mm 

Höhe:  15  „ 10  „ 7 * 4 „ 

Abbildung  und  Beschreibung  bei  Frech  und  Holzapfel  geben  zu  keinen 
Bemerkungen  Veranlassung.  Die  Art  ist  charakterisiert  durch  starke  Ungleich- 
seitigkeit, sanfte  Wölbung  und  kräftig  hervortretende  Schloßzähne  auf  der 
hinteren  Schalenseite. 


Paläontologischer  Teil 


231 


Vorkommen: 

Emscher:  Kreibitz  6,  9. 

Die  Stücke  von  Suderode  und  Aachen  entstammen  dem  Untersenon. 

Area  bifida  ReüSS 
Taf.  11,  Fig.  20 

1846  Area  bifida  Reuss,  2,  S.  10,  Taf.  34,  Fig.  40. 

Sechs  Steinkerne  meiner  Sammlung  stelle  ich  zu  Area  bifida.  Der  Schloß- 
rand und  die  an  ihn  angrenzenden  Partien  sind  im  Gestein  verborgen  bzw. 
weggespalten.  Nur  das  größere  Stück  zeigt  am  Rande  zwei  kleine  horizontale 
Ouerzähne.  Die  Vorderseite  ist  bedeutend  kürzer  als  die  hintere.  Der  ge- 
rundete, in  der  Mitte  etwas  eingebogene  Unterrand  ist  in  rundem  Bogen 
mit  dem  Vorder-  und  Hinterrande  verbunden.  Das  charakteristische  Merk- 
mal der  Art  ist  eine  quer  über  den  ganzen  Rücken  laufende  deutliche  Furche, 
die  den  Wirbel  scharf  in  zwei  Spitzen  teilt. 

Die  Schalenverzierung  ist  nur  an  zwei  Hohlabdruckbruchstücken  als  feines 
Gitterwerk  von  radialen  und  konzentrischen  Linien  sichtbar.  Die  Steinkerne 
sind  glatt.  Vom  Wirbel  zur  unteren  hinteren  Ecke  verläuft  eine  stumpfe 
Kante,  hinter  der  die  Schale  steil  abfällt. 

Maße: 1 2 

Länge : 8 mm  5 mm 

Höhe : 6 „ 3,5  „ 

Länge:  Höhe  = 100:  76  70 

Vorkommen: 

Mittel turon:  Jicin  5 (Souicup),  29; 

Oberturon  y:  Priesen  (Mus.  Dresden),  Jicin  5 (Soukup)  ; 

Emscher:  Oberkreibitzer  Talsperre  5 (1  Stück),  Kreibitz  6 (3  Stück), 

Kieslings walde  (1  Stück),  Salzberg  (1  Stück). 

Area  truneata  Reuss 
Taf.  11,  Fig.  21 

1843  Area  truneata  Reuss,  2,  S.  193. 

1846  Area  truneata  Reuss,  2,  S.  10,  Taf.  34,  Fig.  35. 

1893  Area  truneata  Fric,  S.  93. 

Arcp  truneata  ist  in  zwei  Exemplaren  aus  der  harten  Schicht  unterm 
Pickelstein  in  450  m Höhe  vertreten.  Der  Umfang  ist  quereiförmig,  vorn 
niedriger  und  gerundet,  hinten  höher  und  gerade  abgestutzt.  Der  Unterrand 
ist  schwach  konvex.  Der  etwa  in  der  Schalenmitte  stehende  Wirbel  ragt 
wenig  über  den  Schloßrand  und  ist  schwach  nach  innen  gebogen.  Vom 

Wirbel  zur  unteren  hinteren  Ecke  läuft  eine  gerundete  Kante.  Der  vom 
Vorderrand  aus  gleichmäßig  flach  gewölbte  Rücken  fällt  von  dieser  Kante 
dachförmig  in  flacher  Mulde  zum  Hinterrande  ab.  Die  von  Reuss  erwähnte 
hintere  Kante  in  der  Nähe  des  Schloßrandes  läßt  sich  an  den  vorliegenden 
Steinkernen  nicht  feststellen.  (Die  Steinkerne  sind  an  dieser  Stelle  un- 

deutlich.) Schloßzähne  sind  nicht  sichtbar.  Wie  der  Hohlabdruck  des  einen 
Exemplares  zeigt,  laufen  über  den  Rücken  zahlreiche  dichte,  sehr  feine  radiale 


232  Abh.  preuß.  geol.  L.-A.,  Neue  Folge,  Heft  159 

Rippen,  die  von  unregelmäßigen  konzentrischen  Linien  gekreuzt  werden.  Ent- 
gegen Reuss  setzen  sich  die  radialen  Linien  in  gleicher  Weise  auch  auf  der 
Analfläche  fort.  Ferner  sind  die  Zwischenräume  zwischen  den  Radiallinien 
ungefähr  so  breit  wie  letztere  selbst. 

Maße: 2 

Länge:  12  mm  11mm 

Höhe:  8 „ 7 „ 

Vorkommen: 

Emscher:  Kreibitz  6,  Priesen  (nach  Reuss  und  Fric). 

Area  carteroni  d’Orb. 

Taf.  11,  Fig.  22,  23 

1844  Area  carteroni  ITOrbigny,  3,  S.  202,  Taf.  309,  Fig.  4—3. 

1365  Cucullaea  gosaviensis  Zittel,  1,  S.  69,  Taf.  10,  Fig.  4 a — c. 

1309  Area  aquisgranensis  Holzapfel,  2,  Taf.  17,  Fig.  3. 

1897  Area  vendinensis  FniC,  S.  56,  Abb.  63. 

1904 — 13  Area  carteroni  Woods,  1,  S.  33,  Taf.  6,  Fig.  4,  5. 

1912 — 13  Macrodon  /oh.  boehmi  Scupin,  S.  194,  Taf.  10,  Fig.  1 u.  2. 

Die  Muschel  besitzt  querrhomboidalen  Umriß.  Der  lange  gerade  Schloß- 
rand läuft  mit  dem  in  der  Mitte  schwach  eingebogenen  Unterrande  fast 
parallel  und  ist  mit  dem  wenig  konvexen  Vorderrande  in  scharfem,  an- 
nähernd rechtem,  mit  dem  Hinterrande  in  stumpfem  Winkel  verbunden. 
Der  Übergang  vom  Unter-  zum  Vorderrande  sowie  vom  Unter-  zum  Hinter- 
rande ist  bogenförmig.  Der  breite  stumpfe  Wirbel  liegt  vor  der  Mitte  und 
ragt  über  den  Schloßrand  hervor.  Die  höchste  Schalenwölbung  findet  sich 
zwischen  Wirbel  und  Vorderrand,  der  Abfall  nach  dieser  Seite  ist  ziemlich 
steil.  Auf  der  Schalenmitte  zieht  vom  Wirbel  schräg  zum  Unterrande  eine 
breite  seichte  Einmuldung.  Hieran  schließt  sich  eine  stumpfe  Kante.  Auf 
der  flach  zum  Hinterrande  abfallenden  Analfläche  findet  sich,  umrahmt  von 
zwei  deutlichen  Furchen,  eine  weitere  abgerundete  Kante.  Ein  Steinkern  läßt 
die  Schloßbildung  ziemlich  gut  erkennen  und  zeigt  vorn  drei  längere  schräg- 
stehende, in  der  Mitte  ungefähr  12  ganz  kurze  senkrechte  und  dann  wieder  13 
schrägstehende,  gegen  den  Hinterrand  an  Länge  zunehmende  Schloßzähne. 

Die  Schalenverzierung  besteht  aus  dichten  feinen  Radiallinien,  die  von 
unregelmäßigen,  zum  Teil  treppenartig  scharf  hervortretenden  Linien  ge- 
kreuzt werden.  Steinkerne  sind  glatt. 


M aße : 

1 

2 

3 

4 

5 

6 

7 

Lange: 

32  mm 

45  mm 

45  mm 

38  mm 

60  mm 

47  mm 

' 28  mm 

Höhe  am  Wirbel: 

14  „ 

18  „ 

19  „ 

17  W 

21  „ 

17  „ 

9 M 

Länge  : Höhe  — 100: 

44 

40 

42 

45 

35 

36 

32 

Fundort : 

1—6)  E.-St.  Tannendorf  1,  7)  E Kreibitz  26. 

4)  Sammlung  Humboldtverein  Ebersbach. 

Area  carteroni  aus  der  Unteren  Kreide  bei  d’Orbigny  und  Woods  läßt 
keine  Unterschiede  gegenüber  unseren  Formen  erkennen;  ihrer  Vereinigung 
steht  deshalb  nichts  im  Wege.  Cucullaea  gosaviensis  bei  Zittel,  zu  welcher 


Paläontologischer  Teil 


233 


Art  Fric  ein  Exemplar  von  Kreibitz  im  Museum  zu  Prag  gestellt  hat,  scheint 
nach  Abbildung  und  Beschreibung  ebenfalls  nicht  verschieden  zu  sein.  Die 
in  Fig.  4 a und  c ersichtliche,  etwas  kräftigere  Biegung  des  hinteren  Unter- 
randes dürfte  kein  wesentliches  Unterscheidungsmerkmal  sein. 

Area  aquisgranensis,  Taf.  17,  Fig.  8 bei  Holzapfel,  ist  wohl  auch  mit 
unseren  Exemplaren  zu  vereinigen,  während  Fig.  7 daselbst  einer  anderen  Art 
angehört.  Area  vendinensis  bei  Fric  ist  sicher  unsere  Art;  jedoch  zeigt  das 
Original  bei  d’Orbigny  ganz  bedeutende  Abweichungen,  so  daß  diese  Be- 
zeichnung hier  nicht  anwendbar  ist.  Area  cf.  pholadiformis  Fric  1883,  Abb.  69, 
ist  verdrückt  und  dürfte  auch  hierher  gehören. 

Die  hiesigen  Funde  liegen  im  Turon  und  Emscher,  während  das  Aachener 
Exemplar  aus  dem  Untersenon  und  die  englischen  und  französischen  Funde 
aus  der  Unteren  Kreide  stammen.  Der  Gosauhorizont  ist  unsicher,  wahr- 
scheinlich Obere  Kreide. 

Vorkommen: 

Mittelturon:  Heuscheuer  2; 

Oberturon  y : Kreibitz  4; 

Emscher:  E.-St.  Tannendorf  1,  Kreibitz  9,  26,  Falkenau  4,  Chlomek 

(Mus.  Prag) ; 

Untersenon:  Wenig  Rackwitz  1 (Geol.  Landesmus.). 

Pertun  ciil us  La  m . 

Pectunculus  geinitzi  d’Orb. 

Taf.  11,  Fig.  33,  37,  33;  Abb.  22,  23 

1834 — 40  Pectunculus  sublaevis  Goldfuss,  2,  S.  160,  Taf.  126,  Fig.  3 a u.  b. 

1842  Pectunculus  lens  Geinitz,  3,  S.  77,  Taf.  20,  Fig.  18,  33. 

1843  Pectunculus  sublaevis  Geinitz,  4,  S.  14,  Taf.  2,  Fig.  19 — 21. 

1846  Pectunculus  sublaevis  Reuss,  2,  S.  9,  Taf.  35,  Fig.  10,  11. 

1847  Pectunculus  sublaevis  J.  Müller,  1,  S.  17. 

1850  Pectunculus  geinitzi  d’Orbigny,  2,  S.  196. 

1875  Pectunculus  lens  Brauns,  S.  383. 

1877  Pectunculus  lens  FriC,  S.  118,  Abb.  82. 

1883  Pectunculus  sp.  Fric,  S.  102. 

1885  Pectunculus  dux  J.  Böiim,  S.  93. 

1888  Pectunculus  dux  G.  Müller,  S.  423. 

1889  Pectunculus  geinitzi  Holzapfel,  2,  S.  210,  Taf.  23,  Fig.  11,  12;  Taf.  24, 
Fig.  1—10. 

1891  Pectunculus  sublaevis  Langeniian  & Grundey,  Taf.  2,  Fig.  39. 

1897  Pectunculus  geinitzi  Fric,  S.  56,  Abb.  62. 

1901  Pectunculus  geinitzi  Sturm,  S.  75. 

1912 — 13  Pectunculus  geinitzi  Scupin,  S.  185,  Taf.  9,  Fig.  1,  2. 

Die  flach  gewölbten  Steinkerne  variieren  außerordentlich  stark.  Sie  sind 
im  Grundriß  schief  vierseitig  gerundet  bis  kreisförmig  und  oval.  Die  bei 
Schalenexemplaren  anderer  Gebiete  gewöhnlich  sehr  deutliche  Abstutzung 
der  Hinterseite  tritt  an  unseren  Steinkernen  mit  wenig  Ausnahmen  nicht  so 
scharf  hervor.  Am  häufigsten  finden  sich  Formen  von  ungefähr  gleicher 
Länge  und  Höhe,  bei  den  niedrigsten  mißt  die  Höhe  etwa  drei  Viertel  der 


234 


Abh.  preuß.  geol.  L.-A.,  Neue  Folge,  Heft  159 


Lange,  bei  den  höchsten  die  Länge  fünf  Sechstel  der  Höhe.  Eine  lückenlose 
Reihe  verbindet,  wie  weiter  unten  gezeigt  werden  soll,  die  äußersten  End.- 
glieder.  Der  stumpfe  Wirbel  liegt  etwas  hinter  der  Mitte  und  ragt  wenig 
über  den  Schloßrand  hervor.  Vom  Wirbel  verläuft  über  den  Steinkern  eine 
schmale,  den  hinteren  Muskeleindruck  umgrenzende  Furche  (Leiste)  schräg 
nach  hinten.  Auch  der  vordere  Muskeleindruck  ist  auf  den  Steinkernen 
deutlich  sichtbar.  Die  grobe  Kerbung  des  Schalenrandes,  die  besonders  am 
Unterrande  kräftig  entwickelt  ist,  läßt  auch  schlecht  erhaltene  Stücke  leicht 
erkennen.  Der  Schloßrand  verläuft  unter  dem  Wirbel  meist  annähernd 
gerade,  biegt  aber  bald  nach  vorn  und  hinten  bogenförmig  um.  Holzapfel 
gibt  die  Zahl  der  Schloßzähne  auf  12 — 20  an,  was  sich  auch  an  den  vor- 
liegenden Steinkernen  bestätigt.  Die  Zähne  sind  kräftig  und,  soweit  er- 
kennbar, von  mittlerer  Größe.  Unter  dem  Wirbel  ist  weder  eine  Prüfung 
der  Zähne  noch  des  Bandfeldes  möglich. 


Abb.  22.  Pectunculus  geinitzi  d’OßB.,  linke  Klappe,  Steinkern. 

Emscher,  E -St.  Tannendorf  1.  Orig.  Geol.  Landesmus.  (A  No.  274). 

Abb.  23.  desgl.  rechte  Klappe  (A  No.  278). 

Die  Steinkerne  sind  glatt  (Abb.  22,  23).  Skulptursteinkerne  zeigen  je  nach 
dem  Erhaltungszustände  ein  verschiedenes  Aussehen.  Ist  die  Schale  voll- 
ständig vernichtet,  so  sind  nur  starke,  grobe  Radialrippen  sichtbar  (Taf.  11, 
Fig.  36).  Liegt  darüber  jedoch  noch  eine  schwache  Kalkmehlkruste,  so  bemerkt 
man  über  die  ganze  Oberfläche  regelmäßig  verteilte  Radialfurchen.  Die  durch 
sie  herausmodellierten  breiteren  Rippen  sind  mit  feineren  und  seichteren, 
gegen  den  Schalenrand  sich  vermehrenden  Furchen  bedeckt  (Taf.  11,  Fig.  38). 
Dichte,  oft  von  Rippe  zu  Rippe  fein  gewellte  Linien  und  einige  grobe  Runzeln 
bilden  die  konzentrische  Verzierung  der  vollständig  erhaltenen  Kalkschale. 


Mnße: 

i1) 

2 

32) 

4 

5 

6 

73) 

8 

9 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

Länge: 

38 

30 

24 

31 

16 

31 

39 

21 

35 

Höhe: 

29 

23 

19 

25 

13 

26 

33 

18 

30 

Länge:  Höhe  = 

100: 

76 

77 

79 

81 

81 

84 

85 

86 

86 

Maße: 

10 

11 

124) 

13 

14 

15 

16 

17 

18 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

Lange: 

32 

30 

30 

38 

31 

35 

14 

19 

29 

Höhe: 

28 

27 

28 

36 

30 

34 

14 

19 

29 

Länge:  Höhe  = 

100: 

88 

90 

93 

95 

97 

97 

100 

100 

100 

Paläontologischer  Teil 


235 


Maße: 

19 

20 

21 

22 

23 

24 

25  5) 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

Lange: 

32 

32 

19 

34 

25 

28 

26 

Höhe: 

32 

33 

20 

36 

28 

32 

32 

Länge : Höhe  = 100 : 

100 

103 

105 

106 

112 

114 

123 

I)  Abb.  22,  2)  Taf.  11, 

Fig.  39, 

3)  Taf  11, 

Fig-  37, 

41  Abb.  23, 

S)  Taf.  i ! 

L,  Fig.  38. 

Exemplare,  deren  Höhe  die  Länge  übertrifft,  sind  seltener. 

Fundort: 

1—4),  6—15),  17—20),  22 — 25)  E E.-St.  Tannendorf  1,  5)  Oberkreibitzer 
Talsperre  5,  16)  E Kreibitz  6,  21)  E Daubitz  3. 

1),  19),  20),  21)  Sammlung  Humboldtver.  Ebersbach. 

Zum  Vergleiche  seien  die  Maße  einiger  Exemplare  anderer  Gebiete 
aus  meiner  Sammlung  aufgeführt. 


Maße: 

1 a 

2 a 

3a 

4 a 

5 a 

6 a 

7a 

8 a 

9a 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

Länge: 

24 

28 

23 

16 

24 

23 

21 

15 

24 

Höhe: 

22 

26 

22 

16 

24 

24 

22 

16 

27 

Länge:  Höhe = 

100: 

92 

93 

96 

100 

100 

104 

105 

107 

112 

Maße : 

10  a 

11a 

12  a 

13  a 

14  a 

15  a 

16  a 

17  a 

18  a 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

Länge : 

14 

16 

17 

25 

14 

25 

22 

26 

20 

Höhe: 

12 

14 

15 

24 

14 

25 

21 

28 

22 

Länge:Höhe= 

100: 

86 

87 

88 

96 

100 

100 

105 

108 

110 

Fundort: 

1 a — 9 a)  E Salzberg,  10  a — 18  a)  E Kieslingswalde. 

Die  von  mir  bei  Kieslingswalde  und  am  Salzberg  bei  Quedlinburg  ge- 
sammelten Exemplare  sowie  die  im  Museum  zu  Dresden  vorhandenen  Stücke 
vom  Lusberg  bei  Aachen  lassen  keinen  Unterschied  von  den  bei  Kreibitz 
aufgefundenen  erkennen.  Bei  dem  je  nach  dem  Erhaltungszustände  der  Schale 
verschiedenartigen  Aussehen  weicht  in  dieser  Hinsicht  die  Schilderung  der 
einzelnen  Autoren  sehr  oft  voneinander  ab.  Früher  sind  diese  Formen  häufig 
mit  Pectunculus  sublaevis  Sow. 4fi)  vereinigt  worden,  so  durch  Goedfuss, 
Geinitz,  Reuss,  J.  Müller  und  Langenhan  & Gründet.  Die  von  Soweiiby 
gegebenen  Abbildungen  lassen  sich  in  die  Mannigfaltigkeit  der  mir  vor- 
liegenden Stücke  mühelos  einreihen.  Auch  in  der  Beschreibung  finden  sich 
keine  charakteristischen  Unterschiede.  Woods  17)  kommt  nach  Vergleich  der 
englischen  Formen  mit  Exemplaren  von  Aachen  zu  der  Entscheidung,  daß  beide 
verschieden  sind.  Da  mir  englische  Originale  nicht  vorliegen  und  die  Exem- 
plare des  hiesigen  Gebietes  fast  nur  als  Steinkerne  erhalten  sind,  soll  dem 
nicht  widersprochen  sein.  Bei  der  Variabilität  der  deutschen  Formen  ver- 
schwimmen wohl  aber  auch  alle  von  Woods  angeführten  Unterscheidungs- 
merkmale und  nur  das  höhere  Alter,  Cenoman-Gault,  und  die  von  Woods 
hervorgehobene  geringere  Variabilität  sprechen  zugunsten  der  Selbständigkeit 
der  englischen  Art.  Der  ebenfalls  in  der  deutschen  Literatur  wiederholt  auf- 

46)  SOWERBY  1824,  S.  492,  Taf.  472,  Fig.  5,  6. 

47)  Woods  1904—18,  l,  S.  67,  Taf.  14,  Fig.  1—7. 


236 


Abh.  preuß.  gieol.  L.-A.,  Neue  Folge,  Heft  159 


tretende  Name  Pectunculus  lens  Nilsson  dS)  ist  nach  Hennig  1897,  S.  63  vom 
Autor  nur  auf  Steinkerne  angewandt  worden,  die  eine  sichere  Artumgrenzung 
nicht  zulassen.  Für  Exemplare  von  Kieslingswalde  hat  d’Orbigny  die  Be- 
zeichnung geinitzi  eingeführt,  die  auch  für  unsere  anzuwenden  ist.  Mit  der- 
selben fällt  die  von  J.  Böiim  Aachener  Stücken  verliehene  Bezeichnung 
Pectuncnlus  dux  zusammen. 

Nach  der  Beschreibung  bei  Gold-uss  scheinen  diesem  etwas  abgeriebene 
Schalenexemplare  zur  Verfügung  gestanden  zu  haben;  nach  den  von  ihm 
erwähnten  Fundorten  Aachen  und  Quedlinburg  ist  wohl  die  Zugehörigkeit 
zu  unserer  Art  sicher. 

Zu  den  Darstellungen  bei  Geinitz  (Kieslingswalde),  Langenhan  & Grundey 
und  Sturm  ist  nichts  zu  bemerken.  Die  Aachener  Formen  sind  durch 
J.  Müller,  J.  Böhm  und  Holzapfel  geschildert  worden.  Insbesondere  Böhm 
gibt  eine  eingehende  Beschreibung,  während  Holzapfel  durch  eine  Anzahl 
guter  Abbildungen  unsere  Kenntnis  über  die  Art  sehr  bereichert  hat.  Nach 
den  Ergebnissen  eigener  Aufsammlungen  gehört  die  von  Brauns  als  Pectunculus 
lens  vom  Salzberge  beschriebene  Art  zu  der  unseren.  Sehr  unwahrscheinlich 
ist  es,  daß  der  von  ihm  abgetrennte  Pectunculus  decussatus  eine  andere  Art 
darstellen  soll.  Scupin  führt  Pectunculus  geinitzi  aus  den  Neuwarthauer 
Schichten  und  dem  Überquader  sowie  als  selten  aus  der  Scaphitenzone  auf. 

Von  den  in  der  Literatur  behandelten  böhmischen  Formen  sind  als  sicher 
hierher  zu  stellen  die  von  Fric  aus  den  Chlomeker  Schichten  aufgeführten. 
Höchstwahrscheinlich  gehört  auch  zu  unserer  Art  Pectunculus  lens  aus  den 
Weißenberger  und  Malnitzer  Schichten,  von  denen  Stücke  im  Museum  zu 
Prag  verglichen  werden  konnten.  Pectunculus  lens  Nilsson  49)  und  Pectunculus 
brevirostris  Sow.  b0)  bei  Reuss  lassen  sich  nicht  hier  einreihen,  da  genaueres 
über  Schalenverzierung  usw.  fehlt.  Unzweifelhaft  zu  unserer  Art  gehört  bei 
Reuss  nur  Pectunculus  suhlaevis,  da  hier  als  Fundort  u.  a.  auch  Kreibitz  und 
Daubitz  genannt  sind  und  sich  besondere  Unterschiede  aus  der  Schilderung 
nicht  ergeben.  Die  von  Reuss  aus  dem  Cenoman  auf  geführten  Formen  müssen, 
da  auch  sie  kein  genügendes  Bild  geben,  vorläufig  ebenfalls  unberücksichtigt 
bleiben.  Pectunculus  lens  bei  Geinitz  1850,  Taf.  20,  Fig.  18  und  33  könnte 
mit  unserer  Art  zusammenfallen  (Spinosuszone).  Die  von  Geinitz  weiter 
auf  Taf.  20  unter  Fig.  19,  20,  21  und  42  als  Pectunculus  vcntruosus  bzw. 
Pectunculus  brevirostris  dargestellten  Exemplare  sind,  da  aus  älteren  Hori- 
zonten stammend,  unsicher.  . Pectunculus  obsoletus  bei  Geinitz  51)  aus  dem 
Cenoman  weicht  bei  seiner  schlanken  spitzen  Form  entschieden  von  unserer 
Art  ab. 

Es  mögen  somit  von  den  einander  im  Steinkern  ziemlich  gleichenden 
Formen  vorläufig  getrennt  bleiben: 

Pectunculus  geinitzi  d’Orb.  (Untersenon,  Emscher,  Ober-  und  Mittelturon). 

Pectunculus  obsoletus  GolD7.,  brevirostris  Sow.  und  ventruosus  Gein. 
aus  dem  Cenoman  von  Böhmen  und  Sachsen. 

Pectunculus  sublaevis  Sow.  aus  dem  Cenoman  und  Gault  von  England, 
außerdem  Pectunculus  senoniensis  Scupin  aus  dem  Emscher  und  Ober- 

48)  Nilsson  1827,  S.  15.  Taf.  5,  Fig.  4. 

49)  REUSS  1846,  2,  S.  9,  Taf.  35,  Fi?.  13. 

50)  Reuss  1846,  2,  S.  9,  Tat  35.  Fig.  12. 

51)  Geinitz  1872,  l,  9.  223,  Taf,  49,  Fig.  7—11. 


PalüQntologischer  Teil 


237 


turon  aß  als  eine  Art,  die  erst  durch  wenig  Exemplare  belegt  wurde  und 
deren  Selbständigkeit  noch  unsicher  ist. 

Die  in  folgendem  Verzeichnis  aus  dem  Mittelturon  aufgeführten  Stücke 
sind,  wie  bereits  FriC  „Iserschichten“  erwähnt,  meist  sehr  schlecht  erhalten, 
so  daß  sie  nur  ein  geübter  Kenner  dieser  Fauna  als  solche  erkennen  kann. 

Vorkommen: 

Mittelturon:  Rosenberg  2,  Bonnewitz  (Mus.  Dresden),  Dobern,  Kickeis- 

berg 2,  Hohlen  2,  Jungbunzlau  6,  Raschowitz,  Vsetat  2,  Herms- 
dorf Löw.  2 (Geol.  Landesmus.,  selbst  gesammelt),  Heuscheuer 
2,  Plagwitz  Löw.  1 (Geol.  Landesmus.) ; 

Oberturon  aß:  Lückendorf  5,  Niederkreibitz  1,  Plissen  4,  Schanzendorf  1, 
Hochwald  1,  Waltersdorf  2; 

Oberturon  y:  Altohlisch  (Sammlung  Prinz),  Kreibitz  4,  Limbach; 

Emscher:  Limbach  2,  E.-St.  Tannendorf  1 (zahlreich),  3,  Kreibitz  1,  6, 

12,  23,  24,  26,  27,  Oberkreibitzer  Talsperre  5,  9,  Falkenau  4, 
Daubitz  3,  5,  Markersdorf  3,  Böhm.  Zwickau  4,  Kunnersdorf  2, 
Kaltenberg,  Jägerdörfel  1,  2,  Oberlichtenwalde  1,  Böhm.  Kam- 
nitz  3,  12,  14,  Hermsdorf  9,  Kamnitzberg,  Hasel,  Chlomek 
(Mus.  Prag),  Turnau  1,  3,  Jicin  4 (Soukup),  Kieslingswalde, 
Gehnsdorf  Löw.  1,  2 (Geol.  Landesmus.),  Hermsdorf  Löw. 
(Geol.  Landesmus.),  Neuwarthau  Löw.  2 (Geol.  Landesmus., 
Realgymn.  Löwenberg),  3,  4 (beide  Geol.  Landesmus.),  Groß- 
hartmannsdorf Löw.  (Geol.  Landesmus.),  Hohlstein  Löw.  (Geol. 
Landesmus.),  Salzberg; 

Untersenon  : Aachen  (Mus.  Dresden,  Technische  Hochschule  Aachen), 

Wenig  Rackwitz  Löw.  1 (Geol.  Landesmus.),  Sirgwitz  Löw. 
(Geol.  Landesmus.). 

Peetunc ultts  senon ien  sis  S er pix 
Taf.  11,  Fig.  39 

1912 — 13  Peclunculus  senoniensis  Scupin,  S.  187,  Taf.  9,  Fig.  15,  16. 

Zu  dieser  von  Scupin  aufgestellten  Art  seien  drei  Steinkerne  aus  losen 
Ouarzitblöcken  westlich  vom  Dreiecker  in  669  m Höhe  gestellt.  Das  eine 
leidlich  erhaltene  Stück  mißt  32  mm  Länge  und  21  mm  Höhe  und  entspricht 
so  den  für  die  Art  angeführten  Maßverhältnissen.  Alle  drei  sind  stark 
gerundet  und  am  Unterrande  kräftig  gekerbt.  Der  Wirbel  ist  niedrig.  Schloß- 
zähne sind  nur  undeutlich.  Die  als  Artcharakter  hervorgehobene  kräftige 
Berippung  dürfte  wie  bei  Pectunculus  geinitzi  nur  eine  besondere  Form  des 
Erhaltungszustandes  sein.  Der  eine  meiner  Steinkerne  zeigt  Andeutungen 
dieser  Rippen,  während  die  anderen  beiden  glatt  sind. 

Vorkommen: 

Oberturon  a ß : Innozenzidorf  2; 

Emscher:  Kesselsdorf  Löw.  (Geol.  Landesmus.,  Realgymn.  Löwenberg), 

Giersdorf  Löw.  (Geol.  Landesmus.,  Realgymn.  Löwenberg), 
Oberkesselsdorf  Löw.  (Geol.  Landesmus.),  Neuwarthau  Löw.  4 
(Geol.  Landesmus.). 


238 


Abh.  preuß.  geol.  L.-A.,  Neue  Folge,  lieft  159 


Pectunculus  insculptus  Reuss 
Taf.  11,  Fig.  40 

1846  Pectunculus  insculptus  Reuss,  2,  S.  8,  Taf.  35,  Fig.  5. 

1893  Pectunculus  insculptus  FriC,  S.  93,  Fig.  106. 

Diese  bisher  nur  aus  der  böhmischen  Kreide  bekannte  Art  liegt  in 
mehreren  Exemplaren  vor.  Die  kleinen  Steinkerne  sind  kreisförmig  gerundet 
und  nur  selten  ein  wenig  schief.  Der  breite,  spitz  zulaufende  Wirbel  liegt 
fast  in  der  Mitte.  Die  Oberfläche  ist  gleichmäßig  flach  gewölbt  und,  wie 
einige  Hohlabdrücke  schwach  erkennen  lassen,  mit  feinen  konzentrischen 
Linien  verziert.  Die  in  einem  flachen  Bogen  verlaufende  Zahnreihe  geht 
hinten  tiefer  hinab  als  auf  der  Vorderseite.  Die  Anzahl  der  Zähne,  die  sich 
in  dem  groben  Gestein  nicht  feststellen  läßt,  wird  von  Reuss  auf  17  angegeben. 

Die  Größe  der  Steinkerne  beträgt  5—6  mm.  Woods  52)  bringt  unsere 
Art  in  nahe  Beziehung  mit  Limopsis  albiensis  Woods,  jedoch  läßt  sich  eine 
Übereinstimmung  beider  Formen  mit  Hilfe  des  vorliegenden  Materiales  nicht 
feststellen  und  dürfte  auch  kaum  vorhanden  sein. 

Vorkommen: 

Oberturon  y:  Zatzschke,  Altohlisch,  Kreibitz  4,  8,  Waldeck  (Mus.  Prag), 

Böhm.  Kamnitz  (Mus.  Prag),  Großrackwitz  Löw.  1,  3,  4 (alle 
3 Geol.  Landesmus.) ; 

Emscher:  E.-St.  Tannendorf  1,  3,  Kreibitz  6,  12,  Daubitz  3,  E.-St.  Neu- 

hütte 3,  Falkenau  6,  Gehnsdorf  Löw.  2 (Geol.  Landesmus.). 
Fric  führt  die  Art  außerdem  an  von  Priesen,  Luschitz,  Posteiberg  und 
Cernodol  aus  seinen  ,,Priesener  Schichten“,  die  auch  den  Fundorten  von 
Reuss  ungefähr  entsprechen. 


Limopsis  Sa  SSI 
Limopsis  mülleri  Holzapfel 
Taf.  11,  Fig.  41 

1889  Limopsis  mülleri  Holzapfel,  2,  S.  212,  Taf.  23,  Fig.  8,  9. 

Ein  Exemplar  aus  der  versteinerungsreichen  Schicht  unterm  Pickelstein 
in  450  m Höhe  stimmt  genau  mit  der  Beschreibung  und  Abbildung  dieser  Art 
durch  Holzapfel  überein.  Der  fast  gerade  herabsteigende  Vorderrand  biegt 
in  einem  gerundeten  etwas  stumpfen  Winkel  zum  ebenfalls  fast  geraden 
Unterrande  um.  Der  Hinterrand  steigt  schräg  zum  sehr  kurzen  Oberrande  auf. 

Auf  der  Oberfläche  des  Steinkernes  sind  nur  einzelne  schwache  konzen- 
trische Linien  sichtbar.  Der  Wirbel  ist  spitz  und  vorragend.  Die  Zahne 
gehen  am  Hinterrande  bedeutend  tiefer  hinab  als  am  Vorderrande.  Hinten 
konnten  10  Zähne  festgestellt  werden,  in  Wirklichkeit  wohl  gegen  12,  vorn 
nur  etwa  6 (?  bis  8). 

Vorkommen: 

Oberturon  y:  Kreibitz  4; 

Emscher : Kreibitz  6. 

Außerdem  im  Untersenon  von  Aachen. 

52)  Woods  1904—13,  2,  S.  71,  Taf.  15,  Fig.  1—4. 


Paläontologisch-er  Teil 


239 


Limopsis  höninghausi  .1.  Miu.  sp. 

? 1889  Limopsis  höninghausi  Holzapfel,  2,  Taf.  23,  Fig.  6 u.  10. 

Ein  paar  kleine  Exemplare,  die  der  in  einigen  Steinkernen  vorliegenden, 
von  Holzapfel  als  Limopsis  höninghausi  bezeichnten  Art  sehr  nahestehen, 
liegen  aus  unserem  Gebiete  vor.  Die  Form  ist  schief  hochoval,  der  Wirbel 
mehr  spitz  und  hervorragender  als  bei  Pectunculus  insculptus.  Die  Schloß- 
platte ist  sehr  ungleichseitig,  vorn  kurz,  auf  der  Hinterseite  tiefer  hinab- 
reichend. Die  höchste  Schalenwölbung  ist  stark  gegen  den  Wirbel  hin- 
gezogen. Die  Größe  schwankt  in  der  Länge  zwischen  4 und  5 mm  und  in 
der  Hohe  zwischen  5 und  6 mm. 

Die  Schalenverzierung  scheint  sehr  schwach  zu  sein,  da  der  einzige  Hohl- 
abdruck nichts  davon  erkennen  läßt. 

Vorkommen: 

Emscher:  Kreibitz  6. 

Außerdem  im  Untersenon  von  Aachen. 

Trigoniidac  Lam. 

Trigonia  Brkj. 

Trigonia  glaciana  Sturm 
Taf.  11,  Fig.  42;  Abh.  24 

1843  Trigonia  alaejormis  Geinitz,  4,  S.  14,  Taf.  2,  Fig.  15,  16. 

1846  Trigonia  alaejormis  Reuss,  2,  S.  5. 

1863  Trigonia  alijormis  Drescher,  S.  348. 

1875  Trigonia  alata  Brauns,  S.  379. 

1891  Trigonia  alaejormis  Langenhan  & Grundey,  Taf.  3,  Fig.  7,  8. 

1897  Trigonia  alaejormis  FaiC,  S.  55,  Abb.  60. 

1901  Trigonia  glaciana  Sturm,  S.  75,  Taf.  6,  Fig.  5. 

1912—13  Trigonia  glaciana  Scupin,  S.  180,  Taf.  8,  Fig.  14 — 16. 

Die  Art  ist  durch  Scupin  eingehend  begründet  worden.  Auch  das  mir 
vorliegende  und  anderweit  untersuchte  zahlreiche  Material  hat  zu  demselben 
Ergebnis  geführt.  Die  Hohllabdrücke  gestatten  einen  genauen  Vergleich  der 
Schalenverzierung  unseres  Materials  mit  der  an  Exemplaren  anderer  Ge- 
biete. Die  Form  ist  sehr  veränderlich,  dreieckig  gerundet,  der  Unter- 
rand bauchig,  der  Oberrand  eingebogen,  im  Umriß  kürzer  oder  länger, 
jedoch  stets  nach  hinten  schmal  ausgezogen.  Der  Abfall  der  Schale  zum 
Vorderrande  ist  steil,  nach  den  anderen  Seiten  hingegen  bedeutend  flacher. 
Steinkerne  sind  glatt  (Abb.  24) ; auf  Skulptursteinkernen  sind  die  über  die 
ganze  Schalenoberfläche  verteilten  gebogenen  Rippen  mehr  oder  weniger 
deutlich  sichtbar.  Sie  stehen  fast  in  gleicher  Entfernung  voneinander  mit 
Ausnahme  in  der  Nähe  des  Wirbels,  wo  sie  enger  zusammengerückt  sind. 
Einige  Bruchstücke  von  Hohlabdrücken  zeigen  die  Körnelung  der  Rippen 
sehr  deutlich.  In  anderen  Ilohlabdrücken  ist  auch  die  glatte  gespaltene  Leiste, 
die  unsere  Art  gut  von  Trigonia  vaalsiensis  Böhm  unterscheidet,  erkennbar. 
Die  durch  die  Leiste  scharf  abgetrennte  Area  ist  entgegen  den  Angaben  bei 
Sturm  mit  geknoteten  Rippen  versehen,  wie  gute  Hohlabdrücke  von  der 
E.-St.  Tannendorf  und  von  Kieslingswalde  zeigen  (Taf.  11,  Fig.  42).  Der 
Wirbel  ist  zurückgekrümmt.  Die  Schloßzähne  sind,  wie  ein  Abdruck  zeigt, 
stark  gerieft.  Die  vorliegenden  Exemplare  erreichen  eine  Länge  von  57  mm 
und  eine  Höhe  von  34  mm. 


240 


Abh.  preuß.  gjeol.  L.-A.,  Neue  Folge,  lieft  159 


Geinitz  gibt  bereits  im  Jahre  1843  ein  paar  gute  Abbildungen  dieser  Art 
von  Kieslingswalde.  Weitere,  weniger  genaue  Abbildungen  von  diesem  Fund- 
orte bringen  Langenhan  & Grundey.  Fric  weist  unter  Belassung  der  alten 
Bezeichnung  bereits  auf  verschiedene  Unterschiede  gegenüber  den  sonst  so 
bezeichneten  Formen  hin,  bis  schließlich  Sturm  die  Unterscheidungsmerkmale 
der  Kieslingswalder  Form  von  Trigonia  alaeformis  und  Trigonia  vaalsiensis 
feststellt  und  unsere  Art  neu  benennt.  Reuss  führt  unsere  Form  zum  ersten 
Male  aus  der  böhmischen  Kreide  von  Kreibitz  und  Böhm.  Kamnitz  auf,  Fric 
später  außerdem  von  E.-St.  Tannendorf  und  von  Chlomek.  Die  von  Fric 
aus  dem  Mittelturon 53)  als  Trigonia  limbata  aufgeführten  Stücke  gehören 
wahrscheinlich  auch  nur  unserer  Art  an.  Leider  sind  die  Exemplare  wie  auch 
die  von  mir  und  im  Oberturon  a ß angeführten  Stücke  meist  so  mangelhaft,  daß 
eine  genauere  Unterscheidung  nicht  möglich  ist.  Die  von  Brauns  aus  dem 
Salzbergmergel  zu  Trigonia  alata  gestellten  Exemplare  gehören  sicher  zu 
unserer  Art,  wie  mehrere  von  mir  dort  gesammelte  Steinkerne  und  Hohl- 


44 

Abb.  24.  Trigonia  glaciana  Stürm,  rechte  Klappe,  Steinkern. 

Emscher,  E.-St.  Tannendorf  4.  Orig.  Geol.  Landesmus.  (A  No.  286). 

abdrücke  beweisen.  Der  aus  der  LöwenJberger  Kreide  bereits  von  Drescher 
auf  geführten  Art  hat  Scupin  in  seinem  großen  Werke  eine  eingehende 
Schilderung  gewidmet,  der  nichts  anzufügen  ist.  Stücke  liegen  zum  Ver- 
gleiche vor.  Die  Unterschiede  von  der  Aachener  Form  konnten  an  Aachener 
Stücken  auch  im  Museum  zu  Dresden  festgestellt  werden. 

Vorkommen: 

Oberturon  aß:  Lückendorf  1,  7?,  Plissen  4,  Hochwald  1?,  Hockenau  Löw. ; 
Oberturon  7:  Kreibitz  1,  4,  7,  11; 

Emscher:  E.-St.  Tannendorf  1,  4,  Oberkreibitzer  Talsperre  5,  Kreibitz 

6,  12,  23,  24,  Falkenau  4,  7,  Böhm.  Zwickau  1,  5,  Daubitz  2, 
Böhm.  Kamnitz  3,  Kleinmergthal  1,  Hermsdorf  9,  Jicin  4 
(Soukup),  Hermsdorf  Löw.  (Geol.  Landesmus.),  Gehnsdorf  Löw. 
1,  Neuwarthau  Löw.  1,  2,  3,  4 (alle  vier  Geol.  Landesmus.), 
Giersdorf  Low.  (Geol.  Landesmus.),  Herzogswaldau  Löw.  (Geol. 
Landesmus.),  Kieslingswalde,  Salzberg; 

Untersenon:  Wenig  Rackwitz  Löw.  1 (Geol.  Landesmus.),  Sirgwitz  Löw. 

(Geol.  Landesmus.). 

A s t a r t id  ac  Gray 
Cardita  Bk  cg. 

Cardita  geinitzi  d’Orb. 

Taf.  11,  Fig.  43 

1840  Cardita  parvnla  Geinitz,  2,  S.  51. 

1842  Venericardia  tenuicosta  Geinitz,  3,  S.  76,  Taf.  11,  Fig.  5;  Taf.  20, 

Fig-  9 (?). 


58)  Fric  1883,  8.  101,  Abb.  66a  und  b. 


Pa  läon  toi  ogi  sch  er  Teil 


241 


? 1842  Astarte  formosa  Geinitz,  3,  S.  76,  Taf.  21,  Fig.  19. 

1846  Cardita  (Venericardia)  tenuicosla  Reuss,  2,  S.  4,  Taf.  33,  Fig.  16. 

1850  Cardita  geinitzi  d’Orbigny,  2,  S.  239,  Nr.  530. 

1875  Cardita  tenuicosta  Geinitz,  2,  S.  60,  Taf.  17,  Fig.  11 — 13. 

? 1889  Cardita  tenuicosta  Fitic,  S.  73,  Abb.  62. 

1893  Cardita  tenuicosta  FriC,  S.  91. 

? 1898  Venericardia  santonensis  G.  Müller,  S.  55,  Taf.  7,  Fig.  10  (?),  11,  12. 

1912 — 13  Cardita  geinitzi  Scupin,  S.  178,  Taf.  3,  Fig.  17. 

Von  dieser  Art  liegen  aus  dem  Arbeitsgebiet  nur  wenige  Steinkerne  mit 
teilweisen  Hohlabdrücken  vor. 

Die  Art  ist  gleichklappig,  ungleichseitig,  gerundet  vierseitig  im  Umriß 
und  ungefähr  gleichmäßig  gewölbt.  Vor  dem  Wirbel  ist  ein  Möndchen  ein- 
gesenkt. Vorder-,  Unter-  und  Hinterrand  bilden  eine  ziemlich  gleichmäßige 
Rundung.  Etwa  in  der  Mitte  des  Hinterrandes  biegt  die  Randlinie  im  stumpfen 
gerundeten  Winkel  um  und  zieht  fast  geradlinig  zum  Wirbel.  Der  Wirbel 
ist  spitz  und  nach  vorn  gerichtet. 

Die  Verzierung  der  Oberfläche  besteht  aus  ungefähr  45  feinen  radialen 
Rippen  mit  breiteren  Zwischenräumen.  Auf  der  Hinterseite  schieben  sich  zwei 
voneinander  etwas  entfernt  stehende  stärkere  Rippen  ein.  Die  radialen 
Rippen  werden  gekreuzt  von  10—15  kräftigen  konzentrischen  Rippen,  die 
gegen  den  Unterrand  an  Schärfe  verlieren.  Außerdem  sind  an  gut  erhaltenen 
Steinkernen  konzentrische  feine  Linien  sichtbar.  Der  Rand  der  Steinkerne 
ist  gekerbt.  Der  Schloßapparat  ist  nicht  festzustellen. 

Maße:  1 2 

Lange:  9 mm  9 mm 

Höhe:  8 „ 9 „ 


Fundort: 

1)  OTy  Kreibitz  11,  2)  E Kreibitz  28. 

Cardita  geinitzi  findet  sich  besonders  in  tonigen  und  mergeligen  Schichten 
in  stark  zerdrücktem  Zustande,  so  daß  es  sehr  schwer  ist,  die  Überein- 
stimmung der  einzelnen  Stücke  einwandfrei  festzustellen.  Cardita  parvula 
und  tenuicosta  bei  Geinitz  stellen  die  gleiche  Art  dar. 

Die  Originale  von  Geinitz  konnten  verglichen  werden.  Das  Original  zu 
Geinitz  1842,  Taf.  20,  Fig.  9 von  Luschitz  in  Böhmen  war  nicht  aufzufinden. 
Nach  der  Abbildung  entspricht  die  konzentrische  Verzierung  unserer  Art 
nicht  gut;  da  jedoch  der  Umriß  sehr  charakteristisch  ist,  zweifle  ich  auch 
hier  nicht  an  der  Übereinstimmung.  Von  den  mit  Luschitz  gleichalterigen 
Mergelschichten  von  Priesen  in  Böhmen  lagen  im  Museum  zu  Dresden  eben- 
falls Stücke  dieser  Art.  Ferner  befinden  sich  daselbst  ein  hierzu  gehöriges 
Stück  von  Zatzschke  und  einige  aus  der  unteren  Schicht  der  Teplitzer  Straße 
in  Dresden.  Auch  Astarte  formosa  aus  dem  Tunnel  von  Oberau  sieht  nach 
der  Zeichnung  unserer  Art  sehr  ähnlich.  Ferner  ist  als  Fundort  für  diese 
Form  auch  W'altersdorf  im  Zittauer  Gebirge  angeführt.  Das  Original  war 
jedoch  nicht  aufzufinden.  Reuss  schildert  unsere  Art  und  führt  eine  Anzahl 
böhmischer  Fundorte  auf,  die  sich  leider  nicht  alle  nachprüfen  lassen.  Cardita 
tenuicosta  bei  Fric  „Teplitzer  Schichten“  Fig.  62  ist  sehr  ähnlich  dem  daselbst 


Ändert  IG 


242 


Abh.  preuß.  gieol.  L.-A.,  Neue  Folge,  Heft  159 


unter  82  c abgebildeten  Spondplus  latus.  Ich  habe  selbst  ein  Stück  in  Hundorf 
gesammelt,  was  der  Abb.  62  gleicht  und  keinesfalls  unsere  Art  darstellt. 
Die  konzentrischen  Linien  bilden  hier  treppenartig  zum  Schalenrande  ab- 
steigende Absätze.  Fig.  11  und  12  bei  G.  Müller  sind  unserer  Art  sehr 
ähnlich,  während  Fig.  10  auch  einer  anderen  Art  (Crassatella? ) angehören 
könnte.  Die  Abbildung  bei  Scupin  fällt  mit  unserer  Art  zusammen.  Scupin 
erörtert  eingehend  das  Verhältnis  von  Länge  zu  Höhe,  das  bei  dieser  Art 
je  nach  der  Stellung,  die  man  der  Muschel  gibt,  sehr  verschieden  aus- 
fallen  kann. 

Cardila  tenuicosta  Sow. aus  dem  Gault,  womit  die  deutsche  Form 
wiederholt  vereinigt  worden  ist,  wird  von  Woods  mit  der  Begründung  getrennt, 
daß  die  englische  Art  im  Gegensatz  schmale  Rippen  und  breitere  Zwischen- 
räume besitze.  Dies  trifft  jedoch  auch  bei  den  mir  vorliegenden  Stücken  zu. 
Sie  zeigen  sogar  die  von  Woods  als  mehrfach  auftretend  angeführten  beiden 
stärkeren  radialen  Rippen  auf  der  Hinterseite,  wodurch  zwei  Felder  ab- 
getrennt werden.  Die  von  Scupin  angeführten  Unterschiede,  viel  schwächere 
Ouerskulptur,  der  mehr  gerundete  Umriß  (hingegen  Fig.  11a  bei  Woods!) 
und  der  spitzere  Schnabel  erscheinen  alle  nicht  stichhaltig  und  nur  durch 

den  Erhaltungszustand  der  Stücke  scheinbar  zu  bestehen.  Um  keine  Ver- 

wirrung hineinzutragen,  lasse  ich  die  Zusammengehörigkeit  offen  bis  Ver- 
gleiche unmittelbar  angestellt  werden  können. 

Vorkommen: 

Unterturon:  Jidn  4,  7,  8 (alle  3 Soukup)  ; 

Mittelturon:  Bonnewitz  (Mus.  Dresden),  Dresden  1,  Lohmen,  Strehlen  (alle 

3 Mus.  Dresden),  Jicin  5,  8,  41,  43,  45,  46,  49,  50  (alle  8 

Soukup),  Heuscheuer  1,  2,  3; 

Oberturon  y : Hinterjessen  (Seifert),  Zatzschke  (Mus.  Dresden),  Birkwitz 

(Mus.  Dresden),  Kreibitz  4,  11,  12,  Jägersdorf  2,  Priesen, 

Großrackwitz  Löw.  2 (Geol.  Landesmus.) ; 

Emscher:  Kreibitz  28. 

Astarte  Sow. 

Astarte  similis  M\stk. 

Taf.  11,  Fig.  44 

1834 — 40  Astarte  similis  Goldfuss,  2,  S.  193,  Taf.  134,  Fig.  22  a,  L>. 

1846  Astarte  acuta  Reuss,  2,  S.  3,  Taf.  33,  Fig.  17  (?);  Taf.  37,  Fig.  14. 

1846  Astarte  planissima  Forbes,  (2),  7,  S.  134,  Taf.  15,  Fig.  23. 

1847  Astarte  caelata  J.  Müller,  1,  S.  22,  Taf.  2,  Fig.  3. 

1865  Astarte  similis  Zittel,  1,  S.  53,  Taf.  8,  Fig.  6. 

1871  Gouldia  planissima  Stoliczka,  3,  S.  289,  Taf.  10,  Fig.  3. 

? 1877  Astarte  acuta  FriC,  S.  115,  Abb.  73. 

1885  Freia  caelata  J.  Böhm,  S.  112. 

1887  Astarte  similis  Frech,  S.  162,  Taf.  12,  Fig.  15,  15  a. 

1889  Astarte  similis  Holzapfel,  2,  S.  194,  Taf.  19,  Fig.  11 — 15. 

1897  Astarte  acuta  FriC,  S.  52. 

Es  liegen  ungefähr  20  von  mir  gesammelte  Steinkerne  und  Hohlabdrücke 
vor.  Die  dreiseitig  gerundete  Muschel  ist  sehr  flach  gewölbt  und  ungleich- 

54)  Woods  1904—13,  2,  S.  124,  Taf.  18,  Fig.  7— H. 


Paläontologischer  Teil 


243 


seitig.  Unter  dem  Wirbel  liegt  ein  flaches  Möndchen.  Von  diesem  zieht  der 
Schalenrand  bis  zur  Hälfte  des  Hinterrandes  in  einer  fast  gleichmäßigen 
Rundung  und  steigt  nach  einer  mehr  oder  minder  deutlichen  Eckbildung 
in  sehr  flachem  Bogen  zum  Wirbel  wieder  an.  Der  kleine  Wirbel  ist  nach 
vorn  gerichtet  und  etwas  niedergebogen. 

Die  Verzierung  der  Steinkerne  besteht  aus  sechs  bis  acht  kräftigen  ge- 
rundeten konzentrischen  Rippen  und  dazwischen  liegenden  breiten  Furchen. 
Auf  vorhandenen  Schalen  könnte  die  Zahl  der  gegen  den  Wirbel  sich 
drängenden  Rippen  etwas  mehr  betragen.  An  einem  Skulptursteinkerne  ge- 
wahrt man  auf  der  unteren  Rippe  auch  radiale  Linien,  die  aber  wohl  nur 
von  Überresten  der  inneren  Sohalenstruktur  herzurühren  scheinen  und  den 
Anlaß  gegeben  haben,  daß  Reuss  diese  Art  mit  feingestricheltem  Unter- 
rande zeichnet.  Das  Schloß  stimmt,  soweit  eine  Feststellung  möglich,  mit 
der  Darstellung  durch  Holzapfel  überein.  Demnach  sind  links  zwei  kräftige 
Zähne,  rechts  ein  kräftiger  Mittel-  und  ein  fast  verkümmerter  Vorder-  und 
Hinterzahn  vorhanden. 

Durchschnittsmaße : 

Länge:  5 mm 

Höhe:  4 „ 

Holzapfel  hat  sich  eingehend  über  die  generische  Stellung  der  Art 
geäußert.  Goldfuss  beschrieb  zuerst  die  Art  von  Haldem  und  Nattheim, 
Reuss  führt  als  Fundort  u.  a.  auch  Kreibitz  an  und  kann  infolgedessen  nur 
diese  Art  im  Auge  gehabt  haben,  da  dort  eine  ähnliche  nicht  workommt. 
Nach  Stoliczka  stimmen  die  indischen  Stücke  vollständig  mit  denen  von 
Aachen  überein.  Von  Aachen  ist  die  Art  durch  Müller,  Böhm  und  Holz- 
apfel dargestellt  worden,  ferner  von  Zittel  aus  der  Gosau  und  von  Frech 
aus  den  Tonen  zwischen  Suderode  und  Quedlinburg.  Am  Salzberg  bei 
Quedlinburg  habe  ich  selbst  einen  hübschen  Steinkern  von  dieser  Art  ge- 
sammelt. Im  Museum  zu  Dresden  befindet  sich  von  Zatzschke,  Strehlen 
und  Böhm.  Kamnitz  ebenfalls  je  ein  hierzu  gehöriges  Stück.  Die  Abbildung 
von  Fric  in  den  „Weißenberger  Schichten“  ist  wahrscheinlich  unsere  Art; 
auch  aus  den  Teplitzer  und  Priesener  Schichten  sind  derartige  Stücke  im 
Museum  zu  Prag  vorhanden,  die  die  Bezeichnung  Aslarte  acuta  tragen.  Aus 
den  Chlomeker  Schichten  führt  Fric  von  Tannendorf  nur  ein  sehr  mangel- 
haftes Stück  auf. 

Vorkommen: 

Unterturon:  Jicin  4,  6,  7 (alle  3 Soukup)  ; 

Mittelturon:  Strehlen  (Mus.  Dresden),  Jicin  5,  8,  43,  45  (alle  4 Soukup); 

Oberturon  y:  Zatzschke  (Mus.  Dresden),  Böhm.  Kamnitz  2,  Kreibitz  7, 

Limbach; 

Emscher:  E.-St.  Tannendorf  1,  Kreibitz  4,  6,  12,  28,  Oberkreibitzer  Tal- 

sperre 9,  Kieslingswalde,  Salzberg. 


Astarte  nana  Reuss. 

Taf.  11,  Fig.  45 

1846  Astarte  nana  Reuss,  2,  S.  3,  Taf.  33,  Fig.  18. 

1877  Astarte  nana  Fric,  S.  115,  Abb.  74. 

? 1889  Astarte  cf.  nana  Holzapfel,  2,  S.  195. 

1893  Astarte  nana  FriC,  S.  91. 


16* 


244 


Abh.  preuß.  gieoL  L.-A.,  Neue  Folge,  Heft  159 


Einige  kleine  dreiseitig  gerundete  bis  kreisförmige  mäßig  gewölbte  Stein- 
kerne stimmen  mit  der  Abbildung  von  Reuss  gut  überein.  Unter  dem  Wirbel 
ist  ein  Möndchen  eingesenkt.  Daran  anschließend  bildet  der  Schalenrand 
eine  fast  gleichmäßige  Rundung  bis  in  die  Mitte  der  Hinterseite,  von  wo 
er  im  flachen  Bogen  zum  Wirbel  ansteigt.  Der  kleine  nach  vorwärts  ge- 
richtete Wirbel  liegt  ungefähr  in  der  Mitte.  Die  Muschel  ist  ungleichseitig. 
Der  Schloßapparat  ist  an  den  Steinkernen  nicht  zu  erkennen. 

Die  Schalenverzierung  besteht  in  etwa  15  konzentrischen  Linien,  zwischen 
denen  sich  schmale  scharfe  Furchen  befinden.  Der  untere  Schalenrand  ist 
gekerbt. 

Maße:  Die  Größe  der  vorliegenden  Stücke  beträgt  4—5  mm. 

Nach  Holzapfel  haben  sich  in  der  Aachener  Kreide  ähnliche  kleine 
Astarten  vorgefunden.  Am  Salzberg  bei  Quedlinburg  habe  ich  ebenfalls 
einen  gut  hierzu  passenden  Steinkern  gesammelt.  Reuss  führt  die  Art  von 
Priesen  auf,  Fric  aus  den  Semitzer  Mergeln  (Zone  des  Inoceramus  labiatus) 
und  aus  den  Priesener  Schichten  von  Priesen  (Emscher)  und  Waldeck  (Ober- 
turon  y)- 
Vorkommen: 

Unterturon:  Jicin  4 (Soukup),  9; 

Mittelturon:  Jicin  43,  45,  49  (alle  3 Soukup); 

Emscher:  E.-St.  Tannendorf  1,  Kreibitz  7,  Daubitz  3. 

Eriphyla  Gabi* 

Eriphyla  lenticularis  Goldf.  sp. 

Tat  12,  Fig.  1,  2 

1834 — 40  Lucina  lenticularis  Goldfuss,  2,  S.  228,  Taf.  146,  Fig.  16. 

1843  Lucina  lenticularis  Geinitz,  4,  S.  13,  Taf.  2,  Fig.  4 — 6. 

1846  Lucina  lenticularis  Reuss,  2,  S.  4,  Taf.  33,  Fig.  20 — 24;  Taf.  41,  Fig.  10. 

1847  Lucina  lenticularis  J.  Müller,  1,  S.  23. 

1863  Lucina  lenticularis  Drescher,  S.  348. 

1871  Eriphyla  lenticularis  Stoliczka,  3,  S.  181,  Taf.  6,  Fig.  7 — 13. 

1875  Eriphyla  lenticularis  Geinitz,  2,  S.  62,  Taf.  17,  Fig.  1,  2;  Iaf.  18, 

Fig.  1,  2. 

1875  Eriphyla  lenticularis  Brauns,  S.  367. 

1877  Eriphyla  lenticularis  FriC,  S.  116,  Abb.  78. 

1883  Eriphyla  lenticularis  Fric,  S.  101. 

1884  Eriphyla  lenticularis  Holzapfel,  S.  458,  Taf.  6,  Fig.  1,  2. 

1885  Dozya  lenticularis  J.  Böiim,  S.  126. 

1889  Eriphyla  lenticularis  Holzapfel,  2,  S.  195,  Taf.  14,  Fig.  5,  7. 

1889  Eriphyla  lenticularis  Fric,  S.  78. 

1891  Eriphyla  lenticularis  Lancenhan  & Grundey,  Taf.  3,  Fig.  21. 

1893  Eriphyla  lenticularis  Fric,  S.  91. 

1897  Eriphyla  lenticularis  Fric,  S.  55. 

1901  Eriphyla  lenticularis  Sturm.  S.  76,  Taf.  6,  big.  6,  6 a. 

1904  Eriphyla  lenticularis  Petrasciieck,  S.  4. 

1912 — 13  Eriphyla  lenticularis  Scupin,  S.  179,  Abb.  28;  3 af.  8,  Fig.  4. 

Die  Kreisform  der  gleichmäßig  flach  gewölbten  Art  ist  gewöhnlich  etwas 
schief  verschoben.  Bei  manchen  Stücken  stoßen  sogar  Oberrand  und  Hinter- 


Paläontologischer  Teil 


245 


rand  in  einer  stumpfen  Ecke  aneinander.  Aus  dem  Gestein  herausgelöste 
Steinkerne  zeigen  infolge  der  breiten  Schloßplatte  unter  dem  Wirbel  eine 
tiefe  Ausbuchtung  (Taf.  12,  Fig.  1).  Sie  sind  hierdurch  viel  müheloser 
zu  unterscheiden  als  Schalenexemplare,  die  nach  dem  Äußeren  manchen 
Venusarten  ähnlich  sind  (Taf.  12,  Fig.  2).  Eriphvla  lenticularis  ist  sehr 
ungleichseitig,  der  kleine  Wirbel  ist  nach  vorn  gerückt  und  niedergedrückt. 
Unter  dem  Wirbel  ist  die  Schale  gering  ausgebogen.  Am  Steinkern  hingegen 
erscheint  die  Wirbelpartie  breit  und  aufrecht.  Das  Schloß  zeigt  auf  breiter 
Platte  in  beiden  Klappen  zwei  divergierende  Hauptzähne.  In  der  linken 
Klappe  findet  sich  außerdem  ein  vorderer,  in  der  rechten  ein  hinterer  Seiten- 
zahn. Die  Stellung  des  linken  Seitenzahnes  entspricht  der  Abbildung  bei 
Sturm.  In  der  Abbildung  bei  Geinitz,  Kieslingswalde,  Taf.  2,  Fig.  6,  fehlt 
der  hintere  Seitenzahn.  Vorderer  und  hinterer  Muskeleindruck  sind  ziemlich 
groß  und  auf  den  Steinkernen  deutlich  zu  erkennen. 

Die  Verzierung  der  Schale  besteht  aus  kräftigen  konzentrischen  Linien, 
Steinkerne  sind  glatt. 


Maße : 

1 

2 

3 

4 

5 

6 

Länge : 

38  mm 

30  mm 

35  mm 

37  mm 

33  mm 

28  mm 

Höhe: 

36  ,, 

30  „ 

35  „ 

37  „ 

34  „ 

29  „ 

Lttnge  : Hohe 
= 100: 

95 

100 

100 

100 

103 

104 

Fundort:  E E.-St.  Tannendorf  1. 

Die  Abweichungen  im  Verhältnis  von  senkrechter  Höhe:  Länge  sind  unter- 
einander nicht  so  bedeutend,  wie  es  bei  der  Mehrzahl  der  Steinkerne  den 
Anschein  hat.  Bei  dem  Fehlen  der  Schloßplatte  usw.  ist  man  leicht  ver- 
sucht, durch  unrichtige  Stellung  sehr  hohe  oder  auch  sehr  lange  Formen  zu 
konstruieren.  Nimmt  man  jedoch  bei  schiefen  Formen  der  natürlichen  Aus- 
bildung entsprechend  die  Hauptverlängerung  vom  Wirbel  in  einer  Diagonale 
nach  hinten  unten,  so  wird  Länge  und  Höhe  niemals  bedeutende  Unterschiede 
zeigen.  Scupin  hat  diese  Frage  von  einem  anderen  Gesichtspunkte  eben- 
falls erörtert. 

Unsere  Art  ist  von  den  ältesten  Autoren  als  Lucina  und  von  J.  Böhm 
als  D\ozpa  bezeichnet  worden.  Mit  dieser  letzten  Ausnahme  hat  seit  Stoliczka 
die  Art  stets  die  Bezeichnung  Eriphvla  geführt.  Der  Name  lenticularis 
ist  von  allen  Autoren  angewandt  worden  als  bester  Beweis  dafür,  daß  die 
Art  so  charakteristische  Merkmale  besitzt,  die  eine  Verwechselung  fast 
ausschließen. 

Bei  Reuss  ist  auf  Taf.  33,  Fig.  21  das  Schloß  ungenau  gezeichnet;  die 
Abbildung  Taf.  37,  Fig.  17  bei  ihm  ist  sicher  nicht  unsere  Art,  sondern 
stellt  entweder  eine  Cvprina  oder  Venus  dar.  Im  allgemeinen  ist  sonst 
wenig  zu  der  über  die  Art  vorhandenen  zahlreichen  Literatur  zu  bemerken. 
Von  Aachen  wird  Eriphvla  lenticularis  behandelt  durch  Goldfuss,  J.  Müller, 
Böiim  und  Holzapfel,  von  Kieslingswalde  durch  Geinitz,  Langenhan  & 
Grundey,  Sturm  und  Fnic,  vom  Salzberg  bei  Quedlinburg  durch  Brauns, 
aus  der  Löwenberger  Kreide  durch  Drescher  und  Scupin,  aus  dem  sächsischen 
Überquader  durch  Petrascheck,  aus  dem  Turon  von  Strehlen  und  dem 
Cenoman  der  sächsischen  Schweiz  durch  Geinitz,  aus  der  indischen  Kreide 
durch  Stoliczka,  sowie  durch  Fric  aus  allen  Horizonten  der  böhmischen 
Kreide.  Im  Museum  zu  Prag  konnten  Stücke  aus  den  Weißenberger,  Teplitzer, 


246 


Abh.  preuß.  gjeol.  L.-A.,  Neue  Folge,  Heft  159 


Priesener  und  Chlomeker  Schichten  nachgeprüft  werden,  im  Museum  zu 
Dresden  fand  ich  übereinstimmendes  Material  auch  aus  dem  Cenoman  von 
Tyssa. 

Sehr  ähnlich  ist  unserer  Art  Eriphpla  striata  Sovv.  von  Blackdown  55), 
bei  der  Woods  als  Unterschied  nur  einen  weniger  kreisrunden  Umriß  an- 
zugeben vermag. 

Vorkommen: 

Mittelturon:  Bonnewitz  (Mus.  Dresden),  Liebeschitz  3,  Skalken  1,  Kocho- 

witz  1,  Strehlen  (Mus.  Dresden),  Dresden  1 (Mus.  Dresden), 
Turnau  5,  10,  12,  14,  Hermsdorf  Löw.  1,  2 (Geol.  Landesmus.), 
Löwenberg  3 (Geol.  Landesmus.),  Heuscheuer  2; 

Oberturon  aß:  Hochwald  2,  Waltersdorf  2; 

Emscher:  E.-St.  Tannendorf  1,  Kreibitz  9,  24,  26,  27,  Oberkreibitzer  Tal- 

sperre 5,  9,  Falkenau  4,  Markersdorf  3,  Jägerdörfel  1,  Chlomek 
(Mus.  Prag),  Neuwarthau  Löw.  2,  3 (Geol.  Landesmus.),  Groß- 
hartmannsdorf Löw.  (Geol.  Landesmus.),  Bergwarthau  Löw., 
Giersdorf  Löw.  (Geol.  Landesmus.),  Gehnsdorf  Löw.  1,  2 (Geol. 
Landesmus.),  Kesselsdorf  Löw.  (Geol.  Landesmus.,  Realgymn. 
Löwenberg),  Hohlstein  Löw.  (Geol.  Landesmus.),  Herzogs- 
waldau (Geol.  Landesmus.),  Kieslingswalde  (selbst  gesammelt, 
Mus.  Dresden),  Salzberg  (Mus.  Dresden); 

Untersenon:  Wenig  Rackwitz  Löw.  1 (Geol.  Landesmus.),  Sirgwitz  Löw. 

(Geol.  Landesmus.),  Vaals  (Mus.  Dresden). 

Die  Art  wird  von  verschiedenen  Plätzen  (s.  o.)  vom  Cenoman  bis  in 
den  Emscher  aufgeführt.  \ 

Crassatcllidac  Gray 
Crassatella  Lam. 

Crassatella  arcacea  A.  ItOtiM. 

Taf.  11,  Fig.  45,  47,  48;  Abb.  25,  26,  27,  28,  29 

1841  Crassatella  arcacea  A.  Roemer,  S.  74,  Taf.  9,  Fig.  24. 

1846  Crassatella  arcacea  Reuss,  2,  S.  3,  Taf.  33,  Fig.  27. 

1847  Crassatella  arcacea  J.  Müller,  1,  S.  23. 

1850  Crassatella  arcacea  d’Orbigny,  2,  S.  239. 

1851  Crassatella  rugosa  J.  Müller,  2,  S.  66. 

1851  Astarte  /.  roemeri  J.  Müller,  2,  S.  65,  Taf.  6,  Fig.  18. 

1859  Crassatella  marrotiana  J.  Müller,  2,  Supplement,  S.  13. 

1863  Crassatella  arcacea  Drescher,  S.  348. 

1875  Crassatella  arcacea  Brauns,  S.  372. 

1877  Crassatella  cf.  arcacea  FriC,  S.  115,  Abb.  72. 

1885  Crassatella  arcacea  J.  Bö  mm,  S.  103. 

1889  Crassatella  arcacea  Holzapfel,  2,  S.  191,  Taf.  20,  Fig.  1—5,  7,  8. 

1897  Crassatella  regularis  Fric,  S.  52. 

1901  Crassatella  regularis  Sturm,  S.  76,  Taf.  6,  Fig.  7. 

1912 — 13  Crassatella  arcacea  Scupin,  S.  173,  Taf.  8,  Fig.  3 u.  13. 

1912—13  Crassatella  bohemica  Scupin,  S.  174,  Taf.  8,  Fig.  8. 

1912 — 13  Crassatella  bohemica  var.  abbreviata  Scupin,  S.  174,  Taf.  8,  Fig.  6 u.  9. 

1912 — 13  Crassatella  gregaria  Scupin,  S.  177,  Taf.  8,  Fig.  5,  10—12. 

55)  Woods  1904—13,  2,  S.  116,  Taf.  17,  Rig.  2 7. 


Paläontologischer  Teil 


247 


Crassatella  arcacea  ist  flach  gewölbt,  stark  ungleichseitig,  fünf-  bis 
dreiseitig  im  Umriß,  nach  hinten  mehr  oder  weniger  stark  ausgezogen. 
Vor  dem  Wirbel  ist  ein  flaches  Möndchen  eingesenkt.  Die  gerundete  Vorder- 
seite geht  im  Bogen  in  den  fast  geraden,  gewöhnlich  etwas  eingedrückten 
Unterrand  über.  Unterrand  und  abgestutzter  Hinterrand  stoßen  im  abgerundet 
rechten  Winkel  aneinander.  Bei  Steinkernen  ist  häufig  der  zusammengedrückte, 
sehr  dünne  obere  Teil  der  Abstutzung  abgebröckelt  und  der  Verbindungswinkel 
zwischen  Unter-  und  Hinterrand  erscheint  dann  spitz.  Ausgewachsene  Exem- 
plare sind  im  Verhältnis  hinten  niedriger,  jüngere  bis  zur  Hälfte  der  Gesamt- 
höhe hinten  abgestutzt.  Von  hier  steigt  der  Schalenrand  in  fast  gerader  Linie 


Abb.  25.  Crassatella  arcacea  A.  Roem..  rechte  Klappe,  Steinkern. 

Emscher,  E -St.  Tannendorf  1.  Orig.  Geo).  Landesmus.  (A  No.  293). 

Abb.  26.  desgl.  linke  Klappe  (A  No.  296). 

Abb.  27.  desgl.  rechte  Klappe,  Steinkern  mit  teilweise  erhaltener  Schalenskulptur. 
Einscher,  E.-St.  Tannendorf  1.  Orig.  Geol.  Landesmus.  (A  No.  297). 

Abb.  28.  desgl.  rechte  Klappe,  Steinkern. 

Emscher,  Oberkreibitzer  Talsperre  5.  Orig.  Geol.  Landesmus.  (A  No.  298). 

Abb.  29.  desgl.  rechte  Klappe,  Steinkern  mit  teilweise  erhaltener  Schalen skulptur. 
Oberturon  7,  Kreibitz  12.  Orig.  Geol.  Landesmus.  (A  No.  301). 

schräg  zum  Wirbel  hinan.  Bei  Steinkernen  ausgewachsener  Exemplare  ist 
der  vorragende  spitze  Wirbel  nach  aufwärts  gerichtet,  etwas  nach  innen 
gebogen  und  schwach  nach  vorn  gedreht.  Bei  jüngeren  Exemplaren  tritt  er 
infolge  der  dünneren  Schale  mehr  zurück  (Taf.  11,  Fig.  47,  48)  ( Crassatella 
gregaria  Scupiin).  Ausgüsse  von  Hohlabdrücken  lassen  den  Wirbel  stark 
nach  innen  gebogen  und  schräg  nach  vorwärts  gedreht  erscheinen. 

Die  Verzierung  der  Schale  besteht  aus  regelmäßigen  scharfen  konzen- 
trischen Rippen  und  dazwischen  ebenso  breiten  Furchen  (Taf.  11,  Fig.  46). 
Vom  Wirbel  zur  unteren  hinteren  Ecke  zieht  eine  gerundete  Kante.  Der  hier- 


248 


Abh.  preuß.  gieol.  L.-A.,  Neue  Folge,  Heft  159 


durch  abgegrenzte  hintere  Schalenteil  ist  nur  mit  deutlichen  Anwachsstreifen 
bedeckt.  Bei  ausgewachsenen  Stücken  treten  höchstens  in  der  Nähe  des 
Wirbels  die  kräftigen  Rippen  auf  die  abgegrenzte  Fläche  über,  bei  jüngeren 
können  sie  aber  auch  die  gesamte  Oberfläche  bedecken.  Die  Steinkerne  sind 
glatt,  bei  Skulptursteinkernen  sind  die  Rippen  als  Streifen  mehr  oder  weniger 
sichtbar.  Sehr  gut  treten  auf  Steinkernen  die  beiden  Muskeleindrücke  und 
zuweilen  auch  die  diese  verbindende  Mantellinie  hervor.  Der  Schalenrand 
ist  bei  älteren  Stücken  innen  gekerbt;  der  Abdruck  der  Kerbung  ist  an 
einigen  Steinkernen  gut  erhalten  (Abb.  25). 

In  beiden  Klappen  befindet  sich  unter  dem  Wirbel  eine  dreieckige  Liga- 
mentgrube; vor  dieser  stehen  zwei  Zähne,  links  außerdem  ein  vorderer  und 
rechts  ein  hinterer  Seitenzahn.  Die  Art  variiert  sehr  stark.  Ältere  Exemplare 
sind  nach  hinten  mehr,  jüngere  weniger  verlängert,  ältere  hinten  niedriger, 
jüngere  höher  abgestutzt.  Wie  bereits  Holzapfel  hervorhebt,  zeigt  der 
Verlauf  der  Rippen  in  der  Nähe  des  Wirbels  bei  älteren  Stücken  die  Umriß- 
linie der  jüngeren. 

In  der  folgenden  Zusammenstellung  sind  die  extremsten  Formen  mit  Rück- 
sicht auf  etwaige  Deformation  nicht  aufgeführt. 


Maße: 

i1) 

2 

3 

4 

5 

62) 

7 

8 

9 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

Länge : 

87 

38 

37 

43 

32 

34 

37 

41 

25 

Höhe: 

21 

22 

22 

26 

20 

21 

23 

26 

16 

Länge:  Höhe— 

100: 

57 

58 

59 

60 

62 

62 

62 

63 

64 

Maße: 

10 

11 

12 

13 

14 

15 

16 

17 

18 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

Länge: 

33 

34 

35 

24 

33 

36 

39 

19 

35 

Höhe: 

21 

22 

23 

16 

22 

24 

26 

13 

24 

Länge:  Höhe  = 

100: 

64 

65 

66 

67 

67 

67 

67 

68 

68 

Maße: 

19 

20 

21 

22 

23 

24 

25 

26  3) 

27 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

Länge: 

32 

20 

30 

37 

17 

24 

28 

41 

25 

Höhe: 

22 

14 

21 

2G 

12 

17 

20 

29 

18 

Lange : Höhe  = 

100: 

69 

70 

70 

70 

71 

71 

71 

71 

72 

M’aße : 

28 

29 

30 

31 

32 

33 

34 

.1 
CO  1 

i 

i 

36 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

Lange: 

29 

26 

30 

27 

31 

34 

21 

35 

23 

Höhe: 

21 

19 

22 

20 

23 

25 

16 

27 

18 

Lange:  Höhe  = 

100: 

72 

73 

73 

74 

74 

74 

76 

77 

78 

Maße : 

37 

38 

30 4) 

40 

41 

42 

43 

44 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

Länge: 

18 

19 

34 

30 

22 

18 

15 

17 

Höhe: 

14 

15 

27 

24 

18 

15 

13,5 

15 

Länge:  Höhe  — 

100; 

78 

79 

79 

80 

82 

83 

87 

88 

1}  Abb.  25,  2)  Taf.  11.  Fig.  46,  3)  Abb.  26,  4)  Abb.  27. 

Fundort:  E E.-St.  Tannendorf  1. 


Paläontologischer  Teil 


249 


A.  Roemer  beschreibt  unsere  Art  zuerst  von  Quedlinburg  und  Dülmen. 
Reuss  unterscheidet  von  Crassatella  arcacea  die  in  dem  tieferen  Plänerkalk 
von  Laun  auftretende  mehr  gleichseitige,  weniger  schlanke  Crassatella  regu - 
laris  d’Orb.  (Taf.  33,  Fig.  25).  Die  von  J.  Müller  aus  der  Aachener 
Kreide  zu  den  Arten  Crassatella  rugosa , marrotiana  und  Astarte  /.  roemeri 
gestellten  Variationen  werden  von  Holzapfel  mit  Recht  alle  unter  unserer 
Art  vereinigt.  J.  Böhm  schildert  die  Art  ebenfalls  von  Aachen  sehr  gut. 
Ob  Crassatella  subarcacea  bei  Holzapfel,  Taf.  20,  Fig.  6,  die  nur  als  Stein- 
kern bekannt  ist,  eine  besondere  Art  darstellt,  erscheint  sehr  fraglich. 
Ganz  ähnliche  Steinkerne  kommen  auch  in  unserem  Gebiete  vor.  Drescher 
beschreibt  Crassatella  arcacea  aus  der  Löwenberger  Kreide.  Scupin  unter- 
scheidet für  die  daselbst  vorkommenden  Formen  drei  Arten,  arcacea , bo~ 
hemica  und  gregaria.  Nach  dem  mir  vorliegenden  reichlichen  Materiale 
gehören  aber  auch  die  den  E.-St.  Tannendorfer  gleichaltrigen  Stücke  von 
Löwenberg  nur  einer  Art  an.  Alle  von  Scupin  beschriebenen  Formen  sind 
auch  hier  vorhanden.  Übergänge  sind  zahlreich.  Unsere  Emscherform  ist 
sehr  veränderlich  und  hat  auch  Stücke  hervorgebracht,  die  der  Crassatella 
regularis  d’Orb.  nahezu  gleichen60).  Letztere  scheint  jedoch  beständig  mehr 
gleichseitig,  höher  und  kürzer  zu  sein.  Auch  Crassatella  macrodonta  aus 
der  Gosau  ist  gedrungener  gebaut.  Brauns  schildert  unsere  Art  aus  den 
Salzbergmergeln.  Von  diesem  Platze  konnten  einige  gut  mit  den  unseren 
übereinstimmende  Stücke  im  Museum  zu  Dresden  verglichen  werden.  Das 
von  Sturm  aus  Kieslingswalde  dargestellte  Stück  ist  ein  Schalenexemplar 
und  erscheint  deshalb  weniger  schlank  als  die  vorhandenen  Steinkerne.  Bei 
Fric  gehört  das  Original  von  Crassatella  cf.  arcacea  in  den  Weißenberger 
Schichten  sicher  zu  unserer  Art.  Unsere  Stücke  von  E.-St.  Tannendorf  sind 
von  ihm  in  den  Chlomeker  Schichten  hingegen  als  Crassatella  regularis  be- 
zeichnet. Unsicher  ist  die  Zugehörigkeit  von  Crassatella  macrodonta  in  Eric 
„Iserschichten“  Abb.  63.  Crassatella  regularis  Geinitz  1372,  1,  Taf.  50, 
Fig.  4 von  Plauen  und  1875,  2,  Taf.  17,  Fig.  9 von  Strehlen  sind  nach  Ver- 
gleich mit  den  Originalen  im  Museum  zu  Dresden  entschieden  abzutrennen 
und  stellen  die  echte  Crassatella  regularis  dar. 

Vorkommen: 

Unterturon:  Jicin  5 (Soukup)  ; 

Mittelturon:  Hohlen  2,  Chorousek  4,  Turnau  1,  3,  4,  10,  12,  Hermsdorf 

Löw.  1 (Geol.  Landesmus.) ; 

Oberturon  a ß : Lückendorf  2,  5,  Schanzendorf  1 ; 

Oberturon  y : Kreibitz  3,  4,  6,  11,  12,  14; 

Emscher:  E.-St.  Tannendorf  1,  Kreibitz  4,  6,  9,  12,  26,  27,  Oberkreibitzer 

Talsperre  4,  5,  9,  Falkenau  4,  Böhm.  Zwickau  5,  E.-St.  Neu- 
hütte 5,  Böhm.  Kamnitz  5,  Chlomek  (Mus.  Prag),  Neuwarthau 
Löw.  1,  2,  3 (alle  drei  Geol.  Landesmus.),  Großhartmannsdorf 
Löw.  häufig  (Geol.  Landesmus. ),  Hohlstein  Löw.  (Geol.  Landes- 
mus.), Hermsdorf  Löw.  (Geol.  Landesmus.),  Kieslingswalde 
(Mus.  Dresden),  Salzberg  (Mus.  Dresden) ; 

Ui.tersenon:  Wenig  Rackwitz  Löw.  1 (Geol.  Landesmus.),  Sirgwitz  Löw. 

(Geol.  Landesmus.). 

56)  D’ORIHONW  1844,  3,  Taf.  266,  Fig.  4,  6,  7. 


250 


Abh.  preuß.  geol,  L.-A.,  Neue  Folge,  Heft  159 


Außerdem  ist  die  Art  bekannt  aus  dem  Emscher  des  Harzrandes  und 
aus  dem  Untersenon  von  Aachen. 

Zur  Bearbeitung  liegen  etwa  250  Exemplare  vor. 

Crassatella  regularis  d’Ohb. 

Taf.  11,  Fig.  49 

1850  Crassatella  regularis  d’Orbigny,  3,  S.  80,  Tal.  266,  Fig.  4—7. 

1872  Crassatella  regularis  Geinitz,  1,  Taf.  50,  Fig.  4. 

1875  Crassatella  regularis  Geinitz,  2,  Taf.  17,  Fig.  9. 

Im  Jahre  1927  fand  ich  mit  Herrn  Fachlehrer  Piunz  in  der  ScriMiDT’schen 
Sandgrube  südlich  von  Markersdorf  in  Kalkknollen  gegen  70  Stück  Crassa- 
tellen,  die  von  den  anderen  im  Arbeitsgebiet  vorhandenen  durch  ihre  ge- 
drungene Gestalt,  höhere  gerade  Hinterseite,  eine  gebogene  Rückenkante 
und  nach  vorn  etwas  niedergedrückten  Wirbel  unterschieden  sind.  Sie  gleichen 
der  von  d’Orbigny  als  Crassatella  regularis  dargestellten  Form.  Auch  Scupin 
1912—1913,  S.  175,  weist  auf  diese  Unterschiede  gegenüber  unserer  Crassa- 
tella arcacea  hin. 


Maße: 

1 

2 

3 

4 

Länge: 

38  mm 

36  mm 

29  mm 

23  mm 

Höhe; 

35  „ 

32  „ 

26  „ 

20  „ 

Lange:  Höhe  = 100: 

97 

89 

90 

87 

Vorkommen: 

Emscher : Markersdorf 

3. 

Außerdem  im  Mittelturon  von  Strehlen  und  Böhmen  sowie  im  sächsischen 
Cenoman. 

Fsocardiidac  Gray 
Isocardia  Lah. 

Isocar dia  zitteli  Holzapfel 
Taf.  12,  Fig.  3;  Abb.  30,  30  a,  31,  32 
? 1875  Isoarca  hercynica  Brauns,  Taf.  10,  Fig.  15 — 17. 

1809  Isocardia  zitteli  Holzapfel,  2,  S.  177,  Taf.  15,  Fig.  2 — 4. 

1897  Cyprina  quadrata  Petiiasciieck,  S.  29. 

1912 — 13  Cyprina  sudetica  Scupin,  S.  165,  Taf.  8,  Fig.  1 a u.  b. 

Die  Steinkerne  besitzen  einen  fünfseitigen  Umriß  mit  nach  oben  ge- 
richteter Spitze  und  sind  kräftig  gewölbt.  Der  Vorderrand  verläuft  vom 
Wirbel  schräg  nach  vorn  und  geht  in  einer  Rundung  in  den  flach  gebogenen 
Unterrand  über.  Dieser  biegt  in  einer  mehr  oder  weniger  abgerundeten  Ecke 
in  den  meist  schwach  konvexen  Hinterrand  um.  Ein  stumpfer  Winkel  ver- 
bindet Hinterrand  und  den  schräg  zum  Wirbel  aufsteigenden  Oberrand.  Die 
Steinkerne  sind  ungleichseitig;  der  hochaufstrebende  Wirbel  ist  nach  vorn 
gerichtet  und  stark  nach  innen  gedreht.  Der  gleichmäßig  gewölbte  Rücken 
fällt  steil  zum  Vorderrande  ab.  Zweiklappige  Steinkerne  zeigen  in  der 
Vorderansicht  eine  breite  herzförmige  Fläche.  Vom  Wirbel  zur  unteren 
hinteren  Ecke  verläuft  eine  Kante  und  eine  zweite  vom  Wirbel  entlang  des 
hinteren  Schloßrandes.  Die  zwischen  den  beiden  Kanten  vorhandene  drei- 
eckige Fläche  ist  etwas  eingedrückt.  Die  überaus  größte  Zahl  der  vorliegenden 
60  Steinkerne  ist  zerbrochen,  so  daß  die  Schale  sehr  dünn  gewesen  sein  muß. 


Paläontologischer  Teil 


251 


Die  Verzierung  der  Schale  besteht  aus  feinen  konzentrischen  Linien,  die 
nur  an  Skulptursteinkernen  und  in  Hohlabdrücken  sichtbar  sind;  die  Stein- 
kerne sind  glatt. 


Abb.  30,  30  a.  Isocardia  zitteli  Hlzpkl.,  linke  Klappe,  Steinkern,  a)  von  vorn. 

Emscher,  E.-St.  Neuhütte  5.  Orig.  Hnmboldtverein  Ebersbach  Sa.  (No.  307). 

Abb.  31.  Isocardia  zitteli  Hlzpfl.,  linke  Klappe,  Steinkern. 

Emscher,  Falkenau  4.  Orig.  Geol.  Landesmus.  (A  No.  309). 

Abb.  32.  Isocardia  zitteli  Hlzpfl.,  rechte  Klappe,  Steinkem. 

Emscher,  Blottendorf.  Orig.  Geol.  Landesmus.  (A  No.  310). 

Die  Ausbildung  des  Schlosses  ist  an  unseren  Steinkernen  nur  schwach 
erkennbar.  Nach  Holzapfel  sind  in  jeder  Klappe  zwei  kräftige  Hauptzähne 
und  ein  schwacher  hinterer  Seitenzahn  vorhanden.  Ein  Cyprinenschloß  ist 
an  unseren  Stücken  keinesfalls  erkennbar,  so  daß  die  Bezeichnung  Cpprina 
quadrata  für  die  Art  nicht  anzuwenden  ist. 


Maße : 

1 

2 

3 

4 

5 

6 

7 

8 

9 

10 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

Lange: 

29 

34 

54 

30 

38 

34 

37 

55 

60 

39 

Höhe: 

23 

27 

43 

25 

32 

29 

32 

48 

52 

35 

1 an jrt' : Höhe 
=*  100: 

79 

79 

80 

83 

84 

85 

86 

87 

87 

90 

Maße: 

11 

12 

13 

14 

15 

16 

17 

18 

19 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

Länge: 

43 

50 

28 

22 

38 

33 

49 

29 

48 

Höhe: 

39 

46 

2G 

21 

36 

32 

48 

29 

51 

Lange  : Höhe 
= 100: 

91 

92 

93 

95 

95 

97 

97 

100 

106 

Fundort: 

3),  8),  12),  15),  19)  E E.-St.  Tannendorf  1 ; 9)  E E.-St.  Neuhütte  5;  17) 
E Kreibitz  27;  18)  OT  y Kreibitz  6;  1),  2),  4),  5),  6),  7),  10),  11),  13),  14), 
16)  E Falkenau  4. 

9)  Sammlung  Humboldtverein  Ebersbach. 


252 


Abh.  preuß.  gieol.  L.-A.,  Neue  Folge,  Heft  159 


Die  Art  ist  aus  unserem  Gebiete  früher  zusammen  mit  Ceromya  cretacea 
J.  Müller  als  Isocar dia  cretacea  Gold?',  aufgeführt  worden  (Sammlungs- 
bezeichnungen nach  Geinitz).  Ceromya  cretacea  besitzt  jedoch  einen  viel 
dickeren  Wirbel  und  eine  vollständig  gerundete  kantenlose  Schalenoberfläche. 
Holzapfel  schildert  Isocar  dia  zitteli  in  eingehender  Weise.  Entgegen  seiner 
Ansicht  scheint  mir  aber  Beschreibung  und  Abbildung  von  Cyprina  mülleri 
Bosouet  bei  J.  Böhm  ,7)  viel  eher  zu  unserer  Art  zu  gehören  als  zu  Ceromya 
cretacea.  Ein  Vergleich  des  hinten  zerbrochenen  Originales  zu  Isocardia 
sudetioa  Scupin  in  der  Sammlung  des  Realgymnasiums  zu  Löwenberg  hat 
ergeben,  daß  dieses  auch  nur  unsere  Art  darstellt. 

Vorkommen: 

Mittelturon:  Jicin  25  (Soukup),  Ludwigsdorf  Löw.  1 (Geol.  Landesmus.); 

Oberturon  aß:  Philippenau,  Zeichen  1,  Herrenleite  (zahlreich),  Jicin  3 (Souküp)  ; 
Oberturon  y:  Kreibitz  6; 

Emscher:  Limbach  2,  Kreibitz  6,  17,  26,  27,  Ealkenau  3,  4 (zahlreich), 

E.-St.  Tannendorf  1,  Kunnersdorf  1,  2 (zahlreich),  Blotten- 
dorf  (zahlreich),  Böhm.  Kamnitz  1,  12,  Jägerdörfel  1,  E.-St. 
Neuhütte  5,  Oberkreibitzer  Talsperre  5,  Hasel,  Herzogswaldau 
Löw.  (Geol.  Landesmus.),  Waldau  Löw.  (Geol.  Landesmus.) ; 
Untersenon:  Wenig  Rackwitz  Löw.  1 (Realgymn.  Löwenberg,  Geol.  Landes- 

mus.). 

Bei  Aachen  in  den  oberen  Ouadratenschichten. 

L u c i n i <1  a e Dksh. 

M utiella  Stol. 

Mulielia  coarciata  Zitt. 

Taf.  12,  Fig.  4,  5 

1897  M utiella  ringmerensis  FiuC,  S.  54,  Abb.  59. 

1898  Mutiella  coarciata  G.  Müller,  S.  60,  Taf.  8,  Fig.  6;  Taf.  9,  Fig.  1 — 3, 

Ein  nicht  besonders  gut  erhaltener  Steinkern  konnte  mit  einem  Exemplar 
von  Broizem  am  Harzrande  im  Geologischen  Landesmuseum  verglichen  werden. 
Der  querovale  Steinkern  ist  hochgewölbt  und  besitzt  einen  dicken,  nach  innen 
eingebogenen  Wirbel.  Auf  der  Oberfläche  sind  einzelne  grobe  Anwachs- 
furchen und  darüber  hinweglaufende  feine  Radiallinien  zu  erkennen.  Im 
Sommer  1929  fand  ich  ferner  einige  Exemplare  dieser  Art  in  Carlsberg 
(Heuscheuer). 

Das  bei  Eric  als  Mutiella  ringmerensis  abgebildete  Exemplar  von  Chlomek 
ist  auch  hierher  zu  stellen.  Mutiella  ringmerensis  besitzt  nach  Woods68)  nur 
konzentrische  Rippen  und  keine  Radialverzierungen,  so  daß  auch  die  von 
Geinitz69)  mit  letzterer  Art  vereinigten  Stücke  nicht  zu  dieser,  sondern  wahr- 
scheinlich auch  zu  Mutiella  coarctata  gehören. 

Im  Geologischen  Landesmuseum  zu  Berlin  befinden  sich  zahlreiche  Stücke 
von  dieser  Art  aus  dem  Hohlwege  westlich  von  Großhartmannsdorf  (Emscher). 

57)  J.  BÖHM  1885,  S.  121,  Taf.  2,  Fig.  2. 

58)  Unicardium  rinqmeriense  M.ANTELL,  WOODS  190t — 13,  2,  S.  164,  Taf.  25,  Fig.  13.  14. 

59)  (i EINITZ  1875,  2,  S.  61,  Taf.  16,  Fig.  11—13. 


253 


Paläontologischer  Teil 
Maße: 

Lange:  45  mm 

Höhe:  40  „ 

Länge  : Höhe  = 100:  89 

Fundort:  OTy  Kreibitz  4. 

Vorkommen: 

Mittelturon:  Kochowitz  1,  Jicin  20,  31,  38  (alle  3 Soukup),  Heuscheuer  2,  3, 

Grunauer  Spitzberg  Löw.  4 (Geol.  Landesmus.),  Plagwitz  Löw. 
1 (Geol.  Landesmus.) ; 

Oberturon  y:  Kreibitz  4; 

Emscher:  Chlomek  (Mus.  Prag),  Großhartmannsdorf  Löw.  (Geol.  Landes- 
mus.), Neuwarthau  Löw.  1 (Geol.  Landesmus.). 

Außerdem  im  Untersenon  von  Braunschweig. 

Jjucin.fi  Bk  IG. 

Lucina  laminosa  Reiss  sp. 

Taf.  12,  Fig.  6 a,  b,  7 

1843  Venus  laminosa  Reuss,  2,  S.  198. 

1846  Venus  laminosa  Reuss,  2,  S.  21,  Taf.  41,  Fig.  6,  15. 

1847  Venus  numismalis  J.  Müller,  1,  S.  25,  Taf.  2,  Fig.  5. 

1851  Lucina  tenuis  J.  Müller,  2,  S.  66. 

1885  Lucina  suhnumismalis  J.  Böhm,  S.  114. 

1889  Lucina  subnummismalis  Holzapfel,  2,  S.  187,  Taf.  19,  Fig.  1 — 3. 

1893  Venus  laminosa  FriC,  S.  97,  Abb.  117. 

Die  kleine  charakteristische  Muschel  liegt  in  etwa  50  Steinkernen  und 
Hohlabdrücken  vor.  Sie  besitzt  querovalen  bis  vierseitig  gerundeten  Umriß  und 
ist  sehr  dünn.  Vom  Wirbel  nach  vorn  verläuft  der  Schalenrand  zuerst  ziemlich 
horizontal,  während  er  nach  hinten  schräg  absteigt,  wodurch  die  Schale  eine 
schiefe  Form  erhält.  Beide  Klappen  sind  sehr  schwach  gewölbt.  Auf  den 
Steinkernen  linker  Klappen  bemerkt  man  vom  Wirbel  ausgehend  eine  flache 
Kante,  die  zum  unteren  Hinterrande  und  oft  eine  noch  flachere,  die  zum 
unteren  Vorderrande  zieht.  Der  kleine,  nach  vorn  gerichtete,  wenig  hervor- 
tretende Wirbel  liegt  ungefähr  in  der  Schalenmitte. 

Die  Schalenverzierung  besteht  aus  20  —30  feinen,  leistenförmig  erhabenen, 
konzentrischen  Rippchen,  die  auf  kleinen  Exemplaren  sehr  dicht  gedrängt,  auf 
größeren  gegen  den  Unterrand  jedoch  entfernter  und  kräftiger  stehen.  Die 
Zwischenräume  sind  flach.  Das  Schloß  ist  an  den  Steinkernen  bei  der 
geringen  Größe  der  Exemplare  nicht  zu  beobachten.  Nach  Holzapfel  sind 
in  jeder  Klappe  zwei  kurze  divergierende  Zähne  und  zwei  entfernt  stehende, 
ziemlich  kräftige  Seitenzähne  vorhanden.  Unsere  Exemplare  schwanken  im 
Größenverhältnis  von  14  mm  Länge  und  12  mm  Höhe,  10,5  mm  Länge  und 
9 mm  Höhe  und  7 mm  Länge  und  5,5  mm  Höhe. 

Reuss  gibt  eine  gute  Schilderung  unserer  Art,  leider  aber  mangelhafte 
Abbildungen.  Mir  erscheint  die  Übereinstimmung  mit  der  von  Müller,  Böhm 
und  Holzapfel  aus  der  Aachener  Kreide  als  Venus  numismalis , Lucina  tenuis 
und  I^ucina  subnummismalis  bczeichneten  Arten  außer  Zweifel.  Beschreibung 


254 


Abh.  preuß.  g|&ol.  L.-A.,  Neue  Folge,  lieft  159 


und  Abbildung  der  Aachener  Stücke  stimmen  mit  den  unseren  vollständig 
überein,  so  daß  ich  trotz  der  fehlenden  Kenntnis  des  Schlosses  bei  letzteren 
diese  ohne  Bedenken  hierzu  stelle.  Nach  der  Priorität  gebührt  der  Bezeichnung 
von  Reuss  der  Vorrang.  Die  von  Fmc  aus  den  Pricsener  Schichten  auf- 
geführten Exemplare  sind  nach  Vergleich  im  Museum  zu  Prag  von  den 
unseren  nicht  verschieden.  Die  Abbildung  von  Fmc  ist  etwas  mangelhaft, 
jedoch  bestätigte  der  Vergleich  des  Originalstückes  die  volle  Übereinstimmung. 
In  Priesen  und  Böhm.  Kamnitz  habe  ich  selbst  Stücke  gesammelt.  Auch 
besitze  ich  einige  von  Kieslingswalde. 

Vorkommen: 

Oberturon  aß:  Plissen  2,  Hochwald  1,  Zeichen  2 (Seifert); 

Oberturon  y:  Böhm.  Kamnitz  2,  3,  Kreibitz  3,  Limbach,  Waldeck; 

Emscher:  E.-St.  Tannendorf  1,  Oberkreibitzer  Talsperre  5,  9,  Kreibitz 

1,  6,  7,  12,  23,  24,  26,  Böhm.  Zwickau  5,  Markersdorf  3, 
E.-St.  Neuhütte  3,  Jägerdörfel  1,  Priesen,  Jicin  4 (Soukup), 
Kieslingswalde,  Gehnsdorf  Lüw.  2 (Geol.  Landesmus.). 
Außerdem  im  Untersenon  von  Aachen. 

Lucina  aqttensis  Holzapfel 
Taf.  12,  Fig.  8,  9 a,  b 

1889  Lucina  aquensis  Holzapfel,  2,  S.  188,  Taf.  19,  Fig.  4. 

Die  Muschel  unterscheidet  sich  von  Lucina  lamellosa  durch  einen  mehr 
kreisförmigen  Umriß,  eine  gleichmäßigere  etwas  höhere  Wölbung  und  durch 
eng  stehende  konzentrische  Linien.  Bei  Lucina  lamellosa  sind  hingegen  die 
Zwischenräume  zwischen  den  konzentrischen  Linien  bedeutend  größer  als 
die  Linien. 

Es  liegen  nur  ein  paar  Stücke  vor,  die  mit  annähernder  Sicherheit  zu 
dieser  Art  gestellt  werden  können. 

Vorkommen: 

Emscher:  E.-St.  Tannendorf  1,  Daubitz  1. 

Außerdem  im  Untersenon  von  Aachen. 

Car  diidao  Lau. 

Granocardium  Gabb 
Granocardium  productum  Sovv.  sp. 

Taf.  12,  Fig.  10,  11 

1832  Cardium  productum  Sowerby,  3,  S.  417,  Taf.  39,  Fig.  15. 

1834 — 40  Cardium  tubulijerum  Goldfuss,  2,  S.  221,  Taf.  144,  Fig.  7. 

1846  Cardium  alternans  Reuss,  2,  S.  1,  Taf.  35,  Fig.  15,  16. 

1846  Cardium  intermedium  Reuss,  2,  S.  1,  Taf.  40,  Fig.  13. 

1865  Cardium  productum  Zittel,  1,  S.  37,  Taf.  6,  Fig.  1 a — f. 

1871  Cardium  productum  Stoliczka,  3,  S.  217,  Taf.  11,  Fig.  15,  16. 

1872  Cardium  alternans  Geinitz,  1,  S.  230,  Taf.  50,  Fig.  10. 

1875  Cardium  tubuliferum  Geinitz,  2,  S.  65. 

1875  Cardium  tubuliferum  Brauns,  S.  371. 


Paläontologiseher  Teil 


255 


1883  Cardium  produclum  FiuC,  S.  98. 

1885  Criocardium  tubuliferum  J.  Böhm,  S.  118. 

1888  Cardium  produclum  G.  Müller,  S.  425. 

1889  Granocardium  produclum  Holzapfel,  2,  S.  179,  Taf.  17,  Fi g.  1 — 5. 

1897  Granocardium  produclum  FriC,  S.  50,  Abb.  52. 

1898  Granocardium  produclum  G.  Müller,  S.  03,  Taf.  9,  Fig.  13,  14. 

1901  Granocardium  produclum  Sturm,  S.  78. 

1909  Cardium  allernans  Wanderer,  S.  42,  Taf.  7,  Fig.  14. 

1909  Granocardium  produclum  Rogala,  S.  700. 

1912 — 13  Granocardium  produclum  Scupin,  S.  168,  Abb.  25. 

Die  gleichklappige  hochgewölbte  Muschel  besitzt  einen  hochovalen  Um- 
riß. Die  schöngerundete  Form  wird  nur  durch  die  etwas  abgestutzte  Hinter- 
seite unterbrochen,  die  an  den  Oberrand  in  einem  gerundeten  rechten  bis 
stumpfen  Winkel  anschließt.  Die  Steinkerne  sind  wenig  ungleichseitig,  der 
hohe  spitze  nach  innen  eingebogene  Wirbel  ragt  über  den  Schloßrand  empor. 
Über  den  komplizierten  Bau  der  dicken  Schale  hat  sich  Holzapfel  auf  Grund 
der  Aachener  Stücke  eingehend  geäußert.  Unsere  Steinkerne  bestätigen  seine 
Untersuchungen  und  zeigen  die  mit  gekörnten  Rippen  versehene  Oberfläche, 
das  längs  des  Unterrandes  hinziehende  glatte  Band,  an  besseren  Skulpturstein- 
kernen eine  spitzere  stachelähnliche  Körnelung  und  schließlich  an  Hohl- 
abdrücken den  Wechsel  von  je  einer  Reihe  grober  und  feiner  Stacheln 
(Taf.  12,  Fig.  11).  Der  gekerbte  Schalenrand  hat  auf  den  Steinkernen  eben- 
falls deutliche  Eindrücke  hinterlassen.  Das  Schloß  ist  nicht  vollständig  zu 
erkennen;  nur  die  Abdrücke  eines  starken  Hauptzahnes  und  des  vorderen 
und  hinteren  Seitenzahnes  sind  deutlich  sichtbar.  Die  großen  Muskeleindrücke 
treten  auf  den  Steinkernen  scharf  hervor. 


Maße: 

1 

2 

3 

4 

5 

6 

7 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

Länge: 

31 

42 

42 

31 

29 

20 

31 

Höhe: 

32 

44 

46 

35 

33 

23 

36 

Länge  : Höhe 
= 100: 

103 

105 

109 

113 

114 

115 

116 

Maße: 

8 

9 

10 

11 

12 

13 

14 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

Länge: 

39 

41 

24 

27 

30 

18 

38 

Höhe: 

48 

51 

30 

34 

38 

23 

50 

Lange  : Höhe 
= 100: 

123 

124 

125 

126 

127 

128 

132 

Fundort: 

: E E.-St. 

Tannendorf  1. 

Das  je 

nach  dem 

Erhaltungszustände 

veränderte 

Äußere  der 

Form  hat 

unserer  Art  verschiedene  Bezeichnungen  gebracht,  wie  productum,  tabuli - 
ferum,  alternans  u.  a.  Hierbei  ist  natürlich  auch  öfters  das  Verhältnis  zu 
den  von  anderen  Autoren  beschriebenen  ähnlichen  Stücken  unrichtig  gedeutet 
worden.  Holzapfel  hat  sich  bemüht,  vieles  richtigzustellen.  Hier  soll  nur 
vorzugsweise  auf  die  Funde  in  Deutschland  und  den  angrenzenden  Gebieten 
eingegangen  werden.  Das  Original  von  Sowerby  stammt  aus  der  Gosau. 
Zittel  hat  die  Gosauexemplare  eingehend  behandelt.  Der  Erhaltungszustand 
dieser  Stücke  läßt  die  Radialrippen  mit  dachziegelförmigen  Schuppen  verziert 


256 


Abh.  preuß.  geol.  L.-A.,  Neue  Folge,  Heft  159 


erscheinen.  Goldeuss  halt  auf  Grund  von  Aachener  und  Ouedlinburger 
Material  die  Körner  auf  den  Rippen  für  eine  Ausfüllung  der  hohlen  Stacheln. 
Die  von  Reuss  aus  dem  böhmischen  Cenoman  als  Cardium  alternans  bezeich- 
nten und  nach  Vergleich  im  Museum  zu  Prag  hierher  zu  stellenden  Stücke 
werden  als  abwechselnd  mit  einer  mit  Stacheln  besetzten  und  mit  einer 
bekörnten  Rippe  versehen  geschildert.  Scupin  bezweifelt  die  Zugehörigkeit 
des  Cardium  alternans  zu  unserer  Art,  da  nach  Reuss  die  Stacheln  auf  den 
Rippen  stehen  sollen.  Dies  ist  jedoch  ebenfalls  ein  durch  die  mangelhafte 
Erhaltung  entstandener  Irrtum,  der  bei  Betrachtung  der  beiden  Abbildungen, 
eines  glatten  Steinkernes  und  eines  durchlöcherten  Hohlabdruckes,  ohne 
weiteres  begreiflich  ist.  Auch  Cardium  inlermedium , das  nach  Reuss  mit 
Wechselreihen  von  gröberen  und  feineren  gekörnten  Rippen  versehen  sein 
soll,  ist  wohl  nur  als  ein  besonderer  Erhaltungszustand  unserer  Art  auf- 
zufassen. Geinitz  führt  unsere  Art  mit  kurzer  Beschreibung  von  Schöna 
im  Elbsandsteingebirge,  unserem  Fundort  E.-St.  Tannendorf  und  von  Herms- 
dorf bei  Deutsch  Gabel  in  Böhmen  auf.  Die  von  ihm  auf  derselben  Seite 
unter  Cardium  alutaceum  von  Kreibitz  aufgeführten  Stücke  können  auch  nur 
hierher  gehören.  Bei  Brauns  gehört  Cardium  tubuliferum  vom  Salzberge 
sicher  unserer  Art  an;  während  das  auf  derselben  Seite  geschilderte  Cardium 
productum  ein  sehr  unsicheres  Bild  bietet.  J.  Böiim  und  Holzapfel  be- 
handeln die  Stücke  aus  der  Aachener  Kreide.  Stücke  vom  Lusberg  bei 
Aachen  konnten  im  Museum  zu  Dresden  verglichen  werden.  Böhm  trennt 
Cardium  productum  von  Cardium  tubuliferum  infolge  des  Fehlens  der  Dornen 
bei  der  ersten  Art.  Holzapfel  hingegen  vereinigt  beide,  indem  er  an  einem 
ihm  vorliegenden  Stück  der  Gosau,  dem  Fundort  des  Originales  zu  Cardium 
productum , ebenfalls  Dornen  feststellen  kann.  Im  Museum  zu  Prag  habe  ich 
die  Art  vorgefunden  aus  den  Kofizaner,  Malnitzer,  Iser-  und  Chlomcker 
Schichten,  aus  den  letzteren  von  Kreibitz,  E.-St.  Tannendorf  und  Chlomek. 
Außerdem  wird  die  Art  durch  Fuic  und  Sturm  von  Kieslings walde  aufgeführt. 
An  diesem  Platze  scheint  sie  aber  selten  zu  sein.  G.  Müller  nennt  die  Art 
aus  der  Kreide  des  Harzrandes,  Geinitz  und  Wanderer  aus  dem  Cenoman 
von  Plauen  bei  Dresden,  Rogala  aus  dem  Senon  von  Lemberg  und  Scupin 
aus  den  Neuwarthauer  Schichten00),  wobei  er  eingehend  die  Zeichnung  der 
Oberfläche  seiner  Steinkerne  schildert,  die  auch  bei  den  von  Kreibitz — E.-St. 
Tannendorf  mehr  oder  weniger  den  gleichen  Charakter  besitzt.  Schließlich 
sei  noch  erwähnt,  daß  Stoliczka  Stücke  aus  der  indischen  Kreide  für 
identisch  mit  unserer  Art  hält. 

Vorkommen: 

Mittelturon:  Hermsdorf  Löw.  2 (Geol.  Landesmus.); 

Emscher:  E.-St.  Tannendorf  1,  Kreibitz  1,  20,  24,  26,  27,  Falkenau  4, 

Kunnersdorf  2 (Prinz),  E.-St.  Neuhütte  2,  Böhm.  Kamnitz  2, 
12  (Prinz),  Markersdorf  3,  Kleinmergthal  2,  Jägerdörfel  1, 
Oberkreibitzer  Talsperre  3,  7,  Hermsdorf  4,  Großgrünau,  Neu- 
warthau  Löw.  2 (Geol.  Landesmus.,  Realgymn.  Löwenberg), 
3 (Geol.  Landesmus.),  Großhartmannsdorf  Löw.  (Geol.  Landes- 
mus.), Hohlstein  Löw.  (Geol.  Landesmus.),  Kieslingswalde. 

Die  Verbreitung  der  Art  reicht,  wie  oben  geschildert,  vom  Cenoman  bis 
ins  Senon. 

60)  Maierial  aus  der  Sammlung  des  Ueolcgischeo  Landesmasenms  liegt  zum  Vergleii-he  vor. 


257 


Paläontologi scher  Teil 

Granocardium  bey schlag i Scppik 
Taf.  12,  Fig.  12 

1912 — 13  Granocardium  beyschlagi  Scupin,  S.  170,  Taf.  7,  Fig.  12. 

Einige  Steinkerne  und  Flohlabdrücke  stimmen  mit  der  von  Scupin  auf- 
gestellten Art  sehr  gut  überein.  Sie  besitzen  einen  hochovalen  Umriß  von 
etwa  19  mm  Länge  und  22  mm  Höhe,  sind  hoch  und  gleichmäßig  gewölbt 
und  wenig  ungleichseitig.  Der  spitze,  über  den  Schloßrand  ragende  Wirbel 
ist  nach  innen  eingebogen.  Der  Hohlabdruck  zeigt  Eindrücke  von  radialen 
Stachelreihen  und  zwar  von  abwechselnd  je  einer  Reihe  gröberer  und  einer 
Reihe  feinerer  Dornen. 

Unsere  Stücke  sind  im  Emscher  gefunden  worden,  die  Löwenberger  im 
Untersenon  und  Emscher.  Unter  dem  reichhaltigen  Material  an  Cardien  aus 
der  Löwenberger  Kreide  im  Geologischen  Landesmuseum  wird  diese  Art 
sicher  noch  mehr  als  unten  aufgeführt  vertreten  sein,  doch  läßt  sich  bei 
Steinkernen  eine  Bestimmung  dieser  noch  wenig  bekannten  Art  nicht 
durchführen. 

Vorkommen: 

Emscher:  E.-St.  Tannendorf  1,  E.-St.  Neuhütte  3,  4,  Jägerdörfel  1,  Berg- 

warthau  Löw.,  Giersdorf  Löw.  (Geol.  Landesmus.,  Realgymn. 
Löwenberg) ; 

Untersenon:  Sirgwitz  Löw.  (Geol.  Landesmus.). 

Granocardium  kossmati  n.  sp. 

Taf.  12,  Fig.  13  a,  b,  14  a,  b 

Der  Umriß  dieser  Art  ist  abgerundet  rhombisch.  Die  Hinterseite  ist 
schwach  abgestutzt.  Vorder-  und  Unterrand  bilden  einen  kreisförmigen 
Bogen.  Unter-  und  Hinterrand  stoßen  in  einem  gerundeten  spitzen,  Hinter- 
und Oberrand  in  einem  gerundeten  stumpfen  Winkel  aneinander.  Der  flach 
konvex  gebogene  Schloßrand  ist  mit  dem  Vorderrande  ebenfalls  in  einem 
stumpfen  Winkel  verbunden.  Die  gewölbte  Muschel  ist  ungleichseitig;  hinter 
einer  vom  Wirbel  zur  unteren  hinteren  Ecke  verlaufenden,  mehr  oder  weniger 
deutlichen  stumpfen  Kante  fällt  die  Muschel  steil  zum  Hinterrande  ab.  Die 
spitzen,  über  den  Schloßrand  hervorragenden  Wirbel  sind  nach  innen  ein- 
gebogen. Die  Steinkerne  sind  glatt  und  zeigen  nur  entlang  des  Randes  eine 
scharfe  Kerbung  und  zwar  bei  dem  größten  gemessenen  Exemplare  Nr.  3 
acht  bis  zehn  Kerben  auf  Vs  cm.  Die  vorhandenen  Hohlabdrücke  deuten  auf 
eine  ähnliche  Verzierung  der  Schalenoberfläche  wie  bei  Granocardium  pro- 
ductum.  Es  lassen  sich  die  Abdrücke  von  radialen  Dornenreihen  sehr  gut 
wahrnehmen  und  zwar  von  abwechselnd  je  einer  Reihe  gröberer  und  einer 
oder  zwei  Reihen  feinerer  Dornen.  Die  Dichte  der  Dornenreihen  entspricht 
etwa  der  Zahl  der  Kerben  des  Steinkernrandes.  Gegen  den  Unterrand 
gemessen  stehen  in  einer  grobgedornten  Reihe  3—12  und  auf  die  gleiche 
Länge  in  einer  feingedornten  12  -15  Dornen  (Taf.  12,  Fig.  13  b).  Über  die  Art 
der  zwischen  den  Dornenreihen  vorhandenen  Rippen  ist  nichts  festzustellen. 
Vom  Schloßapparat  ist  nur  der  Abdruck  eines  vorderen  und  hinteren  Seiten- 
zahnes sichtbar. 


Ändert  17 


258 


Abh.  preuß.  gieol.  L.-A.,  Neue  Folge,  Heft  159 


Maße: 

1 

2 

3 

4 

5 

6 

7 

Lange: 

19  mm 

12,5  mm 

25  mm 

11  mm 

16  mm 

18  mm 

22  mm 

Höhe: 

Länge  : Höhe 

00 

12  „ 

24  „ 

11  « 

16  „ 

18  „ 

22  „ 

= 100: 

95 

96 

96 

100 

100 

100 

100 

Fundort: 

1)  E Falkenau  4,  2 — 7)  E E.-St.  Tannendorf  1. 

Unsere  Art  führt  Fmc  in  seiner  Studie  über  die  Chlomeker  Schichten 
(S.  52)  als  Cardium  alutaceum  Müistst.  auf,  wie  aus  den  Bezeichnungen 
der  im  Museum  zu  Prag  vorhandenen,  hierher  gehörigen  Stücke  ersehen 
werden  konnte.  Granocardium  bepschlagi ül)  ist  in  der  Skulptur,  wie  Iiohl- 
abgüsse  Von  Bruchstücken  im  Geologischen  Landesmuseum  zeigen,  unserer 
Art  ähnlich;  jedoch  ist  nach  Scupin,  besonders  nach  der  Abbildung,  deren 
Original  im  Landesmuseum  nicht  aufzufinden  war,  der  Umriß  hoch  und  spitz, 
die  Form  fast  gleichseitig,  so  daß  ich  eine  Trennung  von  den  hier  vorliegenden, 
ausgesprochen  schiefen  Stücken  für  notwendig  halte.  Bei  Bergwarthau  Low. 
habe  ich  neben  charakteristischen  Stücken  des  Granocardium  bevschlagi  auch 
schiefe  Formen  des  Granocardium  hossmati  gesammelt.  Von  Granocardium 
produclum  unterscheidet  sich  unsere  Art  gut  durch  die  bei  der  geringen  Größe 
der  Stücke  breitere  Form,  an  der  niemals  die  Breite  bzw.  Länge  von  der 
Höhe  übertroffen  wird,  während  Granoclßrdium  productum  ohne  Unterschied, 
ob  groß  oder  klein,  im  Umriß  hoher  als  breit  ist.  Cardium  alutaceum  bei 
Frech62),  ident  mit  Granocardium  marquarti  bei  Holzapfel63),  besitzt  eben- 
falls große  Ähnlichkeit,  jedoch  ist  die  Wölbung  unserer  Steinkerne  nicht 
als  schwach  und  gleichmäßig  zu  bezeichnen.  Zu  letztgenannter  Art  habe  ich 
einige  bedeutend  kleinere  Exemplare  gestellt. 

Ich  benenne  die  Art  zu  Ehren  des  Herrn  Geh.  Bergrat  Professor  Dr. 
F.  Kossmat  in  Leipzig. 

Vorkommen: 

Oberturon  a ß : Hochwald  1 ; 

Oberturon  y-  Kreibitz  3; 

Emscher:  E.-St.  Tannendorf  1 (20  Stück),  Kreibitz  1,  24,  26,  Falkenau  4, 

Oberkreibitzer  Talsperre  8,  9,  Tollenstein,  Bergwarthau  Löw. 
(Geol.  Landesmus.),  Großhartmannsdorf  Löw.  (Geol.  Landes- 
mus.). 

Granocardium  marquarti  J.  Müll.  sp. 

Taf.  12,  Fig.  15  a,  b,  16 

1847  Cardium  marquarti  J.  Müller,  1,  S.  22,  Taf.  1,  Fig.  10. 

1889  Granocardium  marquarti  Holzapfel,  2,  S.  182,  Taf.  18,  Fig.  1,  2. 

Ein  Dutzend  kleine,  gleichmäßig  gewölbte  Steinkerne  mit  teilweisen  Hohl- 
abdrücken stimmt  gut  mit  Granocardium  marquarti  überein.  Der  Umriß 
ist  kreisrund,  der  kleine  mittelständige  Wirbel  ist  nach  innen  eingebogen. 
Die  Hohlabdrücke  zeigen  als  Verzierung  der  Schalenoberfläche  schwache 

61)  BCUPIN  1012—18,  9.  170,  Taf.  7,  Fig.  12. 

62)  FRFX1I  1887,  B.  162,  Taf.  12,  Fig.  16 

63)  Holzapfel  1880,  2,  S.  182,  Taf.  18,  Fig.  l,  2. 


Paläontologischer  Teil 


259 


Radialrippen,  die  mit  je  einer  Reihe  gleichmäßiger  feiner  Stacheln  ab- 
wechseln. Weitere  Feststellungen  sind  an  den  vorliegenden  Stücken  nicht 
möglich. 

Maßej^  1 2 

Länge:  7 mm  6 mm 

Höhe:  6,5  „ 6 „ 

Länge : Höhe  = 100:  93  100 

Fundort:  E E.-St.  Tannendorf  1. 

Die  bei  Holzapfel  einen  etwas  weiteren  Kreis  umfassenden  Literatur- 
angaben sind  unberücksichtigt  gelassen  worden,  da  die  darauf  bezogenen 
größeren  Formen  für  den  Vergleich  hier  nicht  in  Frage  kommen  können. 
Vorkommen: 

Emscher:  E.-St.  Tannendorf  1,  Kreibitz  7. 

Außerdem  im  Untersenon  von  Aachen. 

Cardium  Lin. 

Cardium  ottoi  Gein. 

Taf.  12,  Fig.  17,  18  a,  1> 

1843  Cardium  ottonis  Geimtz,  4,  S.  14,  Taf.  1,  Fig.  31  u.  32. 
non  1863  Cardium  ottoi  Drescher,  S.  347,  Taf.  9,  Fig.  15. 

1865  Cardium  otloi  Zittel,  1,  S.  40,  Taf.  6,  Fig.  4 a — d. 

1891  Cardium  ottonis  Langeniian  & Grundey,  Taf.  3,  Fig.  13  u.  15,  (?14). 

1891  Cardium  dubium  Langeniian  & Grundey,  Taf.  3,  Fig.  12. 

1897  Cardium  otloi  Fric,  S.  cO,  Abb.  53,  1 — 3,  A. 

1901  Cardium  ottonis  Sturm,  S.  77,  Taf.  6,  Fig.  8,  8 a,  8 b,  8 c. 

? 1912 — 13  Cardium  cf.  ottonis  Scupin,  S.  168. 

Die  gerundete,  gewöhnlich  etwas  hochovale  Muschel  mit  abgestutzter 
Hinterseite  ist  im  Kreibitzer  Gebiet  weit  verbreitet.  Schalenexemplare  sind 
nicht  vorhanden;  die  Steinkerne  lassen  die  Feinheiten  der  Unterscheidungs- 
merkmale nicht  erkennen,  und  nur  mit  Hilfe  von  Hohlabdrücken  ist  eine 
Bestimmung  möglich.  Die  unverdrückten  Steinkerne  sind  hochgewölbt;  von 
dem  kleinen  spitzen,  etwa  mittelständigen  Wirbel  verläuft  zur  unteren 
hinteren  Ecke  eine  gerundete  Kante,  hinter  der  die  hintere  Partie  steil  zum 
Hinterrande  abfällt.  Die  Oberfläche  der  Schale  ist  mit  etwa  32  radialen 
gerundeten  Rippen  verziert,  die  durch  schmälere  Zwischenräume  voneinander 
getrennt  sind  (Taf.  12,  Fig.  18  b).  Über  die  Rippen  laufen  konzentrische, 
eng  aneinander  gereihte  schwache  Anwachsstreifen.  Die  Rippen  haben  dadurch 
ein  schuppenförmiges  Aussehen  erhalten.  Die  Anwachsstreifen  sind  nur  in 
ganz  guter.  Hohlabdrücken  zu  erkennen.  Ein  einziger  Hohlabdruck  aus  450  m 
Höhe  unterm  Pickclstein  zeigt  die  konzentrischen  Anwachsstreifen  kräftiger 
als  gewöhnlich,  ähnlich  wie  bei  Cardium  pectiniforme  J.  Müller.  Steinkerne 
sind  glatt;  auf  den  Skulptursteinkernen  erscheinen  die  Zwischenräume  oft 
breiter  als  die  Rippen.  Das  je  nach  dem  Erhaltungszustände  der  Schale  sehr 
verschiedenartige  Aussehen  der  Oberfläche  ist  von  Fric  und  Sturm  an 
Kieslingswalder  Stücken  bereits  genügend  geschildert  worden.  Unser  Material 
eignet  sich  zu  diesen  Beobachtungen  nicht.  Auch  das  Schloß  ist  an  den 
Kreibitzer  Stücken  nicht  erkennbar.  Nach  Fric  sind  zwei  Hauptzähne  und 
auf  jeder  Seite  ein  Seitenzahn  vorhanden. 


17* 


260 


Abh.  preuß.  gieol.  L.-A.,  Neue  Folge,  Heft  159 


Zur  Feststellung  der  Maße  sollen  zwei  Reihen  aus  festem  quarzitischem 
Kalksandstein  in  verschiedener  Höhenlage  dienen.  Das  Verhältnis  von  Länge 
zu  Höhe  schwankt  ziemlich  bedeutend,  von  gleicher  Länge  und  Höhe  bis  zum 
Verhältnis  100:  137.  Bei  der  geringen  Größe  der  Stücke  fallen  diese  Ab- 
weichungen jedoch  nicht  allzu  sehr  ins  Auge. 


Maße: 

1 

2 

3 

4 

5 

6 

7 

8 

9 

10 

11 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

Länge : 

8 

9,5 

10 

7 

7,5 

12,5 

12 

8,5 

9 

6,5 

10 

Höhe: 

11 

13 

13 

9 

9,5 

15,5 

14,5 

10 

10,5 

7,5 

11,5 

Länge : Höhe 

= 100: 

137 

137 

130 

128 

127 

124 

.121 

118 

117 

115 

115 

Maße : 

12 

13 

14 

15 

16 

17 

18 

19 

20 

21 

22 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

Lange : 

10 

11 

12 

6,5 

12,5 

12 

11,5 

11 

9 

7 

5 

Höhe: 

11 

12 

13 

7 

13,5 

12 

11,5 

11 

9 

7 

5 

Länge  : Hohe 

= 100: 

110 

109 

109 

108  ' 

108 

100 

100 

100 

100 

100 

100 

Fundort: 

E E, 

■St.  Tannendorf  1. 

Maße: 

23 

24 

25 

26 

27 

28 

29 

30 

31 

32 

33 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

Länge: 

6 

8,5 

5,5 

8 

8,5 

6,5 

5 

5,5 

6 

9 

4 

Höhe: 

8 

11 

7 

10 

10,5 

8 

6 

6,5 

7 

11 

4,5 

Lange  : Höhe 

= 100: 

133 

129 

127 

125 

124 

123 

120 

118 

117 

117 

112 

Maße: 

34 

35 

36 

37 

38 

39 

40 

41 

42 

43 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

Länge: 

4,5 

5 

5,5 

7,5 

13 

10 

6,5 

5 

4,5 

3,5 

Höhe: 

5 

5,5 

6 

8 

13 

10 

6,5 

5 

4,5 

3,5 

Länge  : Hohe 

= 100: 

111 

110 

109 

107 

100 

100 

100 

100 

100 

100 

Fundort:  E Kreibitz  6. 


Unsere  Art  wird  von  Geinitz  aus  Kieslingswalde  aufgeführt.  Sturm 
hat  ihr  Verhältnis  zu  Cardium  pectiniforme  J.  Müller  und  Cardium  becksii 
J.  Müller,  das  besonders  durch  Holzapfel  G4)  falsch  gedeutet  worden  war, 
richtiggestellt.  Im  allgemeinen  haben  auch  meine  Untersuchungen  dasselbe 
Ergebnis  gezeigt.  Es  sind  somit  drei  Formen  zu  unterscheiden: 

Cardium  ottoi  Geinitz.  Rippen  gerundet,  breiter  als  die  Zwischenräume,  über- 
zogen von  engen,  im  allgemeinen  schwach  sichtbaren  konzentrischen 
Anwachsstreifen  (Abbildung  Sturm  Taf.  6,  Fig.  8;  Fric  Abb.  53, 
Fig.  -1—3,  A.),  aus  dem  Emscher  von  Kieslingswalde,  Chlomek  und 
Kreibitz,  von  Löwenberg  und  Quedlinburg  (?),  aus  der  Zone  des 
Inoceramus  schloenhachi  von  Kreibitz. 

Cardium  pectiniforme  J.  Müller.  Rippen  gerundet,  breiter  als  die  Zwischen- 
räume, überzogen  von  kräftigen  konzentrischen  Anwachsrippchen 
(Abb.  Holzapfel  2,  Taf.  17,  Fig.  6),  aus  dem  Untersenon  von  Aachen, 
Suderode  und  Löwenberg. 

64)  Cardium  'pectiniforme  HOLZAPFEL  1889,  2,  8.  186,  Taf.  17,  Fig.  6. 


Paläontologischer  Teil 


261 


Cardium  becksii  J.  Müller.  Rippen  scharf  und  glatt,  schmäler  als  die 
Zwischenräume  (Abb.  Holzapfel  2,  Taf.  18,  Fig.  5—10),  aus  dem 
Untersenon  von  Aachen. 

Lange nh an  & Grundey  führen  unsere  Art  ebenfalls  von  Kieslingswalde 
auf,  sowie  eine  etwas  schmale  Form  unter  der  Bezeichnung  Cardium  dubium. 
Das  von  ihnen  Taf.  3,  Fig.  14  ebenfalls  als  Cardium  ottoi  dargestellte  Exem- 
plar scheint  jedoch  bei  seiner  Größe  etwas  anderes,  vielleicht  eine  Lima 
zu  sein. 

Cardium  ottoi  Drescher  gehört,  wie  gute  Abgüsse  im  Geologischen 
Landesmuseum  zeigen,  zu  Cardium  pectiniforme.  Jedoch  können  die  beiden 
von  S cupin  aus  dem  Oberquader  von  Gehnsdorf  erwähnten,  als  Cardium  cf. 
ottonis  bezeichneten  Exemplare,  die  im  Originale  vorliegen,  sowie  einige  von 
mir  bei  Gehnsdorf  und  Bergwarthau  gesammelte  Stücke  als  Cardium  ottoi 
angesprochen  werden.  Zittel  bestätigt  nach  Vergleich  mit  Kieslingswalder 
Stücken  das  Vorkommen  unserer  Art  auch  in  der  Gosau.  Die  von  mir  am 
Salzberge  bei  Quedlinburg  gesammelten  Stücke  sehen  Cardium  ottoi  sehr 
ähnlich,  doch  ist  es  leider  nicht  möglich,  auf  Grund  von  Steinkernen  allein 
hier  eine  sichere  Bestimmung  vorzunehmen. 

Vorkommen: 

Oberturon  y:  Kreibitz  3,  4,  7; 

Emscher:  E.-St.  Tannendorf  1,  2,  3,  4,  Kreibitz  1,  4,  6,  7,  8,  9,  12,  19, 

23,  24,  26,  2.8,  Oberkreibitzer  Talsperre  5,  9,  Daubitz  1,  3,  5, 
Falkenau  4,  Tollenstein,  Böhm.  Kamnitz  3 (Prinz),  6,  9,  E.-St. 
Neuhütte  3,  4,  5,  Jägerdörfel  1,  2,  Tannenberg  2,  3,  Böhm. 
Zwickau  5,  Chlomek  (Mus.  Prag),  Jicin  4 (Soukup),  Hermsdorf 
Löw.  (Geol.  Landesmus.),  Gehnsdorf  Löw.  1,  2 (Geol.  Landes- 
mus.), Bergwarthau  Löw.,  Kieslingswalde; 

Untersenon:  Sirgwitz  Löw.  (Geol.  Landesmus.)  (?). 

Cardium  nöggerathi  J.  Müll. 

Taf.  12,  Fig.  19  a u.  b 

1851  Cardium  nöggerathi  J.  Müller,  2,  S.  65,  Taf.  8,  Fig.  13. 

1859  Cardium  bredai  J.  Müller,  Suppl.,  S.  12,  Taf.  7,  Fig.  16. 

1885  Cardium  nöggerathi  J.  BöiIM,  S,.  116. 

1887  Cardium  nöggerathi  Frech,  S.  163. 

1889  Cardium  nöggerathi  Holzapfel,  2,  S.  183,  Taf.  18,  Fig.  3,  4. 

1098  Cardium  nöggerathi  G.  Müller,  S.  61,  Taf.  9,  Fig.  5 — 7. 

Einige  Steinkerne  mit  radialen  Rippen  zeigen  im  Hohlabdruck  keine 
Stacheleindrücke  und  gleichen  dem  Cardium  nöggerathi  Müll.  Sie  sind 
hochoval  im  Umriß,  hochgewölbt  und  ungleichseitig.  Der  spitze,  nach  innen 
eingebogene  Wirbel  ragt  über  den  Schloßrand  hinweg.  Die  beiderseitigen 
Seitenzähne  haben  auf  den  Steinkernen  scharfe  Eindrücke  hinterlassen.  Auch 
die  Muskeleindrücke  treten  deutlich  hervor. 

Maße:  12  3 4 

Länge:  17  mm  12  mm  11mm  11mm 

Höhe:  19  „ 14  „ 12,5  „ 12  „ 

Länge:  Höhe  = 100:  112  116  112  109 

Fundort: 

1)  E Kreibitz  6,  die  übrigen  Stücke  E E.-St.  Tannendorf  1. 


262 


Abh.  preuß.  gieol.  L.-A.,  Neue  Folge,  Heft  159 


Die  vorliegenden  Steinkerne,  obwohl  im  Durchschnitt  etwas  kleiner  als 
die  von  Aachen  und  Braunschweig  abgebildeten  Stücke,  zeigen  sonst  keine 
Abweichungen  von  diesen.  Cardium  alutaceum  bei  Geinitz  65),  das  von  Holz- 
apfel und  G.  Müller  als  nahe  verwandt  mit  Cardium  nöggerathi  bezeichnet 
wird,  ist  nur  auf  Steinkerne  begründet,  die  mit  ihren  gekörnten  Linien  an 
eine  bestachelte  Form  wie  Granocardium  productum  erinnern. 
Vorkommen: 

Oberturon  y:  Kreibitz  4; 

Emscher':  E.-St.  Tannendorf  1,  Kreibitz  6,  Oberkreibitzer  Talsperre  9. 

Außerdem  im  Untersenon  von  Aachen,  Suderode  und  Braunschweig. 

Cardium  semipapillatum  Reuss 
Taf.  12,  Fig.  20 

1846  Cardium  semipapillalum  Reuss,  2,  S.  1,  Taf.  40,  Fig.  12. 

1889  Cardium  semipapillalum  FniC,  S.  77,  Abb.  59. 

1893  Cardium  semipapillalum  FriC,  S.  91. 

Die  kleine,  fast  kreisförmige  Muschel  ist  anscheinend  hochgewölbt.  Der 

hintere  Teil  ist  zusammengedrückt.  Die  kurzen  dicken  Wirbel  stehen  in  der 
Mitte.  Die  Muschel  ist  mit  scharfen  konzentrischen  Furchen,  die  durch  breitere 
Zwischenräume  getrennt  sind,  verziert.  Diese  werden  gekreuzt  von  feinen 
engen  radialen  Linien  und  auf  dem  hinteren  Teile  der  Schale  durch  ungefähr 
25  kräftigere  radiale  Rippen,  die  von  entferntstehenden  Knötchen  bedeckt 
sind.  Der  untere  Schalenrand  ist  fein  gekerbt.  Infolge  der  außerordentlich 
feinen  Skulptur  ist  die  Muschel  in  gröberem  Material  kaum  zu  bestimmen. 

Vorkommen: 

Oberturon  y:  Priesen  (Mus.  Prag),  Großrackwitz  Löw.  2,  3 (beide  Geol. 

Landesmus.) ; 

Emscher : Priesen. 

Außerdem  im  Mittelturon  von  Kystra  in  Böhmen. 


1813 

1834—40 

1840 

1843 

1344 

1846 

1849—50 

1863 

1865 

1870 

1872 

1877 

1883 


Protocardia  Rkyr. 

Protocardia  hillana  Sow.  sp. 

Taf.  12,  Fig.  21,  22;  Abi*.  33,  34 

Cardium  hillanum  J.  Sowerby,  1,  S.  41  (28),  Taf.  14  (obere  Abb.). 
Cardium  hillanum  Goldfuss,  2,  S.  220,  Taf.  144,  Fig.  4 a,  b. 
Cardium  hillanum  Geinitz,  2,  S.  53i. 

Cardium  hillanum  Geinitz,  4,  S.  13,  Taf.  2,  Fig.  10,  11. 

Cardium  hillanum  d’Orbigny,  3,  S.  27,  Taf.  243. 

Protocardia  hillana  Reuss,  2,  S.  22,  Taf.  45,  Fig.  2. 

Protocardia  hillana  Geinitz,  S.  154. 

Protocardia  hillana  Drescher,  S.  346. 

Protocardia  hillana  Zittel,  1,  S.  42  (146),  Taf.  7,  Fig.  1,  2. 
Protocardia  hillana  F.  Römer,  S.  334,  Taf.  26,  Fig.  3. 
Protocardium  hillanum  Geinitz,  1,  S.  230,  Taf.  50,  Fig.  11,  12. 
Protocardium  hillanum  FriC,  S.  112,  Abb.  64. 

Protocardium  hillanum  FriC,  S.  93. 


65)  Geinitz  1875,  2,  S.  65,  Taf.  18,  Fig.  6,  7. 


Paläontologischer  Teil 


263 


1891  Protocardia  hillana  Langenhan  & Grundey,  Taf.  3,  Fig.  11. 

1897  Protocardium  hillanum  Fric,  S.  52. 

1897  Protocardium  hillanum  Leonhard,  S.  28. 

1901  Protocardia  hillana  Sturm,  S.  79,  Taf.  7,  Fig.  2. 

1901  Protocardia  alta  Sturm,  S.  78,  Taf.  7,  Fig.  1. 

1904 — 13  Protocardia  hillana  Woods,  2,  S.  197,  Taf.  31,  Fig.  6 a — c;  Taf.  32, 
Fig.  1—6. 

1909  Protocardia  hillana  Wanderer,  S.  42,  Taf.  7,  Fig.  16. 

1912 — 13  Protocardium  hillanum  Scupin,  S.  172. 

1912 — 13  Protocardium  hillanum  var.  elongata  Scupin,  S.  172. 

Die  gewölbte  gleichklappige  Muschel  hat  im  Umriß  eine  rhombische 
Grundform.  Die  einzelnen  Stücke  zeigen  bedeutende  Abweichungen  von- 
einander. Von  den  stark  quer  verlängerten  Formen  führt  eine  ununter- 
brochene Reihe  über  solche  von  gleicher  Höhe  und  Länge  bis  zu  denen,  wo 
die  Höhe  die  Länge  übertrifft  (vgl.  Maße).  Eine  Trennung  ist  schwer  durch- 


Abb.  33.  Protocardia  hillana  Sow.  sp.,  rechte  Klappe,  Steinkern. 

Em scher,  E.-St.  Tannendorf  1.  Orig.  Geol.  Landesmus.  (A  No.  337). 

Abb.  34.  desgl.  (A  No.  338). 

führbar,  da  hohe  und  niedere  Formen  an  ein  und  derselben  Stelle  aufzutreten 
pflegen.  Am  ehesten  könnten  noch  die  Stücke  in  einer  Varietät  abgetrennt 
werden,  bei  denen  die  Länge  von  der  Höhe  übertroffen  wird  (Protocardia  alta 
bei  Sturm).  Der  gerundete  Vorderrand  geht  meistenteils  im  schönen  Bogen 
in  den  Ober-  und  Unterrand  über.  Je  nach  der  Form  des  Umrisses  ist  der 
Unterrand  flacher  oder  runder  gewölbt,  kürzer  oder  länger.  Der  abgestutzte 
Hinterrand  ist  mit  dem  Unterrande  in  einem  gerundeten  spitzen,  mit  dem 
Oberrande  in  einem  schärferen  stumpfen  Winkel  verbunden.  Manche  Exem- 
plare zeigen  hingegen  einen  vollkommen  ovalen  oder  fast  kreisrunden  Umriß. 
Der  nach  innen  gerichtete,  den  Schloßrand  überragende  Wirbel  liegt  etwa 
in  der  Mitte  der  Schale.  Trotzdem  erscheinen  infolge  des  schiefen  Umrisses 
die  Steinkerne  mehr  oder  weniger  ungleichseitig.  Einige  Skulptursteinkerne 
und  Hohlabdrücke  lassen  die  Schalenverzierung  gut  erkennen  (Taf.  12, 
Fig.  21,  22).  Mit  Ausnahme  der  Hinterseite  laufen  über  die  Oberfläche 
gleichmäßige  konzentrische  Streifen,  die  durch  schmale  scharfe  Furchen  von- 


264 


Abh.  preuß.  gjeol.  L.-A.,  Neue  Folge,  Heft  159 


einander  getrennt  sind.  Bei  ausgewachsenen  Exemplaren  beträgt  in  3 cm 
Entfernung  vom  Wirbel  auf  der  Mitte  der  Steinkerne  ihre  Zahl  auf  1 cm 
17—20.  Die  steiler  abfallende  Hinterseite  ist  mit  etwa  13  kräftigen  radialen 
Rippen  verziert,  die  durch  ebenso  breite  Zwischenräume  voneinander  getrennt 
sind,  und  über  die  deutliche  feine  Anwachslinien  schlängeln.  Zuweilen  sind 
einige  dieser  Rippen  gegen  das  untere  Ende  durch  eine  schmale  Furche 
geteilt.  Wirkliche  Steinkerne  sind  glatt  und  zeigen  nur  am  Hinterrande  die 
Kerbung  der  einmündenden  Radialrippen  sowie  den  vorderen  und  hinteren 
Muskeleindruck  sehr  deutlich  (Abb.  33).  Das  Schloß  ist  an  unseren 
Exemplaren  mit  Ausnahme  der  beiderseitigen  kräftigen  Seitenzähne  und  deren 
Gruben  nicht  zu  erkennen. 


Maße : 

1 

2 

3 

4 

5 

6 

7 

8 

9 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

Länge: 

52 

57 

51 

59 

36 

42 

41 

29 

44 

Höhe: 

40 

44 

41 

49 

30 

35 

35 

25 

38 

Länge  : Höhe  = 100 : 

77 

77 

80 

83 

83 

84 

85 

86 

86 

Maße: 

10 

11 

12 

13 

14 

15 

16 

17 

18 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

Länge: 

48 

34 

32 

38 

30 

49 

23 

17 

37 

Höhe: 

42 

30 

28 

34 

27 

44 

21 

15,5 

34 

Länge  : Hohe  = 100: 

87 

88 

88 

89 

90 

90 

91 

91 

92 

Maße: 

19 

20 

21 

22 

23 

24 

25 

26 

27 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

Länge: 

15 

39 

25 

32 

44 

22 

29 

48 

25 

Höhe: 

14 

37 

24 

31 

43 

22 

29 

49 

26 

Länge  : Höhe  — 100: 

93 

93 

96 

97 

98 

100 

100 

102 

104 

Maße: 

28 

29 

30 

31 

32 

33 

34 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

Länge : 

45 

18 

44 

47 

47 

27 

40 

Hohe: 

47 

19 

47 

51 

52 

30 

46 

Länge  : Höhe  = 100: 

104 

106 

107 

108 

110 

111 

115 

Fundort:  E E.-St.  Tannendorf  1. 


Am  häufigsten  sind  die  längeren  Formen,  während  die  höheren  seltener 
Vorkommen.  Trotzdem  die  Art  weit  verbreitet  ist,  hat  sie  bei  ihrer  leicht 
kenntlichen  Zeichnung  und  charakteristischen  Form  nur  wenig  verschiedene 
Deutungen  erfahren.  Woods  hat  sie  sehr  eingehend  geschildert  und  auch  fast 
die  gesamte  Literatur  hierüber  zusammengestellt.  Da  ein  Vergleich  mit  weit 
entfernten  Gebieten  ohne  vorliegendes  Vergleichsmaterial  oder  sehr  gute  Ab- 
bildungen stets  unsicher  bleibt,  sind  hier  nur  in  erster  Linie  die  deutschen 
und  die  Funde  aus  benachbarten  Gebieten  berücksichtigt  worden.  Nach  den 
Maßen  bei  Woods  sind  in  der  englischen  Kreide  keine  Stücke  vorhanden, 
an  denen  die  Höhe  die  Länge  übertrifft.  Auf  S.  199  unter:  Description, 
Zeile  3:„a  little  higher  than  long“  scheint  infolgedessen  eine  Unkorrektheit 
vorzuliegen,  wenn  auch  das  von  d’Oubigny  aus  der  französischen  Kreide 
abgebildete  Exemplar,  das  ein  Verhältnis  von  Länge  100  : Höhe  106  zeigt, 
von  Woods  nicht  abgetrennt  wird.  GoLDruss  führt  unsere  Art  hur  aus  Böhmen 


Paläontologischer  Teil 


265 


an.  Reuss  zählt  eine  Anzahl  Fundorte  aus  den  verschiedensten  Zonen  dieses 
Gebietes  auf,  ebenso  Fnic.  Die  Art  ist  häufig  in  den  dem  Cenoman  zugerech- 
neten Korizaner  Schichten,  dann  findet  sie  sich  im  Malnitzer  Grünsand,  in 
den  Launer  Knollen  und  in  den  Iserschichten  (Museum  Prag),  fehlt  in  den 
kalkigen  Teplitzer  Schichten,  findet  sich  in  den  mergeligen  Priesener  und 
wieder  häufig  in  den  Chlomeker  Schichten.  Sie  tritt  daselbst  am  Chlomek 
wie  auch  im  Gebiet  von  Kreibitz— Tannenberg  auf.  Geinitz  1840,  1849,  1872, 
sowie  Wanderer  1909  führen  Protocardia  hillana  u.  a.  aus  dem  Cenoman  des 
Elbsandsteingebirges  auf.  Von  Kieslingswalde  wird  unsere  Art  beschrieben 
und  abgebildet  durch  Geinitz,  Langenhan  & Grundey,  Sturm  und  erwähnt 
durch  Fric  in  den  ,, Chlomeker  Schichten“.  Sturm  stellt  außerdem  ein  ver- 
hältnismäßig sehr  hohes  Exemplar,  Länge  100:  Höhe  120,  zu  Protocardia 
alta  Wie  schon  ausgeführt,  ist  bei  der  ununterbrochenen  Übergangsreihe 
für  die  höheren  Formen  vielleicht  eine  Varietätsbezeichnung,  aber  keine 
neue  Art  angebracht.  Bei  den  etwas  längeren  Exemplaren  aus  dem  Ober- 
quader der  Löwenberger  Kreide,  Länge  100 : Höhe  75,  bei  ScuriN,  die  dieser 
als  Varietät  elongata  bezeichnet,  und  die  sich  an  unsere  fortlaufende  Reihe 
bei  dem  Verhältnis  100:77  anschließen,  halte  ich  eine  Abtrennung  für  aus- 
geschlossen. F.  Römer  und  Leonhard  führen  die  Art  aus  dem  oberschlesischen 
Cenoman,  Zittel  aus  den  Gosauschichten  an.  Woods  stellt  die  Zugehörigkeit 
der  von  Stoliczka  aus  der  indischen  Kreide  mit  Protocardia  hillana 6G)  be- 
zeichneten  Stücke  zu  unserer  Art  in  Frage,  da  die  indischen  gröbere  konzen- 
trische Rippen  besitzen  sollen  und  der  innere  Teil  der  hinteren  Area,  ver- 
hältnismäßig breiter  als  an  den  englischen  Exemplaren  sein  soll. 
Vorkommen: 

Mittelturon:  Lindenau  6 (Vortisch),  Schwabitz  2,  Turnau  3,  12; 

Oberturon  aß:  Lückendorf  1,  3,  5,  Hochwald  1,  2,  Waltersdorf  2; 

Oberturon  y:  Kreibitz  6,  9,  12; 

Emscher:  E.-St.  Tannendorf  1,  3,  4,  Kreibitz  1,  6,  7,  9,  23,  24,  26,  27, 

Tollenstein,  Jägerdörfel  1,  E.-St.  Neuhütte  5,  Falkenau  5, 
Hermsdorf  9,  Kesselsdorf  Löw.  (Geol.  Landesmus.),  Ober- 
kesselsdorf Löw.  (Geol.  Landesmus.),  Neuwarthau  Löw.  4 
(Geol.  Landesmus.),  Herzogswaldau  Löw.  (Geol.  Landesmus.), 
Kieslingswalde; 

Untersenon:  Wenig  Rackwitz  Löw.  1 (Geol.  Landesmus.). 

Protocardia  hillana  findet  sich  vom  Cenoman  bis  in  den  Emscher,  be- 
sonders häufig  in  den  sandigen  Ablagerungen  des  Cenomans  und  Emschers. 

Cyrenidae  Adams 
Cyrena  Lam. 

Cyrena  cretacea  Drescher 

Taf.  12,  Fig.  23,  24 

1863  Cyrena  cretacea  Drescher,  S.  345,  Taf.  9,  Fig.  13. 

1837  Cyrena  cretacea  Frech,  S.  168,  Taf.  17,  Fig.  3 — 6. 

1912 — 13  Cyrena  cretacea  Scupin,  S.  166,  Abb.  23. 

Die  mäßig  gewölbte  Muschel  ist  im  Umriß  dreieckig  bis  dreiseitig  ge- 
rundet. Vor  dem  Wirbel  liegt  eine  flache  Lunula.  Der  Rand  des  Steinkernes 

66)  Stoliczka  1871,  3,  9.  219,  Taf.  12,  Fig.  8—10;  Taf.  18,  Fig.  1—3. 


266 


Abh.  preuß.  gieol.  L.-A.,  Neue  Folge,  Heft  159 


verläuft  vom  Wirbel  zunächst  in  einer  geraden  Linie,  bildet  vorn  eine  enge 
Rundung  und  geht  in  den  flach  gebogenen  Unterrand  über.  Eine  gerundete 
Kante  verbindet  Unter-  und  Hinterrand.  Dieser  zieht  mehr  oder  weniger 
gebogen,  zuletzt  ziemlich  gerade,  zum  Wirbel  empor.  Der  aufragende,  im 
Steinkern  sehr  spitze  Wirbel  liegt  wenig  vor  der  Mitte.  Die  Muschel  ist 
nur  gering  ungleichseitig,  nach  hinten  mehr  oder  weniger  schwach  ausgezogen. 

Das  Schloß  ist  an  den  vorliegenden  Stücken  nicht  zu  erkennen.  Nach 
Frech  befinden  sich  in  jeder  Klappe  drei  Schloßzähne  sowie  auch  Seitenzähne. 

Die  Verzierung  der  Schale  besteht  aus  engen  scharfen  konzentrischen 
Rippen  mit  ebenso  breiten  Zwischenräumen.  Vom  Wirbel  zur  unteren  hinteren 
Ecke  verläuft  eine  stumpfe  Kante,  hinter  der  die  Oberfläche  steil  abfällt. 
Der  hierdurch  abgeschnittene  Teil  ist  glatt. 

Maße: 1 2 3 _4_  5_ 

Länge:  11mm  9 mm  8 mm  6,5  mm  5 mm 

Höhe:  8 „ 7 „ 6 „ 5 4 „ 

Länge:  Höhe  = 100:  73  78  75  77  80 

Fundort: 

1),  3),  4)  E Kreibitz  9,  2),  5)  E Kreibitz  6.  \ 

Die  Art  ist  von  Drescher  und  Scupin  aus  dem  Überquader  der  Löwen- 
berger Kreide  und  von  Frech  aus  den  Tonen  von  Suderode  behandelt  worden. 
Die  Abbildungen  und  Beschreibungen  der  drei  Autoren  stimmen  mit  unseren 
Stücken  überein.  Es  liegen  zehn  Steinkerne  bzw.  Hohlabdrücke  vor. 
Vorkommen: 

Emscher:-  Kreibitz  6,  9; 

Untersenon:  Wenig  Rackwitz  Löw.  1,  4,  5 (alle  drei  Geol.  Landesmus.), 

Sirgwitz  Löw.  (Geol.  Landesmus.),  Ottendorf  Löw.  (Geol. 
Landesmus.),  Wehrau  Löw.  (Geol.  Landesmus.),  Ullersdorf 
Löw.  (Geol.  Landesmus.),  Suderode. 

Cyrena  lischkei  n.  sp. 

Taf.  12,  Fig.  25,  26 

1912 — 13  Cyrena  sp.  Scupin,  S.  166,  Taf.  7,  Fig.  4. 

Etwa  ein  Dutzend  Steinkerne,  zum  Teil  mit  Hohlabdrücken,  liegen  vor, 
die  der  Fig.  4 auf  Taf.  7 bei  Scupin  sehr  ähnlich  sind.  Da  Scupin  keine 
Benennung  hierfür  gegeben  hat,  soll  dies  hiermit  geschehen.  Die  Muschel  ist 
mäßig  gewölbt  und  im  Umriß  dreiseitig  gerundet.  Sie  gleicht  in  der  Form 
den  mehr  gleichseitigen  Stücken  von  Cyrena  cretacea.  Vom  Wirbel  verläuft 
der  Schalenrand  zunächst  gerade,  bildet  vorn  eine  Rundung  und  geht  in  den 
flach  gebogenen  Unterrand  über.  Der  Hinterrand  ist  schwach  schräg  oder 
gerade  abgestutzt  und  zieht  sodann  in  einer  fast  geraden  Linie  zum  Wirbel 
empor.  Der  im  Steinkerne  kleine  spitze  Wirbel  ist  ziemlich  mittelständig. 
Die  Muschel  ist  wenig  ungleichseitig. 

Das  Schloß  ist  an  den  vorliegenden  Steinkernen  nicht  sichtbar.  Nach 
Scupin  finden  sich  in  jeder  Klappe  zwei  mittlere  Zähne  und  ein  Seitenzahn. 

Die  Verzierung  der  Schale  besteht  nach  Hohlabdrücken  aus  ganz  feinen 
Anwachslinien.  Die  Steinkerne  sind  glatt.  Vom  Wirbel  zur  unteren  hinteren 


Paläontologischer  Teil 


267 


Ecke  verläuft  auf  dem  Steinkerne  eine  ganz  schwache,  kaum  erkennbare  Kante, 
die  im  Hohlabdruck  etwas  deutlicher  ist. 


Maße: 

1 

2 

3 

4 

5 

6 

7 

8 

Länge: 

8,5  mm 

7,5  mm 

10  mm 

21  mm 

15  mm 

19  mm 

10  mm 

22  mm 

Höhe: 
Länge : Höhe 

5,5  „ 

5 „ 

7 .. 

15  „ 

11  „ 

14  „ 

7,5  „ 

17  „ 

= 100: 
Fundort : 

65 

67 

70 

71 

73 

74 

75 

77 

1—7)  E Kreibitz  6,  8)  E Kreibitz  26. 


Da  an  unseren  Stücken  der  Schloßapparat  nicht  festzustellen  ist,  kann 
die  Übereinstimmung  mit  dem  Löwenberger  Material  nicht  sicher  nachgewiesen 
werden.  Das  durch  Scupin  abgebildete  Stück  ergibt  dasselbe  Maßverhältnis 
wie  unsere  Stücke.  Der  von  Frech  aus  den  Tonen  von  Suderode  als  Cyrena 
ovoidesG1)  abgebildete  Steinkern  besitzt  ebenfalls  eine  ganz  ähnliche  Form, 
Leider  scheint  an  den  Exemplaren,  die  Frech  Vorgelegen  haben,  die  Schalen- 
verzierung nicht  festzustellen  zu  sein. 

Ich  widme  die  Art  Herrn  Fabrikbesitzer  Franz  Lischke  in  Kreibitz 
in  Böhmen. 

Vorkommen: 

Emscher:  Kreibitz  6,  26; 

Untersenon:  Sirgwitz  Löw.  (Geol.  Landesmus.,  Realgymn.  Löwenberg). 

Cyrena  subhercynica  Fkkch 
Taf.  12,  Fig.  27 

1887  Cyrena  subhercynica  Frech,  S.  166,  Taf.  17,  Fig.  9 — 11  b. 

Einige  kräftig  gewölbte  Steinkerne  stimmen,  soweit  ein  Vergleich  möglich 
ist,  mit  dieser  Art  überein.  Sie  sind  im  Umriß  fünfseitig  gerundet.  Vor  dem 
Wirbel  ist  eine  Lunula  eingesenkt.  Von  dieser  zieht  der  Schalenrand  in  fast 
gleichmäßiger  Rundung  bis  zur  Hälfte  der  Hinterseite,  wo  ein  ganz  flacher 
Bogen  anschließt,  der  bis  zum  Wirbel  reicht.  Der  aufstrebende  Wirbel  ist 
nach  innen  gedrückt  und  nach  vorn  gerichtet.  Die  Muschel  ist  ungleichseitig. 

Das  Schloß  ist  nicht  sichtbar.  Nach  Frech  befinden  sich  in  jeder  Klappe 
zwei  Schloßzähne  und  Seitenzähne.  Die  Muskeleindrücke  sind  auf  dem  Stein- 
kerne deutlich  zu  erkennen. 

Die  Steinkerne  sind  glatt.  Nach  dem  einen  .kleinen  Hohlabdruck,  der 
hierher  gehören  dürfte,  ist  auch  die  Schalenoberfläche  ohne  deutlich  hervor- 
tretende Verzierungen.  Auf  dem  Steinkern  ist  eine  vom  Wirbel  zur  unteren 
hinteren  Ecke  ziehende  schwache  Kante  sichtbar. 


Maße: 

1 

2 

Länge: 

17  mm 

12  mm 

Höhe: 

15  „ 

10  „ 

Länge : Höhe  =100: 

88 

83 

Fundort:  E Kreibitz  6. 

Mein  Material  ist  zu  gering,  als 

daß  ich 

an  die  Ausführungen  von  Frech 

Bemerkungen  anknüpfen  könnte. 
67)  FRECH  1887,  9.  167,  Tar.  17,  Fi?.  8, 


268 


Abli.  preuß.  geoL  L.-A.,  Neue  Folge,  Heft  159 


Vorkommen: 

Emscher:  Kreibitz  6. 

Die  Stücke  von  Suderode  gehören  dem  Untersenon  an. 

Cyprinidae  Lam. 

Trapez ium  M E G EKLE 
Trapezium,  trapezoidale  A.  ltOEMER  sp. 

Taf.  12,  Fig.  28,  29,  30 

1841  Crassalella  trapezoidalis  A.  Roemer,  S.  74,  Taf.  9,  Fig.  22. 

1843  Cucullaea  glabra  Geinitz,  4,  Taf.  3,  Fig.  6. 

1849 — 50  Cyprina  trapezoidalis  Geinitz,  S.  158  (z.  Teil). 

1849 — 50  Cyprina  protracta  Geinitz,  S.  158  (z.  Teil). 

? 1872  Cyprina  trapezoidalis  Geinitz,  1,  S.  219,  Taf.  50,  Fig.  5,  6. 

1897  Crassaiella  tricarinata  Fmc,  S.  52,  Abb,  54. 

1901  Cypricardia  trapezoidalis  Sturm,  S.  80,  Taf.  7,  Fig.  5. 

1902  Cypricardia  trapezoidalis  Wollemann,  S.  78  (z.  Teil),  Taf.  3,  Fig.  1. 

1904 — 13  Trapezium  trapezoidale  Woods,  2,  S.  149,  Taf.  23,  Fig.  17 — 19. 

1912 — 13  Cypricardia  trapezoidalis  Scupin,  S.  164,  Taf.  7,  Fig.  5. 

Die  vorliegenden  Steinkerne  zeigen  einen  quertrapezoidalen  Umriß,  sind 
gleichklappig  und  flach  gewölbt.  Der  Vorderrand  ist  kurz  und  gerundet, 
der  bedeutend  längere  Unterrand  flach  nach  außen  gebogen.  Der  gerade 
Hinterrand  ist  mit  dem  Unterrande  in  einem  annähernd  rechten,  mit  dem 
Oberrande  in  einem  stumpfen  Winkel  verbunden.  Bei  doppelklappigen  Stein- 
kernen, an  denen  gewöhnlich  ein  Teil  des  dünnen  Hinterrandes  abgebrochen 
ist,  erscheint  die  Verbindung  zwischen  Unter-  und  Hinterrand  mehr  spitz- 
winkelig. Die  Muschel  ist  stark  ungleichseitig.  Der  breite  Wirbel  ist  weit 
nach  vorn  gerückt  und  niedergedrückt.  Von  ihm  verläuft  zur  unteren  hinteren 
Ecke  eine  etwas  gebogene  Kante,  sowie  eine  zweite  vom  Wirbel  entlang 
des  Hinterrandes.  Die  von  den  beiden  Kanten  eingeschlossene  dreieckige 
Fläche  bildet  eine  flache  Mulde.  Über  die  Oberfläche  laufen  feine  konzen- 
trische Linien,  die  auf  den  Steinkernen  gewöhnlich  nicht  sichtbar  sind 
(Taf.  12,  Fig.  29).  Die  Ausbildung  des  Schlosses  ist  nicht  Eestzustellen. 


Malle: 

1 

2 

3 

4 

5 

6 

7 

8 

9 

10 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

Länge : 

27 

25 

10 

20 

38 

32 

29 

27 

28 

17 

Höhe: 

18 

17 

7 

14 

27 

23 

21 

20 

21 

13 

Länge : Höhe 
= 100: 

67 

68 

70 

70 

71 

72 

72 

74 

75 

76 

Fundort:  E E.-St.  Tannendorf  1. 


A.  Römer  bezeichnet  Fig.  22  auf  Taf.  9 als  Crassaiella  trapezoidalis  und 
Fig.  23  auf  derselben  Tafel  als  Crassaiella  tricarinata , letztere  angeblich 
mit  drei  Kanten.  Es  ist  nicht  ausgeschlossen,  daß  beide  Originale  einer  Art 
angehören.  Am  Salzberg  bei  Quedlinburg,  der  wohl  auch  der  RöMEn’sche 
Fundort  von  Crassaiella  tricarinata  sein  dürfte,  habe  ich  einen  Steinkern  mit 
zwei  Kanten  gesammelt,  der  vollständig  mit  den  Kreibitzer  Stücken  überein- 
stimmt. Auch  im  Museum  zu  Dresden  befindet  sich  ein  gleiches  Exemplar 
von  diesem  Fundorte.  Brauns  1875,  S.  373,  der  vom  Salzberge  von  RöMER’schen 


Paläontologischer  Teil 


269 


Formen  nur  Crassatella  tricarinata  aufführt,  liat  sicherlich  auch  Stücke  der 
von  mir  dort  gesammelten  Art  vor  sich  gehabt  und  so  benannt.  Nach  G.  Müller 
1898,  S.  64,  Taf.  8,  Fig.  9,  dem  von  Braunschweig  nur  zwei  zerdrückte  Stücke 
Vorgelegen  haben,  die  er  zu  Cppricardia  tricarinata  zu  stellen  glaubt,  ist  das 
Vorkommen  einer  zweiten  Art  an  diesem  Platze  ebenfalls  nicht  sicher.  Fmc 
hat  in  den  Chlomeker  Schichten  als  Crassatella  tricarinata  nur  Steinkerne 
unserer  Art  aus  unserem  Gebiet  so  bezeichnet.  Die  Darstellung  der  Cppri- 
cardia tricarinata  von  Scupin,  S.  165,  Taf.  7,  Fig.  9 ist  unklar.  Vielleicht 
gehört  das  Stück  auch  nur  hierher.  Unter  dem  neuen  reichen  Material  des 
Geologischen  Landesmuseums  aus  der  Löwenberger  Kreide  habe  ich  nichts 
anderes  gefunden.  Hingegen  ist  nach  Geinitz  von  Strehlen,  dem  angeblichen 
Fundort  von  Römer’s  Crassatella  trapezoidalis , eine  hierher  gehörige  Form 
überhaupt  nicht  bekannt,  so  daß  auch  diese  Bezeichnung  auf  sehr  unsicheren 
Füßen  steht.  Das  von  Geinitz  als  Cucullaea  glabra  von  Kieslingswalde  auf 
Taf.  3,  Fig.  6 abgebildete  Exemplar  gehört  bestimmt  zu  unserer  Art,  die 
eingebogene  Rückenkante  ist  unrichtig  wiedergegeben.  Bei  Geinitz  (1849) 
gehören  die  als  Cvprina  trapezoidalis  vom  Harzrande  und  die  als 
Cvprina  protracta  von  Kieslingswalde  aufgeführten  Stücke  zu  unserer 
Art.  Die  Zugehörigkeit  von  Cvprina  trapezoidalis  aus  dem  unteren  Pläner 
von  Plauen  in  Geinitz  „Elbtalgebirge“  ist  unsicher.  Das  von  Sturm  aus 
Kieslingswalde  abgebildete  Stück  ist  sehr  charakteristisch  für  unsere  Art. 
Der  von  Wollemann  auf  Taf.  3,  Fig.  1 dargestellte  Steinkern  gehört  un- 
zweifelhaft hierher,  der  auf  Taf.  2,  Fig.  3 abgebildete  jedoch  wohl  kaum. 
Die  mir  vorliegenden  größeren  Stücke  zeigen  entgegen  den  Ausführungen 
Wollemann’s  keine  Abweichungen  von  der  allgemeinen  Form  und  sind  nicht 
höher  als  die  kleineren.  Zu  demselben  Ergebnis  gelangt  auch  Woods  für 
seine  englischen  Exemplare,  die  nach  Abbildung  und  Beschreibung  von  den 
unseren  nicht  verschieden  sind.  Übereinstimmend  mit  Scupin  möchte  auch  ich 
die  von  Fric  aus  den  Launer  Knollen68)  als  Crassatella  protracta  aufgeführten 
Stücke  von  unserer  Art,  bis  weitere  Untersuchungsergebnisse  vorhanden  sind, 
getrennt  wissen. 

Vorkommen: 

Oberturon  aß:  Hochwald  1; 

Oberturon  y:  Kreibitz  14; 

Emscher:  E.-St.  Tannendorf  1,  Daubitz  1,  Kreibitz  1,  9,  12,  24,  26, 

Jägcrdörfel  1,  Oberkreibitzer  Talsperre  5,  Neuwarthau  Löw. 
1 (Geol.  Landesmus.,  Realgymn.  Löwenberg),  Großhartmanns- 
dorf Löw.  (Geol.  Landesmus.),  Deutmannsdorf  Löw.  (Geol. 
Landesmus.),  Gehnsdorf  Löw.  2 (Geol.  Landesmus.),  Kieslings- 
walde (eigene  Sammlung,  Mus.  Dresden),  Salzberg  (eigene 
Sammlung,  Mus.  Dresden) ; 

Untersenon:  Wenig  Rackwitz  Löw.  1 (Geol.  Landesmus.,  Realgymn.  Löwen- 

berg), Sirgwitz Löw\  (Geol.  Landesmus.,  Realgymn.  Löwrenberg). 

Außerdem  im  Mucronatensenon  der  Lüneburger  Kreide  und  im  Chalk  Rock 
Englands;  höchstwahrscheinlich  kommt  die  Art  nach  Holzapfel  auch  im  Unter- 
senon von  Aachen  vor. 

68)  KlllC  1877,  S.  114,  Abb.  70. 


270 


Abh.  preuß.  gieol.  L.-A.,  Neue  Folge,  Heft  151) 

Venilicardia  Stol. 

Venilicardia  van  reyi  Bosslet  sp. 

Taf.  12,  Fig.  31,  32;  Tat  13,  Fig.  1 a,  b;  Abb.  35,  36,  37,  38,  39 

1843  Cyprina  rostrata  Geinitz,  4,  S.  13,  Taf.  2,  Fig.  12  u.  13  (non  Sowehby). 
1849 — 50  Cyprina  ligeriensis  Geinitz,  S.  156  (non  d’Orbicny). 

1851  Cyprina  ligeriensis  J.  Müller,  2,  S.  64  (non  d’Orbigny). 

1860  Cyprina  van  reyi  Bosouet,  bei  Staring  No.  368. 

1889  Venilicardia  van  reyi  Holzapfel,  2,  S.  175,  Taf.  16,  Fig.  1—8. 

1897  Venilicardia  van  reyi  FriC,  S.  52,  Abb.  56. 

1897  Cyprina  altissima  FriC,  S.  53,  Abb.  57. 

1898  Venilicardia  van  reyi  G.  Müller,  S.  64,  Taf.  9,  Fig.  11. 

1901  Venilicardia  van  reyi  Sturm,  S.  79,  Taf.  7,  Fig.  3. 

1901  Cyprina  altissima  Sturm,  S.  80,  Taf.  7,  Fig.  4. 

1912 — 13  Venilicardia  steinvorthi  Scupin,  S.  163,  Taf.  7,  Fig.  8. 

Die  in  verschiedenen  Größen  vorliegende  Muschel  ist  sehr  mannigfaltig 
gestaltet.  Aus  unserem  Gebiete  sind  nur  Steinkerne  bekannt.  Durch  das 
Fehlen  der  dicken  Schale  und  die  starke  Ausbildung  des  Schlosses  weichen 
die  größeren  Stücke  nicht  unbedeutend  von  den  aus  der  Aachener  Kreide 
beschriebenen  Schalenexemplaren  ab,  so  daß  sie  Veranlassung  zur  Aufstellung 
von  besonderen  Arten  als  Cyprina  altissima  und  Venilicardia  steinvorthi 
gegeben  haben.  Unter  dem  Wirbel  bildet  der  Vorderrand  ein  langes  flaches 
Möndchen,  das  bei  Steinkernen,  die  vom  Muttergestein  gelöst  sind,  vgl. 
Abb.  57  bei  Fric  und  Taf.  7,  Fig.  4 bei  Sturm,  durch  das  Fehlen  der  äußeren 
Umrißlinie  an  dieser  Stelle  sehr  tief  erscheint.  Der  gewöhnlich  sehr  kurze 
abgerundete  Vorderrand  geht  bogenförmig  in  den  langen,  flach  gebogenen 
Unterrand  über.  Unter-  und  Hinterrand  stoßen  in  einer  gerundeten  Ecke  an- 
einander. Der  Hinterrand  bildet  eine  schwach  konvex  schräg  aufsteigende 
Linie,  an  die  sich  in  einem  gerundeten  stumpfen  Winkel  der  schwach  ge- 
bogene Oberrand  anschließt.  Die  Muschel  ist  stark  ungleichseitig.  Der  am 
Steinkern  stark  hervortretende  dicke  Wirbel  ist  weit  nach  vorn  gerichtet 
und  etwas  niedergedrückt.  Nach  Hohlabdrücken  besteht  die  Schalenverzierung 
aus  unregelmäßigen  konzentrischen  Streifen  und  Runzeln.  Die  Steinkerne 
sind  glatt,  gegen  den  Unterrand  treten  zuweilen  verschwommene  Radial- 
furchen hervor.  Die  Oberfläche  ist  fast  gleichmäßig  gewölbt;  nur  hinter 
einer  vom  Wirbel  zur  unteren  hinteren  Ecke  ziehenden  schwachen  Kante 
fällt  der  Rücken  etwas  steiler  zum  Hinterrande  ab.  An  einigen  Exemplaren 
fehlt  diese  Kante.  Auf  den  Steinkernen  tritt  der  vordere  Muskeleindruck 
sehr  stark,  der  hintere  hingegen  nur  schwach  hervor. 

Mehrere  kleinere  Steinkerne  lassen  den  Hohlabdruck  des  Schlosses  der 
rechten  Klappe  erkennen.  Der  hintere  breite  gefurchte  Hauptzahn  ist  am 
oberen  Ende  mit  dem  kürzeren  schmalen  mittleren  Hauptzahn  verbunden. 
Unter  letzterem  liegt  der  knopfähnliche,  bogenförmig  nach  vorn  verlängerte 
vordere  Hauptzahn.  Vom  Treffpunkt  des  hinteren  und  mittleren  Hauptzahnes 
verläuft  ein  langer  schmaler  leistenförmiger  Seitenzahn  bogenförmig  nach 
hinten.  In  der  linken  Klappe  sind  nach  Holzapfel  mittlerer  und  vorderer 
Hauptzahn  ebenfalls  hakenförmig  verbunden;  der  lange  schmale  hintere  Haupt- 
zahn ist  schräg  nach  hinten  gerichtet.  Auch  sind  ein  vorderer  und  ein  hinterer 
Seitenzahn  vorhanden. 


Paläontologischer  Teil 


271 


Maße:  1 *) 

2 

3 

42) 

53) 

64) 

7 

8 

95) 

106) 

11 

12 

137) 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

Länge:  87 

51 

31 

47 

74 

69 

32 

77 

37 

91 

22 

69 

34 

Höhe:  63 

42 

26 

40 

64 

60 

28 

69 

33 

83 

20 

64 

32 

Länge:  Hohe 

= 100:  73 

82 

84 

85 

87 

87 

87 

89 

89 

91 

91 

93 

94 

1)  Abb.  39,  2)  T»r.  12,  Fig  32,  3)  Abb.  38,  4)  Abb.  35,  5)  Abb.  37,  0)  Tar.  13  Fig.  1a,  7)  Abb.  36. 

Fundort : 

1—11),  13)  E E.-St.  Tannendorf  1,  12)  OTy  Kreibitz  4. 

Zuerst  wird  die  Art  von  Geinitz  aus  Kieslingswalde  unter  der  Bezeich- 
nung Cyprina  ros tr ata  Sow.  aufgeführt  und  abgebildet.  Cyprina  rostrata  ist 
von  Woods  mit  Cyprina  lineolata  Sow.  G0)  vereinigt  worden.  Diese  ist  unseren 
Exemplaren  sehr  ähnlich.  Die  Vereinigung  erscheint  jedoch  gewagt,  da  bei 
Vergleich  mit  den  Abbildungen  bei  Holzapfel  in  der  Schloßausbildung 
einige  Unterschiede  bestehen  und  mein  Material  zu  mangelhaft  ist,  als 
daß  in  dieser  Hinsicht  weiteres  festzustellen  wäre.  Geinitz  (1849)  stellt 
dieselben  Exemplare  zu  Cvprina  ligeriensis  d’Orb.,  die  aber  bei  ihrer  sonstigen 
Ähnlichkeit  durch  einen  zweiten  Kiel  von  unserer  Art  verschieden  sein  soll. 
Da  französisches  Material  nicht  zum  Vergleiche  vorliegt,  ist  eine  Nach- 
prüfung nicht  möglich.  Die  gleiche  Bezeichnung  wählte  auch  J.  Müller  für 
Stücke  aus  der  Aachener  Kreide.  Bosouet  erkannte  die  Verschiedenheit  der 
französischen  und  Aachener  Formen  und  nannte  letztere  Cvprina  van  revi. 
Holzapfel  gibt  eine  eingehende  Schilderung  und  gute  Abbildungen  von  dieser 
vielgestaltigen  Art.  Unsere  Steinkerne  sind  im  Durchschnitte  etwas  höher 
als  die  Aachener  Schalenexemplare,  was  auf  den  verschiedenen  Erhaltungs- 
zustand zurückzuführen  ist.  Die  Abbildung  bei  G.  Müller  aus  dem  Unter- 
senon  von  Braunschweig  ist  trotz  der  etwas  sonderbaren  Form  wohl  nur 
hierher  zu  stellen.  Eric  trennt  in  den  Chlomeker  Schichten  V enilicardia 
van  reyi  von  Cvprina  altissima.  Im  Museum  zu  Prag  konnte  mit  Hilfe 
meines  Materiales  die  Übereinstimmung  beider  Formen  festgestellt  werden. 
Das  von  Eric  Abb.  56  abgebildete  Schloß  von  V enilicardia  van  revi  ist  am 
Original  im  Museum  zu  Prag  sehr  schön  und  deutlicher  als  in  der  Abbildung. 
Außerdem  sind  im  Museum  noch  zwei  Exemplare  von  Chlomek  und  eines  von 
der  E.-St.  Tannendorf  vorhanden.  Das  Original  zu  Cvprina  altissima  ist  ver- 
drückt und  besitzt  mehrere  Druckfalten  in  der  Längsrichtung.  Bringt  man 
die  Muschel,  die  in  der  Abbildung  eine  unmäßig  steile  Stellung  einnimint, 
in  die  natürliche  Lage,  so  erscheint  die  Form  bedeutend  niedriger  und  ent- 
spricht V enilicardia  van  revi . Ebenso  ist  das  im  Geologischen  Landesmuseum 
befindliche  Stück  von  Cyprina  altissima  aus  Kieslingswalde,  Abbildung  bei 
Sturm,  am  Hinterrande  zusammengedrückt.  Durch  das  Fehlen  des  unter  dem 
Wirbel  gelegenen  Schalenabdruckes  erscheint  die  Wirbelpartie  sehr  spitz. 
Einen  unbeschädigten  Steinkern  in  dieser  Größe  zeigt  meine  Abbildung  Tal.  13, 
Fig.  1 a.  Ganz  richtig  stellt  Stürm  die  beiden  oben  von  Geinitz  als  Cvprina 
rostrata  und  ligeriensis  aufgeführten,  schon  erwähnten  Stücke  zu  V enili- 
cardia van  revi.  V enilicardia  steinvorthi  bei  Scupin  ist  auch  nur  unsere  Art. 
Ganz  ähnliche  Steinkerne  liegen  aus  meinem  Gebiete  vor. 

69)  WOODS  1904—13,  2,  S.  143,  Taf.  22,  Fig.  5—8;  Taf.  23,  Fig.  1,  2, 


272 


Abh.  pr-euß.  geol.  L.-A.,  Neue  Folge,  Heft  159 


39 


Abb.  35.  Venilicardia  van  reyi  Bosqu.  sp.,  Umriß  der  Steinkerne. 

Linke  Klappe  (Großes  Exemplar). 

Einscher,  E.-St.  Taunendorf  1.  Orig.  Geol.  Landesmus-  (A  No.  353). 

Abb.  36.  desgl.  rechte  Klappe,  Kleines  Exemplar  (A  No.  354). 

Abb.  37.  Venilicardia  van  reyi  Bosqu.  sp.,  Umriß  der  Steinkerne. 

K echte  Klappe  (Kleines  Exemplar). 

Emsohcr.  E.-St.  Tannendorf  1.  Orig.  Geol.  Landesmus.  (A  Nr.  355). 

Abb.  38.  desgl.  Großes  Exemplar  (A  No.  356). 

Abb.  39.  Venilicardia  van  reyi  Bosqu.  sp.,  rechte  Klappe,  Steinkern. 

Emsclier,  Oberkreibitzer  Talsperre  5.  Orig.  Geol.  Landesmus.  (A  No.  357). 

Vorkommen: 

Mittelturon:  Bonnewitz  (Mus.  Dresden),  Pießnig  (Mus.  Prag),  Jidn  31 

(Soukup),  Turnau  3,  12; 

Oberturon  aß:  Daubitz  8,  Hochwald  1,  2; 

Oberturon  y:  Kreibitz  4; 


Paläontologischer  Teil  273 

Emscher:  E.-St.  Tannendorf  1,  Kreibitz  24,  Markersdorf  3,  Oberkrei- 

bitzer  Talsperre  5,  9,  Chlomek  (Mus.  Prag),  Kieslingswalde, 
Großhartmannsdorf  Low.  (Geol.  Landesmus.),  Deutmannsdorf 
Low.  (Geol.  Landesmus.),  Neuwarthau  Löw.  1 (Geol.  Landes- 
mus.), Gehnsdorf  Löw.  2 (Geol.  Landesmus.) ; 

Untersenon:  Wenig  Rackwitz  Löw.  1 (Geol.  Landesmus.,  Realgymn.  Löwen- 

berg). 

Außerhalb  unseres  Gebietes  ist  die  Art  bekannt  aus  dem  Untersenon 
von  Aachen  und  Braunschweig. 

V cnerldao  Gray 
Cyprimeria  Comi. 

Cyprimeria  discus  Math.  sp. 

Taf.  12,  Fig.  33,  34;  Abb.  40,  41,  42,  43,  44 

1842  Lucina  discus  Matiieroin,  S.  144,  Taf.  13,  Fig.  12. 

1844  Arcopagia  nummismalis  d’Orbigny,  3,  Taf.  379,  Fig.  1 — 5. 

1865  Circe  discus  Zettel,  1,  S.  128,  Taf.  3,  Fig.  7. 

? 1889  Cyprimeria  geinilzii  Holzapfel,  2,  S.  174,  Taf.  12,  Fig.  1 — 4. 

1897  Cyprimeria  geinilzi  Fnic,  S.  53,  Abb.  58. 

1901  Cyprimeria  geinilzi  Sturm,  S.  81. 

1901  Venus  sudetica  Sturm,  S.  81,  Taf.  7,  Fig.  6. 

1912 — 13  Cyprimeria  discus  Scupin,  S.  163,  Taf.  7,  Fig.  1,  2. 

Die  Muschel  besitzt  querovalen  Umriß  und  erreicht  in  einzelnen  Exem- 
plaren fast  Kreisform.  Die  Rundung  des  Schalenumrisses  wird  nur  am  Zu- 
sammentreffen des  Schloßrandes  mit  dem  hinteren  Schalenrande  durch  eine 
schwache  Ecke,  die  oft  kaum  wahrnehmbar  ist,  unterbrochen.  Auch  der  kleine 
Wirbel  verschwindet  fast  vollständig  in  der  gleichmäßigen  Rundung  des 
Umrisses  und  ragt  nur  ganz  wenig  hervor.  Die  rechte  Klappe  ist  schwach 
gewölbt,  die  linke  fast  flach  (Abb.  44).  Auf  den  Steinkernen  der  rechten 
Klappe  bemerkt  man  eine  schwache,  vom  Wirbel  schräg  nach  hinten  zum 
Unterrande  verlaufende  Kante.  Nach  guten  Skulptursteinkernen  besteht  die 
Verzierung  der  Schale  aus  regelmäßigen  feinen  konzentrischen  Linien,  von 
denen  einige  gegen  den  unteren  Schalenrand  etwas  schärfer  hervorzutreten 
pflegen  (Taf.  12,  Fig.  33).  Steinkerne  sind  vollständig  glatt,  und  Hohl- 
abdrücke lassen  in  dem  groben  Gestein  konzentrische  Linien  auch  nur  ganz 
selten  erkennen.  Der  Abdruck  des  Schlosses  ist  bei  der  mit  einer  breiten 
Schloßplatte  versehenen  Art  auch  an  Steinkernen  verhältnismäßig  gut  sichtbar. 
Die  linke  Klappe  zeigt  drei  divergierende  Zähne,  einen  schräg  nach  vorn 
gerichteten  schmalen  längeren,  in  der  Mitte  einen  kräftigen  kurzen  und 
schließlich  einen  schmalen  leistenförmigen,  schräg  nach  hinten  gerichteten 
Zahn  (Taf.  12,  Fig.  34).  In  der  rechten  Klappe  sind  der  in  zwei  kräftige 
Leisten  gespaltene,  nach  vorn  umgebogene  vordere  und  der  noch  tiefer 
gespaltene,  schräg  nach  hinten  gerichtete  hintere  Hauptzahn  durch  eine  breite 
dreieckige  Grube  getrennt.  Der  vordere  und  der  hintere  Muskeleindruck  sind 
auf  einigen  Steinkernen  als  flache  Linien  wahrzunehmen. 

Die  bedeutende  Variabilität  der  Art  läßt  sich  durch  eine  ununterbrochene 
Reihe  von  größeren  und  kleineren  Exemplaren  im  Verhältnis  4:3  für  Länge 
und  Höhe  bis  nahe  an  die  Kreisform  nachweisen. 


Ändert  18 


274 


Abh.  preuß.  gieol.  L.-A.,  Neue  Folge,  lieft  159 


Maße: 

1 

2 

3 

4 

5 

6') 

7 

8 

9 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

Länge: 

70 

44 

58 

39 

67 

44 

27 

32 

72 

Höhe: 

50 

33 

40 

30 

52 

35 

22 

26 

58 

Länge  : Höhe  = 100: 

72 

75 

75 

77 

78 

79 

81 

81 

81 

Maße: 

10 

11 

122) 

13 

14 

15 

16 

173) 

18 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

Länge: 

30 

70 

31 

37 

26 

61 

37 

48 

25 

Höhe: 

25 

58 

26 

31 

22 

52 

32 

42 

22 

Länge  : Höhe  = 100: 

83 

83 

84 

84 

85 

85 

86 

87 

88 

Maße: 

19 

204) 

21 

22 

23*) 

24 

25 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

Länge: 

42 

28 

37 

59 

26 

70 

58? 

Höhe: 

37 

25 

33 

53 

24 

65 

55 

Länge  : Höhe  = 100 : 

88 

89 

89 

90 

92 

93 

95 

1)  Abb.  40,  3)  Abb.  41,  3)  Abb.  42,  4)  Tat  12,  Fig.  33,  fi)  Abb.  43. 


Abb.  40.  Gyprimeria  discus  Math,  sp.,  Umriß  der  Steinkerne. 

Rechte  Klappe  (Großes  Exemplar). 

Emscher,  E.-St.  Tannendorf  1.  Orig.  Geol.  Landesnuis.  (A  No.  358). 
Abb.  41.  desgl.  linke  Klappe,  Kleines  Exemplar  (A  No.  359). 

Abb.  42.  Gyprimeria  discus  Math,  sp.,  Umriß  der  Sleinkerne. 

Rechte  Klappe  (Großes  Exemplar). 

Ernscher,  E.-St.  Tannendorf  1.  Orig.  Geol.  Landesmus.  (A  No.  360). 

Abb.  43.  desgl.  Kleines  Exemplar  (A  No.  362). 

Abb.  44.  Gyprimeria  discus  Math,  sp  , doppelkiappiger  Steinkern  von  vorn. 
Emscher,  E.-St.  Tannendorf  l.  Orig.  Geol.  Landesmus.  (A  No.  364). 


Paläontologischer  Teil  275 

Fundort : 

1)  E E.-St.  Neuhütte  5;  2),  3),  5)  Kieslingswalde;  4),  6—12),  14—21), 

23) ,  25)  E E.-St.  Tannendorf  1,  13)  E Kreibitz  24,  22)  Wenig  Rackwitz  Low.  1, 

24)  Aachen. 

1)  Sammlung  Humboldtver.  Ebersbach,  3)  Sturm,  Taf.  7,  Eig.  6,  11)  Eric, 
Abb.  58,  22)  S cupin,  Taf.  7,  Eig.  1,  24)  Holzapfel,  Taf.  12,  Eig.  1. 

Eine  Nachprüfung  der  Originale  von  Matheron  und  d’Orbigny  ist  mir 
leider  nicht  möglich.  Nach  der  Form  und  sonstigen  Darstellung  lassen  sie 
sich  ohne  weiteres  in  den  vorstehend  umgrenzten  Rahmen  einfügen.  Auch 
die  von  Zittel  dargestellten  Exemplare,  deren  Verhältnis  Länge:  Höhe  46:41, 
63:52,  42:39  und  51:49  beträgt,  ergeben  keinen  Unterschied.  Holzapfel 
trennt  die  Aachener  Form  als  Cvprimeria  geinitzii  von  Cvprimeria  discus 
unter  dem  Hinweis  auf  die  mehr  kreisförmige  Gestalt  und  die  noch  kleineren 
Wirbel  seiner  Art.  Nach  vorstehender  Zusammenstellung  schließt  sich  jedoch 
das  von  ihm  abgebildete  Exemplar  lückenlos  an  die  längeren  Formen  unseres 
Gebietes  und  anderer  Fundorte  an.  Auch  dieses  ist  nicht  vollständig  kreis- 
förmig, sondern  neigt  ebenfalls  zum  querovalen  Umriß.  Könnte  man  bei  den 
in  der  Aachener  Kreide  vorkommenden  Stücken  ausnahmslos  eine  dem  Kreis 
mehr  genäherte  Form  feststellen,  so  wäre  vielleicht  die  Form  als  Lokal- 
erscheinung und  zwar  als  Varietät  abzutrennen.  Nach  Hohlabdrücken  unserer 
Exemplare  ist  der  Wirbel  an  diesen  auch  nicht  größer  als  bei  den  Aachener 
Stücken.  Das  von  Fric  dargestellte  Exemplar,  das  im  Museum  zu  Prag 
besichtigt  werden  konnte,  stammt  von  der  E.-St.  Tannendorf  und  somit  aus 
unseren  Lagern.  Sturm  unterscheidet  von  Kieslingswalde  bei  wenig  Material 
Cvprimeria  geinitzi  als  kreisrund  und  Venus  sudetica  als  queroval.  Ich  habe 
ebenfalls  ein  paar  gute  querovale  Steinkerne  bei  Kieslingswalde  gesammelt, 
die  den  unseren  vollständig  entsprechen  und  zur  Aufstellung  einer  be- 
sonderen Art  keine  Veranlassung  geben.  Bei  der  Abbildung  des  Schloß- 
abdruckes von  Sturm  ist  die  dreieckige  Partie  hinter  dem  dritten  schmalen 
Schloßzahn  zu  hell  gezeichnet;  sie  ist  als  halbvertieft  anzusehen. 

Die  bei  Scupin  dargestellten  Exemplare  gehören  sicher  zu  unserer  Art. 
Hier  im  Überquader  (Untersenon)  scheinen  ebenfalls  langovale  Formen  vor- 
zuherrschen, weshalb  der  Unterschied  von  Cvprimeria  geinitzi  hervorgehoben 
ist.  Die  hintere  Abstutzung  bei  den  von  Cvprimeria  geinitzi  unterschiedenen 
Stücken  ist  nach  meinem  Material  kein  feststehendes  Unterscheidungsmerkmal 
und  tritt  bei  Steinkernen  viel  deutlicher  hervor  als  bei  Schalenexemplaren. 
Die  durch  Brauns  als  Eriphvla  geinitzii  Müller  70)  beschriebene  und  ab- 
gebildete Art  aus  dem  Salzbergmergel  von  Quedlinburg  dürfte  wohl  auch 
nur  die  unsere  darstellen,  da  ich  selbst  ein  unseren  Exemplaren  sehr  ähnliches 
Stück  dort  sammeln  konnte. 

Cvprimeria  discus  habe  ich  gesammelt  in  gegen  70  Exemplaren. 
Vorkommen: 

Oberturon  a ß : Lückendorf  2,  5,  Hochwald  1 ; 

Oberturon  *(:  Kreibitz  11,  14; 

Emscher:  E.-St.  Tannendorf  1,  Kreibitz  2,  4,  9,  24,  26,  E.-St.  Neuhütte  5 

(Humboldtver.  Ebersbach),  Oberkreibitzer  Talsperre  4,  5,  8, 

70)  BBAUNS  1875,  S.  867,  Taf.  9,  Fig.  10. 

18- 


276 


Abh.  preu ß.  gieol.  L.-A.,  Neue  Folge,  lieft  159 


Bergwarthau  Löw.,  häufig  (Geol.  Landesmus.),  Gehnsdorf  Löw. 
1 (Geol.  Landesmus.),  Neuwarthau  Löw.  3,  4 (beide  Geol. 
Landesmus.),  Herzogswaldau  Löw.  (Geol.  Landesmus.),  Kies- 
lingswalde, Salzberg; 

Untersenon:  Wenig  Rackwitz  Löw.  1 (Geol.  Landesmus.,  Realgymn.  Löwen- 

berg). 

Erwähnt  wird  Cvprimerici  discus  ferner  aus  dem  Untersenon  von  Aachen 
durch  Holzapfel,  aus  der  Gosau  durch  Zittel  und  aus  dem  französischen 
Turon,  so  daß  sich  das  Verbreitungsgebiet  der  Art  vom  Turon  bis  in  das 
Untersenon  erstreckt. 


Cytherea  Lam. 

Cytherea  tumicla  J.  Müller  sp. 

Taf.  12,  Fig.  35,  36;  Tat  13,  Fig.  2;  Abb.  45,  46,  47,  43 

1847  Venus  tumida  J.  Müller,  1,  S.  25,  Taf.  2,  Fig.  4. 

1887  Cytherea  tumida  Frecii,  S.  170,  Taf.  12,  Fig.  17 — 19. 

1889  Cytherea  tumida  Holzapfel,  2,  S.  168,  Taf.  12,  Fig.  9 — 12. 

Die  kreisförmig,  hoch-  oder  queroval  gerundete  Muschel  ist  gewöhnlich 
vom  Wirbel  gegen  die  Mitte  des  Hinterrandes  mehr  oder  weniger  abgestutzt 
und  dementsprechend  von  schiefem  Umriß.  Die  kleineren  Steinkerne  sind  im 
allgemeinen  sehr  dick  und  fast  kugelig  (Taf.  13,  Fig.  2),  die  größeren  jedoch 
bedeutend  flacher.  Der  kleine  spitze  Wirbel  ist  nach  vorn  eingebogen  und 
gedreht.  Die  vorliegenden  Steinkerne  sind  glatt,  auch  die  Hohlabdrücke  lassen 
keine  Verzierung  der  Schalenoberfläche  erkennen.  Die  glatte  Fläche  wird  in 
der  Regel  nur  durch  ein  oder  zwei,  seltener  durch  mehr  kräftige  konzentrische 
Ringe  unterbrochen.  Durch  Absprengen  einiger  Wirbelparlien  war  es  möglich, 
den  Abdruck  des  Schlosses  bei  acht  linken  und  fünf  rechten  Klappen  frei- 
zulegen. Während  die  Abdrücke  der  linken  Klappen  das  Schloß  sehr  gut 
erkennen  lassen,  ist  dies  bei  den  rechten  nur  zum  Teil  möglich.  Der  Schloß- 
apparat stimmt,  soweit  eine  Beobachtung  möglich  ist,  mit  der  Darstellung 
bei  Holzapfel  gut  überein.  In  der  linken  Klappe  (Taf.  12,  Fig.  35)  ist 


Abb.  45.  Cytherea  tumida  J.  Müll,  sp.,  linke  Klappe,  Steinkern. 
Emscher,  E.-St.  Tannendorf  1.  Orig.  Geol.  Landesmus.  ( V No.  366). 
Abb.  46.  desgl.  (A  No.  368). 

Abb.  47.  Cytherea  tumida  J Müll,  sp.,  rechte  Klappe,  Steinkern, 
Oberflächenzeichnung  unter  Benützung  des  Hohldruckes. 
Emscher,  E.-St.  Tannen dorf  1.  Orig.  Geol.  Landesmus.  (A  No.  370). 
Abb  48.  desgl.  linke  Klappe,  Steinkern  (A  No.  371). 


Paläontologischer  Teil 


277 


der  mittlere  kräftigere  kurze  senkrechte  Zahn  am  oberen  Ende  mit  dem  be- 
deutend längeren,  in  einem  Knie  nach  vorn  umbiegenden  schmalen  vorderen 
Zahne  verbunden.  Der  hintere  schmale,  sehr  lange  Zahn  ist  schräg  nach  hinten 
gerichtet.  Die  rechte  Klappe  (Tal.  12,  Fig.  36)  zeigt  zwei  übereinander 
liegende,  bogenförmig  nach  vorn  gerichtete  Zähne,  in  der  Mitte  einen  senk- 
rechten kurzen  Zahn  und  weiter  einen  schräg  nach  hinten  gerichteten  langen 
Zahn.  Die  Schloßpräparate  entstammen  der  E.-St.  Tannendorf  (Emscher)  und 


ein  Stück 

von 

OT  y 

Kreibitz 

3. 

Maße: 

1 

2 

3 

4 

5 

6 

7 

8 

9 

10 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

Länge: 

12 

13 

27 

11 

16 

18 

27 

28 

8 

11 

Höhe: 

10 

11 

24 

10 

15 

17 

26 

27 

8 

11 

Länge:  Hübe 
- 100: 

83 

85 

89 

91 

94 

94 

96 

96 

100 

100 

gewölbt: 

hoch 

hoch 

flach 

hoch 

hoch 

hoch 

flach 

flach 

flach 

hoch 

Maße: 

11 

12 

13 

14 

15 

16 

17 

18 

19 

20 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

Länge : 

12 

15 

17 

22 

12 

24 

24 

14 

12 

11 

Höhe: 

12 

15 

17 

23 

13 

26 

27 

16 

14 

13 

Länge : Höbe 
= 100: 

100 

100 

100 

104 

108 

108 

112 

114 

117 

118 

gewölbt: 

Fundort: 

hoch 

hoch 

flach 

flach 

hoch 

flach 

flach 

hoch 

hoch 

hoch 

1)  E 

Kreibitz  1, 

2-8),  10-20) 

E E.- 

St.  Tannendorf 

1,  9) 

E Kreibitz  6. 

Die  in  Steinkernen  von  Tapes  nuciformis  Müll,  sehr  schwer  zu  unter- 
scheidende Art  ist  durch  das  Bloßlegen  von  Schlössern  in  unserem  Gebiete 
mit  Sicherheit  nachgewiesen.  Es  ist  gelungen,  die  Schlösser  von  kleinen 
kugeligen  wie  auch  von  großen  flachen  Exemplaren  freizulegen  und  deren 
Übereinstimmung  festzustellen.  Die  von  Holzapfel  für  Tapes  nuciformis 
angeführten  Unterscheidungsmerkmale,  wie  geringere  Wölbung,  mehr  kreis- 
förmige Gestalt  und  stärkere  Biegung  des  hinter  dem  Wirbel  gelegenen 
Schalenrandes,  lassen  sich  nicht  aufrecht  erhalten,  wie  die  durch  den  Schloß- 
apparat mit  Sicherheit  als  Cvtherea  tumida  festgestellten  Exemplare  be- 
weisen. Gerade  unter  diesen  sind  solche  mit  sehr  geringer  Wölbung,  guter 
kreisförmiger  Gestalt  und  sehr  starker  Biegung  des  Hinterrandes  vorhanden. 
Es  sind  deshalb  alle  glatten  Steinkerne,  zum  Teil  mit  Hohlabdrücken,  von 
der  bestimmten  charakteristischen  Form  aus  dem  Beobachtungsgebiet  zu 
dieser  Art  gestellt  worden.  Tapes  nuciformis  und  Cytherea  tumida  Müll. 
sind  bei  Aachen  im  gleichen  Horizont  gefunden  worden,  so  daß  auch  bei 
einer  Verwechselung  für  die  Stratigraphie  kein  Nachteil  entstehen  kann. 

Es  liegen  etwa  150  Exemplare  vor. 

Vorkommen: 

Unterturon:  Jicin  3,  4,  6,  7 (alle  4 Soukup)  ; 

Mittelturon:  Schandau  2,  Drum  1,  Jicin  2,  3,  6,  8,  30,  42,  43,  44,  46,  48 

(alle  10  Soukup),  26,  28,  29,  36,  Heuscheuer  1,  2,  Hermsdorf 
Löw.  1 ; 

Oberturon  aß:  Hochwald  1; 

Oberturon  y^  Kreibitz  3,  4,  11,  14,  Jicin  4 (Soukup); 


278 


Abh.  preuß.  geol.  L.-A.,  Neue  Folge,  Pleft  159 


Emscher:  E.-St.  Tannendorf  1 (zahlreich),  Kreibitz  1,  4,  6,  9,  12,  18, 

23,  24,  26,  27,  28,  Oberkreibitzer  Talsperre  5,  8,  9,  Daubitz  1, 

Jägerdörfel  1,  E.-St.  Neuhütte  5,  Großgrünau,  Neuwarthau 
Löw.  2,  3 (beide  Geol.  Landesmus.),  Hermsdorf  Low.  (Geol. 
Landesmus.),  Gehnsdorf  Löw.  1 (Geol.  Landesmus.),  Kessels- 
dorf Löw.  (Geol.  Landesmus.),  Großhartmannsdorf  Löw.  (Geol. 
Landesmus.),  Hohlstein  Löw.  (Geol.  Landesmus.),  Deutmanns- 
dorf  Löw.  (Geol.  Landesmus.),  Kieslingswalde  (glatte  Schalen- 
exemplare), Salzberg  (?); 

Untersenon:  Wenig  Rackwitz  Löw.  1 (Geol.  Landesmus.). 

Beschrieben  ist  die  Art  ferner  aus  dem  Untersenon  von  Aachen  und  aus 
den  Tonen  von  Suderode.  Von  letzterem  Fundorte  wird  jedoch  abweichend 
erwähnt,  daß  die  Schalenoberfläche  mit  feinen  regelmäßigen  Anwachsstrcifen 
bedeckt  ist. 

Die  Verbreitung  der  Art  ist  somit  vom  Mittelturon  bis  ins  Untersenon 
nachgewiesen. 

Cytherea  ovalis  Goldf.  sp. 

Taf.  12,  Fig.  37,  33,  39;  Taf.  13,  Fig.  3;  Abb.  49,  50 

1834—40  Venus  ovalis  Goldfuss  (non  Sow.),  2,  S.  247,  Taf.  151,  Fig.  5. 

1841  Venus  fabacea  A.  R oem  er,  S.  72,  Taf.  9,  Fig.  13. 

1843  Venus  ovalis  Geinitz,  4,  S.  13. 

1847  Venus  ovalis  J.  Müller,  1,  S.  24. 

1884  Cylherea  ovalis  Holzapfel,  S.  464,  Taf.  7,  Fig.  2 — 4. 

1885  Cytherea  fabacea  J.  Böiim,  S.  123. 

1888  Cylherea  ovalis  G.  Müller,  S.  427. 

1889  Cytherea  ovalis  Holzapfel,  2,  S.  169,  Taf.  13,  Fig.  11 — 15. 

1898  Cytherea  ovalis  G.  Müller,  S.  66,  Taf.  9,  Fig,  15. 

1901  Cylherea  ovalis  Sturm,  S.  83. 

1912 — 13  Cytherea  ovalis  Scupin,  S.  161,  Taf.  6,  Fig.  12;  Taf.  7,  Fig.  7. 

Die  Art  besitzt  querovalen  Umriß  und  eine  flache  Wölbung.  Der  auf- 
strebende, nach  vorn  gerichtete  kleine  Wirbel  liegt  ungefähr  in  der  Schalen- 
mitte. Unter  dem  Wirbel  ist  der  Schalenrand  deutlich  eingebuchtet.  Die 
Steinkerne,  .Skulptursteinkerne  und  ein  großer  Teil  der  Hohlabdrücke  sind 
vollständig  glatt.  Die  tiefen  schmalen  konzentrischen  Furchen,  die  die  Ober- 
fläche der  Schale  fast  gleichmäßig  überziehen,  sind  nur  an  einigen  Stein- 
kernen mit  Schalenresten  und  Flohlabdrücken  aus  feinerem  festem  Materiale 
sichtbar  (Taf.  13,  Fig.  3).  Durch  Absprengen  der  Wirbelpartie  konnte 
eine  Anzahl  Schloßabdrücke  freigelegt  werden.  Die  linke  Klappe  (Taf.  12, 
Fig.  38)  zeigt  im  Abdruck  divergierend  einen  schmalen  kurzen  vorderen, 
einen  kräftigen  kurzen  mittleren  und  einen  langen  schmalen,  schräg  nach 
hinten  gerichteten  hinteren  Hauptzahn,  sowie  einen  querliegenden  vorderen 
kurzen  kräftigen  Seitenzahn.  In  der  rechten  Klappe  (Taf.  12,  Fig.  39) 
sind  zwei  schmale  kurze  parallele,  nahe  beieinander  stehende  vordere  und 
ein  schräg  nach  hinten  gerichteter,  schwach  gespaltener  langer  Hauptzahn, 
ferner  nahe  dem  vorderen  Schalenrande  der  Ausguß  der  Grube  zur  Aufnahme 
des  vorderen  Seitenzahnes  der  linken  Klappe  zu  erkennen.  An  einigen  Stein- 
kernen ist  auch  der  vordere  und  hintere  Muskeleindruck  sichtbar. 


Paläontologischer  Teil 


279 


Maße: 

i ') 

2 

3 

4 

5 

6 

7 

8 2) 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

Länge: 

26 

19 

20 

35 

26 

27 

18 

31 

Höhe: 

20 

15 

16 

28 

21 

22 

15 

26 

Lange  : Höhe 
= 100: 

77 

79 

80 

80 

81 

82 

83 

84 

Maße: 

9 

10 

11 

12 

13 

14 

15 

16 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

Län  ge : 

27 

14 

21 

22 

35 

31 

25 

18 

Höhe: 

23 

12 

18 

19 

30 

27 

22 

16 

Lange  : Höhe 
= 100: 

85 

86 

86 

86 

86 

87 

88 

89 

Maße: 

17 

18 

19 

20  3) 

21 

22 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

Länge: 

20 

21 

22 

24 

18 

21 

Höhe: 

18 

19 

20 

22 

17 

20 

Länge  : Hohe 
= 100: 

90 

90 

91 

92 

94 

95 

1)  Tn. f.  12,  Fig.  37,  2)  Abb.  49,  3)  Abb.  50. 

Fundort:  E E.-St.  Tannendorf  1. 


Durchschnitt  des  Verhältnisses  von  Länge:  Höhe  100:80  bis  100:90. 


Abb.  49.  Cythcrea  ovalis  Goldf.  sp.,  rechte  Klappe,  Steinkern. 

Emscher,  E.-St.  Tannendorf  1.  Orig.  Geol.  Landesmus.  (A  No.  375).  . 

Abb.  50.  desgl.  (A  No.  376). 

Venus  ovalis,  Venus  faba  und  andere  Namen  waren  früher  beliebte  Be- 
zeichnungen für  Steinkerne  von  Venusarten  der  Oberen  Kreide  ohne  sichere 
Begründung  der  Artumgrenzung.  Das  vorliegende  reichliche  Material  er- 
möglicht aber  auch  bei  annähernd  gut  erhaltenen  Steinkernen  eine  ziemlich 
sichere  Scheidung.  In  der  Form  ist  Cvtherea  ovalis  im  Durchschnitt  höher  als 
Tapes  faba  (subfaba),  die  Wölbung,  besonders  bei  mittleren  Exemplaren,  ist 
kräftiger,  der  Wirbel  mehr  aufragend  und  mehr  in  die  Mitte  gerückt  als  bei 
der  zweiten  Art;  außerdem  lassen  häufig  als  Cvtherea  ovalis  anzusprechende 
Steinkerne  den  Abdruck  des  vorderen  Seitenzahnes  oder  die  Grube  für  diesen 
erkennen.  Von  der  ebenfalls  im  Kreibitzer  Gebiet  häufigen  Cvtherea  kruschi 
n.  sp.  unterscheidet  sich  Cvtherea  ovalis  im  Steinkern  durch  das  Fehlen  der 
stumpfen  Rückenkante,  die  auch  bei  jungen  Exemplaren  vorhanden  ist. 

Die  Kenntnis  der  Art  geht  von  der  Aachener  Kreide  aus.  Von  da  wurde 
sie  beschrieben  durch  GoLDruss,  J.  Müller,  J.  Böhm  und  zuletzt  in  ein- 


280 


Abh.  preuß.  gieol.  L.-A.,  Neue  Folge,  Heft  159 


gehender  Weise  durch  Holzapfel.  Gegenüber  dem  von  dort  vorhandenen 
Materiale  an  guten  Schalen  läßt  sich  an  Hand  unserer  Steinkerne  wenig 
Neues  sagen.  Zu  vorstehender  Arbeit  lagen  einige  Exemplare  von  diesem 
Platze  zum  Vergleiche  vor.  A.  Roe.vier  führt  u.  a.  Aachen  als  Fundort  an. 
Die  kurze  Beschreibung  von  G.  Müller  über  die  bei  Braunschweig  gefundenen 
Exemplare  gibt  ebenfalls  zu  keiner  Bemerkung  Veranlassung.  Von  Kieslings- 
walde führen  Roemer,  Geinitz  und  Sturm  die  Art  an,  auch  ich  habe  einige 
Exemplare,  darunter  solche  mit  guten  Schloßabdrücken,  dort  gesammelt. 
Scupin  erwähnt  die  Art  als  häufig  in  den  Neuwarthauer  Schichten  und  im 
Löwenberger  Ober-  und  Überquader.  Die  Abbildung  des  Schlosses  auf  Taf.  7, 
Fig.  7 läßt  keinen  Zweifel  an  der  Übereinstimmung  mit  unserer  Art.  An 
einigen  im  Emscher  von  Löwenberg  selbst  gesammelten  Stücken  ist  die  Höhe 
im  Vergleich  zur  Länge  größer  als  an  unseren  Stücken.  Eine  Trennung  ist 
aber  kaum  möglich.  Ferner  zieht  Scupin  gute  Schloßexemplare  von  Cytherea 
ovalis  vom  Salzberge  bei  Quedlinburg  aus  der  Hallischen  Sammlung  zum 
Vergleich.  Unter  meinem  am  Salzberge  gesammelten  Material  findet  sich 
nur  ein  einziges  unvollständiges  Stück,  das  dieser  Art  angehören  könnte. 

Venus  ovalis  bei  Reuss  71)  und  als  Kopie  bei  Fric72)  aus  der  böhmischen 
Kreide  von  Hundorf  und  Kutschlin  gehören  weder  zu  unserer  noch  zu  sonst 
einer  näher  bekannten  Art.  Die  Verschiedenheit  unserer  Art  von  der  mit 
ihr  durch  frühere  Autoren  vereinigten  englischen  Venus  ovalis  Sow.  ist 
durch  Woods  73)  festgestellt  worden. 

Vorkommen: 

Oberturon  y : Kreibitz  4,  6,  8; 

Emscher:  E.-St.  Tannendorf  1,  Kreibitz  1,  12,  23,  24,  26,  27,  28,  Jäger- 

dörfel  1,  Gehnsdorf  Löw.  1,  2 (beide  Geol.  Landesmus.),  Berg- 
warthau  Löw.  zahlreich  (Geol.  Landesmus.),  Neuwarthau  Löw. 
1,  2,  3 (alle  drei  Geol.  Landesmus.),  Giersdorf  Löw.  (Geol. 
Landesmus.),  Großhartmannsdorf  Löw.  (Geol.  Landesmus.), 
Deutmannsdorf  Löw.  (Geol.  Landesmus.),  Oberkesselsdorf  Löw. 
(Geol.  Landesmus.),  Herzogswaldau  Löw.  (Geol.  Landesmus.), 
Kieslingswalde,  Salzberg  (1  Stück); 

Untersenon:  Wenig  Rackwitz  Löw.  1 (Geol.  Landesmus.,  Realgymn.  Löwen- 

berg). 

Außerdem  im  Untersenon  von  Aachen  und  am  nördlichen  Harzrande. 

Cytherea  kmschi  n,  sp. 

Taf.  13,  Fig.  4—8;  Abb.  51 

1889  Cytherea  cf.  polymorpha  Holzapfel,  2,  S.  172,  Taf.  13,  Fig.  19, 

1912—13  Cytherea  cf.  polymorpha  Scupin,  S.  162,  Taf.  7,  Fig.  11. 

1912—13  Cytherea  (?)  nov.  spec.  aff.  plana  Sow.  Scupin,  S.  162,  Tal.  8,  Fig.  2. 

Die  Muschel  ist  queroval,  mehr  oder  weniger  dreieckig,  mäßig  gewölbt 

und  ungleichseitig.  Das  Möndchen  bildet  vor  dem  Wirbel  eine  längliche 
konkave  Höhlung,  die  bei  Steinkernen  bedeutend  tiefer  erscheint  als  bei 
Schalenexemplaren.  Der  kurze  gerundete  Vorderrand  geht  im  Bogen  in  den 

71)  Reuss  1846,  2,  S.  21.  Taf.  34,  Fig.  22. 

72)  FltlC  188.),  S.  80,  Abb.  69. 

73)  WOODS  1904-13,  2,  8.  191,  Taf.  29,  Fig.  19—26. 


Paläontologischer  Teil 


281 


fast  geraden  Unterrand  über.  Der  kurze  Hinterrand  ist  abgestutzt.  Von  ihm 
steigt  in  langem  flachem  Bogen  der  hintere  Oberrand  zum  Wirbel  auf.  Der 
aufstrebende  Wirbel  ist  nach  vorn  niedergebogen.  Vom  Wirbel  verläuft  zur 
hinteren  unteren  Ecke  eine  schwache,  zuweilen  kaum  wahrnehmbare  Kante, 
hinter  der  der  Steinkern  etwas  steiler  abfällt  und  wo  er  eine  Abflachung, 
seltener  eine  wenig  deutliche  Einbuchtung  (hinterer  Muskeleindruck  ?)  be- 
sitzt. Die  Steinkerne  sind  vollständig  glatt.  Hohlabdrücke  lassen  unregel- 
mäßige konzentrische  Runzeln  und  Linien  erkennen  (Taf.  13,  Fig.  3).  Auf 
zwei  Steinkernen  hat  der  Abdruck  der  inneren  Schalenseite  auch  einzelne 
Radialfurchen  eingeprägt.  Der  vordere  Muskeleindruck  ist  auf  den  Stein- 
kernen sehr  deutlich,  der  hintere  hingegen  nur  schwach  wahrnehmbar.  Die 
eingebuchtete  Mantellinie  ist  nur  an  wenigen  Exemplaren  verschwommen 
zu  erkennen. 


Abb.  51.  Cytherea  kruscln  n.  sp.,  linke  Klappe,  Stein  kern. 

Emscher,  E.-St.  Tannendorf  1.  Orig.  Geol.  Landesmus.  (A  No.  382). 

Durch  Absprengen  der  Wirbelpartie  gelang  es,  einige  Schloßabdrücke 
freizulegen.  In  der  rechten  Klappe  (Taf.  13,  Fig,  4)  divergiert  der  kurze 
schmale  vordere  Hauptzahn  in  sehr  spitzem  Winkel  mit  dem  durch  eine 
tiefe  Grube  getrennten  kurzen  kräftigeren  mittleren  Hauptzahn.  Nach  dem 
besten  Abdruck  ist  der  bedeutend  längere,  schräg  nach  hinten  gerichtete 
hintere  Hauptzahn  in  zwei  schmale,  nebeneinander  liegende  Leisten  gespalten. 
Hart  vor  dem  vorderen  Hauptzahn  liegt  horizontal  zum  Schalenrande  die 
Grube  für  die  Aufnahme  des  vorderen  Seitenzahnes  der  linken  Klappe.  Die 
drei  Hauptzähne  der  linken  Klappe  (Taf.  13,  Fig.  5)  divergieren  eben- 
falls. Der  vordere  schmale  Hauptzahn  ist  kurz  und  steht  ungefähr  senkrecht, 
der  kräftige  mittlere  ist  nach  hinten  und  der  hintere,  bedeutend  längere, 
schmale  leistenförmige  Hauptzahn,  fast  der  Richtung  des  Schalenrandes 
folgend,  ebenfalls  nach  hinten  gerichtet.  Die  breite  flache  Grube  zwischen  dem 
mittleren  und  hinteren  Hauptzahn  besitzt  in  der  Mitte  eine  schwache  Wulst. 
Der  schmale  vordere  Seitenzahn  liegt  parallel  zum  vorderen  Schalenrande. 

Das  Verhältnis  von  Länge:  Höhe  bewegt  sich  zwischen  100:82  und  100:92. 
Am  häufigsten  sind  Formen  im  Maßverhältnis  von  100:86  bis  100 : 88  vertreten. 


Maße: 

i ') 

9 

3 

4 

5 

6 

7 

8 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

Länge: 

50 

48 

54 

46 

52 

36 

42 

50 

Höhe: 

41 

40 

45 

39 

44 

31 

36 

43 

Länge  : Hölle 
= 100: 

82 

83 

83 

85 

85 

86 

86 

86 

282 


Abh.  preuß.  gieol.  L.-A.,  Neue  Folge,  Heft  159 


Maße : 

9 

10 

11 

12 

13 

14 

15 

16  2) 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

Lange: 

45 

54 

33 

35 

50 

44 

45 

49 

Höhe: 

39 

47 

29 

31 

44 

39 

41 

45 

Lauere  : Höhe 
= 100: 

87 

87 

88 

88 

88 

89 

90 

92 

1)  Abb.  51,  2)  Taf.  13,  Fig.  6. 

Fundort:  E E.-St.  Tannendorf  1. 


Ohne  das  Schloß  der  durch  Holzapfel  aus  dem  Grünsand  von  Aachen  auf 
Taf.  13,  Fig.  19  und  der  durch  Scupin  aus  den  Neuwarthauer  Schichten  auf 
Taf.  7,  Fig.  11  dargestellten  Exemplare  zu  kennen,  glaube  ich  mit  Rücksicht 
auf  die  vollständig  gleichartige  Form  und  das  ungefähr  gleichaltrige  Lager, 
sie  zu  unserer  Art  stellen  zu  dürfen.  Cvtherea  polymorpha  Zittel  1865,  1, 
S.  23,  Taf.  3,  Fig.  6,  mit  der  die  beiden  vorgenannten  Formen  in  Vergleich 
gezogen  worden  sind,  stellt  in  den  Abbildungen  drei  so  verschiedene  Typen 
dar,  daß  ich  sie  nicht  alle  mit  meiner  Art  zu  vereinigen  wage.  In  welchem 
Umfange  bei  den  Originalen  Verdrückungen,  die  von  Zittel  besonders  hervor- 
gehoben werden,  vorhanden  sind,  entzieht  sich  meiner  Kenntnis.  Am  nächsten 
steht  unseren  Exemplaren  die  Abbildung  Fig.  6 a.  Fig.  6 c könnte  nach  der 
Form  zur  Varietät  elohgata  gehören,  während  Fig.  6 b ganz  abweichend  aus- 
gebildet und  sehr  ähnlich  manchen  Exemplaren  von  V enilicardia  van  reyi 
Bosouet  ist.  Zittel  erklärt,  daß  das  Schloß  seiner  Exemplare  mit  Venus 
plana  Sow.  vollständig  übereinstimme.  Nach  der  Darstellung  dieser  Art  bei 
Woods  74)  ist  der  gespaltene  hintere  Hauptzahn  in  der  rechten  Klappe  breiter 
als  in  unseren  Exemplaren.  Infolge  so  unsicherer  Grundlagen  bei  Zittel  mußte 
für  unsere  scharf  umgrenzte  Art  eine  neue  Bezeichnung  gewählt  werden.  Von 
der  englischen  Callista  plana  unterscheidet  sich  Cvtherea  kruschi  ferner  noch 
durch  den  mehr  geraden  Unterrand  und  die  deutlichere  Abstutzung  des  Hinter- 
randes. In  der  Emscherliteratur  scheint  Cvtherea  kruschi  wiederholt  behandelt 
worden  zu  sein,  jedoch  so  durcheinandergewürfelt  mit  anderen  Formen,  daß 
ein  Eingehen  hierauf  unterbleiben  muß. 

Ich  benenne  die  Art  nach  dem  Präsidenten  der  Preußischen  Geologischen 
Landesanstalt  Herrn  Geh.  Bergrat  Professor  Dr.  P.  Kiiuscm  in  Berlin. 

Vorkommen: 

Mittelturon:  Lämberg,  Turnau  1; 

Oberturon  aß:  Waltersdorf  2; 

Emscher:  E.-St.  Tannendorf  1,  Kreibitz  23,  24,  Oberkreibitzer-Talsperre 

5,  Böhm.  Zwickau  5,  Hermsdorf  9,  Kieslingswalde  (2  Stück 
mit  Schloß  selbst  gesammelt,  sowie  Mus.  Dresden),  Salzberg 
(2  Steinkerne  selbst,  soAvie  Mus.  Dresden),  Kesselsdorf  Löw. 
(Geol.  Landesmus.,  Realgymn.  Löwenberg),  Bergwarthau  Löw. 
(Geol.  Landesmus.),  Gehnsclorf  Löw.  2 (Geol.  Landesmus.), 
Neuwarthau  Löw.  2 ?,  4 (beide  Geol.  Landesmus.),  Herzogs- 
waldau Löw.  (Geol.  Landesmus.) ; 

Untersenon:  Wehrau  Löw.  (Geol.  Landesmus.). 

Außerdem  im  Untersenon  von  Aachen. 

74)  Callista  plana  WOODS,  1904  — 13,  2,  S.  192,  Taf.  30,  Fig.  1 — 6. 


Paläontologischer  Teil 


283 


Cytherea  hrusehi  n.  sp.  var.  n.  elongata 
Taf.  13,  Fig.  9—12;  Abb.  52,  53 

Von  der  Hauptform  unterscheiden  sich  gegen  60  Steinkerne  durch 
einen  mehr  verlängerten  Umriß  und  mehr  niedergedrückten  Wirbel, 
so  daß  deren  Abtrennung  als  Varietät  notwendig  erschien.  Die  Stein- 
kerne sind  von  querovaler,  mehr  oder  weniger  dem  Dreieck  zugeneigter  Form. 
Vor  dem  Wirbel  bildet  das  Möndchen  eine  flache  Einbuchtung,  der  Vorderrand 
ist  kurz  und  gerundet,  der  Unterrand  flach  gebogen,  der  Hinterrand  mehr 
oder  weniger  abgestutzt,  der  hintere  Oberrand  steigt  im  flachen  Bogen  zum 
weit  nach  vorn  gerichteten,  niedergebogenen  Wirbel  empor.  Hinter  einer  vom 
Wirbel  zur  unteren  hinteren  Ecke  ziehenden  stumpfen  Kante  fällt  die  gleich- 
mäßig gewölbte  Schale  etwas  steiler  ab  und  bildet  zuweilen  eine  seichte 
Vertiefung,  in  der  der  hintere  Muskeleindruck  liegt.  Besonders  deutlich  tritt 
der  vordere  Muskeleindruck  hervor. 

Die  Verzierung  der  Schale  besteht  aus  unregelmäßigen  schwächeren  und 
kräftigeren  konzentrischen  Linien  und  Runzeln.  An  einem  Skulptursteinkerne 
und  an  einem  Hohlabdrucke  ist  auf  den  kräftigsten  Runzeln  eine  deutliche 
Schalenkerbung  sichtbar,  wie  dies  Fig.  12  auf  Taf.  13  zeigt.  Diese  Kerbung 
ist  aber  nur  in  den  günstigsten  Fällen  erhalten  und  scheint  auch  bei  der 
Hauptform  von  Cytherea  kruschi  vorhanden  zu  sein.  Von  letzterer  unterscheidet 
sich  die  Varietät  ferner  durch  den  breiter  gespaltenen  hinteren  Hauptzahn  in 
der  rechten  Klappe,  entsprechend  der  niedergedrückteren  Form  der  Schale 
(Taf.  13,  Fig.  9).  D>as  Schloß  gleicht  so  der  Abbildung  von  Callista  plana 
Sow.  bei  Woods75).  Das  Verhältnis  von  Länge : Höhe  variiert  von  100:69 
bis  100:79.  Am  zahlreichsten  sind  Exemplare  im  Verhältnis  100:76. 


Maße: 

1 

2 

3 

41) 

5 

6 

7 

8 

92) 

10 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

Länge: 

39 

50 

42 

46 

33 

52 

50 

32 

42 

50 

Höhe: 

27 

35 

30 

33 

24 

38 

37 

24 

32 

38 

I iinge  : Höhe 
= 100: 

69 

70 

72 

72 

73 

73 

74 

75 

76 

76 

Maße: 

11 

12 

13 

14 

15 

16 

17 

18 

19 

20 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

Länge: 

53 

55 

52 

51 

36 

50 

45 

46 

51 

57 

Höhe: 

40 

42 

40 

39 

28 

39 

35 

36 

40 

45 

Lange  : Höhe 
— 100: 

75 

76 

77 

77 

78 

78 

79 

79 

79 

79 

1)  Taf.  13,  Fig.  M,  2)  Abb.  52. 

Fundort:  E E.-St.  Tannendorf  1. 

Während  die  Hauptform  ein  Durchschnittsverhältnis  von  100:87  besitzt, 
ergibt  dies  bei  der  Varietät  100:75.  Der  auf  Grund  der  Verhältniszahlenreihen 
vorhandene  scheinbare  Übergang  beider  Formen  besteht  nicht.  An  der  Grenze 
stehen  nur  ganz  wenig  Exemplare,  so  daß  bei  dem  umfangreichen  Material 
bestimmt  zwei  Gruppen  unterschieden  werden  können. 

Sehr  charakteristisch  ist  die  Form  unserer  Varietät  bei  Zittel  1865,  1, 
Taf.  3,  Fig.  6 c als  Cytherea  polymorpha  dargestellt.  Auch  Venus  matheroni 

75)  Woods  1904  — 13,  2,  Taf.  30,  Fig.  2. 


284 


Abh.  preuß.  geol.  L.-A.,  Neue  Folge,  lieft  159 


ebenda  Fig.  1 a steht  ohne  Rücksicht  auf  die  Schloßausbildung  den  weniger 
abgestutzten  Exemplaren  sehr  nahe.  Callista  plana  bei  Woods  1904—1913,  2, 
Taf.  30,  Fig.  1—6  unterscheidet  sich  durch  den  der  Hauptform  gleichenden, 
mehr  aufragenden  Wirbel  und  die  kürzere  Form,  während  die  Schloßausbildung 
der  Varietät  entspricht.  Auch  scheint  bei  den  englischen  Exemplaren  der 
Rücken  weniger  steil  nach  dem  Hinterrande  abzufallen.  Sehr  ähnlich  ist 
unserer  Varietät  auch  Cytlierea  plana  bei  Holzapfel  1889,  2,  Taf.  13,  Fig.  18. 
Sturm  1901,  S.  81  faßt  von  Kieslingswalde  unsere  höheren  und  niederen 
Formen  unter  der  Bezeichnung  Venus  matheroni  zusammen,  wie  ich  mich  an 
dem  von  ihm  bezeichneten  Materiale  im  Museum  zu  Dresden  überzeugen 
konnte.  Bei  all  diesen  Formen  ist  ein  sicherer  Vergleich  nur  durch  Kenntnis 
des  Schloßapparates  möglich.  Einen  annähernden  Schluß  kann  man  schließlich 
auch  ziehen  beim  Vergleich  der  Wölbungsverhältnissse  usw.  an  Originalstücken. 


Abb.  52.  Cytlierea  kruschi  n.  sp.  var.  n.  elongata , linke  Klappe,  Steinkern. 

Emscher,  E.-St.  Tannendorf  1.  Orig.  Geol.  Landesmus.  (A  No.  391). 

Abb.  53.  Cytlierea  kruschi  n.  sp.  var.  n.  elongata , rechte  Klappe,  Steinkern, 
Oberfläclienzeichnung  unter  Benützung  des  Kohldruckes. 

Oberturon  a ß,  Waltersderf  2.  Orig.  Geol.  Landesmus.  (A  No.  393). 

Vorkommen: 

Oberturon  aß:  Finkendorf  2,  Waltersdorf  2; 

Emscher:  E.-St.  Tannendorf  1,  Kreibitz  27,  Daubitz  5,  Hillemühl  3,  Kies- 

lingswalde (ein  paar  mangelhafte  Stücke),  Salzberg  (2  Stein- 
kerne), Bergwarthau  Löw.  (Geol.  Landesmus.),  Gehnsdorf  Löw. 
2 (Geol.  Landesmus.),  Neuwarthau  Löw.  4 (Geol.  Landesmus.). 

Tapes  Mecjkiuj: 

Tapes  nuciformis  MlLL.  sp.  (?) 

Taf.  13,  Fig.  13 

1889  Tapes  nuciformis  Holzapfel,  2,  S.  167,  Taf.  13,  Fig.  1—5. 

Zu  dieser  Art  sollen  einige  Skulpturstcinkerne  bzw.  Steinkerne  mit  Hohl- 
abdrücken gestellt  werden,  die  sich  von  den  unter  Cytlierea  tumida  auf- 
geführten Formen  nur  dadurch  unterscheiden,  daß  sie  feinere  konzentrische 
Anwachslinien  auf  der  Oberfläche  wahrnehmen  lassen.  Das  Herauspräparieren 
eines  Schlosses  war  nicht  möglich,  so  daß  das  Vorkommen  dieser  Art  in 
unserem  Gebiete  als  unsicher  bezeichnet  werden  muß. 


285 


Paläontologischer  Teil 


Auch  bei  Kieslingswalde  und  am  Salzberge  bei  Quedlinburg  habe  ich 
Exemplare  von  der  charakteristischen  Form  dieser  Art  mit  feinen  konzen- 
trischen Linien  auf  der  Schalenoberfläche  gesammelt.  Der  Schloßapparat 
konnte  aber  auch  hier  nicht  festgestellt  werden. 

Vorkommen: 

Oberturon  y:  Birkwitz  (?)  (Mus.  Dresden),  Kreibitz  3; 

Emscher:  E.-St.  Tannendorf  1,  Markersdorf  3 (?). 

Außerdem  im  Unlersenon  von  Aachen. 


Die  in  der  deutschen  Literatur  als  Venus  goldfussi  Gein.  und  Venus  parva 
Sow.  vielfach  aufgeführten  Formen  gehören  sicher  zum  größten  Teil  den  beiden 
im  Steinkern  voneinander  kaum  zu  unterscheidenden  Arten  Cvtherea  tumida 
Müll,  und  Tapes  nuciformis  Müll.  an.  Deshalb  sei  so  weit  als  möglich  eine 
Kritik  dieser  Darstellungen  hier  angefügt.  Goldfuss70)  schildert  seine  Form 
von  Haldem  als  flach;  jedoch  weist  die  Abb.  4c  einen  unseren  dickeren  Exem- 
plaren entsprechenden  Umfang  auf.  Geinitz  77)  trennt  die  Kieslingswalder 
und  Haldemer  Form  von  der  englischen  V enus  parva  Sow.,  was  durch  Ab- 
bildung und  Beschreibung  bei  Woods  7S)  als  richtig  bestätigt  wird.  Die  in 
der  „Charakteristik“ 79)  bei  Geinitz  gegebenen  Abbildungen  lassen  ihre  Zu- 
gehörigkeit bei  der  mangelhaften  Darstellungsweise  nur  unsicher  erkennen, 
wenn  auch  die  Beschreibung  darauf  schließen  läßt.  Hingegen  gehören  im 
„Elbtalgebirge“ so)  die  Abbildungen  Fig.  16  (Original  dick  und  kugelig)  und 
17  ganz  entschieden  hierher.  Fig.  4 von  Strehlen  zeigt  den  gleichen  Charakter, 
Fig.  3 ist  verdrückt,  nach  dem  Original  jedoch  dieselbe  Art. 

Zu  Eriphpla  lenticularis  Goldf.  gehören,  wie  Geinitz  ebenfalls  als  wahr- 
scheinlich hinstellt,  letztere  beide  keinesfalls,  da  Steinkerne  dieser  Art  ein 
anderes  Aussehen  besitzen.  Von  der  Hackkuppe  bei  Saupsdorf,  aus  den 
Tonmergeln  der  Teplitzer  Straße  in  Dresden,  sowie  aus  dem  Cenoman  von 
Tyssa  befinden  sich  ebenfalls  Stücke  im  Museum  zu  Dresden.  Die  Zugehörig- 
keit der  beiden  Abbildungen  bei  Reuss  81 ) ist  sehr  fraglich.  Unter  den  in 
der  Beschreibung  aufgeführten  Fundorten  dürften  aber  wohl  auch  Exemplare 
unserer  beiden  Arten  vertreten  sein  (Kreibitz!).  FriC32)  führt  die  Form 
wiederholt  auf.  Die  aus  den  Iserschichten  stammenden  Steinkerne  sind  sehr 
undeutlich  und  unsicher.  Die  Form  der  Teplitzer  Schichten  ist  bestimmt 
hierher  zu  stellen.  Die  Abbildung  in  den  Priesener  Schichten  ist  nur  eine 
Kopie  von  Reuss;  einige  mir  vorliegende  zusammengedrückte  Exemplare  von 
Priesen  mit  konzentrischen  Linien  sind  unsicher.  Die  Exemplare  der  Chlomeker 
Schichten  entstammen  zum  großen  Teil  unseren  Fundorten  und  sind  bestimmt 
hierher  zu  stellen.  Die  Abbildung  bei  Langenhan  Sl  Gründet  63)  ist  nicht 
verwertbar.  Sturm  81)  vermag  von  Kieslingswalde  auch  nur  den  Kollektiv- 

76)  Venus  parva  SOW.  GOLDFUSS  1834  — 40.  2,  S,  235,  Taf.  151,  Fig.  4 a— c. 

77)  Venus  goldfussi  GEINITZ  1849/50,  Taf.  10,  Fig.  7,  8. 

78)  Cyprimeria  parva  Sow  WOODS  1904  — 13,  2,  S.  184,  Taf.  28,  Fig.  19 — 23;  Taf.  29,  Fig.  1 — 3. 

79)  Venus  parva  ÖOW.  GEINITZ  1842.  3,  8.  76,  Taf.  20,  Fig.  6,  7. 

80)  Venus  goldfussi  GEINITZ  1875,  2,  S.  67,  Taf.  18,  Fig.  3,  4,  16,  17. 

81)  Venus  parva  SOW.  REUSS  1846,  2,  S.  20,  Taf.  41,  Fig.  16,  17. 

82 ) Venus  cf.  parva  SOW.  FlUC  1883,  S.  109,  Abb.  77.  — Venus  goldfussi  GEIN.  Kric  1889,  S.  80, 

Abb.  70.  — Venus  parva  Sow.  FRIC  1893,  8.  98,  Abb.  118.  — Venus  goldfussi  GEIN. 

FRIC  1897,  8.  63,  Abb.  79. 

83)  Venus  parva  80W.  Langeniian  & GrüNDEY  1891,  Taf.  3,  Fig.  20. 

84)  Venus  goldfussi  Gein.  Sturm  1901,  S.  81. 


286 


Abh.  preuß.  gteol.  L.-A.,  Neue  Folge,  Heft  159 


namen  anzuwenden.  Mir  ist  es  ebenfalls  trotz  vieler  Mühe  nicht  gelungen, 
unter  dem  dort  gesammelten  Material  ein  Schloß  freizulegen.  Es  sind  ganz 
glatte  wie  auch  mit  feinen  konzentrischen  Linien  versehene  Schalen  vor- 
handen, so  daß  demnach  beide  Arten.  Cvtherea  tumida  und  Tapes  nuciformis , 
dort  Vorkommen  könnten.  Die  Schilderung  bei  Drescher  85)  bezüglich  der 
Zunahme  der  treppenartigen  Absätze  je  nach  der  Größe  der  Schale  läßt  sich 
bei  umfangreicherem  Material  nicht  aufrecht  erhalten;  so  besitzen  kleinere 
Exemplare  ebenso  viel  oder  weniger  solcher  Absätze  als  größere  und  auch 
umgekehrt.  Die  beiden  von  Scupin  sg)  abgebildeten  Stücke  gehören  sicher 
in  diese  Gruppe.  Auch  von  ihm  wird  die  Schwierigkeit  der  Unterscheidung 
beider  Arten  hervorgehoben. 

Tapes  subfaba  d’Oris.  sp. 

Taf.  13,  Fig.  14,  15,  16;  Abh.  54,  55,  56 

1834 — 40  Venus  faba  Goldfuss,  2,  S.  247,  Taf.  151,  Fig.  6 (non  Sow.). 

1843  Venus  faba  Geinitz,  4,  S.  13,  Taf.  2,  Fig.  7 — 9. 

1850  Venus  subfaba  d’Orbigny,  2,  S.  237. 

1863  Venus  faba  Drescher,  S.  343  zum  Teil. 

1875  Venus  faba  Geinitz,  2,  S.  65,  Taf.  18,  Fig.  9,  10. 

1875  Venus  fabacea  Brauns,  S.  367  zum  Teil. 

1889  Tapes  faba  Holzapfel,  2,  S.  165,  Taf.  13,  Fig.  7—10. 

1897  Venus  faba  Fric,  S.  63,  Abb.  80  a (non  80  b). 

1897  Venus  subfaba  FriC,  S.  64,  Abb.  81  a,  b. 

1898  Tapes  subfaba  G.  Müller,  S.  65,  Taf.  9,  Fig.  10. 

1901  Venus  faba  und  subfaba  Sturm,  S.  82,  Taf.  7,  Fig.  7. 

1909  Venus  faba  Wanderer,  S.  42,  Taf.  7,  Fig.  18. 

1912 — 13  Tapes  subfaba  Scupin,  S.  158,  Taf.  6,  Fig.  13,  14. 

Die  Muschel  besitzt  gerundet  querovalen  Umriß,  eine  gleichmäßig  flache 
Wölbung  und  kleine,  mehr  oder  weniger  niedergedrückte  Wirbel.  Die  Lage 
der  Wirbel  unterliegt  Schwankungen,  jedoch  ist  sie  stets  vor  der  Schalenmitte. 

Die  Verzierung  der  Schale  besteht  aus  regelmäßigen  feinen  sowie  ver- 
einzelten schärferen  und  tieferen  konzentrischen  Furchen  und  breiteren 
Zwischenräumen  (Taf.  13,  Fig.  14).  Steinkerne  sind  glatt.  Nach  vieler  Mühe 
gelang  es,  an  Steinkernen  verschiedener  Fundorte  (E  E.-St.  Tannendorf  1, 
E Oberkreibitzer  Talsperre  5,  OTy  Kreibitz  3,  E Kieslingswalde)  durch  Ab- 
sprengen der  Wirbel  die  Abdrücke  von  Schlössern  freizulegen.  Hiernach  zeigt 
die  rechte  Klappe  (Taf.  13,  Fig.  15)  einen  kräftigen  kurzen  vorderen,  einen 
noch  kräftigeren  mittleren  und  einen  in  zwei  schmale  Leiste  gespaltenen, 
schräg  nach  hinten  gerichteten  dritten  Zahn.  Gegenüber  der  Abbildung  bei 
Holzapfel  erscheint  nach  dem  Hohlabdruck  der  mittlere  Zahn  an  unseren 
Exemplaren  kräftiger  und  breiter  sowie  die  vordere  Leiste  des  gespaltenen 
Hinterzahnes  weniger  schräg  nach  hinten  gerichtet  als  dort.  Die  linke  Klappe 
(Taf.  13,  Fig.  16)  läßt  einen  schmalen  vorderen  und  einen  kräftigeren  mittleren 
Zahn,  beide  sehr  kurz,  erkennen.  Es  ist  nicht  möglich,  an  meinem  Material 
festzustellen,  ob  die  sich  an  letzteren  anschließende  kurze  dünne  Zahnleiste 
mit  diesem  in  Verbindung  steht.  Sicher  bildet  sie  aber  einen  größeren  Winkel 
mit  dem  mittleren  Zahne  als  es  die  Abbildung  bei  Holzapfel  darstellt.  Auch 

85)  Venus  goldfussi  GEIN.  DRESCHER  1863,  S.  344. 

86)  Venus  goldfussi  (iEIN.  SCUPIN  1912/13,  9.  IGO,  Taf.  6,  Fig.  8,  9. 


287 


Paläontalogischer  Teil 

in  der  linken  Klappe  ist  der  dritte  Zahn  schräg  nach  hinten  gerichtet,  dünn 
und  verhältnismäßig  sehr  lang.  Zur  Feststellung  der  Variationsbreite  der 
Art  sind  unverdrückte  Exemplare  aus  der  nur  etwa  einen  Meter  mächtigen 
versteinerungsreichen  Schicht  an  der  E.-St.  Tannendorf  (E  1)  aus  meiner 
Sammlung  verwendet  worden.  Sie  gehören  zweifellos  alle  zu  einer  Art,  wie 
das  Herauspräparieren  von  Schlössern  bei  hohen  und  niederen  Formen  gezeigt 
hat.  Auch  der  äußere  Charakter  der  Exemplare  spricht  für  die  Zusammen- 
gehörigkeit. Am  häufigsten  sind  Exemplare  von  mittlerem  Maßverhältnis. 


54  56 


Abb.  54.  Tapes  subfaba  d’Orb.  sp.,  Steinkern,  linke  Klappe. 
Emscher,  E.-St.  Tannendorf  1.  Orig.  G-eol.  Landesmus.  (A  No.  399). 
Abb.  55.  desgl.  rechte  Klappe.  (A  No.  400). 

Abb.  56.  desgl.  rechte  Klappe.  (A  No.  401). 


Maße: 

io 

2 

3 

4 

5 

6 

7 

82) 

9 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

Länge: 

24 

23 

20 

9,5 

16 

20 

30 

25 

22 

Höhe: 

15 

15 

13 

6,5 

11 

14 

21 

18 

16 

Länge  : Höhe  = 100 : 

63 

65 

65 

69 

69 

70 

70 

72 

73 

Maße: 

10 

ll3) 

12 

13 

14 

15 

16 

17 

18 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

Länge: 

26 

19 

23 

21 

25 

26 

27 

23 

18 

Höhe: 

19 

14 

17 

16 

19 

20 

21 

18 

14 

Länge  : Hohe  = 100 : 

73 

74 

74 

76 

76 

77 

78 

78 

78 

Maße : 

19 

20 

214) 

22 

23 

24 

25 

26 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

Länge: 

25 

20 

27 

22 

30 

19 

25 

22 

Höhe: 

20 

16 

22 

18 

25 

16 

21 

19 

Länge  : Höhe  = 100: 

80 

80 

81 

82 

83 

84 

84 

86 

1)  Tar.  13,  Fig.  14,  2)  Abb.  54,  3)  Abb.  55,  4)  Abb.  5G. 

Fundort:  E E.-St.  Tannendorf  1. 


Venus  fciba,  subfaba , ovalis  und  fabacea  sind  Sammelnamen,  die  im 
allgemeinen  für  querovale  Steinkerne  von  Venusarten  der  Oberen  Kreide  an- 
gewandt worden  sind.  Holzapfel  1384,  S.  462  ff.  hat  sich  darüber  ein- 
gehend geäußert  und  viele  Richtigstellungen  vorgenommen.  Es  wurde  deshalb 
dem  vorliegenden  reichlichen  Material  von  den  verschiedensten  Fundorten 
und  in  mannigfaltigstem  Erhaltungszustände  ganz  besondere  Sorgfalt  gewidmet, 


288 


Abh.  preuß.  geol.  L.-A.,  Neue  Folge,  Heft  159 


um  ein  klares  Bild  zu  erhalten.  Ob  höher  oder  niedriger,  es  ist  alles  nur  eine 
Art  von  ganz  bestimmtem  Formencharakter,  der  sich  mit  Worten  kaum 
scharf  umgrenzen  läßt. 

Beschreibung,  Abbildung  und  Fundort  bei  Goldfuss  widersprechen  nicht 
der  Zugehörigkeit  seiner  Form  zu  unserer  Art;  auch  die  Exemplare  von  Kies- 
lingswalcle,  wie  sie  von  Geinitz  und  Sturm  dargestellt  worden  sind,  und  wie 
das  mir  daselbst  gesammelte  Material  bestätigt,  gehören  sicher  hierher.  Eine 
Trennung  dieser  Formen  in  Venus  faba  und  subfaba , wie  sie  von  Sturm 
und  anderen  versucht  worden  ist,  kann,  wie  auch  aus  vorstehender  Aufstellung 
ersichtlich  ist,  nicht  durchgeführt  werden.  Dasselbe  gilt  für  die  von  Geinitz 
im  „Elbtalgebirge“  in  dieser  Hinsicht  gegebenen  Ausführungen.  Venus  faba 
bei  Reuss  1846,  2,  S.  21,  Taf.  41,  Fig.  12  könnte  vielleicht,  soweit  als  Fund- 
ort „Kreibitz“  in  Frage  kommt,  hierher  zu  stellen  sein,  während  für  die 
übrigen  daselbst  aufgeführten  Fundorte  aus  tieferen  Horizonten  die  Zu- 
gehörigkeit fraglich  ist.  Von  Löwenberg  ist  die  Art  durch  Drescher  und 
besonders  durch  Scupin  nachgewiesen  worden.  Auch  letzterer  gelangt  zu  dem 
Ergebnis,  daß  die  höheren  und  niederen  Formen  zusammengehören,  und  weist 
nach,  daß  sich  sogar  in  den  verschiedenen  Wachstumsstadien  das  Verhältnis 
von  Länge  : Höhe  verändert.  Wie  aus  der  Tabelle  hervorgeht,  kann  man 
jedoch  den  Satz  nicht  soweit  verallgemeinern,  daß  z.  B.  die  niedrigeren 
Exemplare  auch  die  kleineren  und  die  höheren  die  größeren  sein  müssen.  Die 
als  Synonym  von  ihm  aufgeführte  Venus  immer sa  bei  Reuss  1846,  2,  S.  20, 
Taf.  41,  Fig.  11  betrifft,  wie  nach  den  Fundorten  anzunehmen  ist,  eine 
Cenomanform,  die  ohne  Kenntnis  des  Schlosses  als  unsicher  gelten  muß. 
Unter  Venus  fabacea  schließt  Brauns  vom  Salzberge  unter  wahrscheinlich 
anderen  Arten  auch  die  unsere  mit  ein.  Es  liegen  mehrere  dort  selbst  ge- 
sammelte schöne  Skulptursteinkerne  von  Tapes  subfaba  zum  Vergleiche  vor. 
Holzapfel  hat  zum  ersten  Male  den  Schloßcharakter  eingehend  dargestellt. 
Auf  die  geringen  Abweichungen,  die  an  unseren  Exemplaren  festgestellt 
werden  konnten,  ist  bereits  hingewiesen  worden.  Außerdem  mußte  der  von 
ihm  etwas  zu  eng  gefaßte  Formenkreis  der  Art  entsprechend  erweitert  werden. 
Holzapfel  vereinigt  seine  Exemplare  mit  Venus  faba  Sow.  Woods  S7)  hat 
jedoch  nachgewiesen,  daß  die  englische  Form  aus  dem  Cenoman  und  Gault 
verschieden  von  der  Aachener  ist.  Mit  Scupin  erscheint  mir  der  stark  ge- 
krümmte Unterrand  und  der  spitzere  Hinterrand  der  Aachener  Stücke  als 
Unterscheidungsmerkmal  mit  Rücksicht  auf  das  vorliegende  Material  ebenfalls 
nicht  stichhaltig.  Hervorgehoben  muß  aber  werden,  daß  im  allgemeinen  unsere 
Exemplare  am  Hinterrande  weniger  abgestumpft  sind,  als  dies  die  Abb.  7 — 11 
bei  Woods  zeigen.  Hingegen  gleichen  die  von  Woods  seiner  Art  angeschlosse- 
nen Exemplare  der  Abb.  14  und  15  vom  gleichen  Fundort  den  unseren  in 
dieser  Beziehung  vollständig.  Die  Stellung  der  beiden  schmalen  Leisten  des 
hinteren  gespaltenen  Zahnes  in  der  rechten  Klappe  scheint  nach  hiesigen  Be- 
obachtungen nicht  so  stark  von  der  englischen  Art  abzuweichen  wie  nach  der 
Darstellung  bei  Holzapfel.  Die  durch  FniC  aufgeführten  Exemplare  sind  die 
unseren;  jedoch  gehört  Abb.  80b  zu  einer  anderen  Art  (Cptherea  ovalis 
Holzapfel  ?).  Auch  die  von  G.  Müller  aus  dem  Untersenon  von  Braun- 
schweig beschriebenen  Stücke  sind  hierher  zu  stellen.  Über  die  Zugehörigkeit 
von  Venus  faba  bei  d’Orbigny  8S)  läßt  sich  mit  Rücksicht  auf  den  älteren 

87)  WOODS  1904—13,  2,  B.  187,  Taf.  29,  Fig.  7 — 15. 

88)  d’Orbigny  1844,  3,  S.  444,  Taf.  385,  Fig,  6—8. 


Paläontologischer  Teil 


289 


Horizont  bei  der  sonstigen  Übereinstimmung  der  Form  u.  a.  ohne  Kenntnis 
des  Schlosses  kein  sicheres  Urteil  abgeben. 

Tapes  subfaba  findet  sich  an  fast  allen  ergiebigeren  Fundorten  des 
Kreibitztales  und  liegt  in  etwa  200  sicher  bestimmbaren  Exemplaren  vor. 
Ihr  Hauptlager  hat  die  Art  im  Emscher. 

Vorkommen: 

Mittelturon:  Liebenau  1,  Plauschnitz,  Bösig  7,  Kickeisberg  2,  Strehlen  (Mus. 

Dresden),  Dresden  1 (Mus.  Dresden),  Bonnewitz,  Leitmeritz  21, 
Turnau  2,  10,  13,  Jiein  30,  34,  42,  48,  51  (alle  5 Soukup),  28, 
39,  Hermsdorf  Löw.  2,  Kesselsdorf  Löw.  (Geol.  Landesmus.), 
Langenau  Löw.  2 (Geol.  Landesmus.),  Heuscheuer  1 ?,  2,  3 ?; 
Oberturon  aß:  Herrenleite  (Mus.  Dresden),  Lückendorf  2,  5,  Hochwald  1,  8, 
Jonsberg  1 (?) ; 

Oberturon  y : Kreibitz  3,  4,  6,  7,  8,  11,  12,  14,  Oberhennersdorf,  Kriesdorf, 

Martinstal  (Vortisci-i)  ; 

Emscher:  Limbach  3,  E.-St.  Tannendorf  1,  3,  4,  Kreibitz  4,  6,  7,  0,  12, 

14,  24,  26,  27,  28,  Oberkreibitzer  Talsperre  5,  9,  Daubitz  1,  3, 
Böhm.  Zwickau  5,  Böhm.  Kamnitz  12  (Prinz),  Jägerdörfel  1, 
E.-St.  Neuhütte  5,  Großgrünau,  Falkenau  6,  Tannenberg  3, 
Chlomek  (Mus.  Prag),  Neuwarthau  Löw.  1,  2 (Realgymn.  Löwen- 
berg, Geol.  Landesmus.),  3 (Geol.  Landesmus.),  Großhart- 
mannsdorf Löw.  (Geol.  Landesmus.),  Gehnsdorf  Löw.  1,  2 
(beide  Geol.  Landesmus.),  Hohlstein  Löw.  (Geol.  Landesmus.), 
Hermsdorf  Löw.  (Geol.  Landesmus.),  Kieslingswalde,  Salzberg; 
Untersenon:  Sirgwitz  Löw.  (Geol.  Landesmus.). 

Außerdem  im  Untersenon  von  Aachen  (Holzapfel)  und  im  Untersenon 
des  nördlichen  Harzrandes  (G.  Müller). 

Venus  (Tapes?)  royana  d’Okb. 

Taf.  13,  Fig.  17 

1844  Venus  royana  d’Orbigny,  3,  S.  448,  Taf.  386,  Fig.  4,  5. 

Es  liegen  nur  zwei  Steinkerne  und  einige  Bruchstücke  von  der  E.-St. 
Tannendorf  (E  1)  vor. 

Die  Muschel  ist  flach  gewölbt,  queroval  und  stark  ungleichseitig.  Ober- 
und Unterrand  sind  flach  nach  außen  gebogen  und  laufen  im  Grundriß  ungefähr 
parallel.  Unter  dem  Wirbel  ist  ein  flaches  Möndchen  eingesenkt.  Der  Vorder- 
rand bildet  einen  engen  kurzen  Bogen.  Der  Hinterrand  stößt  mit  dem  Unter- 
rande in  einer  stumpfen  Ecke  zusammen,  steigt  flach  bogenförmig  schräg 
aufwärts  und  geht  in  einer  kräftigeren  Biegung  in  den  Oberrand  über.  Der 
kleine  Wirbel  ist  weit  nach  vorn  gerückt  und  nach  vorn  etwas  niedergebogen. 
Eine  Feststellung  des  Schlosses  ist  leider  nicht  möglich. 

Die  Steinkerne  sind  glatt.  Nach  dem  einzigen  vorliegenden  Bruchstück 
eines  Hohlabdruckes  ist  auch  die  Schalenoberfläche  ziemlich  glatt  und  nur 
mit  einigen  kräftigen  konzentrischen  Furchen  bedeckt.  Vom  Wirbel  zur 
unteren  hinteren  Ecke  zieht  eine  flache  Kante,  hinter  der  die  Muschel  zum 
Hinterrande  abfällt.  Die  Mitte  der  Steinkerne  ist  eben. 


Ändert  19 


290 


Abh.  preuß.  gieol.  L.-A.,  Neue  Folge,  Heft  159 


Maße: 

1 

2 

3 

4 

Länge: 

60  mm 

56  mm 

32  mm 

60  mm 

Höhe: 

30  „ 

31  * 

15  „ 

27 

" 1 n 

Länge  : Höhe  = 100: 

50 

55 

47 

45 

Fundort: 

1),  2)  E E.-St.  Tannendorf  1,  3),  4)  E Kieslingswalde. 

4)  im  Museum  Dresden. 

Unsere  Art  unterscheidet  sich  von  Venus  fragilis  d’Orb.  89)  durch  ihren 
gerundeten,  schräg  aufsteigenden  Hinterrand,  der  bei  letzterer  gerade  ab- 
gestutzt ist.  Es  ist  merkwürdig,  daß  derartige  abgestutzte  Formen  auch  in 
Kieslingswalde 90)  Vorkommen,  so  daß  vielleicht  alle  zusammen  nur  eine 
Art  darstellen.  Die  von  Zittel  91)  abgebildeten  und  als  Venus  fragilis  be- 
zeichneten  Stücke  stehen  nach  der  Form  unserer  Art  viel  näher  als  Venus 
fragilis  bei  d’Orbigny.  Leider  ist  mein  Material  zum  Nachweis  von  Über- 
gängen zu  gering. 

Vorkommen: 

Emscher:  E.-St.  Tannendorf  1,  Kieslingswalde. 

Außerdem  nach  d’Orbigny  im  Senon  von  Frankreich. 


Tellinidae  Lam* 
Tellina  LiNN. 


Tellina  renauocii  Matherön 


Taf.  13,  Fig.  18,  19 

1842  Tellina  renauxii  Matherön,  S.  143,  Taf.  13,  Fig.  11. 

1844  Tellina  renauxii  d’Orbigny,  3,  S.  421,  Taf.  380,  Fig.  6 — 8. 

? 1846  Tellina  plana  Reuss,  2,  S.  19,  Taf.  36,  Fig.  22. 

1847  Tellina  plana  J.  Müller,  1,  S.  28. 

1888  Tellina  renauxii  G.  Müller,  S.  428. 

1889  Tellina  renauxii  Holzapfel,  2,  S.  161,  Taf.  11,  Fig.  4,  5- 

1912—13  Tellina  renauxii  Scupin,  S.  156,  Taf.  6,  Fig.  11. 

Die  flache  Muschel  besitzt  breit  dreiseitig  gerundeten  bis  querovalen 
Umriß.  Der  Vorderrand  ist  gerundet,  während  der  hintere  in  eine  abgestumpfte 
Spitze  verläuft.  Der  breite  kleine  Wirbel  liegt  etwas  vor  der  Mitte.  Die 
hintere  Seite  der  Schale  ist  niedriger  als  die  vordere.  Vom  Wirbel  nach 
hinten  unten  zieht  unweit  des  Randes  eine  stumpfe  Kante. 

Nach  Holzapfel  besitzt  das  Schloß  rechts  zwei  und  links  einen  Haupt- 
zahn, sowie  auch  wenig  entwickelte  Seitenzähne.  Die  vorliegenden  Steinkerne 
sind  glatt  (Taf.  13,  Fig.  18),  Hohlabdrücke  zeigen  feine  konzentrische  Linien 
(Taf.  13,  Fig.  19). 


Maße: 

Länge: 

Hohe: 

Länge  : Höhe  100: 


^ 2 3 

17,5  mm  15,5  mm  16,5  mm 
8 „ 7,5  „ 9 „ 

46  48  54 


89)  D’ORBIGNY  1844,  :},  S.  446,  Taf.  385,  Fig.  11,  12. 

90)  STURM  1901,  S.  82,  Taf.  7,  Fig.  8. 

91)  ZITTEL  1865,  1,  B.  18,  Taf.  3,  Fig.  3a— f. 


Pa lä ontologischer  Teil 


291 


Fundort: 

1)  E E.-St.  Tannendorf  1,  2),  3)  E Kreibitz  6. 

Unsere  Art  entspricht  den  Darstellungen  von  d’Orbigny  und  Holzapfel. 
Nach  Holzapfel  gehört  auch  Tellina  plana  bei  J.  Müller  hierher.  Weiter 
stimmt  die  Beschreibung  von  G.  Müller  hiermit  überein.  Scupin  schildert 
die  Art  von  Neu  warthau  und  Wenig  Rackwitz.  Bezweifelt  wird  von 
Holzapfel  die  Zugehörigkeit  von  Tellina  plana  bei  Reuss.  Wenn  auch  die  Ab- 
bildung bei  der  oft  etwas  mangelhaften  Darstellung  von  Reuss  unsere  Art 
ergeben  könnte,  so  begründet  Holzapfel  sein  Urteil  insbesondere  damit, 
daß  Reuss  als  Literaturnachweis  auch  Tellina  plana  Roemer  y2)  anführt,  die 
tatsächlich  eine  ganz  andere  Form  besitzt  und  auch  mit  der  Abbildung  bei 
Reuss  wenig  Übereinstimmung  zeigt. 

Da  ferner  Fric  in  den  gleichalterigen  Schichten  Böhmens  nichts  von 
unserer  Art  erwähnt,  so  bleibt  die  Identität  zweifelhaft. 

Vorkommen: 

Oberturon  y:  Kreibitz  5; 

Emscher:  E.-St.  Tannendorf  1,  Kreibitz  6,  9,  12,  Oberkreibitzer  Talsperre  8, 

Neuwarthau  Löw.  2 (Realgymn.  Löwenberg,  Geol.  Landesmus.), 
Kieslingswalde,  Deutmannsdorf  Löw.  (Geol.  Landesmus.),  Gehns- 
dorf Löw.  1 ?,  2 (Geol.  Landesmus.) ; 

Untersenon:  Wenig  Rackwitz  Löw.  1 (Realgymn.  Löwenberg,  Geol.  Landes- 

mus.). 

Außerdem  im  Untersenon  von  Aachen  und  des  nördlichen  Harzrandes 
(Anisberg  und  Plattenberg). 

Tellina  concentrica  Reuss 
Taf.  13,  Fig.  20,  21 

1846  Tellina  concentrica  Reuss,  2,  S.  18,  Taf.  36,  Fig.  19,  20. 

1875  Tellina  concentrica  Geinitz,  2,  S.  67,  Taf.  18,  Fig.  18. 

1877  Tellina  concentrica  Fric,  S.  126,  Abb.  103. 

1893  Tellina  concentrica  Fric,  S.  97. 

Die  vorwiegend  in  feinkörnigen  Mergeln  vorkommende  Art  ist  querei- 
förmig, ungleichseitig,  hinten  höher  und  länger  als  vorn.  Während  sich  die 
Muschel  nach  vorn  stark  verschmälert,  nimmt  sie  nach  hinten  nur  wenig  an 
Breite  ab.  Der  Oberrand  ist  fast  geradlinig  und  bildet  am  Wirbel  einen 
stumpfen  Winkel.  Der  Vorderrand  ist  gerundet  und  geht  unvermittelt  in  den 
flachen  Unterrand  über.  Der  gerade  abgestutzte  senkrechte  Hinterrand  ist 
mit  dem  Unterrande  in  einem  gerundet  rechten,  mit  dem  Oberrande  in  einem 
gerundet  rechten  bis  stumpfen  Winkel  verbunden.  Der  kleine  Wirbel  ist 
angedrückt.  Vom  Wirbel  zur  unteren  hinteren  Ecke  verläuft  eine  breit- 
stumpfe  schwache  Kante,  hinter  der  die  flachgewölbte  Muschel  in  einer 
ebenen  Fläche  zum  Hinterrande  abfällt.  Das  Schloß  ist  nicht  sichtbar.  Auch 
die  Muskeleindrücke  sind  nicht  zu  erkennen. 

Die  Oberfläche  ist  mit  dichtgedrängten,  äußerst  feinen  konzentrischen 
Linien  bedeckt,  die  nur  an  wenig  Stücken  teilweise  sichtbar  sind.  Die  Linien 
sind  so  fein,  daß  sie  auch  an  den  Hohlabdrücken  nur  selten  gut  hervortreten. 

92)  ßOEMETt,  A.  1841*  P.  74,  Taf.  9,  Fig.  19. 

19* 


292 

Maße: 

1 

Abh.  preuß.  geol. 
2 3 

L.-A.,  Neue  Folge, 
4 5 

Heft  159 
6 

7 

8 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

Länge : 

14 

12 

14,5 

15 

13 

13,5 

17 

22 

Höhe: 

Länge  ; Höhe 

8 

7 

8,5 

9 

8,5 

9,5 

10 

15 

= 100: 
Fundort: 

57 

58 

59 

60 

65 

70 

59 

68 

1—6)  OT  y Kreibitz  3,  7),  8)  OT  y Priesen,  Schicht  3 nach  Fric  (Samml. 
der  Landwirtsch.  Akademie  Tetschen  Liebwerd). 

Im  Durchschnitt  liegt  das  Verhältnis  von  Länge : Höhe  zwischen  100:57 
und  100:60.  Die  höheren  Formen  sind  Ausnahmen. 

Reuss  und  Fric  führen  die  Art  vorwiegend  aus  den  Priesener  Schichten 
auf,  Fric  außerdem  ein  einziges  Stück  aus  den  Launer  Knollen.  Das 
Original  zu  Geinitz  „Elbtalgebirge“  von  Strehlen  im  Museum  zu  Dresden 
sowie  andere  von  dort  daselbst  vorhandene  Stücke  stimmen  mit  unserer  Art 
überein.  Sie  ist  aus  anderen  Kreidegebieten  bis  jetzt  noch  nicht  bekannt 
und  scheint  eine  der  sudetischen  tonigmergeligen  Fazies  eigene  Form  zu  sein. 
Vorkommen: 

Unterturon:  Jicin  4,  6,  7 (Soukup)  ; 

Mittelturon:  Strehlen  (Mus.  Dresden),  Jicin  2,  3,  6,  7,  8,  19,  32,  42,  43,  44, 

45,  46,  48,  49,  50  (alle  15  Soukup),  36,  38,  Langenau  Löw.  1 
(Geol.  Landesmus.),  Heuscheuer  1,  2,  3; 

Oberturon  y:  Böhm.  Kamnitz  2,  Altohlisch,  Kreibitz  3,  11,  Limbach,  Böhm. 

Zwickau  (Voiitisch),  Oberhennersdorf,  Priesen  (Nuculaschicht), 
Großrackwitz  Löw.  1 (Geol.  Landesmus.) ; 

Emscher : Kreibitz  7,  8,  28,  Markersdorf  1,  E.-St.  Neuhütte  3,  Ober- 

kreibitzer  Talsperre  8,  9,  Böhm.  Kamnitz  3,  10,  Großhartmanns- 
dorf Löw.  (Geol.  Landesmus.),  Deutmannsdorf  Löw.  (Geol. 
Landesmus.) ; 

Untersenon:  Sirgwitz  Löw.  (Geol.  Landesmus.). 

Tellina  hibschi  n.  sp. 

Taf.  13,  Fig.  22 

1897  Tellina  strigata  Fric,  S.  63,  Abb.  77  b. 

Fric  gibt  von  Chlomek  in  Abb.  77  b die  Darstellung  eines  Steinkernes 
unter  der  Bezeichnung  Tellina  strigata  Goldfuss.  Im  Museum  zu  Prag 
konnte  ich  das  Original  sowie  ähnliche  Steinkerne  dieses  Fundortes  nach- 
prüfen. Hierbei  vermißte  ich  an  sämtlichen  Stücken  die  für  Tellina  strigata 
charakteristische,  vom  Wirbel  zur  unteren  hinteren  Ecke  ziehende  Kante.  Auch 
sind  bei  ihnen  die  Muskeleindrücke  viel  schärfer  ausgeprägt,  so  daß  hier 
zweifellos  eine  andere  Art  vorliegt.  Die  etwa  gleichgroße  Tellina  semi- 
costata}  subdecussata  und  beushauseni  unterscheiden  sich  bereits  im  rohen 
Steinkerne  durch  den  mehr  vierseitigen  Umriß.  Da  keine  der  bekannten 
Tellinen  der  Oberen  Kreide  in  Größe  und  Form  mit  der  von  Fric  überein- 
stimmt, habe  ich  sie  neu  benannt. 

Die  Art  ist  mäßig  gewölbt  und  besitzt  querelliptischen  Umriß.  Vorder-, 
Unter-  und  Hinterrand  bilden  einen  ausgezogenen  Bogen,  der  Oberrand  ver- 


Paläontologischer  Teil 


293 


läuft  vor  und  hinter  dem  Wirbel  geradlinig.  Der  kleine  breite,  nach  innen 
gedrückte,  wenig  hervortretende  Wirbel  liegt  ein  wenig  vor  der  Mitte.  Die 
Muschel  ist  schwach  ungleichseitig.  Der  Abdruck  des  Schlosses  ist  nur  teil- 
weise erhalten,  so  daß  darüber  nichts  festgestellt  werden  konnte.  Die  Muskel- 
eindrücke sind  sehr  kräftig  und  scharf.  Steinkerne  sind  glatt. 

Maße:  12  3 

Länge:  45  mm  38  mm  35  mm 

Hohe:  28  „ 25  „ 24  „ 

Länge  : Höhe  = 100 : 62  66  68 

Fundort: 

1)  Abb.  77  b bei  Fric  von  Chlomek.  Dem  Steinkern  scheint  ein  kleines 
Stück  des  Unterrandes  zu  fehlen.  2),  3)  E E.-St.  Tannendorf  1. 

Ich  widme  diese  Art  Herrn  Professor  D-r.  J.  Hibsch  in  Wien. 

Vorkommen: 

Oberturon  aß:  Hochwald  1?; 

Emscher:  E.-St.  Tannendorf  1,  Flermsdorf  9,  Tollenstein,  Chlomek  (Mus. 

Prag). 


Tellina  longiscata  n.  sp. 

Taf.  14,  Fig.  1 

Drei  gleichmäßig  schwach  gewölbte  Steinkerne  aus  der  Schlucht  unterm 
Pickelstein  in  450  m Höhe  gehören  einer  neuen  Art  an,  die  trotz  des  geringen 
Materiales  wegen  ihrer  eigenartig  langen  ungekanteten  Form  leicht  zu  unter- 
scheiden ist. 

Der  Umriß  ist  stark  querelliptisch,  Vorder-  und  Hinterrand  stark,  der 
Unterrand  flach  gerundet.  Der  Oberrand  bildet  vor  und  hinter  dem  Wirbel 
nur  wenig  gebogene,  fast  gerade  Linien.  Der  Schloßkantenwinkel  ist  sehr 
stumpf.  Der  Wirbel  liegt  ungefähr  in  der  Mitte.  Er  ist  klein,  nach  innen 
gedrückt  und  tritt  nur  schwach  hervor.  Die  Muschel  ist  fast  gleichseitig. 
Auf  dem  Steinkerne  ist  nur  der  Abdruck  des  vorderen  Muskels  sichtbar.  Das 
Schloß  ist  nicht  zu  erkennen. 

Die  Steinkerne  sowie  nach  den  Hohlabdrücken  auch  die  Schalenober- 
fläche sind  glatt. 

Muße:  _ 1 2 

Länge:  22  mm  27  mm 

Höhe:  13  „ 16  „ 

Länge  : Hohe  — 100 : 59  59 

Vorkommen: 

Emscher:  Kreibitz  6. 


Tellina  striqata  Goldf. 

Taf.  14,  Fig.  2,  3 

1834—40  Tellina  strigata  Goldfuss,  2,  S.  235,  Taf,  147,  Fig.  18. 
1841  Donax  suhradiatus  A.  Roemer,  S.  73,  Taf.  9,  Fig.  16 

1843  Tellina  strigata  Geinitz,  4,  S.  12,  Taf.  3,  Fig.  2 (?),  3. 


294 


Abh.  preuß.  gieol.  L.-A.,  Neue  Folge,  Heft  159 


1846  Tellina  strigata  Reuss,  2,  S.  18,  Taf.  36,  Fig.  21. 

1847  Tellina  strigata  J.  Müller,  1,  S.  27. 

1875  Capsula  strigata  Brauns,  S.  365. 

1885  Tellina  strigata  J.  Böhm,  S.  131. 

1888  Tellina  strigata  G.  Müller.  S.  429. 

1889  Tellina  strigata  Holzapfel,  2,  S.  159,  Taf.  11,  Fig.  6 — 10. 

1891  Tellina  strigata  Langeniian  & Grundey,  Taf.  3,  Fig.  22. 

1897  Tellina  strigata  FriC,  S.  63,  Abb.  77  a,  non  77  b. 

? 1901  Tellina  strigata  Sturm,  S.  83. 

1912 — 13  Tellina  strigata  Scupin,  S.  155,  Taf.  6,  Fig.  4,  6,  7 (?). 

Tellina  strigata  hat  quereiförmigen  Umriß,  ist  flach  gewölbt  und  ungleich- 
seitig. Die  vordere  gerundete  Hälfte  ist  länger  als  die  hintere  abgestutzte. 
Vorder-  und  Hinter-Oberrand  sind  fast  gerade  und  stoßen  im  stumpfen  Winkel 
aneinander.  Der  kräftig  gebogene  Vorderrand  geht  im  flachen  Bogen  in  den 
fast  geraden  Unterrand  über.  Unter-  und  Hinterrand  stoßen  in  einer  ge- 
rundeten Ecke  in  rechtem  Winkel  zusammen.  Der  Hinterrand  geht  im  flachen 
Bogen  in  den  schräg  aufsteigenden  Oberrand  über.  Der  kleine  Wirbel  ist 
nach  innen  gebogen  und  liegt  hinter  der  Schalenmitte.  Nach  Holzapfel 
sind  links  ein  kräftiger  Schloßzahn  und  zwei  Seitenzähne,  rechts  zwei  schräg- 
stehende  Schloßzähne  und  zwei  Seitenzähne  vorhanden.  Die  Muskeleindrücke 
sind  auf  unseren  Steinkernen  nur  schwach  sichtbar. 

Die  Steinkerne  sind  glatt  (Taf.  14,  Fig.  3).  Nur  wenig  Skulpturstein- 
kerne (Taf.  14,  Fig.  2)  und  Hohlabdrücke  zeigen  dichte  konzentrische  Streifen, 
von  denen  einige  etwas  kräftiger  hervortreten,  sowie  ganz  feine  Radiallinien. 
Vom  Wirbel  zur  unteren  hinteren  Ecke  zieht  eine  stumpfe,  gut  ausgeprägte 
Kante,  hinter  der  die  Schale  zum  Hinterrande  abfällt. 


Maße: 

1 

2 

3 

4 

5 

6 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

Lange : 

34 

25 

17 

27 

28 

37 

Höhe: 

17 

13 

9 

15 

16 

21 

Länge  : Höhe  — 100: 

50 

52 

53 

55 

57 

57 

Maße: 

7 

8 

9 

10 

11 

12 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

L'inge: 

31 

25 

24 

32 

30 

27 

Höhe: 

18 

15 

15 

20 

19 

17 

Lange  : Hohe  = 100: 

58 

60 

62 

62 

63 

63 

Fundort: 

1)  OT  aß  Innozenzidorf  2,  5)  E Kreibitz  24,  2),  7)  E Kieslingswalde, 
6),  8),  10),  11),  12)  E E.-St.  Tannendorf  1,  3),  4),  9)  E Salzberg  bei 
Quedlinburg. 

Goldfuss,  A.  Roemer,  J.  Müller,  J.  Böhm  und  Holzapfel  schildern  die 
Art  aus  der  Aachener  Kreide.  Das  Größenverhältnis  der  Abbildungen  wie 
auch  der  von  Böhm  aufgezählten  Stücke  läßt  sich  in  obige  Reihe  eingliedern. 
Auch  konnten  im  Museum  zu  Dresden  Stücke  von  Aachen  verglichen  werden. 
Vom  nördlichen  Harzrande  wird  die  Art  von  Brauns  und  G.  Müller  auf- 
geführt. Am  Salzberge  bei  Quedlinburg  habe  ich  selbst  ein  paar  Steinkerne 


Paläontologischer  Teil 


295 


gesammelt.  Geinitz,  Langeniian  & Grundey,  Fric  und  Sturm  erwähnen  die 
Art  von  Kieslingswalde.  Auch  an  dieser  Stelle  habe  ich  einige  unzweifelhafte 
Stücke  aufgefunden.  Nach  der  Abbildung  bei  Geinitz  gehört  nur  Fig.  3 zu 
unserer  Art,  während  Fig.  1 nach  der  Form  und  vielleicht  auch  Fig.  2 nach 
der  Verzierung  und  entsprechenden  Literaturnotiz  Tellina  costulata  darstellen. 
Die  Bestimmung  von  Langeniian  & Grundey  ist  nach  der  Abbildung  wohl 
richtig.  Jedoch  sind  die  von  Sturm  aufgeführten  Stücke  zweifelhaft.  Ebenso 
unsicher  ist  das  von  Scupin  aus  der  Löwenberger  Kreide  in  Fig.  7 dargestellte 
Stück,  während  Fig.  4 und  6 mit  kürzerer  Hinterseite  hierher  gehören  dürften. 
Reuss  führt  Tellina  strigata  aus  dem  böhmischen  Cenoman  an,  Fric  aus  dem 
Emscher  von  Chlomek  und  Kreibitz.  Jedoch  gehört  das  in  Chlomeker  Schichten, 
Abb.  77  b als  Tellina  strigata  dargestellte  Stück  nicht  hierher.  Ich  besitze 
auch  einige  derartige  Exemplare  und  habe  sie  zu  einer  neuen  Art,  Tellina 
hibschi,  vereinigt.  Die  in  der  Form  sehr  ähnliche  Tellina  inaequalis  Sow.  ü3) 
ist  mit  Ausnahme  des  durch  die  Schrägkante  abgegrenzten  Hinterteiles  nur 
mit  konzentrischen  Linien  bedeckt.  Ähnlich  ist  auch  Tellina  rovana  d’Orb.  üt), 
jedoch  ist  die  Schalenverzierung  dieser  Art  überhaupt  nicht  sicher  bekannt. 
Vorkommen: 

Oberturon  aß:  lnnozenzidorf  2,  Hochwald  1,  Hockenau  Löw.  (Geol.  Landes- 
mus.) ; 

Oberturon  y:  Kreibitz  4; 

Emscher:  E.-St.  Tannendorf  1,  Daubitz  1,  Kreibitz  1,  9,  23,  24,  26,  Böhm. 

Zwickau  5,  Böhm.  Kamnitz  3,  Chlomek  (Mus.  Prag),  Kieslings- 
walde, Neuwarthau  Löw.  2 (Geol.  Landesmus.),  Großhartmanns- 
dorf Löw.  (Geol.  Landesmus.),  Gehnsdorf  Löw.  2 (Geol.  Landes- 
mus.), Salzberg; 

Untersenon:  Wenig  Rackwitz  Löw.  1 (Geol.  Landesmus.),  Sirgwitz  Löw.  ? 

(Geol.  Landesmus.). 

Außerdem  im  Untersenon  von  Aachen,  im  Emscher  des  nördlichen  Harz- 
randes und  im  Cenoman  von  Böhmen. 

Zur  Bearbeitung  lagen  30  Steinkerne  und  Hohlabdrücke  vor. 

Tellina  mülleri  iu  sp. 

Taf.  13,  Fig.  23,  24 

Die  Art  ist  in  der  Form  Tellina  strigata  Goldf.  sehr  ähnlich,  nur  etwas 
niedriger  und  im  Durchschnitt  kleiner.  Vorder-  und  Hinter-Oberrand  sind 
ziemlich  geradlinig  und  bilden  einen  sehr  stumpfen  Winkel.  Der  gerundete 
Vorderrand  geht  in  den  sehr  flach  gebogenen  Unterrand  über.  Der  ab- 
gestutzte Hinterrand  bildet  mit  dem  Unterrande  einen  gerundet  rechten,  mit 
dem  schräg  aufsteigenden  Oberrande  einen  stumpfen  Winkel.  Die  sehr  flach 
gewölbte  Muschel  fällt  hinter  einer  vom  Wirbel  zur  unteren  hinteren  Ecke 
ziehenden  stumpfen  deutlichen  Kante  zum  Hinterrande  ab.  Der  kleine  Wirbel 
ist  schwach  nach  innen  gebogen.  Die  Muschel  ist  ungleichseitig,  die  Vorder- 
seite länger  als  die  hintere. 

Gegen  den  Vorderrand  zeigt  die  Oberfläche  3—5,  auf  dem  hinteren,  durch 
die  Kante  abgegrenzten  flachen  Felde  etwa  12—14  feine  radiale  Rippen.  Vor 


93)  Woods  1904-13,  ?,  Taf.  27,  Fig.  2-8. 

94)  D’ORBIGNY  1844,  3,  S.  422,  Taf.  380,  Fig.  9 — 11. 


296 


Abh.  preuß.  gieol.  L.-A.,  Neue  Folge,  Heft  159 


der  Kante  sind  zuweilen  auch  noch  ein  paar  Radialrippchen  sichtbar.  Ferner 
bedecken  die  ganze  Oberfläche  dichte  scharfe  konzentrische  Linien.  Stein- 
kerne sind  glatt  (Taf.  13,  Fig.  24);  Skulptursteinkerne  zeigen  mehr  oder 
weniger  deutlich  die  konzentrische  und  radiale  Verzierung.  Nur  Hohlabdrücke 
geben  ein  scharfes  Bild  der  Oberfläche  (Taf.  13,  Fig.  23).  Das  Schloß  ist 
nicht  festzustellen;  die  Muskeleindrücke  sind  auf  den  Steinkernen  wenig 
deutlich. 


Maße: 

1 

2 

3 

4 

5 

6 

7 

8 

9 

10 

mm  mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

Länge: 

13,5 

12 

17 

18 

14,5 

16 

16 

10 

15 

14,5 

Höhe: 

6 

5,5 

8 

8,5 

7 

8 

8 

5,5 

8 

8 

Lange  : Hölie 
= 100: 

44 

46 

46 

47 

48 

50 

50 

52 

53 

55 

Fundort : 
1),  2) 

, 4),  6) 

E 

Kreibitz  6,  3), 

7)  E 

Kreibitz 

12,  5), 

8),  9), 

10) 

E E.-St. 

Tannendorf  1. 


Sehr  nahe  stehen  unserer  Art  einige  englische  Formen.  Tellina  striatu- 
loides  Stol.95)  hat  ein  niedrigeres,  mehr  spitz  zulaufendes  Vorderteil  und 
anscheinend  weniger  deutliche  konzentrische  Linien.  Tellina  subtenuistrata 9G) 
und  Tellina  sp. 97)  sind  kürzer  und  höher,  letztere  ist  außerdem  mit  zahl- 
reicheren Radialrippen  versehen. 

Tellina  strigata  Goldf.  unterscheidet  sich  außer  den  eingangs  erwähnten 
schwankenden  Unterschieden  durch  die  über  die  ganze  Oberfläche  gleichmäßig 
verteilten  Radiallinien. 

Tellina  plana  Rom.  bei  Fmc  1897,  Abb.  76  b sieht  unserer  Art  sehr 
ähnlich  und  könnte  sie  darstellen. 

Die  Art  habe  ich  in  etwa  50  Exemplaren  gesammelt. 

Ich  benenne  die  Art  zu  Ehren  des  Herrn  Direktors  Professor  Dr.  Bruno 
Müller  in  R eichen  her  g in  Böhmen. 

Vorkommen: 

Oberturon  a ß : Hochwald  1 ; 

Oberturon  y:  Kreibitz  4,  8; 

Emscher:  E.-St.  Tannendorf  1,  Daubitz  1,  Kreibitz  1,  4,  6,  8,  12,  23, 

E.-St.  Neuhütte  3 (?),  Jägerdörfel  1,  Oberkreibitzer  Tal- 
sperre 9,  Tollenstein,  Kieslingswalde. 

Tellina  (Linea  ria)  semicostata  A.  Fooi.  sp. 

Taf.  14,  Fig.  4,  5,  6;  Abb.  57 

1840  Psammobia  semicostata  Geinitz,  2,  S.  49,  Taf.  16,  Fig.  6. 

1841  Psammobia  semicostata  A.  Roemer,  S.  74,  Taf.  9,  Fig.  21. 

1846  Tellina  semicostata  Reuss,  2,  S.  19,  Taf.  36,  Fig.  11,  12. 

1872  Tellina  semicostata  Geinitz,  1,  S.  231,  Taf.  51,  Fig.  7,  8. 

1875  Capsula  semicostata  Brauns,  S.  365. 

1877  Tellina  semicostata  FriC,  S.  126,  Abb.  102. 

1897  Tellina  semicostata  FriC,  S.  62. 

1912 — 13  Tellina  semicostata  Scupin,  S.  157,  Taf.  6,  Fig.  5. 

95)  WOODS  1904/13,  2,  8.  172,  Taf.  26,  Fig.  18  und  19. 

96)  WOODS  1904/13,  2,  S.  175,  Taf.  27,  Fig.  10—13. 

97)  WOODS  1904/13,  2,  S.  177,  Taf.  27,  Fig.  14. 


Paläontologischer  Teil 


297 


Die  sehr  flach  gewölbte,  in  der  Mitte  abgeplattete  Muschel  ist  wenig 
ungleichseitig,  queroval,  der  Form  eines  stark  ausgezogenen  Rechteckes  sich 
nähernd,  vorn  etwas  niedriger  als  hinten.  Der  fast  gerade  vordere  und 
hintere  Oberrand  bildet  am  Wirbel  einen  sehr  stumpfen  Winkel.  Der  kräftig 
gebogene  Vorderrand  geht  im  Bogen  in  den  sehr  flachen,  in  der  Mitte  fast 
geraden  Unterrand  über.  Letzterer  ist  im  Bogen  mit  dem  schwach  ab- 
gestutzten Hinterrande  verbunden.  Eine  gerundete  Ecke  verbindet  Hinter- 
und Oberrand.  Der  im  Steinkern  kleine  spitze  emporragende  Wirbel  ist  nach 
innen  gedrückt.  Es  ist  leider  nicht  möglich,  den  Schloßapparat  festzustellen. 
Vorderer  und  hinterer  Muskeleindruck  sind  auf  den  Steinkernen  sehr  scharf 
ausgeprägt. 

Die  Oberfläche  ist  mit  scharfen  erhabenen  konzentrischen  Linien  bedeckt, 
deren  Zwischenräume  sich  gegen  den  Rand  verbreitern.  Sie  werden  gekreuzt 
von  zarten  Radiallinien,  die  mit  jenen  ein  feines  Gitterwerk  bilden  und  bei 
jüngeren  Exemplaren  die  ganze  Oberfläche  bedecken,  bei  den  älteren  aber  nur 
in  der  Nähe  des  Wirbels  gut  sichtbar  sind.  An  den  Kreuzungspunkten 
bemerkt  man  zierliche  Knötchen.  Gegen  den  Hinterrand  lassen  sich  etwa 
12—14,  gegen  den  Vorderrand  7 kräftigere  Radialrippen  zählen.  Vom  Wirbel 
zieht  nach  vorn  und  hinten  unten  eine  ganz  flache,  oft  fast  verschwindende  runde 
Kante.  Das  abgegrenzte  hintere  Feld  ist  etwas  eingedrückt.  Steinkerne  sind 
vollständig  glatt.  Skulptursteinkerne,  von  denen  eine  Anzahl  vorliegt,  zeigen 
die  Zeichnung  der  Schalenoberfläche  zum  Teil  recht  schön. 


Maße:  1 

21) 

3 

4 

5 

6 

7 

8 

92) 

10 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm  mm 

mm 

Länge:  33 

43 

31 

29 

28 

35 

41 

40 

33 

35 

Höhe:  18 

24 

18 

17 

18 

23 

28 

28 

23 

25 

Län^e  : Höhe 

= 100:  55 

])  Taf.  14,  Fig.  4, 

56 

, 2)  Abb.  57. 

58 

59 

65 

66 

68 

70 

70 

71 

Fundort: 

4)  OTy 

Kreibitz 

14,  7) 

OTy 

Kreibitz 

7, 

die  übrigen 

Stücke 

von  der 

E.-St.  Tannendorf  (E  1). 


Abb.  57.  Tellina  scmicoslata  A.  Rotcm.  sp.,  Steinkern  mit  teilweise  erhaltener  Schalenskulptur. 

Einscher,  E.-St.  Tannendorf  1.  Orig.  Geol.  Landesmus.  (A  No  418). 

Die  Art  schließt  mit  den  Formen  8,  9 und  10  eng  an  Tellina  subdecussata 
an,  die  weniger  in  die  Länge  gezogen  ist  und  bei  der  die  Radialrippen  am 
Vorder-  und  Hinterrande  weniger  stark  hervortreten.  Bei  ungünstigem  Er- 
haltungszustände ist  es  unmöglich,  die  Trennung  sicher  vorzunehmen. 

Über  die  durch  ihre  Zeichnung  gut  kenntliche  Art  geben  die  Schilderungen 
der  verschiedenen  Autoren  zu  keiner  Bemerkung  Veranlassung. 


298 


Abh.  preuß.  gteol.  L.-A.,  Neue  Folge,  Heft  159 


Vorkommen: 

Mittelturon:  Laun  5 (Mus.  Aussig),  Leitmeritz  19  (Mus.  Aussig),  Jirin 

30,  36  (beide  Soukup)  ; 

Oberturon  y:  Altohlisch  (Prinz),  Kreibitz  3,  6,  10,  11,  12,  14,  Oberhenners- 

dorf, Priesen,  Großrackwitz  Löw.  1 (Geol.  Landesmus.) ; 
Emscher:  E.-St.  Tannendorf  1,  Kreibitz  4,  7,  9,  24,  Falkenau  4,  Ober- 

kreibitzer  Talsperre  8,  9,  Deutmannsdorf  Löw.  (Geol.  Landes- 
mus.), Großhartmannsdorf  Löw.  (Geol.  Landesmus.),  Salzberg. 
Weiter  ist  die  Art  bekannt  aus  dem  Cenoman  von  Sachsen  und  Böhmen 
und  aus  der  Labiatuszone  von  Böhmen. 

Stücke  dieser  Fundorte  konnten  im  Original  verglichen  werden. 

Es  liegen  etwa  50  Exemplare  vor. 

Tellina  (TAnearia)  subdecussata  A.  Roem. 

Taf.  14,  Fig,  7,  8 

1841  Tellina  subdecussata  A.  Roemer,  S.  74,  Taf.  9,  Fig.  20. 

1849 — 50  Tellina  subdecussata  Geinitz,  S.  150  (z.  Teil). 

1875  Capsula  subdecussata  Brauns,  S.  364. 

1888  Tellina  subdecussata  G.  Müller,  S.  429. 

1898  Tellina  (Linearia)  subdecussata  G.  Müller,  S.  67,  Taf.  9,  Fig.  9. 

Tellina  subdecussata  macht  den  Eindruck  einer  verkürzten  Tellina  semi - 
costata . Sie  ist  infolgedessen  gedrungener  gebaut  und  etwas  runder  gewölbt. 
Die  konzentrischen  Linien  sind  ebenso  scharf;  jedoch  treten  die  Radialrippen 
bei  subdecussata  an  den  Seiten  weniger  kräftig  als  bei  semicoslata  Ziervor. 

Die  Steinkerne  sind  glatt  (Taf.  14,  Fig.  8),  Skulptursteinkerne  zeigen 
sehr  schön  die  scharfen  konzentrischen  Linien  und  sehr  schwach  die  Radial- 
zeichnung. Nur  in  Hohlabdrücken  ist  die  Oberflächenverzierung  vollständig 
sichtbar  (Taf.  14,  Fig.  7).  Der  kleine  Wirbel  liegt  ungefähr  in  der  Mitte; 
die  Hinterseite  der  Schale  ist  etwas  höher  als  die  vordere.  Vorderer  und 
hinterer  Muskeleindruck  treten  auf  den  Steinkernen  deutlich  hervor. 


Maße : 

1 

2 

3 

4 

5 

6 

7 

Länge: 

26  mm 

28  mm 

33  mm 

30  mm 

42  mm 

28  mm 

24  mm 

Höhe: 

18  . 

20  „ 

24  n 

22  „ 

31  „ 

21  „ 

19  „ 

Länge  : Höhe  = 100; 

69 

71 

73 

73 

74 

75 

79 

Fundort: 

1)  E Daubitz  1,  2)  OT  y Kreibitz  3,  die  übrigen  Stücke  E E.-St.  Tannen- 
dorf 1. 

Die  beiden  in  der  Literatur  vorhandenen  Abbildungen  ergeben  ein  Ver- 
hältnis von  Länge:  Höhe  bei  Roemer  100:68  und  bei  G.  Müller  100:67. 
Im  ,, Quader  Deutschlands“  bei  Geinitz  ist  nur  der  Hinweis  auf  Roemer 
hierher  zu  stellen.  Tellina  inaequalis  Sow.,  deren  Ähnlichkeit  mit  unserer 
Art  G.  Müller  hervorhebt,  besitzt  nach  Woods  9S)  nur  auf  der  Hinterseite 
einige  feine  Radiallinien,  während  der  übrige  Teil  der  Oberfläche  nur  mit 
Anwachslinien  versehen  ist. 

98)  WOODS  1904/13,  2,  9.  173,  Taf.  27,  Fig.  2—8. 


Pal  äon  toi  ogischer  Teil 


299 


Vorkommen: 

Oberturon  y:  Böhm.  Kamnitz  2,  Kreibitz  3; 

Emscher:  E.-St.  Tannendorf  1,  Daubitz  1. 

Außerdem  ist  die  Art  nur  aus  dem  Emscher  und  Untersenon  des  nörd- 
lichen Harzrandes  bekannt. 

Bei  Steinkernen  ist  die  Unterscheidung  von  Tellina  semicostata  leider 
nicht  immer  mit  Sicherheit  möglich. 

Es  liegen  sechs  Steinkerne  und  ein  paar  Hohlabdrücke  vor. 

Tellina  (Linea ria)  benshanseni  G.  Millkh 
Taf.  14,  Fig.  9,  10  a u.  b 

1098  Tellina  ( Linear ia)  beushaitseni  G.  Müller,  S.  69,  Taf.  9,  Fig.  3. 

Es  liegen  nur  drei  Steinkerne  mit  Hohlabdruck  vor,  die  mit  dieser  Art 
übereinstimmen.  Der  Steinkern  ist  flach  gewölbt,  wenig  ungleichseitig,  vorn 
etwas  niedriger  als  hinten,  gerundet  vierseitig  im  Umriß,  hinten  abgestutzt. 
Vom  Wirbel  zieht  eine  flache  Kante  nach  hinten  unten,  hinter  der  die  Ober- 
fläche etwas  steiler  abfällt.  Nach  einem  Hohldruck  bedecken  dicht  stehende 
erhabene  konzentrische  Linien,  die  von  feinen  radialen  gekreuzt  werden,  die 
Oberfläche.  Die  steiler  abfallende  Hinterseite  ist  mit  etwa  14  kräftigen 
radialen  Rippen  bedeckt  (Taf.  14,  Fig.  9).  Nach  G.  Müller  sollen  auch 
gegen  den  Vorderrand  einige  kräftige  Radialrippen  vorhanden  sein,  die  aber 
an  meinen  Stücken  nicht  zu  erkennen  sind.  Der  kleine  Wirbel  ist  nach  innen 
gedrückt.  Steinkerne  sind  glatt  (Taf.  14,  Fig.  10a  u.  b). 

Maße : 1 2 3 G.  Müller  Original 

Lange:  30  mm  42  mm  39  mm  29  mm 

Höhe:  22  „ 32  „ 30  w 21  „ 

Länge : Höhe  = 100:  73  76  77  72,5  „ 

Fundort:  1^3)  E E.-St.  Tannendorf  1. 

Von  Tellina  subdecussata  unterscheidet  sich  die  Art  durch  engere  konzen- 
trische Linien  bis  zum  Schalenrande  und  kräftigere  Radialrippen  auf  der 
Hinterseite,  von  Tellina  semicostata  durch  die  kürzere  Form,  die  dichteren 
konzentrischen  Linien,  etwas  höhere  Schalenwölbung  und  steileren  Abfall 
der  Hinterseite. 

Vorkommen: 

Emscher:  E.-St,  Tannendorf  1. 

Die  Exemplare  von  G.  Müller  sind  im  Untersenon  von  Broitzem  ge- 
funden worden. 


1834—40 

1843 

1847 

1850 

1863 

1875 


Tellina  ( Linear  ia ) costulata  GOLDK. 

Taf.  14,  Fig.  11,  12 

Tellina  costulata  Goldfuss,  2,  S.  235,  Taf.  147,  Fig.  19. 
Tellina  strigata  Geinitz,  4,  S.  12  z.  Teil,  Taf.  3,  Fig.  1 (?). 
Tellina  costulata  J.  Müller,  1,  S.  27. 

Arcopagia  costulata  d’Orbigny,  2,  S.  235. 

Tellina  costulata  Drescher,  S.  343. 

Capsula  costulata  Brauns.  S.  365. 


300 


Abh.  preuß.  gieol.  L.-A.,  Neue  Folge,  Heft  159 


1885  Linearia  coslulata  J..  Böhm,  S.  133. 

1888  Tellina  (Linearia)  coslulata  G.  Müller,  S.  430. 

1889  Tellina  costulata  Holzapfel,  2,  S.  162,  Taf..  11,  Fig.  11 — 16. 

1897  Tellina  costulata  Fric,  S.  63,  Abb..  78. 

1901  Tellina  costulata  Sturm,  S.  83. 

1912 — 13  Tellina  (Linearia)  costulata  S cupin,  S.  157,. 

Tellina  costulata  ist  flach  gewölbt,  queroval  gerundet,  hinten  schwach  ab- 
gestutzt, wenig  ungleichseitig.  Der  kleine  Wirbel  liegt  fast  in  der  Mitte.  Vom 
Wirbel  zieht  eine  schwache,  oft  kaum  erkennbare  Kante  nach  hinten  unten. 
Die  Oberfläche  ist  mit  feinen  gekörnten  radialen  Rippen  bedeckt,  die  mit 
noch  feineren,  sich  etwa  von  der  Schalenmitte  ab  einschiebenden  Rippen 
regelmäßig  abwechseln  und  von  sehr  feinen  konzentrischen  Linien  gekreuzt 
werden. 

Die  zierliche  Schalenverzierung  ist  bei  Holzapfel  auf  Taf.  11,  Fig.  16 
vergrößert  wiedergegeben.  Steinkerne  sind  glatt  (Taf.  14,  Fig.  12),  Skulptur- 
steinkerne zeigen  mehr  oder  weniger  Radialrippen.  Die  feinere  Zeichnung 
der  Schalenoberfläche  ist  nur  in  den  Hohlabdrücken  erkennbar  (Taf.  14, 
Fig.  11).  Auf  den  Steinkernen  treten  die  Muskeleindrücke,  insbesondere  der 
vordere,  deutlich  hervor.  Nach  Holzapfel  besitzt  das  Schloß  in  beiden  Klappen 


je  zwei 

Hauptzähne, 

auch 

sind  in 

beiden  Klappen 

Seitenzähne 

entwickelt. 

Maße: 

1 

2 

3 

4 

5 

6 

7 

8 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm  mm 

mm 

Länge: 

24 

16 

23 

14 

23 

21 

22 

20 

Höhe: 

12,5 

9 

13 

8 

14 

13 

14 

13 

Länjre  : Hohe 
= 100: 

52 

56 

57 

57 

61 

62 

64 

65 

Fundort:  E E.-St.  Tannendorf  1. 

Die  Größe  der  Muschel  hat  nach  dieser  Aufstellung  wenig  Einfluß  auf 
das  Verhältnis  von  Länge:  Höhe. 

Goldfuss,  J.  Müller,  J.  Böiim  und  Holzapfel  beschreiben  die  Art  von 
Aachen,  Brauns  und  G.  Müller  vom  nördlichen  Harzrande.  Unter  Tellina 
strigata  dürfte  bei  Geinitz  wohl  nach  der  Form  Fig.  1 zu  unserer  Art  ge- 
hören. Sturm  beschreibt  Tellina  costulata  von  Kieslingswalde,  auch  Fric 
führt  diesen  Fundort  an,  während  ich  selbst  dort  einige  Steinkerne  und  gute 
Hohlabdrücke  sammeln  konnte.  Drescher  und  Scupin  schildern  die  Art 
aus  der  Löwenberger  Kreide  und  Fric  von  Kreibitz  und  E.-St.  Tannendorf 
aus  unserem  Gebiete.  Im  allgemeinen  sind  die  Schilderungen  aller  Autoren 
bei  der  gut  kenntlichen  Art  gleichartig.  Nur  die  generische  Bezeichnung  hat 
verschiedene  Abänderungen  erfahren.  Unser  Material  gestattet  nicht,  hierzu 
Stellung  zu  nehmen. 

Ein  großer  Teil  der  Fossilfundstätten  des  Kreibitzer  Gebietes  hat  auch 
Tellina  costulata  geliefert. 

Zur  Bearbeitung  lagen  gegen  200  Exemplare  vor. 

Vorkommen: 

Oberturon  aß:  Khaa  1,  Hochwald  1,  8,  Waltersdorf  2; 

Oberturon  y : Kreibitz  3,  4,  6,  7,  10,  14; 


Paläontologischer  Teil 


301 


Emscher : 


Untersenon : 


E.-St.  Tannendorf  1,  2,  4,  Kreibitz  1,  4,  6,  9,  11,  12,  16,  18, 
23,  24,  26,  28,  Oberkreibitzer  Talsperre  5,  8,  9,  Daubitz  1,  3, 
Falkenau  4,  Böhm.  Zwickau  5,  Kaltenberg  (Prinz),  Tollenstein, 
Böhm.  Kamnitz  14,  Markersdorf  2 (Prinz),  E.-St.  Neuhütte  3,  5, 
Hermsdorf  9,  Großhartmannsdorf  Löw.  (Geol.  Landesmus.), 
Neuwarthau  Löw.  2 (Realgymn.  Löwenberg,  Geol.  Landesmus.), 
3 (Geol.  Landesmus.),  Hohlstein  Löw.  (Realgymn.  Löwenberg, 
Geol.  Landesmus.),  Gehnsdorf  Löw.  2 (Geol.  Landesmus.), 
Herzogswaldau  Löw.  (Geol,  Landesmus.),  Kieslingswalde; 
Vaals  (Mus.  Dresden),  Wenig  Rackwitz  Löw.  1 (Realgymn. 
Löwenberg,  Geol.  Laudesmus.),  Sirgwitz  Löw.  (Geol.  Landes- 
mus.). 


Solenidae  Lam. 

Sole  cur  tu  s Bly. 

Solecurlus  klöberi  Frech 
Taf.  14,  Fig.  13,  14 

1807  Solecurlus  klöberi  Frech,  S.  170,  Taf..  12,  Fig.  9 — 12. 

Es  liegen  einige  Steinkerne  vor,  die  mit  den  von  Frech  beschriebenen 
beiden  Solecurtusarten  gute  Ähnlichkeit  haben. 

Solecurlus  klöberi  ist  querrechteckig  gerundet  und  flach  gewölbt.  Die 
Vorderseite  ist  mehr  gerundet  als  die  etwas  abgestutzte  hintere.  Der  kleine 
Wirbel  ist  etwa  mittelständig.  Der  hintere  Oberrand  verläuft  gerade,  während 
er  nach  vorn  ein  wenig  eingebogen  ist.  Der  Unterrand  bildet  einen  sehr 
flachen  Bogen.  Nach  Frech  sind  in  beiden  Klappen  zwei  Schloßzähne 
vorhanden. 

Die  Schalenverzierung  besteht  aus  feinen  konzentrischen  Linien,  die  zum 
Teil  auch  an  einigen  Steinkernen  sichtbar  sind  (Taf.  14,  Fig.  13). 

Maße:  _ 1 2^ 3 4 5 6 

Länge:  17  mm  18  mm  16  mm  14  mm  14  mm  12  mm 

Höhe:  9 „ 10  „ 9 „ 8 „ 8 „ 7 „ 

Länge : Höhe  — 100:  53  56  56  57  57  58 

Fundort: 

1),  2),  4)  OT y Kreibitz  3,  3)  E E.-St.  Tannendorf  1,  5)  E Kieslingswalde, 
6)  E Kreibitz  12. 

Vorkommen: 

Oberturon  y:  Kreibitz  3; 

Emscher:  E.-St.  Tannendorf  1,  Kreibitz  12,  Kieslingswalde. 

Frech  führt  die  Art  aus  dem  Untersenon  von  Suderode  auf. 

Solecurtns  abbreviafus  Fiiecii 
Taf.  14,  Fig.  15,  16 

1887  Solecurlus  abbreviatus  Frech,  S.  171,  Fig..  13,  14. 

Einige  Exemplare  sind  kürzer  und  verhältnismäßig  höher  als  die  vorige 
Art  und  stehen  Solecurlus  abbreviatus  näher.  Sie  sind  flach  gewölbt  und 
querrechteckig  gerundet.  Die  Oberfläche  ist  mit  feinen  konzentrischen  Linien 


302  Abh.  preuß.  geol.  L.-A.,  Neue  Folge,  Heft  159 

bedeckt,  die  an  den  Steinkernen  und  Hohlabdrücken  nur  mangelhaft  sicht- 
bar sind. 

Es  ist  nicht  ausgeschlossen,  daß  Solen  lamellosus  Reuss  ")  von  Kreibitz 
auch  nur  hierher  gehört. 

MaPe:  1 2 

Länge:  14  mm  16  mm 

Höhe:  9 „ 10  „ 

Länge  : Höhe  -- 100:  64  63 

Fundort: 

1)  OTy  Kreibitz  3,  2)  E Kreibitz  4. 

Vorkommen: 

Oberturon  aj3:  Hochwald  8; 

Oberturon  y:  Kreibitz  3; 

Emscher:  E.-St.  Tannendorf  1,  Kreibitz  4. 

Das  Lager  der  von  Frech  behandelten  Stücke  befindet  sich  im  Unter- 
senon  von  Suderode. 


Solen  Lina. 

Solen  guerangeri  r’Oub. 

Taf.  14,  Fig.  21 

1844  Solen  guerangeri  d’Orbigny,  3,  S.  321,  Taf.  351,  Fig.  1,  2. 

1893  Solen  guerangeri  Fric,  S.  59,  Abb.  68  a,  b. 

1893  Solen  macromyus  Fric,  S.  58,  Abb.  67  a,  b. 

Von  der  E.-St.  Tannendorf  1 (E)  in  543  m Höhe  liegt  ein  schöner  Stein- 
kern mit  Hohlabdruckbruchstück  vor.  Er  ist  stark  querverlängert  in  Form 
eines  Rechteckes  mit  abgerundeten  Kanten.  Die  flache  Wölbung  der  Ober- 
fläche geht  unter  dem  Wirbel  in  eine  breite  ebene  Fläche  über.  Hinter  einer 
vom  Wirbel  zur  unteren  hinteren  Ecke  ziehenden  stumpfen  Kante  fällt  die 
Muschel  zum  Hinterrande  und  Hinteroberrande  schwach  eingemuldet  ab, 
so  daß  der  Hinterteil  zusammengedrückt  erscheint.  Der  Vorderoberrand  fällt 
vom  Wirbel  schwach  ab  und  geht  in  den  schön  gerundeten  Vorderrand  über. 
Der  Unterrand  ist  in  der  Mitte  schwach  eingebogen,  der  Hinterrand  abgestutzt 
mit  abgerundeten  Ecken,  der  Hinteroberrand  bildet  eine  gerade  Linie.  Der 
breite  Wirbel  tritt  wenig  hervor  und  liegt  vor  der  Mitte.  Die  Muschel  ist 
ungleichseitig,  nach  hinten  etwas  ausgezogen.  Der  Schloßapparat  ist  nicht 
sichtbar.  Die  Schalenverzierung  besteht  in  dicht  stehenden  kräftigen  scharfen 
konzentrischen  Rippen,  die  auf  dem  Steinkern  nur  schwach  sichtbar  sind. 
Der  vordere  Muskeleindruck  ist  am  Steinkerne  deutlich  ausgeprägt,  bei 
den  Exemplaren  von  Fric  auch  der  hintere. 


Maße : 

1 

2 

3_ 

Länge: 

46  mm 

61  mm 

73  mm 

Höhe: 

17  „ 

23  „ 

25  „ 

Länge:  Höhe  ■=  100: 

37 

38 

34 

Wirbellage  von  vorn: 

18  „ 

23  * 

24  „ 

99)  Reuss  1846,  2,  S.  16,  Taf.  36,  Fig.  5.  FRIC  1897,  S.  59. 


Paläontologischer  Teil 


303 


Fundort: 

1)  E E.-St.  Tannendorf  1,  2)  Fric  1893,  Abb.  68,  3)  d’Orbigny  1844,  3, 
Taf.  351,  Fig.  1. 

In  der  Abbildung  bei  d’Orbigny  wie  auch  bei  den  Originalen  von  Fric 
ist  der  Hinterrand  etwas  schiefer  als  bei  unserem  Stücke  abgestutzt,  jedoch 
halte  ich  dies  für  kein  wichtiges  Unterscheidungsmerkmal.  Die  Originale  zu 
Solen  guerangeri  und  macromvus  von  Fric  im  Museum  zu  Prag  konnten  ver- 
glichen werden  und  ergaben,  daß  eine  Trennung  in  zwei  Arten  kaum  möglich 
ist.  Das  abgebildete  Stück  von  Solen  macromvus  ist  am  Unterrande  ab- 
gebrochen, die  Muskeleindrücke  sind  etwas  zu  groß  gezeichnet. 

Vorkommen: 

Oberturon  aß:  Hochwald  1; 

Emscher:  E.-St.  Tannendorf  1,  Kreibitz  6 (kleineres  Stück),  Herms- 

dorf 9,  Chlomek  (Mus.  Prag). 

Das  Original  von  d’Orbigny  stammt  aus  dem  französischen  Unterturon. 

Pharella  Gray 

Pharella  compressa  Goldf.  sp.  1 
Taf.  14,  Fig.  17 

1834—40  Solen  compressus  Goldfuss,  2,  S.  276,  Taf.  159,  Fig.  4. 

1847  Solen  compressus  J.  Müller,  1,  S.  28. 

1889  Pharella  compressa  Holzapfel,  2,  S.  158. 

Von  einer  sehr  flachen  Solenart  liegen  einige  Steinkerne  und  ein  Hohl- 
abdruck vor,  die  zu  obiger  Art  gehören  können.  Unsere  Stücke  sind  ver- 
hältnismäßig kürzer  und  höher  und  unterscheiden  sich  dadurch  auch  von 
Solen  aequalis  d’Orb.  10°). 

Die  Form  ist  queroval,  der  Oberrand  nur  wenig  gebogen  und  fast  gerade, 
Vorder-  und  Hinterrand  gerundet,  der  Unterrand  flach  gebogen.  Die  Ober- 
fläche ist  fast  glatt  und  zeigt  nur  Andeutungen  von  schwachen  konzentrischen 
Linien  und  Runzeln.  Der  Wirbel  ist  sehr  klein,  tritt  nicht  hervor  und  liegt 
vor  der  Mitte. 

Maße: 

Länge: 

Höhe: 

Länge : Höhe 

Fundort:  E Kreibitz  26. 

Vorkommen: 

Mittelturon:  Chorousek  4; 

Oberturon  aß:  Hochwald  1; 

Oberturon  y : Kreibitz  4; 

Emscher:  Kreibitz  12,  23,  26. 

Außerdem  im  Untersenon  von  Aachen. 

100}  D’OltBIGNY  1844,  3,  S.  321,  Taf.  950,  Fig.  5—7. 


100: 


25  mm 
12 

±~>  » 
48 


304 


Abli.  preuß.  gieol.  L.-A.,  Neue  Folge,  Heft  159 


Siliqua  Mkgkrle 

Siliqua  (Lequminaria)  concentristriata  G.  Müller 
Taf.  14,  Fig.  18,  19 

1888  Siliqua  concentristriata  G.  Müller,  S.  431,  Taf.  18,  Fig.  5. 

Der  größte  Teil  der  vorliegenden  Stücke  von  Siliqua  steht  dieser  Art 
am  nächsten.  Die  Muschel  ist  nach  hinten  lang  ausgezogen,  querrechteckig 
im  Umriß,  sehr  flach  gewölbt.  Ober-  und  Unterrand  laufen  fast  parallel. 
Zuweilen  verbreitert  sich  die  Muschel  gegen  den  Hinterrand  ein  wenig.  Der 
kurze  Vorderteil  ist  gerundet,  der  stark  ausgezogene  Hinterteil  im  allgemeinen 
weniger  abgestutzt  als  bei  Siliqua  truncatula.  Der  kleine  Wirbel  liegt 
zwischen  dem  ersten  Viertel  und  ersten  Drittel  der  Schale. 

Die  Oberfläche  ist  mit  schwachen  konzentrischen  Linien  bedeckt,  die  an 
den  Steinkernen  und  Hohlabdrücken  nur  gering  sichtbar  sind  und  auf  dem 
Vorderteil  der  Schale  ganz  zu  fehlen  scheinen.  Vom  Wirbel  zieht  über  3/4 
der  Höhe  schräg  nach  hinten  unten  auf  dem  Steinkerne  eine  tiefe  Furche, 
der  Abdruck  einer  vom  Wirbel  herabreichenden  Leiste. 


Muße : 

1 

2 

3 

4 

5 

6 

7 

mm 

mm 

min 

mm 

mm 

mm 

mm 

Länge: 

19  100: 

19  100: 

22  100: 

15  100  : 

18  100: 

27  100 : 

17  100  : 

Wirbel  von  vorn: 

5 ' 26 

5 26 

6 27 

4 27 

5 28 

8 30 

6 35 

Höhe: 

5 26 

6 32 

7 32 

5 33 

5 28 

8 30 

6 35 

Fundort: 

1)  E Oberkreibitzer  Talsperre  5,  2),  3),  4),  6),  7)  OTy  Kreibitz  3, 
5)  E E.-St.  Tannendorf  1. 

Es  ist  leider  nicht  möglich,  mit  dem  vorhandenen  geringen  Material  die 
anscheinend  bestehende  Unklarheit  in  den  aus  der  Oberen  Kreide  beschriebenen 
Arten  zu  beseitigen.  Siliqua  truncatula  Reuss  101)  aus  dem  unteren  Pläner- 
kalk von  Laun  ist  unserer  Art  sehr  ähnlich,  ebenso  Siliqua  petersi  Fric 
1877,  Abb.  96.  Die  Art  der  Verzierung  ist  bei  Fric  etwas  grob,  bei  den  Holz- 
schnitten aber  oft  nicht  genau  wiedergegeben. 

Die  aus  den  Priesener  Schichten  im  Museum  zu  Prag  ausgestellten  Stücke 
von  Leguminaria  petersi 102)  und  truncatula  sind  unserer  Art  ebenfalls  sehr 
ähnlich  und  unterscheiden  sich  gegenseitig  wenig.  In  den  Chlomeker  Schichten 
führt  Fric  1897,  S.  59  Siliqua  truncatula  von  Kieslingswalde  an.  Die  mehr- 
mals genannte  Siliqua  petersi  Zittel  besitzt  eine  glatte  Oberfläche. 

Vorkommen: 

Unterturon:  Jicin  4,  6,  7 (alle  3 Soukup)  ; 

Mittelturon : Schandau  2,  Heuscheuer  2,  Jicin  2,  3,  6,  8,  35,  42,  43,  44,  45, 

46,  48,  49  (alle  12  Soukup),  26,  37; 

Oberturon  y:  Kreibitz  3; 

Emscher:  E.-St.  Tannendorf  1,  Oberkreibitzer  Talsperre  5,  9,  Daubitz  1, 

Kreibitz  6,  12,  Deutmannsdorf  Löw.  (Geol.  Landesmus.). 
Außerdem  im  Untersenon  des  nördlichen  Harzrandes.  Im  Mittelturon 
des  Popelberges  bei  Löwenberg  habe  ich  ebenfalls  ein  ähnliches  Stück 
gesammelt. 

101)  Reuss  1846,  2,  Taf.  86,  Fig.  16. 

102)  Fric  1893,  B.  97. 


Paläontologischer  Teil 


305 


Siliqua  ( Legumina  rl a)  t run  ca/  JR  EU  SS 

Taf.  14,  Fig.  20 

1846  Leguminaria  truncatula  Reuss,  2,  S.  17,  Taf.  36,  Fig.  13,  17. 

1877  Siliqua  (Leguminaria)  truncatula  FuiC,  S.  123,  Abb,  95. 

Reuss  vereinigt  unter  Siliqua  truncatula  Formen  mit  längerem  und  solche 
mit  kürzerem  Vorderteil.  Hier  scheint  mir  eine  Trennung  notwendig,  und  ich 
habe  den  Vertreter  der  ersteren  Art,  Fjg.  16,  ausgeschalten  und  die  Form, 
die  von  Fric  abgebildet  wird,  als  den  Typus  der  Art  angenommen. 

Die  Art  ist  rechteckig  quer  ausgezogen  und  flach  gewölbt.  Ober-  und 
Unterrand  laufen  parallel.  Der  sehr  kurze  Vorderrand  ist  gerundet,  der 
Hinterrand  ziemlich  gerade  abgestutzt.  Der  kleine  Wirbel  ist  sehr  weit  nach 
vorn  gerückt.  Kaum  sichtbare  feine  konzentrische  Linien  bedecken  die  Ober- 
fläche. Vom  Wirbel  zur  unteren  hinteren  Ecke  zieht  eine  stumpfe  Kante 
sowie  ziemlich  senkrecht  herab  bis  unter  die  Schalenmitte  eine  als  tiefe  Furche 
auf  dem  Steinkerne  sichtbare  Leiste. 


Maße : 


Länge : 
Wirbel 

18  mm 

100 

von  vorn: 

3 w 

17 

Höhe: 

8 „ 

44 

Fundort : OT  y Kreibitz  3. 

Vorkommen: 

Unterturon:  Jicin  9; 

Oberturon  y:  Kreibitz  3; 

Emscher:  Oberkreibitzer  Talsperre  8. 

Von  Reuss  und  Fric  wird  die  Art  aus  dem  böhmischen  Mittel-  find  Unter- 
turon aufgeführt. 


1849—50 

1849—50 

1838 

1897 

1901 

1901 

1912—13 


Mactridac  Desh. 

Mactra  Link. 

Mactra  porrecta  Geik. 

Taf.  14,  Fig.  22,  23;  Abb.  58—63 
Mactra  angulala  Geinitz,  Taf.  10,  Fig.  5,  6,  13. 
Mactra  porrecta  Geinitz,  Taf.  10,  Fig.  15. 
Mactra  angulata  G.  Müller,  S.  435. 

Mactra  porrecta  Fric,  S.  62,  Abb.  74. 

Mactra  porrecta  Sturm,  S.  84. 

Mactra  angulata  Sturm,  S.  34,  Taf.  8,  Fig.  1. 
Mactra  nov.  sp.  Scupin,  S.  153,  Taf.  5,  Fig.  19. 


Die  Muschel  besitzt  einen  dreiseitig  gerundeten  Umriß.  Der  Winkel, 
unter  dem  Vorder-  und  Hinterrand  am  Wirbel  Zusammenstößen,  kann  ein 
stumpfer,  rechter  oder  auch  ein  spitzer  sein.  Der  Vorderrand  fällt  gewöhnlich 
schwach  gerundet,  zuweilen  in  der  Mitte  mit  stumpfer  Knickung  vom  Wirbel 
zum  Unterrande  ab,  in  den  er  in  schöner  Rundung  übergeht.  Der  Unterrand 
bildet  einen  flach  konvexen  Bogen.  Der  Hinterrand  steigt  gewöhnlich  vom 


Ändert  20 


306  Abh.  preuß.  @eol.  L.-A.,  Neue  Folge,  Heft  159 

Unterrande  bis  gegen  die  Hälfte  der  Höhe  ziemlich  senkrecht,  bei  den 
längeren  Formen  mehr  schräg  auf  und  biegt  dann  erst  im  stumpfen  Winkel 
in  der  Richtung  nach  dem  Wirbel  um.  Die  Schale  ist  annähernd  gleichseitig, 
der  Wirbel  bald  etwas  mehr  nach  vorn,  bald  etwas  mehr  nach  hinten  gerückt; 
ausgeprägt  schiefe  Formen  sind  selten103).  Der  kleine  spitze  Wirbel  ist 
nach  einwärts  gebogen. 

Die  Verzierung  der  Schale  besteht  aus  feinen  konzentrischen  Streifen,  die 
auf  den  Steinkernen  fast  gar  nicht,  in  den  Hohlabdrücken  nur  selten  gut 
sichtbar  sind  (Taf.  14,  Fig.  23).  Vom  Wirbel  zur  unteren  hinteren  Ecke  zieht 
eine  Kante,  die  fast  bei  allen  Exemplaren  scharf  ausgeprägt  ist.  Hinter 
dieser  Kante  treten  die  konzentrischen  Streifen  deutlicher  hervor.  Der  flach 
gewölbte  Rücken  der  Schale  senkt  sich  meist  in  flacher  Rundung,  selten  mit 
einiger  Kantenbildung,  zum  Vorderrande.  Nur  an  einem  einzigen  Hohlabdruck 
einer  linken  Klappe  ließ  sich  das  Schloß  annähernd  beobachten.  Es  zeigte 
eine  dreieckige  Grube,  vor  dieser  zwei  Zähne,  außerdem  einen  vorderen 
und  einen  hinteren  Seitenzahn. 

Über  die  weite  Variationsmöglichkeit  der  Art  möge  folgende  Zusammen- 
stellung Aufschluß  geben. 

Da  die  verschiedenen  Formen  unterm  Pickelstein  (E  Kreibitz  6)  in  einer 
nur  etwa  1 m mächtigen  Schicht  aufgefunden  wurden  und  die  Übergänge 
lückenlos  vorhanden  sind,  läßt  sich  eine  Trennung  in  mehrere  Arten  nicht 
durchführen. 


Maße: 

i *) 

2 

3 

4 

5 

6S) 

7 ») 

8 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

Länge: 

36 

26 

18 

21 

19 

14 

32 

22 

Höhe: 

23 

17 

12 

14 

13 

10 

23 

16 

Länge  : Höhe 
- 100: 

64 

65 

67 

67 

68 

71 

72 

73 

Maße : 

9 

10 

11 

12 

13 

14 

15 

16 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

Länge: 

23 

12 

13 

18 

13 

18 

19 

14 

Höhe: 

17 

9 

10 

14 

10 

14 

15 

11 

Länge  : Höhe 
- 100: 

74 

75 

77 

77 

77 

78 

79 

79 

Maße: 

17  4) 

18 

19 

20 

2L 

22 

23 

24  5) 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

Länge: 

28 

15 

15 

16 

16 

28 

17 

31 

Höhe: 

22 

12 

12 

13 

13 

23 

14 

26 

Län^e  : Höhe 
- 100: 

79 

80 

80 

81 

81 

82 

82 

84 

Maße: 

25 

26 

27  fi) 

28 

29  7) 

30 

31  8) 

mm 

mm 

mm 

rn  m 

mm 

mm 

mm 

Länge: 

13 

21 

15 

18 

20 

14 

19 

Höhe: 

11 

18 

13 

16 

18 

13 

18 

Länge  : Höhe 
= 100: 

85 

86 

87 

89 

90 

93 

95 

1)  Abb.  58,  2)  Abb.  59, 

3)  Taf.  14, 

Fig.  22,  4)  Abb.  60, 

5)  Abb.  61,  6)  Abb.  62,  7) 

Abb.  03, 

8)  Taf.  14, 

Fig.  23. 

103)  vergl.  Geinitz  1849/50,  Taf.  10,  Fig.  13. 


Paläontologischer  Teil 


307 


Abb.  58.  Mactra  porrecta  G-ßiN.,  linke  Klappe,  Steinkern. 

Emscher,  Kreibitz  26.  (No.  436). 

Abb.  59.  desgk  linke  Klappe,  Skulpliirsteiokern.  Emsclier,  Kreibitz  7.  (No.  438). 
Abb.  60.  desgl.  rechte  Klappe,  Steinkern.  Emscher,  Kreibitz  6.  (No.  441). 

Abb.  61.  desgl.  rechte  Klappe,  Steinkern.  Emscher,  Kreibitz  6.  (No.  442). 

Abb.  62.  desgl.  linke  Klappe,  Steinkern.  Emscher,  Kreibitz  6.  (No.  443). 

Abb.  63.  desgl.  linke  Klappe,  Steinkern.  Emscher,  Kreibitz  6.  (No.  444). 

Alle  Originale  Geol.  Landesmus.  (A). 


Fundort: 

1),  15),  25)  E Kreibitz  26,  2),  3),  4),  5),  8),  9),  12),  13),  16),  17),  19),  20), 
21),  23),  24),  27),  28),  29),  31)  E Kreibitz  6,  6),  14),  30)  E Kreibitz  7,  7), 
26)  E Kreibitz  9,  22)  E Kreibitz  24,  10),  11),  18)  E E.-St.  Tannendorf  1. 

In  vorstehende  Tabelle  lassen  sich  alle  mir  bisher  aus  diesem  Horizont 
in  der  Literatur  bekanntgewordenen  Exemplare  einreihen.  Mactra  angalata 
und  Mactra  porrecta  bei  Geinitz  verfließen  ineinander.  Das  eine  Original 
von  Mactra  angulata  stammt  von  der  E.-St.  Tannendorf.  Bei  Kiesfingswalde, 
dem  Fundort  der  übrigen  Originale  von  Geinitz,  habe  ich  selbst  einige  Exem- 
plare gesammelt  mit  den  Verhältnismaßen  von  100:79,  80,  82,  83  und  87. 
Die  Originale  von  Geinitz  stehen  im  Verhältnis  von  Länge:  Höhe  wie  100:84, 
81  und  76  (Mactra  angulata)  und  100:69  (Mactra  porrecta).  Fig.  13  bei 
Geinitz  ist,  da  auch  aus  unserem  Gebiet  einige  stark  ungleichseitige  Exem- 
plare vorliegcn,  die  gleiche  Art.  Das  Original  bei  Sturm  besitzt  ein  Verhältnis 
von  Länge:  Höhe  wie  100:83.  Die  von  Scupin  aus  dem  Emscher  von  Gehns- 
dorf aufgeführten  Exemplare  sind  auch  nur  hierher  zu  stellen.  Das  mir  vor- 
liegende Original  im  Geologischen  Landesmuseum  läßt  wenig  Einzelheiten 
erkennen.  Mir  scheint  jedoch,  daß  hier,  wie  auch  an  allen  anderen  meiner 
Exemplare,  als  hintere  Schalenseite  diejenige  anzusehen  ist,  die  die  schärfste 
Kante  und  den  geradesten  Abfall  zum  Schalenrande  aufweist.  Ich  bin  darin 
gegenteiliger  Ansicht  als  Scupin. 

Am  Salzberge  bei  Quedlinburg  habe  ich  ebenfalls  einige  Exemplare  ge- 
sammelt, die  vollständig  den  unseren  gleichen. 

Mactra  angulata  Sow.  ist  nach  Woods  1904 — 1913,  2,  S.  177,  Taf.  27, 
Fig.  19—23  eine  Art,  die  sich  in  England  nicht  höher  als  im  unteren  Cenoman 
vorfindet.  In  ihrer  Form  gleicht  sie  vollständig  unseren  Stücken;  jedoch  sind 
die  Schlösser  beider  Arten  voneinander  verschieden.  Mactra  dehepana  Müll. 
sp.  bei  Holzapfel  1889,  2,  S.  148,  Taf.  10,  Fig.  20—24  ist  eine  sehr  kleine, 


20* 


308 


Abh.  preuß.  gieol.  L.-A.,  Neue  Folge,  lieft  159 


mehr  viereckig  gerundete  Form  und  besitzt  hinten  und  vorn  Kanten,  letztere 
zuweilen  undeutlich.  Mactra  bosquetiana  Stol.  bei  Holzapfel  1889,  2,  S.  148, 
Taf.  9,  Fig.  1 — 3 ist  kantenlos.  Die  bei  Meek  & Hayden  aus  der  amerikanischen 
Kreide  aufgeführten  Formen  lassen  sich  ohne  weiteres  hier  nicht  verwerten, 
wenn  auch  in  der  äußeren  Form  verschiedene  Arten  unseren  Exemplaren 
nahe  stehen. 

Vorkommen: 

Oberturon  a ß ; Hochwald  1 ; 

Oberturon  y : Altohlisch,  Jägersdorf  1,  Bokwen; 

Emscher:  E.-St.  Tannendorf  1,  Kreibitz  1,  4,  6,  7,  8,  9,  12,  24,  26  (6  und 

7 häufig),  E.-St.  Neuhütte  3,  Jägerdörfel  1,  Böhm.  Kamnitz  3 
(Prinz),  9,  Jidn  4 (Souicup),  Gehnsdorf  Löw.  1 (Geol.  Landes- 
mus.), Giersdorf  Löw.  (Geol.  Landesmus.),  Chlomek  (Mus. 
Prag),  Kieslingswalde,  Salzberg. 

Auch  Mactra  angulata  Sow.  bei  Wegneu  1ü4)  aus  dem  westfälischen  Unter- 
senon  könnte  hierher  gehören. 

Mactra  debeyana  J.  Mi’ix.  sp, 

Taf.  14,  Fig.  24,  25 

1847  Cardium  debeyanum  J.  Müller,  1,  S.  21,  Taf.  1,  Fig.  9. 

1889  Mactra  debeyana  Holzapfel,  2,  S.  148,  Taf.  10,  Fig.  20 — 24. 

Einige  Steinkerne  stimmen  mit  dieser  kleinen  Art  in  der  Form  überein. 
Sie  besitzen  einen  vierseitig  gerundeten  Umriß;  der  kleine  breite  Wirbel 
steht  ziemlich  in  der  Mitte  und  tritt  nur  schwach  hervor.  Von  ihm  verlaufen 
zwei  Kanten  nach  den  beiden  Ecken  des  Unterrandes.  Die  hintere  ist  scharf, 
die  vordere  weniger  scharf,  aber  immerhin  deutlich  markiert.  Die  Steinkerne 
sind  glatt.  Sie  besitzen  eine  Größe  von  3—5  mm  in  Länge  und  Höhe 
(Taf.  14,  Fig.  24). 

Mehrere  Exemplare  von  etwa  gleicher  Form  in  der  Größe  von  6—7  mm 
zeigen  die  Vorderkante  nur  undeutlich  (Taf.  14,  Fig.  25).  Nach  Holzapfel 
würden  auch  sie  zu  der  Art  gestellt  werden  können.  Bei  derartigen  Stücken 
ist  jedoch  die  Unterscheidung  von  Jugendformen  der  Mactra  porrecta  Gein., 
wenn  das  Schloß  der  Beobachtung  entzogen  ist,  sehr  schwierig.  Ein  von  mir 
in  Kieslingswalde  gesammeltes  Exemplar  von  6 mm  Länge  besitzt  wie  die 
vorgenannten  kleineren  Exemplare  auch  eine  hintere  und  eine  vordere  Kante. 

Die  Schalenverzierung  besteht  aus  feinen  konzentrischen  Streifen. 
Vorkommen: 

Emscher:  E.-St.  Tannendorf  1,  Kreibitz  6,  7,  Kieslingswalde. 

Außerdem  im  Grünsand  von  Yaals  und  Aachen. 

S o 1 c in  y i d a o Gra\ 

Solemya  Lam. 

Solemya  heinkci  n.  sp. 

Taf.  14,  Fig.  26,  27 

Die  flach  zusammengedrückte  Muschel  ist  stark  queroval  ausgezogen, 
der  Vorderteil  ist  kurz,  der  hintere  etwa  dreimal  länger.  Vorder-  und  Hinter- 
rand sind  schief  bogenförmig  gerundet,  der  flach  auswärts  gebogene  Unter- 
rand läuft  mit  dem  geraden  Oberrande  nahezu  parallel.  Der  winzige,  kaum 

104)  VVEGNER  1905,  S.  194. 


Paläontologiseher  Teil 


309 


hervorragende  Wirbel  ist  nach  innen  gedrückt.  Er  liegt  am  Beginn  des 
zweiten  Viertels  der  Schale.  Infolgedessen  ist  die  Muschel  sehr  ungleich- 
seitig. Vom  Schloß  ist  wenig  sichtbar,  anscheinend  ist  der  Abdruck  eines 
Zahnes  vorhanden.  Die  Schale  ist  mit  feinen  konzentrischen  Linien  bedeckt, 
die  von  ebenso  feinen  Radiallinien  gekreuzt  werden.  Auf  dem  hinteren 
Schalenteile  werden  die  radialen  Linien  durch  12—14  kräftigere  Rippen 
ersetzt.  Zwischen  je  zwei  Rippen  ist  meist  noch  eine  feinere  eingeschoben, 
wodurch  die  Zeichnung  ähnlich  der  Tellina  costulata  wird  (Taf.  14,  Fig.  11). 


Maße: 

1 

2 

3 

4 

Länge: 

30  mm 

38  nun 

30  mm 

19  mm 

Höhe: 

13  „ 

13  „ 

H „ 

8 „ 

Länge  : Hohe  = 100: 

43 

34 

37 

42 

Lage  des  Wirbels 
von.  vorn* 

i „ 

10  „ 

8 „ 

5 

Fundort : 

1)  E Kreibitz  12,  2),  3),  4)  E Kreibitz  6. 

In  der  oberen  deutschen  Kreide  ist  mir  nichts  bekannt,  was  mit  vor- 
stehender Art  nähere  Beziehung  hat.  Ähnlich  ist  Solemya  subplicata  Meek 
1876,  S.  129,  Taf.  28,  Fig.  19  aus  der  oberen  Missourikreide,  unterscheidet  sich 
aber  besonders  durch  den  geraden  Unterrand  und  vielleicht  auch  durch  eine 
etwas  andere  Schalenverzierung,  die  in  der  Abbildung  nicht  gut  zum  Aus- 
druck kommt.  Bis  zur  Erlangung  besseren  Materiales  bleibt  die  generische 
Stellung  unserer  Art  zweifelhaft. 

Es  liegen  zehn  Steinkerne  bzw.  Hohlabdrücke  vor. 

Ich  widme  die  Art  Herrn  Studienrat  Dr.  K.  Heinke  in  Zittau. 
Vorkommen: 

Oberturon  a ß : Hochwald  1 ; 

Emscher:  Kreibitz  6,  12,  27,  E.-St.  Neuhütte  3. 


Plcnromyidae  Zitt« 

Ceromya  Afi. 

Ceromya  cretacea  J.  MÜLL.  sp. 

Taf.  14,  Fig.  28;  Abb,  64,  64  a 

1834 — 40  Isocar dia  cretacea  Goldfuss,  2,  S.  211,  Taf.  141,  Fig.  1. 

1840  lsocardia  cretacea  Geinitz,  2,  S.  53. 

1841  lsocardia  cretacea  A.  Roemer,  S.  71. 

1841  lsocardia  trigona  A.  Roemer,  S.  70,  Taf.  9,  Fig.  7. 

1843  lsocardia  cretacea  Geinitz,  4,  Taf.  2,  Fig.  14. 

1846  lsocardia  cretacea  Reuss,  2,  S.  2,  Taf.  42,  Fig.  29  (?). 

1847  lsocardia  cretacea  J.  Müller,  1,  S.  19. 

1863  lsocardia  cretacea  Drescher,  S.  347. 

1875  lsocardia  cretacea  Brauns,  S.  370. 

1889  Ceromya  cretacea  Holzapfel,  2,  S.  152,  Taf.  9,  Fig.  12,  13. 

1891  lsocardia  cretacea  Langeniian  Sc  Grundey,  Taf.  3,  Fig.  25. 

1901  Ceromva  isocardioides  Sturm,  S.  84,  Taf.  8,  Fig.  2,  2 a. 

1912—13  Ceromya  cretacea  Scupin,  S.  154,  Taf.  5,  Fig.  11. 

Die  vorliegenden  Steinkerne  besitzen  einen  kreisförmig  gerundeten  bis 
ovalen  Umriß,  der  an  einigen  Exemplaren  mehr  in  die  Länge,  an  einigen  mehr 
in  die  Höhe  gezogen  ist.  Die  Dicke  entspricht  ungefähr  der  Höhe,  so  daß  die 


310 


Abh.  preuß.  geol.  L.-A.,  Neue  Folge,  Heft  159 


ganze  Muschel  kugelig  erscheint.  Der  Rücken  hebt  sich  bei  denn  Übergange 
in  den  Wirbel  hoch  hinaus.  Die  dicken,  stark  hervortretenden  Wirbel  sind 
gegeneinander  nach  innen  eingerollt  und  nach  vorwärts  gedreht.  Während 
sie  zum  Hinterrande  steil  abfallen,  verlaufen  sie  nach  vorn  in  eine  Ver- 
flachung. Hinter  dein  Wirbel  geht  der  Schloßrand  fast  unvermittelt  in  den 
Hinterrand  über,  mit  dem  stark  konvexen  Vorderrande  stößt  er  gewöhnlich  in 
einem  stumpfen  Winkel  zusammen  (Steinkerne).  Der  Wirbel  liegt  etwa  in  der 
Schalenmitte,  durch  seine  starke  Vorwärtsdrehung  erscheint  die  Schale  jedoch 
sehr  ungleichseitig.  Schloßzähne  sind  nicht  sichtbar.  Exemplar  1 nachstehender 


Abb.  64.  Ceromya  cretacea  J.  Müll,  sp.,  rechte  Klappe,  Steinkern. 
Emscher,  E.-St.  Tannendorf  1.  Orig.  Geol.  Landesruus.  (A  No  451). 
Abb  64  a.  von  vorn. 


Tabelle  zeigt  den  Abdruck  der  von  Stürm  erwähnten  schmalen  tiefen  Ligament- 
grube in  der  linken  Klappe.  Die  an  fast  allen  Steinkernen  sichtbare  breite 
Verflachung  in  der  Nähe  des  Schloßrandes  entspricht  wohl  der  von  Holzapfel 
geschilderten  Verdickung  der  Schale  am  Schloßrande.  Exemplar  3 der  Tabelle 
zeigt  auch  den  Abdruck  der  von  Holzapfel  gezeichneten,  hinter  dem  Wirbel 
der  rechten  Klappe  aufgesetzten  Leiste. 

Nach  Ho'hlabdrücken  besteht  die  Verzierung  der  Schale  aus  scharfen 
konzentrischen  Anwachsringen^  die  bei  kleineren  Exemplaren  sehr  fein  und 
regelmäßig  erscheinen,  sowie  aus  ganz  flachen,  meist  undeutlichen  und  un- 
regelmäßigen konzentrischen  Wellen.  Die  Steinkerne  lassen  nur  schwache 
Andeutungen  von  Anwachsringen  und  Wellen  erkennen. 


Maße: 

1 

2 

3 h 

4 

5 

6 

7 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

Länge : 

Höhe  (höchster  Buckel 

30 

32 

30 

30 

28 

28 

30 

des  Wirbels): 

31 

27 

25 

27 

23 

24 

33 

Länge  : Höhe  --  100: 

103 

84 

83 

90 

82 

86 

110 

Maße: 

8 

9 

10  2) 

11 

12 

13 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

mm 

Lange: 

Hohe  (höchster  Buckel 

23 

25 

27 

20 

20 

13 

des  Wirbels): 

23 

22 

23 

18 

22 

12 

Länge  : Hohe  = 100: 

100 

88 

85 

90 

110 

92 

1)  24  mm  dick,  2)  24  mm  dick. 


Paläontologischer  Teil 


31  1 


Das  Verhältnis  von  Länge : Höhe  schwankt  zwischen  100:82  und  110. 

Die  Form  dieser  Art  ist  so  charakteristisch,  daß  ich  auch  die  von  Gold- 
fuss  und  Roemer  als  Isocardia  cretacea  bzw.  als  Isocardia  trigona  beschrie- 
benen und  abgebildeten  Exemplare  als  ident  mit  derselben  ansehe.  Be- 
schreibung und  Abbildung  stimmen  sehr  gut  damit  überein.  Selbst  wenn  man, 
wie  bei  den  vorliegenden  Exemplaren,  nur  auf  Steinkerne  angewiesen  ist,  so 
liegt  keine  Veranlassung  vor,  die  wohl  etwa  dem  gleichen  Horizont  ent- 
stammenden Stücke  abzutrennen.  Die  Exemplare  von  Kieslingswalde,  die  von 
Geinitz,  Langeniian  & Grundey  und  Sturm  beschrieben  und  abgebildet  worden 
sind,  gehören  auch  unserer  Art  an.  Im  Museum  zu  Prag  konnte  ich  mich  ferner 
überzeugen,  daß  auch  an  den  Kieslingswalder  Exemplaren  der  obere  Schloß- 
rand eine  Verdickung  (oder  nur  Verflachung  ?)  besitzt,  wie  dies  Holzapfel 
von  den  Aachener  Stücken  schildert.  Von  Kreibitz  kann  Reuss  nur  unsere 
Art  Vorgelegen  haben.  Ob  jedoch  das  Original  zu  der  einem  tieferen  Kreide- 
horizont entstammenden  Abbildung  auch  hierher  gehört,  erscheint  mir  nicht 
sicher.  Das  Auftreten  der  Art  im  Emschcr  der  Löwenberger  Kreide  ist  durch 
Drescher  und  Scupin  bestätigt  worden.  Am  Salzberge  bei  Quedlinburg  konnte 
ich  ein  kleineres  Exemplar  sammeln,  was  in  der  Form  gut  mit  unseren  Stücken 
übereinstimmt.  Das  Original  zu  Scupin  1912  —1913,  Taf.  5,  Fig.  11  konnte 
verglichen  werden  und  stimmt  gut  mit  unseren  Stücken  überein. 

Vorkommen: 

Oberturon  y:  Kreibitz  4; 

Emscher:  E.-St.  Tannendorf  1,  Kreibitz  1,  12,  24,  27,  Oberkreibitzer  Tal- 

sperre 5 (selbst  gesammelt,  Mus.  Aussig),  Böhm.  Zwickau  5, 
Neuwarthau  Löw.  2 (Realgymn.  Löwenberg,  Geol.  Landesmus.), 
3 (Geol.  Landesmus.),  Hohlstein  Löw.  (Geol.  Landesmus.), 
Hermsdorf  Löw.  (Geol.  Landesmus.),  Kieslingswalde,  Salzberg. 

Außerdem  im  Untersenon  von  Aachen. 

Panopacidae  Zitt. 

Goniomya  A«. 

Gonio rnya  designala  GeiMTZ  var.  n.  sturmi 
Taf.  14,  Fig.  29,  30;  Abb.  65,  66,  67,  63,  68  a,  69,  70,  71 

1843  Goniomya  designala  Geinitz,  4,  S.  12,  Taf.  2,  Fig.  1. 

1863  Goniomya  designala  Drescher,  S.  342. 

1875  Pholadomya  designala  Geinitz,  2,  S.  71,  Taf.  19,  Fig.  8. 

1891  Pholadomya  designala  Langenhan  <x  Grundey,  Taf.  3,  Fig.  1. 

1897  Pholadomya  designala  FriC,  S.  61,  Abb.  2. 

1901  Goniomya  gallischi  Sturm,  S.  85,  Taf.  3,  Fig.  3. 

1901  Goniomya  vogti  Sturm,  S.  35,  Taf.  8,  Fig.  4. 

1912 — 13  Goniomya  designala  Scupin,  S.  146. 

Die  vorliegenden  Exemplare  aus  dem  Kreibitzer  Gebiet,  von  Chlomek  und 
Kieslingswalde  unterscheiden  sich  alle  von  der  Stammform  durch  allmählichen 
Abfall  des  hinteren  Oberrandes  vom  Wirbel  zum  Hinterrande  und  infolge- 
dessen durch  eine  nach  hinten  zunehmende  Verschmälerung  der  hinteren 
Schalenhälfte.  Die  vorhandenen  Abbildungen  aus  dem  westlichen  Gebiet, 


312 


Abh.  preuß.  geol.  L.-A.,  Neue  Folge,  Heft  159 


und  zwar  von  Goldfuss  1834—1840,  2,  Taf.  154,  Fig.  13,  A.  Roemer  1841, 
Taf.  10,  Fig.  3 und  G.  Müller  1898,  Taf.  10,  Fig.  7 zeigen  einen  horizon- 
talen Hinterrand  und  einen  gleichmäßigen  Verlauf  oder  auch  eine  Ver- 
breiterung der  Schale  nach  hinten.  Übergänge  nach  dieser  Richtung  sind  in 
dem  vorliegenden  Material  nicht  vorhanden,  breit  gedrückte  Exemplare  sind 
auch  im  vorderen  Schalenteile  entsprechend  breiter  gerundet.  Auch  Scupin 
weist  auf  diesen  Unterschied  hin.  Seine  Exemplare  gehören  zu  unserer 
Varietät.  Die  von  Holzapfel  1889,  2,  S.  153  beschriebenen  Stücke  wären  auf 
ihre  Zugehörigkeit  zu  prüfen.  Weg  neu  1905,  S.  195,  erklärt  seine  von  Dülmen 
und  Duvenbeck  stammenden  Exemplare  als  ident  mit  den  von  Goldfuss 
und  Roemer  dargestellten.  Ein  Stück  von  Duvenbeck,  das  mir  aus  dem 
Geologischen  Landesmuseum  vorliegt,  zeigt  außer  der  vorgeschilderten  Form 
als  weiteren  Unterschied  die  konvergierenden  Rippen  sehr  lang  und  deutlich, 
während  sie  an  unseren  Stücken  kurz  und  meist  sehr  undeutlich  sind.  Hin- 
gegen sind  an  Exemplaren  vom  Löhof  bei  Quedlinburg  und  von  den  Spiegels- 
bergen bei  Halberstadt  im  Geologischen  Landesmuseum  unter  Wahrung  des 
GoLDFuss’schen  Umrisses  die  konvergierenden  Rippen  so  kurz  und  schwach  wie 
an  unseren  Exemplaren  entwickelt.  Ein  Exemplar  von  Ilsede  derselben  Anstalt, 
sowie  ein  von  mir  am  Salzberge  bei  Quedlinburg  gesammeltes  Stück  zeigen 
Form  und  Berippung  der  G.  MüLLEn’schen  Abbildung.  Inwieweit  alle  diese 
westelbischen  Formen  mit  horizontal  verlaufendem  Hinterrande  zusammen- 
gehören oder  zu  trennen  sind,  läßt  sich  von  hier  aus  nicht  beurteilen.  Viel- 
leicht ist  es  durch  größeres  Material  möglich,  die  gleich  gezeichneten  Exem- 
plare vom  Löhof  und  den  Spiegelsbergen  noch  unserer  Varietät  anzuschließen. 

Unsere  Varietät  bietet  ein  sehr  mannigfaltiges  Bild,  das  jedoch  bei 
genügendem  Material  zu  einer  ununterbrochenen  Formenreihe  verschmilzt,  die 
in  sich  eine  Trennung  nach  keiner  Seite  zuläßt.  Die  Muschel  ist  mehr  oder 
weniger  aufgebläht,  die  höchste  Schalenwölbung  liegt  gewöhnlich  von  der 
Mitte  ein  wenig  nach  hinten.  Die  Verzierung  besteht  aus  unregelmäßigen 
konzentrischen  Anwachsstreifen  und  Falten,  sowie  aus  einer  Anzahl  gegen- 
einander konvergierender  Falten,  deren  Mittellinie  vom  Wirbel  ausgehend 
mehr  oder  weniger  schief  nach  hinten  gerichtet  ist.  Ihr  Vorhandensein  ist 
an  den  Steinkernen  nicht  immer  festzustellen.  Der  Schalenrand  neigt  sich 
vom  Wirbel  in  sanftem  Bogen  nach  vorn  und  biegt  hier  in  scharfer  Rundung 
zum  flach  gebogenen  Unterrande,  der  gewöhnlich  etwa  in  der  Mitte  eine  kleine 
Einbuchtung  besitzt.  Der  Hinterrand  ist  mehr  oder  weniger  abgestutzt  und 
infolgedessen  auch  in  entsprechendem  Winkel  mit  dem  Unter-  und  Oberrande 
verbunden.  Der  hintere  Oberrand  steigt  allmählich  zum  spitzen,  nach  innen 
eingebogenen  Wirbel  an.  Die  Lage  des  Wirbels  ist  verschieden,  sie  zeigt 
Abweichungen  von  der  Schalenmitte  bis  in  das  vordere  Drittel  der  Schale. 
Die  hintere  Schalenhälfte  ist  dementsprechend  mehr  oder  weniger  nach  hinten 
verlängert.  Wenn  man  noch  das  Verhältnis  der  Gesamtlänge  der  Schale  zu 
deren  Höhe,  die  schwankende  Wölbung  der  Schalen,  sowie  den  teils  schwach 
eingebogenen,  teils  geraden  Unterrand  berücksichtigt,  so  greifen  die  ver- 
schiedenen Charaktere  so  innig  ineinander,  daß  eine  Trennung  nach  irgend- 
welchen Gesichtspunkten  nicht  möglich  ist.  Dazu  finden  sich  alle  Formen  an 
der  gleichen  Fundstelle  und  im  gleichen  Horizont. 

Zur  Begründung  des  ausgedehnten  Formenkreises  der  Varietät  mögen  die 
Abbildungen  sowie  folgende  Aufstellung  dienen: 


Abb.  G5.  Goniomi/a  dcsignata  Geix.  var.  n.  sturmi,  linke  Klappe,  Steinkern.  (No.  453).  — 
Abb.  06.  desgl.  linke  Klappe,  Steinkern,  Oberflächenzeichmmg  unter  Benützung  des 
Holildruckes.  (No.  456).  — Abb.  G7.  desgl.  linke  Klappe,  Steinkern.  (No.  457).  — 
Abb.  68.  desgl.  linke  Klappe,  Sleinkern.  (No.  459).  — Abb.  G8  a.  desgl.  doppelklappig, 
von  oben.  — Abb.  G9.  desgl.  rechte  Klappe,  Steinkern.  (No.  461).  — Abb.  70.  desgl. 
linke'* Klappe,  Steinkern.  (No.  462).  — Abb.  71.  desgl.  rechte  Klappe,  Steinkern.  (No.  4G3). 

Alle  Originale  Emscher,  E.-St.  Tannendorf  1.  Gfeol.  Landesmus.  (A). 


Maße : 

1 

2 

3 

4 

5 

6 

7 

8 

9 

Länge : 

71  mm 

100: 

60  mm 

100: 

81  mm 

100: 

84  mm 

100: 

57  mm 

100: 

71  mm 

100: 

68  mm 

100: 

98  mm 

100: 

60  mm 

100  : 

Lage  des 
Wirbels 
von  vom : 

1,. 

34 

21  „ 

35 

28  „ 

35 

30  „ 

36 

21  „ 

37 

27  „ 

38 

26  „ 

38 

37  „ 

38 

23  „ 

38 

Höhe  : 

33  „ 

46 

28  „ 

47 

43  „ 

53 

45  „ 

54 

26 

47 

34  „ 

48 

36  „ 

53 

62  „ 

53 

38  „ 

63 

Maße  : 

10 

11 

12 

18 

14 

15 

16  __ 

17 

18 

Lange : 

54  mm 

ICO: 

52  mm 

100  : 

75  mm 

100  : 

78  mm 

100: 

71  mm 

100: 

68  mm 

100: 

65  mm 

100: 

43  mm 

100: 

52  mm 

100: 

Lage  des 
Wirbels 
von  vorn  : 

21  „ 

39 

20  „ 

39 

30  „ 

40 

31  „ 

40 

28  „ 

40 

27  „ 

40 

26  „ 

40 

„ 

40 

21  „ 

40 

Höhe  : 

29  „ 

54 

30  „ 

58 

39  „ 

52 

42  „ 

54 

39  „ 

55 

38  „ 

56 

38  „ 

58 

25  „ 

58 

3t  „ 

60 

Maße  : 

19 

20 

21 

22 

23 

24 

25 

26 

27 

Lange : 

80  mm 

100: 

58  mm 

100: 

73  mm 

100: 

63  mm 

100: 

66  mm 

100: 

83  mm 

100: 

76  mm 

100  : 

57  mm 

100: 

88  mm 

100: 

Lage  des 
Wirbels 
von  vorn  : J 

1 32  „ 

40 

23  „ 

40 

30  „ 

41 

26  „ 

41 

27  „ 

41 

35  „ 

42 

32  „ 

42 

24  „ 

42 

38  „ 

43 

Höhe : 

49  „ 

61 

40  „ 

69 

41  „ 

56 

35  „ 

56 

39  „ 

59 

42  „ 

51 

44  „ 

58 

36  „ 

63 

49  „ 

56 

Maße : 

28 

29 

30 

31 

32 

33 

34 

35 

36 

Länge : 

51  mm 

100  : 

42  mm 

100; 

80  mm 

100: 

75  mm 

100: 

55  mm 

100: 

80  mm 

100: 

73  mm 

100: 

47  mm 

100: 

56  mm 

100: 

Lage  des  ] 
Wirbels 
von  vorn : J 

1 22  „ 

43 

18  „ 

43 

35  „ 

44 

33  „ 

44 

24  „ 

44 

35  „ 

44 

33  „ 

45 

21  „ 

45 

26  „ 

47 

Höhe  : 

29  „ 

57  • 

25  „ 

60 

45  „ 

56 

42  „ 

56 

32  „ 

58 

48  „ 

60 

42  „ 

58 

30  „ 

64 

33  „ 

59 

Maße  : 

37 

38 

39 

40 

41 

Länge  : 

64  mm 

100: 

76  mm 

100: 

71  mm 

100: 

60  mm 

100: 

53  mm  100 : 

Lage  des  1 
Wirbels 
von  vorn  : J 

\ 30  „ 

47 

36  „ 

48 

34  „ 

48 

29  „ 

48 

26  „ 

49 

Höhe : 

42  „ 

66 

38  „ 

50 

43  „ 

61 

42  „ 

70 

34  „ 

64 

2)  Taf.  14,  Fi g.  29,  4)  Abb.  65,  19)  Abb.  66,  22)  Abb.  67,  32)  Abb.  68,  35)  Tal  14,  Fi-  30,  36)  Abb.  69,  37)  Abb.  70,  39)  Abb.  71. 


Abh.  preuß.  geol.  L.-A.,  Neue  Folge,  Heft  159 


Pa lüontotogi scher  Teil 


315 


Fundort: 

6),  26),  28),  38),  40)  E Kieslingswalde,  8)  E Oberkreibitzer  Talsperre  5, 
14)  E Kreibitz  24,  31)  E Chlomek,  1)  Goniomva  vogti  Sturm  1001,  Tal.  8, 
Fig.  4,  41)  Goniomva  gallischi  Sturm  1901,  Taf.  8,  Fig.  3,  3)  Pholadomva 
designata  Geinitz  1875,  2,  Taf.  19,  Fig.  8,  die  übrigen  Exemplare  E E.-St. 
Tannendorf  1. 

23),  24),  25),  29)  Sammlung  Humboldtver.  Ebersbach,  5),  7),  10),  15), 
16),  26),  28),  31),  34)  Mus.  Prag,  6)  Mus.  Dresden. 

Im  Museum  zu  Dresden  befindet  sich  nur  ein  einziges  Exemplar  von 
Kieslingswalde  (Nr.  6 vorstehender  Zusammenstellung),  welches  Geinitz  sicher 
Vorgelegen  hat.  Es  stimmt  sehr  gut  mit  unseren  längeren  Formen  überein. 
Die  Abbildung  bei  Geinitz  1843,  Taf.  2,  Fig.  1 ist  nicht  gut  gelungen.  Das 
im  „Elbtalgebirge“  von  ihm  von  der  E.-St.  Tannendorf  dargestellte  Exemplar 
(Nr.  3 der  Zusammenstellung),  gehört  auch  zu  unserer  Art.  Die  Muskel- 
eindrücke sind  an  den  Steinkernen  schwer  erkennbar,  scheinen  aber  an  den 
von  Geinitz  angegebenen  Stellen  zu  liegen. 

Langeniian  & Gründet  bilden  von  Kieslingswalde  ebenfalls  unsere  Art 
ab,  wenn  auch  die  Form  der  Berippung  in  der  Darstellung  nicht  genau 
sein  dürfte. 

Fric,  dem  das  in  der  Aufzählung  mit  „Museum  Prag“  bezeichnete  Material 
Vorgelegen  hat  (es  wurde  als  übereinstimmend  mit  unseren  Stücken  er- 
kannt), stellt  in  seiner  Abbildung  die  konvergierenden  Rippen  als  Bogen  dar, 
während  sie  in  Wirklichkeit  gegen  die  Mittellinie  geradlinig  verlaufen. 

Sturm  unterscheidet  Goniomva  gallischi  und  vogti.  Wie  in  der  Samm- 
lung des  Geologischen  Institutes  zu  Breslau  festgestellt  werden  konnte,  be- 
findet sich  daselbst  außer  dem  als  Goniomva  vogti  abgebildeten  Exemplar 
kein  einziges  gutes  Stück  mit  einem  so  weit  nach  vorn  gerückten  Wirbel. 
Die  übrigen  Exemplare  schließen  alle  mit  etwa  in  der  Schalenmitte  ge- 
legenen Wirbeln  eng  an  Goniomva  gallischi  an.  Die  durchgeführte  Trennung 
ist  natürlich  nicht  haltbar.  Soweit  beobachtet  werden  konnte,  scheinen  auch 
an  Exemplaren  mit  nahezu  Mittelstellung  des  Wirbels  die  Rippen  keinen 
vollständig  gleichschenkeligcn  Winkel  zu  bilden,  sondern  immer  etwas  nach 
hinten  zu  ziehen.  Die  Schilderung,  daß  die  Schale  hinten  niedriger  als  vorn 
sei,  beruht  nur  auf  einer  Verwechselung  der  beiden  Seiten. 

Nachdem  Drescher  bereits  die  Art  als  selten  aus  der  Löwenberger  Kreide 
angeführt  hat,  wird  ihr  von  Scupin  eine  eingehende  Studie  gewidmet,  die 
sich  bei  dem  ebenfalls  geringen  Material  hauptsächlich  nur  auf  eine  Kritik 
der  vorhandenen  Literatur  bezieht.  Da  ich  einen  Teil  hiervon  ausgeschieden 
habe,  erübrigt  sich  eine  besondere  Stellungnahme  dazu. 

Die  Zugehörigkeit  des  im  Museum  zu  Dresden  vorhandenen  Exemplares 
von  Tyssa  aus  dem  Cenoman  zu  unserer  Art  ist  sehr  wahrscheinlich. 

Vorkommen: 

Mittelturon : Hermsdorf  Löw.  1 (Geol.  Landesmus.),  2,  Jicin  31,  38  (beide 

Soukup) ; 

Oberturon  aß:  Hochwald  1,  Herrenleite; 


316 


Abh.  preuß.  g'eol.  L.-A.,  Neue  Folge,  Heft  159 


Emscher:  Oberkreibitzer  Talsperre  3,  5,  Kreibitz  1,  24,  26,  E.-St.  Tannen- 

dorf 1,  Hermsdorf  9,  Chlomek  (Mus.  Prag),  Kieslingswalde, 
Großhartmannsdorf  Löw.  (Geol.  Landesmus.),  Neuwarthau  Löw. 
1,  4 (beide  Geol.  Landesmus.),  Herzogswaldau  Löw.  (Geol. 
Landesmus.),  Waldau  Löw.  (Geol.  Landesmus.); 

Untersenon:  Wenig  Rackwitz  Löw.  1 (Geol.  Landesmus.),  Sirgwitz  Löw. 

(Geol.  Landesmus.). 

Goniornya  perlonga  Fric  sp. 

Taf.  14,  Fig.  31 

1877  Pholadomya  perlonga  FuiC,  S.  124,  Abb.  99. 

1897  Pholadomyci  perlonga  Fric,  S.  61,  Abb.  73. 

1898  Goniornya  sterni  G.  Müller,  S.  73,  Taf.  10,  Fig.  8. 

? 1909  Goniornya  mailleana  Rogala,  Taf.  20,  Fig.  6. 

1912 — 13  Goniornya  perlonga  Scupin,  S.  148. 

Die  Muschel  ist  stark  querverlängert,  hinten  breit,  klaffend  und  ab- 
gestutzt, am  Vorderrande  schmäler.  Der  obere  Schalenrand  ist  nach  hinten 
etwas  aufgebogen.  Der  kleine  Wirbel  ist  weit  nach  vorn  gerückt  und  ragt 
nur  wenig  über  den  Schloßrand  hervor.  Kräftige  konzentrische,  unter  dem 
Wirbel  konvergierende  Rippen  mit  kantigem  Umbiegen  nach  hinten  bedecken 
die  Oberfläche.  Sie  treten  viel  deutlicher  hervor  als  bei  Goniornya  designata 
var.  slurmi,  so  daß  schon  Bruchstücke  der  Goniornya  perlonga  leicht  er- 
kennbar sind. 

Der  Vergleich  der  Beschreibung  und  Abbildung  bei  G.  Müller  sowie 
eines  im  Museum  zu  Prag  vorhandenen  Exemplares  der  Goniornya  sterni  von 
Halberstadt  mit  den  Originalen  von  Fric  von  der  E.-St.  Tannendorf  und  den 
daselbst  von  mir  gesammelten  Exemplaren  und  Bruchstücken  ergibt  eine 
vollständige  Übereinstimmung  beider  Formen.  Das  in  Prag  ausgestellte  Exem- 
plar von  Halberstadt  ist  am  Wirbel  ebenso  hoch  wie  hinten,  so  daß  auch 
innerhalb  der  MüLLER’schen  Form  Abweichungen  von  dessen  Beschreibung 
Vorkommen.  Die  Biegung  der  Rippen  ist  an  dem  Original  von  Fric  aus  den 
Chlomeker  Schichten  kantiger  als  dies  die  Abbildung  wiedergibt  und  gleicht 
darin  der  Abbildung  von  Müller.  Auch  verlaufen  die  Rippen  von  der  Mittel- 
linie nach  vorn  an  dem  genannten  Originale  von  Fric  ziemlich  geradlinig  und 
nicht  so  gerundet  wie  sie  Fric  gezeichnet  hat. 

Die  Art  ist  in  unserem  Gebiete  nicht  häufig.  Es  liegen  nur  wenig  voll- 
ständige Stücke  und  einige  Bruchstücke  vor.  Außerdem  befindet  sich  im 
Museum  zu  Prag  noch  ein  Exemplar,  das  mit  Fundort  „Kreibitz“  bezeichnet  ist. 
Vorkommen: 

Mittelturon:  Turnau  14,  Jicin  28,  29  (beide  Soukup),  37,  Löwenberg  1 

(Geol.  Landesmus.),  Löwenberg  3 (Realgymn.  Löwenberg,  Geol. 
Landesmus.) ; 

Oberturon  y:  Kreibitz  14; 

Emscher:  E.-St.  Tannendorf  1,  Oberkreibitzer  Talsperre  5,  8,  Kreibitz  17, 

Deutmannsdorf  Löw.  (Geol.  Landesinus.). 

Außerhalb  unseres  Gebietes  kommt  die  Art  im  Emscher  des  nördlichen 
Harzrandes  vor.  Goniornya  mailleana  d’Orb.  aus  dem  englischen  Cenoman  10:’) 

105)  Woods  1904—13,  2,  8.  255,  Fig.  7. 


Paläontologischer  Teil  3 1 7 

steht  nach  Beschreibung  und  Abbildung  unserer  Art  sehr  nahe  und  könnte 
sogar  diese  selbst  sein. 


1827 

1834—40 
? 1834—40 

1842 

1843 

1844 
? 1844 
? 1840 

1846 
1863 
1875 
1875 
1875 
? 1877 
1888 
1889 
1891 
1897 
1897 

1897 

1898 
1901 
1901 
1901 
1901 

1904—13 

1904—13 

1912—13 

1912—13 

1912—13 

1912—13 


Panopaea  M EN  ARD 
Panopaea  regularis  d’Orh. 

Taf.  14,  Fig.  32,  33,  34;  Abb.  72—87 
Lutraria  gurgitis  Nilsson,  Ö.  18,  Taf.  5,  Fig.  9. 

Panopaea  gnrgiles  Goldfuss,  2,  S.  274,  Taf.  153,  Fig.  7. 
Panopaea  plicata  Goldfuss,  2,  S.  274,  Taf.  158,  Fig.  5. 
Panopaea  gurgites  Geinitz,  3,  S.  75,  Taf.  20,  Fig.  1. 

Panopaea  gurgites  Geinitz,  4,  S.  12,  Taf.  2,  Fig.  2. 
Panopaea  regularis  d'Orbigny,  3,  S.  343,  Taf.  360,  Fig.  1,  2. 
Panopaea  gurgitis  d’Oiibigny,  3,  S.  345,  Taf.  361,  Fig.  1,  2. 
Panopaea  gurgites  Reuss,  2,  S.  17,  Taf.  36,  Fig.  3. 

Panopaea  regularis  Reuss,  2,  S.  17,  Taf.  36,  Fig.  2. 

Panopaea  gurgitis  Drescher,  S.  341. 

Panopaea  gurgitis  Brauns,  S.  362. 

Panopaea  gurgitis  Geinitz,  2,  S.  68,  Taf.  19,  Fig.  1,  2. 
Panopaea  regularis  Geinitz,  2,  S.  69,  Taf.  19,  Fig.  3,  4. 
Panopaea  gurgitis  Fric,  S.  124,  Abb.  100. 

Glycimeris  gurgitis  G.  Müller,  S.  432. 

Glycimeris  geinitzii  Holzapfel,  2,  S.  156,  Taf.  11,  Fig.  2. 
Panopaea  plicata  Langeniian  & Grundey,  Taf.  3,  Fig.  4. 
Panopaea  gurgitis  Fric,  S.  59. 

Glicimeris  geinitzii  Fric,  S.  60. 

Glycimeris  holzapjelii  IIennig,  S.  59,  Taf.  3,  Fig.  22. 
Glycimeris  gurgitis  G.  Müller,  S.  70,  Taf.  10,  Fig.  4. 
Panopaea  gurgitis  Sturm,  S.  86,  Taf.  8,  Fig.  5. 

Panopaea  rustica  Sturm,  S.  86,  Taf.  8,  Fig.  6. 

Panopaea  clavijormis  Sturm,  S.  86,  Taf.  8,  Fig.  7. 

Panopaea  anatinoides  Sturm,  S.  87,  Taf.  8,  Fig.  8. 

Panopaea  gurgitis  var.  plicata  Woods,  2,  Taf.  36,  Fig.  6 — 8. 
Panopaea  meyeri  Woods,  2,  S.  229,  Taf.  38,  Fig.  1. 

Panopaea  muelleri  Scupin,  S.  149,  Taf.  6,  Fig.  1. 

Panopaea  plana  Scupin,  S.  150,  Taf.  6,  Fig.  18. 

Panopaea  depressa  Scupin,  S.  151,  Taf.  6,  Fig.  3,  15,  16. 
Panopaea  geinitzi  Scupin,  S.  152,  Taf.  6,  Fig.  10. 


Bei  der  starken  Variabilität  der  Art,  die  darin  die  von  Woods  be- 
schriebene Panopaea  gurgitis  Brongniart  106)  noch  übertrifft,  kann  die  Schil- 
derung derselben  nur  ganz  allgemein  gehalten  werden. 

Die  Muschel  ist  mehr  oder  weniger  quer  verlängert,  gleichklappig,  auf- 
gebläht, vorn  zusammengedrückt  und  hinten  stark  klaffend.  Der  schief  nach 
vorn  abwärts  geneigte  bis  horizontale  Teil  des  vom  Wirbel  nach  vorn  ver- 
laufenden Oberrandes  biegt  gerundet  oder  eckig  in  den  Vorderrand  um,  der 
in  mehr  oder  weniger  gebogener  Linie  meist  schief  absteigt  und  gewöhnlich 
eckig  gerundet  oder  auch  in  voller  Rundung  in  den  flach  konvexen  bis  geraden 
Unterrand  übergeht.  Der  Unterrand  steigt  sodann  in  meist  eckiger  Rundung 


106)  WOODS  1904-13,  2,  S.  222,  Taf.  35,  Fig.  9-14;  Taf.  36,  Fig.  1—5. 


318 


Abh.  preuß.  geol.  L.-A.,  Neue  Folge , Heft  159 


zum  abgestutzten  Hinterrande  auf.  Die  Verbindung  zwischen  Hinter-  und 
Oberrand  erfolgt  im  allgemeinen  durch  einen  abgerundeten  rechten  oder  etwas 
spitzen  Winkel.  Der  hinter  dem  Wirbel  gelegene  Teil  des  Oberrandes  bildet 
gewöhnlich  eine  schwach  konkave  Linie,  wodurch  die  hintere  Ecke  etwas 
schnauzenförmig  aufgeworfen  erscheint,  oder  er  verläuft  auch  horizontal. 
Die  spitzen,  meist  aus  breiter  Basis  sich  entwickelnden,  gegeneinander  ein- 
gebogenen Wirbel  haben  eine  verschiedene  Lage  und  zwar  vom  Ende  des 
vorderen  Drittels  der  Schale  bis  zu  deren  Mitte.  Infolgedessen  erscheint  auch 
die  Schale  gleichseitig  bis  stark  ungleichseitig. 

Die  Verzierung  besteht  aus  feineren  und  gröberen  konzentrischen  An- 
wachsringen und  Falten,  die  auf  einigen  Skulptursteinkernen  sehr  deutlich 
und  kräftig  ausgeprägt  sind,  während  sie  auf  den  einfachen  Steinkernen 
wohl  sichtbar  sind,  aber  gewöhnlich  nur  schwach  zum  Ausdruck  kommen.  Der 
Verlauf  der  konzentrischen  Ringe  und  Falten  ist  teils  gerundet,  teils  weniger, 
teils  mehr  kantig  und  variiert  ebenso  wie  der  Umriß  der  Schale  selbst. 
Weiter  finden  sich  auf  einem  Skulptursteinkerne  (Taf.  14,  Fig.  33,  40  der 
folgenden  Tabelle)  Andeutungen  von  radial  geordneten  Reihen  von  Körnchen, 
ähnlich  wie  bei  Panopaea  gurgitis  Brongniart  107).  Vom  Wirbel  zieht  zum 
hinteren  Unterrande  gewöhnlich  eine  flache  Depression,  während  vom  Wirbel 
nach  vorn  unten  meistenteils  eine  schwache  Kante  verläuft. 

Zur  Veranschaulichung  der  Mannigfaltigkeit  der  Art  und  der  in  ihrem 
Rahmen  herrschenden  Übergänge  sind  sämtliche  in  der  Literatur  erreichbaren 
Abbildungen  hierher  gehöriger  Formen  aus  der  Oberen  Kreide,  sowie  das  aus 
dem  Arbeitsgebiete  vorliegende  Material  gemessen  und  in  einer  Tabelle  zu- 
sammengestellt worden  (s.  S.  319  und  321). 

Die  Reihenfolge  ist  nach  der  Lage  des  Wirbels  geordnet. 

A = meine  Sammlung,  II  = Sammlung  des  Flumboldtvereins  Ebersbach, 
D ==  Museum  für  Mineralogie,  Geologie  und  Vorgeschichte,  Dresden. 

So  scharf  einzelne  Stücke,  z.  B.  in  den  Abbildungen  bei  Sturm,  von- 
einander geschieden  erscheinen,  so  lassen  sich  doch  die  unterscheidenden 
Merkmale  bei  Durchsicht  weiteren  Materiales  nicht  halten.  Die  Formen  gehen 
so  ineinander  über,  daß  jede  Trennung  nur  künstlich  sein  kann.  Da  außerdem 
alle  Formen  in  einem  Horizont,  ja  an  einer  Fundstelle  nebeneinander  Vor- 
kommen, liegt  keine  Veranlassung  vor,  die  von  früheren  Autoren  vorgenom- 
menen Trennungen  aufrecht  zu  erhalten.  In  der  Voraussetzung,  daß  die 
zitierten  Abbildungen  naturgetreu  ausgeführt  sind,  läßt  sich  an  Hand 
unserer  Tabelle  folgendes  feststellen.  Hierbei  sind  die  Rundungen,  Ecken 
und  Kanten  in  erster  Linie  auf  den  Verlauf  der  Anwachsringe  bezogen. 

Die  Abbildung  bei  Reuss  (1)  107a)  ist,  da  das  Original  fehlt,  auf  ihre  Ge- 
nauigkeit, die  bei  Reuss  oft  zu  wünschen  übrig  läßt,  nicht  zu  prüfen.  Da  auch 
Exemplare  von  Kreibitz  damit  identifiziert  werden,  ist  an  der  Zugehörigkeit 
zu  unserer  Art  nicht  zu  zweifeln.  Besonders  auffällig  erscheint  das  starke 
Emporstreben  der  Ober-Hinterrandecke,  wie  dies  auch  bei  d’Oubigny  (2)  und 
Goldfuss  (6)  der  Fall  ist.  In  neuerer  Zeit  sind  derartige  Formen  nicht  mehr 
abgebildet  worden,  auch  liegen  ähnliche  Exemplare  nicht  vor.  Da  jedoch 
verschiedene  der  vorliegenden  Stücke  eine  aufgeworfene  obere  Hinterecke 
zeigen,  wenn  diese  sich  auch  nicht  über  die  Wirbelspitze  erhebt,  ist  bei  Be- 

107)  Woods  1904—13,  2,  Tat  85,  Fig.  13. 

107a)  Iü  folgendem  beziehen  sich  die  hinter  den  Autornamen  aufgeführten  Ziffern  auf  die  Nummern 
der  Tabelle. 


Paläontoloffjscher  Teil 


319 


Länge 

mm 

Laged.  Wirbels 
von  vorn  ab 

mm 

Höhe 

mm 

Verhältnis 
Länge  (100): 

Laged. Wirbels 
von  vorn  ab 

Höhe 

1) 

53 

16 

32 

30 

60 

Reuss,  TaL  36,  Fig.  3. 

2) 

58 

19 

36 

33 

62 

d’Orbigny,  TaL  361,  Fig.  1. 

3) 

60 

21 

35 

35 

58 

Goldfuss,  Taf.  153,  Fig.  7. 

4) 

26 

9 

17 

35 

65 

E E.-St.  Tannendorf  1,  A. 

5) 

84 

30 

48 

36 

57 

Woods,  TaL  36,  Fig.  6. 

6) 

39 

14 

24 

36 

62 

Goldfuss,  Taf.  158,  Fig.  5. 

7) 

63 

24 

33 

38 

52 

Geinitz  1843,  Taf.  2,  Fig.  2 *). 

8) 

60 

23 

42 

38 

70 

IIennig,  Taf.  3,  Fig.  22. 

9) 

90 

35 

48 

39 

53 

Sturm,  Taf.  8,  Fig.  6. 

10) 

82 

33 

40 

40 

49 

Woods,  Taf.  36,  Fig.  7. 

11) 

48 

19 

25 

40 

52 

E E.-St.  Tannendorf  1,  A. 

12) 

35 

14 

19 

40 

54 

Geinitz  1350,  TaL  20,  Fig.  1. 

13) 

58 

23 

31 

40 

54 

Geinitz  1875,  Taf.  19,  Fig.  1. 

14) 

68 

27 

41 

40 

60 

Woods,  TaL  36,  Fig,  8. 

15) 

62 

25 

38 

40 

61 

Scupin,  Taf.  6,  Fig.  15. 

16) 

92 

37 

56 

40 

61 

d’Orbigny,  Taf.  360,  Fig.  1. 

17) 

34 

14 

20 

41 

59 

E E.-St.  Tannendorf  1,  A. 

18) 

32 

13 

21 

41 

66 

E Oberkreibitzer  Talsperre  5,  A. 

19) 

94 

39 

64 

41 

68 

Reuss,  Taf.  36,  Fig.  2. 

20) 

72 

30 

39 

42 

54  ; 

2 Stück  E E.-St.  Tannendorf  1,  A. 

21) 

26 

11 

16 

42 

62 

E Falkenau  4,  A. 

22) 

50 

21 

31 

42 

62 

Scupin,  Taf.  6,  Fig.  18. 

23) 

84 

35 

52 

42 

62 

Sturm,  Taf.  8,  Fig.  7. 

24) 

52 

22 

34 

42 

65 

Geinitz  1875,  Taf.  19,  Fig.  2. 

25) 

33 

14 

22 

42 

67 

E E.-St.  Tannendorf  1,  A. 

26) 

38 

16 

26 

42 

68 

E Kreibitz  26,  A. 

27) 

33 

14 

24 

42 

73 

2 Stück  E E.-St.  Tannendorf  1,  A. 

28) 

68 

29 

34 

43 

50 

Sturm,  TaL  8,  Fig.  8. 

29) 

63 

27 

42 

43 

67 

E E.-St.  Tannendorf  1,  II. 

30) 

46 

20 

33 

43 

72 

G.  Müller,  Taf.  10,  Fig.  4. 

31) 

102 

45 

50 

44 

49 

Langeniian,  TaL  3,  Fig.  4. 

32) 

52 

23 

32 

44 

61 

E E.-St.  Tannendorf  1,  A. 

33) 

34 

15 

22 

44 

65 

E Kreibitz  9,  II. 

34) 

34 

15 

22 

44 

65 

E E.-St.  Tannendorf  1,  H. 

35) 

34 

15 

24 

44 

70 

Scupin,  Taf.  6,  Fig.  1. 

36) 

41 

18 

32 

44 

78 

Eric,  Abb.  100. 

37) 

29 

13 

16 

45 

55 

E E.-St.  Tannendorf  1,  A. 

33) 

22 

10 

13 

45 

59 

E E.-St.  Tannendorf  1,  A. 

39) 

78 

35 

50 

45 

64 

Sturm,  Taf.  8,  Fig.  5. 

40) 

67 

31 

37 

46 

55 

E E.-St.  Tannendorf  1,  A. 

41) 

78 

36 

51 

46 

65 

E E.-St.  Tannendorf  1,  A. 

42) 

43 

20 

29 

46 

67 

E E.-St.  Tannendorf  1,  II. 

43) 

87 

40 

59 

46 

68 

Woods,  Taf.  38,  Eig.  1. 

1)  Das  Origiual  ist  im  Museum  zu  Dresden  nicht  aufzufinden. 


168/34 


Paläontologischer  Teil 


321 


1 

| 

Laged.  Wirbels 

Höhe 

mm 

Verhältnis 
Länge  (100) 

1 

von  vorn  ab 
mm 

Laged.  Wirbels 
von  vorn  ab 

Höhe 

44) 

53 

25 

26 

47 

49 

Scupin,  Taf.  6,  Fig.  16. 

45) 

57 

27 

37 

47 

65 

E Innozenzidorf  1,  II. 

46) 

32 

15 

22 

47 

69 

Kreibitz,  D. 

47) 

42 

20 

29 

48 

69 

Lusberg  Aachen,  D. 

48) 

44 

21 

31 

48 

70 

E E.-St.  Tannendorf  1,  A. 

49) 

46 

22 

34 

48 

74 

E E.-St.  Tannendorf  1,  A. 

50) 

111 

54 

60 

49 

54 

Scupin,  Taf.  6,  Fig.  10. 

51) 

70 

34 

41 

49 

59 

Ilerrenleite,  Sachs.  Schweiz,  D. 

52) 

37 

18 

24 

49 

65 

OT  y Kreibitz  14,  A. 

53) 

94 

46 

75 

49 

80 

Langenhennersdorf,  Sachs.  Schw.,  D. 

54) 

34 

17 

19 

50 

56 

Scupin,  Taf.  6,  Fig.  3. 

55) 

97 

49 

71 

50 

73 

E E.-St.  Tannendorf  1,  A. 

56) 

99 

50 

52 

51 

53 

Waldau,  Schlesien,  D. 

57) 

97 

49 

52 

51 

54 

Geinitz  1875,  2,  Taf.  19,  Fig.  3,  D. 

58) 

84 

43 

49 

51 

58 

Holzapfel,  Taf.  11,  Fig.  2. 

59) 

89 

45 

65 

51 

73 

Waldau,  Schlesien,  D. 

60) 

55 

22 

42 

40 

76 

E E.-St.  Tannendorf  1,  A. 

61) 

40 

16 

32 

40 

70 

E Kreibitz  28,  A. 

62) 

17 

8 

16 

47 

94 

E E.-St.  Tannendorf  1,  A. 

63) 

25 

12 

22 

48 

88 

Kreibitz,  D No.  625. 

64) 

59 

26 

40 

44 

68 

Löhof  bei  Quedlinburg  *). 

65) 

62 

30 

41 

48 

66 

Spiegelsberge  bei  Halberstadt1). 

66) 

63 

31 

45 

49 

71 

Dülmen  *). 

67) 

61 

23 

37 

38 

61 

Spiegelsberge  bei  Halberstadt1). 

68) 

80 

40 

57 

50 

71 

Plattenberg  bei  Blankenburg  *). 

69) 

94 

45 

51 

48 

54 

Plattenberg  bei  Blankenburg  *). 

70) 

1)  (G4 

97 

1—70):  1 

35 

Geologisches  Landes 

57 

imuseum 

36 

Berlin. 

59 

Steinholz  ]). 

4)  Abb.  72,  11)  Abb.  73,  17)  Abb.  74,  18)  Taf.  14,  Fig.  32,  20)  Abb.  75,  27)  Abb.  76, 

32)  Abb.  77,  33)  Abb.  78,  34)  Abb.  79,  40)  Taf.  14,  Fig.  33,  41)  Abb.  80,  42)  Abb.  81, 

45)  Abb.  82.  48)  Abb.  83,  52)  Abb.  84,  55)  Abb.  85,  60)  Abb.  86,  61)  Taf.  14,  Fig.  34, 

62)  Abb.  87. 

Text  zu  nebenstehenden  Abbildungen. 

Abb.  72.  Panopaea  regularis  d'Orb.,  linke  Klappe,  Steinkern.  (No.  466).  — Abb.  73.  desgl. 
reclite  Klappe,  Steinkern.  (No.  467).  — Abb.  74.  desgl.  reckte  Klappe,  Steinkern.  (No.  468)  — 
Abb.  75.  desgl.  linke  Klappe,  Steinkern.  (No.  470).  — Abb.  76  desgl.  reckte  Klappe, 
Steinkern.  (No.  471).  — Abb.  77.  desgl.  reckte  Klappe,  Ausguß  des  Hokldruckes.  (No.  472). 
— Abb.  78.  desgl.  rechte  Klappe,  Steinkern.  (No.  473).  — Abb.  79.  desgl.  linke  Klappe, 
Steinkern.  (No.  474).  — Abb.  80.  desgl.  reckte  Klappe,  Steinkern.  (No.  476).  — 

Abb.  81.  desgl.  rechte  Klappe,  Steinkern.  (No.  477). 

Abb.  72—77  und  79—81  Emseher,  E.-St.  Tannendorf  1.  — Abb.  78  Emscher,  Kreibitz  9. 
Originale  zu  Aüb  72—77  u.  80  Geol.  Landesmus.  (A), 
zu  Abb.  78,  79  und  81  Slg.  Humboldtverein  Ebersbach  Sa. 


Ändert  21 


m 54 


Paläontolögischer  Teil 


323 


rücksiclitigung  der  Ungenauigkeit  der  Zeichnung  der  Anschluß  gegeben.  Sollten 
jedoch  weitere  Exemplare  dieser  Form  aufgefunden  werden,  deren  sonstige  Lage- 
rungsverhältnisse eine  Abtrennung  erwünscht  erscheinen  lassen,  so  wäre  dieselbe 
zuzulassen.  Die  Abbildung  bei  Goldfuss  (6)  zeigt  vollkommen  gerundete 
Anwachsringe,  während  bei  d’Orbigny  und  Reuss  an  der  Unter-Hinterrand- 
grenze  eine  Ecke  sichtbar  ist.  Goldfuss  (3)  ist  vorn  unten  schwach  eckig 
und  hinten  gerundet,  Woods  (5)  und  Hennig  (8)  sind  vorn  gerundet  und 
hinten  unten  eckig,  mein  Exemplar  (4)  vorn  schief  abwärts  ziehend  ähnlich 
(3)  und  hinten  unten  abgerundet  eckig.  Das  Original  zu  Sturm  (9)  zeigt 
hinter  dem  Wirbel  einige  Brüche,  wodurch  die  Schale  hinten  so  außer- 
ordentlich hoch  und  breit  erscheint.  Während  das  Stück  vorn  gerundet  und 
hinten  unten  stark  eckig  ausgebildet  ist  und  in  dieser  Beziehung  Woods  (14), 
Scupin  (15)  und  d’Orbigny  (16)  gleicht,  ist  das  daneben  angeführte  Exemplar 
von  Woods  (10)  vorn  unten  mehr  eckig  und  hingegen  hinten  schön 
gerundet.  Dagegen  bieten  mein  Exemplar  (11)  und  Geinitz  (12,  13)  vorn  und 
hinten  ausgezeichnet  schöne  Rundungen  dar.  Das  Original  zu  (13)  ist  sehr 
zusammengedrückt  und  deshalb  sicher  verunstaltet.  Jedoch  unterscheidet  sich 
wieder  Sturm  (9)  mit  seinem  geraden  vorderen  Oberrande,  der  in  scharfer 
Ecke  in  den  geraden  Vorderrand  umbiegt,  von  Scupin  (15),  mit  schräg  nach 
vorn  abfallendem  und  Woods  (14)  mit  gerundetem  Vorderrande.  Während 
mein  Exemplar  (17)  nach  vorn  unten  schräg  abfällt  und  hinten  ziemlich 
senkrecht  emporsteigt,  zieht  sich  in  meinem  Exemplar  (18)  der  Vorderrand 
in  schön  geschwungenem  Bogen  zum  Unterrande,  und  dieser  hebt  sich  nach 
einer  Eckbildung  schräg  zum  Hinterrande  empor;  dagegen  steigt  bei  Reuss 
(19)  der  Unterrand  zum  Vorder-  und  Hinterrande  steil  auf.  Die  beiden  Exem- 
plare meiner  Sammlung  (20)  sind  am  Vorderrande  gut  gerundet,  biegen  aber 
scharf  vom  Unter-  zum  Hinterrande  um  und  gleichen  vollständig  Scupin  (22). 
Während  an  diesen  drei  Exemplaren  der  Teil  vor  dem  Wirbel  niedriger  ist 
als  hinter  demselben,  ist  dies  bei  Sturm  (23)  gerade  umgekehrt.  Letzterem 
ähnlich  ist  mein  Exemplar  (25)  und  Humboldtver.  Ebersbach  (33).  Geinitz  (24) 
und  meine  Exemplare  (26,  27)  zeigen  die  Anwachsringe  wieder  in  voller 
Rundung.  Ein  Gegenstück  hierzu  bietet  Sturm  (28),  das  einen  sehr  schräg 
aufsteigenden  Hinterrand  besitzt.  Der  vollständige  Umriß  dieses  Exemplares 
ist  übrigens  nicht  so  spitzwinkelig  wie  dies  die  Abbildung  zeigt.  Das  mir 
vorliegende  Original  des  Geologischen  Landesmuseums  Berlin  ist  stark  zu- 
sammengedrückt und  die  Vorderhälfte  der  abgebildeten  Schale  schief  ver- 
drückt. Dies  beweist  besonders  auch  die  linke  Klappe,  an  der  auf  der  Vorder- 
seite die  Anwachsstreifen  und  Falten  ziemlich  senkrecht  herabziehen.  Sie  ist 
sehr  ähnlich  der  Abbildung  bei  Scupin  Taf.  6,  Fig.  16.  Daneben  steht  das 
vollständig  anders  gestaltete  Humboldtvereinsexemplar  (29),  das  genau  mit 
Sturm  (23)  übereinstimmt,  zu  dem  sich  als  weiterer  Kontrast  Müller  (30) 

Text  zu  nebenstehenden  Abbildungen. 

Abb.  82.  Panopaea  regularis  d’Orb.,  linke  Klappe,  Steinkern.  Oberturon  a f»,  Innozenzi- 
dorf  6.  (No.  478).  Orig.  Slg.  Humboldtverein  Ebersbach  Sa.  — Abb.  83.  desgl.  linke  Klappe 
Steinkern.  (No.  479).  — Abb.  84.  desgl.  linke  Klappe.  (No.  480).  — Abb.  85.  desgl.  linke 
Klappe.  (No.  481).  — Abb.  86.  desgl.  rechte  Klappe  (No.  482).  — Abb.  87.  desgl.  rechte 
Klappe.  (No.  484).  Orig,  zu  Abb.  83,  85,  86,  87  Einscher,  E.-St.  Tannendorf  1,  zu  Abb.  84 
Oberturon  7,  Kreibitz  14.  Geol.  Landesmus.  (A). 


21* 


324 


Abh.  preuß.  geoL'L.-A.,  Neue  Folge,  Heft  159 


gesellt.  Vom  gleichen  Fundort  wie  (23)  bietet  Langenhan  (31)  mit  dem  gerade 
nach  schräg  unten  verlaufenden  Vorderrande  eine  Abweichung.  Meine  Samm- 
lung (32)  gleicht  in  der  Form  vollständig  Scupin  (15).  Humboldtverein  (34) 
hat  hingegen  wieder  einen  horizontal  vom  Wirbel  nach  vorn  verlaufenden 
Oberrand,  der  fast  senkrecht  zum  Unterrande  absteigt  und  in  diesen  scharf 
umbiegt,  während  letzterer  im  stumpfen  Winkel  zum  Hinterrande  auf  biegt. 
Ähnlich  ausgebildet,  wenn  auch  vorn  nicht  so  scharf  abgestutzt,  ist  Scupin 
(35).  Eric  (36)  scheint  mehr  zu  Panopaea  mandibula  hinüber  zu  neigen  und 
dürfte  hier  wohl  abzutrennen  sein.  Meine  Sammlung  (37,  38)  sind  ein  paar 
kleinere  Exemplare  von  der  Form  Geinitz  (24).  Stürm  (39),  das  im  Original 
vorliegt,  mit  schön  gerundetem  Vorderrande  biegt  in  scharfem  stumpfem 
Winkel  vom  Unter-  zum  Hinterrande  auf.  Verfolgt  man  den  Verlauf  der  An- 
wachsringe in  etwa  halber  Größe  des  Exemplares,  also  im  jüngeren  Alter, 
so  erhält  man  eine  Form,  die  Reuss  (1)  und  d’Orbigny  (2)  sehr  ähnlich  ist 
(Vorderseite  kurz  und  niedrig,  Hinterseite  länger  und  bedeutend  höher). 
Während  meine  Sammlung  (40)  vorn  senkrecht  absteigende  Anwachsringe 
besitzt,  die  in  fast  rechtem  Winkel  in  den  Unterrand  und  in  scharfem  stumpfem 
Winkel  in  den  schräg  gerade  aufsteigenden  Hinterrand  übergehen,  und  das 
Exemplar  hinten  und  vorn  von  gleicher  Höhe  ist,  besitzt  meine  Sammlung  (41) 
die  Form  von  Sturm  (23)  mit  breiterer  Vorder-  und  schmälerer  Hinterseite, 
an  der  die  Anwachsstreifen  vom  Vorderrande  in  stumpfem  Winkel  in  den 
Unter-  und  im  rechten  Winkel  vom  Unter-  in  den  Hinterrand  übergehen. 
Ähnliche  Form,  aber  mit  gleich  hoher  Vorder-  und  Hinterseite,  besitzt  mein 
Exemplar  (42).  An  Sturm  (23)  schließt  auch  Woods  (43)  an,  während 
Scupin  (44)  und  Kreibitz  (46)  sich  wieder  meiner  Sammlung  (40)  nähern, 
nur  daß  hier  die  Vorderseite  schön  gerundet  ist.  Ein  gerade  umgekehrtes  Bild 
gewähren  wieder  Humboldtverein  (45)  und  meine  Sammlung  (48),  an  denen 
der  Vorderrand  vom  Oberrande  in  schräger  Linie  zum  Unterrande  absteigt, 
im  stumpfen  Winkel  um-  und  der  Unterrand  zum  Hinterrande  im  rechten 
Winkel  auf  biegt.  Eine  ähnliche  Form,  nur  mehr  oder  weniger  gerundeter, 
zeigen  auch  Scupin  (50),  Herrenleite  (51)  und  Holzapfel  (58).  Das  Exemplar 
vom  Lusberg  (47)  und  ÜTy  Kreibitz  14  (52)  gleicht  vollständig  Scupin  (35). 
Weiter  gleichen  einander  Langenhennersdorf  (53)  und  meine  Sammlung  (55) 
mit  breiter  Vorder-  und  schmälerer  Hinterseite.  Der  vordere  Oberrand  ver- 
läuft gerade;  der  Vorderrand  steigt  in  annähernd  gerader,  nur  wenig  schiefer 
Linie  zum  Unterrande,  mit  dem  er  in  stumpfem  Winkel  verbunden  ist,  und 
dann  dieser  in  annähernd  rechtem  Winkel  wieder  aufwärts  zum  Hinterrande. 
Hieran  schließen  sich  in  der  Form  die  Exemplare  von  W7aldau  (56,  57,  59); 
nur  sind  die  Anwachsstreifen  teils  gerundeter,  teils  mehr  oder  weniger  stumpf- 
winkelig vom  Unterrande  aus  mit  den  anderen  Rändern  verbunden.  Angefügt 
sind  sodann  noch  einige  kurze  Formen  (60—63),  die  sehr  an  Panopaea  mandi - 
bula  Sow.  10,s)  erinnern.  Sie  lassen  sich  jedoch  von  dem  gegenwärtigen 
Formenkreisc  nicht  abtrennen  (Übergänge  18,  40,  52). 

Ist  in  vorstehendem  gezeigt,  daß  die  Lage  des  Wirbels  allein  keine 
Trennung  ermöglicht,  so  mögen  noch  einige  weitere  Gesichtspunkte  erörtert 
werden.  Unter  den  kurzen,  vorn  und  hinten  etwa  gleich  hohen  Formen  besitzt 
Geinitz  (24)  vollständig  gerundete,  Scupin  (35)  und  OT  y Kreibitz  14  (52) 
hinten  schwach  gekantete,  Sturm  (39)  hinten  scharf  stumpf  gekantete  und 

108)  Woods  11)04—13,  2,  Taf.  37,  Fig.  1—5. 


Paläontol ogischer  Teil 


325 


G.  Müller  (30)  hinten  scharf  fast  rechteckig  gekantete  Anwachsringe.  Über- 
gänge zwischen  kürzeren  und  längeren  Formen  sind  nach  der  Tabelle  lücken- 
los vorhanden.  Bei  den  längeren  Formen,  die  vorn  und  hinten  etwa  gleich 
hoch  sind,  ist  im  allgemeinen  der  Vorderrand  gerundet  und  die  Verbindung 
zwischen  Unter-  und  Hinterrand  stumpf-  bis  rechtwinkelig  ausgebildet,  jedoch 
findet  sich  auch  das  Gegenteil  wie  bei  Woods  (10),  wo  die  An  wachsstreifen 
in  der  Vorderhälfte  ziemlich  senkrecht  verlaufen  und  auf  der  hinteren  hübsch 
gerundet  umbiegen,  oder  meine  Sammlung  (48),  wo  der  Vorderrand  ziemlich 
gerade  nach  schräg  unten  verläuft,  dort  in  einer  Kante  stumpfwinkelig  um- 
biegt und  zum  Hinterrande  in  einem  engen,  rechtwinkelig  ausgerundeten  Bogen 
aufsteigt,  oder  mein  Exemplar  (11),  an  dem  Vorder-  und  Hinterrand  mit  dem 
Unterrande  im  breiten  Bogen  verbunden  sind.  Faßt  man  schließlich  noch  die 
großen  Formen  ins  Auge  vom  Typus  Sturm  (23),  so  sind  vollständige  Über- 
gangsreihen vorhanden  von  solchen,  wo  die  vordere  Schalenseite  hoher  als 
die  hintere  ist,  bis  zu  denen,  wo  sie  gleich  hoch  ist.  Besonders  sei  hierbei 
hervorgehoben,  daß  fast  alle  vorliegenden  Exemplare  mit  höherer  vorderer 
Schalenseite  gemäß  des  Verlaufes  der  Anwachsringe  im  jüngeren  Alter  gleich 
hohe  Schalenhälften  besessen  haben.  Auch  das  Verhältnis  Lange  : Höhe 
variiert  innerhalb  dieses  letzten  Formenkreises  außerordentlich  (45,  50,  51, 
53,  55,  56,  57,  58,  59).  Ebenso  finden  sich  in  demselben  Exemplare  mit  voll- 
ständig gerundetem  Verlauf  der  Anwachsstreifen  bis  zu  deren  scharfem  Um- 
biegen vorn  unten  oder  hinten  unten  oder  an  beiden  Stellen  zugleich.  Die 
unvollständigen  Exemplare  bei  Geinitz  1875,  2,  Taf.  19,  Fig.  3 und  4,  ge- 
hören ebenfalls  zu  dieser  Gruppe.  Alle  kleineren  Exemplare  lassen  sich  in 
den  ersten  Wachstumsstadien  dieser  großen  vollständig  wiedererkennen.  Fast 
allgemein  ist  bei  den  letzteren  der  Wirbel  mehr  in  die  Mitte  gerückt,  was 
in  der  Eigenart  des  an  dem  Verlauf  der  konzentrischen  Anwachsringe  gut 
erkennbaren  Wachstums  der  Muschel  begründet  ist. 

Einige  von  der  Geologischen  Landesanstalt  Berlin  mir  gütigst  zum  Ver- 
gleich überlassene  Exemplare  lassen  sich  ebenfalls  in  unsere  Reihe  auf- 
nehmen. Lohof  (64)  gleicht  in  der  Form  vollständig  meinem  Exemplare  (18), 
Spiegelsberge  (65)  nach  den  Verhältniszahlen  meinem  Exemplare  (52)  sowie 
nach  dem  Verlauf  der  Anwachsringe  und  dem  Gesamtumriß  meinem  Exem- 
plar (60).  Vollständig  meinem  Exemplar  (52)  mit  einer  geringen  Abweichung 
im  Verhältnis  gleicht  Dülmen  (66).  Spiegelsberge  (67)  gleicht  im  Gesamtbilde 
meinen  Exemplaren  (20)  unter  einiger  Abweichung  in  den  Verhältnismaßen, 
Plattenberg  (68)  gleicht  in  Form  und  Verhältnis  meinem  Exemplar  (55), 
Plattenberg  (69)  in  der  Gesamtform  meinem  Exemplar  (41)  und  in  dieser  sowie 
auch  noch  im  Verhältnis  Waldau  (57),  schließlich  Steinholz  (70),  das  in  seinen 
Verhältniszahlen  und  in  seinem  Aussehen  meinen  kleinen  Exemplaren  (4  u.  17) 
gleicht  und  unter  den  größeren  Exemplaren  in  der  Art  der  Biegung  der  konzen- 
trischen Falten  einen  sehr  guten  Vertreter  in  Waldau  (59)  besitzt.  Sämt- 
liche Exemplare  der  Landesanstalt  entstammen  dem  Emschcr. 

Auf  die  Darlegung  der  verschiedenen  Autoren  soll  nicht  speziell  ein- 
gegangen werden.  Wenn  auch  die  von  ihnen  gezeichneten  Unterschiede 
bestehen  mögen,  so  verwischen  sie  sich  vollständig  bei  Durchsicht  reicheren 
Materiales.  Es  ist  nicht  möglich,  irgendeine  Gruppe  herauszulösen,  ohne 
nicht  in  die  nächste  damit  überzugreifen.  Deshalb  ist  auch  dieser  Art  ein 
breiterer  Raum  gewidmet  worden,  um  die  Vereinigung  der  mannigfaltigen 


326 


Abh.  preuß.  gieol.  L.-A.,  Neue  Folge,  lieft  159 


Formen  zu  begründen.  Es  sei  nur  auf  die  Bearbeitung  dieser  Gruppe  durch 
Scupin  S.  149  ff.,  der  sich  zuletzt  bemüht  hat,  einzelne  Formen  festzulegen, 
nochmals  kurz  eingegangen.  Zwischen  Panopaea  muelleri  und  Panopaea  plana , 
die  nur  durch  die  Länge  der  Schale  voneinander  unterschieden  sind,  liegen 
genügend  Übergangsformen  vor.  PatiGpaea  depressa,  die  sich  von  der  vorher- 
gehenden besonders  durch  den  mehr  in  die  Mitte  gerückten  Wirbel  auszeichnet, 
fällt  durch  die  hier  aufgestellte  Tabelle  vollständig  mit  der  vorigen  Art 
zusammen.  Auch  Panopaea  geinitzi  ist  bereits  hier  behandelt  und  eingereiht 
worden.  Z'u  Geinitz  1843,  Taf.  2,  Fig.  2,'  ist  das  Original  im  Museum  zu 
Dresden  nicht  aufzufinden;  vielleicht  könnte  eine  als  Original  hierzu  be- 
zeichnete,  schwer  kenntliche  Goniomva  designata  var.  hierunter  zu  ver- 
stehen sein. 

Woods109),  der  die  Panopaeen  der  Unteren  Kreide  von  England  unter 
Panopaea  gurgitis  vereinigt  hat,  schildert  ebenfalls  die  große  Variations- 
möglichkeit seiner  Art  und  schließt  mit  den  auf  Taf.  36,  Fig.  6—8  als  var. 
plicata  bezeichnetcn  Formen  an  unsere  Art  an.  Jedoch  kann  Mva  plicata 
Sow.  JI°),  die  an  der  hinteren  unteren  Ecke  spitzwinkelig  umbiegt,  in  unsere 
Art  nicht  eingereiht  werden.  Bei  Berücksichtigung  unseres  gesamten  Materiales 
aus  der  Oberen  Kreide  mit  seiner  reichen  Formenentwicklung,  die  durch 
ein  verschiedenartig  kombiniertes  eckiges  Umbiegen  der  Anwachsringe  ge- 
kennzeichnet ist,  erscheint  die  vollständige  Abtrennung  der  Formen  aus  der 
Oberen  Kreide  als  besondere  Art  gerechtfertigt.  Auch  Woods  trennt  Panopaea 
meveri  (43),  die  wir  in  unseren  Formenkreis  mit  einbeziehen  müssen  und  die 
unserem  Exemplar  von  Waldau  (59)  vollständig  gleicht,  von  Panopaea  gur- 
gitis  ab.  Ohne  Zweifel  dürfte  aber  die  Abstammung  unserer  Art  von  Panopaea 
gurgitis  anzunehmen  sein;  denn  die  Grundlage  für  die  verschiedenen,  in  der 
Oberen  Kreide  so  markant  zum  Ausdruck  kommenden  Formen  findet  sich 
bereits  in  den  von  Woods  aus  der  Unteren  Kreide  dargestellten  Exemplaren. 
Einzelne  wenige  Stücke  zeigen  sogar  noch  die  der  Panopaea  gurgitis  eigene, 
annähernd  gleichmäßige  Rundung  der  Anwachsringe  am  Vorder-  und  Hinter- 
rande. Infolge  des  bereits  verbrauchten  Namens  gurgitis  und  der  unsicheren 
Form  plicata  hat  die  Art  nach  d’Orbigny  den  Namen  Panopaea  regularis 
zu  tragen,  deren  Abbildung  ein  gut  ausgebildetes  älteres  Exemplar  darstellt. 
Herr  Cossmann  in  Paris,  der  die  Liebenswürdigkeit  hatte,  mein  Exemplar 
(55)  mit  dieser  Art  zu  vergleichen,  teilte  mir  mit,  daß  Panopaea  regularis 
länger  sei,  ihre  beiden  Enden  von  gleicher  Breite  und  ihre  Wirbel  mehr  nach 
vorn  gelegen  seien.  Diese  Unterschiede  schließen  jedoch  die  Einreihung  in 
unseren  Formenkreis  nicht  aus. 

Vorkommen: 

Mittelturon:  Strehlen  (Mus.  Dresden),  Laun  5 (Mus.  Aussig),  Jidn  3,  30, 

31,  40,  42  (alle  5 Soukup),  28,  29,  36,  37,  Löwenberg  1,  2 (beide 
Geol.  Landesmus.),  Hermsdorf  Löw.  1 (Geol.  Landesmus.), 
Grunauer  Spitzberg  Löw.  3 (Geol.  Landesmus.),  Heuscheuer  2; 

Oberturon  aß:  Herrenleite  (Mus.  Dresden),  Philippenau,  Jidn  3 (Soukup), 
Heuscheuer  3; 

109)  Woods  1904—13,  2,  8.  222,  Taf.  35,  Fig.  9—14;  Taf.  86,  Fig.  1—5. 

110)  SOWERBY  1825,  6,  8.  20,  Taf.  419,  Fig.  8. 


Paläontologischer  Teil 


327 


Oberturon  y:  Kreibitz  4,  5,  6,  12,  14,  Großrackwitz  Löw.  1 (Geol.  Landes- 

mus.) ; 


Emscher:  E.-St.  Tannendorf  1,  4,  Kreibitz  9,  23,  26,  28,  Oberkreibitzer 

Talsperre  5,  8,  Falkenau  4,  E.-St.  Neuhütte  5,  Neuwarthau 
Löw.  1 (Geol.  Landesmus.),  2 (Geol.  Landesmus.,  Realgymn. 
Löwenberg),  3 (Geol.  Landesmus.),  Kesselsdorf  Löw.  (Real- 
gymn. Löwenberg,  Geol.  Landesmus.),  Giersdorf  Löw.  (Geol. 
Landesmus.),  Hohlstein  Löw.  (Geol.  Landesmus.),  Großhart- 
mannsdorf Löw.  (Geol.  Landesmus.),  Waldau  Löw.  (Geol. 
Landesmus.),  Deutmannsdorf  Löw.  (Geol.  Landesmus.),  Gehns- 
dorf Löw.  2 (Geol.  Landesmus.),  Herzogswaldau  Löw.  (Geol. 
Landesmus.),  Hermsdorf  Löw.  (Geol.  Landesmus.),  Kieslings- 
walde (Mus.  Dresden) ; 


Untersenon:  Wenig  Rackwitz  Löw.  1 (Geol.  Landesmus.). 


Panopaea  regularis  ist  ferner  bekannt  aus  den  gleichalterigen  Ablage- 
rungen vom  nördlichen  Harzrande,  aus  dem  Senon  von  Aachen  und  Dülmen, 
sowie  aus  den  tieferen  Kreideschichten  Böhmens  bis  hinab  ins  Cenoman.  Auch 
das  Original  aus  dem  Cenoman  von  Tyssa  bei  Geinitz  1872,  1,  Taf.  20,  Fig.  1, 
gehört  hierher.  Ferner  findet  sich  die  Art  in  der  französischen  und  eng- 
lischen oberen  Kreide. 


Panopaea  mandibula  Sow.  sp. 

Taf.  15,  Fig.  1,  2 

1813  Mya  mandibula  Sowerby,  1,  S.  93,  Taf.  43. 

1841  Panopaea  jugleri  A.  Roemer,  S.  75,  Taf.  10,  Fig.  4. 

1844  Panopaea  mandibula  d’Orbic.ny,  3,  S.  344,  Taf.  360,  Fig.  3,  4. 

1875  Panopaea  mandibula  Geinitz,  2,  S.  70,  Taf.  18,  Fig.  20,  21. 

1883  Panopaea  mandibula  Fric,  S.  108. 

1889  Glycimeris  sp.  Holzapfel,  2,  S.  158,  Taf.  11,  Fig.  1. 

1897  Panopaea  mandibula  FriC,  S.  60. 

1904 — 13  Panopaea  mandibula  Woods,  2,  S.  228,  Taf.  37,  Fig.  1 — 5. 

Zu  dieser  Art  können  nur  wenige,  meist  unvollkommene  Exemplare  ge- 
stellt werden.  Sie  sind  sehr  kurz  und  besitzen  einen  annähernd  abgerundet 
rhombischen  Umriß.  Der  Vorderrand  flieht  von  seiner  oberen  Kante  abwärts 
zum  fast  geradlinigen  Unterrande  zurück.  Letzterer  biegt  recht-  bis  etwas 
spitzwinkelig  zum  gerade  abgestutzten  Hinterrande  auf.  Dieser  ist  mit  dem 
geraden  Oberrande  durch  einen  rechten  bis  stumpfen  Winkel  verbunden. 
Alle  Kanten  sind  abgerundet.  Die  Schale  ist  stark  ungleichseitig,  der  spitze 
hervorragende,  nach  innen  eingebogene  Wirbel  weit  nach  vorn  gerückt.  Vom 
Wirbel  zur  Unter-Hinterecke  zieht  eine  flache  Furche. 

Die  Verzierung  der  Schale  besteht  aus  kräftigen  unregelmäßigen  konzen- 
trischen Falten,  die  die  ganze  Schalenoberfläche  bedecken.  Weiter  ziehen  über 
die  Schale  undeutliche  Radiallinien,  die  aber  auch  von  Pressungen  der  Stein- 
kerne herrühren  könnten. 


328 


Abh.  preuß.  gieol.  L.-A.,  Neue  Folge,  Heft  159 


Verhältnis 
Länge  (100): 

Lage  des 
Wirbels 

Höhe:  von  vorn  ab  Höhe 

1)  26  mm  7 mm  20  mm  27  77 

2)  36  „ 10  „ 27  „ 28  75 

Unsere  Exemplare  unterscheiden  sich  von  Panopaea  regularis  d’Orb. 
durch  den  weit  nach  vorn  gerückten  Wirbel,  das  Zurückfliehen  des  Vorder- 
randes vom  Ober-  zum  Unterrande  und  das  zu  einem  spitzen  Winkel  hin- 
neigende Umbiegen  an  der  Unter-Hinterrandecke.  Sie  entstammen  einem 
weichen  Mergel,  in  dem  Deformationen  sehr  häufig  sind,  und  stimmen  gut 
überein  mit  den  Abbildungen  bei  Roemer,  Geinitz  und  Holzapfel.  Auch  die 
Abbildung  bei  d’Orbigny  läßt  sich  darauf  anwenden.  Die  englischen  Exem- 
plare, die  durch  Sowerby  und  Woods  dargestellt  sind,  scheinen  zum  Teil 
zu  Panopaea  regularis  d’Orb.  zu  gehören.  Die  S.  321  unter  dieser  Art  in  der 
Tabelle  als  Nr.  60—63  aufgeführten  Formen  sind  mit  Woods,  Taf.  37,  Fig.  4 
und  5,  sehr  eng  verbunden,  lassen  sich  aber  aus  dem  hier  gezeichneten  Kreise 
der  Panopaea  regularis  d’Oiib.  nicht  herauslösen.  Die  Umgrenzung  der  Pano- 
paea mandibula  wird  dadurch,  wenn  sie  trotzdem  ihre  Selbständigkeit  be- 
wahren kann,  eine  andere.  Auch  Eric  gelangt  bei  seinen  Exemplaren  aus  den 
Iserschiehten  zu  einem  gleich  unsicheren  Schlüsse.  Mein  Material  gestattet 
eine  weitere  Stellungnahme  nicht. 

Vorkommen: 

Mittelturon:  Zivonin  1,  Strehlen  (Mus.  Dresden),  Jicin  32,  41  (beide 

Soukup),  29,  36,  38,  Kesselsdorf  Low.  (Geol.  Landesmus.), 
Löwenberg  3 (Geol.  Landesmus.) ; 

Oberturon  y*  Kreibitz  4. 

Die  Originale  zu  Geinitz  1875,  die  Vorlagen,  entstammen  den  mittelturonen 
Kalkmergeln  von  Strehlen  bei  Dresden.  Aus  der  Aachener  Kreide  wird 
die  Art  aus  dem  Untersenon,  aus  der  französischen  aus  dem  Unterturon  und 
aus  der  englischen  aus  dem  Gault  bis  ins  Cenoman  aufgeführt. 

Fholadomyidao  Fiscüer 
Pholadomya  Sow. 

Pholadomya  nodtilifera  Mlxst. 

Taf.  15,  Fig.  3,  4 

1834 — 40  Pholadomya  nodulijera  Goldfuss,  2,  S.  273,  Taf.  158,  Fig.  2 a,  b. 

1840  Pholadomya  albina  Geinitz,  2,  S.  49,  Taf.  12,  Fig.  1 a,  b. 

1841  Pholadomya  albina  A.  Roemer,  S.  75,  Taf.  10,  Fig.  7. 

1863  Pholadomya  nodulijera  Drescher,  S.  341. 

1875  Pholadomya  nodulijera  Moesch,  S.  103,  Taf.  34,  Fig.  2 a. 

1875  Pholadomya  nodulijera  Geinitz,  2,  S.  70,  Taf.  19,  Fig.  5. 

1888  Pholadomya  nodulijera  G.  Müller,  S.  433. 

1889  Pholadomya  nodulijera  Holzapfel,  2,  S.  155,  Taf.  15,  Fig.  1. 

1891  Pholadomya  conf.  puschii  Langenhan  & Grundey,  Taf.  3,  Fig.  3. 

1897  Pholadomya  nodulijera  FriC,  S.  60,  Abb.  71  a,  b. 


Maße:  

Lage  des 
Wirbels 

Länge:  von  vorn  ab 


Paläontologischer  Teil 


329 


1897  Pholadomya  nodulijera  Petrasci-ieck,  S.  28. 

1912 — 13  Pholadomya  nodulijera  Scupin,  S.  144  (z.  Teil). 

Die  Steinkerne  von  Pholadomya  nodulijera  gehören  zu  den  elegantesten 
und  augenfälligsten  Formen  unseres  Gebietes.  Sie  besitzen  querovalen  Um- 
riß und  dicke,  gegeneinander  eingebogene,  stets  aus  der  Mitte  nach  vorn 
gerückte  Wirbel.  Sie  sind  mit  kräftigen  radialen  Rippen  verziert,  die  durch 
starke  konzentrische  Ringe  in  markante  Knoten  zerspalten  sind  und  die  nur 
gegen  den  Vorder-  und  Hinterrand  auf  einem  kleinen  Felde  fehlen.  An 
einigen  kleineren  Exemplaren  treten  die  Knoten  außerordentlich  scharf  hervor. 
Auf  den  Steinkernen  sind  Knotenreihen  und  Zwischenräume  ungefähr  von 
gleicher  Breite;  vereinzelt  setzt  auch  hier  und  da  eine  Knotenreihe  aus,  an 
deren  Stelle  tritt  ein  entsprechend  breiterer  Zwischenraum111).  Die  letzten 
zwei  bis  drei  Reihen  nach  vorn  und  hinten  sind  zuweilen  nur  als  schwache 
unbeknotete  Rippen  ausgebildet  und  auch  wohl  durch  größere  Zwischenräume 
getrennt.  Außerdem  überziehen  gewöhnlich  die  letzten  Knotenreihen  der 
Hinterseite  nur  einen  Teil  der  Schale  und  erreichen  nicht  den  Unterrand. 
Bei  Berücksichtigung  dieser  Umstände  wird  es  verständlich,  daß  frühere 
Autoren,  Goldfuss,  Roemer,  die  Art  nur  mit  12  -14  Knotenreihen  geschildert 
haben,  während  deren  Zahl  allgemein  zwischen  17  und  21  schwankt.  Geringere 
Zahlen  dürften  nur  auf  Undeutlichkeit  des  Steinkernes  oder  auf  ungenaue 
Angaben  zurückzuführen  sein.  Die  von  Scupin  S.  144  gegebene  Umgrenzung 
der  Art  erscheint  an  Hand  meines  Materiales  noch  nicht  vollständig  zu- 
treffend. Außer  den  in  meiner  eigenen  Sammlung  vorhandenen  20  besseren 
Steinkernen  stand  mir  auch  das  Material  im  Böhmischen  Landesmuseum  zu 
Prag  sowie  im  Museum  für  Mineralogie,  Geologie  und  Vorgeschichte  zu 
Dresden  zum  Studium  zur  Verfügung.  Zunächst  möge  eine  Gegenüberstellung 
der  Maße  eine  Übersicht  über  die  Variationsmöglichkeit  der  Art  geben.  Bei 
der  Zahl  der  gemessenen  Exemplare  dürfte  dies  eher  erreichbar  sein  als 
bisher  an  Hand  einzelner  Stücke  (Tabelle  S.  330). 

Die  aufgezählten  Exemplare  stammen  von  der  E.-St.  Tannendorf  (E  1). 
7),  9),  22),  26),  27),  28),  31)  Museum  Prag. 

Wenn  man  die  größten  Extreme  mit  Rücksicht  auf  die  Möglichkeit  von 
Verdrückung  etwas  einschränkt,  so  ergibt  sich  für  unsere  Steinkerne  ein 
Verhältnis  von  Länge : Höhe,  das  zwischen  100:75  und  100:58  schwankt.  Die 
Dicke  beträgt  ungefähr  die  Hälfte  der  Länge.  Die  aufgezählten  Exemplare 
müssen  alle  zu  einer  Art  gestellt  werden.  Eine  Scheidung  läßt  sich  in  keiner 
Weise  vornehmen. 

Das  Original  von  Goldfuss,  Taf.  158,  Fig.  2 a,  ist  nach  Moesch,  dem  es 
Vorgelegen  hat,  stark  beschädigt  und  in  der  Abbildung  unrichtig  restauriert, 
so  daß  diese  nicht  allzu  sehr  maßgebend  ist.  Die  Beschreibungen  bei 
Goldfuss  und  Moescii  stimmen  unter  Berücksichtigung  obiger  Ausführun- 
gen mit  unseren  Exemplaren  überein.  Nach  Moesch  besitzt  das  Original 
von  Goldfuss  92  mm  Länge,  68  mm  Hohe  und  52  mm  Dicke  = 100:74:56,5; 
während  das  durch  Moesch  von  Blankenburg  abgebildete  Exemplar  (Taf.  34, 
Fig.  2 a)  59  mm  lang,  48  mm  hoch  und  37  mm  dick  ist  = 100 : 81 : 63 112). 

111)  vergl.  HOLZAPFEL  1889,  2,  Taf.  15,  Fig.  1.  In  meiner  Sammlung  ist  in  dieser  Weise  ein  Exem- 
plar, in  der  des  Humboldivereins  zu  Ebersbach  auch  ein  Exemplar  verziert. 

112)  Hierzu  besitzt  ein  Exemplar  aus  dem  Buthenial  bei  Blankenburg  im  Geologischen  Landesrausenm 
Berlin  ein  Verhältnis  von  100  Länge : 56  Höhe:  47  Dicke  und  ein  anderes  von  demselben  Platze  ein  Ver- 
hältnis von  100  Länge : 79  Höhe : 62  Dicke  bei  vollständig  gleichartiger  Berippung. 


330 


Abh.  preuß.  gteol.  L.-A.,  Neue  Folge,  Heft  159 


Beide  Stücke  lassen  sich  an  unsere  anschließen.  Letzteres  scheint  übrigens 
nach  der  Abbildung  am  Hinterrande  beschädigt  und  der  Unterschied  von 
Länge:  Höhe  ursprünglich  größer  gewesen  zu  sein. 

Das  von  Goldfuss  Taf.  158,  Fig.  1 sowie  auch  von  Moescii,  Taf.  34, 
Fig.  4,  als  Pholadomya  elliptica  dargestellte  Exemplar  kann  nach  der  Schil- 
derung von  Moesch  von  unserer  Art  nicht  verschieden  sein.  Das  Verhältnis 
Länge  87  mm : Höhe  49  mm : Dicke  35  mm  = 100 : 56 : 40  schließt  genau  an  das 
entgegengesetzte  Ende  der  Pholadomva  nodulifera  bei  Goldfuss  an  unsere 
Reihe  an,  so  daß  die  Ansicht  von  Scupin,  seine  (und  auch  unsere)  Exemplare 
nähmen  zwischen  den  beiden  GoLDFUss’schen  Abbildungen  eine  Mittelstellung 
ein,  zu  bestätigen  ist.  Die  Abtrennung  einer  Varietät  nach  dem  Längen- 


Länge 

mm 

Höhe 

mm 

Dicke 

mm 

Verh 

Länge 

Höhe 

ältnis 

(100): 

Dicke 

Radialrippen 

1) 

46 

36 

21 

i 78 

46 

17 

2) 

68 

50 

37 

I 73,5 

54,5 

17 

3) 

64 

47 

32 

73 

, 50 

18 

4) 

58 

42 

31 

72 

1 53 

18 

5) 

44 

31 

22 

70] 

50 

20 

6) 

56 

39 

28 

70 

50 

20 

7) 

67 

46 

24 

69 

36 

18 

8) 

59 

40 

27 

68 

46 

17 

9) 

41 

28 

21 

68 

51 

17 

10) 

40 

27 

21 

67,5 

52,5 

18 

11) 

55 

37 

26 

67 

47 

18 

12) 

51 

34 

29 

67 

57 

18 

13) 

49 

33 

23 

67 

46 

18 

14) 

54 

36 

27 

67 

50 

rechts:  20  links:  22 

15) 

50 

33  ; 

26 

66 

52 

20 

16) 

54 

35 

28 

65 

52 

17 

17) 

48 

31 

24 

65 

50 

21 

18) 

42 

27 

21 

64 

50 

21 

19) 

63 

40 

34 

63,5 

54 

20 

20) 

48 

30 

24 

63 

50 

18 

21) 

49 

31 

25 

63 

51 

20 

22) 

60 

38 

28 

63 

47 

18 

23) 

68 

42 

34 

62 

50 

20 

24) 

54 

33 

26 

61 

48 

18 

25) 

66 

40 

? 

61 

? 

20  eine  Klappe 

26) 

70 

42 

? 

60 

? 

19 

27) 

45 

27 

26 

60 

58 

19 

28) 

56 

33 

30 

59 

54 

19 

29) 

57 

33 

28 

58 

49 

20 

30) 

53 

30 

28 

56,5 

53 

17 

31) 

60 

33 

28 

55 

47 

17 

in  Taf.  15,  Fig.  3 ist  ein  kurzes,  in  Fig.  4 ein  langes  Exemplar  dargestellt. 


Paläontologiseher  Teil 


331 


Verhältnis  allein,  welcher  Weg  von  Scupin  eventuell  vorgeschlagen  wird,  ist 
jedoch  nicht  möglich.  Zahl  und  Art  der  Radialrippen  erscheinen  mir  für  die 
Unterscheidung  wesentlicher,  so  daß  ich  auch  Taf.  34,  Fig.  3 bei  Moesch 
entschieden  von  Fig.  4 trennen  muß. 

Die  durch  A.  Roemer  und  Geinitz  ^Charakteristik“,  von  Schandau  ab- 
gebildeten und  beschriebenen  Stücke  gehören  zu  unserer  Art.  Die  Abbildung 
bei  Geinitz  ist  wohl  etwas  mißlungen.  Auch  im  ,, Elbtalgebirge“  gilt  Be- 
schreibung und  Abbildung  unserer  Art  (Länge  64  mm:  Höhe  44  mm  = 100:69, 
17  Radialrippen).  Der  Übergang  vom  Wirbel  zum  hinteren  Schloßrand  ist, 
wie  das  Original  ergibt,  in  der  Abbildung  allzu  gerade  dargestellt.  Die  Be- 
schreibung des  von  G.  Müller  ,, Harzrand“  von  der  Schanzenburg  auf- 
geführten Steinkernes  läßt  ebenfalls  sicher  auf  unsere  Art  schließen. 

Die  Abbildung  bei  Holzapfel  ist  in  der  Art  der  Berippung  sehr  charakte- 
ristisch für  unsere  Exemplare,  an  denen  jedoch  in  den  meisten  Fällen  der 
Hinterrand  höher  hinaufzieht  als  hier  (Länge  99 : Höhe  69  = 100:70). 

Das  von  Langen ii an  & Grundey  dargestellte  Exemplar  ist  nur  unsere  Art, 
wenn  auch  die  Abbildung  nicht  ganz  korrekt  zu  sein  scheint. 

Unter  Fig.  71a  und  b bildet  Fuic  ein  sehr  charakteristisches  Exemplar 
unserer  Art  ab.  Die  Knoten  kommen  dabei  jedoch  etwas  schwach  zur  Geltung. 
Fig.  71  c ist  zu  trennen  und  zu  der  folgenden  Varietät  fritschi  zu  stellen. 

Schließlich  hat  sich  zuletzt  Scupin  bemüht,  den  verworrenen  Knoten  zu 
lösen.  Zu  den  bereits  hierauf  bezüglichen  Ausführungen  sei  noch  folgendes 
bemerkt.  Nach  Moesch  ist  das  Verhältnis  von  Pholadomva  elliplica  bei 
Goldfuss  nicht  100  (Höhe)  : 209  (Länge),  sondern  nur  100:178.  Bei  den 
Beschädigungen,  die  die  GoLDFUss’schen  Exemplare  nach  Moesch  aufweisen, 
ist  mit  ihrer  Hilfe  ein  Urteil  über  die  Wirbelkrümmung  wohl  nicht  möglich. 

Die  Maße  der  von  Scupin  aufgeführten  Exemplare  betragen  nach  meiner 


Feststellung: 

Maße: 

1 

2 

3 

Länge: 

Höhe: 

Länge:  Höhe  = 100: 

36,5  mm 
25  „ 

69 

41  mm 
27  „ 
66 

34  mm 
21  „ 
62 

Sie  entsprechen  also  vollständig  unseren  Maßen.  Das  von  Scupin  er- 
wähnte Exemplar  mit  acht  Rippen  würde  aber  hier  auszuschließen  sein.  Auch 
die  Abbildung  Taf.  5,  Fig.  16  erscheint  unsicher.  Das  vorliegende  beschädigte 
Original  zeigt  sehr  scharfe,  ziemlich  glatte  Radialrippen  ähnlich  der  Phola- 
dompa  nodulifera  var.  n.  salzbergensis. 

Das  von  Sturm  1901,  Taf.  8,  Fig.  9,  als  Pholadomva  elliplica  dargestellte 
Exemplar  möchte  ich  auch  nur  als  sehr  zweifelhaft  hierher  stellen,  da  die 
Abbildung  ganz  deutlich  wenige  und  nur  verhältnismäßig  schwache,  von- 
einander entferntere  Rippen  zeigt,  was  besonders  gegen  den  Unterrand  gut 
hervortritt.  Die  in  der  Beschreibung  erwähnte  stärkere  Beknotung  der 
Pholadompa  elliplica  und  somit  auch  des  SxuRM’schen  Exemplares  scheint 
nur  darin  begründet  zu  sein,  daß  dem  Autor  nicht  genügend  Vergleichsmaterial 
Vorgelegen  hat. 

Ein  Exemplar  von  Falkenau  bei  Böhm.  Kamnitz  (E)  und  ein  Bruchstück 
von  Khaa  (OT  aß)  im  Museum  zu  Prag  entstammen  unserem  Gebiete  und 
gehören  zu  unserer  Art. 


332 


Abh.  preuß.  g(eoL  L.-A.,  Neue  Folge,  Heft  159 


Die  Art  gehört  der  Oberen  Kreide  an.  Das  von  Fric  „Iserschichten“ 
Abb.  76  dargestellte  Exemplar  gehört  nicht  hierher;  jedoch  könnte  das  von 
ihm  in  „Priesener  Schichten“  Abb.  123,  als  Inoceramus  planus  var.  costata 
abgebildete  unsere  Art  ergeben.  Sodann  liegt  die  Art  vor  von  Kieslings- 
walde. Exemplare  im  Museum  zu  Dresden  (Länge  48 : Hohe  32  = 100:67, 
19  Radialrippen)  und  Prag  (Länge  50:  Höhe  40  = 100:80,  20  Radialrippen) 
konnten  verglichen  werden.  Ferner  ist  sie  bekannt  aus  dem  Emscher  und 
Untersenon  der  Löwenberger  Kreide.  Zwei  Exemplare  von  Waldau  aus  dem 
Museum  zu  Dresden  liegen  zum  Vergleiche  vor  (Länge  43:  Höhe  33  = 
100:77,  17  Rippen  und  Länge  50:  Höhe  29  = 100:58,  22  Rippen).  Das  von 
Scupin  auf  Taf.  5,  Fig.  16  aus  der  Brongniartizone  der  Mittelberge  bei  Löwen- 
berg dargestellte  Exemplar  erscheint  mir  jedoch,  wie  schon  erwähnt,  nicht 
sicher  zu  der  Art  gehörig.  Ferner  liegen  aus  dem  Überquader  bei  Pirna 
(OT  aß)  zwei  Stück  in  der  Sammlung  des  Geologischen  Landesamtes  Leipzig. 
Die  von  Brauns  1875,  S.  360  u.  361,  zu  Pholadomva  elliptica  und  ambonala 
gestellten  Exemplare  vom  Salzberge  bei  Quedlinburg  könnten  unserer  Art 
ganz  oder  teilweise  angehören,  während  die  von  mir  dort  gesammelten  sowie 
die  im  Museum  zu  Dresden  vorhandenen  Pholadomyen  dieser  Fundstelle  nicht 
hierher  zu  steilen  sind.  Weiter  ist  Pholadomva  nodulifera  aus  dem  Emscher 
der  Schanzenburg  bei  Heudeber  durch  G.  Müller  und  aus  dem  Untersenon 
von  Aachen  durch  Holzap;  el  bekannt  geworden. 

Vorkommen: 

Mittelturon:  Löwenberg  3 (Geol.  Landesmus.); 

Oberturon  aß:  Khaa  1,  Herrenleite  (Mus.  Dresden)  1J3),  Hochwald  1,  Walters- 
dorf 2 (Donath),  Jidn  3 (Soukup),  5; 

Emscher:  Oberkreibitzer  Talsperre  5,  3,  Kreibitz  6,  24,  26,  E.-St.  Tannen- 

dorf 1,  Jägerdörfel  2,  E.-St.  Neuhütte  5,  Hermsdorf  7,  Waldau 
Löw.  (Geol.  Landesmus.),  Herzogswaldau  Löw.  (Geol.  Landes- 
mus.), Neuwarthau  Löw.  2 (Geol.  Landesmus.),  Kesselsdorf 
Löw.  (Realgymn.  Löwenberg,  Geol.  Landesmus.),  Hohlstein 
Löw.  (Realgymn.  Löwenberg),  Hochkirch  Löw.  (Geol.  Landes- 
mus.), Neuwarthau  Löw.  3 (Geol.  Landesmus.),  Gehnsdorf 
Löw.  2 (Geol.  Landesmus.),  Kieslingswalde  (Sturm); 
Untersenon:  Wenig  Rackwitz  Löw.  1 (Realgymn.  Löwenberg,  Geol.  Landes- 

mus.). 

Pholadomya  nodulifera  Mi'issT.  var.  n.  fritschi 
Taf.  15,  Fig.  5 

1897  Pholadomva  nodulifera  FniC,  Abb.  71  c. 

? 1901  Pholadomva  elliptica  Sturm,  S.  87,  Taf.  8,  Fig.  9. 

Die  vorliegende  Varietät  unterscheidet  sich  von  der  Stammform  durch 
wenige  (bis  12)  nur  schwach  hervortretende  Radialrippen,  die  auf  den  Stein- 
kernen eine  Knotenbildung  nur  in  ganz  geringer  Weise  wahrnehmen  lassen, 
und  durch  bedeutend  breitere  Zwischenräume.  Vorn  und  hinten  bleibt  auf 
der  Oberfläche  ebenfalls  ein  kleines  Feld  ohne  Rippen.  Die  Abbildung  bei 
Fric  zeigt  gegenüber  dem  Originale  die  Radialrippen  viel  zu  scharf,  während 
die  kräftig  hervortretenden  konzentrischen  Rippen  gar  nicht  zum  Ausdruck 
gebracht  sind. 

113)  Länge  67:  Höhe  45  = 100:67,  17  Rippen. 


Paläontologischer  Teil 


333 


Da  nur  wenige  Stücke  vorliegen,  kann  über  die  Variationsmöglichkeit 
dieser  Form  nichts  festgestellt  werden. 

Das  von  Sturm  abgebildete  Schalenexemplar  erscheint  ebenfalls  den 
von  mir  hierher  gestelltem  Steinkernen  sehr  ähnlich.  Die  Radialrippen  sind, 
wie  besonders  gegen  den  Unterrand  wahrnehmbar,  ziemlich  weit  voneinander 
entfernt  und  scheinen  auch  nicht  sehr  kräftig  zu  sein.  Die  vorhandenen 
Knoten  sind  sicher  so  fein,  daß  sie  auf  dem  grobkörnigen  Material  unserer 
Steinkerne  kaum  sichtbar  sein  würden  (vgl.  auch  PhoL  nodulifera  S.  328  ff.). 

Nahe  stehen  unserer  Varietät  auch  Pholadomva  rovana  d’Orbigny  1844, 
3,  Taf.  367,  Fig.  3,  und  Pholadomva  elliptica  Moescii  1875,  Taf.  34,  Fig.  3. 
Mangels  von  Vergleichsmaterial  läßt  sich  jedoch  keine  Entscheidung  treffen. 
Der  Wirbel  ist  in  beiden  Abbildungen  gegenüber  unseren  Exemplaren  etwas 
sehr  weit  nach  vorn  gerückt.  Die  dazu  gehörigen  Beschreibungen  fassen 
bestimmt  mehrere  Formen  zusammen,  so  daß  hieraus  auch  nichts  Brauchbares 
gewonnen  werden  kann. 

Es  lagen  nur  einige  meist  unvollkommene  Steinkerne  vor. 

Ich  widme  die  Varietät  Herrn  Professor  Dr.  A.  Fric  f in  Prag. 
Vorkommen: 

Emscher:  E.-St.  Tannendorf  1,  Böhm.  Zwickau  5. 

rholadomya  nodulifera  MPxst.  var.  n.  salzbergensis 
Taf.  15,  Fig.  6,  7 

Diese  Varietät,  die  am  Salzberge  bei  Quedlinburg  häufig  zu  sein  scheint, 
habe  ich  auch  an  der  E.-St.  Tannendorf  in  zwei  Exemplaren  gesammelt. 
Die  mir  vorliegenden  Steinkerne  sind  stark  ungleichseitig,  der  Wirbel  ist 
sehr  w^eit  nach  vorn  gerückt. 

Die  Verzierung  besteht  aus  scharfen  schwachen  Radialrippen  und  konzen- 
trischen Runzeln.  Die  Beknotung  ist  auf  den  Steinkernen  sehr  schwach 
entwickelt. 


Maße: 


Verhältnis 

Länge 

Höhe 

Dicke 

Länge 

(100): 

Rippen 

Fundort 

mm 

mm 

mm 

Höhe 

Dicke 

1) 

46 

24 

20 

52 

43 

12 

E E.-St.  Tannen dorf  1 

2) 

59 

35 

30 

59 

51 

17  1 

E Salzberg 

3) 

44 

26 

20 

59 

45 

16 

E Salzberg 

4) 

54 

30 

26 

56 

49 

14 

E Salzberg1) 

5) 

70  1 

40  ' 

32 

57 

46 

i y 

E Salzberg1) 

J)  Museum  Dresden. 

Anscheinend  sind  gleichartige  Exemplare  von  Brauns  vom  Salzberge 
unter  Pholadomva  esmarckii  Nilsson  zusammengefaßt  worden.  Sie  gehören 
jedoch  nicht  zu  dieser  hohen  kurzen  Art.  Letztere  führt  Scupin  auch  aus  den 
Clilomeker  Schichten  an;  mir  ist  aber  nichts  Entsprechendes  bekannt  geworden. 
Im  Geologischen  Landesmuseum  befinden  sich  auch  einige  Stücke  der  neuen 
Varietät  aus  der  Löwenberger  Kreide. 


334  Abh.  preuß.  geol.  L.-A.,  Neue  Folge,  Heft  159 

Vorkommen: 

Emscher:  E.-St.  Tannendorf  1,  Kesselsdorf  Low.  (Geol.  Landesmus.), 

Bergwarthau  Löw.  (Geol.  Landesmus.),  Neuwarthau  Lövv.  4 
(Geol.  Landesmus.),  Salzberg; 

Untersenon:  Wenig  Rackwitz  Löw.  1 (Geol.  Landesmus.),  Niederbielau 

Löw.  (Geol.  Landesmus.). 

Auch  die  im  Museum  zu  Dresden  vorhandenen  beiden  Exemplare  vom 
Salzberge  gehören  hierher. 


Anatinidae  Gray 
Anatina  Lam. 

Anatina  (Cercomya)  lanceolata  Ge  in.  sp. 

Taf.  15,  Fig.  8 a u.  b 

1843  Corhula  lanceolata  Geinitz,  4,  S.  12,  Taf.  2,  Fig.  3. 

1863  Anatina  lanceolata  Drescher,  S.  342. 

1875  Anatina  lanceolata  Geinitz,  2,  S.  68,  Taf.  19,  Fig.  9. 

1875  Anatina  lanceolata  Brauns,  S.  359. 

1891  Anatina  lanceolata  Langenhan  & Grundey,  Taf.  3,  Fig.  10. 

1897  Anatina  lanceolata  Fric,  S.  62,  Abb.  75. 

1901  Anatina  lanceolata  Sturm,  S.  87,  Taf.  8,  Fig.  10. 

1912 — 13  Anatina  lanceolata  Scupin,  S.  140,  Taf.  6,  Fig.  2. 

Unter  zwölf  vorliegenden  Exemplaren  sind  nur  zwei  vollständig  erhalten, 
gewöhnlich  ist  der  hintere  Teil  abgebrochen.  Die  gleichklappige  Muschel 
besitzt  einen  keulenförmigen  Umriß.  Der  Oberrand  verläuft  vom  Wirbel 
ziemlich  gerade  nach  vorn  und  biegt  gerundet  zum  flach  konvexen  Vorder- 
rand um.  Dieser  geht  ebenfalls  gerundet  in  den  Unterrand  über,  der  in  an- 
nähernd gerader  Linie  zum  kurzen  abgestutzten  Hinterrande  schwach  ansteigt. 
Der  hinter  dem  Wirbel  gelegene  Teil  des  Oberrandes  ist  von  flach  konkaver 
Form.  Die  breiten  niedergedrückten,  gegeneinander  einwärts  und  etwas  rück- 
wärts gebogenen  Wirbel  liegen  in  der  vorderen  Hälfte  der  Schale.  Vom 
Wirbel  zieht  zur  Hinterecke  des  Oberrandes  eine  gut  ausgeprägte  Kante,  die 
ein  längliches,  von  einer  breiten  gerundeten  Kante  längs  durchzogenes,  fein 
quergefurchtes  Feld  von  der  übrigen  Schale  abtrennt.  Vom  Wirbel  nach  vorn 
unten  verläuft  eine  flache  Furche.  Die  konzentrischen  Anwachsstreifen  ver- 
dicken sich  vor  dieser  Furche  zu  kräftigen  Rippen,  deren  an  dem  am  besten 
erhaltenen  Exemplare  28  gezählt  werden  konnten. 


Maße: 


Lage  des 
Wirbels 
von  vorn 

höchste 

Verhältnis  Länge  (100): 

Länge 

Höhe  am 
W irbel 

Hohe  vor 
dem 
Wirbel 

Dicke 

Lage  des 
Wirbels 

Höhe  am 
Wirbel 

höchste 
Hohe  vor 
dem 

Dicke 

i 

von  vorn 

mm  1 

mm 

mm 

mm 

mm 

Wirbel 

1) 

82 

34 

20 

22 

12 

415 

24,5 

27 

15 

2) 

60 

24 

i 

; 17 

18 

11 

28 

18 

Paläontologiseher  Teil 


335 


Die  Beschreibung  bei  Geinitz  ,, Kieslingswalde“  entspricht  unseren  Exem- 
plaren unter  Berücksichtigung  des  Vertausches  der  Vorder-  und  Hinterseite. 
In  der  Abbildung  ist  die  nach  vorn  unten  verlaufende  Kante  etwas  zu  kräftig, 
sowie  der  vordere  Oberrand  zu  geschwungen  gezeichnet.  Die  Abbildungen  im 
,, Elbtalgebirge“  und  bei  Eric  sind  lediglich  Kopien  hiervon.  Auch  die  Be- 
schreibung im  „Elbtalgebirge“  stimmt  mit  den  vorliegenden  Stücken  überein. 
Ein  Exemplar  von  Quedlinburg  im  Museum  zu  Dresden  gleicht  vollständig 
den  unseren,  so  daß  auch  anzunehmen  ist,  daß  sich  die  Beschreibung  bei 
Brauns  hierauf  bezieht.  Die  Abbildung  bei  Langenhan  & Grundey  ist  sehr 
primitiv,  kann  aber  nur  unserer  Art  gelten.  Sturm  gibt  eine  sehr  gute 
Abbildung,  das  Original  im  Museum  zu  Dresden  konnte  verglichen  werden, 
und  ist  mit  unseren  Stücken  ident.  Die  von  ihm  gegebene  und  von  Scupin 
bestätigte  Unterscheidung  von  Cercomya  papyracea  J.  Böhm  sp.  1U)  muß 
auch  ich  aufrecht  erhalten.  Jedoch  ist  gegenüber  Sturm  der  Wirbel  an  der 
Aachener  Form,  wie  dies  Holzapfel  selbst  und  auch  Scupin  hervorheben, 
mehr  niedergedrückt  als  an  den  unseren.  Den  Aachener  Exemplaren  sowie 
den  von  Woods  nä)  aus  dem  englischen  Cenoman  aufgeführten  Stücken  er- 
mangelt die  vom  Wirbel  nach  vorn  unten  ziehende  flache  Furche  (oder  ist 
sie  nur  an  Steinkernen  gut  sichtbar?).  Das  schon  von  Drescher  erwähnte 
Vorkommen  der  Art  in  der  Löwenberger  Kreide  wird  von  Scupin  erneut  be- 
stätigt. Seiner  Beschreibung  und  Abbildung  ist  nichts  hinzuzufügen. 

Vorkommen: 

Emscher:  E.-St.  Tannendorf  1,  Kreibitz  6,  26,  Falkenau  4,  Oberkreibitzer 

Talsperre  9,  Waldau  Low.  ? (Geol.  Landesmus.),  Kieslings- 
walde (Mus.  Dresden,  Prag  und  selbst  gesammelt) ; 
Untersenon:  Sirgwitz  Löw.  (Realgymn.  Löwenberg,  Geol.  Landesmus.), 

Wenig  Rackwitz  Löw.  1 (Geol.  Landesmus.). 

Für  ein  im  Museum  zu  Dresden  vorhandenes  gutes  Exemplar  vom  Hoch- 
wald bei  Zittau  läßt  sich  die  Fundzone  nicht  feststellen  (OT  a j5  ?). 

Ferner  konnten  Exemplare  verglichen  werden  aus  dem  Emscher  von 
Quedlinburg  (Mus.  Dresden).  Auch  ist  nicht  unwahrscheinlich,  daß  das  von 
G.  Müller  1888,  S.  435,  Taf.  8,  Fig.  7 vom  Sudmerberg  als  Anatina  concen - 
trica  bezeichnete  Exemplar  nur  ein  Bruchstück  unserer  Art  ist. 

Aus  tieferen  Schichten  ist  die  Art  nicht  sicher  bekannt. 


1834 — 40 

1841 

1843 

1846 

1847 
1863 
1871 

1875 


Liopistha  Mkkk 

lAopistha  aequivalvis  Goldf.  sp. 

Taf.  15,  Fig.  9;  Abk  88 

Corbula  aequivalvis  Goldfuss,  2,  S.  250,  Taf.  151,  Fig.  15. 

Pholadomya  caudata  A.  Roemer,  S.  76,  Taf.  10,  Fig.  8. 

Pholadomya  caudata  Geinitz,  4,  S.  11,  Taf.  1,  Fig.  28 — 30. 

Pholadomya  caudata  Reuss,  2,  S.  18,  Taf.  36,  Fig.  8. 

Cardila  goldfussi  J.  Müller,  1,  S.  20. 

Pholadomya  caudata  Drescher,  S.  342. 

Pholadomya  caudata  Stoliczka,  3,  S.  79,  Taf.  2,  Fig.  10 — 11;  Taf.  16, 
Fig.  19. 

Pholadomya  caudata  Brauns,  S.  360. 


114)  Holzapfel  1889,  2,  S.  149,  Taf.  9,  Fig.  u. 

115)  WOODS  1904—13,  2,  Taf.  39,  Fig.  5,  6. 


336 


Abh.  preuß.  gieol.  L.-A.,  Neue  Folge,  Heft  159 


1875  Pholadomya  caudala  Moescii,  S.  111,  Taf.  35,  Fig.  5;  Taf.  36,  Fig.  2,  3. 

1875  Pholadomya  aequivalvis  Geinitz,  2,  S.  71,  Taf.  19,  Fig.  6,  7. 

1877  Pholadomya  aequivalvis  Fric,  S.  124,  Abb.  98. 

1884  Liopisiha  aequivalvis  Holzapfel,  S.  471,  Taf.  7,  Fig.  5. 

1885  Liopisiha  aequivalvis  J.  Böhm,  S.  138. 

1887  Liopisiha  aequivalvis  Frech,  S.  172. 

1888  Liopisiha  aequivalvis  G.  Müller,  S.  435. 

1889  Liopisiha  aequivalvis  Holzapfel,  2,  S.  150,  Taf.  9,  Fig.  4 — 6. 

1891  Pholadomya  caudala  Langeniian  & Grundey,  Taf.  3,  Fig.  2. 

1897  Pholadomya  aequivalvis  Fric:,  S.  CO. 

1898  Liopisiha  aequivalvis  G.  Müller,  S.  76,  Taf.  10,  Fig.  9. 

1901  Liopisiha  aequivalvis  Sturm,  S.  88. 

1904 — 13  Liopisiha  sp.  Woods,  2,  S.  258,  Taf.  43,  Fig.  5 a— c. 

1912 — 13  Liopisiha  aequivalvis  Scupin,  S.  143. 

Liopisiha  aequivalvis  liegt  in  mehreren  Hundert  Steinkernen  vor.  Ihre 
Größe  schwankt  zwischen  7 mm  Höhe : 9 mm  Länge  und  33  mm  Höhe : 47  mm 
Länge.  Meistens  sind  die  Exemplare  von  mittlerer  Größe.  Das  Verhältnis  von 
Länge  zu  Flöhe  bewegt  sich  zwischen  100:70  und  100:85.  Zur  Feststellung  der 
Maße  wurde  eine  größere  Zahl  Steinkerne  von  der  E.-St.  Tannendorf  benützt, 
wo  sie  nur  wenig  durch  mechanische  Einwirkungen  verunstaltet  worden  sind. 
Die  Zahl  der  radialen  Rippen  schwankt  zwischen  28  und  34  und  scheint  vor- 
wiegend 30  zu  betragen.  Eine  Nachprüfung  des  Schlosses  sowie  des  früher 
mehrfach  erörterten  Verhältnisses  der  beiden  Klappen  zueinander  ist  an  den 
vorliegenden  Exemplaren  nicht  möglich.  Die  Art  ist  bereits  in  ausführlicher 
Weise  geschildert  worden,  so  daß  sich  nur  die  Feststellung  des  Verhältnisses 
unserer  Stücke  zu  den  verschiedenen  Darstellungen  nötig  macht. 

Goldfuss  hat  nach  der  Beschreibung  und  den  aufgeführten  Fundorten 
(Aachen,  Glatz)  nur  unsere  Art  im  Auge,  wenn  auch  die  dazugehörige  Ab- 
bildung ein  Exemplar  von  ganz  ungewöhnlicher  Größe  und  einer  höheren 
Rippenzahl  als  an  unseren  Stücken  erkennbar  zeigt. 


88 

Abb.  88.  Liopisiha  aequivalvis  Goldf.  sp  , linke  Klappe,  Steinkern. 

Emscher,  E.-St.  Tannendorf  1.  Orig.  Geol.  Landesmus.  (A  No.  493). 

Die  Beschreibung  bei  A.  Roemer  ist  zutreffend.  Auch  die  angegebenen 
Fundorte  Aachen,  Quedlinburg  und  Kieslingswalde  lassen  keinen  Zweifel  über 
die  Identität  seiner  Stücke  mit  den  unseren.  Die  Abbildung  bei  Geinitz  1843, 
Taf.  1,  Fig.  30  zeigt  in  dem  stark  zugespitzlen  Hinterteil  der  Muschel  eine 
Abweichung  von  unseren  Exemplaren,  die  mehr  abgestumpft  sind.  Trotzdem 
ist  aber  jene  Art  bestimmt  die  unsere.  Exemplare  von  Kieslingswalde  liegen 


Paläon  tologischer  Teil 


337 


zum  Vergleiche  vor.  Die  von  Geinitz  gezeichneten  Muskeleindrücke,  die  von 
anderen  Autoren  selten  beobachtet  worden  sind,  lassen  sich  an  mehreren 
Stücken  ebenfalls  wahrnehmen  (Abb.  88). 

Die  mehrfach  angezweifelte  Übereinstimmung110)  der  von  Reuss  be- 
schriebenen und  abgebildeten  Form  ist  vorhanden.  Aus  dem  „unteren  Quader 
von  Kreibitz“,  dem  von  Reuss  in  erster  Linie  aufgeführten  Fundorte,  liegt 
keine  annähernd  ähnliche  andere  Art  vor,  hingegen  die  unsere  in  großer  Zahl. 
Die  übrigen  erwähnten  Fundorte  sind  weniger  sicher,  die  Zeichnung  er- 
scheint mangelhaft  (vgl.  auch  ScuriN  1912/1913,  S.  134). 

J.  Müller  und  J.  Böiim  geben  auf  Grund  von  Aachener  Exemplaren  eine 
sehr  gute  Schilderung  der  Art,  auch  Stoliczka  beschäftigt  sich  eingehend 
damit.  Die  von  ihm  gegebenen  Abbildungen  sind  etwas  schwach  und  deshalb 
weniger  zum  Vergleich  geeignet. 

Die  von  Brauns  aus  den  Salzbergmergeln  beschriebene  Art  ist  ebenfalls 
die  unsere,  Exemplare  liegen  vor. 

Bei  Moesch  ist  die  Zahl  der  Radialrippen  mit  40  wohl  zu  reichlich  be- 
messen. Nach  der  sonstigen  Schilderung,  den  Fundorten  und  Abbildungen  kann 
nur  unsere  Art  in  Frage  kommen.  Exemplare  in  der  Größe  wie  Taf.  36,  Fig.  3 
kommen  hier  nicht  vor. 

Schilderung  und  Abbildungen  bei  Geinitz  im  „Elbtalgebirge“  stimmen 
vollständig  mit  unseren  Exemplaren  überein. 

Das  Original  zu  Fig.  98  in  Fric  1877  zeigt  auf  dem  hinteren  Schalenteile 
entgegen  der  Abbildung  keine  radialen  Rippen  und  ist  von  unserer  Art  nicht 
verschieden. 

Holzapfel  begründet  in  seiner  1884  erschienenen  Arbeit  zuerst  die  Zu- 
gehörigkeit der  Art  zum  Genus  Liopistha,  nachdem  sie  bereits  verschiedene 
Gattungsnamen  geführt  hatte.  Auch  in  seinem  großen  Werke  vom  Jahre  1888 
beschäftigt  er  sich  eingehend  mit  ihr.  Die  von  ihm  wahrgenommenen  feinen 
Stacheln  auf  der  Schalenoberfläche  konnten  auch  hier  an  verschiedenen  Hohl- 
abdrücken festgestellt  werden,  so  an  solchen  von  der  E.-St.  Tannendorf 
(El)  in  543  m Höhe,  Kreibitz  (E24),  Oberkreibitzer  Talsperre  (E5),  aus 
den  feinkörnigen  Mergeln  von  Kreibitz  (OT  y 3)  (Taf.  15,  Fig.  9).  Von 
Kieslingswalde  wird  die  Art  1891  von  Langenhan  & Grundey  und  1901  von 
St  urm  zitiert. 

G.  Müller  gibt  1898  eine  kurze  Beschreibung  und  Abbildung  der  Art. 
Das  abgebildete  Stück  erscheint  etwas  abnorm,  was  aber  auch  eine  Folge 
von  Druckerscheinungen,  die  auf  die  zarte  Schale  eingewirkt  haben,  sein  kann. 

Eric  führt  Liopistha  aequivalvis  in  seiner  Studie  über  die  Chlomeker 
Schichten  häufig  von  Kieslings  vvalde,  Chlomek,  E.-St.  Tannendorf  und 
Kreibitz  an. 

Woods  bringt  eine  Liopistha  ohne  Artbezeic.hnung  zur  Darstellung,  die 
in  jeder  Hinsicht  mit  unserer  Art  übereinstimmt.  In  Fig.  5 a scheint  der 
Hinterteil  der  Schale  falsch  wiedergegeben  zu  sein.  Woods  spricht  in  seiner 
Schilderung  nur  von  29  Rippen,  während  die  Abbildung  außer  diesen  noch 
einige  unvollständige  gegen  den  hinteren  Schalenteil  zu  zeigt,  der  nach  unserer 
Kenntnis  und  auch  nach  dem  WooDs’schen  Texte  keine  Radialrippen  besitzt. 

11-6)  Müller  1847,  i,  S.  20  u.  Holzapfel  1889,  a,  S.  löl. 


Ändert  22 


338 


Abh.  preuß.  gieol.  L.-A.,  Neue  Folge,  Heft  159 


Die  Art  ist  eine  der  charakteristischsten  Formen  des  Kreibitztales  und 
findet  sich  in  hellen  und  dunklen,  mittel-  und  feinkörnigen  Ouarzit-,  Sandstein- 
und  Mergelschichten  in  zahlreichen  Exemplaren. 

Vorkommen: 

Unterturon:  Jicin  6 (Soukup)  ; 

Mittelturon:  Schandau  2,  Pießnig  4,  Bischitz  (Mus.  Prag),  Jicin  2,  3,  5, 

8,  25,  44,  48,  51  (alle  8 Soukup),  19,  29,  36,  Kesselsdorf  Löw. 
(Geol.  Landesmus.),  Löwenberg  3 (Geol.  Landesmus.) ; 
Oberturon  aß:  Niederkreibitz  5,  Khaa  7,  Daubitz  3,  Böhm.  Kamnitz  3,  Zeichen 

1 (Seifert),  Herrenleite  (Mus.  Dresden),  Hochwald  1,  6,  In- 
nozenzidorf  2,  6,  Hockenau  Löw.  (Geol.  Landesmus.) ; 

Oberturon  y : Kreibitz  3,  4,  6,  7,  9,  10,  11,  12,  14,  Großrackwitz  Löw.  1 (Geol. 

Landesmus.) ; 

Emscher:  Jägerdörfel  1,  2,  Niedersteinschönau,  Böh